Skip to main content

Full text of "Gesammtabenteuer. Hundert altdeutsche erzählungen: ritter- und pfaffen-mären, stadt- und dorfgeschichten, schwänke, wundersagen und legenden"

See other formats


a2m 


co    ic 

co 
;co 

"cö 
;m 
■co 


co 


;-ix 


« 


w 


£* 


s 


"'■■-i 


Digitized  by  the  Internet  Archive 

in  2011  with  funding  from 

University  of  Toronto 


http://www.archive.org/details/gesammtabenteuer02hage 


%#>$ 


(iesaiiinilaheiileiHT. 

Hundert  altdeutsche  Erzählungen: 

Ritter-  und   Pfaffen- Hären 

Stadt-  und  Dorfgeschichten 
Schwanke,  Wundersagen  und  Legenden 


von 


Jakob  Appet,  Dietrich  von  Glatz,  dem  Freudenleeren 
Heinz  dem  Kellner,  Jansen  Enenkel,  Heinrich  und 
Johannes  von  Freiberg,  Hermann  Frefsant,  dem  Hufferer, 
Konrad  von  Würzburg,  Niemand,  Rafold,  Rüdiger  dem 
Hunthover,  Rüdiger  von  Müner,  Ruprecht  von  Würz- 
burg, Sibot,  dem  Stricker,  Volrat,  dem  Vriolsheimer. 
Wernher  dem  Gartener,  Herrand  von  Wildonie,  dem 
Zwingäuer  und  Anderen, 

meist   zum    erstenmal    gedruckt 

und  herausgegeben  von 

Friedrich  Heinrich  von  der  Hasen. 

<** 

Zweiter    Band. 


Stuttgart  und  Tübingen. 

J.     (>.     Colt  f  I  Chet     Verlag. 

1850. 


^ 


p 


»•■ 


Buchdruckerti  dor  .1.  (i.  Cottafschen  Buchhandlung  in  Stuttgart 


Geschichte  der   einzelne»    Erzählungen. 

XXI.     Das  Häselein 

hat  im  ersten  Theile  zwar  viel  Aehnlichkeit  mit  dem 
folgenden  Sperber,  ist  aber  schon  dadurch  milder  gehal- 
ten, dafs  die  unschuldig  um  ihre  Minne  Betrogene  keine 
Braut  des  Himmels,  sondern  ein  kindliches  Landmägd- 
lein ist,  für  welche  das  bei  der  Aernte  gefangene 
Häselein  auch  befser  pafst,  als  der  Sperber  für  die 
Nonne.  Der  dazu  sehr  gut  stimmende  und  versöhnende 
zweite  Theil,  die  Hochzeit,  ist  ganz  eigenthtimlich, 
und  wie  dieses  Gedicht  nur  in  der  Strafsburger  Hand- 
schrift übrig  (Quellenverz.  4),  so  ist  es  auch  dem  In- 
halte nach  sonst  nicht  bekannt.  Die  Worte  des  Dichters, 
dafs  er  zur  Ergetzung  und  Gunst  der  Edlen,  und  trotz 
der  Neider,  mit  Frau  Venus  Hülfe  diefs  »Abendmär- 
lein« Deutsch  reimen  wolle,  besagen  nicht  nothwendig 
eine  Uebertragung  aus  fremder  Sprache;  welche  in 
Bezug  auf  den  ersten  Theil  sonst  wol  verstanden  wer- 
den könnte,  obgleich  sie,  wegen  dieser  Beschränkung, 
und  auch  übrigens  näher  vom  folgenden  Gedichte  gilt. 
Die  Art  wie  die  vornehme  Braut,  mehr  als  naiv,  sich 
\  erschnappt,  wird  noch  in  ähnlichen  Verhältnissen 
von  unserm  Pommerschen  Fräulein  und  ihjrem  Hof- 
meister erzählt. 

XXIL      Der  Sperber. 

Hier  beruft  sich  der  Dichter  auf  mündliche  Sage. 
und  weicht  auch  bedeutend  geniig  von  dem  entspre- 
chenden A  I  tfra  uz  osischen  Gedicht  ab,  sodafs  die^.  > 
auch    wenig^tenv    nicht    unmittelbar   seine   Quelle    js| 


vi  <Öe|d)id)U'  tier  etn$*ltt*n  €r3äl)lun0*n. 

Es  ist  dort  die  viel  kürzere  Erzählung  vom  Kranich, ' 
und  anstatt  des  Klosters  ist  es  ein  Thurm,  wo  ein 
Burgherr  seine  schöne  Tochter,  zur  Sicherung  ihrer 
Ehre,  mit  ihrer  Amme  versperrt  hat.  Während  diese 
einen  Löffel  holt  und  die  Thüre  offen  läfst,  kömmt 
ein  Knappe  mit  einem  (durch  einen  Sperber)  gebaizten 
Kranich.  Nach  dem  ersten  Schaden  geht  die  Amme 
abermals  weg,  und  holt  ein  Mefser,  den  gerupften 
Kranich  zu  bereiten;  und  nach  dem  rückgängigen  Han- 
del nimmt  ihn  der  Knappe  wieder  mit  sich  weg.  — 
Dieser  rohern  Gestalt  gemäfs  ist  auch  die  Darstellung 
vielmehr  eine  Blofsstellung  von  der  schamlosesten 
Nacktheit;  wie  solche  denn  überhaupt  sehr  vielen  Alt- 
französischen Gedichten  von  der  Minne2  gemein  ist. 
Absonderlich  klingen  dicht  daneben  die  Betheurungen  bei 
allen  Heiligen  von  Orleans,  und  beim  Apostel  Petrus!  — 
Unser  ritterliches  Gedicht  vom  Sperber  und  der  kindli- 
chen Nonne  mit  ihrer  geistlichen  Mutter  nimmt  sich  ge- 
gen diesen  Französischen  (Fischart  dolmetscht  »franksäui- 
schen«) Kranich  ebenso  züchtig,  wie  gebildet  aus. 

Die  Beliebtheit  dieses  Gedichts  durch  mehre  Jahr- 
hunderte bekunden  acht  Handschriften  und  eine  Alt- 
niederrheinische Umschreibung.  Vgl.  Quellenverzeich- 
nis 26.    Zwei  Abdrücke  ebd.  4.  6.  10. 

XXII I.     Das  Gänselein. 

Auch  dieses  Gedicht  ist  aufserdem  ebensowenig 
bekannt,  als  der  Dichter  desselben.  Das  Gänselein  ist 
aber    sichtlich   das    Seitenstück   zu    dem    vorstehnden 

1  Burbuzun-JVleon  IV,  250:  De  la  Griie.  148  Keimzellen. 
Aus  den  Handschriften  7218.  761 5.  und  St.  Germain  1830.  Le- 
fjrand  IV,  299  Auszug;  in  der  Ausg.  von  1829  IV,  302,  mit 
I  m  ber  i's  Reimen 

2  So  steh!  hier  für  dieses  schöne  Wort  immer  le  foutre, 
was  freilich  noch  ein  so  allgemeiner  Französischer  Ausruf 
ist,  dafs  schon  ein  conte  bei  Barbaian-Meon  f 1 1,   488  'Legrand 


Sperber:  Kloster,  Mönch  und  Abt  sind  ganz  entspre- 
chend der  Nonne  und  ihrer  Oberin,  das  Gänselein  ist 
zugleich  das  Mägdelein.  Die  Reden  des  Mönchs  und 
seine  frommen  Wünsche  für  das  Kloster  sind  ebenso 
vergnüglich,  wie  jene  der  Nonne;  und  der  Abt  mufs 
ebenso  durch  seine  eigene  Schuld  sich  trösten,  und 
schweigen,  wie  die  Oberin.  Der  alte  Fibelspruch: 
»Das  Fleisch  der  Gänse  schmecket  wohl«  bewährte 
hier  sich  in  neuem  Sinne.  —  Des  Dichters  Seitenblick 
am  Schlufse  auf  das  Kloster  Drahow,  wo  zwei  oder  drei 
Mönche  solchen  Geschmackes  ebenso  ihren  Abt  alles 
mögen  zum  besten  kehren  lafsen,  meint  wol  das 
noch  so  stattliche  und  wolhäbige  Benediktiner-Kloster 
Strahov  hoch  am  Hradschin  in  Prag;  in  welcher 
Stadt  damals,  am  Hofe  der  Böhmenkönige,  Deutsche 
Sprache  und  Dichtkunst  gepflegt  wurden;  sodafs  ich 
dort,  namentlich  auch  in  der  glanzenden  Bibliothek  Stra- 
hovs,  Altdeutsche  Ueberbleibsel  davon  gefunden  habe.  ' 
Drahov,  was  ich  sonst  nicht  finde,  ist  aber  gleichwol  ein 
Böhmischer  Name,  wie  Drahomira  u.  a.  Ist  hier  Stra- 
hov zu  verstehn,  so  wohnte  der  Dichter  auch  wol  in 
Prag,  und  kannte  das  Leben  dieser  Mönche. 

Ein  kurzer  Keimspruch  eines  viel  spätem  Französi 
sehen  Dichters,  Martin  Franc  um  1450,  deutet  den  In- 
halt nur  im  Allgemeinen  an:  dafs  einem  Mönche  die 
schönen  Frauen  für  Gänse  ausgegeben  wurden,  und 
er  nun  weder  efsen  noch  trinken,  sondern  nur  die 
Gänse  sehn  wollte,  wie  er  den  anderen  Mönchen  sagte.  2 

Früher   erzählt  Boccaccio    (Eingang  zu  IV):  ein 
i  lorenzer  Bürger,  Filippo   Balducci,  wird  Witwer  und 

IV  \\1  von  einem  FrXoleffl  erzählt,  die  jedesmal  darüber  in 
Ohnmacht  fiel,  jedoch  die  Sache  sich  so  gfenan  umschreiben 
und   an   sich   aufführen   liefs,  wie   hier  pcschiehl 

1  Itriefe  in  die  Heimal   '1810,   I.   18. 

2  Blfl  kurze  Gedieht  in  2  a'htreimijjen  Strophen  wiederhol» 
L    Ideler.  Ailfranz    Ntl-Litt.  8   598,  vgl    9.  213,  Anm.  \). 


vni  tfM(i)id)U  tii-v  einzelnen   QBr^ä^luuyen. 

begibt  sich  auf  den  Berg  Asinajo  als  Einsiedler, 
wo  er  seinen  Sohn  bis  zum  18ten  Jahr  erzieht,  dann 
mit  nach  Florenz  nimmt,  und  ihm  dort  junge  von 
einer  Hochzeit  kommende  Mädchen  junge  Gänse  (pa- 
perej  nennt,  aber  vergeblich  davor  warnt,  weil  sie 
dem  Jüngling  über  alles  gefallen,  sodafs  er  gern  eine 
davon  mitnehmen  will.  —  Lafontaine  hat  hienach 
seine  Erzählung  les  oies  de  frere  Philippe  gereimt.  ' 

Hiedurch  bildet  sich  ein  Uebergang  zu  den  Er- 
zählungen, wo  dieses  bedeutsame,  mit  der  reine  pie- 
dauque  und  mere  d'oye  märchenhaft  verwachsene  Gän- 
selein ganz  aus  dem  Spiele  bleibt,  aber  dafür  der 
Teufel  eintritt. 

Solcher  Art  ist,  älter  als  alle  vorigen  Erzählun- 
gen, das  Beispiel  im  Barlaam  und  Josaphat:  einem 
Königssohne,  welcher,  um  seine  Erblindung  zu  ver- 
meiden, neun  Jahre  im  Dunkeln  erzogen  ist,  werden 
dann  die  Herrlichkeiten  der  Welt  gezeigt  und  benannt, 
darunter  auch  zwei  Reihen  Männer  und  Weiber  im 
Schmucke.  Die  letzten  nennt  man  ihm  zum  Scherze 
Dämonen:  und  auf  die  Frage,  was  von  allen  ihm  am 
meisten  gefallen,  nennt  er  die  Teufel.  —  Dieses  durch 
viele  Uebertragungen  der  Griechischen  Legende  des  Jo- 
hannes von  Damascus  im  8ten  Jahrhundert, 2  auch 
durch  Rudolfs  von  Hohenems  Altdeutsches  Gedicht,  be- 
kannte Beispiel,  ist  einzeln  daraus  übersetzt  in  den  Cento 

1   Contes  et  nouvelles   en  vers  {Paris  1768)  /.   2.  p     I. 

3  Grundrifs  282.  Die  Griechische  Urschrift  steht  in  Bois- 
sonade  anecdota  Gr.  t.  4 ;  daraus  verdeutscht  von  F.  Liebrecht 
(Münster  18 i7).  Aus  der  Lat ,  schon  von  Vincenz  von  ßeau- 
vais  erwähnten  Uebersetzung  (aus  welcher  diefs  Heispiel  auch 
wol  in  der  von  Warton  hist.  of  Engl,  poetry  III,  41.  167  an- 
geführten Perg.  Hds.  von  200  Stücken  steht)  ist  nicht  allein 
Rudolfs  Ged.  (her.  von  F.  A.  Köpke  1819,  von  F.  Pfeifer  1843). 
und  eines  Andern  Gedicht  (Nachr.  von  Diefenbach  1836),  son- 
dern auch  die  Altdeut.  Prosa,  sowie  die  Französische,  Italic- 
nische, Spanische  und  Nordische. 


tJMd)td)U  fcer  einzelnen   <l3r3at)Lun^eu.  IS 

Novelle  antiche  (n.  13),  und  wol  aus  diesen  zunächst 
von  Boccaccio  entnommen.  Früher,  im  13ten  Jahr- 
hundert, ist  es  auch  in  Herbers  Dolopatos  (7  weise  Mei- 
ster) übertragen; '  sowie  später  (Ende  des  loten  Jahrhun- 
derts) in  Cornazzano's  Proverbi  (pr.  9).  Hans  Sachs 
erzählt  es  (IV,  2,  125)  von  dem  Sohne  des  Schweden- 
königs Haidan,  vermuthlich  aus  einem  Nordischen 
Geschichtsbuche. 

XXI V.  Der  schwangere  Mönch.    Von  dem  Zavingäuer. 

Der  hier  in  der  Reihe  von  Klostergeschichten 
auftretende  Schwank  ist  manigfaltig  anders  angewandt 
und  verbreitet.  Die  kurze  Erzählung  unter  den  Fa- 
beln der  Marie  de  France2  hat  nur  die  Einbildung 
der  Schwangerschaft,  mit  eigenthümlicher  Wendung, 
indem  einem  Bauern ,  bei  nöthiger  Verrichtung  im  Ge- 
büsch ein  Mistkäfer  fescarbotj  in  den  Leib  schlüpit,  und 
er  sich  fortan  für  schwanger  hält,  was  grofse  ärztliche  Be- 
rathungen  veranlafst,  und  wichtige  Ereignisse  verkün- 
digt, sodafs  man  Tag  und  Nacht  auf  die  Wunder- 
geburt harrt:  bis  eines  schönen  Morgens  der  Käfer 
wieder  hinausschlüpft,  wie  er  gekommen  ist,  und  die 
Sache  vergefsen  und  lächerlich  wird.  —  Der  weitere 
Zug  in  noch  gangbaren  Volkserzählungen,  dafs  der 
Bauer  ein  hinter  ihm  aufspringendes  Thier  für  sein 
Kindlein  hält,  stimmt  noch  fürder  zu  unserm  Gedichte. — 

V.  Schmidt  Beitr.  27.  A.  Keller  vor  des  Bühelers  7 
uü.  M.  19.  69  mit  Hinweisung  auf  Dunlop  hist.  of  fiction  II, 
273.  Im  Dolopatos  finde  ich  es  aber  nicht.  Dunlop  wieder- 
holt Fauchet  Vorigine  de  la  langue  et  poesie  Franc.  (Paris  1581) 
p.  106,  der  nur  gelegentlich  bei  Hebers  Dolopatos  bemerkt, 
dafs  Boccaccio'*  Erzählung  aus  dem  Josaphat  herrührt. 

2  Legrand  IV.  408:  Du  villain  et  de  Vescarbot.  In  der 
Ausgabe  von  1829  auch  ohne  Urschrift,  welche  in  Roqueforts 
Ausg.  >on  Mariens  Werken  II,  203.  Legrand  scheint  diese  Kabel 
eine  Parodie  zu  der  vom  Berge,  der  eine  Maus  gebiert. 


Die  übrigen  Erzählungen  verbinden  meist  die  Ein- 
bildung der  Schwangerschaft  mit  anderen  Mystificatio- 
nen,  Listen,  Gaunereien,  sodafs  mitunter  die  Schwan- 
gerschaft gar  nicht  mehr  vorkömmt,  wie  bei  Strapa- 
rola,  '  wo  solche  Täuschungen  sich  überbieten  und 
völlig  märchenhaft  sind. 

In  Boccaccio's  Novelle  (IX,  3)  wird  dem  einfälti- 
gen und  geizigen  Calandrino  in  Florenz  von  drei  lusti- 
gen Gesellen  und  dem  Arzte  Simon  (die  als  solche 
schon  in  früheren  Novellen  vorkommen)  die  Schwan- 
gerschaft eingebildet,  und  wieder  durch  Glaret  (Ge- 
würzwein) vertrieben,  von  dessen  angeblicher  Zube- 
reitung  die  Viere  sich  einen  fröhlichen  Tag  machen. 

Eine  Erzählung  des  Giraldo  Giraldi  zu  Ende 
des  15ten  Jahrhunderts  steht  dem  Boccaccio  am  näch- 
sten: sie  stimmt  aber  merkwürdig  darin  mit  unserm 
Gedichte,  dafs  anstatt  Calandrino's  auch  ein  einfältiger 
Mönch  auftritt.2 

Spätere  Nachbildungen  sind  von  Baudius  (amo- 
res)  und  von  Poggius:  puer  gravidus.  3 

Hans  Sachs  hat  diesen  Stoff  als  Schwank, 4  und 
1544  auch  als  Fastnachtspiel 5  glücklich  und  treu  nach 
Boccaccio  bearbeitet.  Da  sind  es  vier  Bauern  und  auch 
der  Arzt  Simon.  Der  karge,  schwangere  Bauer  heifst 
Karges. 

Der  am  Ende  unsers  alten  Gedichtes  in  drei  Hand- 

1  TV.  I,  fav.  3.  V.  Schmidt  hat  zu  der  Uebersctzung  S. 
308  mehre  solche  Krzählungen  zusammengestellt,  darunier  auch 
die  zu  unserm  XLV  gehörige. 

1  Novelle  dt  Giraldo  Giraldi  Fiorentino  per  la  prima  volta 
date  in  luce.  (Amsterdam  1796)  nov.  8.  Verschieden  \on  dem 
berühmteren  Giraldi  Cinihio,  dessen  100  Novellen,  Hecalom 
mithi  schon  1565  und  1574  gedruckt     sind. 

3  Poggü  facet.  QLond.  1798)  II,  178- 

*  In  der  Kempfner  Ausg.  seiner  Werke  (1612)  I.  999. 

8  IV,  6  der  Ausgabe  von  1560.  Krneuet  von  Büsching 
II  (1819)   229 


Schriften  als  Verfafser  sich  nennende  Zwingäuer  ist 
aufserdem  nicht  bekannt. 

XXV.     Die  Nachtigall. 

Aehnlichen  Inhaltes  ist  Marie  de  France  Lai 
von  der  Nachtigall:  l  eine  Frau  in  S.  Malo  koset  mit 
dem  Geliebten,  und  sagt,  dafs  sie  dem  Gesänge  der 
Nachtigall  auf  dem  Baum  an  ihrem  Fenster  lausche; 
der  eifersüchtige  Ritter  fängt  aber  die  Nachtigall ,  zer- 
fleischt sie  und  wirft  ihr  das  Herz  hin;  sie  sendet  sie 
dem  Geliebten,  der  sie  in  einer  Goldkapsel  stäts  am 
Herzen  trägt.  —  Die  Gesta  Romanorum  (c.  121)  verbin- 
den zuletzt  durch  den  Tod  des  Mannes  die  Liebenden. 

Boccaccio's  bekannte  Novelle  (V,  4)  stimmt 
sehr  nahe  mit  unserm  Gedichte:  die  Aeltern  der  bei- 
den Gelieben  sind  Edle  der  Romagna,  der  Katharina 
Vater  ist  Lizio  da  Valbona  und  Ricciardo  gehört  zum 
Geschlechte  der  Manardi;  welche  beide  Namen  auch  bei 
Dante  ehrenvoll  neben  einander  stehn. 2  Der  Vater 
tritt  auch  in  der  Novelle  noch  etwas  kräftiger  auf,  als 
in  unserm  Gedicht  (das  nur  in  Einer  Handschrift  vor- 
liegt), er  versagt  anfangs  das  Gelüst  der  Tochter,  im 
Erker  (veronej  nach  dem  Garten  zu  schlafen,  und  ver- 
lobt die  beiden  Betroffenen  sogleich  durch  seinen  und 
seiner  Gattin  Ring.  Boccaccio's  Darstellung  ist,  wie 
gewöhnlich,  noch  etwas  südlich  nackter,  obschon  auch 
Frauen  sie  vernehmen.  —  Darnach  von  Lafontaine 
11,  166). 

Noch  weniger  verhüllt  ist  die  gereimte  Bearbeitung 
von   Casti.  '  —    Lopc  de  Vega's   Lustspiel  No  wh 

1  In  R<,iqiH'foils  Aus-ahe  ihrer  Werke  '1820;  F,  314  :  Lue 
du  luusttc:  was  doch  wnl  aus  lusctmu  entstanden  ist.  wie  ro- 
tigmolf  Spanisch  ruissehur,   Italienisch  rustgnuolo,  usignuolo. 

'   I'urgulorto    \IV.   '.»7 

1   Novelle  galant t   1 


XU  i0cj"d)id)te  t>er  einzelnen   i&^nbiuugen 

todo?  ruisenores  Los  que  cantan  entre  los  ßores  stimmt 
zu  Boccaccio,  mit  Gärtrierverkleidung.  A.  F.  v.  Schack 
Gesch.  des  Span.  Theaters  Bd.  2,  S.  373.  696. 

XX  VI.     Frauenlist. 

Der  Schlufs  dieses  Gedichts,  die  derbe  AeiTung 
des  Mannes  durch  das  Bild  im  Wafserzuber,  ist  der 
Inhalt  eines  Schwankes  unter  den  Fabeln  der  Marie 
de  France.  l  Der  Mann,  noch  einfältiger,  als  er 
durch  das  Schlüfselloch  gesehen,  geht  weg,  und  macht 
erst  Lärm,  als  die  Frau  wieder  allein  ist. 

Von  der  vorangehenden  standhaften  Bewerbung 
des  Schülers  (Studenten)  um  die  hochmüthige  schöne 
Frau  erhellt  sonst  nichts.  Die  höhnischen  Abweisun- 
gen erinnern  an  jene  in  der  Frauenzucht  von  Sibot 
(III).  Noch  mehr  die  weiteren  Gespräche,  und  endlich 
ihre  Berathung  und  Gespräch  mit  ihrem  Herzen  und 
der  Erfolg,  sind  ganz  in  der  Art,  wie  das  Herzgespräch, 
welches  unter  ähnlichen  Verhältnissen  die  Heidin 
(XVIII)  führt.2  In  den  Liedern  der  Minnesinger 
kommen  solche  Gespräche  mit  dem  Herzen,  das  in 
ihrer  Geschichte  so  bedeutsam  erscheint  (XI),  noch 
häufiger  vor:  wie  in  den  geistlichen  Gedichten  die 
Gespräche  mit  der  Seele.  »Der  Minne  Buch,«  worauf 
die  Frau  sich  beruft  (388),  meint  wol  weniger  irgend 
ein  bestimmtes  Minnegedicht,  als  überhaupt  eine 
Sammlung  von  Aussprüchen  der  Minnehöfe,  oder  von 
Minneabenteuern,  wie  das  spätere  »Buch   der   Liebe.« 

Diefs  Gedicht  steht  nur  in  zwei  Handschriften,  wel- 
che überdiefs,  ungeachtet  des  starken  Einschiebsels  der 

1  Legrand  IV,  394:  Du  prudt homme  qui  vit  sa  femme  avec 
nn  amant .     Roqueforts  Ausg.  ihrer  Werke  II,  206. 

2  Beide  Gedichte  gebrauchen  auch,  mit  Wallher,  den 
Spruchreim  vom  Erwerben  und  Verderben.  Z.  133  und  XVIII. 
1033 


<&efd)id)te  Her  einzelnen  <&xitylvin$en.  xni 

Abschrift  (hinter  348),  nur  als  Eine  gelten.  '  —  Es 
könnte  wol  mit  XVIJI  der  Heidin  von  Einem  Ver- 
fafser  sein. 

Aehnlichen  Inhaltes,  doch  eigenthümlich,  ist 
XXXVIII  Weiberlist. 

XXVll.  Fraueribeständigkeit. 

Das  Altfranzösische  Gedicht  von  der  Kauf- 
mannsfrau in  Orleans,  die  ihren  Mann  abbläuen  liefs, 2 
stimmt  eben  nur  darin  mit  unserm  Deutschen,  dafs  die 
Frau  ihren  eifersüchtigen  Mann  züchtigen  läfst,  indem 
sie  sich  stellt,  als  hielte  sie  ihn  für  den  zudringlichen, 
und  deshalb  zur  Schönen  bestellten  Liebhaber.  Dieser 
ist  nämlich  einer  von  vier  jungen  Studenten  (clercsj 
in  Orleans,  den  die  Kaufmannsfrau  während  einer 
Marktreise  ihres  Mannes  aufrichtig  bestellt.  Es  wird 
aber  durch  eine  kleine  Nichte  des  Mannes  verrathen, 
der  nur  zum  Schein  abreist,  und  wolverhüllt  dem 
Liebhaber  zuvorkömmt.  Die  Frau,  die  selber  ihn 
einläfst,  erkennt  ihn  aber,  sperrt  ihn  in  ein  Zimmer, 
dort  etwas  zu  warten,  und  schickt  nun  all  ihr  Ge- 
sinde, und  selbst  die  Nichte  und  ein  Paar  Neffen  hin- 
ein, die  auch  den  angeblichen  Liebhaber,  indem  sie 
ihm  die  Kaputze  fest  über  den  Kopf  ziehen,  schmäh- 
lich durchprügeln  und  ihn  aus  dem  Hause  auf  den 
Mist  werfen,  während  die  Frau  sich  mit  dem  Lieb- 
haber vergnügt.  Der  zerschlagen  heimkehrende  Mann 
gibt  vor,  Räubern  in  die  Hände  gefallen  zu  sein,  wird 
gepflegt  und  abheilt,  und  freut  sich,  eine  so  tugend- 
bewahrte  Gattin  zu  haben.  Ebenso  bei  Boccaccio  u.  a.  — 

1  Gedr.  Koloczaer  Codex  95.     Auszug  von  Genlhe  IF,  23*.). 

2  Barbazan- JWeon  III,  161:  De  la  borgoise  d'Orliens. 
Au*  der  Hds.  7218  218  Reimzeilon.  tegrand  IV,  287  fügt 
norh  der  L'efoerschrifl  hinzu:  De  la  Dame  qui  fit  battre  son 
muri.  An-::,  von  1820  IV.  294  hat  die  Urschrift  nicht.  La- 
fontaine     nach  BoCfaCCiO,    II.   15:    Le  cocu  ballu  et  content. 


\i \  ©efd)td)te  Her  eiit3*lntu  <£v3ol)lu!Hjen. 

Die  glänzendste,  in  ihrer  Art  vollendete  Ausbildung 
unsers  Stoffes,  zwar  mit  echt  Spanisch  auf  die  Spitze 
getriebener  Wendung  und  tragischem  Ende,  ist  all- 
bekannt mit  dem  Don  Quixote,  in  der  Novelle  von 
dem  »Fürwitzigen  Neugierigen«  fei  curioso  impertinente ). 
^Millot)  histoire  des  Troubadours  III,  296  gibt  Raimond 
Vidal's  Nordfranzös.  ähnliche  Erzählung  von  zwei  Ara- 
gonischen Rittern,  die  dem  König  Alfons  von  Castilien 
(st.  12.  14)  vorgetragen  ward. 

XXVIII.      Die   Teufelsacht. 

In  der  Novelle  Boccaccio's  (III,  9)  ist  der 
Nerv  das  rimettere  ü  diavolo  in  infemo  gemeinsam 
mit  unserm  Gedichte,  dort  aber  noch  bedeutsamer, 
indem  die  junge  Alibech  eine  Heidin  der  Barbarei  zu 
Kapsa  ist,  und  begierig,  nach  Weise  der  Christen  Gott 
zu  dienen,  sich  zu  den  heiligen  Einsiedlern  der  The- 
baischen  Wüste  begibt,  wo  sie,  von  einigen  weiter- 
gewiesen, endlich  am  Bruder  Rustico  ihren  Lehrer  des 
Dienstes  findet,  in  welchem  sie  bald  so  eifrig  wird, 
dafs  Rustico  froh  ist,  ihrer  wieder  ledig  zu  werden. 
Sie  ist  nämlich  unterdessen  Erbin  bedeutenden  Ver- 
mögens geworden,  und  ein  junger  Freier  Neerbale 
sucht  sie  auf,  und  führt  sie  heim.  Sie  beklagt  sich 
gegen  die  Frauen,  dafs  sie  dem  frommen  Dienst  ent- 
zogen worden,  und  wird  zwar  auf  ihren  Bräutigam 
verwiesen,  seitdem  aber  ist  das  rimettere  ü  diavolo  in 
Inferno  sprichwörtlich   übers  Meer  herübergekommen. 

Auch  diese  Novelle  hat  Casti1  gereimt,  sowie 
vor  ihm  schon  Lafontaine.2 

Unser  Gedicht  (in  zwei  Handschriften  die  nur  für 
Eine  zählen)  hebt  erst  beim  Schlufse  der  Novelle  an, 
und  macht  den  Bräutigam  zum  Teufelsächter. 

1  Novelle  galant i  14. 

2  II,   108:  Le  diable  en  ertfer. 


®efd)id)te  fccr  einzelnen  €t3cil)lungeti.  x\ 

XXIX.      Der  wahrsagende  Baum. 

Zu  diesem  Gedicht  (in  drei,  eigentlich  nur  zwei  ' 
Handschriften)  weifs  ich  nichts  Entsprechendes  nach- 
zuweisen. Das  ländlich -sittliche  Bild  dürfte  wol  ein 
heimisches  sein.  Der  von  heilenden  Heiligen  bewohnte 
hohle  Baum  ist  noch  eine  Verwandlung  der  heidni- 
schen Baum-  und  Hainverehrung  in  Christlichen  Hei- 
ligendienst. Man  denke  an  die  Altgermanische  Eiche 
ihres  Jupiters  (Donnergottes  =  Thor)  und  an  des  Deut- 
schen Apostels  Bonifacius  Umhauen  der  Donnereiche 
desselben  an  der  Dimel,  wobei  man  erwartete,  dafs 
Feuer  herausfahren  und  ihn  vernichten  würde.  Im 
Niederland,  zwischen  Koeklenberg  und  Moelenbek,  un- 
weit Brüssel,  erzählt  man  noch,  dafs  einen  uralten 
hohlen  Eichbaum  nachts  eine  Flamme  umspielt,  und 
eine  graunvolle  Stimme  daraus  einem  Wanderer  zu- 
gerufen :  »Geh  zu ,  geh  zu !  für  dich  ist  der  Tag,  und 
die  Nacht  ist  für  mich!«  und  bei  jedem  Worte  star- 
kes Feuer  aus  dem  Baum  gefahren:  sodafs  der  Wan- 
derer erschrocken  heim  eilte.  2  Auch  sonst  singen  und 
sagen  Volkslieder,  Abend-  und  Morgenländische  Nacht- 
und  Tag-Märchen  von  singenden  und  redenden  Bäu- 
men mit  ihren  Blätterzungen,  namentlich  von  solchen 
Orangenbäumen,  Hasel-  und  Holunder-  oder  Holler- 
büschen. 

XXX.     Der  entlaufene  Hasenbraten.     Von  dem 
Vriolsheimer. 

Das  Altfranzösische  Gedicht  von  den  Rebhüh- 
nern ■    weicht  von   unserm    Altdeutschen   nur  in   ein- 

v  Gedr.  aus  der  Gothaer  Hds.  (Quellenverzeichnis  29;.  Aus- 
zug von  Genthe  II,  248. 

2  Niederländische  Saj?en,  her.  von  .1  W.  Wolf  (Leipzig 
1843)  Nr.  421. 

i  Barbazan-  JVJeon  III.    181:    Lf  dit  drx  pardriz,    aus    der 


xvi  <&efd)id)te  bet  ttnjtlimt  €r3ol)lunöen. 

zelnen  Umständen  ab :  dort  ist  ein  Bauer,  Gombaud  (Gun- 
debald),  der  in  seinem  Gehäge  zwei  Rebhühner  fängt, 
die  Frau  ifst  sie  allein,  und  sagt,  die  Katze  habe  sie 
gefrefsen,  beschwichtigt  dann  aber  des  Mannes  Zorn  da- 
durch, dafs  sie  vorgibt,  der  Braten  stehe  verdeckt  warm. 
Der  Kaplan  umarmt  vertraulich  die  Frau,  und  diese  bildet 
ihm  ein,  ihr  mefserwetzender  Mann  wolle  ihn  abälar- 
disiren,  '  sodafs  er  entrinnt,  und  sich  vor  dem  Nach- 
laufenden in  seinem  Hause  verschliefst. 

Manigfaltig  ist  dieser  Schwank  wiederholt,  und 
Legrand  führt  folgende  Sammlungen  an: 

Passa  tempo  de'  curiosi  p.  22. 

Nouveaux  contes  ä  rire  p.  266. 

Facette,  motti  e  burle  da  Chr.  Z  ab  ata  p.  06. 

Contes  du  sieur  d'Ouville  t.  2,  p.  225. 

Wiederum  gereimt  von  Imbert. 

Ihnen  ist  beizufügen:  Tlmoneda  Alivio  de  Cami- 
nantes  P.  II,  n.  54.  Bibl.  de  aut  Espanol.  vol.  3.  Mad- 
rid 1846. 

Der  Verfafser  unsers  Gedichts  (in  zwei,  eigentlich 
nur  Einer  Handschrift) , 2  der  sich  Vriolsheimer 
nennt,  ist  nicht  weiter  bekannt.  Sein  Name  ist  doch 
wol  von  Friaul  herzuleiten,  Altdeutsch  Vriül,  Frlül 
(noch  näher  am  ursprünglichen  Forum  Julü),  wie  es 
im  Gedicht  des  dort  benachbarten  Wildonie  (XLIII,  21) 
steht.  —  Derselben   Gegend  könnte  auch  der  Vriols- 


Handschrift  7218,  156  Reimzeilen.  Legrand  III,  442  bezeich- 
net es  mit  zwei  Sternen  ,  als  wenn  es  zum  Castoiement  dun 
pere  a  son  ßls  (Belehrung  in  Beispielen,  bei  Barbazan-M6on  II) 
gehörte,  was  jedoch  nicht  der  Fall  ist.  Die  Ausgabe  von  1829 
IV,  38  fügt  die  Urschrift  nicht  bei.  Eine  Deutsche  Uebersetzung 
der  letzten  steht  im  Berliner  Conversations-Blatt  1829,  Nr.  252: 
,,Die  beiden  Schnepfen."   Deut.  Uebers.  Legrands  IV,  110. 

1  Das    meinen    auch   die    beide   Z.  101    und   der    eine 
109,  verglichen  mit  76  ff. 

2  Aus  der  Koloczaer  Hds.  erneut  von  Mailath  246. 


®efd)td)te  fccr  einzelnen   (ßrjctyluitflen.  xvn 

heimer  angehören.  —  Ueber  den  verwandten  Theil  des 
folgenden  Gedichts  mehr  bei  diesem. 


XXXI.     Der  Reiher. 

Der  vordere  Theil  dieses  nur  in  zwei  Handschrif- 
ten (die  für  Eine  gelten)  stehenden  Gedichtes '  ist  eine 
Variation  des  vorigen:  hier  ist  eine  Gevatterin,  deren 
Mann  nach  St.  Jakob  (in  Spanien)  gewallfahrtet,  beim 
Gelüste  der  Frau  nach  dem  verbotenen  Braten  stärker 
im  Spiele.  Und  dieser  Braten  ist  ein  Reiher,  welcher 
Vogel  der  hohen  Jagd  der  Reiherbaize  nicht  blofs 
der  Federn  wegen  gejagt  wurde,  sondern  auch,  wie  der 
Kranich  (zu  XXII)  und  Pfau,  die  ritterliche  Tafel 
zierte.  Sonderbarer  Weise  wird  hier  der  Reiher  durch 
einen  Hahn  erschreckt  und  gefangen,  und  der  wolhä- 
bige  Landmann,  der  mit  dem  Hahn  auf  der  Hand, 
wie  ein  Ritter  mit  dem  Falken,  lustwandelt,  will  den 
Reiher  seinem  Herrn  vorsetzen.  Es  erinnert,  zufällig 
wortspielend  daran,  dafs  der  Mann  ein  Hahnrei,  oder 
laut  alter  Auslegung  ein  »Hahnreiher«  2  ist,  in  einer 
folgenden  Erzählung,  wo  die  Züchtigung  und  das  Haar- 
abschneiden 3  der  Frau  dadurch  befser  begründet  ist. 
Zu  jener  Erzählung  (XLIII),  wo  die  uralte  Ueberlie- 
ferung  in  ihrer  spätem  Ausbildung  und  in  vollem  Zu- 
sammenhange auftritt,  ist  die  Geschichte  dieser  Dich- 
tung gehörig.  Vorliegendes  Gedicht  vom  Reiher  ist 
sehr  nachläfsig   in    den   Reimzeilen   und   scheint    von 

1  Gedr.  Kolocz.  Cod.  127.  Auszug  von  Gräfse  II.  243. 

i  Zu  Dr.  Lüicke's  Abhandlung  über  dieses  Wort  in  Ger- 
mania I  (1836,,  1o5  ist  noch  anzuführen:  der  Hahnreyen  Ab- 
kunft 1652,  mit  der  Ableitung  von  einem  Hahnen-Reigen- 
Tanz,  den  auch  ein  Holzschnitt  abbildet;  ist  mit  v.  Naglers 
Sammlung  in   die  Berliner  Bibliothek  gekommen. 

Verhängnisvoll  klingt  hierZ.  10  der  schon  in  XVIII  und 
XXVI  vorgekommene  Spruch  vom  langen  Haar  und  kurzen 
Sinn   der  Weiber.    Vgl.   die  Klage:     .spannelanger  Weibessinn." 

n.    d,    Hmfrn       Or.«  mm  l»br  nlm  >r.     II  || 


will  (fMri)id)tf  Tier  einzelnen   <£rjäblunflfn 

ungeübter  Hand,  der  es  jedoch  nicht  an  Anspielungen 
mancher  Art  fehlt.  ! 

XXX11    Ehestandy   Tod  und  Hochzeit- 

Auch  zu  diesem  Gedicht  ist  mir  nirgend  etwas 
Entsprechendes  vorgekommen,  und  meine  Ueberschriit 
ist  nur  Hindeutung  auf  die  davon  unabhängige  Dich- 
tung eines  ähnlichen,  doch  zugleich  ganz  eigenthüm- 
lichen  Verhältnisses,  Das  lebhaft  ausgeführte  Gedicht 
ist  eine  Süddeutsche  Dorfgeschichte;  und  dorthin  ge- 
hören auch  die  sieben  Handschriften  derselben  durch 
mehre  Jahrhunderte.  Dafs  es  in  der  Würzburger 
Handschrift  von  Strickers  »Welt«  (Quellenverz.  12) 
steht,  weist  ebendahin. 

XXXIII.     Ehe  im  Leben  und  Tode. 

Ein  Altfranzösisches  Gedicht2  stimmt  mit 
dem  unsrigen  nur  in  dem  wirksamen  Kunstgriffe  der 
Frau,  den  Mann  zu  beschwichtigen,  dafs  sie  sogleich 
in  ein  Kloster  gehn  will,  und  nun  der  Mann  froh 
ist,  dafs  sie  sich  erbitten  läfst,  bei  ihm  zu  bleiben. 
Der  Anlafs  dazu  ist  aber  ganz  anders,  indem  ein  Bauer 
sein  Weib,  die  er  mit  einem  Freunde  ins  Gebüsch 
gehn  sieht,  eifersüchtig  deshalb,  schilt;  worauf  sie 
es  für  eine  gespenstische  Erscheinung  ausgibt,  welche 
ebenso  ihres  Vaters  und  ihrer  Mutter  Tod  angekün- 
digt habe,  daher  sie  ihr  Seelenheil  berathen  wolle. — 
Von  unserm  in  denselben  sieben  Handschriften  mit 
dem  vorigen   enthaltenen  Gedichte  gilt  auch  dafselbe. 

1  Aufser  der  öfter  (XIII)  erwähnten  St.  Gertrud  (380). 
Woirhart  (206). 

2  Legrand  III,  440:  Du  vi  Hain  qui  vit  sa  fenne  avec  un 
autrc.  Die  Ausgabe  von  1829  IV,  35  fügt  diesem  Auszüge 
die  Urschrift   nicht  bei.    Deut.  Uebers.  IV,  108. 


<$efd)td)te  ticr  einzelnen  Erzählungen.  \i\ 

XXXI  K      Scheidung  und  Sühne, 

Auch  dieses,  zwar  nur  in  zwei  Handschriften 
welche  überdiefs  nur  für  Eine  zählen)  enthaltene  Ge- 
dicht gehört  dem  Inhalt  und  der  Darstellung  nach 
ganz  zu  demselben  Kreise  mit  den  beiden  vorigen, 
und  das  fröhliche  Liedersingen  ist  so  wie  in  einem 
folgenden  Abenteuer. 

XXXV.     Ehefrau   und   Bulerin.      Von  Herman 

Fr  ef saut. 

In  dem  entsprechenden  Altfranzösischen  Gedichte 
des  Jean  le  Galois  d' Aubepierre'  wohnt  der 
Kaufmann  Renier  zu  Decise  in  der  Grafschaft  Nevers, 
auf  einer  Loire- Insel,  und  seine  schöne  Frau  Phelise 
ist  eine  Ritterstochter;  er  unterhält  nur  Eine  Bulerin 
Mabille,  und  verspricht  ihr,  als  er  mit  Samt-  und 
Seidenzeug,  Gold-  und  Silbergeräth  zum  grofsen 
Markte  nach  Troyes  reist,  ein  Kleid  von  Ypern.  Ein 
Spanischer  Gewürzhändler  aus  Galizien  eröffnet  ihm 
das  Verständnis  des  Hellerbeutels  fbourse  d'un  denicr) 
voll  Witz,  welchen  die  Frau  verlangte;  und  nach  der 
Bewährung,  worin  die  Frau  all  ihre  Habe  darbietet,  und 
auch  das  für  die  Bulerin  gekaufte  Kleid  erhält,  prüft 
der  Kaufmann  noch  seine  Freunde,  die  ebenso  schlecht 
bestehn,  wie  die  Bulerin,  und  durch  die  Ankunftsei- 
ner reichen  Waarenlager  beschämt  werden. 

Fauchet  gab  schon  einen  umständlichen  Auszug 
dieser  Erzählung, i   und  darnach    hat   der  ungenannte 

'  ll.irbaznn  -  Meon  IN,  38:  De  la  bourse  pleine  de  sens. 
Par  ./rhans  U  Galois  d aubepierre ,  aus  den  Hdss.  7218  und 
7615.  432  Reim/eilen.  Legrand  IN,  402.  Ausg.  v.  1829.  IV, 
I.  Dfiii.  lieber*.  IV.  77. 

2  Recueil  de  lorigine  de  la  langiie  et  poesie  Franc.    (Paris 

1581;    p.    1f>7—  litt.    Gereimt    im   Mercure  galant   1f>8'i    Octob. 

-    Unter    den   drei  aubepierre    ist    wahrscheinlich    das  nächste 

.in   Neren   in    der  Matche ,  an  der  (iianze  von   llcrri,  gemeint. 


xx  <$efd)irf)te  fccr  einzelnen  <£r3äl)lnnrjen. 

Herausgeber  der  Italienischen  Novellensammlung  eine 
Novelle  gearbeitet,  die  einzige  darin  von  ihm,  womit 
er  die  Sammlung  beschliefst,  um  an  diesem  Beispiele 
zu  bewähren,  wie  die  Italienische  Novellendichtung 
vornämlich  aus  den  älteren  Französischen  Erzählungen 
hervorgegangen  ist.  ' 

Unser  Deutsches  Gedicht  hält  sich  .  auch  dem 
Französischen  ziemlich  nahe,  zwar  fast  namenlos,  von 
einer  Stadt,  die  etwa  Hermans  heimisches  Augsburg 
meint,  von  wo  die  Handelsreise  durch  Frankreich 
Flandern  (297.  322)  geht,  sodafs  der  Rock  von  Ypern 
(81.  335)  völlig  mit  dem  Französischen  stimmt,  aber 
mit  der  zweiten  Bulerin  noch  Gent  (169)  hinzukömmt. 
Der  kürzere  Abschluß  ist  befser,  die  übrige  Darstel- 
lung ausführlicher  und  frischer,  gemäfs  dem  einge- 
ständlich  ersten  Werke  des  Dichters,  der  mit  Recht 
billiges  Urtheil  dafür  anspricht,  nach  dem  alten  Sprich- 
worte, nicht  »in  der  Mühle  harfen«  will  (8),  und  sich 
vertraut  zeigt  mit  der  biblischen  Geschichte  (Tobias 
290),  und  Mythe  (Sirene  587),  wie  mit  den  Dichtun- 
gen von  der  Tafelrunde  (Parzival,  Tristan  585  ff.) 
Auch  in  der  Wahl  des  Stoffes  ist  er  glücklich  gewe- 
sen, und  behandelt  ihn  mit  herzlicher  Theilnahme. 
Kennen  wir  diesen  Her  man  Frefsant  zwar  weiter 
nicht,  und  gehört  er  auch  zu  den  jüngeren  Dichtern, 
so  hat  er  sich  hier  jedoch  den  Dank  der  oft  sprichwört- 
lich mit  Recht  gerühmten  schönen  und  tugendsamen 
Frauen  seiner  guten  Stadt  Augsburg  verdient.  In 
derselben  ist  auch  die  handschriftliche  Sammlung  (9) 
von  Erzählungen  im  J.  1447  gemacht,  welche  uns  sein 
Gedicht  vor  allen  erhalten  hat. 

Eine  andre  Altdeutsche  Bearbeitung  desselben 
Stoffes  von  einem  namenlosen  Dichter,  in  der  Lafs- 
bergischen  Sammlung  (Quellenverzeichnis  10)  ist  auch 

1  Novelliero  Itahano  (Venedig  175-ij  t.  IV,  p.  341  -48. 
Vorrede  p.  XXIII. 


tÖefd)td)ti?  foer  etnselitfn  <2Br3ctt)luu0eit.  xxi 

übrigens  ganz  namenlos,  unbestimmt,  kurz  und  dürf- 
tig [nur  102  Reimzeilen) :  hier  ist  schlechthin  ein  jun- 
ger Mann,  mit  zwei  jungen  Geliebten  ',  neben  seiner 
Frau;  er  macht  eine  Meerfahrt;  gibt  vor,  gefangen  zu 
sein,  und  bittet  um  Lösegeld;  die  Frau  erhält  beide 
für  die  Nebenweiber  gekaufte  Kleider. 

Beide  Gedichte  scheinen  ziemlich  gleichzeitig,  das 
letzte  nur  nach  Hörensagen  verfafst.  In  den  Nach- 
trägen habe  ich  es  zur  Vergleichung  wiederholt. 

XXX VI.     Das  warme  Almosen 

ist  aufser  den  vier  [eigentlich  nur  zwei)  Handschriften, 
auch  dem  Inhalte  nach,  nicht  weiter  bekannt.  Kaum 
enthält  Rudolfs  Barlaani  und  Josaphat  (vgl.  zu  XXIII) 
eine  Anspielung  darauf.  Ich  habe  die  Stelle  zu  Ru- 
dolfs Minneliedern  vollständig  mitgetheilt, 2  und  bei 
dem  Anlafs,  dafs  eine  Schöne  den  frommen  Jüngling 
verführen  und  sich  dafür  taufen  lafsen  will,  sagt  der 
Dichter: 

Ich  wurde  über  wunden  sus, 

Ob  mir  so  manigen  sue3en  kus 

Bute  also  ein  schoene3  wip, 

Da3  ich  minnete  ir  werden  lip, 

Uf  die  rede,  da3  si  sich 

Gote  ergaebe,  des  hülfe  ich; 

Ein  solich  almuosen  waer'  min  gir, 

Ob  es  geruochte  ein  wlp  von  mir. 
Ob  die  ganze  Stelle,  die  nicht  in  allen  Hand- 
schriften steht,  ein  Einschiebsel  ist,  darauf  kömmt  es 
eben  nicht  viel  an:  sie  bezeugt  wenigstens  für  sich 
den  sprichwörtlichen  Ausdruck  »Almosen«  der  Minne, 
welcher  hier  freilich  als  Gabe  der  armutseligen  Haus- 
frau etwas  stark  bethätigt  ist. 

1  „Amyen. "  Lafsberg  überschreibt  daher  dieses  Gedicht 
,,Von  den   Freundinnen."  —   Fressant   ist  wol  vrei-zanl. 

2  Minnesinger  IV,  JJ4ß 


xxii  <£ei'djid)U  tirr  cu^rintn  <£r3ät)lungeti. 

XXXVII.      Die  drei    Wünsche. 

Diefs  Beispiel  von  der  Thorheit  menschlicher  Wün- 
sche, die  zum  Verderben  ausschlagen,  oder  sich  selbst 
wieder  aufheben  müfsen,  um  nur  den  vorigen  leidli- 
chen Zustand  herzustellen,  gehtauf  das  Altindische 
Fabelbuch  zurück.  Pantscha  tantra  '  erzählt:  Der 
Weber  Manthara,  der  seinen  Webestuhl  zerbrochen, 
will  einen  Baum  am  Ufer  des  Meeres  fällen.  Ein  darin 
wohnender  Geist  erbietet  ihm  für  den  Baum  die  Er- 
füllung jedes  andern  Wunsches.  Der  Weber  beräth 
sich  mit  dem  Barbier  des  Dorfes,  der  ikn  auffordert, 
sich  zum  Könige  machen  zu  lafsen.  Die  Frau  dagegen 
beredet  ihn,  sein  Gewerbe  zu  behalten,  sich  jedoch 
zwei  Köpfe  und  vier  Aerme  (wie  ein  Indischer  Gott) 
zu  wünschen,  um  es  desto  wirksamer  zu  betreiben. 
Sein  Wunsch  wird  erfüllt,  als  er  aber  so  verwandelt 
zurückkömmt,  wird  er  von  den  Dorfleuten  als  ein  Un- 
geheuer erschlagen. 

Die  G  riechischen,  Hebräischen  und  Arabi- 
schen Bearbeitungen  der  sieben  Weisen  Meister2 
gehn  schon  ins  Abendländische  über: 

Ein  Mann  hatte  einen  Wahrsagergeist  [xi-d-m], 
der  ihm  viel  Gewinn  brachte,  und  als  er  von  ihm 
schied,  ihm  noch  die  Erfüllung  dreier  Wünsche  ver- 
hiefs.  Auf  Betrieb  seines  Weibes  wünschte  der  Mann 
sich  viele  Zeugungsglieder,  und  alsbald  hatte  er  den 
ganzen  Leib  voll  davon  [veppäv  vai  u^or);  um  der 
Last  wieder  ledig  zu  werden,  wünschte  er  alle  hin- 
weg, und  damit  auch  das  ihm  angeborene,  welches 
der  dritte  Wunsch  ihm  zurückgeben  muste. 

Dem  zunächst  steht  das  Alt  französische  Gedicht 


1  Aus  Wilson  193,  bei  Loiseleur  54.    Fehlt  bei  Dubois. 

2  Aus   Syntipas  84;    Seiidabar;    und    sieben    Visire   154. 
bei  Loiseleur  114. 


<2Mdjid)te  t>er  nulluni  (tfrjäljlungen.  xxm 

von  den  vier  Wünschen  des  Heiligen  Martin;  '  welcher 
vornämlich  in  Frankreich  verehrte  Heilige  2  hier  die 
Stelle  des  Geistes  vertritt,  und  einem  Bauern  der  Nor- 
mandie,  der  fleifsig  zu  ihm  betet,  vier  Wünsche  ver- 
leiht. Der  Mann  gibt  seiner  Frau  einen  Wunsch  ab,  und 
sie  wünscht  nun  dafselbe,  wie  die  vorige  Frau.  Darauf 
wünscht  aber  der  Mann  ihr  eben  so  viel  weibliche  Zeuge- 
glieder; und  die  beiden  übrigen  Wünsche  werden  dann 
ebenfalls  zum  Wegwünschen  und  Herstellen  verbraucht. 

Züchtiger  ist  die  Auffassung  in  einem  Gedicht  der 
Marie  de  France:3  Ein  Bauer  hat  einen  Geist 
(Folet),  der  im  Hause  spukt,  endlich  gefangen,  und 
dieser  löst  sich  durch  Verleihung  dreier  Wünsche. 
Der  Bauer  beräth  sich  mit  seiner  Frau,  und  bevor 
sie  sich  entscheiden  können,  geräth  der  Frau  am 
Sonntag  ein  Hammelknochen  in  den  Hals,  und  sie 
wünscht  nun  ihrem  Mann  einen  Waldschnepfenschna- 
bel; worauf  er  sich  durch  den  gleichen  Wunsch  an 
ihr  rächt,  und  der  dritte  Wunsch  dann  beide  her- 
stellen mufs. 

Durch  irgend  eine  Vermittelung  ist  diefs  auch  wol 
die  Quelle  von  Lafontaine^  Fabel  les  trois  souhaits, 
und  C.   Perraults   Erzählung  les   souhaits  rldicules.  * 

Dem  nähert  sich  am  meisten  unser  Altdeut- 
sches Gedicht,  wo  ein  Engel  anstatt  des  Geistes 
und  Heiligen,  das  Ganze  noch  bedeutsamer  erhebt, 
indem  Gott  ihn  herabsendet,  die  Klagen  des  Mannes 

1  Barbazan-  JVIeon  IV.  386:  Les  quutre  souhais  S.  Mar- 
tin, aus  Hds.  7218.  200  Reimzeilen. 

2  Seinen  Mantel,  die  capa  S.  Martini,  als  ein  Haupt- 
heiligthum,  führten  die  darnach  benannten  capelani  den  ältesten 
Iianzösischen  Königen  mit  in  den  Krieg.  —  Vgl.   zu  L. 

3  Unter  den  Fabeln ,  in  ihren  poesies  ed.  Roquefort  Fl, 
140.  Legrand  IV,  401;  in  der  Ausg.  von  4829.  IV,  385  ohne 
die  Urschrift. 

4  Keller  Einl.  CLXXXI1  veiweist  hiebei  noch  auf  Mad. 
de  ßeauiuoiit,   im  JVIagasin  des  enfanls. 


xxiv  <&?|d)id)te  l»cr  etnadimi  <£r3ätflung*n. 

und  seines  Weibes  über  ihre  Armut,  da  sie  sich 
doch  keiner  Schuld  bewufst  seien,  zum  Schweigen  zu 
bringen. 

Unter  den- sieben  Handschriften,  welche  die  Ver- 
breitung dieses  Gedichtes  durch  Jahrhunderte  bekun- 
den, l  findet  sich  auch  die  Sammlung  von  Strickers 
Welt,  dem  also  dafselbe  auch  angehören  würde. 

Aus  der  Heidelberger  und  Würzburger  Handschrift 
gibt  es  W.  Wackernagels  Altdeutsches  Lesebuch  455 
(2.  Ausg.  567.) 

Auf  den  Inhalt  dieser  Dichtung  deutet  auch  Rei- 
m ar  von  Zweter:2  »Unt  het1  ich  drier  wünsche  ge- 
walt.«    Dieselben  Worte  wie  in  unserm  Gedichte  Z.  81. 

Spätere  Deutsche  Bearbeitungen  dieses  Stoffes  sind: 

Kirchhofs  Wendunmuth  (Frankfurt  1573)  I,  180: 
»Von  einem  geitzigen  weib  ein  Fabel.« 

Lehmanns  erneuerter  politischer  Blumengarten 
(Frankfurt  1640):  ein  Weib,  der  St.  Peter  drei  Wün- 
sche verliehen,  wünscht  sich  erstlich  schönes  gold- 
gelbes Haar,  dann  eine  Bürste  dazu;  worüber  der 
Mann  erzürnt,  einen  bösen  Wunsch  thut,  dessen  Er- 
füllung der  dritte  wieder  aufheben  mufs. 

Hebels  »drei  Wünsche«  gibt  ein  »weifses  Weib- 
lein«  die  Bergfey  »Anna  Fritze«  (vgl.  zu  LIV)  einem 
Ehepaar,  das  sich  lange  bedenkt,  bis  der  Lise  beim 
Rösten  der  Kartoffeln  der  Wunsch  einer  Bratwurst 
dazu  entfährt,  und  der  Hans  im  Zorne  darüber  ihr  die 
Bratwurst  an  die  Nase  wünscht,  welche  der  dritte 
Wunsch  ihr  wieder  wegwünschen  mufs. 3   — 

1  Einen  Auszug  aus  der  Wiener  Handschrift  428  (Quel- 
lenverzeichnis 6)  geben  Grimm  Kinder-  und  Hausmarchen 
(1822)  III,  151.  Anin.  zu  87.  Die  hienach  von  Docen,  der 
das  Gedicht  dem  Stricker  zuschreibt,  besefsene  Handschrifi, 
ist  wol  nur  die  Würzburg- Münchener  (Quellenverz.  Hj. 

2  Minnesinger  II,  187. 

3  Schatzkästlein  des  Rheinischen  Hausfreundes  (Tübingen 
1811)  S.   117. 


<&*fd)id)te  toer  einzelnen  €rjöl)luttöett.  xxv 

Das  Widerspiel  zu  all  diesen  unseligen  Wün- 
schen bilden  die  klüglich  gethanen  und  wolgerathe- 
nen  Wünsche.  Dergleichen  sind  auch  meist  drei, 
oder  vier,  die  Christus,  St.  Peter  und  andere  heilige 
Männer  für  gute  Herberge  gewähren.  Meist  ist  es 
ein  Schmid,  und  vornämlich  der  von  Jüterbog,  aber 
auch  der  von  Bielefeld,  von  Apolda,  von  Mitterbach 
in  ßaiern,  und  anderswo  in  Süddeutschland,  von  Tachau 
in  Deutschböhmen  u.a.  Die  Wünsche,  welche  hier  meist 
durch  Werkzeuge  (Hammer,  Tasche,  Kappe,  Stuhl,  Baum) 
vermittelt  wirken,  zwingen  dem  Tode  Frist  ab,  bannen 
und  vertreiben  den  Teufel,  bringen  in  den  Himmel. 
Ein  Hannoverscher  Schmied  wird  sogar  dadurch  vom 
Bündnisse  mit  dem  Teufel  (unser  LXXXIV)  befreit.  — 
Diesen  Mären  und  Sagen  reihen  sich  an  die  mancher- 
lei Wünschelkleinode  und  Zaubergeräthe,  welche  ir- 
dische Gewalt  und  Genufs  jeder  Art  gewähren,  wie: 
der  allesfafsende  Banzen  des  Oesterreichischen  »Bru 
der  Lustig«;  die  Karten  und  Würfel  des  Böhmischen 
»Spielhansels«,  der  damit  die  ganze  Welt  gewinnt;  die 
alles  festspielende  Geige  des  Münsterischen  »Hans 
Lustig«;  der  alles  aufnehmende  Ranzen  und  nie  leere 
Geldbeutel  eines  Hessischen  Märchens:  '  also  auch  die 
drei  Wünschkleinode  des  Fortunatus,  der  Rolands- 
knappen u.  s.  w.  — 

Ein  andres  Hessisches  Märchen  verbindet  solche 
wolberathene  Wünsche  mit  den  unseligen:  als  der 
liebe  Gott  noch  auf  Erden  wandelte,  ward  er  vor  der 
Thüre  des  Reichen  abgewiesen,  von  dem  Armen  herz- 
lich aufgenommen,  und  gewährt  diesem  drei  Wünsche: 

1  Auszüge  und  weitere  Nachweisungen  über  alle  diese 
Dichtungen  gibt  Keller  zu  den  7  sages  Einl.  CLXXXII— IV, 
und  zu  liühelers  7.  w.  M.  Einl.  54.  Meist  nach  Grimm  III, 
135"  149,  wo  der  Schmid  durch  Thor  mit  dein  Hammer,  der 
Teufel  durch  einen  Kiesen  u.  I,  w.  gedeutet  weiden.  Das 
Märchen  von  dem  Schmied  und  seinem  leufelbanneoden  Baum 
kenne  ich   im  meiner  Heimat  der  rkermark. 


xxvi         <$efd)id)U  t»*r  uiir^liun  <&t$tyivin$tn. 

die  ewige  Seligkeit,  Gesundheit  und  Genüge  bis  zum 
Tode,  und  Erneuung  des  Hauses.  Der  darob  neidische 
Reiche  reitet  dem  abgewiesenen  Herrn  nach,  und 
erbittet  auch  drei  Wünsche;  darauf  sinnend,  von  sei- 
nem stolpernden  Pferde  gestört,  wünscht  er,  dafs  dieses 
den  Hals  breche;  als  das  geschieht,  trägt  er  selber 
das  Sattelzeug,  und  unter  der  Last  ärgerlich  wünscht 
er  den  Sattel  heim  und  dafs  sein  Weib  darauf  fest 
säfse:  so  findet  er  es  daheim,  und  mufs  durch  den 
dritten  Wunsch  sie  wieder  befreien.  ' 

XXXVIII.      Weiberlist. 

Dieses  nur  in  Einer  Handschrift  gefundene  Ge- 
dicht 2  weifs  ich  auch  dem  Inhalte  nach  nicht  wei- 
ter nachzuweisen.  Es  gehört  im  Allgemeinen  zur 
grofsen  Sippschaft  der  Erzählungen,  welche  die  Ueber- 
schrift  bezeichnet,  und  welche  zum  Theil  im  Altindi- 
schen Fabel  buche  (Pantscha-tantra,  von  Dubois  les  cinq 
ruses  übersetzt) ,  und  noch  mehr  in  den  eigens  darauf 
angelegten  sieben  weisen  Meistern,  manigfaltig  ver- 
ändert und  vermehrt  (bis  zu  den  40  Visiren) ,  vorgetra- 
gen werden,  sowie  ihnen  ein  besonderer  Tag  des 
Decamerone  gewidmet  ist,  in  welchem  sie  auch  sonst 
noch  genug  wuchern.  Damit  beginnt  auch  hier  noch 
eine  Reihe  solcher  Erzählungen  (bis  XLV),  derglei- 
chen schon  zuvor  (IL  IX.  XIV.  XVIII— XX.  XXVI. 
XXX.  XXXI)  sich  einmischten.  Die  eigentümliche 
Weise,  wie  hier  der  Mann  dumm  gemacht  fdupej 
wird,  die  Verzauberung,  ist  zwar  etwas  dick  aufge- 
tragen, jedoch  nicht  unglaublich. 

1  Grimm  Märchen  II,  1.  Nr.  87.  dazu  III,  153,  wo  an  Phi- 
lemon  und  Baucis  und  den  antiken,  Indischen  und  Nordischen 
Gotler- Besuch  der  Menschen  erinnert  wird.  Vgl.  J.  Grimm 
Deutsche  Mythologie,  Vorr.  S.  XIX. 

2  In  Prosa  von  Genthe  I.  441. 


XXXIX.     Der  Ritter  und  die  Nüfse. 

Ist  eine  der  manigfaltigen  Erzählungen,  wie  ein 
Ehemann  mit  sehenden  Augen  blind  gemacht  wird. 
Zuerst  erscheint  sie  in  dem  Altindischen  Fabel- 
buche, zwar  nicht  im  Pantschatantra ,  sondern  im 
Hitopadesa.  '  Eine  junge  Frau,  von  ihrem  alten 
Manne  mit  ihrem  Bulen  überrascht,  schlingt  sich  ihm 
um  den  Hals,  überhäuft  ihn  mit  Liebkosungen,  und 
hält  sein  Haupt  so  zwischen  ihren  Händen,  dafs  der 
Liebhaber  entwischt.  —  Dann,  inPetri  Alfonsi  disci- 
plina  clericalis  X,  6  —  8:  Ein  Ritter  fmilesj  besucht 
seinen  Weinberg,  und  kömmt  früher  heim,  weil  eine 
Rebe  ihm  ein  Auge  verletzt.  Die  Frau  hält  ihn  von 
der  Bettkammer  zurück,  wo  sie  den  Liebhaber  ver- 
borgen hat,  und  will  ihm  das  gesunde  Auge  vor  ähn- 
lichem Schaden  sichern  durch  ihre  Heilkunde  und 
Besprechen  fcarminar.e;  franz.  charmer),  indem  sie  ihren 
Mund  daran  hält  und  so  lange  anhaucht  ffovetj,  bis 
der  Versteckte  ungesehen  entschlüpft  ist. 2 

Uebertragen,  unverändert,  indem  Alt  französi- 
schen Gedichte  des  Vaters  Lehren  in  Beispielen.3 
Ebenso  übersetzt  von  Steinhövel,  bei  seinem  Ae- 
sop:  »Die  xiij.  Fabel  von  eim  listigen  Weib  eins  Wein- 
gartners.  Kein  böser  thier  auflf  erden  ist  dann  ein 
weib  von  argem  list.«  Auch  im  Folgenden  ist  manche 
Freiheit  des  Ausdrucks,  und  zum  Schlufse  heifst  es: 
»Durch  den  behenden  bösen  list  der  frawen  ward  der 
biderman  betrogen,  als  auch  vor  zeiten  in  Kriechenlande 

1  B.  1,  lab.  f>;  bei  Schlegel -Lassen  S.  27;  bei  Wilkins  S. 
5£    Vgl.  Loiseleur  76. 

2  Bei  V.  Schmidt  p.  48.  123  —  26,  wo  die  meisten  folgen- 
den Veränderungen   beigebracht  sind,  meist  nach  Legrand. 

1  Le  ('astitirmrnt  d'nn  per e  a  son  fite.  C'onle  VII.  De  lu 
male  ferne.  Bei  Barbazan-Meon  II,  81.  Legrand  IV,  158,  wo 
nicht  genau  übersetzt  isi  ,  dafs  die  Krau  das  kranke  Auge  kiisM 
und    du   gesunde   zuhall. 


xxviii       <ß*fd)i4)tt  t»rr  fin3*liun  <ßr3äl)lun0en. 

beschechen  ist,  gelobt  sey  Gott,  dafs  solchs  bey  vns 
nit  wirt  erfunden.«  ' 

Zum  Theil  wörtlich,  etwas  verkürzt,  übergegan- 
gen in  die  Gesta  Romanorum.  2 

Ein  sonst  unbekannter  Adolf us  hat  unter  seinen 
zehn,  im  J.  1315  einem  Ulrich  gewidmeten  Erzählun- 
gen in  elegischen  Versen,  auch  diese,  stark  mit  My- 
thologie aufgestutzt,  *  besonders  die  verliebte  Zusam- 
menkunft.    Der  Schlufs  warnt  die  Studenten: 

Omnes  istius  fraudes  audite ,  studentes, 
Ne  vos  seducat  femina  nugigera. 

Thais  amore  caret ,  juveni  non  servat  amorem: 
Fisci  bonis  viget  hie,  teque  carente  perit. 

Später,  und  freier  ist  das  Lateinische  Gedicht  in 
Senaren  von  Monnoye,4  welches  den  Mann  schon  vor- 
weg als   einäugig  aufführt,   wie   die  Novellisten   thun. 

So  die  Cent  nouvelles  nouvelles:  ein  Ritter  in  Artois, 
der  im  Kriege  das  linke  Auge  verloren,  zieht  den 
Preufsen  gegen  die  Heiden  zu  Hülfe,  und  kömmt, 
nach  tapferen  Thaten,  unerwartet  nachts  heim.  Die 
treulose  Frau  will  geträumt  haben,  er  sehe  wieder 
auf  beiden  Augen;   was   zu  bewähren,    sie   ihm   das 


1  Der  Ausg.  von  1555  1*1.   104. 

2  Cap.  122.  Kellers  Ausg.  p.  195.  Gräfse's  Uebersetzung 
I.  259.  II,  271.  Altdeutsche  Ueberselzung  (1498)  Bl.  107:  „von 
dem  ritter,  dem  ein  reb  in  das  aug  schlug,  und  den  sein  weib 
also  betrog,  wann  sy  jren  bulen  in  das  pedt  gelegt  hete."  — 
In  der  Lat.  Ausg.  1489  (o.  O.  Fol.)  Bl.  LX  .  mit  der  Mora- 
lisatio. 

3  Aus  der  Wolfenhütteier  Handschrift,  gedruckt  in  P.  Ley- 
seri  hist.  poetar.  et  poemat.  med.  aevi  (Hatae  1721)  p.  2011. 
Fabula  III.  Darin  eine  Anspielung  auf  den  armen  Heinricum, 
d.  i.  Heinricus  Septimellensis ,  geineinlich  H.  paupev  genannt. 
Vgl-  Minnesinger.  IV,  578.  Vom,  in  Akrostichen,  nennt  sich  der 
Dichter.    Die  Widmung  hinten  ist  in  Leoninischen  Versen. 

*  De  la  Monnoye  oeuvres  chois.  (La  Haye  1770)  /.  2.  p. 
351:  Uxor  Cocütis.     Den   Schlufs  wiederholt  Schmidt  124. 


®*fd)id)te  fcer  etnaeliun  (ßr3ttl)lun9en.  xxix 

rechte  Auge  zudrückt  und  das  Licht  vor  das  linke 
hält,  so  dafs  er  nichts  sieht.  * 

Die  von  Legrand  in  dieser  Reihe  genannte  No- 
velle des  Sabadino  hat  jedoch  einen  ganz  andern 
Inkalt. 2 

Straparola  gibt  in  der  Mundart  von  Treviso 
eine  breit  ausgesponnene  Erzählung  mit  Aenderungen 
und  Uebergang  zur  folgenden  Variation,  indem  der 
Mann  sich  auf  den  Boden  legen  mufs,  und  ihm  das 
Haupt  umhüllt  wird.  3 

In  Bandello's  Novelle  ist  es,  unschuldiger,  ein 
Mädchen,  die  ihre  einäugige  Wärterin  so  hinters  Licht 
führt.  4 

Der  Heptameron  der  Königin  Margaretha  von 
Navarra  macht  aus  dem  Ritter  einen  alten  Kammer- 
diener des  Herzogs  Karl  von  Alencon,  der  seine  Frau 
in  Verdacht  hat,  und  auch  ihre  List  hinterher  ge- 
wahrt, sich  deshalb  von  ihr  trennt,  jedoch  durch 
Verwandte  versöhnt  wird.  5 

1  Der  Ausgabe  von  Köln  1701*.  1,  p.  121—  28.  Nouvelle  XVI. 
Le  borgne  aveugle.  Du  sind  les  bons  seigneurs  de  Prufse  vrays 
defenseurs  de  la  tres  saincte  foy  ehret ienne ;  und  die  Heiden 
heifsen  Sarrazins,  wie  in  den  Altfranzösischen  Heldengedichten 
von  Karl  d.  Gr.  die  Sachsen. 

2  Sabadino  degli  Arienti  Le  Porretane  seltantuna  no- 
velle  1483  und  sechs  folgende  Ausgaben  sind  nicht  zur  Hand:  die 
von  Legrand  (und  nach  ihm  von  Dunlop  hist.  offict.  II,  404; 
angeführle  Nov.  4  ist  in  dorn  Novelliero- Italiano  QVen.  1754) 
II,  141  wiederholt,  und  daraus  Französisch  in  der  Bibl.  des 
rom.   1778. 

8  Notle  5,  fav.  IV--  Marsilio  Vercelese  ama  la  Thia  mog- 
lie  di  Ceccato  Rabboso ,  e  in  casa  lo  conduce ,  e  menire,  cJiella 
Ja  vn  sadazzo  al  marito,  egli  chetamenle  si  fugge.  —  Die  Faxen, 
welche  die  Frau  mit  dem  Mann  anstellt,  erinnern  an  die  in 
unserm   LV  und    XXXI,  429  ff. 

*  Th.   1,   Nov.  23. 

'  Journ.  1 ,  nouv.  f>  :  Sublilile  d'une  femme  qui  feit  evader 
son  arny,  lors  aue  son  mary,  qni  esloit  borgne,  les  pensoil  sur- 
prendre. 


xxx  <&efd)td)te  fcer  einzelnen  €r$äl)lutt0en. 

Malespini's  Novelle  ist  eine  Uebertragung  aus 
den  cent  nouvelles  nouvelles,  mit  Aenderung  des  Ge- 
schichtlichen, Auslafsung  von  Artois,  und  wie  der 
Mann  einäugig  geworden.  ' 

In  der  Arcadia  di  Brenta  eines  Unbekannten  ist 
ein  ausschweifender  Schwank  daraus  geworden:  Die 
Frau  hat  eine  Menge  Buler,  deren  zwei  durch  einen 
Ring  sich  begünstigt  erkennen,  und  das  Gelübde  einer 
Wallfahrt   nach  Loretto  ist  dabei  ins  Spiel  gebracht. 2 

Aufserdem  führt  Legrand  noch  folgende  Bearbei- 
tungen an: 

Contes  du  sicur  d'Ouville.   t.  2,  p.  245. 

Nouveau  recueil  de  bons  mots.  t.  2 ,  216. 

Elite  des  bons  mots.  t.  2,  p.  290. 

Zuletzt  wiederholte  sich  diese  List  in  der  Liebes- 
geschichte des  Grafen  de  Guiche  mit  Madame,  laut 
der  Briefe  der  Herzogin  von  Orleans,  Charlotte  Eli- 
sabeth von  der  Pfalz  und  der  Biographie  universelle  t. 
32,  p.  105,   unter  Philippe  d  Orleans.  — 

Sehr  nahe  hiemit  verwandt  ist  ein  andrer  Schwank: 
ein  Mann  vertraut  während  einer  Reise  seine  Frau 
ihrer  Mutter:  diese  begünstigt  die  Liebschaft  ihrer 
Tochter,  und  als  der  heimkehrende  Mann  sie  über- 
rascht, holt  sie  eine  Webe  Leinwand  von  der  Tochter 
und  ihren  Händen,  um  sie  ihm  zu  zeigen,  und  beide 
breiten  sie  ihm  so  weit  vor  den  Augen  aus,  dafs  der 
Buler  entschlüpft. 

1  Celio  Malespini  ducento  novelle  (Venedig  1609)  ent- 
halten so  sämintliche  Cent  nouv.  nouv.,  wie  Dunlop  hist.  of  fict. 
II,  473  einzeln  nachgewiesen  hat. 

2  Bei  Legrand  p.  131  dieser  nicht  nährr  angegehenen 
Sammlung  lustiger  Geschichten,  die  in  Eheris  hihi.  Lex.  fehlt, 
und  von  welcher  V.  Schmidt  125  eine  spätere  Ausgahe  he- 
nui/te:  V Arcadia  in  Brenta,  overo  la  melanconia  sbandita,  di 
Ginnesio  Gavardo  Vacalerio  (Bologna  1673,  12),  welcher  Name, 
laut  der  Zueignung  des  Verlegers,  einen  sehr  vornehmen  Mann 
maskirt. 


t&tty'ufyU  tur  einzelnen  <tBr.\äl)lun0en.         xxxi 

So  erzahlt  Petrus  Alfonsus  (XI,  1 — 4),  unmit- 
telbar auf  den  vorigen  Schwank;  und  ebenso  folgt 
er  dicht  auf  diesen,  mit  fast  wörtlicher  Aufnahme, 
in  den  Gesta  Romanoruin  (c.  123);  in  den  Alt- 
französischen Reimen  des  Castoiement  '  (wo  der 
Ritter  zu  St.  Peter  in  Rom  wallfahrtet  und  die 
Leinewand  zu  Samt  wird);  in  Legrands  Auszug;2 
und  in  Steinhövels  Verdeutschung  nach  Alfonsus:3 
während  der  Altdeutsche  Druck  der  Gesta  Romanorum 
ihn  übergangen  hat, 4  wol  eben  der  grofsen  Aehnlich- 
keit  wegen.  Das  Unterscheidende,  zugleich  Mildernde 
ist,  dafs  hier  ein  altes  Weib,  Schwiegermutter  (noch 
sprichwörtlich  »des  Teufels  Unterfutter«),  die  Hände 
im  Spiele  hat;  noch  mehr,  dafs  hier  der  Mann  nicht 
Ein  Auge  zudrücken  mufs,  sondern  beide  ihm  ver- 
schleiert werden.  Alfonsus  allein  fügt  auf  die  Be- 
merkung der  Schwieger,  dafs  ihre  und  ihrer  Tochter 
Hand  das  Linnen  gewoben,  hinzu:  Cui  maritus:  Et  tu, 
domina ,  scis  tale  linteum  pra>parare?  —  Et  illa:  O  fili, 
multa  hujusmodi  prwparavi.  —  Im  Widerspruche  des 
gleichwol  am  Ende  bewährten  Sprichworts:  »Es  ist 
nichts  so  fein  gesponnen,  Kömmt  doch  endlich  an  die 
Sonnen.«  — 

Lange  vor  Alfonsus  waren  aber  diese  Weiber- 
Schwänke    und    Ränke    schon    im    alten   Griechenland 

1  Baibazan-Meon  II.  85:  Conte  VIII.  autre  de  la  male 
dame.     40  Reimzeilcn. 

2  IV,  160.  In  der  Ausg.  von  1829.  IV,  188  auch  ohne 
Urschrift. 

3  Minier  dem  Aesop  Bl.  104.  .Die  xiiij.  fabel  von  dem 
allen  "Weib  n»ii  dem  Linlaehen.  Die  alten  weib  seind  schnel- 
ler böfslist ,  des  hör  ein  argument.  Do  ein  kaufTmann  vf<*- 
fur"   u.  s.  w. 

4  In  Gräfse's  Anmerkung  zu  seiner  Vcrdeulschung  II,  271 
ist  die  Hinweisung  auf  den  Griechischen  Synlipas  sammt  Loi- 
seleur  p.  77.  100  zu  streichen,  die  sich  auf  die  folgende  ver- 
wandle Krzahlung  beziehen. 


xxxn  <£efd)id)te  ber  einzelnen  €r$äl)lun0en. 

bekannt,  und  in  des  Aristophanes  Thesmophoria- 
zusen  (v.  498  fT.)  kömmt,  neben  den  mancherlei  an- 
stöfsigen  und  ausschweifenden  Streichen  der  Weiber, 
auch  vor,  wie  eine  dem  Manne  durch  Vorzeigen  eines 
Gewandes  das  Auge  verhüllt,  und  den  Buler  ent- 
schlüpfen läfst.  ' 

So  hat  denn  auch  die  neuere  Zeit  diesen  Schwank 
selbst  auf  die  Bühne  gebracht.  Die  Englischen 
Komödien  und  Tragödien  haben  im  ersten  Theil 
vom  J.  1624  ein  »Lustiges  Pickelherings-Spiel  von  der 
schönen  Maria  und  alten  Hanrey,«  worin  ein  Laken, 
das  die  Mäuse  sollen  zerfrefsen  haben,  diese  Rolle 
spielt.  Dafselbe  hat  L.  A.  v.  Arnim  verarbeitet  in 
seiner  Schaubühne  (Berlin  1813):  »Herr  Hanrei  und 
Maria  vom   langen  Markte.«  2 


Eine  dritte  Erzählung  dieser  Gruppe  von  Weiber- 
listen, welche  sich  dadurch  von  den  beiden  vorigen 
sondert,  dafs  hier  nicht  Verblendung,  sondern  Spie- 
gelfechterei im  Spiele  ist,  verhält  sich  in  ihrer  Ge- 
schichte auch  ganz  ähnlich. 

Im  Altindischen  Hitopadesa,  wo  die  obige  Fabel 
als  die  Grundlage  der  beiden  vorigen  Schwanke  zu 
betrachten  ist,  findet  auch  dieser  dritte  sich  zuerst:  3 
Eine  Pächtersfrau  verkehrt  zugleich  mit  einem  Richter 
und  dessen  Sohne.  Mit  diesem  vom  Vater  überrascht, 
verbirgt  sie  den  Sohn  auf  dem  Kornboden,  und  em- 
pfängt den  Vater.  Da  sieht  sie  auch  ihren  Mann 
kommen,  und  heifst  den  Richter  mit  einem  Stock 
wie  in  grofsem  Zorne  hinaustreten.  Dem  darüber 
verwunderten  Manne  sagt  sie,   der  Sohn  des  Richters 

1  Die  ganze  Stelle  gibt  Schmidt  126.   Vgl.  zu  LVII. 

2  In  der  neuen  Ausgabe  seiner  Werke  Bd.  5.  6. 

3  B.  2,  Fab.  9.  Bei  Scblegel-Lassen  S.  66;  bei  Wilkins 
S.  136.    Tgl.  Loiseleur  77. 


®efrl)td)te  tJer  nnaelnen  <&t$ä\)[\\n$zn.       xxxui 

habe  sich  vor  dessen  Zorn  in  ihr  Haus  geflüchtet,  wo 
sie  ihn  verborgen,  sodafs  der  Vater  ihn  nicht  ge- 
funden habe.  Der  Jüngling  wird  hierauf  vom  Korn- 
boden geholt  und  freundlich  aufgenommen. 

Zunächst  ist  diese  Weiberlist  in  die  sieben  wei- 
sen Meister  übergegangen,  welche  dergleichen,  einem 
gefährlichen  Weibe  gegenüber,  erzählen.  In  der  Grie- 
chischen Uebertragung  aus  dem  Syrischen,  wo 
der  zweite  Weise  diefs  vorträgt,  vertritt  den  Richter 
und  seinen  Sohn  ein  königlicher  Kriegsmann  und  sein 
junger  Sklave,  der  als  Bote  dient,  und  im  Innern  des 
Hauses  versteckt  wird.  Der  Kriegsmann  mufs  sein 
Schwert  ziehen  und  sich  auch  zornig  als  Verfolger  stel- 
len.   Das  Uebrige  stimmt.  ' 

Ebenso  erzählen  die  Hebräische  Uebertragung,2 
und  die  Arabischen  sieben  Visire  iwo  der  Diener 
unter  einem  Korbe  verborgen  wird,  und  die  Frau 
>agt,  sie  sei  gerade  beim  Waschen  gewesen),  -  nicht 
auch  die  Abendländischen  Darstellungen. 

Gleich  der  vorigen,  zweiten  Erzählung  ist  diese 
eben>o  unmittelbar  die  dritte: 

Bei  Alfonsus  (XII,  1 — 4).  Die  Anlage  ist  ganz 
wie  die  vorige,  und  eine  Schwiegermutter  dabei  thätig, 
mich  nur  Ein  Liebhaber,  dem  sie  ein  Schwert  in  die 
Hand  gibt,  ihn  an  der  Thi'irc  stehn  heifst,  und  dem 
eintretenden  Manne  sagt,  jener  habe  im  Hause  vor 
drei  Mördern  Zuflucht  gefunden:  worauf  der  Mann 
ihn  bis  zur  Nacht  dort  behält  und  bewirthet. 

Im  Castoiement ,    mit   derselben  Ueberschrift,   wie 

1  Synlipus  ed.  Boissotiade  p.  1\).  Aus  der  Wiener  Hds.  120 
und  Parter  Hds.  2919  hei  V.  Schmidt  zu  Alfonsi  disct/jl. 
clenc.   S.    127.     DflCier'S  AaSMIg   [JMtm.   de  litt,   de  l'acad.  loyale 

/    u,  /}.  .'i.'ii,  wiederhol!  LoiMleur  100. 

2  Misehle  [Parabeln)  Sendabar. 

1  Bei  Ion.  Scott  s.  07.  in  1001  Naebl,  meiner  mit  Ha- 
bicht und  Bcnall  unieriioiiimciicn  Verdtutschaog  und  Ergän- 
zung aus    der  Ttineelteben    Hdl    durch   Habicht,   Nacht    98 'i. 

-      d       Ha.  II  Hl 


xxxiv        <$c j'd)id)t?  tJcr  einzelnen  ^rjählunflen. 

die  beiden  vorigen  Weiberlisten,  nur  mit  zwei  Mör- 
dern. ' 

In  Steinhöwels  Verdeutschung  des  Alfonsus, 
steht  diese  »Fabel«  vor  den  beiden  vorigen.  2 

Die  Gesta  Romanorum  haben  sie  übergangen.  3 

Dagegen  läfst  Adolfus  sie  dicht  auf  die  erste 
folgen,  noch  mehr  mythologisch  zugerichtet,  und  über- 
geht die  zweite.4 

Boccaccio  (VII,  6)  steht  in  näherer  Berührung 
mit  den  weisen  Meistern,  und  hat  keine  Schwieger- 
mutter, dagegen  zwei  Buler  der  Isabella  sind  zwei 
Edelleute,  Lionetto  und  Lambertuccio.  Der  Mann 
wohnt  in  Florenz,  wo  diefs  wirklich  geschehen  sein, 
also  sich  wiederholt  haben  soll. 5  —  Bei  Sansovino  III,  10. 

Poggius,  auch  aus  Florenz,  hat  Boccaccio's  No- 
velle Lateinisch  kurz  zusammengezogen.  6 

Legrand  (IV,  161)  führt  noch  folgende  Bearbei- 
tungen auf: 

Ruses  d'Amour. 

Bandello  t.  2 ,  nov.  ii  (  Una  donna  si  trova  in 
un  tempo  acer  tre  inamorali  in  casa,  e  venendo  ü 
marilo  quello  mirabilmenle  beffa;  ist  verwandten  Inhalts). 

1  Barbazan-Meon  II,  85:  Conle  IX.  Aulre  de  la  male 
ferne.  Legrand  IV,  160  (Ausgabe  von  1829,  IV,  189}  nennt 
irrig  auch  den  Dolopatos 

2  Hinler  Aesop,  Bl.  101:  „Die  X  Fabel  von  einem 
KauiTman,  seinem  Weib,  Bulen,  vnd  Sehwiger." 

a  Sie  soll  in  der  Züricher  Hds.  der  Deutschen  Gesta  Ro 
manorum  stehn,  laut  Kellers  Einl.  zum  Büheler  S.  46,  wo 
aber  die  Angabe,  sie  sei  auch  in  die  Lateinischen  Gesta  Ro- 
manorum  übergegangen,  unbelegt  ist. 

4  Bei  Leyser  poet.  med.  aevi  p.  2013 :  Fabula  IV.  Vir  lu- 
cri  cupidus  longinquos  currit  ad  fndos. 

b  Einen  Auszug  gibt  Legrand  IV,  161.  Ausg.  v.  1829. 
IV,  190.  Vgl.  zu  dieser  Novelle  V.Schmidts  Beilr.  69.  Manni 
hält  sie  Cur  geschichtlich. 

6  Poggii  opera  (Basel  1538)  p.  489:  Callida  consilia  Flo- 
i  entinae  fucinore  deprehcnsae. 


<*Md)id)tc  Tun-  einjelnen  €rjäl)lumjni.        xxxv 

(Gast)  Convivales  sermones  (Basel  1545)  t.  I,  p.  27. 
Etienne)  Apologie  pour  Herodote. 

Ottomari  Luscinii  joci  ac  sales. 

Contes  du  sieur  d'Ouville  IL  204. 

Les  face'tieuses  joume'es  p.  251.  —  Les  amans  heu- 
reux  p.  135.  —  Le  printemps  de  l'amour. 

Dunlop  (hist.  of  fict.J  nennt  (mit Lagrand)  als  Nach- 
ahmung noch  Parabosco's  Nov.  16  (I  diporti  di  Para- 
bosco.  Lond.  1795.  p.  226  J,  die  nur  entfernt  hieher  gehört. 

Unser  Hagedorn  hat  frei  nach  Boccaccio  ge- 
dichtet (II,  154),  und  führt  dazu  aufser  Gast,  noch 
als  Nachbildung  an  le  Misanlhrope  1 ,  14. 

Auch  für  die  Bühne  ist  diese  weitverbreitete  Er- 
zählung verarbeitet.  Hans  Sachs  hat  im  Jahr  1552 
ein  Fastnachtspiel  «die  listig  Bulerin«  daraus  gemacht. ' 

Von  Beaumont  und  Fletcher  ist  die  Novelle 
Boccaccio's  mit  einer  darauf  folgenden  (VII,  8.  unser 
XLIII  in  ihr  Lustspiel  Women  pleased ,  auf  welches 
schon  Shakspeare's  l^aming  of  the  shrew  (vgl.  zu  II) 
anspielt,3  verwoben;  im  zweiten  Aufzuge  spielt  der 
verkleidete  Bruder  der  Frau  Lionetto\s  Holle,  nur 
um  seine  Schwester  zu  versuchen,  und  diese  wird 
nicht  wirklich  verführt,  sondern  mit  ihrem  geizigen 
Marine  gebefsert.  3  Dancour  l  comcdie  La  Parisiennc 
mit  drei  Liebhabern,  wie  bei  Bandello. 

XI j      Die  Meier  in  mit  der   fieifs. 

Abermals  eine  Weiberlist,  einer  Jungen  mit  einer 
Alten,  den  eifersüchtigen  Mann  durch  (ieifsgeschrei 
selber  zum  gehörnten   I  liiere  zu  äffen  und  die  Meierin 

'   B.   IV,  Th.  :j,   W.  Ü.    Den  Schlufs  wiederholt  Schmidt  70. 

3  In  dein  Vorspiele.  Näfeeref  darüber  gibt  Tieck  zu  sei- 
ner UftbertetZUng  Shaksp'-are's  Th.  7  (1832);  S.  349.  Sehmidi 
71    läftt  si<h   noch   über  die  beiden   vereinigten    Dichter  aus. 

6   The  vwrks  of  /'      /'■■  Pitnwni  and  Flttchvr  (Lond.   17«>0. 
v.   H,  p    2ß. 


beritten  zu  machen.  Das  von  dein  Kitter  vorgeschla- 
gene verblümte  Zeichen  zur  Vereinigung  im  Walde 
(Z.  73  ff.)  ist  bedeutsam  aus  Tristan  und  Isolde,  in 
Obergs  Gedicht  und  der  daraus  gebildeten  Prosa.  * 

Den  Inhalt  unsers  in  drei  (eigentlich  nur  zwei) 
Handschriften  übrigen  Gedichtes  weifs  ich  sonst  nicht 
nachzuweisen. 

XLI,    Der  Ritter  unterm  Zuber.    Ion  Jakob  Appet. 

Diese  Weiberlist,  mit  Hülfe  einer  treuen  Magd, 
wie  die  folgende  Niederdeutsche  Bearbeitung  desselben 
Stoffes  sich  selber  nennt,  ist  dagegen  desto  weiter 
verbreitet,  obgleich  Hochdeutsch  nur  in  zwei  Hand- 
schriften (Quellenverzeichnis  4.  11)  übrig,  neben  wel- 
chen noch  eine  mit  Gemälden  erwähnt  wird,2  und 
von  einem  sonst  nicht  bekannten  Dichter,  der  dies- 
seits des  Rheines  zu  Hause  war  (Z.  143).  Dieser  hat, 
wie  er  eingangs  sagt,  das  Abenteuer  mündlich  von 
dem  Ritter  vernommen,  dem  es  selber  begegnet  war. 
Es  ist  aber  früher,  wie  später,  auch  schriftlich  im  Aus- 
lande manigfaltig  vorhanden,  und  mag  sich  wirklich 
wiederholt  haben. 

Zunächst  verwandt  ist  das  Al.tfranzösische  Ge- 
dicht von  der  Kufe:  eine  Kaufmannsfrau  badet  sich 
mit  ihrem  Liebhaber,  einem  Schreiber  fclercj,  als  ihr 
Mann  plötzlich  mit  drei  andern  Kaufleuten  von  Pro- 
vins  heimkömmt.  Beide  kleiden  sich  schnell  an.  Sie 
giefst  das  Bad  aus,  und  der  Buler  versteckt  sich  unter 
der  umgestürzten  Kufe.  Der  Mann  deckt  selber  ein 
Tischtuch    darüber,    und   läfst    schleunig  Efsen    auf- 

1  Im  allen  und  neuen  Buch  der  Liebe  Kap.  40. 
2  In  dem  Verzeichnis  eines  Handschriftenmalers  vor  der 
Berliner  Hds.  der  H.  3  Könige,  wo,  unter  den  35  Büchern,  25: 
Item  d.  Ritter  unter  dem  Zuber;  und  19:  Item  von  einem  ge- 
treuen ritler  der  sin  eigen  hertz  gab  umb  einer  schönen  frowen 
willen.    Zu  XI  gehörig. 


<Öe|d)td)U  t>er  eiujflneit  dBrjäljlungeit.      xxxvu 

tragen,  weil  er  mit  den  drei  Gästen  gleich  weiter  will. 
Da  läfst  die  Nachbarin  durch  ihre  Magd  die  geborgte 
Kufe  zurückfordern,  und  der  Mann  will  sie  schon 
hingeben,  die  Frau  hält  sie  aber  fest,  und  läfst  der 
Nachbarin  antworten,  sie  rnüfse  ja  wifsen,  was  Noth 
fbesoingj  sei.  Die  Nachbarin  kannte  auch  wol  solche 
Noth,  rief  einen  Bummler  fribaut)  von  der  Strafse, 
und  gab  ihm  Geld,  dafs  er  laut  »Feuer!«  schrie.  Als- 
bald stürzten  die  Kaufleute  aus  dem  Hause,  und  der 
Versteckte  entrann.  ' 

Man  sieht,  die  Verschiedenheit  betrifft  meist  nur 
Nebenumstände:  die  bedeutendste  Abweichung  ist,  dafs 
der  Mann  nicht  eifersüchtig  mit  seinen  Brüdern  heim- 
kömmt, und  die  Frau  sie  nicht  so  keck  herausfordert. 

Verschiedener  ist  die  Erzählung  der  Delices  de 
Verboqttet  le  genereux  (Paris  1623.  p.  83),  welche 
dem  Legrand  aus  dem  Fabliau  herzurühren  scheint: 
Die  vorn  Mann  überraschte  Frau  fürchtet,  ihren  ver- 
steckten Liebhaber  durch  ein  anbellendes  Hündlein 
verrathen  zu  sehen,  tritt  vor  die  Thüre,  und  kömmt 
mit  zerraufter  Haube  zurück,  und  ruft  um  Hülfe  ge- 
gen zwei  Buben;  der  Mann  eilt  hinaus,  und  der  Buler 
entwischt. 

Die  hier  fehlende  Kufe  spielt  dagegen  auch  in 
Boccaccio's  Novelle  (VII,  2)  die  Hauptrolle,  nur  mit 
andrer  Kntwickelung,  und  als  Fafs,  während  sie 
im  Altfranzösischen  Gedicht  als  Badewanne,  für  Zwei, 
am  pafsendsten  erscheint  (vgl.  LXi).  Doch  kömmt  hier 
auch  das  Fafs  tx  poit  noch  zu  Ehren.  Nämlich,  Pero- 
nella,  eines  Maurers  Frau  zu  Neapel,  läfst  ihren  Liebha- 
ber Gianello  in  das  Fafs  steigen,  als  ihr  Mann  heimkömmt 
mit  einem   Andern,    dem    er  das   Fafs    verkauft   hat. 

Barbazan    M6on  IM.  W:  />«  cuvier.    Ajus  der  Hds.  7218. 
150  r.  »in  /  iicn.     Legrandfl   Aufzug   (III.    W.\}   lüfol    <Jic  Frau 
selber  die  letzte  Lid  anwenden.    Anag,  v.  1829,  IV.  M.    Deul 
IV     120 


xxxvih        <&f|d)td)ti>  "ber  einjelnen  törsiityluitflcn. 

Die  Frau  schilt,  dafs  er  zu  wojfeil  verkauft,  während 
sie  es  theurer  verhandelt  habe  an  einen ,  der  es  eben 
inwendig  besehe.  Zugleich  springt  Gianello  heraus, 
und  bestätigt  den  Handel,  wenn  es  gehörig  gereinigt 
werde.  Nun  steigt  der  Mann  hinein,  und  während  er 
damit  beschäftigt  ist,  schaut  die  Frau  mit  Gianello 
über  den  Rand  hinein,  und  beide  machen  es,  wie  gli 
sfrenati  cavalli 

So  erzählt  schon  A  pul  ejus  im  neunten  Buche 
seiner  Metamorphosen,1  woraus  Boccaccio  frei  über- 
tragen hat. 

Aber  nicht  nur  in  das  antike  Frauenzimmer  (Gy- 
näceum) ,  sondern  sogar  in  den  Morgenländischen  Ha- 
rem ist  diese  Weiberlist  eingedrungen,  nur  mit  ört- 
lichen Aenderungen. 

In  1001  Nacht  ist  es  selbst  die  Favoritin  des 
Schachs  von  Persien  zu  Ispahan,  die,  in  einen  jungen 
Seidenhändler  verliebt,  durch  Vermittehing  ihrer  Amme, 
ihn  in  einer  von  mehren  grofsen  Kisten  voll  Seiden- 
waaren  in  ihr  Zimmer  bringen  läfst,  jedoch  vom 
Sultan  überrascht,  den  kaum  daraus  hefreiten  Lieb- 
haber wieder  darin  verbergen  mufs.  Der  Sultan  ist 
neugierig  die  Seidenzeuche  zu  sehen,  die  Favoritin  aber 
weigert  sich,  weil  ihr  Liebhaber  sich  in  einer  Kiste 
befinde;  und  als  der  Sultan  darob  in  Wuth  geräth, 
lacht  sie  ihn  aus,  dafs  er  den  Scherz  für  Ernst  halte, 
und  reicht  ihm  die  Schlüfsel,  will  aber  nicht  länger 
bei  ihm  bleiben,  weil  sie  sein  Vertrauen  verloren 
habe.  Dadurch  kleinlaut  gemacht,  hat  er  genug  zu 
thun,  ihren  Zorn  zu  besänftigen.2 

Diese    mit    unserm    alten    Gedichte    stimmende 

1  Der  Pariser  Ausgabe  von  1688  S.  269.  Bemerkte  schon 
PW.  Beroafdus  im  Commentar  dazu:  transposuit  commodissimc, 
non  at  interpresy  sed  ut  conditor. 

3  In  meiner  Verdeutschung  Nacht  539.  IM.  XII,  S.  201. 
Dazu  \in,  375.     Vgl.  die  Kiste  LXVIII 


(Öefd)id)te  tjer  ^itt^elnen  (fcrjäljlungen.       xxxix 

Geistesgegenwart  und  Kühnheit  der  Frau  ist  auch 
auf  die  Bühne  gebracht,  in  einem  Französischen 
Lustspiele  la  Gageure  imprevue. 


Entfernter  steht,  als  Gegenstück,  in  den  sieben 
Visiren  der  1001  Nacht  die  sechste  Erzählung  der 
Frau:  des  Sultans  Sohn  wird  in  einem  Kasten,  wel- 
chen der  Visir,  als  wäre  er  voll  Kostbarkeiten,  einem 
Kaufmann  zu  Verwahrung  gibt,  zu  dessen  schöner 
Frau  gebracht,  mit  der  er  sich  sechs  Tage  lang  ver- 
gnügt, bis  der  Vater  nach  ihm  verlangt,  und  er  so 
schleunig  abgeholt  wird,  dafs  der  Kasten,  nicht  fest 
verschlofsen,  sich  öffnet,  und  den  Prinzen  entdeckt, 
worauf  der  Mann  die  Frau  verstöfst.  ' 

Diese  Erzählung  findet  sich  auch  schon  in  einer 
alten  Französischen  Sammlung  les  Comptes  du  monde 
avantureur ,  contenant  liiij  discours  (Paris  1582) ,  die 
zweite:  La  facon  qu'une  Juifce  fut  convertie  ä  la  foi 
de  Jesus  Christ  par  la  poursuite  d'un  jeune  Romain.  — 
Dann  auch  in  les  delices  de  Verboquet  le  gener  eux 
(Paris  1623)  p.  325. 2 

Früher  hat  sie  auch  St raparola  (IV,  2)  verarbei- 
tet: in  Athen  versperrt  der  eifersüchtige  alteErminione 
sein  schönes  Weib  Filenia  auf  einem  Thurm,  und  ein 
Schüler  (Student)  Hippolito  aus  Kreta,  der  sie  früher 
schon  liebte,  gibt  selber  ihm  einen  von  zwei  gleichen 
Kasten,   mit  Kostbarkeiten,    in    Verwahrung,   wird  in 

1  Khcnda  Nacht  993.  Bd.  XV,  S.  163.  Habirhis  Krjian - 
Kling  aus  der  Tunesischen  Handschrift.  Hei  Jon.  Scott  131.  — 
Dei  eifersüchtige  Mann  hält  die  schöne  Frau  in  einem  festen 
Srhlofse  verwahrt,  der  Prinz  schiefst  Briefe  und  den  Kasten- 
RCblüfoel  am  Pfeile  zu  ihr  hinauf:  wie  auf  dem  Bilde  zu  un- 
serem Minnesinger  Rubin  (bei  den  Abhandlungen  der  Berliner 
Akademie  der  Wi  fsenschafien,  1H'i8  Taf.  VII,  und  schon  in 
dem  Grieche  Ged.  de  amori/ms  Lybisln  et  Bhodamnes  bei  Fa 
hricit  tibi.  0r.  <<l    Hartes   VIII,   1*8. 

3  Beides  nach  Loiseleur  139. 


xl  <&efd)td)tf  fccr  etnjelnen  «Erklungen. 

dem  andern,  durch  Vermittelung  seines  Dieners,  hin- 
auf getragen,   vergnügt  sich    mit  der  Frau,    und  läfst 
sich    vor    Heimkehr    des    Mannes    wieder    wegtragen. 
Dieser   argwöhnt   aber  aus   gewissen  Spuckflecken   an 
der    Decke    des    Schlafgemachs,    die    er    nicht    errei- 
chen kann,    den  Betrug,   und  verklagt   die   Frau   des 
Ehebruchs.   Sie  soll  öffentlich  ihre  Unschuld  beschwö- 
ren, und  da  stellt  Hippolito  sich  als  ein  Wahnwitziger 
und   umarmt   sie   auf  der  Strafse,    so  dafs  sie  getrost 
den   Eid  leistet:   ganz   wie  Tristan   und  Isolde.     Auch 
mufs  sie  (anstatt   des   glühenden  Eisens,   im  Tristan) 
der  (ehernen)  Schlange  auf  der  rothen  Säule  die  Hand 
m  den  Rachen   stecken,    der  ihr  nicht  schadet,    zum 
Zeugnisse  der  Wahrheit:  ähnlich  der  steinernen  bocca 
(U  veritä  Virgils,  die  noch  in  Rom  gezeigt  wird.  '  Der 
Ankläger  sollte  nun  selber  verbrannt  werden,  ward  je- 
doch zum  Gefängnis  begnadigt,  worin  er  bald  starb,  so- 
dafs  die  beiden  Jungen  sich  ehlichen  konnten. 


Aehnliche  Züge  hat  eine  andre  Novelle  ßoccac- 
cio's  (V,  10):  In  Perugia  wird  Pietro's  Frau  mit  ihrem 
Liebhaber  überrascht,  und  versteckt  ihn  unter  einen 
Hühnerkorb;  ein  Esel  tritt  ihn  aber  auf  den  Finger, 
sodafs  er  entdeckt  wird.  Die  Frau  beschwichtigt 
jedoch  den  Mann,  und  alle  Drei  verzehren  das  für 
Zwei  bereitete  Abendefsen.  - — 

Auch  diese  Novelle  ist  aus  Apulejus  Metamor- 
phosen (1.  IX.  p.  291)  übertragen.  Manni  und  Dunlop 
vergleichen  damit  noch  Girol.  Morlini's  Nov.  31 
und  33:  von  welchen  jedoch  die  letzte  nicht  hieher 
gehört.  Schmidt  (Beitr.  61)  fügt  »wegen  des  allge- 
meinen« hinzu:  Dante  Inf.  canto  15  und  16,  und 
Bandello  I,  6. 

1  Vgl.  meine  Briefe  in  die  Heimat  aus  Deutschland,  der 
Schweiz  und  Italien  (1816—17)  IV,  106.  120.  Eine  Schlange  auf 
einer  Säule  steht  noch  vor  S.  Ambrogio  in  Mailand.  Ebd.  I. 
286.  Vgl.  XCII. 


<Öefri)id)te  t»er  ettt3elnctt  <#r$äh,luit0m.  xli 

XLH.      Die  treue  Magd 

ist  eine  Niederdeutsche,  nur  in  Einer  Handschrift 
(Quellenverz.  31)  übrige  Darstellung  des  vorigen  Aben- 
teuers, unabhängig  von  dem  Hochdeutschen,  aus  ge- 
meinsamer Ueberlieferung,  dabei  sichtlich  mit  eigen- 
thümlicher  Ausführung.  Es  ist  ein  liebliches  Bild 
eines  damaligen  Schülers  (Studenten),  der  nach  Paris 
reitet,  wie  andere  nach  Padua,1  zugleich  der  freien 
Künste  und  des  ritterlichen  Frauendienstes  beflifsen, 
ein  fahrender  Schüler  im  edlen  Sinne.  Sein  allabend- 
liches Gebet  zu  St.  Gertrud  (170.  502)  hat  hier  so 
kräftige  Wirkung,  dafs  er  im  einsamen  Landhause 
des  Waldes  die  reizendste  Herberge  in  den  Armen 
der  schönen  Wirthin  findet.  Wie  beide  so  innig  ver- 
schlungen, nur  Eins  scheinend,  im  Schlafe  liegen  zu 
Angesicht  des  Mannes  und  ihrer  beiden  Brüder,  über- 
bietet glänzend  den  Versteck  unter  Zuber  oder  Bade- 
kufe, wie  die  Uebertragung  der  Rettung  von  der 
Nachbarin  auf  die  zuvor  schon  die  Entdeckung  sorg- 
lich verhütende  Magd,  deren  Treue  selig  gepriesen, 
und  nach  ihr  die  ganze  Erzählung  benannt  wird. 

Die  H.  Gertrud  aber,  welche  auch  XXXI,  380. 
LI,  620  so  vorkömmt,  wie  bei  Boccaccio  und  Lafontaine 
II,  22  der  H.  Julian  als  Schutzheiliger  der  Reisenden,2 
hatte  sich  in  ein  Kloster  begeben,  obschon  ein  Rit- 
ter sie  liebte  und  dennoch  in  ihrer  Nähe  blieb  (wie 
der  Ritter  von  Toggenburg).  Dieser  verschrieb  sogar 
Bein«  Seele  nach  sieben  Jahren  dem  Teufel,  der 
ihm  jedoch  nicht  zu  helfen  vermochte.  Da  erschien 
St.  Johannes  Gertruden  im  Traum  und  mahnte  sie, 
den  Ritter  zu  retten.   Sie  trat,  als  Aebtin,    mit   ihren 

L.    I0»J.    Vgl.   XIV.  XVI.  70. 
2  Auch   in  einem   Fahliau    hei   Legrtod    IM.   41<>:  Lhölel  de 
S.    Julien.    Ebd.   4'24.    Auch  Vkötel  S    Martin  komm!   eh.l.  418 
M    \oi.       Vgl.    zu    L 


xi.ii  <&efd)td)te  fcer  einzelnen  (ßrjctylunijeiu 

Nonnen  vor  das  Klosterthor,  als  eben  der  Teufel 
mit  dem  Ritter  vorüber  fuhr,  und  bot  dem  Ritter 
einen  Recher  Weins,  ihn  auf  St.  Johannes  Schutz  zu 
leeren.  Er  that's,  und  beim  letzten  Tropfen  flog  unter 
(reheul  des  Teufels  die  Verschreibung  zerril'sen  zu 
seinen  Füfsen.  Daher  malt  man  St.  Gertruden  mit 
dem  Hirtenstab  in  der  einen  Hand ,  und  dem  Kelch 
in  der  andern,  und  trinkt  man  auf  »Sinte  Geerte- 
minne.«  •  — 

Neben  diesem  halbheidnischen  Minne  (Gedächtnis)- 
Trinken ,  welches  noch  allgemeiner  mit  S.  Johannes  ver- 
bunden ist,  erscheinen  hier  auch  der  ganz  heidnische  Nie- 
derdeutsche Ausruf  »Jodute«  (519),  und  der  geheimnis- 
volle märchenhafte  Ausdruck:  »die  Sonne  geht  zu 
Golde.«  2 

XLIII.     Der   verkehrte    Wirth.      Von  Herrand    von 

Wildonie. 

Die  Grundlage  dieser  Erzählung  ist  das  zweite 
Beispiel  des  Altindischen  Fabelbuchs  Pantschatan- 
tra,  und  fast  aller  Uebertragungen  und  Bearbeitungen 
desselben:  eine  Schusterfrau  mit  ihrem  Buler  von 
ihrem  Mann  überrascht,  wird  von  diesem  an  eine 
Säule  gebunden  und  gezüchtigt,  bis  er  müde  zu  Bette 
geht.  Eine  Badersfrau,  die  als  Kupplerin  diente,  und 
sie  jetzt  zu  ihrem  Buler  abruft,  läfst  sich  an  ihrer 
Statt  binden.  Der  aufwachende  Mann,  dem  sie  nicht  ant- 
wortet, springt   wüthend   auf,  schneidet  ihr  die  Nase 

1  J.  W.  Wolf  Niederländische  Sagen  (Leipz.  1843)  Nr.  350, 
aus  Willem  van  Hildegaerdsborgh  (1356),  in  Clignetts  Bydragen, 
und  De  Reiß'enberg  Nouvelles  archives  historiques  1827.  Nach 
(v.  Radowiiz,  Ikonographie  der  Heiligen  (Berlin  1834]  S.  28 
wird  Si.  Gertrud  von  Eisleben  mit  den  Zeichen  (Krumm- 
stabj  der  Aebiissin  abgebildet,  St.  Gertrud  von  Nivelle  mir  ganz 
anderen  Abzeichen. 

3  Vgl    zu   168  die   Lesaricn. 


ab,  und  gibt  sie  ihr  in  die  Hand,  sie  ihrem  Liebhaber 
zu  schenken,  und  geht  wieder  schlafen.  Die  Frau 
kömmt  zurück,  tröstet  die  Unglückliche  und  löst  sie 
ab.  Am  Morgen  ruft  sie  aus,  zum  Zeichen  ihrer  Un- 
schuld möge  ihr  die  Nase  wieder  wachsen;  so  ge- 
schieht's, und  der  Mann  nimmt  es  reuig  als  ein  Wun- 
der an.  Die  Badersfrau  verbirgt  ihren  Schaden,  und 
als  ihr  Mann  befiehlt ,  ihm  sein  Besteck  zu  geben, 
bringt  sie  ihm  dreimal  das  Scheermefser,  worauf  er 
zornig  es  nach  ihr  wirft,  und  sie  aufschreit,  dafs  er 
ihr  die  Nase  getrofTen  habe.  Nun  entsteht  ein  Zusam- 
menlauf, der  Bader  wird  vor  Gericht  geschleppt,  und 
soll  durch  die  Strafsen  gestäupt  werden,  als  der  Ein- 
siedler Dewasarma,  den  der  Schuster  beherbergt,  und 
der  Alles  beobachtet  hat,  die  Wahrheit  offenbart.  ' 

Da«  Altfranzösische  Gedicht  von  Guerin  nähert 
sich  schon  mehr  den  Deutschen  und  übrigen  Abend- 
ländischen Darstellungen:  ein  Ritter,  der  mit  der  Frau 
eines  andern  Ritters  bei  seiner  Schwester  heimliche 
Zusammenkünfte  hat,  schleicht  nachts  in  ihr  Zimmer, 
geräth  aber  an  den  Mann,  der  ihn,  als  einen  Räuber, 
ergreift,  in  einen  Zuber  stürzt,  und  nach  Licht  ruft. 
Die  Frau  erbietet  sich,  den  Räuber  so  lange  zu  halten, 

1  Wilsons  Uebersieht  des  Panischatanlra  (XLIII)  nach  drei 
Handschriften  erwähnt  dies  Heispiel  nicht.  Loiseleur,  der  in  Pa- 
ris nur  eine  abgekürzte  TaJingas-Handschrift  halte,  gibt  nicht 
an.  woher  er  seinen  Auszug  (S  34)  genommen.  Hei  Dubois 
fehlt  diefs  Heispiel  auch.  Es  findet  sich  dagegen:  im  Hitopa- 
desa  fbei  Wilkins  431);  in  Simeon  Sethi's  Griech.  Uebers. 
( specim.  sap.  Ind.  Berlin  1697;;  in  Joels  Hebr.  Uebers.  (aus 
dem  Arabischen  Kaiila  und  Dimna),  die  nur  noch  aus  Doni's 
llal.  Bearbeitung  ( la  filosofia  morale.  Vened.  1600)  bekannt 
Itt,  und  daraus  in  der  La».  Uebers.  Johanns  von  Capua,  wo- 
durch es  in  alle  Abendl.  Sprachen  übergegangen  ist;  ebenso 
auch  in  Galland's  und  Cardonnc's  Franz.  l>bcrs.  aus  dem  Tür- 
kfMhen  (17S4).  V.  Schmidt  zu  Boccaccio's  Novelle,  Beitr.  75 
übersetzt  das  Lateinische,  Lc-grand  II.  584  u'iht  einen  Auszug 
nach   Galland  -  Cardonne 


xliv  ®cfrf)td)te  tJfr  einzelnen   €r3ti  Ölungen. 

und  der  Mann  gibt  ihr  dessen  Haare  in  die  Hand, 
bis  er  Licht  und  Degen  geholt.  Sie  aber  läfst  ihren 
Buler  entwischen,  holt  das  Maulthier  herein  an  den 
Zuber,  und  hält  es  bei  den  Ohren.  Der  Mann  erkennt 
den  Betrug,  und  weist  sie  aus  dem  Hause,  dem  Ent- 
lafsenen  nach,  und  will  nichts  mehr  mit  ihr  zu  schaf- 
fen haben.  Sie  geht  auch  zu  diesem  bei  dessen 
Schwester,  und  beredet  eine  Freundin,  bei  ihrem 
Mann  ihre  Stelle  einzunehmen.  Der  Mann,  von  den 
Wehklagen  der  vermeintlichen  Frau  aufgeweckt,  züch- 
tigt sie  mit  Stöfsen  und  Schlägen,  und  schneidet  ihr  mit 
dem  Mefser  die  Zöpfe  ab.  So  kömmt  sie  zu  der 
wirklichen  Frau,  welche  ihr  reichen  Lohn  und  auch 
die  Haare  wieder  verspricht,  sich  zu  ihrem  schlafen- 
den Mann  begibt,  die  Zöpfe  unter  seinem  Kopfkissen 
findet  und  einen  abgeschnittenen  Pferdeschwanz  dafür 
hinlegt.  Am  andern  Morgen  bewährt  sie  durch  ihren 
fleckenlosen  Leib  und  lange  Locken  ihre  Unschuld, 
und  räth  dem  Manne,  der  sich  für  berauscht  oder 
verblendet  hält,  zur  Augenstärkung  nach  Vevdosme 
und  ä  la  seinte  Lerme  zu  gehen.  Er  widerspricht  fortan 
der  Frau  nicht,  und  hält  alles  was  ihm  anders  vor- 
kömmt für  Täuschung  oder  Traum.  ! 

Die  Hauptänderungen  sind  hier  die  Locken  an- 
statt der   Nase.      Nase-   und  Ohren-Abschneiden   sind 

1  Barbazan-Meon  IV,  393:  Des  tresces.  Par  Guerin  (des- 
sen Name  im  Gedichte  selber  nicht  vorkömmt).  Ans  Hands. 
1830  von  St.  Germain.  434  Reimzeilen.  Legrand  II.  280: 
De  la  Dame  qui  fit  aecroire  ä  son  mari  quil  avait  reve.  Alias 
Les  cheveux  coupes.  Hier  wird  Guerin  (von  dem  Legrand  noch 
drei  andere  Erzählungen  hat.  Vgl.  I,  exiv).  im  Eingange  ge- 
nannt. Der  Auszug  weicht  auch  sonst  in  Einzelheilen  ab:  es 
ist  ein  Kalb  anstatt  des  Maulfhiers  und  Pferdes,  und  die  Lei- 
dende ist  die  Magd  der  Frau  (wie  bei  Boccaccio),  Legrand  er- 
wähnt auch  eine  andre  „Version,"  worin  der  Mann  ein  Bauer 
ist,  das  Uebrige  jedoch  wenig  abweicht.  Die  Ausg.  von  1829 
II,  340  mit  der  Urschrift.   Deut.   Uebers.  II,  230 


#*fdnd)U  *«    einjflimi  <£rjäj)lunöen.  xLv 

zwar  alte  schimpfliche  Leibesstrafen:  aber  das  Haar- 
Abscheeren  war  schon  hei  den  Germanen  des  Tacitus 
^Germ.  c.  19]  vornämlich  Strafe  des  seltenen  Ehe- 
bruchs, und  kömmt  so  im  Mittelalter  öfter  vor;  l  wäh- 
rend das  lange,  zumal  blondlockige  Haar  und  das 
Nichtbescheeren  desselben  (schon  im  alten  und  neuen 
Testament)  eine  Auszeichnung,  nicht  nur  der  Frauen 
(mit  langem  Haar  und  kurzem  Sinn)  war,  sondern 
auch  der  edlen  Männer, 2  und  der  alten  Königsge- 
schlechter,  vornämlich  der  Franken- Burgunden,  wo 
das  Abscheeren  des  Haares  zur  Thronfolge  unfähig 
machte.  Es  geschah  mit  goldener  Scheere  (wie  noch 
in  Vitets  Barricaden  gedroht  wird);  zum  leidigen 
Vorrechte,  wie  das  Enthaupten  des  Kaisers  mit  golde- 
nem Beile  laut  des  alten  Weichbilds  (Kap.  8).  Leih- 
eigene und  Knechte  waren  geschoren;  wie  die  Geist- 
lichen aus  Demuth,  als  Gottesknechte,  zugleich  im 
Bilde  der  Dornenkrone.  — 

Unser  altes,  nur  in  einer  Jüngern  Abschrift  vor- 
handenes Gedicht  stimmt  in  diesem  Haarabschneiden, 
wie  alle  folgende  Darstellungen  überein  mit  dem  Fran- 
zösischen und  auch  sonst  in  den  Hauptzügen.  Es 
fügt  aber  zuerst  die  S  c  h  n  u  r  an  der  Fufszehe  hinzu,  und 
erweckt  dadurch  sogleich  die  Eifersucht  des  »alten« 
Hitters,  der  aus  gleichem  Grunde,  aber  minder  glaub- 
lich,  die  Frau   den  Ertappten   halten  läfst.     Der  Esel 

1  Bei  Legrand  II,  259.  Im  Heptameron  IV,  2  (Stollbergs 
Hülsende  vgl.  XIj.  Le^rand  bemerkt  aus  allen  Handschriften,  dafs 
Kupplerinnen  der  Khefrauen  an  den  Schandpfahl  (pilori)  gebun- 
den, ihnen  die  Haar«'  abgeschnitten  und  vor  ihnen  verbrannt, 
sie  selb«r  verbannt  wurden.  Dieselbe  Strafe  litten  Mutier,  die 
ihre  Tochter  verkuppelten,  und  vor  etlichen  Jahren  noch  (vor 
1781  wurden  offen  Hielte  Weiber  mit  Haarabschneideu  be- 
straft. 

2  Der  zu  den  kahlköpfigen  Volkern  gehörige  Pascha  von 
Janina  »m  kannte  den  Lord  liyron  für  einen  vornehmen  Mann, 
weil  der  lo^ki^-s  Haar,  kleine  Ohren  und  kleine  Hände  halle. 


xlvi  tÖc[d)id)U   t>«  eiwjfliifu  (tfr^ttljluinjen. 

stimmt  zum  obigen  Maulthier,  führt  aber  weiter  in 
die  Irre.  Die  dort  schon  von  der  Leidenden  getrennte 
Gelegenheitsmacherin  fehlt  hier  ganz,  obwol  die  Ge- 
vatterin auch  dafür  gelten  kann,  welche  das  Aben- 
teuer aber  nicht  verschweigt.  —  Von  dem  Dichter 
Herrand  von  Wildonie  und  seinem  Gewährsmann 
Ulrich  von  Liechtenstein  ist  schon  bei  seiner  Erzählung 
von  der  schönen  Frau,  die  dagegen  ihren  unschönen 
Mann  lieber  hat,  als  ihren  Augapfel  (XII),  das  Nöthige 
gesagt.  Die  Oertlichkeit  des  Abenteuers  im  Wälschen 
Friaul  weiset  auf  gemeinsame  Quelle  mit  den  fol- 
genden Italienischen  Novellen. 

Bei  Boccaccio  (VII,  8)  ist  es  ein  reicher  Kauf- 
mann Arriguccio  Berlinghieri,  der  eine  adlige  junge 
Frau  Monna  Sismunda  geheiratet,  und  von  dem  jungen 
Buberto  gekrönt  und  gehörnt  wird.  Kein  andres 
Thier  ist  im  Spiele.  Während  beide  Männer  auf  der 
Strafse  fechten,  beredet  die  Frau  ihre  Magd,  ihre 
Stelle  einzunehmen.  Der  Mann,  durch  die  vom  Lärm 
erwachenden  Bürger  vom  unbekannten  Nebenbuler 
geschieden,  holt  am  Morgen  ihre  drei  Brüder  und 
Mutter  herbei,  die  ihn  aber  heftig  schelten  und  be- 
drohen, als  die  unschuldig  erscheinende  Frau  ihn  an- 
klagt, dafs  er  berauscht  wol  eine  der  Bulerinnen,  mit 
denen  er  verkehre,  so  behandelt  habe:  sodafs  er  ver- 
stummt und  sich  ihr  völlig  unterwirft.  • 

Die  der  Ehebrecherin  gebürende  Strafe  des  Haar- 
abschneidens  haben  wir  schon  in  dem  Hahn -Reiher- 
Abenteuer  (XXXI)  gesehen,  aber  als  unschicklich 
angewendet  für  einen  dem  Mann  abgeläugneten  und 
von  der  Frau  selber  verzehrten  Braten.  Die  Gevatte- 
rin, die  mitgegeisen  hat,  mufs  dort  auch  aushelfen, 
und  zwar  aus  dem  eigenthümlichen  Vorwande,  weil 
der  Mann  so  ungenügsam  im  Bettspiele  sei,   dafs  die 

1   Auszug  bei  Legrauü  II,  286. 


Frau,  überdiefs  unwol,  es  nicht  ertragen  könne;  und 
als  die  abermals  leckere  Gevatterin,  mit  ihren  abge- 
schnittenen Zöpfen  in  der  Hand,  wehklagend  heim- 
geht, wird  sie  von  der  Frau  noch  verhöhnt.  — 

Die  Vermischung  jenes  in  dem  entlaufenen  Ha- 
senbraten (XXX)  und  anderen  entsprechenden  Erzäh- 
lungen sich  angemefsen  harmlos  abschliefsenden  Aben- 
teuers mit  den  blutigen  Züchtigungen  findet  sich 
auch  in  den  Cent  nouvelles  noavelles:  '  Ein  Kaufmann 
in  Tours  bringt  seiner  Frau  eine  Lamprete,  den 
Pfarrer  und  einige  andere  Gäste  damit  zu  bewir- 
then.  Sie  behauptet,  nur  andere  Fische  empfangen 
zu  haben,  und  bittet  unter  dem  erwähnten  Ver- 
wand eine  Freundin-  Witwe,  ihre  Stelle  einzunehmen, 
auf  welche  der  Mann  ein  Bündel  Ruthen  zerschlägt. 
Jedoch  schneidet  er  ihr  nicht  die  Haare  ab,  weil  er 
keinen  Ehebruch  zu  strafen  im  Sinne  hat,  obgleich 
die  Frau  wirklich  diese  Strafe  verdiente;  denn  wäh- 
rend ihre  Stellvertreterin  gezüchtigt  wird,  läfst  sie  die 
lecker  zugerichtete  Lamprete  zu  ihrem  Franziskaner- 
bruder Bernard  tragen,  bringt  die  Nacht  bei  ihm  zu, 
und  kömmt  erst  am  Morgen  heim,  den  Mann  dumm 
zu  machen,  und  ihm  zu  beweisen,  dafs  er  ihr  ebenso 
die  Lamprete  übergeben,  als  sie  geschlagen  habe. 

Mit  der  ganzen  Sammlung  ist  auch  diese  Novelle 
von  Malefpini  übersetzt.3 

Hans   Sachs   hat   sie   zu  einem  Schwanke,  »der 
Bauer  mit  dem  Zopf,«  verarbeitet.  l 

Nach  Boccaccio  ist  die  dritte  Erzählung  in  Lafon- 
ta  ine's  (iagvure  des  troii  commeres.    (I,  31).  — 

Der    Erzählung    des   Indischen    Fabelbuchs   stehn 


1   Nouv.    XXXVIII.     Um    verge   pour    lautre.     Aus/ im    bei 

LtgraiMl  ii.  -iHVy 

4  Dncento  nooeUt  n.  \\{). 
■■  Ii    II.    II..  4,   Hl    138. 


XLViii         $ffd)id)U  Tier  etnjelimi  QEr^äljlungeii. 

nahe:  die  Persischen  Papageimärchen  Tutinameh,' 
und  das  Persische  Märchenbuch  Bahar-Danusch, 
Garten  der  Erkenntnis,2  worin  die  Weiberlist  sogar 
den  Braminen,  der  den  fünften  Veda  unter  den  besten 
Lehrerinnen  studirt  hat,  besiegt. 

Mit  dem  Indischen  Buche  stimmt  auch:  unter 
den  Novelle  amorose  de  gli  Incognüi  die  23ste,  und  die 
erste  der  beiden  Novellen  des  Annibal  Gampeggi, 
zu  Anfang  des  17ten  Jahrhunderts.  3  Sie  spielt  in 
Neapel  und  ist  mythologisch  ausstafhrt:  der  Eifer- 
süchtige träumt,  er  sei  in  einen  Satyr  verwandelt, 
worauf  er  dem  Weibe  die  Nase  abschneidet. 

Die  Englischen  Bühnendichter  haben  auch  dieser 
Erzählung  sich  bemächtigt.  Massinger,  Shakspeare's 
älterer  Zeitgenofse,  läfst  in  seinem  Lustspiele  The 
Guardian,  ebenfalls  der  an  die  Säule  gebundenen  ver- 
meintlichen Frau  die  Nase  abschneiden.  4 

Dagegen  ist  ein  Theil  des  schon  zu  XXXIX  ge- 
dachten Lustspiels  Women  pleased  von  Beaumont 
und  Fletcher  aus  Boccaccio  genommen,  und  nament- 
lich der  Faden ,  welchen  der  Mann ,  aber  am  Finger 
der  in  ihren  Kleidern  entschlafenen  Frau   entdeckt.  s 

Die  in  den  meisten  neueren  Bearbeitungen  aus- 
gelafsene  Einmischung  eines  Thieres  tritt  dagegen 
anderweitig  in  ähnlicher  Verbindung  auf. 

1  Vgl.  zu  IX.  LXVIII.  Loiseleur35  führt  die  Englische 
Uebers.  p.  98,  und  die  Französische  von  Marie  d'Heures  (Paris 
1826,  aus  dem  Engl.)  p.  95  an:  in  der  Deutschen  finde  ich 
jedoch  diese  Erzählung  nicht. 

2  Ins  Englische  übersetzt  von  Jon.  Scott  (Shrewsbury  1799) 
Bd.  2,  S   82. 

3  Novelle  due  esposte  nello  stile  di  M.  Giov.  Boccaccio 
dair  Academico  Oscuro  (Venedig  1630  4).  Beide  wiederholt  im 
Novellier o  Ital.  IV,    273. 

4  The  plays  of  Ph.  Massinger  (Lond.  1813)  v.  4,  p.  185. 
Diese  Stelle  daraus  hat  Schmidt  (Beitr.  79)  übersetzt.  Vgl.  Dun- 
lop.  hist.  of  ßction  II,  315. 

3  Auch  diese  Stelle  gibt  Schmidt  (Beitr.  80)  Deutsch. 


<£*fd)t4)te  t«er  nn^lnen  (ßrjatylunflen.         xlix 

In  den  Cent  nouvelles  nouvelles  (61)  wird  ein  Ritter 
beim  Nachtbesuch  einer  Kaufmannsfrau  in  ein  dunk- 
les Zimmer  versperrt:  aber  während  der  Mann  die 
Verwandten  der  Frau  herbeiholt,  befreit  sie  den  Ge- 
liebten, und  sperrt  dafür  einen  Esel  ein,  der  beim 
Oeflhen  der  Thür  Allen  entgegenbrüllt. 

Uebersetzt   in   Malefpini's   Sammlung   Nov.  61. 

Ebenso  erzählen: 

(Gast)  Convivales  sermones  t.  2 ,  p.  99. 

Die  Novelle  di  Domenichi  p.  71 ;  und 

Melandri  Joco-seria  t.  2,  p.  41,  mit  einigen 
Veränderungen. 

Legrand  II,   288  fügt  diesen  Anführungen   hinzu: 

In  Arislaeneti  epist.  wird  eine  Frau  mit  ihrem 
Buler  von  ihrem  Manne  nachts  überrascht  und  einge- 
sperrt: sie  bindet  nun  ihrem  Geliebten  die  Hände  und 
überliefert  ihn  als  einen  Räuber  ihrem  Mann.  Dieser 
will  ihn  tödten,  sie  aber  räth,  ihn  am  Tage  der  Ge- 
rechtigkeit zu  übergeben,  und  erbietet  sich,  ihn  zu 
bewachen.  Sobald  der  Mann  entschlafen  ist,  läfst  sie 
den  Minnedieb  entwischen. 

XLIV.  Die  Beichte. 
Für  diese  Erzählung,  die  nur  in  Fliner  Abschrift 
vorhanden,  und  nicht  mit  einer  manigfaltig  verbreiteten 
ihnlichei  zu  vorwechseln  ist,  wo  ein  Mann  in  Verklei- 
dung des  Beichtvaters  die  Beichte  der  Frau  hört,  habe 
ich  keine  anderweitige  Nachweisung.  Sie  bietet  ein 
ländlich-sittliches  Gemälde  in  Wintereinsamkeit. 

XLV.  Der  begrabene  Ehemann. 
Das  entsprechende  AIHranzösische  Gedicht  von 
.1 «  ,.  ii  de  Boves  beginnt,  ohne  die  vorbereitende 
Abrichtung  (des  Mannes,  damit,  dafs  die  Frau',  in  ihrer 
Vertraulkhkeil  mit  dem  Pfarre*,  ihrem  Mann,  einem 
Bauer    zu    Bailleul    in    der    IVanlio.    ontaeL'enoilt    und 


l  (£efd)td)te  ber  einzelnen  <&x?,a\)ii\n#e\i. 

ihm  Krankheit  und  endlich  den  Tod  einbildet,  ihn 
auf  dem  Stroh  im  Stalle  mit  einem  Leichentuche  be- 
deckt, und  wehklagt.  Der  Pfarrer  kömmt  auch  zur 
Todtenfeier,  singt  seine  Orenuts,  und  geht  dann  mit 
der  Witwe  in  die  Stube.  Der  Scheintodte  hebt  auf 
ein  Geräusch  in  der  Stube  das  Tuch  auf,  und  ruft 
dem  Pfaffen  zu,  wenn  er  nicht  todt  wäre,  würde  er 
ihn  todtpriigeln.  ' 

Das  läfst  noch  einen  minder  grausamen  Ausgang 
zu,  als  das  Deutsche  Gedicht.  Andere  Erzählungen 
machen  wirklich  nur  einen  Scherz  daraus,  und  lafsen 
auch  den  anstöfsigen  Ehebruch  mit  dem  Pfaffen  weg. 2 

In  Des  Periers  Erzählungen  fnouv.  LXX)  dient 
ein  maitre  Berthaud  in  Rouen  zur  allgemeinen  Belusti- 
gung, und  wie  er  in  allerlei  Verkleidung  auftrat, 
Narrenteiding  trieb,  und  sich  viel  darauf  einbildete, 
dafs  man  ihn  Meister  nannte,  ward  er  völlig  zum 
Narren.  Lustige  Vögel  redeten  ihm  ein,  er  sei  krank, 
und  endlich  gar  todt,  und  führten  ihn  so  mit  Libera 
me,  Domine!  durch  die  Strafsen,  wobeier  sogar  man- 
chen Nadelstich  in  die  Lenden  aushielt,  bis  er  Einem, 
der  es  zu  scharf  gemacht,  zornig  zurief:  »wäre  ich  nicht 
todt,  ich  würde  dich  sogleich  todtschlagen.«  Bei  dem 
fortgesetzten  Leichenbegängnis  und  Klage:  »Berthaud 
ist  todt  I«  ohne  ihn  Meister  zu  nennen,  erhob  er  sich 
und  rief:  »Ihr  lügt,  noch  lebt  euer  Meister I« 

Ebenso  erzählen:  Poggii  faceliae,  3  wo  der  Zuruf 
»Narrl«  dieselbe  Wirkung  thut;  und 

Les  illustres  proverbes  ;>.    10. 

Boccaccio's  Novelle  (III,  3)  bringt  dagegen  die 

1  Logrand  IV,  192:  Le  villain  de  Bailleul.  Alias  La  femme 
qui  fit  croire  ä  son  mari  qu'il  etuit  mort.  Die  Ausg.  von  1829 
hat  zu  dem  Auszug  IV,  218  nicht  das  alte  Gedicht,  welches 
in  der  Herner  Perg.  Handschrift  354.  4  sieht.  J.  R.  Sinner  catah 
codd.bibl   Bernens.   III   (1772).  377. 

2  Auszug  gibt  Legrund   III  193. 

8  Poggii  Florentini  opera  (Basel  1538)  p.  489.   V.  Schmidt 


<Def4)id)te  ber  einzelnen  ^rjaljluttgen.  u 

Geistlichkeit  viel  ärger  ins  Spiel:  einem,  bis  auf  die 
Weiber,  ganz  heiligen  Abt,  in  einer  einsamen  Gegend 
Toscana's,  gefällt  die  schöne  Frau  eines  reichen  eifer- 
süchtigen Bauern  dermafsen,  dafs  er  sie  mit  einem 
Ringe  beschenkt  und  beredet,  ihm  während  ihr  Mann 
im  Fegefeuer  sei,  dessen  Stelle  vertreten  zu  lafsen. 
Ein  Pulver,  durch  welches  der  Alte  vom  Berge  seine 
Jünger  (die  nach  solchem  berauschenden  Hanfsafte 
genannten  Assassinen)  in  sein  Paradies  verzückt,  ver- 
senkt den  Ferondo  in  dreitägigen  Schlaf,  sodafs  er 
für  todt  eingesargt,  dann  aber  heimlich  durch  Hülfe 
eines  ßolognesischen  Mönchs  wieder  herausgenommen, 
in  das  dunkle  Klostergefängnis  gesetzt,  und  dem 
Erwachenden  eingebildet  wird,  er  sei  im  Fegefeuer, 
wo  er  für  seine  Eifersucht  büfsen  müfse,  und  auch 
täglich  zweimal  stark  mit  Ruthen  gestrichen  wird. 
Unterdes  vergnügt  sich  der  Abt  mit  Ferondo's  Witwe, 
und  benutzt  dazu  dessen  Kleider,  sodafs  er  als  Ge- 
spenst erscheint.  Nach  zehn  Monaten  aber  fühlt  die 
Witwe  sich  schwanger,  und  Ferondo  wird  wieder  in 
Schlaf  versenkt,  in  den  Sarg  gelegt,  erwacht  und  er- 
steht vom  Tode,  unter  feierlichem  Gepränge  des 
Klosters.  Anfangs  für  ein  Gespenst  gehalten,  kömmt 
er  heim,  ist  nicht  mehr  eifersüchtig,  und  nimmt  den 
im  Fegefeuer  ihm  mit  der  Urstände  verkündigten 
Sohn,  den  er  zum  Danke  nach  dem  Heiligen  Benedict 
nennen  soll,  als  den  seinen  an.  Der  Abt  aber,  dessen 
Heiligkeit  durch  diefs  Wunder  noch  vermehrt  worden, 
fetzt  den  heimlichen  Umgang  mit  seinem  Weibe  fort.  ■ 
Diese   gottlose    Einmischung   der   Geistlichkeit   ist 

zu  seiner  tfeberselzung  des  Biraparoiä  S.  309.  —  Anderweitige 
verabredete  Einbildungen  (Mystiflcaiionen)  sind  zu  XXIV 
ongeföferl. 

1  Schmidt  (Beitr.  24J  rührt  hinzu  eine  Novelle  Bondello's 
(II,  17,  an :  eines  Hresci.ni' ts  trunksüchtiges  Weih  füllt  in 
einen  Mehlka*ten,  und  heuchelt,  auch  vom    Mehfstatibe ,  wtihnl 


ui  ®cfd)td)te  tor  finjelnrn  törjcitylungen. 

wieder  durch  einen  andern  Hintergrund  ersetzt  in  einer 
Novelle  von  Grazzini,  genannt  Lasca,  der  von  1503 
bis  1583  lebte:  Manente,  ein  Arzt  in  Florenz,  ward 
dem  Lorenz  Medici,  benannt  der  Prächtige,  so  über- 
lästig, dafs  er  ihn  in  der  Trunkenheit  in  ein  dunkles 
Gemach  bringen,  und  darin  ein  Jahr  lang  von  Masken 
in  langen  weifsen  Mönchskleidern  mit  blofsem  Schwert 
in  der  Hand  bedienen  läfst,  sodafs  er  sich  einbildet, 
in  einem  Zauberpalast  zu  sein  und  guter  Dinge  ist. 
Unterdessen  wird  ein  Leichnam  an  seiner  Statt  be- 
graben, und  seine  Witwe  heiratet  wieder.  Hierauf 
wird  er  in  einem  abgelegenen  Thale  ausgesetzt, 
und  bei  der  Heimkehr  für  ein  Gespenst  gehalten: 
alles  zu  grofser  Ergetzlichkeit  Lorenzo's,  der  ihn 
auch  nie  erfahren  läfst,  was  mit  ihm  geschehen  ist.  ' 
—  Hier  ist  der  alte  Schwank  zur  Belustigung  des 
Hofes  erneuet. 

Fernere  Bearbeitungen  sind:  in  Doni  lettere  (Flo- 
renz 1547)  l.  2,  p.  14;  oder  Novelle  di  Doni  (ed. 
Zamba  1815)  nov.  5.  —  Von  Lafontaine  (II,  91) 
nach  Boccaccio.  —  Im  Almanach  des  Muses  par  Har- 
douin  1778:  Le  morl  parlani.  — 

Nach  dem  Altfranzösischen  Gedicht  hat  Imbert, 
in  seinen  Nouvelles  historiettes  en  vers  III,  I  dieses 
Abenteuer  gereimt. 

XL  Fl.  Das  heifse  Eisen. 
fis  gibt  zwar  alte  Geschichten  genug  von  Gottes- 
urteilen der  Keuschheit,  für  welche  besonders  die 
Feuerprobe  gehörte :  jedoch  kenne  ich  keine  Ueber- 
lieferung,  welche  auf  ähnliche  abenteuerliche  Weise 
von  der  treulosen   Frau    herausgefordert,   sie  so  hart 

sie  sich  in  jener  Well,  beichtet  ihre  Sünden,  ohne  sonderliche 
Reue,  und  setzt  dann  auch  ihre  Völlerei  fort.  —  Nur  als  eine 
wol  kaum  absichtliche  Umkehrung  gehört  diefs  hieher. 

1  Novelle  di  Grazzini,  delto  il  Lasca  (Lond.  1793)  t.  2,  p. 
117.     Einen  Auszug  gibt  Schmidt  25. 


<0efd)id)U  "Der  ttttjeltmt  ^rjctylutigcn.  jlih 

gestraft  hätte,  zumal  da  der  Mann  durch  den  Betrug 
keineswegs  seine  Unschuld  bewährt  hat.  Auf  ähnliche 
Weise  ward  Isolde  gegen  die  Feuerprobe  bewahrt,  ' 
obgleich  sie  durch  den  Minnezaubertrank  mit  ihrem 
enzigen  Tristan  entschuldigt  war. 

XL  VII     Das  Schneekind. 

Ein  sehr  altes,  oft  erneutes  Märe,  in  alten  und 
neuen  Sprachen. 

Das  Lateinische  Gedicht  um  Anfang  des  Uten 
Jahrhunderts,  nach  der  eigenen,  zwar  nicht  aufgezeich- 
neten Sangweise,  Modus  Liebinc  benannt,  ist  in  den 
Nachträgen  (Bd.  3,  S.  728)  gegeben.2  Das  kurze  La- 
teinische Gedicht,  welches  neulich  wieder  herausge- 
geben,* und  von  Geoffrey  de  V  ine  sauf,  einem 
Normannisch-Englischen  Dichter  um  1200  verfafst  ist, 
lautet  so: 

Rebus  in  agendis  longe  remorantc  marito, 
Uxor  moecha  parit  puerum:  post  multa  reuer  so, 
De  nive  conceptum  fingit:  fraus  mutua:  caute 
Sustulit,  asportat,  vendil ,  matrique  reportans 
Hidiculum  similc ,  liquefactum  sole  re fingit. 

Das  Altfranzösische  Gedicht  hat  dagegen  noch 
einige  nähere  Bestimmungen :  der  Mann  bleibt  zwei 
Jahre    aus,    und    die    Frau    vergeht    sich    mit    einem 

1  Gottfrieds  von  Strafsburg  Tristan  und  Isolde,  in  meiner 
Ausg.  seiner  Werke  (1824j  Z.  15,738  IT. 

2  Die  Zpü  bestimmt  sich  dadurch,  dafs  in  dem  Modus 
Ollinc  (vgl.  zu   IV)  auch  K.  Otto  III  gepriesen  wird. 

■  Durch  Thomas  Wright  essays  on  subjects  connected  with 
Ihe  UUeratttre,  populär  tuptrsiitian»  and  Inslory  of  England  in 
Ihr  nuddle  agcs  (Lond.  1840,  t.  %  p.  180.  Dafsolbc  hat  schon 
Ltysrr  (potf.  med.  aevi  p.  901)  lO  Galfridi  de  Vinofalvo  Lehr- 
»ed.  I'oetna  novo,  vom  .1.  121(>,  aus  h  lldss. .  wo  es  als  liei- 
Ipiel  bändiget  Kürze  dient,  (ialfrid  b«klagt  unter  andern  auch 
den  Tod  Ki<li.irds  l.owcnlierz.  Lesarten:  OgundtS  diiUntc  %. 
Sustinet  re  portal. 


i.iv  <&efd)iri)ti?  ^**  tin&kntn  <tBr3ät)iuii^eti. 

bacheler  (Jüngling).  Als  der  Schneeknabe  fünfzehn- 
jährig ist,  führt  der  Kaufmann  ihn  durch  die  Lom- 
bardei nach  Genua,  und  verkauft  ihn  an  einen  Händler, 
der  ihn  nach  Alexandrien  führt  zum  weitern  Verkauf. 
Es  schliefst  mit  einem  ähnlichen  Spruche,  wie  das  in 
den  Nachträgen  stehende  Altdeutsche  Gedicht: 
Bien  l'en  avint  qu'  avenir  dat,  Qu'elle  brassa  ce  qu'ele  but. ' 

Unser  in  der  Reihe  stehendes  Altdeutsches  Ge- 
dicht ist  das  ältere,  aus  welchem  das  nur  in  einer 
spätem  Abschrift  vorhandene  Gedicht  des  Nachtrages 
noch  einzelne  Anklänge  behalten  hat,  und  gehört  in 
der  Würzburg -Münchner  Handschrift  zu  Strickers 
»Welt«,  dem  es  auch  wol  zuzuschreiben  ist.  Eigen 
ist  ihm  der  spöttische  Trost  des  Mannes:  weil  alles 
Wafser  binnen  Jahresfrist  zu  seinem  Ursprünge  zurück- 
kehre, werde  der  geschmolzene  Schneesohn  ihr  auch 
wieder  zufiiefsen. 

Italienisch  findet  sich  dieser  Schwank  in  Doni 
Filosofia  morale  (Venedig  1552)  t.  2,  p.  III ;  und  als 
eine  der  hundert  Novellen  bei  Francesco  Sanso- 
vino,  eigentlich  Fr.  Tatti  geheifsen. 2 

Ferner  Französisch,  in  den  Facetieuses  jour- 
ne'es  p.  303. 

In  den  -Cent  Nouvelles  nouvelles  fn.  49)  ist  der  Kauf- 
mann erst  drei,  dann  zehn  Jahre  abwesend,  und  fin- 
det einen  siebenjährigen  Knaben;  und  die  Frau  meint, 
sie  sei  länger  mit  diesem  Kinde  gegangen,  als  ge- 
wöhnlich; oder  als  sie  im  Garten  ein  vom  Schnee  be- 
decktes   Blatt   ( feuille   dosille )   gesucht,   habe    sie   nur 

1  barbazan-Meon  111,  216:  De  lenfant  qui  fut  remis  au 
soleä.  Aus  Hds.  7218.  148  Zeilen.  —  Legrand  III,  86:  De 
Venfant  qui  fondit  au  soleil.  In  der  Ausg.  von  1829  III,  81 
auch  ohne  Urschrift.    Deut.  Uebers.  III,  63. 

2  Cento  novelle  scelte  (Venedig  1598)  giom.  9,  nov.  6. 
Vgl.  über  diese  Sammlung  und  ihr  Verhältnis  zum  Deearrie- 
rone.  Schmidt  Iteitr    103. 


<$*fd)td)te  l»et  ein3elneii  (2Br3äl)lun^en.  lv 

ein  Stück  Schnee  genofsen,  und  sei  davon  schwanger 
geworden:  kurz,  es  sei  ein  Wunder.  Der  Mann  ver- 
kauft den  Schneesohn  selber  in  Alexandrien. 

In  Malespini's  zweihundert  Novellen  übersetzt, 
mit  allen  übrigen  dieser  Sammlung  (Nov.  38) 

Contes  de  Grecourt  t.  5,  p.  67.  • — 

Deutsch  findet  sich  diese  Erzählung  auch  schon 
in  der  alten  Sammlung  »Ernst  mit  der  Wahrheit« 
(Frankfurt  durch  Egenolf)  Bl.  38  a. 

Endlich,  lebt  sie  noch  in  Deutscher  Mundart, 
namentlich  in  der  Fränkischen  um  Miltenberg  am 
Maine,  woher  sie  Jos.  v.  Schmeller  in  den  »Mund- 
arten Baierns  grammatisch  dargestellt«  (München  1821) 
S.  149  aufgenommen  hat.  Hier  ist  es  ein  Kaufmann 
aus  Frankfurt,  welcher  den  aus  einem  Eiszapfen  ent- 
standenen und  so  genannten  Knaben  einem  Holländi- 
schen Seelenverkäufer  verhandelt. 

XL  VIII.     Die  halbe  Decke. 

Diese  und  die  folgende  Einschärfung  des  vierten 
Gebotes  durch  bedeutsame  Beispiele  gehören  auch  zu 
den  weitverbreiteten  manigfaltig  dargestellten  und  noch 
lebenden  Geschichten. 

Das  Altfranzösische  Gedicht,  die  getheilte  Decke, 
von  Bernier,  hat  manches  Eigene,  und  stimmt  zum 
1  heil  mehr  mit  dem  Gedichte  des  Hufferers,  im 
Nachtrage,  als  mit  dem  hier  aus  vier  (eigentlich  nur 
zwei,  Handschriften1  in  der  Reihe  stehenden,  auch 
hinsichts  der  Ausführlichkeit.  Der  sonst  nicht  be- 
kannte Dichter,  der  sich  am  Ende  nennt,  beschwert 
sich  eingangs,  dafs  die  Hofdichter  ( ' Menelricra  =F  Mini- 
fteriaUi;  immer  nur  ihre  alten  Geschichten  wieder- 
holen, wahrend  man  doch  in  den  Schlöfsern ,  WO  viel 
lebhafter  Verkehr  ist,  und  alle  Well,  ans-  und  ein- 
geht,   tausend    neue    schöne    Geschichten     vernimmt, 

1  AtiL'"(ini(kt  im  Efoloesati   Cod«  8.  i-'t'.i- 


lvi  <$?fd)id)tf  fcer  etn$elnm  (tfrjätylungen. 

welche  man  benutzen  solle,  wie  die  Vorfahren  gethan 
haben.  Er  wolle  nun  eine  solche  erzählen,  welche  vor 
etwa  20  Jahren  einein  Bürger  von  Abbeville  begegnet 
sei.  Dieser  Mann,  wolbegütert,  begab  sich  wegen 
Feindschaft  einer  mächtigen  Familie  nach  Paris  und 
ward  des  Königs  Lehnsmann.  Als  seine  Frau  starb, 
vermalte  er  seinen  Sohn  mit  einem  edeln  Fräulein, 
deren  Brüder  nur  einwilligten,  wenn  er  sein  Vermö- 
gen völlig  dem  Sohne  übergäbe,  weil  er  sonst  noch 
weifser  oder  schwarzer  Mönch  oder  Tempelherr  werden 
und  ihm  dadurch  alles  entziehen  könnte.  Bald  mochte  die 
hochmüthige  Frau  den  Alten  nicht  mehr  leiden,  und  drang 
auf  seine  Entfernung.  Der  Sohn  folgte ,  und  vergeblich 
flehte  der  Vater  bei  der  Verstofsung  aus  dem  Hause  we- 
nigstens um  einen  befsern  Rock  gegen  die  Kälte,  und  be- 
gnügte sich  endlich  mit  einer  Rossdecke.  Der  sieben- 
jährige Enkel  zerschneidet  die  Decke,  und  sagt  den 
kindlich-herben  Spruch.  l 

Die  Geschichte  ist  hier  weit  härter  durch  die 
Ausstofsung  des  alten  Vaters,  im  Winter,  ohne  war- 
mes Kleid,  obgleich  etwas  gemildert  durch  die  Ein- 
wirkung des  Weibes  auf  den  Sohn,  welche  in  unsers 
sonst  nicht  bekannten  Hufferers  Gedicht  von  einem 
Ritter  und  seinem  Sohne,  noch  mehr  allmälig  gestei- 
gert ist.  Unsere  beiden  Gedichte  heben  auch  die 
unbefangene  Rede  des  Kindes  als  Gottes  Stimme  des 
vierten  Gebotes  hervor:  während  in  dem  Französischen 
Gedichte  der  Knabe,  um  die  halbe  Decke  zankend, 
seinem  Vater  droht;  wie  der  Dichter  am  Ende  nur 
davor  warnt,  von  der  Kinder  Gnade  zu  leben. 

Dem    näher     steht    die   Italienische   Novelle    des 

1  Baibazan-Meon  JV,  472:  La  houce  partie.  Par  Bernier. 
Aus  Hds.  7218.  416  Zeilen.  Legrand  IV,  74:  Le  Bourgeois 
$  Abbeville .  Alias  La  hoiisse  coupee  en  deux.  Die  Ausg.  von 
1829  IV,  117  hat  auch  die  Urschrift.  Deut.  Üebers.  IV,  197. 
—  Houce,    housse  ist  dafselbe  Wort  mit  unserm  Koizen. 


<£*fd)td)te  fcer  tttwltmt  <£r$äh,lmi0en.  lvü 

Mailändischen  Arztes  Ortensio  Lando  um  Mitte  des 
16ten  Jahrhunderts,  der  Luthers  Lehre  nach  Deutsch- 
land folgte.  Der  Vater  ist  dort  ein  reicher  Florenzer 
Kaufmann  Riccardo  Capponi,  der  seinem  Sohne  Vin- 
centi,  einem  ebenso  eifrigen  und  geizigen  Kaufmann, 
durch  Alter  und  Wafsersucht  so  überlästig  ward ,  dafs 
dieser  ihn  in  ein  Krankenhaus  verstiefs.  Dorthin 
sandte  der  Sohn  ihm  zwei  Hemden  durch  den  sechs- 
jährigen Enkel,  der  eins  davon  behielt,  und  seinem 
Vater  ganz  gleiche  Behandlung  drohte,  mit  dem 
Spruche  Chi  la  fa,  Vaspetta,  '  welcher  seitdem  sprich- 
wörtlich durch  ganz  Italien  geworden. 2 

Denselben  Gegenstand  behandelten  noch  wenig 
>päter  die  Novellisten:  NiccolöGranucci  von  Lucca: s 
und  Sercambi  fnov.  5). 

Auf  ähnliche  Weise  wie  Lando  erzählt  der  Abbe 
Le  Monnier:  4  der  Sohn  sendet  seinem  ins  Kranken- 
haus verwiesenen  Vater  von  Zeit  zu  Zeit  etwas  Suppe 
in  einem  Zinngefäfse.  Als  der  Alte  gestorben,  will 
der  Enkel  den  Napf  behalten,  um  ihn  auch  seinem 
Vater  ins  Spital  zu  senden. 

Das  Altfranzösische  Gedicht  hat  Imbert  neu 
gereimt 

Auch  in  alten,  und  noch  lebenden  Deutschen 
Volks  8 1  i  in  m  e n    ertönt   diese    Gottesstimme:    »  das 

1  Altdeutsch   selbe  tcete,     selbe  habe. 

2  Lando's  vierzehn  Novellen  stehn  in  seinem  farj  compo- 
ninunti  (Venedig  \'.Y'ylr  Diese  dreizehnte  Novelle  ist  unter  den 
vier  in  den  NovtlHero  Italiano  (Vened.  1784)  Aufgenommenen 
Norellen,  Bd.  '-\,  S.  180:  Nella  teguerrfe  nooetta  narrasi  wi  mi- 
i  ctcoloso  acr.idente ;  e  imparast  quanto  sia  abbominevol  cosa  la 
crudelta  de'  ßgluoli  verso  i  padri  loro.  \fi\.  die  Vorrede 
K     III. 

La  fjiacevol   notte    e  lielo  giorno,   opera  morale   (Venedig 
I  .7»     /.   %   p.    100.    Vpl.    Novelliert)   Italiano  Hrl.   *,   Von.  S.  VI 

ßranuecl  Übertrag  aaeh   Boceaccio'i    Tescide  .-ms  den   Ollaren 

in    PrOM. 

1  In  v.incii  Fable*.  /,    66.    4tiesug  gtbl  Legrand  IV.  H\\. 


Lvni  <&*fd)trf)te  tJ«  einzelnen  QBr^ci^lun^en. 

vierte  Gebot«,  ein  Lied  von  einem  alten  Könige  von 
Frankreich,  l  und  eine  Erzählung  in  der  Mundart 
um  Simmern:  dem  alten  kranken  Vater  wird  an- 
statt des  irdenen  Napfes,  der  ihm  entfallen  und  zer- 
brochen ist,  ein  hölzerner  zu  seiner  schlechten  Kost 
an  der  Thüre  gegeben,  und  der  vierjährige  Enkel 
will  nun  auch  einen  solchen  hölzernen  Napf  für  sei- 
nen Vater  schnitzen.2 

XLIX.   Der  Schlägel.    Von  Rüdiger  dem  Hunthover. 

Nicht  so  verbreitet,  als  das  vorige  Beispiel  von 
dem  unnatürlichen  Sohne,  dem  der  Enkel  gleiches 
Schicksal  verkündet,  wenigstens  nicht  bei  den  Roma- 
nischen Völkern,  wo  sonst,  namentlich  in  Frankreich, 
ziemlich  allgemein  der  erwachsene  Sohn  sich  durch 
den  alten  Vater  im  Besitz  und  Genufs  des  Vermögens 
für  beeinträchtigt  hält.  Fast  weniger  grausam,  als 
die  Verstofsung  vom  Besitz  ist  bei  heidnischen  Stäm- 
men, auch  der  Germanen,  das  Tödten  der  schwachen 
Greise.3  Hier  erscheint  nun  auch  der  kindliche  Un- 
dank der  2  Töchter,  sowie  der  3  Söhne,  zugleich  noch 
verstärkt  durch  ihre  Männer  und  Weiber.  Früh  und 
manigfaltig  ist  dieser  Stoff  dargestellt,  wenn  auch 
sonst  nicht  in  so  vollem  Chore  der  Familie,  zumeist 
in    England,    vor  und    nach    Shakspeare's   Lear;4    er 

1  In  O.  L.  1$.  Wolfs  Hausschalz  der  Volkspoesie  (Leipzig 
1846)  S.  191. 

2  J.  M.  Firmenich:  Germaniens  Völkerstimmen  Bd.  I  (Ber- 
lin 1843-46),  S.  532. 

3  Von  den  Herulern  meldet  es  Prokop  Goth.  \\,  14.  An- 
dere Altnordische,  mehr  Slavische,  AHpreufsische,  Nordameri- 
kanische, Römische  Zeugnisse  bei  J.  Grimm  Rechtsalterth.  S. 
486.    Auch  Zigeuner. 

4  Von  den  verschiedenen  Darstellungen  handeln  die  Aus- 
leger Shakspeare's  zum  Lear,  bei  uns:  Kschenburg  zu  seiner 
Uebersetzung  (n.  A.  1777)  Bd.  11,  S.  547-80;  Simrock 
Quellen  Shakspeare's   Th.  3   (1831),   S.  269-74-     Gräfse  Lilt. 


®efd)id)te  fcer  einjelnen   €rjät)lun0*n.  ux 

bewegt  sich  ursprünglich  dort,  wie  Cymbeline  (vgl.  zu 
LXVII1),  im  königlichen  Kreise  der  Brittischen  Sagen- 
geschichte. 

Galfrid  von  Monmoruh,  im  12ten  Jahrhundert, 
soll  bei  König  Leir  wirklich  ältere  Walisische  Quellen 
haben,  in  der  Königskronik  Tysilio's,  Bischofs  von 
Wales  gegen  Ende  des  7ten  Jahrhunderts,  welche  nur 
in  wenigen  Abschriften  vorhanden  ist.  Hier  ist  Llyr, 
Bleidduds  Sohn,  der  eilfte  Brittische  König,  und  wird 
seine  Geschichte  aus  mündlicher  Ueberlieferung  er- 
zählt:2 ohne  Sohn  will  er  seinen  Töchtern  nach  dem 
Maafs  ihrer  Liebe  das  Erbe  geben.  Goronilla  und 
Regan  schwören  bei  Himmel  und  Erde,  dafs  die  erste 
ihn  mehr  liebt  als  ihre  Seele,  die  andre  unaussprech- 
lich; worauf  er  sie  mit  den  Fürsten  Magion  von  Corn- 
wall  und  Henwyn  von  Alban  (Schottland)  vermalt  und 
ihnen  die  Hälfte  des  Reiches  gibt.  Gordeilla,  die  nur 
sagt,  sie  liebe  ihn  wie  ihren  Vater,  und  verkündet, 
er  werde  nicht  mehr  geachtet  als  er  Macht  und  Muth 
habe,  geht  leer  aus,  und  wird  dem  König  Aganip- 
pus  von  Frankreich  ohne  Erbe  gegeben.  Als  Llyr 
alt  wird ,  bemächtigen  sich  die  beiden  ersten  Schwie- 
gersöhne des  ganzen  Reichs,  und  Llyr  wohnt  ab- 
wechselnd bei  ihnen,  wird  aber  seines  Gefolges  von 
40  Rittern  allmälig  so  beraubt  und  von  den  Töchtern 
so  schnöde  behandelt,  während  er  zweimal  von  einer 
zur  andern  geht,  dafs  er  wüthend  und  klagend  über 
die  Bewährung  der  Worte  Cordeilla's,  mit  Einem  Ritter 
zu  ihr  flieht,  die  ihn  in  Amiad  (Amiens)  so  ausrüstet,  dafs 
er  mit  Gefolge  in  Paris  einzieht.  Er  erhält  von  Aganip- 
pus  ein   Kriegsheer,   Gordeilla   allein  begleitet  ihn,    er 

<!<•>(  Ii.    II,    '.],  W)  — 100    und    8.    Uebers.    der    Gesta   Romanor 

II,  263. 

1    Original  story  of  hing    Lear,   ans    dem   C'/iromcle  of  the 
Kings,   im   Edinb.  Journul.    Deutsch    im   tili     IJiitrrh.-lil.    1842, 

ni    811      Weitere  Nechweinmg  fehl! 


lx  <&ef4)td)t*  &**  «tnjelittn  Crjaljlunge«. 

erobert  sein  Land  wieder,  und  verjagt  die  bösen 
Schwiegersöhne  von  der  Insel.  Unterdes  stirbt  Aga- 
nippus,  und  Cordeilla  bleibt  bei  dem  Vater,  und  re- 
giert mit  ihm  bis  zu  seinem  Tode.  Llyr  wird  in  dem 
von  ihm  erbauten  Tempel  des  Janus  bifrons  bei  seiner 
Stadt  Caer  Llyr  (Leicester)  am  Soramflufse  begraben, 
und  sein  Jahresfest  gefeiert.  Cordeilla  regiert  allein 
noch  fünf  Jahre,  bis  ihre  Schwestersöhne  Margan  und 
Cunedda  sie  bekriegen,  das  Reich  erobern,  und  sie 
ins  Gefängnis  werfen,  in  welchem  sie  sich  ersticht: 
1500  Jahre  nach   der  Sündflut. 

Galfrid,  und  nach  ihm  Hol  ins  he  d,  dessen 
Geschichte  Shakspeare  zunächst,  und  oft  wörtlich 
folgte,  weichen  nur  in  einzelnen  Umständen  und  Na- 
men hievon  ab:1  Cordeilla  ist  eigentlich  Leirs  liebste 
Tochter;  wie  sich  zuletzt  auch  bewährt.  Die 
schnöde  Behandlung  durch  die  beiden  bösen  Töch- 
ter und  deren  Männer  wird  nur  allgemein  angegeben. 
Aganippus  zieht  mit  nach  Britannien.  Maglanus  und 
Henninus  fallen  im  Treffen,  Leir  wird  wieder  König, 
und  liegt  bei  Leicester  unter  der  Wafserleitung  des 
Doreflufses  begraben. 

Cordeilla's  Schicksale  fehlen  hier,  finden  sich  je- 
doch ebenso  in  Spensers  Feenkönigin  (II,  10, 
27 — 33),  nur  dafs  sie  sich  nicht  ersticht,  sondern  er- 
hängt; welche  Todesart  sie  auch  bei  Shakspeare  er- 
leidet.2 

Die  Altenglische  Ballade  von  König  Lear  und 
seinen    Töchtern,3    deren  Zeit  nicht  genau  bestimmt 

1  Holinsheds  Erzählung  verdeutscht  Eschenburg  zum  Lear 
S.  548-52. 

2  Steevens  bemerkt  zum  Schlufse  des  Lear,  Shakspeare 
habe  diefs  Schicksal  Cordeilla's  so  in  der  Geschichte  gefunden, 
und  erzählt  diese  ganz  wie  Tysilio.  Etwa  nach  Tyrrel  general 
history  of  England  (Lond.   1700)? 

■  Hei   Percy   reliq.   I  ,  228  aus  der  Sammlung   The    golden 


(Örf'djidjU  tJfr  einzelnen  €rjäl)lunfleii.  lxi 

ist,  erzählt  im  Ganzen  ebenso:  Lear  schenkt  so- 
gleich beiden  Töchtern  sein  ganzes  Reich.  Cordelia 
irrt  verlafsen  im  Lande  umher,  bis  der  König  von 
Frankreich  sie  findet.  Leirs  Behandlung  wird  um- 
ständlich geschildert:  bei  der  Wiederkehr  zu  den  bei- 
den Töchtern  erhält  er  den  Abfall  der  Speisen  von 
der  Küchenmagd,  und  wird  zuletzt  hinausgestofsen. 
Er  irrt  wahnsinnig  umher.  Cordelia  allein  hilft  ihm 
sein  Reich  wiedergewinnen,  kömmt  aber  im  Treffen 
um.  —  Die  nur  trocken  darstellende  Ballade  könnte 
die  nähere  Aehnlichkeit  mit  Shakspeare,  z.  B.  Lears 
Wahnsinn,  erst  aus  ihm  selber  haben:  aber  Andeu- 
trng  desselben  enthält  schon  Tysilio's  Geschichtbuch, 
und  Johnson  bemerkt  richtig,  der  Balladenschreiber 
würde  mehr  dergleichen  entlehnt  haben,  wenn  er 
Shakspeare's  Lear  vor  sich  gehabt  hätte. 

Das  ältere  Schauspiel  König  Lear,  welches 
schon  1605  in  London  gedruckt,1  zuvor  manchmal 
aufgeführt,  und  von  Tieck  als  Shakspeare's  eigenes 
früheres  Werk  verdeutscht  ist.2  hat  den  Wahnsinn 
noch  nicht,  und  endet  mit  Lears  Wiedereinsetzung 
durch  Cordelia  und  ihren  Gemal.  Auch  sind  Gloster, 
Edgar  und  Edmund  nicht  eingeflochten,  welche  die 
Ballade  zwar  absichtlich  absondern  mochte.- 

Die  Geschichte  dieser  drei  ist  aus  Sidney's  Ar- 
kadia  '  genommen;  ihre  Verbindung  mit  der  Brittischen 

Garland.  Deutsch  von  Ksrhe-nburj?  552  —  58.  25  Stanzen. 
Wiederholt  O.  L.   B.  Wolf  Hausschalz  der  Volkspoesic. 

1  The  true  chronicle  history  of  hing  JLeir  and  his  l/iree 
danishthers  fJonord,  Rugun  and  Cordella,  as  it  has  ben  diuers 
and  HUldfy  times  lalely  acled.  h.  Wiederholt  in  den  Six  old 
piays    und    bei    Steevens    iAüSg.    von    20   Stücken   Shakspeare's 

l.ond.    IHM   \    lide.,   Bd.   4. 

2  Aitor.pl.  Theater  n  IH11;,  2o:s.  Vgl  Torr.  X-Xiv. 
Kineo  AatMfl  |Hm  Baetrenbtrrg  509~66. 

-  Der  Ausgabe  von  1590.  h.  p.  \h1.  Shaksp.  ithatr. 
III,  1\)\ 


i.Mi  <&cfd)id)U  Ucr  nn$rtnm   (Jrrjul)!  unweit. 

Sagengeschichte,  auf  ähnliche  Weise  wie  im  Cymbe- 
line  (s.  zu  LXVIII),  und  wie  sie  Shakspeare  auch 
sonst  liebt,  ist  in  dem  vollendeten  Werke  der  reifsten 
Zeit  des  grofsen  Dichters  von  tiefer  Bedeutung,  als 
Seitenbild  zu  Lear  und  seinen  Töchtern,  durch  den 
Vater  mit  seinem  natürlichen  und  unnatürlichen  Sohne, 
welches  das  erschütternde  Zusammentreffen  des  ver- 
stellten mit  dem  wirklichen  Wahnsinn  und  dem  Nar- 
ren herbeiführt  —  Spätere  Bühnenbearbeitungen  von 
Shakspeare's  Lear  durch  Nahum  Täte  und  Colman 
haben  den  glücklichen  Schlufs  des  älteren  Lear  herge- 
stellt, Colman  bat  jedoch  die  von  Täte  hinzugedichtete 
Liebe  zwischen  Edgar   und  Gordelia  wieder  entfernt. ' 

Auf  gleicher  Grundlage  beruht  die  Erzählung  C  a  m- 
den's2  von  dem  West  sächsischen  König  Ina,  der 
auch  die  Liebe  seiner  drei  Töchter  erforschte,  und 
nach  den  übertriebenen  Betheurungen  der  beiden  äl- 
teren, von  der  jüngsten  vernimmt,  sie  liebe  ihn,  wie 
sein  Kind,  werde  jedoch  einst  jemand  noch  mehr  lie- 
ben. Shakspeare  läfst  dafselbe  Gordelien  ausdrücklich 
in  Bezug  auf  ihren  künftigen  Mann  sagen. 

Eine  entsprechende  Erzählung  der  Gesla  Roma- 
norum findet  sich  auch  nur  in  der  Englischen  Ueber- 
tragung  derselben,3  obgleich  es  hier  der  Kömische 
Kaiser    Theodosius    ist,     dem    die   jüngste    der    drei 

1  The  hislory  of  king  Lear  by  N.  Tale.  Lond.  1(581.  4. 
1729.  8.  -  The  hislory  of  king  Lear.  Lond.  1769  In  der 
Vorr.   nennt  sich  Colman. 

2  Remains  {ed.   1674)  p.  306. 

3  Ch.  Swan's  Ausgabe  (Lond.  1829)  c.  21.  Douce's 
Auszug  in  s.  illustrat.  of  Shakespeare  II,  171.  Deutsch  bei 
Gräfse  II,  227  —  30.  Auszug  bei  Si  in  rock  272-73,  der  bei 
dem  Verhältnis  beider  Schwestern  mit  Edmund  noch  an  die 
beiden  Töchter  des  Servius  Tuilius  und  deren  Männer  (in  Li- 
vius)  erinnert,  wo  die  Bösen  mit  den  Guten  gepaart,  diese 
weggeschafft  werden  und  Jene  sich  verbinden,  in  völliger 
Wahlverwandtschaft. 


Töchter  sagt,  sie  liebe  ihn  nur  soviel  als  er  verdiene  (wie 
bei  Holinshed,  und  Galfrid :  quanlum  habes,  tantum 
vales,  tantumque  te  diligo);  worauf  er  diese  nur  einem 
Grafen  gibt,  jene  dagegen  einem  Herzog  und  König. 
Dem  vom  Könige  von  Aegypten  besiegten  Vater  er- 
bietet die  älteste  Tochter  nur  fünf  Ritter,  die  zweite 
nur  Unterhalt:  die  jüngste  dagegen  mit  ihrem  Manne 
stellt  ihn  her,  und  erbt  das  Reich.  —  Man  erkennt 
hier  wol  die  unbestimmte  Fafsung  für  den  lehrhaften 
Zweck  dieses  Buches. 

Wie  sich  hiezu  die  Italienischen  Novellen  des 
Marco  Cadomosto  von  Lodi1  undSercambi  fnov. 
42)  verhalten,  weifs  ich  nicht,  weil  mir  diese  Bücher 
fehlen. 

Unser  altes  Gedicht  erscheint  sehr  eigenthüm- 
lich  in  seiner  bürgerlich -heimischen  Darstellung  und 
umständlichen  Entwicklung  des  Verhaltens  der  fünf 
Kinder  und  ihrer  Gatten,  sowie  der  sinnreichen  Er- 
findung des  von  der  Kreuzfahrt  heimgekehrten  Freun- 
des für  das  gemächliche  Leben  des  Alten  bis  ans  Ende, 
befser  als  wenn  er,  nach  noch  fortwährendem  Deut- 
schen Recht,  »auf  den  alten  Theil«  gesetzt  wäre;  und 
zwar  auf  Kosten  der  undankbaren  Kinder,  die  durch 
sein  Vermächtnis  tief  beschämt  und  gerecht  bestraft 
werden. 

Diese  sonst  nicht  vorkommende  Wendung  ist  aber 
durchgängig  in  den  Deutschen  Darstellungen  dieses 
Stoffes,  und  noch  gegenwärtig  lebendig  in  mündlicher, 
ja  in  bildlicher  Ueberlieferung. 

Luther  hat  in  seinen  Tischreden  sich  in  be- 
stimmter Beziehung  auf  dieselben  geäufsert. 2 

Die  vierte  seiner  sieben  Novellen  bei  s.  Sonetti  e  altre 
nme.  Rom  1844.  Yy>\.  Novellier o  Ital.  II,  Vorr.  S.  XXII- IV. 
Dunlop  hisl.  of  fict.  nennt  unrichtig  hier  den  Giovanni  Brcvio. 
Nov.   |. 

2  K.ip    90  Her  Leipziger  Aüfg.   von  1021,  III.  445. 


i  \i\  (ßtfA)\A)U  fcer  etit^elnen  (tBr3ot)luu^eit. 

Hans  Sachs  hat  diesen  Stoff  vermuthlich  auch 
aus  lebendiger  Sage  und  Anschauung  gedichtet,'  und 
drückt  den  Spruch,  welcher  in  dem  altern  Gedichte 
das  Vermächtnis  des  Schlägels  enthält,  in  folgenden 
Reimen  aus: 

Wer  sein  kinden  bei  seinem  leben 
Sein  hob  und  gut  thut  übergeben 
Den  sol  man  denn  zu  schand  und  Spott 
Mit  dem  kolben  schlagen  zu  todt. 

Diefs  nähert  sich  sehr  dem  noch  gangbaren ,  in 
seinen  drei  bedeutungsschweren  Keimen  noch  kräftiger 
lautenden  Volksspruche: 

»Wer  seinen  Kindern  gibt  das  Brod, 

Und  leidet  selber  dabei  Noth, 

Den  soll  man  schlagen  mit  dieser  Keule  todt.« 
So  deutete  dieser,  auch  wol  daneben  stehende 
Spruch  die  an  manchem  Stadtthore  aufgehängte  Keule, 
wie  solche  namentlich  in  Schlesien  zu  sehen  waren, 
und  wol  noch  sind,  obschon  dergleichen  immer  mehr 
verschwindet:  weil  die  heutige  hohe  Erleuchtung  sich 
solcher  Zeugnifse  finsterer  Jahrhunderte  schämt:  zu- 
letzt (1824)  habe  ich  sie  noch  in  Krossen  am  Thore 
nach  Berlin  gesehen. 

In  England  hing,  und  hängt  vielleicht  noch,  hin- 
ter dem  Kirchthore  the  holy  mawle,  womit  der  Sohn 
den  70jährigen  untüchtigen  Vater  erschlagen  mochte. 2 
Dieser  Widerspruch  mit  unserm  Spruch  ist  nur  schein- 
bar, weil  jener  die  unzeitige  und  völlige  Gutsverthei- 
lung  an  die  Kinder  meint:  die  Englische  Erlaubnis 
dagegen  in  Bezug  auf  das  hohe  untüchtige  Alter  und 
biblische  Lebensziel   von   70  —  80   einen  auch  bei  uns 

1  Der  Nürnberger  Ausgabe  von  seinem  Gedichte  von  1560 
B.  JI,  Th.  2,  Bl.    105. 

2  Anecdotcs  and  traditions  derived  front  ms.  sources,  edited 
by  W.  ./.  Thoms  (JLond.  J839.  4.  für  die  Camden  society) 
p.  8*. 


(ftefdjtdjte  tier  einzelnen  ^r^ÖljluKge«.  lxv 

nicht  fremden  Sinn  ausdrückt.  '  Den  letzten  hält 
J.  Grimm2  für  den  älteren,  und  den  heiligen  »Ham- 
mer oder  Schlägel«  ursprünglich  für  den  Hammer  des 
Gottes  Donar,  Nordisch  Thor,  welcher  etwa  am  Ein- 
gange seines  Tempels  gehangen  oder  bildlich  ausge- 
hauen war.  Man  kann  hinzufügen,  dafs  die  schon  im 
Namen  dem  Gotte  gewidmeten  Orte  und  Städte  3  sol- 
ches auch  in  Christlicher  Zeit  als  Warzeichen  behal- 
ten mochten.  Die  Gestalt  der  Keule  oder  Kolbe,  an- 
statt des  Hammers,  macht  keine  Schwierigkeit,  da 
Thors  Blitzhammer  auch  eine  Streitaxt  ist,  und  er  in 
den  noch  vorhandenen  zahlreichen  Bildern  des  gemein- 
samen Germanischen  Donnergottes,  auch  im  Norden, 
mehr  mit  der  Keule,  als  mit  dem  Hammer  gebildet 
ist.  *  Unser  Schlägel  befafst  beides:  wie  das  Alteng- 
lische maule ,  jetzt  mauL  Franz.  maiU  Kolbe,  von 
mallem  kömmt.  Indessen  ist  kein  rechter  Grund,  in 
vorliegender  Verbindung  des  Schlägels,  auch  des  Eng- 
lischen heiligen,  an  Thor  zu  denken.  Ihn  durch  die  Stelle 
am  Thor  mit  Thor- Donar  zu  verknüpfen,  wäre  eben 
auch  nur  ein  thörichter  Einfall,  wie  die  Berliner 
Thorstrafse  vom  Gotte  Thor  herzuleiten.  —  Wir  wifsen 
wol,  dafs  man  im  Norden  sich  im  Alter  vom  Felsen 
ins  Meer  stürzte,  um  zu  Odhin  zu  fahren,  weil  nur 
gewaltsamer  Tod  zu  ihm  nach  Walhall  führte,  wäh- 
rend   di<"    von    Alter   und    Siechthum    Sterbenden    ins 

hm    l.i.mr   handmann    meines  GeburlMlorfes  in  solchem 
zui    lariggewohuten  Arbeit  untüchtigen  Alter  pllcgie  unmtithig. 

nur    balb    scherzweise   ZU  Saget!*      Sun  olltn  AJinschcn     ih-  niisrht 
mer  Sticht ,  miitten  dot  schlan." 

2   In  M.  Baupti  Zeitschrift  V  [1848      72-  Vi. 

1  Donnersberg,  Dornbarg,  Drfrsfad,  Therm?  Wie  im  Nor- 
den   Thorbiai  g  .    T/iorbiörg,    Thorsnces. 

*  Unter  dttl  röti  BÜSChing  anfangs  für  Tyi  liiMer  erklärten 
Krzblldern  Thors,  rfeVerl  wol  urarrzlg  zum  Theil  In  den  fern- 
sten Germanischer!  Lindem  gefanden  sind,  habe  Ich  nur  eins 
'bei    Gral  Kenn«,   in  Koblenz   1X2:*     mit    hiihii  Hammer  Besehen. 

"      li      Hmf  ■        <in»in  ..  ■  ■  II  \ 


lxvi  <&*fd)td)U  fcer  einjeltmi  (JErjätylungen. 

traurige  Haus  der  Hei  (Helle,  Hölle)  kamen.  Diese 
Vorstellung  lag  auch  wol  dem  Tödten  der  Greise 
durchs  Schwert  (bei  den  vom  Norden  kommenden 
Herulern)  mit  zum  Grunde.  Es  bliebe  nun  anzuneh- 
men, dafs  hier  der  Donar-Thor,  im  Mittellatein  meist 
Jupiter  (TonansJ  genannt,  als  höchster  Himmels-Gott, 
selbst  über  Wodan-Odhin  (Mercurius),  angesehen  ward  ; 
wovon  sich  allerdings  Spuren  im  Norden  zeigen,  wie 
in  Bezug  auf  Tyr  (Ty,  Tiu ,  Ziu),  auch  bei  uns.1 
Auf  jeden  Fall  sind  uns  hier  uralte  Sinnbilder,  Sprüche 
und  Beispiele  bewahrt  und  aufgegeben. 

h.  Martinsfest.      Von  dem  Stricker. 

Unter  den  sechs  Handschriften  dieses  Schwankes 
ist  auch  die  Wiener  gröste  Sammlung  Strickerscher 
Gedichte, 2  und  ihm  derselbe  auch  ohnediefs  wol 
zuzuschreiben.  Der  Inhalt  ist  mir  sonst  noch  nicht 
vorgekommen.  Den  Heiligen  Martin  haben  wir  schon 
als  Verleiher  der  drei  Wünsche  an  seine  Verehrer 
gesehen,  zu  XXXVII.     Vgl.  auch  zu  LV. 

LI.     Der    Wiener  Meerfahrt.      Von  dem  Freuden- 
leeren. 

Nur  in  zwei  Handschriften  vorliegend ,  welche 
überdiefs  nur  als  Eine  gelten,  ist  dieser  schon  der 
antiken  Welt  angehörige  grofsartige  Schwank  ebenso- 
wenig durch  frühere  mittelalterliche  Darstellungen  be- 
kannt, als  der  aus  Z.  45  namhaft  gemachte  Dichter, 
der  Freudenleere:  ein  angenommener  bedeutsamer 
Name,  wie  dergleichen  damals  schon,  im  13ten  Jahr- 

1  Vgl.    Germania   \,   366   IT. 

2  Quellenverz.  16.  Die  Zahl  2885  bei  den  Lesarten  ist  ir- 
rtg,  anstatt  2705  (darin  dieses  das  63ste  Gedicht  ist),  und  gehört 
der  Wiener  Papierhandschrift,  Quellenverzeichnis  6.  —  Ausg. 
dieses  Gedichis  von  Hahn  20.  Darnach  in  Prosa  von  Genlhe 
II,  105.  Aus  der  Kolocz.  Hds.  erneut  von  Mailath  253. 


®e|d)id)te  tor  einzelnen  (lErjäljluitflen.         lxvii 

hundert,  aufkamen.  '  Der  Dichter  rühmt  den  Burg- 
grafen Herman  von  D  e  v i  n ,  von  welchem  er  das 
Abenteuer  in  Wien  vernommen,  wie  derselbe  es  von 
guten  Leuten  gehört  habe.  Devin  scheint  hienach 
das  alte  Ungarisch-Slavische  Devin  (Davena ,  Dovina)  2 
unterhalb  Wien  am  Zusammenflufse  der  March  und 
Donau,  das  zu  Deven  und  Theben  geworden; 
wie  der  Pfaffe  von  Kaienberg  ( bei  Wien  )  eigentlich 
Weigand  von  Theben  hiefs.  3  Burggrafen  von  Devin 
sind  zwar  besonders  nur  von  dem  Sächsisch-Slavischen 
Devin,  jetzo  Deben,  bei  Grimma,  bekannt,  obgleich 
kein  Herman.  Aber  auch  von  dem  Donau-Devin  gab 
es  damals  Burggrafen,  namentlich:  Heinrich  1260  und 
1269,  der  die  Witwe  des  Grafen  Otto  von  Hardeck 
heiratete,  und  seitdem  auch  von  Hardeck  heifst;  und 
ein  jüngerer  Heinrich  von  Devin  1312:  sodafs  der 
auch  hier  fehlende  Herman  doch  wol  hieher  gehört. 4 
Der  mit  ihm  befreundete  Dichter  beschreibt  zugleich 
noch  das  Leben  zu  »Wien  in  Oesterreich« :  dort  gebe 
es  eine  Art  Bad,  wo  man  des  Silbers  und  der  Kleider 
völlig  blofs  und  baar  gemacht  werde.  Er  meint  wol 
ein  Frauenhaus,  vielleicht  zugleich  ein  wirkliches  Bad 
mit  ins  Wafser  gehenden  Frauen;  und  der  Dichter 
kannte  diefs  wol  nicht  blofs  von  Hörensagen,  sondern 

1  Vgl.   Minnesinger  IV,  710. 

2  Civitas  quae  lingua  gentis  illius  Dowi na,  id  est  puella 
dicitur.  Rudolfi  annal.  Fuldens.  ct.  864  bei  Pertz  mon.  hist. 
Germ.  I,  378,  wozu  der  Her.  bemerkt,  dafs  er  1821  die  Trüm- 
mer von  Thürmen  und  Mauern  auf  steilem  Felsen  an  der  Donau 
gesehen  habe,  wie  es  864  schon  eine  Feste  war. 

3  Vgl.  Grundrifs  S.  357. 

4  Wilken  Geschichte  der  Kreuzzügc  lfd.  4  (1826),  Beilagen 
S.  54  ei  wähnt  aus  dein  Gedichte  von  des  Landgrafen  Ludwig 
des  Frommen  Kreuzfahrt  den  Burggrafen  Heinrich  v.  D.  ,  und 
aus  Sagittarius  (Nachr.  von  den  Burggrafen  und  Herren  zu 
Devin,  in  der  Sammlung  verm.  Nachr.  zur  Sachs.  Geschichlc  Bd. 
9,  S.  357)  auch  die  älteren  Burggrafen,  Konrad  1185,  Erkcn- 
bert  1198.   1210. 


aus  Erfahrung,  sodafs  er  daher  etwa  sich  den  Freu- 
denleeren nannte.  Das  gab  dann  auch  nächsten  Anlafs 
zur  umständlichen  Dichtung  dieses  ungeheuerlichen 
Abenteuers  in  einem  Wiener  Weinhause. 

Aufserdem  gibt  er  der  Stadt  Wien  das  schönste 
Lob:  man  lebt  dort,  freilich  für  Geld  (»wer  ein  Geld 
hat«),  in  Herrlichkeit,  Freuden  und  Fülle,  bei  köstli- 
chen Fischen  und  Wein,  und  schönen  Fräulein,  Rossen 
und  allerlei  (ritterlicher)  Kurzweil,  Sagen,  Singen 
und  Saitenspiel :  eine  Schilderung  der  fröhlichen  Zeiten 
Wiens  vor  dem  Falle  des  letzten  Babenbergers,  Fried- 
richs des  Streitbaren  (in  der  Ungarnschlacht  1246), 
der  selber  den  Tanzreigen  anführte  und  vorsang,3 
worauf  die  trüben  freudenleeren  und  gesanglosen  Zei- 
ten Oesterreichs  folgten,  welche  Ulrich  von  Liechten- 
stein und  der  Stricker  beklagen. 2 

Wenngleich  der  Freudenleere  dieses  Abenteuer 
aus  mündlicher  und  örtlicher  Sage  dichtete,  so  sind 
die  Grundzüge  desselben  doch  uralt,  und  gehören  schon 
der  Griechenzeit.  <  Athenäus  3  erzählt  aus  dem  altern 
Sicilischen  Geschichtschreiber  Tim  aus  von  Taor- 
mina,  weshalb  ein  Haus  in  Agrigent  das  Schiff  ge- 
nannt werde:  eine  taumelnde  Trinkgesellschaft  darin 
bildete  sich  ein,  zu  Schiffe  im  Sturme  zu  sein,  so 
dafs  sie  Tische,  Stühle,  Bänke  und  andres  Hausge- 
räth  über  Bord  warfen  und  tobten,  bis  am  Morgen 
die  Obrigkeit  erschien,  dem  Unfuge  zu  steuern:  einer 
der  Trunkenen  hielt  die  Beamten  für  Meergötter, 
und  begrüfste  sie  als  ihre  Retter;  diese  hiefsen  alle 
heimgehn,  und  die  noch  Taumelnden  gelobten,  wenn 
sie  glücklich  aus  dem  Sturme  kämen,  ihnen  daheim 
bei  den  andern  Seegöttern  Bildsäulen  zu  errichten. 

1  VjLil.  Minnesinger  IV,  422. 
a  Minnesinger  IV.  381.  Germania  II,  91. 
3  Deipnosophist.   1.  2,  c.  5.    Uebersetzt  in   Schadeis   Ausg. 
der  Meeilahrt  S.  3. 


<&efd)td)U  "Der  einteilten  (ßr^ä Ölungen.  lxix 

Durch  unbekannte  Vermittelung  zeigt  unser  Ge- 
dicht diesen  antiken  Schwank  in  der  Tracht  des  Mittel- 
alters. Die  Seereise  und  Verehrung  der  Seegötter 
sind  hier  eine  Kreuzfahrt  nach  dem  heiligen  Lande. 
Als  weite  Entfernung  werden  Akers  und  Prag  zu- 
sammen genannt  (136).  Akers  vAkkon,  St.  Jean  d'Acre 
=  Ptolemais),  von  Saladin  1187  erobert,  von  Richard 
Löwenherz  1191  wiedergewonnen,  Sitz  der  Johanniter- 
Kitter,  war  gewöhnlich  Landungsort  der  Kreuzfahrer, 
bis  1291  der  Aegyptische  Sultan  es  einnahm,  und  da- 
mit die  Christen  ganz  aus  Palästina  vertrieb.  Dadurch 
bestimmt  sich  die  Zeit  des  Dichters,  der  ohne  Zwei- 
fel noch  während  solcher  Meerfahrten  lebte.  Diese 
gingen  über  Brandeis  (360),  was  nicht  dieser  Ort 
unweit  Prag,  sondern  nur  Brundusium,  jetzo  Brindisi 
an  der  Italischen  Ostküste  sein  kann,  sodafs  die 
Fahrt  von  dem  Wien  zunächst  liegenden  Adriatischen 
Meer  ausging.  In  Prag  aber,  wo  damals,  vornämlich 
unter  dem  König  und  Minnesinger  Wenzel  Deutsche 
Dichtkunst  blühte,  mochte  der  Dichter  wirklich  be- 
kannt sein.  Als  andere  damals  gangbare  Wallfahrten 
und  Kreuzfahrten   gedenkt  er  auch  St.   Jakobs   Weg 

nach  Compostella  in  Spanien)  und  der  Preufsen- 
fahrt  115.  117  ,  d.  i.  der  Heerfahrten  gegen  die 
heidnischen  Preufsen,  auch  Litauer  genannt,  welche 
seit  dem  Uebergange  des  Deutschordens  aus  Palästina 

1230;  auch  von  Oesterreich  und  Böhmen  aus  sich 
vielfältig  bewegten.  '  Der  Freudenleere  zeigt  sich 
auch  >on>t  als  ein  kundiger  Dichter,  der  (iertrudens 
gute    Herberge    (vgl.   zu    XLII)   der    Kriemhilden 

.Nibelungen  Noth  gegenüberstellt  (624.  629).  Sein 
Gedicht  ist  <\u<\\  cigenthumJich  ausgebildet  durch  die 
nicht  häufigefl  dreireiroig  gescblofsenea  Sätze  (Bei,  I. 
8.  MI  ,  und  dem  eemäfs  isl  die  mit  Fleifs  ausgeführte 
Darstellung  anschaulich  und  lebendig. 

1  Vgl.  Minnefcingei   iv    13.  290    50fl    Gnindr    isc, 


lxx  <&efcl)td)te  toer  eti^elnctt  <CBr3Ctt)luit0ett. 

Der  Inhalt  dieses  Gedichts  ist  seitdem  zwar  öfter 
Deutsch  wiederholt,  jedoch  aus  anderweitigen  Ver- 
mittelungen. 

Nicht  lange  darnach  erzählt  Hugo  von  Trim- 
berg,  in  seinem  1300  begonnenen  Renner  kürzlich 
diesen  Schwank:  in  einer  Stadt  entschliefen  Baiern 
nachts  vom  starken  süfsen  Moste;  da  riefen  zween  im 
Traume:  »Wolauf,  über  Meer,  mit  des  Königs  Heer!« 
und  Viele  erhüben  sich;  einer  der  gestreckt  da  lag, 
wurde  für  todt  und  dem  Schiffe  gefährlich,  hinab- 
geworfen von  der  hohen  Laube,  so  dafs  er  Arm  und 
Bein  brach,  und  laut  schrie;  worauf  die  droben  erst 
nüchtern  wurden.  ' 

Stadt  und  Völkchen  sind  hier  anders;  die  Baiern, 
jetzo  mehr  ein  Biervolk,  pafsen  nicht  so  gut  zum  Most- 
rausch, als  die  Wiener;  und  die  Meerfahrt  erst  nach 
dem  Aufruf  im  Traum  ist  auch  keine  glückliche  Aen- 
derung.  Der  Auswurf  des  Leichnams  vom  Söller  und 
dessen  Unheil  stimmt  zu  dem  Gedichte;  das  Uebrige 
ist  verkürzt. 

Weit  ab,  in  aller  Hinsicht,  steht,  was  in  Mitte 
des  17ten  Jahrhunderts  Hans  Mich.  Moscherosch, 
in  seinen  wunderlichen  und  wahrhaften  Gesichten 
Philanders  von  Sittewald,  als  Erlebnis  erzählt 
(st.  1669).  Philander  und  seine  beiden  Freunde  Exper- 
tus  Robertus  und  Thurnmeyr  haben  in  der  Herberge 
bei  einer  Burg  an  der  Saar  mit  einem  Saufbruder 
Lälius  und  einigen  Schweizern  und  Franzosen  gezecht, 
und  ergeh n  sich  im  Freien,  während  die  übrigen 
sechs  oder  sieben  mit  Lälius  fort  saufen,  von  Hollän- 
dern und  Meerfahrten  schwatzen,  und  sich  einbilden  im 
Schiffe  zu  sein  und  Sturm  zu  leiden,  alles  Geräth 
und  ihre  Kleider  aus  dem  Fenster  werfen,  sich  dabei 

1  Renner:  in  der  Ausg.  von  1549  Bl.  53*>;  in  der  Ham- 
berger  Ausg.  1834  Z.  10,208-35:  wiederholt  von  Lütcke  in 
Germania  V.  139. 


<$?fd)id)U  tier  einzelnen  (ßrjätylunflen.  lxxi 

so  lange  zutrinken,  bis  sie  niedersinken.  Einer  der 
sich  auf  die  obere  Kammer  verkrochen  hat,  vom  Lär- 
men unten  aufgeweckt,  stürzt  die  Treppe  hinab.  Die 
aus  dem  Freien  in  die  Herberge  Zurückkehrenden  fin- 
den alle  am  Boden  im  Unflat  liegen  und  schlafen.  —  Sehr 
umständlich  ist  alles  ausgemalt,  und  gute  Lehre  beigefügt.  * 

Bald  darauf  erzählt  Ulrich  Megerle,  der  unter 
dem  Namen  Abraham  a  Santa  Clara  bekannte 
burleske  Wiener  Kanzelredner  (st.  1704),  denselben 
Schwank  von  den  Strafsburgern.  2 

Die  letzte  bekannte  Darstellung,  welche  ebenfalls 
unabhängig  von  den  drei  vorigen  ist,  enthält  das  sel- 
tene Buch  «Neu  eröffnete  lustige  Schaubühne  Mensch- 
licher Gewon-  und  Thorheiten«  (o.  J.  und  O.  12)  S. 
120:  »Biere-Logia«,  wo,  aus  Wirkung  des  alten  Bieres, 
Saufbrüder  sich  einbilden,  im  Schiffe  auf  stürmischem 
Meere  zu  sein,  und  alles  vom  Verdecke  werfen,  bis 
die  Wache  kömmt,  welche  sie  für  Tritonen  oder 
Meergötter  fufsfällig  anbeten  und  ihnen  daheim  Opfer 
geloben.  Das  Haus  wurde  seitdem  »Triremis  oder  die 
Galeere«  genannt. a 

Hiemit  kehrt  diese  Erzählung  zu  ihrem  antiken 
Ursprünge  zurück,  wenn  auch  nicht  unmittelbar. 

Wie  dieselbe  manigfaltig,  fast  für  alle  Deutsche 
Stämme,  wiederholt  worden,  ist  auch  unser  altes  Ge- 
dicht davon  besonders  fleifsig  bearbeitet  worden.  Zu- 
erst hat  es  Büsching  in  Prosa  erneuet,  aus  Glöckle's 
Abschrift  der  Heidelberger  (damals  noch  Vatikanischen) 

Nach  der  Sträfaburger  Aasgab«  1606  Thi  2,  8.  227,  bei 
Sehadel  O  wiederholt  Eli  gebort  zum  neunten  Gesicht  ,, Hanfs 
bi näher,  Gaob  herüber;  J.ukel  bieoaus,  Jockei  herein;  (ians 
vberi  Heer,  und  wider  herüber."  welches  gegen  die  Ausländerei 
gerfehtei  Ist;  wie  wir  noch  sagen:  ,,es  flog  ein  dänslein  über 
den   Rhein,    und   kam   eine  6 am   wieder  heim." 

2  in  dem  Beaehefdefeen  1836.  s.  S84. 
1  tfitgetnelli  rotl  f.    r,  SoKati  In  NomVi  Anzeiger  de-  M 
A.  1834.  8p.  46.  Darani  wiederhol!  ron  Lütcke  142. 


i  xxu  t£e|d)ict)te  \>tx  einzelnen  <tfr3öl)lun0en. 

Handschrift,  in  den  Erzählungen  u.  s.  w.  des  Mittelalters 
H.  1  (Breslau  1814),  S.  214  —  31.  Dann  ist  es  aus 
der  Koloczaer  Anschrift  mit  14  andern  Gedichten  durch 
Mailath  und  Köffinger  (Pesth  1817)  S.  55  —  74 
abgedruckt.'  Diesen  Abdruck  hat  Genthe  in  den 
Dichtungen  des  Mittelalters  II  (Eisleben  1841),  S.  224 
— 35  nochmals  in  Prosa  übersetzt.2  Ferner,  hat  Schä- 
del aus  demselben  Abdrucke,  mit  Vergleichung  eini- 
ger Stellen  der  Heidelberger  Urschrift  durch  Hahn,  eine 
Ausgabe,  als  Programm  des  Gymnasiums  zu  Klausthal, 
1842  besorgt.  Endlich,  hat  Lütcke  in  der  Berliner  Deut- 
schen Gesellschaft  einen  Vortrag  über  dieses  Gedicht 
gehalten,  welcher  im  Jahrbuche  derselben  oder  Ger- 
mania  Bd.  5   (1843),    S.   122—42   gedruckt  ist.3 

Es  bewährt  sich  in  solcher  vielfachen  und  viel- 
seitigen Erneuung  dieses  Abenteuers  ausschliefslich 
bei  den  Deutschen  die  eigenthümliche  Anziehung  des 
Stoffes  für  sie,  und  dafs  mit  Becht  von  jeher  ihre 
Gründlichkeit  auch  in  dieser  Hinsicht  berühmt  ist. 
Zu  verwundern  ist  daher,  dafs  der  Bheinländische 
Gervinus  ein  solches  Missfallen  an  diesem  Gedichte 
hat  und  es  so  unbarmherzig  verurteilt,4  ungeachtet 
des  klassischen  Ursprunges,  welchen  er  wol  noch  nicht 
kannte.  Der  Schwank  ist  hier  freilich  nicht  harmlos, 
man  darf  ihn  jedoch  den  freudigen  Wiehern  wol  zu- 
trauen, die  im  14ten  Jahrhundert  noch  heftiger  Ernst 
machten  aus  dem  Spafs,  als  im  Jahre  1848,  laut  Be- 
heims  Buch  von  den  Wienern. 

1  Vgl.   das  Quellenvcrzeichnis  2  (S.  757). 

2  Den  Irrthum,  welchen  er  aus  dem  >origen  Buch  über- 
kommen, hat  schon  Schädel  5  berichtigt. 

3  Kr  ist,  mit  Schädel,  geneigt,  den  Stricker  für  den  Ver  • 
fafser  zu  halten:  dem  widerspricht  aber,  aufser  dem  Namen, 
auch  Darstellung  und  Sprache. 

4  Geschichte  der  poetischen  Nationallitteralur  der  Deutschen 
Th.  I  (1835),  S.  300,  wonach  dieses  Gedicht  noch  in  Lafs- 
bergs  Liedersaal  stehn  soll. 


Inhalt. 


Seite 

XXI.  Das  Häselein  k506  Reime  1 

XXII.  Der  Sperber    370  R.) .  19 

XXIII.  Das  Gänselein    272  R., 37 

XXIV  Der  schwangere  Mönch    Von  dem  Zwingäuer  544  R.  49 

XXV.  Die  Nachtigall    264  R.) 71 

XXVI.  Frauenlist  '618  R 83 

XXVII.  Frauenbeständigkeil    468  K.       105 

\WIII.  Die  Teufelsacht    324  R 123 

XXIX.  Der  wahrsagende  Baum    132  R .    .  137 

XXX.  Der  entlaufene  Hasenbraten.    Von  dem  Vri  olsb  ei  raer 

130  R.       145 

XXXI.  Der  Reiher    430  R 153 

XXXII.  Ehestand,  Tod  und  Hochzeit    644  R.) 171 

XX  XIII.  Ehe  im  Leben  und  Tode    246  R.) 193 

\\\|\  Scheidung  und  Sühne    132  R         205 

XXXV.  Ehefrau    und    Buhlerin.       Von   Hermann   Frefsant 

776  R 215 

XXXM.  Dm  »arme  Almosen    130  R., 241 

WXVII.  Die  drei  Wünsche    228  R  ) 249 

XXXWIL  Weiberli^t    MI 261 

WXIX.  Der  Ritter  und  die  .N'üfse    1%  IL.     273 

XL  Die  Meierin  mit  der  Geifs    164R 183 

XLI  D«-r  Ritter  unterm  Zuber.      Von  J  a  k  ob  A  p  pet  (395  R  293 

Xi.ll.  Die  treue  lUgd    Mi  I       ...  300 

XI. III  Der  v.rk.hrt-  Wirib      Von  IL  rrand  von  Wildonie 

■I  R  

xi. iv  Dfa  leiefcH  84  R MO 

\l  V  DM  MMMMM  Ehemann    256.  R.J 

XJ  \  I  l>.~  heiTse  Eisen    198  R.                                         ....  :m 

xi  Ml  Dm  MMikM   DO  R                         919 

XLVIll  Di-    tat*    I).    ,..     304  R.                                                     .  :W7 


lxxiv  3nh,alt. 


Seit» 

XLIX.     Der    Schlägel.       Von    Rüdiger    dem     Hunthovcr 

(1200  K.) 501 

L.     Martinsfest.    Von  dem  Stricker   214  R.) 653 

LI.    Der  Wiener   Meerfahrt.     Von   dem   Freudenleeren 

(706  R.) 463 

Anbang.    Aus  Jansen  Enenkels  Wellbuche 487 

i.  XCI.     Achilles  und  Deidamia  (586  R.) 489 

2.  XC1I.    Der  Zauberer  Virgilius  (530  R.) 509 

3.  XCI1I.    Eraklius  (530  R.) 529 

4.  XCIV.    Der  Teufels -Papst  (356  R.) 549 

3.  XCV.    Kaiser  Dagobert  (248  R.) 563 

6.  XCVI.    Constantin  (388  R.) 575 

7.  XCVII.    Des  Reufsenkönigs  Tochter  (680  R.) 591 

8.  Karl  der  Grofse: 

I.  XCV1II.    Liebeszauber  (580  R.) 617 

II.  XCIX.    Naturrecht  (168  R.) 635 

9.  C.    Saladin    128  R.) 643 

CLXV1I.  Herr  Friedrich  von  Auchenfurt.    Von  Jansen  Enen- 

kel  (388  R.) 337 

Lesarten,  Anmerkungen,  Rerichtigungen  und  Nachträge    ....  651 


A.^LA. 


Pas    gSfeletn. 


«mml»l,»nlr„,,        II 


Der  Dichter,  von  Gottes  Gnaden,  will  seine  Zeil  nicht  verlieren, 
sondern,  den  Neidern  zu  Leide,  ein  Abendmärlein  Deutsch  reimen, 
den  Edlen  zu  Liebe,  und  diese  mit  Hülfe  der  Frau  Venus  im  Minne- 
dienste bestärken. 

Ein  edler  Ritter  ritt  zur  Ärntezeit  mit  zweien  Hunden  und  einem 
Sperber  auf  die  Jagd:  ein  Häslein  entrann  ihm  in  das  Korn,  wo  ein 
Schnitter  es  Gng  und  dem  Jäger  gab.  Dieser  streichelte  es,  und  ge- 
dachte, es  einem  Fraulein  zu  bringen,  um  deren  Minne  er  lange  schon 
vergeblich  warb,  und  nun  durch  diefs  Spielwerk  versuchen  wollte.  Sein 
Weg  führte  ihn  durch  ein'  Dorf,  wo  ein  edles  schönes  Jungfräulein, 
noch  voll  kindlicher  Einfalt,  in  einer  Laube  an  der  Strafse  stand,  und 
auf  seinen  Grufs  sich  das  Häselein  wünschte,  wenn  es  ihm  feil  wäre. 
Er  wollte  es  um  ihre  Minne  geben.  Sie  fragte,  was  das  wäre,  und 
bot  ihm  drei  Pfund  Fingerlein  (Ringe),  zehn  Bickelsleine  und  einen 
Gürtel  mit  Gold  und  Perlen.  Der  Ritter  verlangte  jedoch  nur  ihre 
Minne;  sie  wollte  sie  gerne  geben,  wenn  sie  sie  nur  halte;  und  da  ihre 
Mutter  und  Gesinde  in  der  Kirche  war.  stieg  er  rasch  ab.  setzte  den 
Sperber  ab,  band  das  Ross  an,  und  ging  in  die  Laube:  die  Holdselige 
empfing  freudig  das  Häfelein,  und  liefs  ihn  gerne  die  Minne  suchen, 
die  er  auch  glücklich  fand,  zu  beider  Wonne,  so  dafs  sie  ihn  nicht 
übervoriheilen  wollte,  und  nochmals  suchen  liefs,  und  als  er  beim 
dritten  Nachsuchen  Überraschung  fürchtete,  ihm  nachrief  wiederzu- 
kommen; sie  wolle  nicht  seinen  Schaden. 

Als  ihr  Müllerlein  heimkam,  zeigte  sie  fröhlich  ihr  Häselein,  und 
erzählte  ihr  Alles;  da  wurden  aber  ihre  gelben  Locken  zerrauft  und 
ihre  ilrahJenden  Wangen  gezwickt,  so  dafs  sie  huriig  entsprang.  Sie 
trauerte  weniger  um  die  Minne,  als  über  die  Schläge,  und  schaute 
\on  der  Laube  nach  dem  Ritter  ans  um  den  Handel  zurück 
zu    tliun. 

\rn  dritten  läge  kam  er  wieder,  und  schon  von  ferne  forderte  sie 
ihre  .Minne    zurück    und   klagte    ihm    ihr  Leid.     Er  war    SOgieicfa  hereil; 

sie  liel  herab  mit  dem  Häfelein,  nahm  mit  Freuden  ihre. Minne  wieder 
und  wähnte  ans  einem  Weibe  wieder  Magd  geworden  zu  lein,  sah 
Jedoch  traurig  auf  dai  Häfelein;  der  Ritter  Hefa  es  ihr  gern  obenein, 
und  sie  freute  lieb,  ihn  10  nbervortbeill  zu  haben. 

He  eilte,  es  ihrem   MQuerlein   zu   rerkünden,  als  die  heimkam 

wurde  aber  wieder  gerann  und  gescholten  wegen  dei  doppelten  Un- 

nei     i>ie  Mattet  gib  sich  lelber  Schuld,  and   wehklagte.    Die 

lochtet    jedoch    blieb    gCtrOfl       sic     wolle    ihre   Schuld    tragen,     und    zum 


Geschehenen  müfse  man  sich  des  Besten  versehen.  So  tröstete  sie 
selbst  ihre  Mutter,  die  sie  schweigen  und  fröhlich  den  Jungfernkranz 
tragen  hiefs. 

Darnach  über  ein  Jahr  verlobte  der  Ritter  sich  mit  einem  schönen 
und  reichen  Fräulein,  und  lud  zu  seiner  Hochzeit  viele  Freunde.  Da 
gedachte  er  auch  des  Mägdleins  mit  dem  Häselein  ,  ritt  hin,  und  lud  die 
Mutter  mit  ihr  und  ihrem  Häselein  zu  seinem  Ehrentage.  Die  Mutler 
liefs  sich  nichts  merken,  und  willigte,  obwohl  mit  schwerem  Herzen,  ein. 

Am  Hochzeittage  safs  der  Ritter  neben  seiner  Braut,  und  als  das 
Mägdlein  mit  dem  Häselein  daher  ritt,  lachte  er,  eingedenk  des  ganzen 
Handels,  so  laut  auf  und  so  anhaltend,  dafs  Alle  ihn  deshalb  fragten. 
Vor  Allen  auch  die  Braut,  deren  Fürwilz  durch  sein  Versagen  so  gereizt 
ward,  dafs  sie  ihm  keine  guten  Tage  verhiefs,  wenn  er  nicht  Bescheid 
gäbe.  Nun  erzählte  er  ihr  Alles,  und  sie  erwiederte,  jene  sei  eine 
rechte  Thörin  gewesen:  ihr  (der  Braut]  habe  der  Kaplan  wohl  hundert- 
mal dafselbe  gethan ,  ohne  dafs  sie  es  je  ihrer  Mutter  gesagt  habe.  Da 
erschrack  der  Bräutigam,  wechselte  die  Farbe,  entschlofs  sich  jedoch 
rasch,  sprang  auf  und  führte  die  Schöne  mit  dem  Häselein  zum  Sitz 
an  seine  Seile.  Darnach,  als  alle  Gäste  beisammen  waren,  erhub  er 
sich,  und  erzählte  laut  die  ganze  Geschichte  von  Anfang  bis  zu  Ende. 
Dann  bal  er  seine  Freunde  um  Ralh  und  Wahl  zwischen  den  beiden 
Bräuten.  Alle  entschieden  einstimmig  für  das  Mägdlein  mit  dem 
Häselein.  Jene  ward  also  ihrem  Kaplan  heimgesandt,  und  diese  dem 
Bräutigam  angetraut.     So  bewährte  sich:  was  sein  soll,  mufs  geschehen. 


XXI 

Da3   heselin. 


^Xribe  ich  die  zit  vergebene  hin,'« 

sit  ich  von  Gotes  genauen  bin 

Genemmet  in  der  mäzen, 

man  solle  mich  verwäzen: 
5  Ich  wil  durch  kurze  wile, 

den  nidaeren  ze  bile 

Ein  abent  mserlin  welzen , 

unt  Tiutschlichen  velzen 

Dise  rimes  ende. 
10  und  waer'  ich  so  behende, 

Da3  ich  so  reine  worhte, 

da3  ich  mir  niht  cnvorhte 

Der  losen  nidaere  schimpf, 

die  dö  zehant  ungelimpf 
15  LT  ander  liute  haut  getan, 

und  doch  nihl  eren  mag  an  in  stau. 

Nu  wolt'  ich  han  der  edeln  gunst. 

und  gli  vrou[we]  Venus  mir  vernunsl 

So  iprenge  ich  rif  h  zuoversfbl , 
H)  die  man  nach  minnen  ringen  siht. 
Ein  rittci .  urol  gebarende, 

(Jci    weite  günsle  v/irendc 

Mii   mute   und  mich  mit  vrumekeit  • 

leii .  <io  neogeltch  sin  körn  sneil . 
25  Ze  reUlc  ui  stnen  akkei 

mi     /wrin  hundrii  w ;iUK<i 


6  XXI.    5>a9  $äfdetn. 

Und  mit  eime  sperwaere; 

der  selbe  bei3aere 

Ersach  ein  junge3  heselin. 
30  da  jaget'  er  zuo  die  hunde  sin. 

Ouch  jaget'  er  ime  selber  nach; 

ze  vlühte  was  dem  hasen  gäch. 

Und  entran  hin  in  da3  körn: 

des  wart  siniu  vriheit  verlorn, 
35  Wan  e3  gevieng  ein  snitter, 

und  gab  e3  dem  selben  ritter. 

Da3  was  ouch  reht,  da3  wi33e  Gut. 

wan  er  het  63  gejagöt. 

Des  vrou[we]te  sich  der  ritter  do. 
40  und  gedähte  in  sinem  muot  also: 

»Diz  ist  rehte  ein  äventiure.« 

nu  betrahte[te]  der  gehiure, 

Wa3  er  hie  mite  taete: 

dö  riet  sin  herze  ime  staete, 
45  Er  solt'  e3  bringen  einre  maget, 

diu  ime  lange  was  versaget. 

Nach  der  sin  minne  tragender  muot 

gluejel'  in  der  senede  gluot, 

Als  in  der  essen  tuot  da3  golt. 
50  des  wart  sin  muot  in  ein  geholt;1 

Wan  man  kumetL>  geringe 

mit  solichem  dinge 

Ze  vriunde  (wol)  gewinnet; 

ein  kint  den  apfel  minnet 
55  Und  naeme  ein  ei  für  des  riches  laut. 

alsus  reit  er  al  ze  hant 

Gegen  eime  dorfe  hin, 

als  in  bewisete  sin  sin. 

Da  siniu  strafe  durch  gie; 
HO  sin  heselin  er  streichet'  ie. 
Nu  lag  ein  junkvröuweün. 

edel,  schoene  unde  fin . 

1  geholt.' 

2  kinl? 


XXI.  jPaö  gäftletn. 

Der  järe  ein  kint,  und  ouch  einvalt, 

an  einre  louben,  diu  gestalt 
65  Was  en gegen  der  strä3en  hin; 

und  als  er  kam  geriten  in 

Mit  dem  tierlin  wilder  art 

vür  die  junkvrouwe(n)  zart, 

Da3  ersach  diu  junge  magt. 
70  er  gruo3te  si;  siu  sprach:  »herfre],  sagt. 

Wannan  kam  iu  da3  heselin? 

wan  wolte  Got,  und  weer'  e3  min! 

Oder  waer'  e3  iu  aber  veile?« 

er  sprach:  »e3  mak  ze  teile 
75  lu  vil  wol  werden,  schoene3  kint, 

ob  ir  des  koufes  vli3ik  sint«  — 

»Ja,  vil  lieber  herre  min, 

vil  gerne  het'  ich  da3  heselin; 

Nu  sagent  mir,  wes  ist  e3  wert? 
80  und  hän  ich  den  iht  des  ir  gert, 

Damit  ich  iuch  geweren  mak, 

ich  engelebete  nie  so  lieben  tak.« 

Er  sprach  vil  balde:  »ich  gib'  e3  iu 

umbe  iuwer  minne.«    dö  sprach  siu: 
85  »Minne,  herre,  wa3  ist  da3? 

ir  vordernt,  Got  wei3,  ich(n)  wei3,  wa3; 

Nemet  da3  ich  geleisten  müge; 

ob  iu  der  muot  ze  koufe  züge, 

Herre,  ich  hän  in  mime  schrin 
90  beslo33en  driu  pfunt  vingerlin. 

Und  zehen  bikkel  steine, 

und  einen  borten  kleine, 

Sldin,  mit  golde  wol  durch  slagen. 

darüf  berlln  sint  getragen, 
?>ö  Gemischet  rot  unde  WI3, 

daran  min  muotcr  leite  irn  vil.5 

Und  aller  meisterschefte  list: 

den  Demet,  ob  iu  ernest  ist, 

l  ikI  länl  den  kouf  nü  vür  sich  gän  j 
HM»  wan  ict]  M  nu  niht  be33cr  hau.« 


8  XXI.   2>as  gäfcUiu. 

Der  ritter  der  sprach  aber  dö: 

»der  kouf  mag  niht  ergän  also. 

Ich  enwil  weder  golt,  noch  steine. 

wan  iuwer  minne  reine.«  -r- 
105  »Der  hän  ich  nihl.«  —  »Ich  vinde  si  w -l 

bi  iu,  ob  ich  si  suochen  sol.«  — 

»So  nement  si  hin;  wes  beitent  ir? 

und  gent  den  jungen  hasen  mir. 

Und  hänt  ir  iuwer  minne.« 
10  er  sprach:  »ist  ieman  hinne, 

Der  uns  hoeret  oder  siht, 

so  mag  ich  ir  genemen  niht: 

Ir  mue3ent  sin  aleine.« 

dö  sprach  diu  maget  reine, 
15  Da3  linde  turteltiubelin: 

»ze  kirchen  ist  min  mueterlin. 

Und  alle3  da3  gesinde.« 

do  erbeiset'  er  geswindc, 

Den  spcrwer  säst'  er  von  der  hanl 
20  und  als  er  do  sin  pfert  gebant, 

Do  huob  er  sich  ze  der  louben  in 

und  gap  da3  junge  heselin 

Der  jungen  maget,  da  siu  sa^ 

an  der  niht  des  Got  verga3, 
25  Da3  schoeniu  wip  erzöugen  sol; 

sin  meisterschaft  schein  an  ir  wol, 

Ir  forme  was  versniten  niht, 

engelvar  was  ir  gesiht, 

Ir  wonten  wibes  site  bi, 
30  diu  mäse  lie  si  wandeis  vri; 

Ir  was  wol  so  rehtc  geschehen, 

Got  möhte  selber  gerne  sehen 

Die  selbe  junkvrouwen 

in  sime  himel  schouwen. 
35  Und  dö  da3  selbe  megetin 

enpfangen  hete  ir  heselin, 

Siu  sprach:  »herre,  ich  bin  geweit, 

nemel  selber,  des  ir  da  gert.« 


XXI.   3>ao  ilßüUin.  0 

Der  rittet   tet.  als  irae  gelank. 
HO  da3  junge  kint  er  zuo(z')ime  twank. 

L'nt  kuste  ir  mündelin  rosenrot. 

als  im  sin  wille  dö  gebot. 

Herre,  wie  gewarp  er  dö, 

sit  ime  diu  State  wart  also, 
iö  Da  lag  er  sanfte,  äne  vluoch. 

nider  üf  da3  hungertuoch. 

Und  betwang  in  kündekliche  ir  wer . 

diu  betwungen  hat  vil  manik  her 

Unde  alle  künige  twinget ; 
•50  der  durch  liebe  ringet, 

Swa3  lebelichen  lebende  ist. 

Minne  und  minneklicher  list 

Hat  noch  der  weite  gesiget  an, 

die  vant  ouch  hie  der  junge  man 
55  Und  nÖ3  ir  jungen  sue3en  lip . 

bi5  da3  diu  maget  wart  ein  wlp. 

Da3  dunket,  üf  minen  orden.  mich 

U3ermä3en  wunderlich. 

Und  do  diu  junkvrouwe  zart 
60  der  sumerzite  ginre(t)  wart, 

Siu  sprach:  »suochel  [her  wider],  tiurre  hell. 

nie  zorn,  swic  vil  ir  weit, 

B15  ir  die  minne  vunden  haut ; 

sint  tuwers  heselins  gemant.« 

EM  flocht'  er  aber  viirba3; 

li;  lic  diu  junk  vrniiw'  Arie  ha,}. 

Dar  nach  duht'  in  rarndes  /it; 

diu  junk  vrouwr   tw.mu  in  aber  s!l 

Mit  us  beraen  gelöste 
;<►  vil  liepltch  ao  k  brüsh 
Und  bat  in  tertltchd, 

d;«3  er  niht   entwiche, 

1      u.i'i'  im  ander*  ittnde, 
1  die  minne  runde, 

h.i   BOGD     Diwan]    /<•  riiicm   mal* 

<!<•  rorbt'    1      m  ,    Im  iw.il> 


10  XXI.  Uta»  «afeletn. 

Vreisen  waere  swanger. 

do  enbeitet'  er  niht  langer. 

Do  rief  [im]  diu  junk  vrouwe  aber  nach: 

180  »herre,  war  ist  iu  so  gäch? 

Wes  nemet  ir  niht  die  minne  gar? 
ich  wirde,  wei3  Got,  wol  gewar, 
Da3  ir  si  gar  niht  hänt  genomen; 
wellent  ir  niht  her  wider  komen, 

85  So  ist  mir  iuwer  schade  leit.« 
der  ritter  lachende  dannan  reit. 

Nu  hat'  ir  mueterlin  vernomen 
messe,  und  was  her  wider  komen, 
Und  als[e]  diu  tohter  si  ersach. 

90  siu  lief  en gegen  ir,  und  sprach: 
»Luoge,  liebe  muoter,  sich, 
zarte  muoter,  wa3  hän  ich, 
Ein  also  hübesche3  heselin!« 
siu  sprach:  »sage,  kint  min, 

95  Wer  gap  dir  da3  hübesche  lierlin?« 
siu  beschiet  vil  eben  ir  den  sin. 
Wie  siu  den  hasen  hete  kouft. 
des  wart  ir  gelwe3  har  zerrouft, 
Darnach  ir[e]  liehten  wangen 
200  begunde  diu  muoter  zwangen 
Mit  irm[e]  vil  leiden  vinger. 
diu  tohter  wart  geringer. 
In  Sprüngen  siu  von  dannan  vloch, 
irs  zornes  siu  sich  sus  enzöch. 
5  Der  jungen  tet  ir  schade  we: 
doch  muoten  si  die  siege  me. 
Dan  der  minnefn]  Verluste; 
kein  trüren  an  ir  brüste 
Kam  nach  der  verlornen  minne. 

10  sus  gie  siu  in  dem  sinne 
Ie  tages  an  die  louben, 
und  wartet'  in  dem  glouben 
Des  ritters,  ob  er  kaeme, 
da3  siu  ir  minne  wider  naeme. 


XXL   Da*   gafeletn.  11 

215  Unde  ir  taete ,  als  er  ir  e  tet, 

da3  siu  ir  minne  wider  het'. 

Als  obe  der  koufschaz  waere  verlorn, 

des  hete  siu  do  wol  gesworn. 
Nu  kam  er  ouch  geriten  sider 
20  an  dem  dritten  tage  wider, 

Und  als  siu  in  von  erst  an  sach, 

vil  lüte  rief  siu  unde  sprach, 

Alse  siu  niht  hete  sinne: 

»herre,  mine  minne 
25  Süllent  ir  mir  her  wider  geben, 

ich  hän  ein  martelliche3  leben 

Und  jaemerliche  hochgezit 

gehabet  von  minre  muoter  sit, 

Siu  hat  mir  Ü3  min  har  gerouft; 
30  ich  hän  niht  wol  umbe  iuch  gckouft: 

Gent  mir  wider  die  minne  min, 

und  nement  ir  iuwer  heselin; 

Wir  süln  des  koufes  wider  komen. 

ich  hän  sin  schaden  gnuog  genomen, 
35  Sit  ich  die  minne  hän  verlorn. « 

dö  sprach  der  rittcr  wolgeborn: 

»Müget  ir  da  mite  ze  hulden  komen, 

die  minne,  die  ich  hän  genomen, 

Waer*  ich  eine,  die  leite  ich  wider.« 
40  nü  lief  diu  schoene  hin  nider, 

Und  brähte  mit  ir  da3  heselin. 

siu  sprach:  »zarter  herre  min. 

Sit  ich  1111  aber  eine  bin, 
Dement  iuwern  hasen  hin. 
iö  Und  gent  mir  mine  minne.« 

der  rltter  guotei   sinne 

Ervnlte  dö  der  jungen  bet'j 

(U3  er  oucfa  an'  daj  gerne  tet, 

!)<">  1k'3  er  llhte  lieb  erbiten. 
50  m;m  pfliget  noch  der  selben  siteu. 

Swarzuo  dem  manne  rial  sin  muot. 

d«5  er  das  durch  kleine  bete  tuot. 


12  XXI:   0as   i)o|elnu 

Sus  wart  von  eime  wtbe  magel , 

da,3  ist  doch  selten  nie  gesaget; 
2.35  Ich  mein'3  alsus,  nü  merkent  da3", 

siu  wände  sin,  als[e]  sin  6 des  was, 

Ein  maget  wider  worden, 

an[e]  megetlichen  orden; 

Wer  zwivclt  nü  dem  ma;iv 
60  dem  guoten  rilter  waere 

Mit  irre  reiner  minne  wol? 

nie  man  da3  unbilden  sol. 

Noch  was  der  aventiure  geschihl . 

als  uns  das  maere  hie  verjiht, 
65  Der  minnen  Überguide. 

nü  wer  behuop  ir  hulde? 

Der  ritter  saelden  riche . 

da3  diu  minnekliche 

Wände  ein  maget  sin,  als  <•. 
70  da3  siu  verworht  habe  e.  (?) 

Und  do  disiu  aventiure  ergie, 

diu  junkvrouwe  [dikke]  blikket'  ie 

An  ir  vil  liebe3  heselin; 

ouch  tet  er  sine  tugent  schin , 
75  Und  lie3  ir  ire  minne  wider, 

und  gap  ir  ouch  den  hasen  sider, 

Der  bleip  ir  zuo  gewinne; 

si  dühte  in  irme  sinne, 

Siu  lief  03  wol  geschattet, 
SO  und  er  waer[e]  gar  veraffet. 
Nü  da3  der  ritler  wol  bedaln 

sin  pfert  ze  vclde  hatc  brahL 

Do  was  ouch  komen  ir  mneterlin; 

da3  kinl  tet  ir  aber  schin, 
85  Und  lief  vil  balde  gegen  ir, 

und  rief  vil  lüle.  me  den  zwir: 

(Nü,  rnuoter,  mag  ich  noch  genesen. 

der  rilter  der  ist  hie  gewesen. 

Und  hat  mir  mlne  minne  wider 
00  und  ouch  den  hasen  'ge)  geben  ^ider. 


XXI.  jDao   9«ftUt«.  13 

Den  hau  ich  vor  ze  teiles.«  » 

siu  sprach:  »we  mir  dins  heiles, 

Und  owe  dem  gewinne!« 

siu  kripfte  in  irme  sinne 
295  Ir  schcene  tohter  in  da3  här, 

siu  sprach:  »nü  \vei3  ich  wol  vür  war. 

So  da3  ich  din  muoter  bin, 

er  hat  dinen  magetuom  dahin. 

Des  muo3  ich  iemer  trürik  sin; 
300  und  ow6,  kint,  der  eren  din! 

Ich  solte*din  ba3  war  han  genomen. 

so  waere  ich  nihl  ze  leide  komen, 

In  dem  min  herze  muo5  sin  begraben 

die  wile  wir  da3  leben  haben.«  — 
5  »Nu  gehabe  dich  wol,  diz  ist  geschehen. 

man  sol  ze  dem  besten  sich  versehen.« 

Sprach  da3  wenige  kint . 

»min  leit  da3  wert  ane  under  bint , 

l'nd  wiset  an  min  ende  mich.«  — 
10  »liebe  muoter,  nü  trceste  dich. 

Ich  tel  e3,  und  sol  '3  ouch  gerne  tragen. 

swig  und  lä  din  jämer  klagen.« 

Des  kintles  tröst  der  alten  wak . 

sin  sprach:  »noch  mue3'  ich  lieben  tak 
15  An  dir  geleben  und  sanlikeil! 

vröude  dir  ist  unverseit, 

[i  sin.  sez  üf  den  borten  stolz; 

i 
din  sezzen  ist  noch  niht  ze  holz. 

Swig,   und  la  dich   \nHirhc  sehen, 

•20  dir  mag  noch  wunde  1  wol  besehenen 

hai  11 'ich  wart  über  ein  jar, 

du  wart  dem  rilter  offen  |>;u 

Kinrc  junk  viouwcn  11p 

•  I >«-t   vür  ein  cllch   wip, 

SS  Diu  «rat  ichoen  e)  unde  kluoh , 
irolgevriunt  und  rieh  genuok, 
im  nroog  der  meide  BchappeUn, 

durch  d.-r,  siu  ein  magel  jolte  iln, 


14  XXL  jDae  $nfdein. 

Der  borte  ist  der  megede  reht. 
330  der  eren  ein  getriuwer  kneht 

[Und]  versach  sieb  niht  wan  guotes; 

des  was  er  hohes  muotes 

Und  bewak  sich  kosten  unde  schaden; 

vrouwen  unde  herren  laden, 
35  Die  er  ze  vriunt  bekande, 

begunde  er  in  dem  lande 

Ze  sinre  eren  hoch  gezit. 

nü  pruevet,  wä  min  wän  an  lit: 

Swa3  geschehen  sol,  da3  gesohiht, 
40  also  waene  ich,  und  anders  niht. 

Da3  wart  an  disen  dingen  schin: 

e3  ergieng,  als  e3  solte  sin. 
Der  werde  junge  ritter  fin 

gedäht'  ouch  an  sin  heselin* 
45  Unde  an  da3  kint  gehiure, 

und  aller  [der]  aventiure, 

Wie  e3  umbe  den  kouf  ergie; 

sin  edel -herze  niht  enlie, 

Siu  mueste  da  ze  hove  sin: 
50  sin  junkvrouwe  und  ir  heselin, 

Wie  het*  er  si  gelten  da! 

hie  mite  reit  er  hin  iesä, 

Da  ime  der  liebe  kouf  geschach. 

diu  junkvrouwe  von  erst  ersach 
55  Ir  vriunt,  ze  dem  ir  herze  truog, 

siu  sprach;  »liebe  muoter,  luog', 

Der  ist,  der  die  minne  nam.« 

davon  diu  muoter  sere  erkam. 

»Ach,  kint,  wes  hästu  mich  ermant!« 
tiO  nü  was  ouch  er  hinzuo  gerant, 

Unde  bat  ir  [vrouwe  ir]  mueterlin, 

da3  siu  iemer  durch  den  willen  sin 

Ze  sinre  eren  kaeme, 

und  da3  siu  mit  ir  naeme 
65  Die  junkvrouwe  und  ir  heselin. 

siu  gedäht':  »owe  der  eren  min! 


XXI.  Pas  gäfelein.  15 

Kum  ich  zuo  des  höchgezit, 

der  mine  tohter  hat  gevrit 

Ze  kebse,  wan  ich  den  sihe  an, 
370  wie  lüzzel  ich  dan  vröuden  hän! 

Sit  er  des  hoves  solte 

billich,  ob  er  wolte, 

Pflegen  mit  der  tohter  din. 

ouch  vürht'  ich  sere.  und  lä^  ich  sin. 
75  Da3  er  offene  die  geschiht.« 

siu  wolt'  e3  im  eht  versagen  niht. 
»Herre,  gerne,«  sprach  siu  dö, 

»ich  bin  iuwerre  eren  vrö. 

Wir  stillen  beide  gerne  komen.« 
80  dö  sprach  der  ritter  Ü3  genomen : 

»Genäde  und  dank  habent  iemer. 

der  tugende  vergi3  ich  niemer.« 

Er  schiet  von  dannan  heim  vil  vro. 

nü  sich  diu  zit  getruog  also, 
85  Da3  er  an  sinre  vröuden  tak. 

an  dem  sin  höchgezit  gelak, 

Durch  kosen  bi  ir  slten  sa3, 

diu  ime  gelobet  ze  wibe  was, 

Ein  wunder  dö  kam  in  geriten, 
90  da3  kint  mit  kintllchen  siten. 

Von  dem  ich  e  hän  geseit, 

und  brähte  sin  heselin  gemeit 

Mit  ime,  an'  arge  liste. 

der  wirt.  der  da  wol  wiste, 
95  Wie  der  hase  wart  gekouft, 

und  wie  diu  tohter  wart  zcrrouf'i. 

Und  wie  der  wehsei  kouf  geschach. 

der  lachete,  unt  tet  einen  kach. 

Und  began  so  sere  lachen 
400  von  den  selben  sachen. 

Und  mohle  sich  des  niht  cnthabcii. 

da3  man  in  ieze  wolte  laben, 

Und  wider  käme  kam  ze  sich. 

<lö  woll»*  vrägen  mengellch. 


IG  XXI.  Pas  $afclctn. 

405  Wes  er  gelachet  haete. 

des  cnlhuop  sich  wol  der  staete; 

Ich  waene,  [da3]  er  sine  heinlikeii 

vil  ungernc  ieman  haete  geseit. 

Nu  begunde  in  ouch  da.3  vröuwelin. 
10  diu  sin  gemahcl  solte  sin. 

Mit  ernstes  vrage  understan. 

durch  wa3  er  haete  getan 

So  herzekliche3  lachen. 

dö  wolt'  er  die  Sachen 
15  Niht  entslie3en.  und  bat  si, 

da3  siu  in  der  vrage  lie3e  vri. 

Der  vür  wiz  rei3ete  si  dö  me . 

wan  ir  bef  starker  wart ,  dan  e . 

Siu  wolte  wi33en  dö  binamen. 
20  wävon  kaeme  dirre  gamen. 

Dö  werf  er:  »[s]ich  entuon  sin  niht.« 

siu  sprach:  »ir  sagent  mir  dise  geschihl . 

Samir  leben  unde  lip. 

oder  ir  gewinnet  niefmer]  guot  wip 
25  An  mir.  unde  lieben  tak.« 

der  vrouwen  krieg  dö  nider  wak . 

Da3  er  der  jungen  briute  zart 

ires  willen  volgende  wart . 

Unde  si  dö  gewerte 
30  der  rede,  der  siu  gerte. 

Und  seif  ir  von  des  hasen  vart. 

wie  er  in  dem  körne  ersuchen  warl , 

Und  wie  er  darnach  wart  verkoufl, 

und  wie  diu  tohter  wart  zerrouft. 
35  Da5  siu  die  minne  verlos. 

und  wie  er  si  aber  wider  nö,5. 

Do  er  ir  die  minne  wider  gap. 

siu  sprach:  »samir  da3  heilige  grap. 

Diu  was  ein  rehte  tierin: 
40  hete  siu  gehabet  den  willen  min. 

Siu  enhef  es,  wei3  Got.  niht  geseit; 

e3  was  ein  gro3e  tumpheit. 


XXI.  2Da*  fi&Uitw.  17 

Ina!  joch  het  mir  unser  kappelän 

wol  hundert stunt  also  getan, 
445  Und  wser*  mir,  wei3Got,  [noch]  hiute  leit, 

würde  e3  der  muoter  min  geseit. 

Ina!  wa3  seit'  siu  rehte3  tcerlin, 

wan  lie  siu  niht  ir  klaffen  sin!« 
Do  der  ritter  diz  vernam, 
50  ein  schrekke  Im  an  sin  herze  kam, 

Sin  varwe  so  verwandelt  was, 

da3  er  küme  (da)  gesa,5, 

leze  bleich  und  denne  rot, 

als  im  der  schrekke  dö  gebot. 
55  Und  dö  er  wider  sich  versan, 

ze  hant  er  trahten  began. 

Wie  der  rede  waere  dö; 

er  gedähte:  »ist  disem  dinge  also, 

So  wirt  min  brütluft  vol  bräht 
60  anders,  dan  ich  hän  gedäht.« 

Sin  sizzen  was  niht  langer, 

in  eime  zorne  uf  sprang  er, 

Er  lie  hin  gen  dem  kinde  trasen, 

da3  dö  was  komen  mit  dem  hasen, 
65  ßi  sine  site  sat  er  die, 

die  er  von  erst  mit  spotte  enpfie. 

Sw»3  durch  in  dar  komen  was, 

dö  sich  da3  alle3  zesamen  gelas, 

Beide,  vrouwen  unde  man, 
70  si   Wanten  eine  brut  h;m 

An  der  gemahelten  maget: 

ii f  stuont  der  wirt,  so  man  saget, 

Und  hie.-;  sich  hoeren  liberal 

und  seite  von  oben  ze  tal 
75  Nil  eben,  wie  eg  ergangen  was, 

mibe  <ii/  unde  urnbe  da3, 

Wie  könfltch  er  da$  kint  gewan, 

und   wie  er  ir  mirirx-  ruorte  <i;m. 

1  nd  wie  er  11  ir  gap  hin  wider: 
so  dar  nach  seit'  er  .'«Ixt  lidei 

•      J     Hafn       f>»i*mfat»l>«nt*nrr        II  ~ 


18  XXI.  33a*  $äfelein. 

Wie  e3  umbe  die  brüt  was  getan, 

und  ouch  umbe  iren  kappelän. 
Unde  alse  er  volle  seite, 

dö  bat  er  gereite, 
185  Die  sine  vriunde  wären  da, 

das  si  ime  durch  liebe  Seiten  sa , 

Unde  des  würden  in  ein, 

welhiu  im  geviele  under  den  zwein, 

Da3  er  die  sime  Übe 
90  behuebe  ze  einem  wibe. 

Dö  rieten  s'  an  der  stunde 

alle  mit  einem  munde, 

Da3  er  die  junge  fine 

miLdem  heseline 
95  Ze  rehte  wiben  solte, 

ob  er  gedenken  wolte, 

Wa3  billich  waere  und  ere. 

do  enbeitet'  er  niht  mere, 

Er  nam  si  mit  des  pfaffen  hant. 
500  diu  ander  wider  heim  wart  gesant 

Ze  irme  kappeläne. 

Noch  bin  ich  in  dem  wane, 

Und  gloub'  e3,  und  wil  es  ie  mer  jehen 

da3  sin  sol,  da3  muo3  geschehen. 
5  Als  an  disen  selben  zwein 

geschach,  und  ofl'enlich  erschein. 


XXII. 

Per   Sperber. 


In  einem  stattlichen  Frauenkloster,  wie  man  sagt,  wetteiferten 
Alte  und  Junge  im  Gottesdienst,  und  waren  aufserdem  nie  müfsig, 
sondern  webten  und  wirkten,  zeichneten  und  schrieben.  Kein  Mann 
durfte  das  Kloster  betreten,  und  nur  die  Nonnen  im  Amte  kamen  her- 
für: die  jungen  unerfahrenen  blieben  stets  drinnen,  und  die  Schul- 
meisterin lehrte  sie  singen  und  lesen,  sprechen  und  gehen,  und  im 
Chore  stehen  und  sich  verneigen ,  dem  Orden  gemäfs.  Sie  waren  so 
lieblich ,  \lafs  Gott  ihren  rosenrothen  Münden  keine  Bitte  versagen 
konnte. 

Unter  ihnen  war  ein  so  schönes  Jungfräulein,  dafs  sie  untadlich 
erschien,  und  ihr  durchaus  nichts  gebrach,  als  dafs  sie  gar  nichts  von 
der  Welt  aufserhalb  des  Klosters  kannte,  in  welchem  sie  schon  15  Jahre 
gelebt  halte.  In  dieser  klösterlichen  Einfalt  stand  sie  einst  an  der 
Ringmauer  des  Klosters,  unweit  der  Thüre  an  der  Landstrafse.  Da 
kam  ein  Ritter  daher,  zu  Rosse,  einen  Sperber  auf  der  Hand.  Sie 
grüfste  ihn,  und  fragte,  ob  er  das  Vöglein  weit  her  führe;  und  als  er 
verneinte,  fand  sie  es  wnnderschön,  es  singe  gewis  auch  süfs ,  und 
die  Frau,  der  er  es  bringe,  müfse  ihm  immer  hold  sein.  Der  Ritter, 
ihre  gute  Einfalt  erkennend,  sagte,  es  sei  ein  Sperber,  und  ihm  wohl 
feil.  Die  Jungfrau  beklagte,  dafs  sie  kein  Geld  habe;  jedoch  wolle  sie 
gern  sonst  etwas  dafür  geben.  Da  erbot  ihn  der  Ritter  für  ihre  Minne. 
Diese  war  ihr  unbekannt:  sie  habe  in  ihrem  Schrein  nur  zwei  Bilder, 
drei  Nadeln,  eine  Scheere,  zwei  neue  Haarbänder,  ihr  feiertäglich  Gewand 
und  ihren  Psalter ;  darunter  gebe  sie  ihm  die  Wahl.  Der  Ritler  bestand 
jedoch  sof  ihre  Minne,  die  er  bald  bei  ihr  finden  würde.  Sie  wollte 
ihn  gern  weben  lafsen,  er  hub  sie  von  der  Mauer,  führte  sie  in  einen 
Baumgarten,  band  das  Ross  und  den  Sperber  an  einen  Ast,  safs  mit 
bdnen  in  den  Klee,  und  fand  bald  dieMinne,  zu  beider  Freuden, 
so  dafs  sie  sich  nicht  durch  Kargheit  vorsünden  wollte,  sondern  ihn 
aufforderte,  sich  nach  Herzenslust  bezahlt  zu  machen.  Darnach  hob  er 
sie  wieder  auf  die  Mauer,  und  ritt  W( 

Dal  I  raulcin  ging  fröhlich  mit  dem  Sperber  zu  ihrer  Lehrmeisterin, 
erzählte  ihr  den  wohlfeilen  Mandel,  und  beklagte,  dafs  das  Kloster 
kfint-n  Solchen  Minnesncher    bebe,    für    den    sie-  Alle  ihre  Pfründe  hcr- 

geben  solltes  Die  Mir  schall  sie,  dafs  sie  ein  Weih  geworden,  raufte 
und  schlug  iie  /wmt  zu  Boden,  so  dafs  sie  fasi  lodi  lag,  Die  Junge 
gedachte,  ei  wieder  mit  zo  machen,  und  wartete  frühmorgens  heimlich 
auf  der  Mauei  ins  dei  Ritter  wiederkam,  sogleich  forderte  sie  Ihre 
Minne  und  Magdthum   für  dei  ^i»«i i»<-r  zurück,    Der  Ritter  war  bereit, 


er  that  ihr  abermals,  wie  zuvor,  und  sie  hielt  genau  darauf,  dafs  er 
ihr  die  Minne  so  dreifach  wiedergab,  wie  er  sie  genommen.  Dann  eilte 
sie  vergnügt  zur  alten  Nonne,  verkündigte  ihr  den  glücklichen  Tausch, 
und  rühmte  den  ehrlichen  Mann  ,  der  dem  Kloster  sehr  zu  wünschen 
wäre.  Die  Alte  rügte  die  überschwängliche  Einfalt  der  Jungen,  die 
Übel  ärger  gemacht;  warf  sich  selber  jedoch  vor,  dafs  sie  nicht  befser 
vorgesehen  hatte,  und  liefs  ihren  Zorn  über  das  Unwiederbringliche. 


XXII. 

Der    Sperwsere, 


Mfrr  ist  ein  msere  geseit 

vil  gar  vür  eine  wärheit, 

Niht  vür  ein  lug,  noch  vür  ein  spei, 

e3  ist  hübesch  unde  snel; 
5  Ich  sage  iu'3,  man  seite  mir'3: 

als  ir'3  gelernt,  so  sagt  ouch  ir'3. 
E3  was  hie  vor,  als  man  seit, 

ein  klöster  guot  und  wol  bereit, 

Erbouwen  schön  unde  wol, 
10  als  man  von  reht  ein  kloster  sol; 

Da  wären  vrouwen  inne, 

die  dienten  Got  mit  sinne: 

Die  alten  und  die  jungen 

läsen  unde  sungen 
15  Ze  ieslicher  ir  tagezit, 

si  dienten  (iote  ze  wider  strlt,  l 

So  si  allerbeste  künden, 

und  muosten  under  stunden. 

So  si  niht  solden  singen, 
20  naen  oder  borten  dringen,  ; 

Oder  würken  an  der  ram; 

iegUchiu  wold'  des  haben  schäm, 

Diu  iI.j  inut'3ik  waere  belibcn. 

si  entwarfen  oder  gchriben, 

1  /..  |:t     16  fUdtA      1: 
(lingen     /'. 


24  XXII.  Per  S^rber. 

25  leglichiu  nach  ir  ahte 
worhte,  swa3  si  gemähte.  * 
Nu  was  e3,  als  mir  ist  geseit, 
ir  reht  und  ir  gewonheit, 
Da3  nimmer  dehein  man 

30  in  ir  klöster  getorste  gän 
Durch  deheine  sache; 
si  wären  mit  gemache 
Inner  halp  des  klösters  tür; 
ir  deheiniu  kom  hervür, 

35  Wan  die  der  amt(e)  pflägen: 
an  den  die  wizze  niht  lägen, 
Die  muosten  innerthalben  sin. 
e3  lert'  diu  schuole  mcisterin 
Die  jungen  singen  undc  lesen, 

40  wie  si  mit  zühten  solden  wesen, 
Beide,  sprechen  unde  gen, 
ze  köre  nigen  unde  sten , 
Als  in  der  orden  da  gebot. 
in  wären  die  münde  also  rot, 

45  Swes  si  Got  gebäten, 
ob  si  e3  mit  vli3e  täten, 
Da3  er  niht  enkunde 
so  rösen  rotem  munde 
Werlichiu  dink  2  versagen. 

50      Nu  was  bi  den  selben  tagen 
Ein  schoeniu  junkvrouwe  da; 
waer*  si  gewesen  anders  \vä  , 
Da  man  si  mohte  hän  gesehen, 
so  rnuesten  ir  die  liute  jenen, 

55  Da3  si  be  namen  waere 
gar  unwandelbaere 
Libes  unde  muotes, 
da  bl  alles  guotes 


1  erdähte.      B.      Die  folgenden  Zeilen  27—36  fehlen  ebd. 

J  Belelicher  dinge.     «■ 


XXII.  jPer  £p*rber.  25 

Waere  volliklich  gewert, 
60  des  man  an  schoenen  vrouwen  gert: 

Wan  da3  ir  des  einen  gebrast, 

da3  si  den  liulen  was  ein  gast, 

Und  da3  si  in  dem  lande 

weder  liut  noch  site  erkande . 
65  Der  man  113er  halben  pflak; 

wan  si  was  vil  manigen  tak 

Da  ze  klöster  beliben 

und  het  ir  zit  da  vertriben 

Vil  nähen  üf  funfzehen  *  jär; 
70  si  ahte  niht  als  umb  ein  här 

Uf  der  werlt  üppikeit, 

si  lebet'  in  einvaltikeit 

Lnde  reht  nach  klöster  site, 

da  si  was  erzogen  mite. 
75      Diu  selbe  junkvrouwe 

eines  tages  durch  schouwe 

l'f  die  rink  müre  gie, 

diu  da3  klöster  umbe  vie, 

Unverre  2  von  der  klöster  tür, 
80  da  gie  diu  lantsträ3e  vür; 

Do  kom  ein  ritter  3  dar  geriten, 

dem  stuont  wol  nach  ritters  siten 

Sin  lip  unde  sin  gewant; 

ein  sperwer  vuort'  er  üf  der  haut; 
So  Do  er  kom  ir  so  nähen, 

ir  gruo3  und  ir  enpfähen 

Bot  si  im,  du  si  in  sach, 

da3  si  also  zuo  im  sprach: 

»Ich  wil  iuch  gerne  vrägen, 
(M)  des  lät  iuch  niht  betragen.   ' 


1  M«;r  tmi  zweinzik     n. 

m      n 

u  tu  [bei .    /'.    i"  tiittn, , 

•  /    H'.t    M  !■>>'■"      ■ 


26  XXII.  Wtx  tyktitf. 

Min  vil  lieber  beere, 
habet  ir  iht  verre 
Diz  vogelin  gevueret  her?«  — 
»nein  ich,  vrouwe. «  so  sprach  er. 
95  Si  sprach:  »so  tuot  mir  bekant. 
wie  iu wer  vogel  si  genant: 
Im  sint  sin  vue3e  also  gel, 
siniu  ougen  schoen'  und  sinewel, 
Sin  gevider  vech  l  und  sieht; 
100  waere  im  sin  snabel  gereht, 
Sone  waer'  kein  gebrest'  daran; 
vil  wol  ich  mich  des  entsiän, 
Da3  es  vil  suo3e  singet, 
swelher  vroufwejn  ir'3  bringet, 
5  Diu  muo3  iu  immer  holt  sin; 
('3  ist  ein  schoene3  vogelin.« 

Der  ritter  vil  wol  hörte 
an  der  junk  vrouwen  worte, 
Da3  si  l)e  namen  waere 
10  guot  und  alwacre;  2 
Er  tet  ir  also  bekant, 
e3  waer'  ein  sperweer'  genant. 
»Und  ist  mir,  vrouwe,  veile; 
03  wirt  iu  wol  ze  teile, 
15  Und  weit  ir  e3  mir  gelten.« 
si  sprach:  »man  git  mir  selten 
Ze  pfruende  8  pfenninge; 
kumt  ir  an  ein  gedinge, 
Da3  ich  selber  mak  gehän, 
20  ich  lä.3*  des  koufes  niht  zergän, 
So  gern  het'  ich  da3  vogelin.« 
er  sprach:  »vil  liebe  vrouwe  min. 
Sit  ir  koufes  an  mich  gert, 
so  nim  ich  gern  iuwern  wert: 

'  eben.    n. 

2  Z.  107-110  f*Uen.     lt. 

3  ze  miner  provenden.    n. 


XXII.  Per  Sperber.  27 

125  Ich  wil'3  umb  iuwer  minne  geben; 

da  sult  ir  niht  wider  streben.« 

Sprach  diu  junkvrouwe  dö: 

»da3  taet'  ich  gerne  und  waer'  sin  vrö ; 

Nun'  wei,5  ich  leider,  wa3  ir  weit, 
30  da3  ir  mir  habt  vür  gezelt 

Und  e3  minne  habt  genant. 

das  ist  mir  leider  unbekant, 

Ich  wei3  niht,  was  e3  muge  gesin: 

ich  han  niht  in  minem  schrin, 
Mo  Denne  zwen  bildaere,  ' 

dri  nädel'  und  ein  schaere, 

Unt  zwei  niuwe  harbant, 

und  mtn  virteglich  gewant,  2 

Darzuo  minen  salter, 
40  ich  gewan  bi  minem  alter 

Niht  mer  guotes  bi  der  zal: 

darunder  lä3'  ich  iu  die  wal;5 

Unt  zürnet  dan  min  muemelin, 

so  hän  ich  doch  da3  vogelin.« 
Y6  Er  sprach:  »vrouwe  minneklich, 

iuwer  lip  ist  minne  rieh,  4 

Die  wold'  ich  balde  vinden, 

solt'  ich  mich  under winden, 

Da3  ich  bi  iu  solt'  suochen; 
50  und  wolt  ir  sin  geruochen, 

Ich  hueb'  iueh  von  der  mür'  her  nidrr.«  — 

»wie  keem'  ich  daone  herüf  wider '{« 

Sprach  diu  junk  vrouwe  do. 

der  ritter  wart  der  rede  vrö: 
)>     l>;»3  gevueg'  ich,  vrouwe,  wol.« 

iln  herze  da,3  wart  vrüudcnvol,  i 

1  Den  nuonen  biedere.    h 

i    /      187-138    l-h/rn         II 

—  gnotef  'null  ein  hii 
M  den  iH'iini  ein  An'  rAi     n 

•  füberlk  b    stalten     B 

'>■/..  I  >•!.„      b 


28  XXII.    3tx  Sperber. 

Der  lieben  er  sich  under  want . 
er  vuorte  si  dar  bl  ze  hant 
In  einen  boum garten; 
160  er  begund'  mit  \li3e  warten, 
Da3  e3  nie  man  gesaehe, 
wa3  von  in  beiden  geschehe; 
Sin  pfert  bant  er  vaste 
ze  eines  boumes  *  aste 

65  Und  sinen  sperwsere; 

sin  herz'  wart  vröudenbaere , 

Er  sa3  zuo  (z')ir  an  den  kle, 

der  lieben  tet  er  sanfte  we, 

Er  suocht'  die  minne,  unz  er  si  vant; 

70  diu  sue3e  minne  si  beide  bant; 
Er  hiels  si  unde  kuste, 
als  vil  in  des  gelüste, 
Und  suocht'  die  minne  aber  dö. 
dö  sprach  diu  junkvrouwe  so:  - 

75  »Herre,  nemt  iuwer  minne  gar, 
da3  ich  iu  rehte  mite  var, 
Da3  ich  mich  iht  versünde; 
und  merket,  wa3  ich  iu  künde: 
Swer  ein  dink  gewinnet, 

80  und  sich  des  niht  versinnet, 
Da3  er  e3  gar  vergolden  hat., 
da3  ist  ein  grÖ3e  missetät. 
Nu  nemt  hin  iuwer  minne, 
und  suochet  si  mit  sinne, 

85  Nemt  ir,  swie  vil  ir  nü  weit; 
ich  hän  da3  rehte  wol  gezelt, 
Da3  ich  iueh  niht  han  gar  gewert, 
im  nemet  ir,  swie  vil  ir  gert;  ' 
Sit  ich  mit  minne  gelten  sol, 

90  so  getriuwe  ich  iu  vergelten  wol; 

1  einer  linden.     B. 

>  7,.  171  -17i  fehlen.     B 

*  Z.   181  — 1H8  fehlen.     H. 


XXII.  Per  Sperber.  29 

Geltes  bin  ich  iu  bereit.« 

der  ritter  hübsch  und  wolgemeit. 

Suocht'  aber  dö  die  minne, 

unz  in  düht'  in  sim'  sinne, 
195  Da3  im  sin  sperwsere 

vil  wol  vergolten  waere. 

Im  sagte  ouch  da3  herze  sin, 

da3  im  dehein  vogelin 

Würd*  ba3  vergolten,  vor,  noch  sider. 
200  er  half  ir  üf  die  müre  wider, 

Und  nam  urloup  zuo  (z')ir  sä; 

dö  reit  er  hin,  und  lie  si  da. 
Nu  hoaret,  wie  e3  ir  ergie 

und  wie  si  ir  dink  ane  vie: 
5  Si  gie  und  gähete  zehant, 

da  si  ir  meisterinne  vant; 

Si  sprach:  »vil  liebe3  muemelin , 

dizze  schoene  vogelin 

Hän  ich  gekoufet  ringe, 
10  an'  alle  pfenninge, 

Ein  herre  hat  mir  e3  gegeben: 

da3  er  mit  saelden  muese  leben! 

Also  wil  ich  im  vluochen; 

ich  lie3  in  dar  umbe  suochen 
15  Eine3,  da3  ist  minne  genant, 

und  ist  mir  worden  wol  bekant, 

Also  da3  ich  cnruoche, 

wie  oft  er  si  bi  mir  suoche; 

Er  ist  reht  ein  meister  daran. 
20  da3  diz  klöster  nie  gewan 

Ein  solhen  suochgere,  1 

da3  ist  mir  immer  swaere; 

Wir  sin  doch  guotes  wol  so  rieh, 

e3  ist  harte  unbillich,  2 


1  fchuolaere.     H. 


:H)  XXII.  ü>er  Sperber. 

2*25  Da5  man  uns  iht  gebresten  Inf; 

sint  man  minne  veile  hat.  ' 

Waer'  uns  guot  so  tiure, 

so  solten  wir  ze  stiure 

Unser  pfruende  geben  dar  au ;  ' 
30  so  liebes  ich  nie  niht  gewan. 

Ich  cnhelfe  es  da  mit  gelten.« 

diu  alte  begunde  schelten, 

Si  rouft'  si  sere  unde  sluok; 

da3  si  des  koufes  ie  gewuok, 
35  Da3  mohte  si  wol  Gote  klagen; 

si  het'  si  nach  ze  töde  erslagon, 

Ir  zornes  si  lange  pflak, 

unz  si  zwir  üf  der  erde  lak: 

»Nu  bistu  worden  ein  wlp, 
40  din  vil  sinne  loser  lip 

Hat  dir  benomen  din  ere, 

des  gewinstu  nimmer  mere 

Wider  junk  vrouwen  namen, 

vürwär,  du  mäht  dich  immer  schämen.« 
45  Ir  zorn  was  unma3en  grÖ3, 

manigen  zwik  u  unde  stÖ3 

Het  diu  guot'  enpfangen. 
Do  da3  was  ergangen, 

Des  vröute  sich  diu  guote, 
50  und  gedähte  in  ir  muote,5 

Wie  si  nach  ir  schulde 

koBm'  ze  ir  muomen  hulde, 


i  des  man  irgen  veile  hat.    B. 

3  R.  erweitert: 

Unse  halbe  provende  geben , 
umbe  ein  so  kurzewile3  leben , 
Da3  also  kan  der  sue.^e  man. 

3  Z.  '2M-'2U  fehlen.     B. 

*  flak.    B. 

S  Z.   249-250   fehlen.      B. 


XXII.  3D«  gerbet.  31 

Der  gedank'  ir  an  dem  herzen  lak 

bi3  an  den  dritten  tak, 
255  Do  begund'  si  heiraelichen 

wider  üf  die  müre  suchen,  l 

Ob  ir  da3  heil  geschaehe, 

da3  si  den  ritter  saehe, 

Dar  nach  stuont  aller  ir  gedank. 
60  du  wart  dar  nach  unlank , 

Da3  er  kom  dort  her  geriten ; 

si  sprach  im  zuo  mit  unsilen: 

»Hebet  mich  von  der  müre  nider, 

und  gebet  mir  min  minne  wider, 
65  Und  nemet  ir  iuwer  vogelin; 

wan  e3  hat  min  muemelin 

Mit  mir  gezürnet  sere, 

und  jiht,   ich  hab'  min  ere 

Durch  den  sperwer  verkorn 
70  und  min  magetuom  verlorn: 

Hebet  mich  ze  der  erde, 

da3  mir  wider  werde 

Min  minne,  und  iu  da3  vogelin.'<  : 

der  ritter  sprach:  »vrou,  da3  sol  sin.« 
7ö  Er  huop  si  nider  in  den  kle. 

unt  tet  ir  rehte  alsam  e, 

Und  suocht'  aber  ir  minne, 

als  er  von  sinem  sinne 

Allerbeste  künde. 
80  si  sprach :  »der  mir  des  gundo    ■ 

Ich  koaft'  al  tag  zwei  vogelin; 

nü  jiht  aber  min  muemelin. 


i   W,  füiii  Umui 

91  M]  ■■  n  '-tat  hin  wider, 
und  lnoget'  \>\  der  müre  nider. 

/    M6— 179  ftkltm,     f. 

/    -jTT-^HO  f,hi,„,  ti.,  wo  ±H\   k>  ImuUt. 

In'  ireij    *a7,  ninoe  müge  itn 


32  XXII.  JPer  Syerbrr. 

Ich  hab'  sin  grÖ3C3  laster; 

nü  muet  iuch  dester  1  vaster, 
285  Da3  ir  mich  machet  magt,  als  e; 

ir  wsenet  liht,  e3  tuo  mir  we, 

Und  weit  mir  lihte  2  borgen: 

darumb  sult  ir  niht  sorgen; 

Machet  ir  mich  wider  magt, 
90  so  sit  ir  von  mir  unbeklagt, 3 

Ich  hän  e3  alle3  w°l  verguot, 

so  wa3  ir  mit  mir  nü  tuot; 

Wan  su  muo3  min  muemelin 

ir  grÖ3e3  zürnen  lä3en  sin,  4 
95  So  ir  diu  maere  werdent  kunt.« 

dö  galt  er  ir  dö  ander  5  stunl, 

Und  sprach:  »liebiu  vrouwe  min, 

ich  tar  niht  lenger  hie  gesin,  6 

Wan  ich  muo3  von  hinne  varn: 
300  Got  mue3'  iuwer  er'  7  und  lib  bewarn !« 

Si  sprach:  »ir  vart  also  niht  hin; 

durch  da3  ich  so  einvaltik  8  bin , 

So  weit  ir  mich  betriegen ; 

sich  hueb'  ein  lange3  kriegen, 
5  E  da3  ir  vueret  so  von  mir: 

ir  habt  mir  vergolten  niht  wan  zwir, 


i  mtiedet  iuch  de.    B. 
1  weit  die  minne.    B. 

3  Z.  289—290  lauten  in  B.: 

Ich  dulde  gerne  disen  pin; 

mich  sluok  so  sere  min  muemelin 

*  Z.  293—294  fehlen  ,  B.  ;   und  295  lautet  t 

er  kuste  si  an  iren  munt. 
J  da  ze.    B. 

6  Z.   397-398  fehlen.     B. 

i  in  sele.    B. 
s  ich  alwaere.    B. 


XXII.  JUct  Berber.  33 

Und  namet  min  minne  dristunt; 

e3  waer*  ein  ungetriuwor  vunt. 

Welt  ir  mir  so  entwichen : i 
310  ir  mue3et  mir  nemlichen 

Die  dritten  minne  wider  geben; 

und  weit  ir  iht  dawider  streben. 

Des  habt  ir  immer  minen  ha3.ee  — 

»vil  gerne,  vrouwe,  tuon  ich  da3.ee 
15  Sprach  der  ritter  tugentlich, 

diu  rede  düht'  in  gemelich, 

Er  galt  ir  guetllch  unde  gar; 

er  sprach:  »Got  gebe,  da3  ich  wol  govar.ee 

Er  half  ir  hin  wider2  in; 
20  so  reit  dö  der  ritter  hin.  3 

Diu  junkvrou  was  ir  wehsels  vrö. 

ze  ir  meisterinne  sprach  si  dö: 

»Nu,  vil  liebe3  muemelin. 

lä  din  grÖ3e3  zürnen  sin 
25  Und  lä  mich  dine  hulde  hän; 

ich  hän  e3  alle3  wider  tän, 

Darumbe  du  mich  hast  geslagen, 

ich  wil  dir  liebiu  ma^re  sagen, 

Jch  hän  wider  min  minne, 
30  dö  ir  alle  sliefet  hinnc, 

Hiute  vor  der  nöne, 

dö  galt  er  mir  vil  schöne, 

Der  ritter,  dem  ich  min  minne  gap; 

ungehalten  und  äne  stap 
35  über  gen  ich  noch  wol  witen  rink;4 

e3  was  ein  seltsaene3  dink. 


•  Z.  30Ü-309  fehlen,  und  «»/  310  [pemelicbe]  folgt 

sA  mir  (ie>t  der  rlche     ß. 

J  ir  ür  die  müre     H. 

3  er  reit  in  wek  ,  ^i  Rwnk  in.    L 

*  Gieng'  ich  wol  umbe  einen  rink      B 

d      Haft-        lniloimnLlnNun         II 


34  XXII.  Der  Sperber. 

Da3  du  zürntest  so  sere 
und  sprachst,  mir  waer'  min  ere 
Mit  der  minne  gar  benomen; 
3K)  und  waer'  er  niht  her  wider  komen, 
Dannoch  muest'  ich  sin  genesen: 
ich  wil  im  immer  holt  wesen, 
Wan  er  ist  ein  getriuwer  man, 
des  versten  ich  mich  wol  daran,  i 

ii  Wan  er  galt  mir  guetlichen  2  gar; 
Got  gebe,  da.5  er  wol  gevar! 
Des  wünsch'  ich  im,  als  ich  sol; 
er  zaeme  hie  ze  klöster  wol, 
Wan  waer'  er  hie,  des  waer'  ich  vro.« 

50  diu  alte  diu  sprach  aber  do: 
Swa3  ieman  seit  oder  tuot, 
so  hästu  alwaeren  muot; 
Waere  der  schade  nü  einer, 
so  waer'  er  dester  kleiner: 

55  Nü  ist  es  zwirnt  geschehen; 
des  solt'  ich  e  hän  under sehen:  3 
Sint  ich  des  niht  hän  getan, 
so  muo3  ich  minen  zorn  lan.a 
Swer  da3  viur  erkenne, 

00  der  huet',  da3  in  iht  brenne: 
Swer  sich  aber  übersiht, 
da3  im  solher  schade  geschiht, 
Den  nie  man  erwenden  kan, 
e3  s!  wib  oder  man, 

65  Der  sol  in  guetlich  la^en  varn , 
alder  sol  in  e  bewarn. 


«  da  slän  ich  mit  allon  sinnen  an.    B. 

2  guetlich  unde.    B. 

3  Z.  355—356  lauten  in  ß.: 

Ich  solde  dich  ba3  hän  behuot, 
da3  waere  uns  beiden  gewest  guol. 


XXII.  jDer  ^petber.  35 

Da3  ist  wiser  liute  site. 
hie  st  iu  bescheiden  mite 
Diz  vil  hübsche  msere 
370  von  dem  sperwaere. 4 

»  In    B.     ist     dieser    Schlusssate ,     Z.    3S9  —  370,     verändert    vnd     lautet 
buchstäblich  : 

We  dese  mere  gehört  hayt 
De  mirke  desen  körten  rayt 
Inde  behalde  dese  lere 
Id  vromet  eme  vmmermere 
Werne  so  gedane  schade  weder  uert 
Dat  hc  den  nor  neyt  erwert 
x  De  lais  id  geueitlichen  uaren 

Of  he  sals  uan  eirste  bewaren 
Dat  is  wiser  lüde  sede 
Hey  endit  sich  dese  mere  roede 
Oyg  heissit  dese  mere 
Der  vrauwen  sperwere. 


XXIII. 

Pos  ©on feiet ti. 


Ein  stattliches  Kloster  stand  in  grofsen  Ehren,  sein  Gastbaus  be- 
wirtbete  jeden,  der  es  betrat:  wenn  aber  das  Klosterthor  geschlofsen 
war,  durfte  bei  Leibesstrafe  kein  Weib  eingelafsen  werden.  So  lebten 
darin  mehrere  Mönche,  die  nie  aus  dem  Kloster  kamen,  darunter  auch 
ein  junger  Mönch,  der  von  Kindheit  an  drinnen  war,  und  gar  nichts 
von  der  Welt  wüste,  und  Rosse  und  Reiter  nur  von  Hörensagen  kannte. 
Der  bat  den  Abt,  als  dieser  die  Güter  des  Klosters  besuchen  wollte, 
ihn  mitzunehmen;  der  Abt  gewährte,  um  ihn  mit  Land  und  Leuten 
bekannt  zu  machen,  damit  er  einst  dem  Kloster  nützlich  werde.  So 
ritten  beide  über  Feld,  und  der  Abt  nannte  dem  jungen  Mönch  alles 
Gethier,  das  ihnen  begegnete.  So  kamen  sie  zu  einem  Maier  des 
Klosters,  dort  zu  übernachten,  und  safsen,  wohlaufgenommen  ,  beim 
Feuer.  Das  Weib  und  die  Tochter  des  Maiers,  ein  wohlgestaltes  acht- 
zehnjähriges Mägdlein,  muslen  sich,  auf  Geheifs  des  Abtes,  zu  ihnen 
setzen,  und  der  Mönch  fragte,  was  das  für  Creaturen  wären.  Der  Abt 
sagte  ihm,  sie  hiefsen  Gänse.  Dem  Mönche  geGelen  sie,  und  er  be- 
dauerte, dafs  das  Kloster  nicht  solche  Gänse  hätte,  wo  sie  doch  Weide 
genug  fanden.  Reide  lachten,  und  wunderten  sich  über  des  Mönchs 
Lnwifsenheit,  und  der  Abt  erklärte  sie  ihnen.  Der  Tochter  aber  geüel 
der  junge  Mönch,  und  sie  nahm  sich  im  Stillen  vor,  die  Wahrheit  zu 
versuchen.  Um  Schlafens  Zeit  fügte  sie  es  so .  dafs  dem  Abte ,  seines 
Gemaches  wegen,  fernab  von  dem  Mönche  gebettet  wurde.  Alle  gingen 
hierauf  zurRuhe;  der.Mönch  aber  konnte  nicht  einschlafen,  und  dachte 
über  die  zum  erstenmal  gesehenen  mannigfaltigen  Geschöpfe  und  ihre 
>'amen  nach;  auch  die  Maierstochter  lag  ohne  zu  schlafen,  und  sann 
auf  die  Vollbringung  ihres  Willens.  Sie  stand  leise  auf,  und  schlich 
zum  Rette  des  Mönchs,  und  als  dieser  fragte,  was  da  wäre,  nannte  sie 
-ii  h  das  Gänselein,  und  bat  ihn,  weil  es  kalt  sei,  sie  nicht  erfrieren 
zu  Jafsen ,  sondern  unter  seine  Decke  zu  nehmen.  Der  gute  Mönch 
lhat  es  gern,  und  es  bewährte  sich ,  daü  er  gar  nichts  von  dem  Belt- 
ipielfl  verstand:  sie  aber  konnte  es  etwas  befser,  und  gab  ihm  ipie- 
lendei  (nterricht,  s.>  dafs  er  es  alsbald  begriff;  und  mit  Freuden  so 
lange  trieb,  bi-  h  Tag  ward.  Sie  icMrfte  ihm  ahn  beim  Beneiden 
strenge  Vereebwiegeaheil  ein:   der  Abt  isdtc  lie  sonst  beide. 

Am  Morgen  besorgte  der  Abt   die  Geschäfte   des  Klosters,    und    ntl 
mit    dt-m    Mouche    heim.      |i  getzte    die    KlOflterieute    durch    die 

KrzlMoag  von  der  Heise    rertenwieg  jedoch  sein  Abenteaei   nii  des 
•lein 


Vor  Weihnachten  hiefs  der  Abt  den  Koch  und  Kellner  der  Kloster- 
leute wegen  des  vielen  Singens  und  Lesens  reichlich  p liegen.  Da  rieth 
der  junge  Mönch,  zur  vollständigen  Bewirlhung,  jedem  Bruder  auch 
eine  Gans  zu  geben.  Der  Abt  verwies  ihm  zornig  die  Rede ,  weil  sie 
ja  kein  Fleisch  äfsen ,  und  drohte  ihm  Bufse.  Der  Mönch  muste  weichen, 
erklärte  jedoch  allewege  Gänse  und  Gänselein  für  gute  Speise.  Der 
Abt  nahm  ihn  hierauf  beiseite  und  gebot  ihm  ernstlich,  zu  sagen, 
warum  ihn  denn  nach  Gänsen  so  gelüste.  Da  beichtete  der  junge 
Mönch  alles;  und  der  Abt  legte  ihm  zwar  Bufse  auf,  gab  sich  aber 
selber  die  Schuld,  weil  er  ihn  getäuscht,  und  sagte  ihm  nun,  dafs  er 
ein  Weib  erkannt  habe.  —  Lug  und  Trug  frommt  nimmer.  Genug:  zu 
Drahov  sind  wohl  zwei,  drei  Mönche,  die  befser  ein  Weib  erkennen; 
denen  falbe  ich,   sich  die  Huld  ihres  Abtes  zu  erwerben. 


XXIII. 

D  a  3   g  e  n  s  e  1  i  n. 


Du  maere  hei3et  da5  genfelin, 

und  fagt  von  einem  münche  und  von  einem  magedin 


Ich  wil  iu  sagen  ein  maere, 
da3  [hie  bevor]  ein  klöster  w#rc 
Schoene  und  erbouwen  wol, 
als  noch  von  rehte  ein  klöster  sol. 
5  Ir  gasthüs  unde  ir  spital 
da5  was  gesezzet  in  sulhen  wah 
In  swelhen  ziten  das  der  man 
geriten  oder  gegangen  kwam . 
^33  e33en  vand  er  ie  bereit, 

10  minnenkllch  unde  unverseit 

Gäben  si  im,  swa3  si  mohten  hau; 
also  solten  noch  diu  klöster  stau; 
Ir  spisc  wart  vor  nie  man  verspart: 
und  wen  da3  tör  vcrslo33en  wart. 

15  So  was  geboten  in  den  lip. 
da3  man  keiner  slahte  wtp 
Immer  1  i e,5c  darin; 
««i  sa/.ten  nifit  wan  iien  sin, 
D;»5  si  behielten    gar)  ir  leben, 

20  als  in  /<•  rehte  was  gegeben. 

Ich  hört'  ouch   maSTC  von  in  lagen 

da.5  ir  klöster  war'  anderslagen, 


42  XXIU.  5>a0  eanfelnn. 

Da3  die  münche  und  iren  gemach 
ze  rehte  vremdes  nie  man  gach. 

25  Ich  sag'  iu  selbe  ein  ma3re, 
da3  manger  münch  da  wsere, 
Der  nimmer  Ü3  dem  klöster  kwam. 
da  was  euch  inne  ein  junger  man^ 
Der  het  sin  jär  also  vertriben, 

30  da3  er  darinne  was  beliben 
Von  einem  kleinen  kindelin; 
des  muost'  im  unerkennik  sin . 
Wa3  lebt'  in  dem  lande, 
wan  da3  er  ros  [nach  sag']  erkande  , 

35  Da3  man  diu  solde  riten. 
da3  was  bi  den  ziten, 
Da3  der  apte  riten  wolde , 
und  niht  beliben  solde, 
Uihten  umb  sines  klösters  dink. 

40  in  bat  der  selbe  jungelink, 

Da3  er  in  vuert'  mit  im  in  diu  lant, 
dar  umb  da3  im  würden  erkant 
Diu  reht  von  dem  lande, 
der  er  niht  erkande. 

45  Der  apte  da  gewerle. 
des  der  münche  gerte ; 
In  einem  sinne  da3  geschach, 
er  gedäht'  und  wider  sich  selben  sprach: 
»Und  werdent  im  diu  reht  bekant, 

50  beide,  liut  und  ouch  diu  lant. 
So  mag  man  im  enpfelhen  wol , 
wes  ein  man  (hie)  pflegen  sol, 
Und  wirt  ein  vil  nüzzer  man.« 
also  vuort'  er  in  mit  im  dan ; 

55  Si  sä3en  üf  unde  riten, 

die  klöster  Hute  niht  vermiten. 
Do  si  kwamen  üf  da3  velt, 
ir  pfert  giengen  schöne  cnzelt; 
Swa3  in  viehes  wider  gie, 
60  der  münche  des  niht  verlie, 


XXJII.   2>as  £anftUin.  43 

Er  vrägte,  wie  e3  wser"  genant, 

da3  e3  im  würde  bekant, 

Oder  wie  sin  name  solde  sin, 

e3  wseren  schäf,  rind[er]  oder  swki4 
65  Da3  macht'  im  der  apte  kunt. 

si  körnen  z'einer  kurzen  stunt 

Ze  ei[ne]m  meyer,  da  si  wolden 

beliben  unde  solden. 

Der  meyer  des  niht  verlie. 
70  sinen  herren  er  enpfie. 

Er  sprach:  »wilkomen,  herre  min, 

und  alle  die  mit  iu  komen  sin.« 

AI  da  man  in  diu  ros  enpfie; 

der  münche  und  der  apte  gie 
75  Ze  einem  viu[we]r  an  ir  gemach, 

bi  einer  wile  da3  geschach. 
Der  meyer  het  ein  wip 

und  eine  tohter,  der  lip 

Was  ze  wünsche  wolgestalt 
80  und  was  ahzehen  jar  alt; 

Der  apte  bat  si  sizzen  nider; 

seht,  des  wären  si  niht  wider, 

Si  sa3en  an  derselben  stat. 

der  münch  dö  den  apte  bat, 
85  Da3  er  in  wi33en  lie3e, 

wie  diu  creatüre  hie3e. 

Do  sprach  der  apt  säzehant. 

»da3  sint  gense  genant.«  — 

»Crede  mich!«  sprach  der  miinicli 
90  »so  sint  die  gense  siuherlich. 

Wie  kumt,  da3  wir  niht  gense  hau  V 

nü  mohtcn  si  sich  wol  begän 

An  unser  klöster  weide. a 

des  lachten  si  dö  beide, 
05  Des  wirtes  tohter  und  sin  wip. 

wunder  nam  (si),  daj  sin  lip 

Waer*  so  rehle  ininnenklich, 

und  dag  er  niht  verstuende  sich 


.     XXIII.   $ae  ttänftUtn. 

Wie  da  wip  waer'  genant. 
100  den  apte  vrägten  si  zehant, 

Ob  er  sinnik  waere. 

dö  sagt'  er  in  diu  maere 

Vil  rehte,  wie  er  dar  was  bekomen, 

als  ir  e  habt  vernomen, 
5  Wie  er  erwahsen  weere. 

dö  dizze  selbe  meere 

Des  wirtes  tohter  (wart)  bekant, 

si  gedähte  ir  zehant: 

»Diz  ist  ein  siuberlicher  man; 
10  da3  ist  war,  ob  ich'3  gevuegen  kan, 

Ich  versuoche  noch  hint,  ob  sin  lip 

erkennen  kan,  wie  man  diu  wip 

An  dem  bette  handeln  sol.« 

er  geviel  ir  harte  wol, 
15  Der  rede  si  stille  gedagte, 

ir  gedank  si  nie  man  sagte, 

Unz  man  släfen  solde  gän, 

der  wirt  der  wolde  niht  enlän, 

Er  hie3  in  betten  nach  ir  site; 
20  da  was  ouch  sin  tohter  mite, 

Si  schuof,  da3  dem  jungen  man 

wart  gebettet  wol  hindan 

Von  dem  apte  verre, 

darumbe  da3  der  herre 
25  Sinen  gemach  het  dester  ba3: 

nach  ir  willen  geschach  da3- 

Dö  sich  die  herren  [döj  geleiten, 

der  wirt  hfes  aldä  gereiten 

Die  liut'  alle  släfen  gän, 
30  die  herren  iren  gemach  hän. 

Der  münch  niht  släfen  mähte, 

er  het  in  slner  ahte, 

Wie  ein  ieslich  dink  wser'  genant 

als  e3  im  vor  was  genant. 
35  Diu  junkvrouw'  unsläfende  lak, 

vil  manger  gedank(e)  si  dö  pflak, 


XXIII.   jDa*  «ünfeUiit.  45 

Wie  ir  wille  würde  volbräht. 

als  si  ir  e  het  gedäht. 
Diu  junkvrouwe  sich  dö  stal, 
140  si  kom  dar  an'  allen  schal 

Und  gienk  hin  vür  sin  bette  dar. 

als  ir  der  münche  wart  gewar, 

Er  sprach  zehant:  »wa3  mak  hie  sin?« 

[si  sprach:]  »ich  bin'3,  da3  junge  genselln, 
45  Und  hän  hie  vrostes  vil  geliten, 

und  wolde  iuch,  herre,  gerne  biten, 

Da3  ir  hinunder  lie3et  mich 

in  der  minne,  (so)  da3  ich 

Iht  ervries',  e3  ist  hie  kalt.« 
50  dö  was  der  münch  als  einvalt. 

Da3  er  si  hinunder  lie, 

in  der  minne  das  ergie. 

Do  si  da  hinunder  kwam, 

do  enkund'  der  selbe  junge  man 
55  Weder  wenik,  noch  vil, 

da3  man  hei3el  bette  spil: 

Doch  künde  si  e3  ein  wenik  ba3, 

mit  guoten  vuogen  schuof  si  da3, 

Da3  er  in  kurzer  stunde 
60  des  selben  spils  begunde; 

Der  münch  da3  gensei  brüchte 

mit  vli3e,  in  des  düchte, 

Im  waere  wol  und  dennoch  ba3; 

also  lange  triben  si  da3, 
65  Da3  si  des  duhf,  C3  waere  tak, 

(diu  maget  da  niht  lenger  lak,) 

Si  stuont  üf  unde  sprach: 

»weit  ir  haben  mer  sulhen  gemach, 

So  sull  ir  nimmer  man  verjehen, 
70  wa3  under  uns  beiden  ist  geschehen; 

Und  wurde  e3  dem  apt  bekant, 

er  taßt*  uns  beiden  sä  zehant 

Niht  wan  den  grimmigen  tot.« 

vil  liuw<;r  si  im  da3  verbot, 


46  XXIII.   £a*  (ßänfelctn. 

175  (Da3  er  sagte  sinen  gemach.) 
nie  so  schiere  da3  geschach. 
Under  des  gie  üf  der  tak, 
der  apt  ouch  niht  lenger  lak, 
Er  stuond  üf  und  schuof  sines  klösters  dink, 
80  er  und  der  selbe  jungelink. 
Darumbe  si  körnen  dar; 
dö  si  da5  geschuofen  gar, 
Si  sä,3en  üf  unde  riten; 
die  klösterliute  niht  vermiten, 
85  Dö  si  heim  wären  komen, 

der  junge  münch  wart  vernomen, 
Si  begunden  in  vragen  vil; 
sin  rede  was  ir  aller  spil, 
Idoch  pflag  er  der  kündikeit, 
90  da3  er  nie  man  niht  enseit, 
Wie  im  des  nahtes  üf  der  vart 
diu  junge  gans  ze  teile  wart. 

Diz  geschach  vor  einer  höchzit. 
diu  noch  in  dem  winder  lit 
95  Und  die  winahte  ist  genant 
der  apte  sich  (dö)  besant', 
Beide,  keiner  unt  koche, 
er  sprach:  »uns  näht  ein  woche, 
Da3  wir  mue3en  vil  singen  und  lesen. 
200  nu  sult  ir  alle  vli3ik  wesen 

Und  sult  uns  eine  Wirtschaft  geben, 
die  wile  die  liute  in  arbeit  leben, 
Da3  man  ir  pflege  dester  ba3.cc 
die  herren  lobten  alle  da3. 
5  Der  junge  münch  stuond  ouch  däbi, 
er  sprach:  »sit  iuwer  wille  si, 
Da3  ir  volle3  ampt  wellet  hän, 
so  sult  ir  nimmer  verlän, 
Mug*  e3  an  iuwern  staten  sin, 
10  ir  schaft,  lieber  herre  min, 

Da3  ie  dem  manne  ein  gans  werde; 
so  geschach  üf  dirre  erde 


XXIII.   }Dn9  OänffUin.  47 

Nie  deheinen  liulen  ba3.cc 

der  rede  gevie  der  apte  ha5: 
215  »Eijä,  bruoder,  tuot  die  rede  hin; 

we,  war  habt  ir  iuwern  sin 

Oder  iuwer  wizze  hin  getan? 

selber  mugt  ir  iuch  verstän, 

Da3  wir  niht  vleisch(es)  e33en; 
20  ich  wil  mich  des  verme33en, 

Ir  mue3et  buo3'  darnmbe  bestän.cc 

er  hie3  in  balde  gen  hindan, 

Des  torst'  er  verläsen  niht, 

idoch  sprach  er:  »swa3  mir  geschiht, 
25  Gense,  wer  die  möhte  hän. 

die  waeren  minnenklich  getan, 

Gense  und  junge  genselin 

mugen  wol  guotiu  spise  sin.« 

Der  junge  münch  wart  dö  vertriben, 
30  die  alten  alle  da  beliben, 

Si  schuofen  umb  ir  lipnar. 

dar  umb  si  waren  komen  dar, 

Und  umb  ir  singen  unde  fumb  ir]  lesen, 

wer  des  meister  solde  wesen. 
35      Do  da3  allesamt  geschach, 

der  apt  ze  einem  münche  sprach: 

»Bringet  mir  den  jungen  man.« 

den  vuort'  er  verre  hindan 

An  sine  heimliche, 
40  er  beswert'  in  tougenliche, 

Er  sprach  (zuoim);  »nü  sag(e)t  an, 

von  wem  diu  rede  kvvam, 

Da 3  du  der  gense  hast  gegert?« 

der  junge  münch  in  do  gewert, 
45  D6  er  so  tiawer  wart  gcmant, 

flo  verjach  er  im  zehant, 

Wie  im  des  nahte*  uf  der  vart 

diu  junge  gans  /.<•  teile  wart. 

Als  c-  dem  apfe  wart  bekanl, 
50  Iruriklich  sprach  er  zehant: 


48  XXIII.   Pas  (ßtönfeUtn. 

»Leider  mir,  du  bist  betrogen, 

ich  hän  dich  selber  über  logen: 

Crede  mich,  e,3  was  ein  wip; 

din  vil  sinne  löser  lip 
255  Der  ist  wiben  bi  gelegen. 

ich  solt'  din  ba,5  han  gepflegen, 

So  het'  ich  rehte  getan.« 

buo3e  hie,3  er  in  bestän, 

Die  leist'  er  nach  sinem  gebot, 
60  e.3  ensolt'  im  doch  sin  kein  spot; 

Wan  het'  er  im  die  warheit 

reht  und  äne  spot  geseit. 

So  het'  er  sich  ba3  behuot. 

liegen  unt  triegen  ist  selten  guot. 
65  E3  ist  sündc  und  unerc. 

wa3  mag  ich  iu  sagen  mere, 

Da3  noch  ze  Drahov  si 

zwene  münche  oder  dri, 

Die  ouch  wib  erkennent  ba3- 
70  verdienent  die  irs  aptes  ha3, 

Die  werben  umb  sin  hulde,  da3  ist  min  rät 

hie  mit  da3  maer'  ein  ende  hat. 


XXIV. 

Dev  fd)toonflere  JHmtd)- 

Von 

dem  Zwingäuer. 


v    d.   Haft      flliwlllilllmn       II 


Ein  junger  Mönch  war  seit  dem  siebenten  Jahre  tri  einem  Wald- 
kloster und  wüste  nichts  von  der  Welt.  Da  las  er  eines  Tages  in  einem 
Buche  die  Worte  „der  Minne  Band,"  und  ward  von  Stund  an  nach- 
denklich über  ihre  Bedeutung.  Er  schlich  zu  einem  Knechte,  der  släts 
mit  dem  Abte  ausritt,  und  befragte  ihn  um  die  Minne.  Der  Knecht 
rühmte  ihm  die  Macht  der  Frau  Minne  und  ihr  wonnevolles  Haus.  Der 
Mönch  wollte  dahin,  und  auf  des  Knechts  Rath  bat  er  den  Abt  um 
Pferd  und  Knecht  zu  einer  Reise  in  Angelegenheiten  seiner  Verwandten. 
Der  Abt  gewährte,  und  gab  ihm  auch  Reisegeld.  So  ritt  der  junge 
Mönch,  der  selber  zehn  Pfund  dazu  sparte,  hinweg  mit  dem  Knechte,  und 
dieser  brachte  ihn  in  einer  Stadt  zu  Herberge  bei  einer  Frau  in  ihren 
besten  Jahren,  deren  Mann  über  See  war.  Sie  bewirlhete  den  Gast 
köstlich  mit  Speisen  und  Wein,  so  dafs  er  sich  diesen  Minnehof  auch 
im  Kloster  wünschte.  Der  Knecht  forderte  sie  auf,  dem  Mönch  auch 
ein  Fräulein  zur  Minne  zu  verschaffen;  und  da  sie  für  sechs  Pfund 
selber  dazu  bereit  war,  löste  sie  ihre  Pfänder  ein,  schmückte  sich,  und 
setzte  sich  zu  dem  Mönche:  ihre  strahlenden  Augen,  Rosenwangen, 
hermelinweifse  Brust,  zarten  Finger,  runden  Arme  und  ansehnliche 
Gestalt  behagten  dem  Mönche  gar  sehr.  Der  Knecht  rieth  ihm ,  alles 
zu  thun,  was  sie  ihn  hiefse,  und  sie  dreist  anzugreifen:  sie  werde  ihm 
die  Minne  zeigen.  Bald  brachte  sie  den  Mönch  zu  Belle,  zog  ihm  den 
Rock  ab,  den  er  anbehalten  wollte,  löschte  das  Licht,  legte  sich  zu 
ihm,  und  drückte  ihn  an  sich;  er  aber,  der  Minne  ganz  unkundig,  lag 
wie  ein  Stock.  Da  gedachte  sie  im  Aerger,  ihn  zu  äffen:  sie  stiefs  ihn 
mit  den  FüJsen,  dafs  er  an  die  Wand  rollte,  rückte  ihm  nah  auf  den 
Leib,  knätele  ihn  mit  ihren  Knieen  und  trat  ihn  mit  Füfsen ;  zuletzt 
gab  sie  ihm  einen  Schlag,  dafs  er  stille  lag,  und  sagle,  das  sende  ihm 
Frau  Minne.  Der  Mönch  empfand  die  Minne  zu  schmerzlich,  und  regte 
lieb  riichi.  Dm  Mitternacht  wandle  die  Frau  sich  um,  und  streckte 
unwillkürlich  die  Hände  nach  Minne  aus:  sie  ergriff  abermals  den 
Honen,  schlug  ihn  derb,  und  sagle,  das  sei  der  andere  Denkzellel  der 
Frau  Minne.  DaÜelbfl  th.it  sie  zum  drillen  Male  gegen  den  Morgen, 
und  entlieft    den    schlaflosen  .Mönch  ,    der  nun  zornig  dem  Knechte  rief, 

tun   schlennigfl  zu  entrinnen«    Der  Knecht  erschrak,   im  Wahne,  der 
Hanswfrth  sei  beimgekefrt,   und  beide   ritten  eiligst  querfeldein,   Dbei 

drei  Meilen:    dl   Stiegen  sie  ab,    und    der  Knecht   (ragte  den  Mönch   um 

die  Minne     dlCM!   wollte  jedoch   Qicbtl  davon    nilniien. 

All    beide    wieder    daheim    im  Klosler  waren,    gerietO  der  Mönch  in 

Borge  negeo  <ie<,  Kindes     welches    wie  er  «n  gehört,   *on  der  Minne 


komme,  und  fragte  den  Knecht,  wer  von  beiden  es  trage.  Dieser  ant- 
wortete: der  unten  liege.  Da  fiel  es  ihm  schwer  aufs  Herz,  dafs  er 
diefs  gewesen  ,  und  nun  durch  Geburt  eines  Kindes  seine  Ehre  und 
Pfründe  verlieren  werde.  Wohl  12  Wochen  ging  er  so  zerschlagen  und 
schweigend  umher:  da  klagte  ein  Bauer  dem  Able,  ein  Hofmann  des 
Klosters,  der  Witwensohn  oben  im  Dorfe  ,  habe  ihm  eine  Kuh  so  ge- 
schlagen, dafs  es  ein  Kalb  verworfen',  und  der  Abt  entschied  sogleich 
auf  Schadenersatz.  Der  Mönch  merkte  sich  diesen  Handel,  und  bat 
heimlich  den  Witwensohn,  ihn  auch  so  zu  schlagen,  dafs  das  Kind  von 
ihm  gehe.  Der  Schalk,  nachdem  er  ihn  gefragt,  ob  der  Abt  oder  Kellner 
an  dem  Kinde  Schuld  sei,  und  alles  vernommen  hatte,  war  bereit  zu 
dem  Dienste,  für  welchen  er  drei  Pfund  erhielt.  Morgens  früh  liefs  er  ihn 
in  das  Gehölz  heim  Kloster  kommen,  nahm  drei  derbe  eichene  Knüttel, 
rog  ihn  aus  bis  auf  den  Bock,  warf  ihn  nieder  und  zerblaute  ihn  der- 
maafsen  ,  dafs  ihm  wohl  sieben  Kinder  abgegangen  wären.  Beim  Zer- 
schlügen des  drillen  Knüttels  sprang  von  dem  Geräusch  ein  Base  aus  dem 
Gebüsche :  da  liefs  der  .Mönch  innehalten  ,  und  lief  seinem  Kindlein  nach, 
um  es  einer  Amme  zu  bringen.  Als  es  so  schnell  vorauslief,  pries  er  es, 
dafs  es  zum  fürstlichen  Briefbolen  gut  wäre,  so  wie  seine  Löffel  (Ohren) 
einen  guten  Koch  verkündigten.  Bald  aber  entschwand  es  ihm,  und  er 
lief  wehklagend  und  sich  raufend  im  Walde  umher.  Da  kam  ein  andrer 
Mönch  geritten,  und  hielt  ihn  für  wahnsinnig,  gab  ihm  einen  Kolben- 
schlag, und  da  jener  bei  seiner  Bede  verharrte  ,  band  er  ihm  die  Hände, 
und  lührte  ihn  so  unter  Streichen  ins  Kloster  zurück.  Dort  vor  dem 
Abt  und  allen  Brüdern  wiederholte  der  Unglückliche  seine  Wehklage, 
dafs  sein  Kindlein  unge lauft  bleute,  bei  dem  der  Prior  und  Kellner 
Gevattern  sein  sollten.  Sic  sahen  seinen  zerschlagenen  Leib,  hielten 
ihn  für  besefsen,  und  wollten  durch  den  Psalter  und  andere  Bücher 
und  Beschwörungen  den  bösen  Geist  austreiben:  es  half  aber  nicht, 
und  eben  so  wenig,  dafs  sie  ihn  mit  Wcihwafscr  besprengten  und  ihm 
die  Stole  umhängten.  Da  wurde  er,  als  wahnsinnig,  in  den  Kerker 
geworfen,  bei  Wafser  und  Brod,  wo  er  noch  immer  Gott  um  sein  Kind- 
lein bat,  dafs  es  doch  ein  Christ  würde.  Endlich,  am  15ten  Tage,  in 
der  Beichte,  offenbarte  er  Alles  dem  Able,  wurde  sogleich  frei  gelafsen, 
losgesprochen,  und  wieder  als  guler  Bruder  aufgenommen,  in  dessen 
Gebet  der  Abt  sich  befahl. 


XXIV. 

Der    swanger   iniin  eh. 


Diz  ift  ein  fchoenes  raaere  gnuok, 
Wie  ein  münch  ein  kint  truok. 


Mch  seit1  ia  gern  ets\va3, 

das  iu  luste  dester  ba^. 

So  ich  bi  iu  wsere: 

nü  haeret  disiu  maere, 
5  Diu  sint  seltsaen(e)  gnuok, 

wie  ein  münch  ein  kint  truok. 

l'nde  wie  er  e$  gewan; 

da  sult  ir  wunder  prueven  an. 
Ein  kleine3  kint  wart  gegeben 
l!»  m  einem  münch  in  ein  reine3  leben 

Im  was  diu  werlt  unbekant. 
wart  c'5  anders  wä  gesamt 

/.<•  einem  klöster  in  einen  walt; 

eg  was  wan  sibeo  jar  alt; 
\6  Lj  lernt'  die  schritt  und  wlsheit, 

diu  kunst  wart  im  ilsö  bereit, 

I »    |   <•-,  alle-    da,5   WOl   las. 

da.-,   vor  im  geschriben  was. 

D.|-;  kint  nain   an  der  lengf   /.uo. 
jn   im  i    den   ej  an   der  gftB^e   luo. 

I!i  ,  wart  ein  jnngeÜDl . 

dei  ipi  kameren  eopfienk. 


54  XXIV.   Wet  fdjnmnöCK  Jttoud). 

Eines  morgens  nach  mettin 

s;i3  er  vor  sinem  bettlin 
25  Und  las,  wa3  er  geschribcn  vant: 

da  sach  er  »der  Minne  bant« 

Geschribcn  an  einem  bletlelin: 

er  dahl',  \va3  C3  möhte  gesin, 

Oder  wa3  e3  bediute, 
30  da3  e3  bünde  die  liute. 

Zehant  tcl  er  da3  buoch  hin 

und  leit(e)  dar  üf  sinen  sin, 

Da3  im  wurde  bekant 

welhe3  waer*  der  Minne  bant. 
35  Der  münch  bcgunde  suchen 

ze  einem  knehtfe]  heimlichen. 

Der  pflak  ze  allen  ziten 

mit  dem  apt(e)  riten; 

Er  düht'  in  vil  gewaere, 
40  und  vrag[e]t*  in,  wa3  Minne  waere, 

Und  wä  man  si  möhte  vinden, 

bi  alten  oder  bi  kinden, 

lud  ob  si  het'  iht  grÖ3e  kraft, 

oder  ob  si  bünde  von  meisterschall 
45  Der  kneht  antwurt'  im  des: 

»ir  wi33et  selbe  niht,  wes 

Ir  mich  da  habt  gevraget: 

ob  ir  skch  laeget, 

Vroufwe]  Minne  machet'  iuch  gesunl; 
50  si  bindet  niht  ze  aller  stunt, 

Swem  si  gibt  iren  tröst, 

der  wirt  von  allem  leide  erlöst; 

Ir  hüs  ist  gezierel  wol, 

guoter  spise  und  wines  vol.« 
55  Der  münch  sprach:  »so  wil  ich  dar. 

e  da3  werde  ein  halbe3  jar.a 

Der  kneht  gab  im  die  raete, 

da3  er  den  apt  baetc 

Umb(e)  kneht  und  umb  ein  pfaert; 
60  sine  vriunt  waeren  beswaert 


"flott  fcem  3tDtn0ttuer.  o5 

Mit  vil  swaeren  Sachen: 

da3  wolte  er  ze  guote  machen. 

Der  apt  gewert  in  siner  bet', 

kneht  unde  pfaert  an  der  stet', 
65  Und  dazuo  Silbers  genuok. 

er  was  ouch  selber  so  kluok, 

Da3  er  in  einer  kurzen  stunt 

gesam(ne)t  het  wol  zehen  pfunt. 
Als  in  der  kneht  lerte, 
70  von  hüs  er  dö  kerte; 

Der  kneht  reit  alle3  vor, 

der  münch  volgte  sinem  spor, 

Wan  er  was  nie  mer  Ü3  komen; 

da3  hete  der  kneht  wol  vernomen. 
75  Si  kämen  in  ein  guote  stat, 

der  kneht  herberge  bat 

Ze  einer  vrouwen,  diu  was  balt, 

weder  ze  junk,  noch  ze  alt, 

Ir  man  was  über  se  gevarn, 
80  si  solt'  da  heim  da3  hüs  bewarn. 

Der  kneht  hie3  bereiten  gnuok, 

der  vrouwen  er  die  malhen  [zuo]  truok. 

Vil  gern(e)  si  diu  vrouw*  enpfienk, 

vil  vaste  si  da  umb(e)  gienk 
85  Und  hete  grÖ3e  arbeit, 

wie  sin  gemach  wart  bereit, 

Heim(e)lich(e) ,  von  dem  wege, 

da  si  des  münches  wol  pflege. 

Do  bräht'  man  spise  manikvalt, 
00  beide,  warm  unde  kalt, 

Dar  zuo  edeln  kuelen  wln. 

der  miinch  sprach:  »hie  mag  wol  sin 

Der  Minne[n]  hof  und  ir  gewalt; 

e3  dunket  mich  so  wol  gestalt, 
96  Waer*  03  in  minem  kloster  so. 

<lic  rniinche  waeren  alle  vr6.« 
Der  kneht  sprach  zuo  der  wirtin: 

K>wi55el  ir  ein  rröowelln, 


56  XXIV.   "ßtx  fd)u>angere  JHünd). 

Da3  minem  herren  gezeeme 
100  und  guot  darumb(e)  nseme?« 

Diu  vrouwe  sprach:  »wie  stet  sin  leben? 

mag  er  geleisten  und  gegeben 

Zehen  pfunt  an  lieber  stat?«  l 

der  kneht  die  vrouwen  vaste  bat, 
5  Da3  si  den  miinch  ze  ir  lie3e; 

des  möht'  si  wol  genie3en. 

Diu  vrouwe  sprach  alzehant: 

»ich  hän  versezzet  miniu  pfant: 

Werdent  diu  mir  gelöst, 
10  so  wirt  der  junge  münch  getrost, 

Und  ich  tuon  alle3,  da3  ich  sol.« 

der  kneht  sprach:  »so  tuot  ir  wol; 

Da3  guot  habt  ir  beslo33en, 

nu  nemet  unverdro33en, 
15  Swie  vil  ir  selbe  wolt; 

er  ist  iu  von  herzen  holt, 

Wan  er  sere  nach  iu  tobt.« 

dö  wurden  sehs  pfunt  gelobt 

Unt  ze  hant  da  gezalt; 
20  also  der  kneht  die  minne  galt. 

Diu  vrouwe  ervolte  sin  gebet. 

diu  besten  kleider  si  an  tet, 

Zuo  dem  münche  si  gesa3, 

ir  munt  was  niht  an  \v0rten-la5, 
*25  [r  ougen  als  der  stern(e)  schin . 

rösen  var  ir  wengelin, 

Ir  kel  W13  als  ein  härm, 

ir  vinger  klein,  sinewel  ir  arm, 

Si  was  ze  guoler  mä3e  grÖ3 
30  den  münch  des  dinges  niht  verdi'63: 

1   Die  andre  Handschrift  liest  hui 

Sehs  pfunt  an  dirre  stal. 

si  wöll'  in  luon  der  minne  sat. 

Der  kneht  die  Yrouwen  vürba}  bat, 

dö  si  sust  geredet  hat. 

Das  s»  u-  8-  w- 


Von  tJem  3unii{jttuer.  57 

Anders  kund'  er  niht  mere: 

der  kneht  gab  im  die  lere, 

Swa3  in  diu  vrouwe  hie3e. 

da3  er  des  niht  enlie3e; 
135  Er  sprach:  »si  sol  iu  zeigen 

die  Minne  ist  iuwer  eigen: 

Nu  grifet  si  vrilichen  an, 

wan  ich  si  wol  verlönet  hän.« 

Der  münch  wart  der  maere  vrö. 
40  er  sprach:  »ich  wil  e3  vuegen  so, 

Da3  diu  Minne  mit  mir  vert 

und  dem  apte  vröude  mert, 

Dar  zuo  der  samenunge, 

alt'  unde  junge.« 
4-5  Der  töre  wänt(e)  des  vürwär, 

der  apt  und  der  münche  schar 

Waeren  sunder  minne  erzogen: 

da  was  er  sere  an  betrogen. 
Ze  hant  diu  wirtinne  kwam, 
50  den  münch  si  bi  der  hant  nam; 

Eijä,  wie  schiere  er  wart  braht. 

da  si  hin  het  gedäht! 

Da  stuont  ein  bette  wol  bereit, 

da  wart  der  münch  üf  geleit.  * 
55  Sinen  rok  behielt  er  an. 

dö  sprach  diu  vrouwe  wol  getan: 

»\v  sit  in  iuwerm  klöster  niht, 

tuot  ab  den  rok.a     dö  lasch  da3  Lieht. 

Niht  lenger  si  dö  heile. 
60  ze  dem  münche  si  sich  leite. 

Der  töre  lag,  als  ein  stok ; 

diu  vrouwe  zöch  im  ab  den  rok, 


1   in  it.  i    andei  n   Himdttfu i / 1  laute»  'iicti-  4  Zeiten 

i);i  was  oucii  bereit 

"in  bell  e     irol  bekleit 

DI  iran  dei  mfineta  in  cel<  il 

riiil  tllei    siha'iilM'il 


.58  XXIV.   jDer  fcbuattgere  Jttimtt). 

Hin  näher  si  ze  im  rukte. 

sere  si  in  zuo  ir  drukte; 
165  Si  hete  gerne  gesehen, 

da3  ir  ein  guot  waer'  gesehen. l 

Er  lak  stille,  als  ein  ron, 

wanne  ern'  weste  niht  davon. 

Wa3  er  da  solde  triben; 
70  er  was  vor  allen  wiben 

Von  kintheit  sicher  gewesen; 

er  künde  singen  unde  lesen 

Vil  ba3,  denne  minnen. 

diu  vrouwe  in  irn  sinnen 
75  Mit  liste  des  gedähte, 

wie  si  in  ze  tören  mähte, 

Wan  si  des  muo3  ligens  verdrÖ3 : 

si  gab  dem  münch  einen  stÖ3 

Mit  den  vue3en  alzehant, 
80  da3  er  wielz  an  die  want; 

Der  vrouwen  was  ze  dem  münehe  gäclu 

vil  vaste  si  im  rukte  nach . 

Mit  iren  knien  si  in  knat, 

mit  iren  vue3en  si  in  trat; 
85  An  rükke  und  an  herzen 

begund'  e3  in  sere  smerzen. 

Als  er  verbrant  waere; 

er  däht'  im  vil  unmaere 

Alliu  wip  ze  minnen; 
90  vil  gern  wolt'  er  entrinnen; 

Da3  er  die  minne  het'  erkorn, 

des  het'  er  wol  gesworn. 

Im  gab  diu  vrouw*  einen  slak, 

da3  er  (aber)  stille  lak, 
95  Si  sprach:  »nü  liget,  ir  boes(e)wiht, 

iu  geschiht  an  dem  Übe  niht, 

Ua3  hat  iu  vrouw(c)  Minne  gesant, 

nach  der  ir  vart  in  diu  laut.« 

1    Eb<l.  fehlen  dtese  6  Zmlen. 


Von  fcem  ^nungäutfr.  59 

Des  slahens  wart  du  wol  geswigen. 
200  der  münch  beleip  da  stille  liger 
Do  e.5  mittiu  naht  wart, 

diu  vrouwe  tet  nach  ir  art. 

Si  begund'  sich  umbe  wenden. 

113  warf  si  die  hende 
5  Nach  minne,  so  diu  natüre  tuot. 

so  si  ze  schänden  hat  den  muot. 

Den  münch  si  aber  an  gewant. 

mit  grÖ3en  siegen  al  zehant 

Kürzet'  si  im  die  wile. 
10  er  waer*  über  hundert  mile 

Gewesen  lieber,  danne  da; 

in  düht',  im  wsere  diu  Minne  ze  na. 

Owe ,  wie  wenik  er  da  slief ! 

si  sprach:  »da3  ist  der  ander  briet. 
15  Den  iu  vrou  Minne  hat  gegeben: 

nü  mugt  ir  wol  mit  vröuden  leben.« 

Er  sweik  vil  stille,  und  gedäht(e)  doch: 

»waer>  ich  in  minem  klöster  noch, 

Und  sa33[e]  vrou  Minne  vor  dem  tör. 
20  ich  enkoem'  nimmer  dar  vor.a 

Dar  nach  ein  wenik  vor  dem  lag(e) 

huop  sich  der  vrouwen  dritte  klag(^), 

Da.5  si  von  im  versümct  was; 

eine[nj  lezzen  si  im  dö  las 
25  Mit  siegen,  da3  was  diu  dritte  not. 

do  sach  si  den  morgen  rot. 

( 'rloup  <:;il>  si  dem  münche  d<>. 

des  was  er  von  herzen  vrö, 

Ungesegenl  <t  von  danne  lief; 
JO  dem  kneht  er  do  mit  zorne  riei . 

Da3  ef  <lin  pl.f.'ii  brffihte  na, 

er  wolt'  niht  lenger  beltben  da. 

Der  kneht  erschrak  der  maere, 

er  w.irii'.  [das]  ^(:r  w'rl  kotnen  wa;r< 
35  In  w;i>  beiden  vil  gach, 

dei  müm  h  ruor  dem  kneble  nach 


60  XXIV.    ßtx  fd)ioantjere  Mond), 

Si  riten  ba3,  den  enzcll. 
alle3  tw  erlies  über  velt 
Mer  den  guoter  mile  dri; 
240  ir  'tweder  was  da  sorgen  vri, 
B13  ze  einer  gruencn  heide; 
da  erbei,3ten  si  beide. 

Der  kneht  sach  den  herren  an, 
er  düht'  in  missevar  getan. 

45  Bleich  gar  an  den  wangen, 

er  vrägt' ,  wie  e$  im  [waer']  ergangen 
(Waere)  mit  der  Minne.  l 
der  münch  sprach  mit  sinne: 
»Ob  e3  mir  ist  ergangen  wol, 

50  da  von  ich  mich  niht  ruemen  sol ; 
Wen  ruemen  da3  ist  Got(e)  leit, 
des  sag'  ich  dir  die  wärheit.« 
Der  kneht  wägt'  in  niht  mere. 
der  münch  ilte  sere 

55  Heim  ze  sinem  klöster  wider; 
zuo  dem  knehte  sprach  er  sider: 
»Ich  hän  vil  dikke  (wol)  vernomen, 
da3  davon  kint  sint  komen, 
Wä  zwei  bi  einander  sin: 

60  nü  sag'  mir,  üf  die  triuwe  din, 
Wer  sol  da3  kint  tragen?«  — 
»da5  wil  ich  rchte  sagen:«  2 
Sprach  der  kneht,  »der  under  lit.«  — 
»owe  der  jämmerlichen  zit!« 

65  Gedäht'  der  münch  alzehaht, 
alrest  wart  im  leit  erkant; 


;    hi.  \.<    Retinpaai    fehlt  der  andern  Handschrift. 
■    Dient    lieimpuar   vermehrt  die  andre   Handschrift. 

Wedrc3  (reit  daj  kindelin?  < 
>'da3  sog'  ich  üf  die  triuwe  min.« 
Sprach  der  kneht  dö 
ilisi'in  ding  ist  also. 
Weders  under  lit. 


Von  fcem  3nungäu*r.  61 

Er  gedäht':  »owe.  wes  sol  ich  pflegen? 

nü  bin  ich  armer  under  gelegen, 

Nu  wirt  ein  kint  von  mir  geborn; 
270  so  hab'  ich  min  ere  gar  verlorn; 

Darzuo  verliuse  ich  min  pfruend(e)  gar, 

ob  sin  der  apt  wirt  gewar, 

Und  die  münche  gemeine 

werdent  mich  von  in  scheiden;  * 
75  So  waer'  mir  lieber  der  tot, 

e  ich  lide  iren  spot.« 
Darnach  wol  zwelf  wochen 

dö  gienk  der  münch  sochen; 

So  hete  si  in  zestÖ3en. 
80  in  vrägeten  sin  genesen 

Wie  er  weere  so  gar  dürre, 

und  ouch,  wa3  im  würre. 

Er  woir  e.5  keinem  verjehen, 

\va.5  im  von  [der]  Minne  waer*  gesehen ; 
85  Wan  er  wol  hete  gesworn, 

e,5  wurde  ein  kint  von  im  geborn. 
Darnach  an  einem  tag(e) 

kom  dem  apt  ein  grÖ3iu  klag(e) 

Von  einem  sinem  hofman; 
90  da,5  hört'  der  tragent  münch  an; 

Der  man  sprach:  »ich  muo3  iu  klagen, 

der  witwen  sun  hat  mir  geslagen 

Dort  oben  in  dem  dorfe, 

ein  riiit.  da3  e3  hat  verworfen 
95  Ein  vil  schoßne3  kelbelin.«  — 

»ich  wil  guot  rihter  stn,a 

Sprach  der  apt  ze  dem  hofman, 

»er  ist  mir  so  under  tan. 

Da£  ich  in  wol  betwinge, 
300  und  er  mit  dir  dinge, 

Und  vergilt  dir  diu  Kalp  wol , 

als  er'3  cc  rcht  <■    gelten  so!.« 

l    Li    ii- i    nud-in    llanJithitft  I 

die  icbönent  min  kleine 


62  XXIV.    Wet  fdjumnjjere  Mona). 

Der  tragent  münch  het  wol  gehört 
vil  eben  des  hove  mannes  wort; 
305  Nach  der  witwen  sun  er  sant(e) 
wan  er  in  wol  erkant(e) , 
Da3  er  heimlich  zuo  im  kwaeme 
und  sin  wort  vernaeme. 
Der  witwen  sun  in  da3  klöster  gienk; 

10  der  münch  in  lieplichen  enpfienk, 

Und  vuort'  in  heimlich) enj  an  sin  gemach; 
nü  hcer(e)t,  wie  der  münch  sprach: 
»Ich  hurt'  hiut'  über  dich  klagen, 
da3  du  ein  rint  betest  gesiagen, 

15  Da3  C3  ein  kalp  verwürfe: 

mich  dünkt,  wie  ich  ouch  wol  bedürfe 
Sulher  siege  von  diner  haut; 
wan  mir  ist  leider  wol  bekant, 
Da3  ich  (ein)  lebende3  kint  trage; 

20  nü  vürht'  ich,  ob  ich'3  ie  man  sage, 
Da3  ich  (gar)  werd(e)  geschant.« 
der  witwen  sun  sprach  sä  ze  hant :  f 
»We  ,  wä  von  ist  iu  komen  da3  ? 
nü  dunket  mich  der  prior  ze  133, 

25  So  ist  der  apt  gar  ze  alt: 

wer  hat  da3  wunder  an  iu  gestalt? 

Hat  e3  der  keiner  getan, 

so  ist  er  ein  vrevellicher  man.« 

Der  münch  sprach:  »waerlich,  nein  er, 

30  der  münch(e)  ist  keiner 
Schuldig  an  minem  übe: 
ich  trag'  C3  von  einem  wibe, 
Mit  der  han  ich  minne  getriben, 
da3  mir  da3  kint  ist  beliben.« 

'  Die  folgenden  4  Zeilen  erweitert  die  andre  Handschrift  • 

Wä  von  ist  da3  bekomen  , 

da3  iu  ein  kint  ist  zuo  benomen? 

Nü  dunkel  mich  der  priol  la3, 

so  mag  der  apt  borvil  ba3; 

Wer  hat  diz  wunder  an  iu  gestalt? 

was  er  jung  oder  alt  ? 


Von  fc*m  Jtamtgäuer.  63 

335  Do  sprach  aber  der  witweo  sun : 

»herre,  ich  wil  gerne  tuon 

Alles,  da3  iu  liep  ist: 

idoch  wenik  liute  genist, 

Die  ir  Lint  (niht)  mugen  getragen 
40  volle  zit  ze  iren  tagen.« 

Der  münch  sprach :  »ich  wil  e$  wägen , 

nü  IÄ5  dich's  niht  betragen: 

Slach  mich  sere,  des  ist  mir  not, 
-       niht  gedenke  an  minen  tot; 
45  Ich  vergib'  liuterlichen  dir, 

swa3  du  Sünden  begest  an  mir. 

Da3  ich  des  slahens  gewis  si, 

ich  gib'  dir  guoter  pfunde  dri.« 

Der  witwen  sun  was  des  gemeit, 
50  niht  lenger  er  dö  beit',  ■ 

[Er  sprach:]  »da3  holz  da3  bi  dem  klöster  IU, 

Darin  kumt  morgen  ze  primezit, 

So  wil  ich  iu  helfen,  ob  ich  mak, 

e  da3  werde  mitter  tak.« 
55  [Der  münch  sprach:]  »ich  wil  volgen  dinem  rät,2 

kum  ouch  du  niht  ze  spät.« 

Der  witwen  sun  was  ein  schalk, 

er  macht(e)  üf  des  münches  balk 

Dri  knütel  eichin, 
60  die  bräht'  er  mit  im  darin. 

Der  münch  was  vruo  komen  dar; 

du  er  des  knehtes  wart  gewar, 

Er  gab  im  driu  pfunt  unde  sprach : 

»unverdro33en(lichen)  slach,  3 

•   In  der  andern   Handichrifl : 

Da3  im  der  raüncli  also  seil'. 

-    Ihr   andre  Handtchrift   lieft. 

DeK  niurnli  sprach:     ich  volg'  dir  dräl  < 
'   Hirt*   4   Zeilen  lauten   in  dar   andern   Handtchi  if't 

M  et  im  knehfei  irarl  ^"w.ir 

do  gafc  et  nn  aas  *-ii h«-r  dar , 

i.r  jawaafc:  »wnbedrossenltcben  ilach. 

da}  nieinl'  BT,  do  er  die   knijli-l   fach 


64  XXIV.   23er  fd)roati(jere  Jttcind). 

365  Du  solt  min  niht  schonen, 

ich  wil  dir('3iioch)  ba3  Ionen. « 

Darzuo  sprach  der  witwen  sun: 

)>ir  sult  ab  iu  die  kappen  tuon.« 

Da3  was  vil  schiere  getan, 
70  im  beleip  niht  dan  ein  rok  an  ; 

Er  warf  in  nider,  als  ein  rint, 

und  sluog  in,  [und]  wseren  siben  kint 

In  sinem  libe  gewesen, 

ir  waer(e)  keine3  genesen; 
75  Alle  sine  knochen 

wurden  im  zebrochen  l 

Und(er)  mangen  herten  slak. 

da  bi  in  einer  (vurhen)  lak 

[Lag]  mit  vorhten  ein  junger  hase, 
80  der  was  bedekket  mit  dem  grase, 

Der  torste  sich  niht  geregen 

vor  den  engestlichen  siegen: 

Do  der  dritte  knütel  brach, 

der  münch  den  hasen  loufensach, 
85  Er  sprach:  »lä  die  siege  sin, 

ich  wil  [loufen]  nach  dem  kinde  min. 

Owe,  möht'  ich  e3  gevän, 

ich  wold'  e3  einer  ammen  lan, 

Da3  si  e3  ernerte.« 
90  der  hase  gegen  walde  kerte; 

Der  münch  sach  im  alle3  nach, 

vil  jaemerlichen  er  dö  sprach: 

»Owe,  min  vil  liebe3  kint, 

wie  snel  dir  diu  bein  sint! 
95  Da3  muo3  ich  immer  klagen; 

du  soldest  [eines]  vürsten  brief  tragen, 

Wan  in  einer  kurzen  wil' 

liefest  du  manik  mir, 

1   Dieses  Reimpaar    fehlt    in    der   andern    Handschrift  ,     die    <**tch    für    die 
beiden  folgenden  nur  liest : 

Mit  vorhlen  was  ein  kleiner  has' 
verborgen  in  dem  gras. 


■  t> Dil  $fcm  J>iöin{jauer.  65 

Oder  soldest  worden  sin  ein  koch, 
100  wan  du  treist  die  löffel  noch 

Bereit,  als  ein  ander  man. 

der  wol  z'e33en  machen  kau.« 
Nu  pruevet  an  dem  tören: 

er  meint'  des  hasen  ören, 
o  Diu  er  üf  gerekket  sach. 

gegen  walde  wart  dem  münche  gacfa , 

Er  wolt'  da3  leit  niht  lenger  doln , 

er  wolt(e)  sin  kint  wider  holn, 

Er  lief,  als  ein  tobender  hunt, 
10  sin  herze  sluog  er  tüsentstunt, 

Sin  hende  er  jaemerlichen  want; 

sin  kint  er  do(ch)  niht  envant; 

Von  leide  rouft'  er  Ü3  sin  här. 
Des  wart  ein  alter  münch  gewar. 
15  Der  kam  [von]  unwi33en(d')  dar  geriten. 

er  sprach:  »wa3  mein(e)t  ir  hiemiten? 

Oder  wes  ist  diu  schulde, 

da3  ir  hapt  so  grÖ3'  undulde? 

Oder  meint  03  unsers  herren  zorn?«  ' 
20  er  sprach:  amin  kint  hab'  ich  verlorn. 

Da3  ich  selbe  hab'  getragen; 

d;«3  muo3  ich  von  schulden  klagen.  < 

Der  ritende  münch  mit  zorne  spracht 

»Got  veig  wol,  da3  ich  nie  gesach 
■2.i  Münch  kint  mer  getragen; 

ich  wil  e3  dem  apt(e)  sagen. 

Dar  zuo  der  samenunge.« 

des  antwurt'  im  der  junge:  ; 


'    In    du     andern    Hr:nd$chrift 

Weder  meinet  *j  UQgiB  oder  zorn 
I         ilieiet    Reimpaar  lieit  die   andre   Handichnft 

Des  .intwnrt'  in  der  jung« 

|   nur  rin   geldkgC  , 
Daj   nur   min   kint   Vttrdfl 

sA  \\;i\    ich  Inf  bürde. 

t    '  d     Hmf"       f'ifunmx    l.»nl#n#r      II 


06  W1V.   U*er  fdjuiattgere  Jttönri). 

»Ich  enruechtc,  wer  05  wesle. 
430  der  bopsest'  oder  der  beste, 

Het'  ich  wan  min  killt  wider, 

hie  lit  min  vröude  gar  dernidcr.«1 

Er  gab  im  einen  kolben  slak, 

da,5  er  vor  im  nider  lak. 
35  [Er  sprach:]  »ir  sit  unsinnik  worden 

und  schendet  uns  den  orden 

Und  alle  die  da  inne  sint.« 

er  sprach:  »hef  ich  min  kint 

Noch  z'  ei(nemymäl  gesehen, 
40  ichn'  mochte,  wflfl  mir  [noch]  möht'  gesehen.« 

»In  nomine!«  sprach  der  aide 

»da3  ir  in  disem  walde 

Eid  kint  woldet  vinden.« 

er  begunde  im  serc  binden 
\o  Die  hende.  als  einem  diebe; 

er  sprach:  »sint  iu  so  liebe 

Ist  ze  vremden  kinden, 

ir  sült  e3  wol  ervinden. 

Wie  mir  dar  umbe  ist  ze  muote.« 
50  vil  lüzzel  er  dö  ruote, 

Er  sluog  in  mit  der  kiule 

vil  manik  grÖ3e  biulc. 

Was  der  alte  münch  gereit, 

der  junge  alles  neben  im  schreit, 
55  Gebunden  an  ei[ne]m  strikke; 

vil  hei3(e)  weint'  er  dikke, 

Sin[e]s  kindes  er  gedäht(e). 

do  er  in  in  das  kloster  bräht(e). 

Die  münchc  namen  sin  al[le]  war. 
(>0  unt  kamen  mit  der  menige  dar. 
Do  in  der  apt  an  gesach, 

vil  lougenlichen  er  do  sprach  : 


1    I. nuttt   rlxndasellisl  i 

Hcl'  ich  nü  min  kint.« 

er  sprach:  »dri  liuvcl  in  iu  sini. 


tJon  fccm  3toin0ttUfr.  67 

»Sag'  an,  liebe,  wie  ist  dir  gesehen ?« 

er  sprach:  »hef  ir  min  kint  gesehen. 
465  E3  muest  iu  wol  behagen; 

ich  kan  iu  niht  mer  gesagen. 

Wan,  möht'  ich  e^  erloufen, 

ich  wolt'  e3  läsen  toufen, 

Und  wold'  iueh  ze  gevatern  biten. 
70  und  den  prior  dämiten. 

Dazuo  den  kelnaere.« 

den  münchen  disiu  maere 

Wunderlich(e)  dühten; 

den  rok  si  im  üf  lühten. 
75  Do  si  die  siege  sähen. 

mit  alle  si  da  jähen. 

Da3  er  waere  behaft 

von  der  boesen  geist(e)  kraft. 

Der  apt  hie3  dö  suochen 

SO  den  salter  mit  andern  buochen, 

l  nd  hie3  beswern  den  boesen  geist 

mit  aller  siner  volleist, 

Da3  der  münch  erlöst  würde 

von  siner  swaeren  bürde. 
Ko  Des  aples  gebot  si  [dö]  täten. 

über  den  münch  si  [dö]  träten . 

Guote  segen  si  [dö]  läsen. 

der  münch  begunde  rasen. 

In  disem  grÖ3en  leide 
W)  [sprach  der  münch:]  »min  kint  ist  noch  beiden); l 

Mit'  f'5  cnpfangen  die  Kristenheit. 

so  waer'  zergangen  min  leit« 

f)cr  apt  sprach:  »nti,  hoereJ . 

wie  uns  der  tiuvel  teeret! 
K  Siniu  wort  sint  [so]  spaehe, 

da3  bannen  ist  im  smaehe. 

Kr  k.in   b<M€r  liste  genuok.« 

den    wih  branoen   man  dar  truok  . 

1      h.'.rn all  'rlhtl 


C)S  XXIV.   Hier  fdjtuttuflm  JWouft). 

Und  begund'  in  mit  sprengen. 
500  mit  der  stol'  umb  hengen. 

Swa3  si  im  taten, 

si  dröten  oder  bäten, 

Da3  was  alle3  ein  wint; 

er  sprach:  »het'  ich  min  liebe3  kint. 
5  Da3  ich  wol  zwelf  wochen  truok, 

su  het'  ich  aller  vröuden  genuok.« 
Do  wart  den  münchen  allen  zorn , 

si  heten  alle  des  gesworn, 

Da3  er  unsinnik  waere. 
10  in  einen  karkaere 

Sazten  si  in  mit  grimme. 

da  was  der  arme  inne  l 

Vierzehen  tag*  unde  naht, 

da3  im  e33ens  niht  wart  bräht, 
15  Wan  itel  wa33er  unde  bröt. 

ze  allen  ziten  bat  er  Got, 

Da3  er  sin  kint  dar  sante, 

da3  e3  Kristen  nara(en)  erkante. 

An  dem  vunf  zehenden  tage 

20  der  münch  begunde  dem  apt  sagen 

In  siner  bihte  rehte 

von  der  minne  und  von  dem  knehte 

Und  von  der  vrouwen ,  diu  in  da  sluok , 

von  der  er  da3  kint  truok, 
25  Und  wie  er  under  ir  lak, 

dö  si  der  minne  mit  im  pflak, 

Und  sagt'  von  ende,  wie  C3  geschach. 

dö  sprach  der  apt:  »din  ungemach 

Sol  hiute  (hie  ein)  ende  nemen; 
30  du  darft  dich  nimmer(me)  Schemen 

Vor  mir,  noch  vor  dem  prlöre, 

du  solt  gen  ze  köre, 

1   Kbtndaielb§t  i 

Slii33Cn  si  in  dö. 

des  was  der  arm'  unvrö. 

DA  was  er  vierzehen  naht. 


Von  ticm  JNiiitgäuti.  69 

k  t 

l'nt  soll  singen  unde  lesen, 
unde  solt  ein  guot  kint  wesen. 
535  Als  du  gewonheit  vor  tet; 

und  hab'  mich  in  dinera  gebet! 
Din  sünde  sint  dir  vergeben: 
nü  wirb  umb  da3  ewige  leben.« 
1  Hie  endet  sich  diz  maere: 
40  da3  macht'  der  Zwinge(u)wsere, 
Und  hat  geseit  des  münches  not. 
nü  biten  wir  den  selben  Got, 
Da3  er  uns  an  dem  jüngsten  tag(e) 
sin  himel  rlch(e)  niht  versag(e). 

1   Di f im  Schlau  hat  allein  die  andre   Bandtvhrift 


XXV. 

jPte  HadjtijjaU. 


oHan  sagt,  in  einem  Gau  safs  ein  Ritler  auf  einem  hoben  festen 
Hause,  der  hatte  reiches  Gut  und  eine  Tochter,  sein  einziges  Kind  und 
weit  und  breit  das  schönste  Fräulein.  Da  safs  in  der  Nachbarschaft  ein 
andrer  reicher  Ritter,  der  hatte  einen  schönen  Sohn ,  auch  sein  einziges 
Kind,  den  er  sorgfältig  erzog,  bis  er  seinen  Sinn  auf  Minne  richtete. 
Die  beiden  Jungen  waren  zwanzig  Jahre  alt,  und  der  Jüngling  warb  mit 
stätiger  Liebe  um  die  Gunst  der  Schönen,  die  ihn  auch  lieber  hatte,  als 
alles  Silber  und  Gold.  Sie  war  aber  in  ihrem  Hause  so  versperrt,  dafs 
beide  nicht  zu  einander  kommen  konnten. 

Vor  dem  Hause  lag  ein  fest  eingehegter  Garten,  unter  dessen 
Bäumen  und  Blumen  die  Luft  befser  und  süfser  war  als  anderswo,  und 
in  welchen  ein  enges  Thürlein  aus  dem  Hause  führte.  Drinnen  stand 
ein  hohes  laubiges  Sommerhaus,  in  welchem  gespeiset  wurde.  Nun 
sandte  das  Fräulein  ihrem  Geliebten  einen  Boten,  dafs  er  Nachts  heim- 
lich in  den  Baumgarten  käme,  wo  sie  ihn  erwarte.  Er  sagte  mit  Freu- 
den zu,  und  sie  legte  sich  zu  Bette  und  klagte  sehr  über  Weh  am 
Haupte,  Herzen  und  allenthalben.  Der  Vater  rieth  zu  einer  guten  Salbe, 
die  Tochter  wüste  aber  ein  befseres  Mittel:  wenn  sie  die  Nacht  auf  der 
Laube  schliefe ,  wo  die  Luft  so  gewürzig  sei ,  und  ihr  vielleicht  auch 
ein  Vöglein  so  nahe  käme,  dafs  sie  es  fienge  und  sich  erfreue.  Die 
Muller  liefs  sogleich  ein  frisches  Bette  auf  der  Laube  bereiten,  und 
dem  Gesinde  wurde  alles  Geräusch  verboten ,  um  das  liebe  Kind  nicht 
zu  wecken ,  die  sich  beim  Schlafengehen  noch  ein  Glas  gulen  Weins 
vor  das  Bette  stellen  liefs.  Die  Mutter  sperrte  die  'Ihüre  zu,  und  liefs 
das  Töchlerlein  allein.  In  der  Nacht  schlich  der  Jungherr  herbei ,  slic^ 
an  einem  Schaft  in  den  Garten  .  und  kam  in  das  Luslhaus  zu  der 
Jungfrau,  die  ihn  lieblich  empfing,  und  mit  ihm  bald  im  süfsen  Minne- 
spiel nicht  auf  den  Vogelgesang  achtele,  so  dafs  der  Morgen  der  zu 
kurzen  Nacht  sie  noch  darin  fand.  Sie  verschliefen  dann  aber  beide 
du-  Zeit,  so  dafs  die  Sonne  sie  übersclnen 

MC  .Mutier  war  besorgt  darüber,  und  der  Vater  sland  auf.  ging  bin 
und  sah  durch  ein  kleines  Fenster  in  dai  Gemach  des  Töchterleini  da 
lagen  die  Geliebten,  ohne  Gewand  und  Decke,  die  hinabgesunken  vwir 

inmn'  in  einander  gesehrniegl.     Der  \aler   ging    leise  zurück  ,    und    rei 

kundeie  der  Müller«  wie  das  l o< iblerlein  wirklich  einen  Vogel  gefangen 
und  ihn   lest  beim   Kragen   balle.    Die  Mutter  nahm  et  ffir  Spott;   dei 

Vater  beschrieb  ihr  aber  die  Pracht  des  Tbieres;   und  lie,    das  Vöglei r 
beklagend,  Iral  selber  an   «las  PenSterietn       Bjej   dem   Anblicke  ichlog   lil 

die   Hände  zusammen      Eerraufte   lieh,    und   erhob   ein    Wehgesebrei 


Davon  erwachte  der  Jüngling,  erschrak,  und  wehklagte,  dafs  der  helle 
Sonnenschein  sie  beide  überrascht  habe.  Da  trat  der  Vater  zur  Thüre 
herein,  und  freute  sich,  dafs  die  Tochter  das  Vöglein  gefangen  habe 
und  genesen  sei,  rieth  ihr  aber  es  nicht  entrinnen  zu  lafsen.  Der  Jüng- 
ling bat  um  sein  Leben,  und  der  Vater  versicherte  es  ihm,  wenn  er 
die  Geminneie  zum  Weibe  nehme.  Er  war  gerne  bereit  dazu,  und  von 
beiden  Aeltern  wurden  die  Gelieben  einander  zur  Ehe  gegeben ,  und 
reichlich  ausgestattet,  so  dafs  sie  in  Freuden  und  Ehren  lebten. 


XXV. 

Diu   nahtigal. 


Swa3  ein  iegelich  hübisch  man 

aventiure  \vei3  oder  kan. 

Von  gemellichen  dingen , 

die  sol  er  vür  bringen; 
ö  Wan  gevellet  e$  einem  niht, 

ist  e3  seltsaene  geschiht, 

So  behaget  si  dem  andern  wol ; 

da  von  man  des  niht  heln  sol. 

Da  Von  kan  ich  niht  geladen  da.3, 
10  ich  muo3  iu  sagen  ctwa3; 

Man  saget,  e3  waer*  gese33en 

ein  rilter,  wol  verme33en, 

l  f  einem  göuw(e)  hie  vor, 

der  het  ein  hus,  da3  stuont  eriboi  . 
15  L)a3  was  erbüwen  veste, 

darinne  was  kein  gebreslc. 

1  1   was  des  guotes  ein  richer  man . 

und  hete  ein  tohter  wol  getan, 

Und  hete  ouch  niht  mer  kinde. 
20  all  ich  (-3  hfe  bovindc. 

Schon'  und  wol  gestatl  wai  If  llp 

daj  man  weder  magt,  noch  \\i|» 

In  der  gegene,  noch  über  laut. 
choonea  niergenl  bHi(  envant, 


76  XXV.   Wit  Dtad)ttflaU. 

25  Und  was  däbi  gese33en 
ein  ritter,  gar  verme33en. 
Des  guotes  ouch  gar  riche . 
der  sa3  gar  weideliche ; 
Einen  schoenen  sun  hete  der, 

30  unde  ouch  kindes  niht  mer, 

Den  zöch  er  [schön  bi3]  an  die  stunde 
da3  der  sun  trahten  begunde 
Und  war  ze  nemene  umb  ein  wip; 
er  hete  einen  schoenen  lip, 

35  Er  was  hübisch  unde  kluok 
unde  dar  zuo  vlaetig  gnuok; 
Er  was  ouch,  als  man  im  zalt' 
niht  mer  den  zweinzig  jar  alt. 
Sus  wären  si  beide  siuberlich. 

40  ouch  vlei3  der  junkherre  sich 
Umb  der  junkvrouwen  minne; 
wie  er  des  [solte]  beginne, 
Daran  wante  er  sinen  muot, 
als  noch  vil  manger  llhte  tuot, 

45  Der  da  vindet,  da3  im  behaget, 
also  warb  er  umb  die  maget 
Mit  vll3e  ze  aller  stunde, 
wen(ne)  si  im  des  gunde, 
Unde  e3  ime  vuoge  mohte  gesin. 

50  si  was  ouch,  da3  megetin, 
Dem  knaben  worden  also  holt. 
da3  si  weder  silber,  noch  golt 
Da  vür  (niemer)  hete  genomen , 
swä  si  zuo  im  möhle  komen. 

55  Doch  was  diu  maget  so  verspart 
unde  in  irs  vaters  hüs  bewärt, 
Da3  weder  bi  tag,  noch  bi  naht, 
kein  mensche  zuo  ir  kumen  mahl' . 
Weder  dar  113,  noch  darin; 

tH)  da3  was  der  zweier  ungewin. 
Vor  dem  hiise  ein  boum  garte  lak 
dar  umb  gieng  ein  vcsle3  hak , 


XXV.    ÜHc  tlod)ttüfllL  77 

Damit  er  bevridet  was; 

beide ,  bluomen  unde  gras 
65  Man  darin(ne)  ste(he)n  sach. 

die  heten  ein  vil  riche3  dach 

Von  vil  edelen  boumen  breit. 

die  wären  schren'  und  wolbekleit. 

Ouch  hete  der  ritter  vil  trüt 
70  manig  würze  unde  krut, 

Diu  er  darinnen  het  erzogen; 

man  sagt  vür  war  und  ungelogen . 

Da3  der  luft  besser  da 

und  sue3er  waere,  denne  anders  w;'i. 
75  Von  dem  hüse  gieng  darin 

ein  vil  enge3  türlin. 

Nu  häte  der  wirt  ouch  da  vor 

gebü[we]t  ein  louben  hoch  enbor. 

Diu  was  gemachet  umbe  da3, 
80  da3  der  wirt  darinne  sa3, 

In  dem  sumer.  wen  er  83: 

in  düht' .  in  bekaem'  diu  spise  des  ba3» 
Eines  tages  diu  maget  nam 

ein[en]  boten,  der  dar  zuo  gezam. 
S5  Den  sante  si  säzehant, 

da  man  den  junkherren  vant, 

Und  hie3  im  sagen  maere. 

da3  er  des  nahtes  waere 

Aller  dinge  bereitet  dar. 
90  und  verholn(e)  kaeme  dar 

In  den  boum  garten, 

da  wolte  si  sin  warten. 

Ob  si  e3  mit  gevuegen  dingen 

[ie  mer]  dar  zuo  möhte  bringen. 
!)5  So  wolte  si  leisten  sin  gebet 

der  knabe  e3  willeklichen  tet. 

Als  er  die  botschaft  vernam, 

diu  von  der  junk  vronwen  kam  T 

Er  wart  (des)  von  herzen  vro . 
100  slner  junk  vronwen  danket'  er  dö. 


78  XXV.    Site  IftadtttgaU. 

l)a,3  im  so  liebe  solte  geschehen. 
da3  er  si  da  solte  sehen. 

Do  ir  da3  wart  wider  (ge)seit. 
an  ein  bette  si  sich  leit' 

105  Und  begunde  sich  sere  klagen; 
da3  künde  si  niht  vertragen, 
Ir  muoter,  als  si  da3  vernam, 
zehant  si  zuo  der  tohter  kam, 
Und  sprach:  »sage  mir,  tohterlin. 

10  wa3  mag  dir  geschehen  sin? 
Oder  wa  lit  din  ungemach? 
diu  tohter  zuo  ir  muoter  sprach: 
»In  dem  houpt,  und  wa3  mir  ist, 
da3  swachet  sere  an  dirre  vrist.« 

15  Und  dö  da3  der  vater  vernam, 
balde  er  zuo  in  beiden  kam, 
Zuo  der  tohter  er  dö  sprach: 
»wä  ist  din  meiste3  ungemach?«  — 
»Umb  da3  herze  unde  allenthalben.« 

20  er  sprach:  »mit  einer  guoten  salben 
Sol  man  dich  bestrichen, 
so  muo3  von  dir  entwichen 
Din  leit  und  din  ungemach.« 
diu  junkvrouwe  hin  wider  sprach: 

25  »Vater,  ich  han  vunden  einen  list, 
der  mir  benamen  guot  ist, 
Und  der  mir  wol  mag  gevrumen, 
sol  mir  ihtes  ze  staten  kumen, 
Ob  e3  (l)iht  also  geschiht.« 

30  er  sprach:  »kint,  des  hil  mir  nihl, 
Des  (en)wirt  dir  niht  verzigen.« 
si  sprach:  »benamen,  da  wil  ich  ligen 
Uf  der  louben,  diu  davor  stet; 
wan  von  dem  lüfte  der  da  get, 

35  Von  dem  smakke  der  kriuter  guot, 
lihtert  mir  min  swaerer  muot, 
und  von  dem  boum  garten ; 
ich  wolte  joch  gerne  warten. 


XXV.   jD«  KUdjttflaU.  79 

Ob  mir  ein  vogel  kseme  nahen, 
140  da3  ich  in  möhte  gevähen, 

[wan]  so  hete  min  sorge  ein  ende.  < 

»Got  dir  den  schiere  sende !« 

Sprach  ir  muoter  da  ze  hanl. 

schoen  und  rösche3  betgewant 
io  Hie3  man  dar  bereiten, 

man  wolt'  niht  lenger  beiten, 

E33en  unt  trinken  man  dar  truok.  - 

slafens  man  ze  hant  gewuok, 

Ouch  verbot  man  den  schal 
50  den  hüs  gesinden  liberal, 

Da3  man  da3  kint  iht  schrekkete, 

oder  113  dem  slafe  erwekkete. 

E  da3  e3  naht  wurde  gar, 

dö  kam  ir  muoter  wider  dar, 
55  Und  sprach,  ob  si  iht  wolte. 

si  sprach:  »muoter,  ich  solte 

Ein  glas  mit  guotem  wine  han, 

da3  sol  vor  minem  bette  stan, 

l)a3  ich  mich  mit  gelabe, 
(>0  ob  ich  mich  ba3  gehabe.« 

Der  win  vil  schiere  bräht  wart, 

diu  muoter  die  tür  nach  ir  verspart'. 

Und  lie3  die  tohter  eine  da; 

[wan]  ir  was  da  ba3,  den  anders  wa. 
(>5      Als  balde  dö  der  tag  entweich. 

der  junkherre  [balde]  zuo  ir  sleich, 

Wan  er  vil  gr63(er)  vuoge  pflak. 

mit  listen  kam  er  durch  den  hak. 

Eine(n)  schaft  er  zuo  im  nam, 
70  bi3  er  in  den  boum  garten  kam, 

Daran  steig  er  darin  zehant, 

da  er  die  jiink  vrouweu  vant, 

Liepltch  si   sich  cnplicngeii, 

an  <l;i5  bfttfi  si  (beide]  giengen. 
75  l  11t  trilicn  da  der  minncii  lpt1, 

si  beten  kurze  wllc  vil , 


80  XXV.   Ute  t!t<td)tiiiaU. 

Si  ahten  niht  der  vogel  gesank, 
diu  naht  dühte  si  niht  ze  lank. 
Unde  als  ich  vernomen  han, 
180  dö  der  tag  wolte  üf  gän, 
Si  heten  sich  gesmükket 
ze  samen  unde  gedrükket 
Mit  wi3en  armen,  diu  vrouwe  sprach 
»lieber  mir  nie  me  geschach, 

85  Wan  da3  ich  dich  saeligen  man 
hinaht  nach  mlnem  willen  hän.« 
Doch  versliefen  si  gemein, 
bi3  si  diu  sunne  über  schein. 
Der  muoter  wart  (do)  zuo  ir  gäch, 

90  ze  irem  meister  si  dö  sprach: 
»Mir  ist  übel  (vil)  geschehen, 
da3  ich  da3  kint  niht  hän  besehen. 
Ob  uns  Got  die  saelde  git, 
da3  si  noch  lebendig  lit.« 

95  Er  sprach:  »ir  sület  hie  besten, 
ich  wil  selber  dar  gen.« 
Und  leit'  er  an  sin  gewant, 
er  stuont  üf  unde  gienk  ze  hant 
An  ein  (enge3)  venster  spehen, 
200  da  wolt'  er  sin  tohter  sehen, 
Ob  si,  nach  ir  swaere, 
[iht]  in  [ein]  ruowe  komen  wrere: 
Dö  sach  er  an  dem  vensterlln, 
da3  der  knabe  und  diu  tohter  sin 
5  Bi  ein  ander  lägen 
und  schnener  ruowe  pflägen; 
Also  stuond  er  und  sach  si  an: 
da  waren  si  gar  wol  getan, 
Der  släf  hete  si  begriffen , 

10  und  was  ab  in  gesliffen 

Da3  dekke  lachen  unde  ir  gewant. 
si  hete  den  slnen  in  der  hant. 
Der  stuond  in  aller  siner  kraft, 
und  ragete  vaste  als  ein  schalt, 


XXV.    Pte  ttad)tt0«U.  81 

215  Er  stuond  ir  rilicher  vür.  1 

der  ritter  dö  vermeit  die  tür, 

Wan  er  si  also  släfen  lie, 

ze  sinem  bette  er  wider  gie, 

Er  sprach:  »vil  liebe  vrouwe, 
20  nü  stand  üf,  unde  schouwe, 

E3  ist  diner  tohter  wol  ergangen, 

si  hat  den  vogel  gevangen, 

Als  du  si  nehten  hortest  sagen, 

si  hat  in  begriffen  bi  dem  kragen.« 
25  Si  sprach:  »e3  ist  liht  din  spot.« — 

»nein  e3,  vrouwe,  sammer  Got, 

Wol  il  mir  des  geloubet, 

er  brinnet  umb  sin  houbet, 

Da3  er  niht  schoener  möhte  gesin.« 
30  »owe  da3  (arme)  vögellin!« 

Sprach  si  »ich   wil  ouch  dar  gän 

unde  wärheit  schouwen  sän.« 

Si  gie  zuo  dem  vensterlin, 

da  der  knabe  und  da3  megelin 
35  Bi  ein  ander  lägen , 

und  hübischer  ruowe  pflägen. 

Als  balde  diu  muoter  e3  gesach, 

ze  hant  si  roufet'  sich  und  sprach ; 

»Da3  mich  min  muoter  ie  getruok!« 
40  die  hende  si  vast  ze  samen  sluok. 

Der  knabe  erwachte  und  hört*  den  schal, 

und  do  diu  sunne  schein  überal, 

Er  sprach:  »wäfen,  herre,  wäfen! 

wir  haben  ze  lange  gcsläfen 
15  Beide  an  disem  bette  hie.« 

der  ritter  zuo  der  tür  in  gie, 

Und   sprach  zuo  dem    mcgetln: 

»tohter,  haslu  da3  vögellin ? 

Bistu  genesen,  da.3  ist  guot: 
>0  din  v;'ihen  glt  uns  SWtBren  mimt. 

•  in  rilleher  kür? 


82  XXV.  Ute  ttad)tiöall. 

i 

Nu  warte  des  vogels  mit  sinne, 
da3  er  dir  iht  entrinne.« 
Der  knabe  sprach:  »lieber  herre, 
da3  mir  ze  dem  libe  iht  werre.« 
255  [Er  sprach:]  »iu  wirret  niht  ze  dem  libe, 
behabt  ir  si  ze  [einem]  wibe, 
Sit  ir  ir  sit  gelegen  bi, 
so  wartet,  da3  iu  ern(ejst  si.« 
Er  sprach:  »ich  wil  si  gerne  han.« 
60  also  wart  er  ir  eman, 

Ir  beder  veter  gaben  in  guot, 

si  gewunnen  gnuog,  und  höhen  muot, 

Des  bejagten  si  pris  und  ere. 

der  nahtigal  [rede]  ist  niht  mere. 


XXVI. 

£  x  tt  u  t  tt  1 1  ft 


Ein  Schüler,  tugendlich  gemuth,  mied  schnöde  Gesellschaft,  redete 
nie  übel  von  Frauen,  und  widersprach  solcher  Rede:   es  gebe  tausend 
gute  gegen  eine  böse;  alle  Menschen  seien  Frauenkind,  und  wer  Frauen 
ehre  und  Gott  liebe,  dessen  Ende  werde  gut;   Gott  schuf  sie,   wie   die 
Engel  im  Himmel,   so  zu  Engeln  der  Erde.    Dieser  Jüngling  verliebte 
sich  sterblich  in  eine  überaus  schöne  Frau,  die  aber  so  spöttisch  und 
so  hoch  von  Geburt  war,   dafs  er  sie  nicht  anzureden  wagte,  und  hin 
und  her  sann;  endlich  vertraute  er  seiner  Beständigkeit  und  grüfste  sie 
eines  Morgens  mit  lieblichen  "Worten.    Sie  sprach  höhnisch:  »ich  spüre, 
hier  fuhr  gestern  auch  einer  vorbei.«     Den  andern  Tag,  als  er  den  Hut 
zog  und  grüfste,  sagte  sie:  »meist  uns  sieben  Füfse,  das  sind  drei  und 
vier,  die  anderen  kommen  nach.«    Ebenso  am  dritten  Tage:   »sie  kom- 
men nimmer  her.«  Als  er  fragte:  »wer?«  sagte  sie:  »die  wilden  Heiden.« 
Zum  vierlenmale  kehrte   sie  sich   verächtlich   um  zu  ihrer  Dirne  und 
hiefs   sie    ihm    danken;    sie   habe  Kopfweh.     Abermals    wünschte   sie 
Gott  möge  es  ihm  nimmer  danken,  dafs  er  so  grüfssam  sei:   so  könne 
er  es  lange   treiben.    Ihm  war  v>ohl  mit  diesem  Gezanke,   und  er  er- 
wiederte,    wer  den  Vogel  fangen  wolle,    müfse  ihm  viele  Stricke  span- 
nen.   Leber   diese  Worte  ward  sie   daheim  so   nachdenklich,   dafs  sie 
ihren  Fürwilz  nicht  bezwingen  konnte ,   sondern   ihre  Dirne  nach   dem 
Schüler  sandte.    Er  kam  voll  Freuden ,   und  auf   ihre  Frage    bedeutete 
er  sie,   dafs  er  mit  allen  Sinnen  sie  in  der  Minne  Stricke  zu  verwirren 
trachte,    weil  sein  Herz  fast  zerspringe  vor  unsäglicher  Liebe.    Sie  ver- 
hohnto  ihn:    wenn  dem  Esel  zu  wohl  sei,  gehe  er  aufs  Eis;   Schweifen 
halle  ihm   vielleicht   eher  ihre  Huld  gewonnen;   der  zu  früh  aus  dem 
Ekute   lliegende   Vogel  werde   ein   Kinderspiel:    er  rede  wie  ein  Kind 
Er  erklärte  sich  auch  für  ein  Kind,  rede  ebenso  die  Wahrheit  und  be- 
harre kindlich    in   seinem  Verlangen.    Sie    warnte   ihn   darauf  vor   der 
Kulhe:   er  aher  wollte  gern  alles  Weh  von  ihr  leiden,    weil   er   so  sehr 
Hfl  liebe,    dafs   ihr   in  jener  Well  seine  Seele  leibeigen  sein  solle,   wie 
hur  der  Leib.    Sie  erwiederle,    der  Dorn  Steche,    wie  schöne  Hosen  er 
trage,  und  die  Galle  bleibe  bitter,    wie  viel  Honig  man  darauf  streiche: 
er  betbeoerte  dagegen  seine  herzliche  Liebe,  und  Hehle  um  Erwiederung. 
Sie  achtete  sein  Wort  so  gering,  als  <  ine  Heere;    erinnerte,   dafs  er  ihr 
Mite  Nachstellung   gedroht,    und   boi  ihm  eben  so  stite  Gegenwehr. 
Bf  erkürte,  er  ringe  nur  nach  ihrer  Huld.  Sie  nannte  ihn  einen  klugen 
Fiten*,  rühmte  sich  aber  auch  der  Schule,  sie  habe  dei  Minne  Buch 
gelesen,   und  Mi   längst  gewesen,    «<>  u  bin  wolle;   er  sei  ein  Thor, 
und  wähne,   ifc  raeb  zu  bethören     ile  wolle  nichts  mehr  hören.    Fr 
Bebte,  dafs  sie  »ein  Herz,  dai  sie  mil  der  Minne  Pfeil  verwundet,  dureb 


ihren  Rosenmund  heile.  Sie  trotzte  seinen  losen  Heden  ,  und  wenn  er 
noch  viermal  so  schlau  wäre.  Kr  wollte  gern  schweigen,  wenn  er  nur 
einmal  sie  küssen  dürfte.  Sie  höhnte:  ehe  sie  ihm  ein  Leid  geschehen 
liefse,  lieber  liefse  sie  ihn  stäupen  und  scheeren  ,  und  drohte,  ihm  ein 
Bad  zu  bereiten,  und  es  ihrem  Manne  zu  sagen.  Er  ergab  sich  gänzlich 
ihrem  Willen,  und  wenn  ihm  das  Herz  nicht  breche,  werde  ersieh 
erstechen. 

Als  sie  ihn  so  herzlich  und  standhält  sah,  gereute  es  sie,  dafs  er 
um  sie  sterben  sollte,  und  hiefs  ihn  gehen,  bevor  ihr  Mann  käme.  Er 
wollte  nicht  ohne  Trost  sie  verlafsen  ;  sie  verhiefs  ihm,  sich  mit  ihrem 
Herzen  zu  beralhen  ,  und  ihm  bald  Kunde  zu  goben :  da  ging  er  fröh- 
lich von  ihr.    In  demselben  Augenblicke  kam  auch  der  Mann. 

Die  Frau  besprach  sich  nun  mit  ihrem  Herzen,  und  dieses  rielh  ihr. 
dem  Werbenden  zu  gewähren,  um  sein  schmerzliches  Leid  und  seine 
herzliche  Liebe.  Auf  den  Einwand  der  Ehre  antwortete  das  Herz:  um 
die  Liebe  solle  man  Leib,  Gut  und  Ehre  wagen;  die  Liebe  gebot  Gott 
selber;  sie  ist  stärker  als  der  Tod.  Endlich  in  Betreff  des  Ehemannes 
rielli  das  Herz,  alle  Schuld  eben  nur  dem  Herzen  zu  geben,  das  un- 
widerstehlich sei.  So  folgte  die  Trau  ihrem  Herzen,  und  bat  nur  um 
Geheimhaltung,  die  das  Herz  verhiefs,  wofür  die  Frau  seine  Wunden 
\on  Venus  Pfeile  zu  heilen  versprach. 

Sie  sandle  nun  nach  dem  Schüler,  umarmte  ihn,  und  ergab  sich 
ihm  ganz  zu  Willen:  nach  herzlichen  Küssen  gingen  sie  in  die  Kammer; 
und  was  sie  darin  thaten  ,  davon  will  der  Dichter  nur  sagen ,  dafs  es 
ihm  selber  lieber  wäre,  denn  tausend  Pfund  Goldes.  Als  der  Schüler 
wieder  herausging,  erblickte  ihn  der  Ehemann,  der  gerade  heim  kam. 
Dieser  befragte  die  Frau  deshalb,  und  sie  machte  ihm  weifs  ,  der  Schüler 
habe  ihr  drinnen  einen  Brief  gegen  das  Zahnweh  geschrieben;  wie  er 
noch  öfter  thun  müfsc,  weil  es  so  gut  wirke.  Ein  andermal  sah  ihn 
der  Mann  wieder  aus  der  Kammer  kommen,  und  meinte,  er  schriebe 
eine  üble  Schrift:  sie  gab  vor,  er  habe  ihr  den  Husten  geheilt,  was 
heimlieh  geschehen  müfse.  Der  Mann  liefs  es  gut  sein,  gab  aber  fortan 
schärfer  Acht;  und  als  er  abermals  den  Schüler  von  seinem  Weibe 
kommen  sah  ,  wollte  er  im  Zorne  sie  tödten.  Sie  entschuldigte  sich, 
und  da  er  sich  auf  den  Augenschein  berief,  wodurch  er  wifse  und  nicht 
glaube,  führte  sie, ihn  über  einen  nahe  stehenden  Wafscrzuber,  worin 
er  sie  und  sich  ersah,  da  hiefs  sie  ihn  hineingreifen,  sich  von  der 
Nichtigkeit  des  Scheins  zu  überzeugen,  und  äffte  ihn  somit,  dafs  er 
nicht  glaube  was  er  sehe,  bevor  er  es  nicht  mit  Händen  greife. 


XXVI. 

Vrouwen   list. 


Diz  buechel  hei3et  vrouwen  list: 
Got  herre  uns  selben  bi  ist. 


^IVelt  ir  hceren  ein  hübsche3  maer' 

von  einem  stolzen  schuolaer': 

Der  hat',  als  ich  verrihtet  bin, 

darnach  gewendet  sinen  sin, 
5  Da3  er  reiner  tugende  wielt, 

die  er  in  sin  herze  vielt, 

Da3  im  65  stnem  munde 

nie  ze  keiner  stunde 

Entran  ein  unbesniten3  wort. 
10  er  hct'  sich  lan  ut  tode  ermort, 

E  er  kein  unzuht  hct'  gcstift. 

vor  vröuden  reht  als  ein  vergift, 

Vloch  er  snrede  geselleschaft; 

wan  er  vorht(e),  da3  er  behaft' 
15  I  Dd  m<1i  verwurre  in  bw.scn  siten , 

<la,3  er  mit  Untugenden  wurd'  vcrsniten. 

Wan  mit  den  guoten  wirt  man  guol  . 

und   bOMC   bi   dem,  der  bCMÜCfa  tUOt. 

Swi   man   vnnnwn  übel   sprach, 
20  da-,   *  herzen  un^cmach, 


88  XXVI.   irauctilHl. 

Da3  wider  ret'  er  immer, 
und  sprach:  »man  sol  nimmer 
Vrouwcn  übel  sprechen, 
min  herze  möhl'  e  brechen, 

25  Swen  ich  hoerje]  solhe  koese. 
ist  ir  einiu  boese. 
So  sint  tüsent  oder  mer, 
den  niht  so  liep  ist,  als  ir  e*J, 
Die  niht  durch  aller  werlde  guot 

30  wolden  velschen  iren  muot 
Und  ir  herze  reine; 
der  vindet  man  niht  eine. 
Swer  den  vrouwen  übel  spricht . 
mit  dem  hän  ich  keine  pfliht; 

35  E3  ist  ein  schänden  wernder  sit'. 
er  un£rt  sich  selbe  damit, 
Wan  wir  sin  alle  vrouwen  kint, 
tump  stnes  herzen  sinne  sint, 
Fr  sult  da3  (wi33en)  sunder  spot, 

40  swer  vrouwen  cr[e]t  und  minnet  Gol, 
Da3  sin-ende  v\ir(de)t  guot: 
übel  im  geschiht,  swer  des  niht  tuot. 
Wir  sul[le]n  die  vrouwen  eren, 
und  ir  lob  niht  verseren; 

45  Wan(de)  Got  mit  sinem  wort 
(im)  beschuof  die  engel  dort: 
Solch[e]  genäde  er  an  uns  begie, 
da3  er  si  gap  vür  engel  hie.«  — 
Mit  zühten  er  sich  zäfte; 

50  selben  er  sich  strafte, 

Swen  sin  herze  in  valle  neik 
gegen  Untugenden,  dawider  treifc 
Sin  stolzen  muot  en  vollen, 
sin  herze  was  unbcwollen 

55  Mit  der  untugende  scham(e), 
wand  der  tugent  säm(e) 
Gewurzelt  het  so  sere 
darinne,  da3  zuht  und  cre 


XXVI.    frauctüift.  89 

ßluet'  «3  sines  herzen  grult . 
fiO  da3  was  siner  saelden  guft. 
Der  selbe  stolze  schuoleer', 

von  dem  getihtet  ist  da3  maer'. 

Der  was  einer  vrouwen  holt. 

da  von  (sin)  herze  smerzen  dolt\ 
65  Diu  was  unmä3en  schoene.  • 

und  da  bi  ouch  gar  hoene, 

Ouch  was  si  an  geburt  so  hoch, 

das  in  sere  dar  ab  zöch, 

Da3  er  sines  herzen  gir 
70  mit  rede  niht  torste  künden  ir. 

»Eijä«,  däht'  er  in  dem  herzen  sin 

»törsf  ich  reden  den  willen  min. 

So  muest'  mir  sorge  wilden, 

min  vröude  mueste  zwispilden: 
75  Ob  min  mu(n)t  nü  sprichet  iht . 

si  stet  mir  als  lange  niht, 

Da3  ich  vol  ende  min  wort; 

so  sprich'  ich,  min  sin[ne]  der  tört, 

Ich  wei3,  si  ist  so  tugenllich, 
80  da3  si  niht  versmaehet  mich; 

Ir  tugent  darzuo  twinge[n]t  sie, 

tuot  si  mir  niht  mer,  da3  si  doch  ie 

An  minen  Wörtern  inne  wirt, 

da3  mir  ir  lip  trüren  birt, 
85  Und  wa3  min  herze  leides  dolt 

davon,  da3  ich  ir  bin  so  holt.« 

Do  gedaht'  er  sider  her  wider: 

»si  ist  ze  hoch,  und  ich  ze  nidei 

Ich  hört  e)  sagen,  da3  der  viel. 
00  der  ze  hoch  sttgen  wiLa 

Er  bcgunde  aber  bei  wider  heben:  ' 
~j  ist  gn">5er  dink  geschehen. 

Wan  «»b  d;i3  geseh.ehe; 

^n\i«'  si  mir  si  ze   wahr 

1  Ornci    ]ili.|, 


90  XXVI.  Jratstttlift 

95  Doch  wil  ich  dar  an  niht  verzagen, 
ei,  liebe3  herze,  wir  sullen'3  wagen.« 
Er  däht'  im  aber:  »leider, 
snoede  sint  min  kleider, 
Dar  umb  si  liht  versmaehet  mich, 
100  da3  ich  bin  arm,  und  si  ist  rieh.« 
Wider  sich  selben  er  aber  sprach: 
»die  gedanke  die  sint  swach, 
Kwaem'  ich  in  irs  herzen  schrin, 
e3  diuht'  si  alle3  Scharlach  sin. 
5  Wie  ob  si  03  iren  vriunden  klaget, 
und  ouch  irem  wirte  saget, 
So  möht'  ich  leben  unde  lip 
Verliesen  durch  da3  reine  wip. 
Nu  hin,  da3  wil  ich  alle3  wägen, 

10  wird'  ich  durch  die  scheene  erslagen, 
Da3  ist  niht  ein  gro3e  not; 
ich  wei3  doch  wol,  da3  mich  der  tot 
Immer  mer  niht  leben  lät; 
darumb(e)  wirt  sin  vil  guot  rät  — 

15  Z'wär,«  däht*  er  »ich  wil  dar  ab  län, 
e3  mag  doch  nimmer  vür  sich  gän; 
Wil  ich  niht  von  dem  willen  treten, 
da3  mag  mich  mit  schänden  weten.  — 
Dar  umb  ich'3  nimmer  lä3en  wil; 

20  ich  hän  da  von  gehoeret  vil, 

Swarnäch  der  man  mit  staete  rank, 
da3  im  (iedoch)  ein  teil  gelank, 
Ob  t\3  im  niht  alle3  werden  kan;    , 
ich  wil  üf  den  selben  wän 

25  Versuochen  min  gelükke: 
wie  ob  min  saelde  vlükke 
Wir(t)  von  ir  tröstes  stiuren! 
swa3  mir  von  der  gehiuren 
Geschiht,  des  hän  ich  mich  verwegen. 

30  ich  möhtc  so  lange  swigens  pflegen, 
Da3  ich  gar  verdürbe, 
oder  vor  leide  stürbe: 


XXVI.  frmienlifi.  91 

Vil  ofte  ein  dink  verdirbet, 

da5  man  niht  enwirbet.  ■ 
135  Davon  ich  sin  lä^e  niht, 

swa3  halt  mir  da  von  geschiht. 

Entwerf'  ich  wider  ir  kiusch'  ilil  nü, 

se,  wa3  sprichet  si  dar  zu? 

Min  sin  der  ist  daran  verirt; 
40  ich  weig  wöl,  das  diu  guote  wirt 

Zürnen  und  mir  tragen  ha3. 

verwär,  s6  waer'  mir  verre  bas, 

Da3  ich  begraben  waere, 

e  ich  ir  hulde  enbaere; 
45  Nein,  si  ist  so  tugentsam, 

si  wirt  mir  nimmer  dar  umbe  gram. 

Solt'  si  mir  triuwe  gelden 

mit  untriuwe  und  mit  scheiden, 

Daran  het'  ich  vil  schiere  erspurt, 
50  da3  sie  ein  boese  äder  ruort'; 

Da,3  tuon(t)  die  ungeslahten; 

son'  enwold'  ich  niramer  ahten 

Der  liebe,  die  ich  hän  getragen 

zuo  ir,  und  wold'  ouch  nimmer  klagen, 
55  Das  mir  ie  waer(e)  worden  kunt. 

des  trouw'  ich  dir  niht,  roter  muut ! 

Ktslichiu  sich  ein  wile  vrist 

mit  wollen,  allc,3  durch  (den)  list, 

D.13  si  nn  erde  innc, 
GO  wie  des  inanncs  sinne, 

D  muot  und  ouch  sin  herze  ste; 
»Ich  triegen2  d.13  tue!  sanfte  w^. 

Ob  cr'3  mit  triuwen  meine. 

ob  .si  der  il  eine, 
<>o  Da-  lief  ich  schier  au  ir  \einomeii . 

w.'rr'  ich  init  ir  /<:  rede  körnen: 

Dar  ii  r  kau  ich  mich  Kerstan, 
>mi  ich  mkh'fl  mir  genietet  baa 

Vtrgi    H  Minnei   1    f6fl 


92  XXY1.    Sraueiilifl. 

Vil  liebe3  herze ,  nü  wis  vrö . 

170  03  muo3  reht(e)  wcsen  so, 

Ich  wil  reden,  und  wil  e3  wägen, 
sold'  ich  zc  lüde  werden  crslagen.« 

Er  sach  eines  morgens  vruo 
Die  vrouwen,  und  sprach  ir  lipplich  zuo: 

75  »Got  grue3'  iueh,  liebe  vrouwe  min!«  — 
»des  sul[le]  wir  alle  vroilich  sin. 
Ich  pruev(e)  wol  üf  disem  spor 
hie  vuor  ouch  einer  gestern  vor.« 
Diz  was  ir  antwurt,  hönsohaft  vol. 

80  dö  däht'  der  schuoler:  »C3  wil  wol.« 
Des  andern  (tages)  er  niht  vermeit, 
dö  er  si  sach,  er  was  gereit, 
Da3  er  von  dem  houpt  den  huot 
lie3  vliegen  und  sprach :  »vrouwe  guol , 

85  Da3  iueh  min  engel  grue3e!«  — 
»so  me3t  uns  siben  vue3e, 
Da3  sint  tri  und  vier(e), 
die  andern  kumen(t)  schier(e).« 
Da3  was  aber  ir  antwurt  dö. 

90  des  dritten  tages  kom  e3  also, 
Da3  er  die  vrouwen  aber  sach, 
mit  sinem  gruo3  er  ir  zuo  sprach. 
Da3  was  der  vrouwen  gar  unmacr', 
si  sprach:  »si  kument  nimmer  her.«  — 

95  »Wer?«  sprach  er  »vrouwe  milde.« 
si  sprach :  »die  heiden  wilde.« 
Dar  nach  kurzlich  aber  geschaeh  , 
da3  er  ir  zuo  mit  gruo3e  sprach: 
Smaehlich  si  sich  umbe  kart' 
200  und  sprach  ze  der  dirnen:  »liebe,  wart', 
Wer  uns  gruc3e,  dem  danke  du; 
ich  bin  ein  teil  zc  krank  dar  zuo, 
Mir  ist  in  dem  houbet  we; 
red'  ich  den[ne]  vil,  sin  wurde  me.« 
ö  Ein  ander  mal  C3  aber  kwam, 
da3  er  sie  gruo3tc  in  hönsam  * 

»  L, •<*,•!■  gruozle  hovesara 


XXYI.  fraufnliff.  93 

Des  het  si  aber  iren  spot, 

und  sprach:  »da3  e$  iu  nimmer  Got 

Vergelde,  da3  ir  so  gruessam  stt; 
210  so  habt  ir'3  vor  iu  lange  zit.« 

Mit  dem  gezenke  was  im  wol, 

er  sprach:  »vrouw(e),  tugentvol, 

Swer  den  vogel  vähen  wil, 

der  mu03  im  (legen)  strikke  vil, 
15  Da3  er  sich  darinne 

verwerre  und  niht  entrinner 

Er  darf  guoter  sinne  wol, 

der  ein  solch  tier  vähen  sol.« 
Diu  wort  si  in  ir  herze  nam , 
20  und  dö  si  an  die  her  berg'  kwam ., 

In  die  kemenäte 

gienk  si  ein  (vil)  dräte, 

Vil  vaste  si  sich  darinne 

\ersl03,  irn  VI13,  ir  sinne 
25  Leget'  si  darüf,  wa3  disiu  wort 

meinten,  diu  si  het'  gehört. 

Si  törte  rehte  sam  ein  kint; 

als  [si]  vrouwen  vürwizz(ik)  sint, 

Ir  wart  so  swinde,  und  we  darnach, 
30  da3  si  zuo  der  dirne  sprach: 

»Vil  liebe  mine,  lose  her, 

sende  uns  nach  dem  schuoler, 

Der  uns  gruc3ct  so  gerne, 

da3  ich  von  im  lerne 
35  Kin  dink,  da3  ich  ie  wi33en  sol; 

des  darf  ich  Ü3  der  ma3e  wol.« 

Da3  tot  diu  dirn'  mit  willen  gar, 

si  gieng  nach  im;  er  kom  dar. 

Diu  vrouwe  hie3  in  \vil[le]  komeu  sin. 
40  er  sprach:  »vrouwe,  wa3  dürft  ir  min? 

Da3  iuwer  tilgend  und  iuwer  zulit 

von  iuwern  gnideD  des  gemocht . 

Da3  ir  nach  mir  habt  gcsant; 

und  wa;r'  ich  in  dem  vierden  laut, 


94  XXVI.   frauenlif*. 

245  Ich  wolde  gerne  körnen  her; 

ich  \vei3  wol,  03  sint  vremdiu  maßr'.« 
Do  sprach  diu  vrouwe  minnenklich: 
»iuwer  wort'  der  wundert  mich, 
Diu  sint  so  seltssen,  diu  ir  sprächt; 

50  da  [ha]  nun  ich  sider  üf  gedäht. 
Wa3  ir  damit  meinet, 
da3  ir  mich  des  bescheidet.«  l 
Er  sprach:  »ich  \vei3  niht,  wa3  ich  hau 
geret.«     diu  vrouwe  wol  getan 

55  Sprach:  »ir  sagt  von  einem  tier.ee 
er  sprach:  »entriuwen,  da3  sit  ir. 
Ich  lege  darüf  minen  sin, 
swä  ich  in  der  werlde  bin, 
Mit  allem  VÜ3  ich  ringe, 

60  wie  ich'3  darzuo  bringe, 

Da3  ich  iueh  in  der  minne  strik 
wurre,  da3  ich  benäh'  den  sik. 
Vrouwe,  swen  iueh  min  ougen  sehen, 
so  möht(e)  mir  niht  lieber  gesehen; 

65  Vor  liebe  spilt  da3  herze  min 
in  minem  libe  sunder  pin, 
E3  wirt  so  ganzer  vröuden  vol, 
e3  wei3  niht,  wie  e3  gebären  sol, 
E3  kan  nirgen  beliben, 

70  e3  wil  vor  liebe  zeklieben, 
Geloubet  mir,  da3  ich  iu  sag(e) 
die  liebe,  die  ich  zuo  (z')iu  trag(e), 
Die  mak  kein  herze  durch  denken  niht , 
menschlich  mu(n)t  e3  niht  wol 2  spricht; 

75  Des  sult  ir  mich  genie3en  län, 
vrouwe,  da3  stet  iu  wol  an.« 
Si  sprach:  »ja,  ist  da3  diu  not? 
der  hoch  vart  über  heb'  iueh  Got; 
Ir  habet  erraten,  stiget  herab.« 

80  solhe  antwurt  si  im  in  hönschaft  gap 

»  mir  da3  besclieinel? 

2  beste)    vol. 


XXVI.  frattenlift.  95 

»Sint  da3  ich  e$  iu  sagen  sol, 
Swenne  dem  esel  ist  ze  wol, 
So  get  er  tanzen  üf  da3  1s : 
^  ir  sult  wi33en,  waer'  er  wis', 
285  Er  gieng'  lieber  verre  von  dan. 
dem  selben  habt  ir  glich  getan, 
Do  ich  iu  gunde,  durch  min  zuht, 
ze  reden;  nü  habt  ir  mich  versuocht: 
Da3  ir  suocht,  des  vint  ir  niht, 
90  iuwer  rede  ist  gar  en  wiht. 
Wa3  habt  ir  gewunnen  dran? 
e5  ist  be33er  vor  gelän; 
Het  ir  geswigen,  wi^et  da3, 
ir  het  min  hulde  liht  des[ter]  ba3. 
95  Der  vogel  sich  selben  triuget,         % 
der  von  dem  neste  vliuget 
Ze  vruo,  der  wirf  der  kinde  spil; 
da3  seihe  ich  iu  geliehen  wil: 
Ich  heere  wol,  ir  sit  ein  kint. 
300  des  iuwer  wort  ouch  kintlich  sint.«  - 
>Jch  bin  ein  kint,  da3  ist  war, 
dar  umbe  ich  kintlich  gebär'; 
Diu  kint  redent  mer  die  warheit; 
^  swarzuo  ir  kintlich  sin[ne]  si  treit, 
5  Darnach  strebent  si  sere  : 
also  muo3  ich  immer  mere, 
Nrouwe,  nach  iuwern  holden  streben. 
'Ii'-  wile  ich  einen  tak  sol  leben. 
Svva  diu  kint  gevallent  an. 
M  muelich  man  si  dar  ab  kan 

Geräten  mit  biten  und  mit  vle[he]u, 
f\5  muo.5  üäeh  irem  willen  gen: 
I)er  selben  kint  ich  eines  '*'"? 
dag  nimmer  niemen  minen  sin 
"5  Ab  gerihte[n]  tag,  noch  naht, 
'■5  "'   ^iim',  als  ich  bin  gedaht«  — 

»Habt  ir  aber  wrnomeii  iht, 
wie  dem  kinde  dan  getdübt? 


%  XXVI.  franenltft.  j 

Sprach  diu  vrouwe  wol  getan. 
^-0  »swen  sie  niht  von  dem  kriege  laut, 

Man  zühtigt  sie  dar  umb  also , 

beide,  mit  siegen  und  mit  dm, 

Da3  sie  lieber  äne  pin 

möhten  mit  gemache  sin.« 
25  Er  sprach:  »liebe  vrouwe  miny 

swa3  ich  smerzen  oder  pin 

Durch  iuwern  willen  lide, 

darumbe  ich  niht  vermide, 

Ich  trag'  iu  immer  holden  muot, 
30  vrouwe  her',  swie  ir  mir  tuot; 

In  dem  muot  ich  sterben  wil, 

e3  ist  mir  ein  wunnen  spil, 

Ob  durch  iuwern  willen  iht 

ungemaches  mir  geschiht; 
35  Ze  tröst(e)  hän  ich  iuh  erkorn, 

ich  bin  ze  dienst(e)  iu  geborn 

Immer  al  die  wile  ich  hän 

von  Got  da3  leben;  und  swen  ich  dan 

Sterbe,  so  sol  diu  sele  min 
40  iu  under  tan  mit  dienest  sin 

In  jener  werlt,  als  [ichj  hie  den  *  lip.« 

dö  sprach  da3  wol  gemachet  wip: 

»Der  dorn  vil  schoener  rösen  birt, 

des  stechen  doch  vil  sere  swirt; 
45  Da  vor  sol  ich  mich  hueten  noch. 

diu  galle  was  ie  bitter  doch, 

Swa3  man  honiges  darüf  streich: 

iuwer  smieren  wirt  niht  weich.«  2 

Er  sprach :  »vrouwe  tugent  rieh  9 
50  ir  sult  niht  erkennen  mich 

Vür  einen  glihsenaer(e) ; 

e3  sol  mir  sin  unmaer(e), 

•  besser  der. 

2  Hier  hat  die  Kotoczaer  Abschrift  noch  40  Reimzellen ,  offenbar  Ein- 
schiebsel des  Abschreibers ,  wie  Inhalt  (Fortsetzung  des  Gesprächs  und  Entschfuss 
der  Frau  zur  Gewährung)  und  auch  die  Reime  bezeugen. 


XXVI.  itttufitlilt.  97 

Da3  ich  rede  mit  dem  munt, 

da3  dem  herzen  si  unkunt, 
355  So  enwerd'  ich  nimmer  sorgen  vrt, 

ob  iht  valsches  da  bi  st. 

So  liebe3  liep  wart  mir  nie  kunt, 

liebe  get  Ü3  des  herzen  grünt, 

Alles  valsches  äne. 
60  eijä,  sue3e  wol getane, 

Min[e]s  herzen  tröst,  min  keiserin, 

lä3t  mieh  in  iuwern  hulden  sin.« 

Si  sprach:  »ich  gib(e)  niht  ein  ber[e] 

umb  iuwer  rede;  mich  wundert  serfej, 
65  Da3  iuch  der  rede  niht  bevilt, 

min  vriuntschaft  sol  iu  wesen  wilt, 

Ich  kan  sin  niht  verswigen; 

ir  sprech[e]t,  ir  wellet  kriegen 

Mit  mir,  und  weit  niht  ab(e)  län, 
70  iu[we]r  wille  mue3e  viir  sich  gän: 

Ich  kan,  des  geloubet  mir, 

kriegens  als(ö)  vil,  als  ir, 

Ich  kriege  mit  iu  immer  me, 

und  besehe,  wes  kriek  viir  ge\«  — 
75  »Also  sult  ir's  niht  verstän.« 

sprach  er  »vrouwe  wol  getan: 

Anders  krieges  ich  niht  pflege 

wider  iuch,  wan  da3  ich  allewege 

Mit  \li3e  darnach  ringe, 
80  da3  mir  so  wol  gelinge, 

Da3  in  min  dien(e)st  wol  behage, 

da3  ist  min  trahten  alle  tage. 

Vrouwe  here,  da3  ist  der  strlt. 

den  wil  ich  haben  ze  aller  zlt.cc  — 
85  »Ir  sit  ein  kluoger  vuhs,  aleine 

e3  iuch  wider  mich  helfe  kleine. 

II  bin  ich  ouch  ze  schuolc  gewesen, 

und  hän  »der  Minnen  buoch«  gelesen; 

S\\;i  ir  hin  weit,  da  bin  ich  um 
90  gewesen,    ir  slt  ein  rehtei  tör', 

v.  d    Haft  ....,!/.•......,       ||  ' 


98  XXVJ.  Sraurnltfi. 

Üa3  ir  iuch  des  nemet  an. 
da3  muelich  mak  vür  sich  gän; 
Ir  sult  iuch  der  rede  ma3en, 
[und]  mich  sin  vür  ba3  erlaben , 
395  Ich  wil  sin  nimmer  hoeren: 

ir  waent,  ir  sult  mich  toeren.«  — 
»Kein  törheit  suoch'  ich  an  iu  niht; 
ich  \vei3  wol,  da3  min  herze  bricht 
Von  bitterlicher  kwale; 
400  mit  der  minnen  strale 

Habt  ir  min  herze  troffen; 
diu  wunde  stet  noch  offen, 
Diu  nimmer  mak  gehcilen. 
ir(n')  wellet  mit  mir  teilen 
5  luwern  minnenklichen  lip. 
noch  troestä  du  mich,  sselik  wlp! 
Wiltu,  ich  wird(e)  wol  gesunt; 
hilf,  rösen  varwer  röter  munt!«  — 
»Ir  kunt  loser  rede  genuok: 

10  und  wser(e)t  ir  vier  stund  als  kluok, 
Ir  verkert  niht  minen  muot; 
da  von  weset  hoch  gemuot.«  — 
»Vrouwe,  ich  rede  an'  valschen  list, 
da3  mir  umb  da3  herze  ist: 

15  Der  rede  wold'  ich  geswigen, 
möhl*  ich  mir  da3  erkriegen, 
Da3  ich  kusle  ze  einer  stunt 
iuwern  rösen  röten  munt.«  — 
»Se ,  wa3  het'  ich  an  iu  ersehen! 

20  e  ich  iu  lie3'  ein  leit  gesehen, 
Ich  lie3'  iuch  villen  unde  schern. 
z'wär,  weit  ir  sin  niht  enbern, 
lu  wirt  von  mir  ein  bat  bereit, 
da3  iuch  beriuwet  und  wirt  leit: 

25  Ich  wil  e3  minem  wirte  sagen, 
und(e)  wil  sin  niht  verdagen.«  — 
»Vrouwe,  dar  umb  tuot,  swa3  ir  weit; 
min  herze  sich  (vil)  sere  kwelt 


XXVI.   frautnlifi.  99 

Nach  iu,  da3  ich  niht  lange  lebe, 
430  ob  ich  in  solhem  leide  strebe 

Die  lenge,  vroufwe],  so  bin  ich  tot. 

e  ich  lebte  in  solher  not, 

Wolf  mir  da3  herz[e]  niht  brechen. 

ich  wold'  mich  selbe  erstechen.« 
35      Do  da3  geprueft  diu  vrouwe  guot, 

das  sm  herze  und  ouch  sin  muot 

In  ganzer  liebe  [so]  staete  was, 

die  liebe  si  in  ir  herze  las, 

Und  bedähte  gar  ebene, 
40  ob  er  von  dem  lebene 

Durch  ir  willen  kwaeme, 

da3  ir  da3  niht  enzaeme. 

Si  sprach:  »get,  da3  ist  iuwer  vrum', 

e  da3  min  man  er  heim  her  ■  kum'.« 
lo  Si  waere  gerne  von  im  erlöst. 

er  sprach:  »ich  kum'  niht  ungetröst 

Von  iuwer  gnaden,  sue3e3  wip.«  8 

dö  sprach  da3  wunnen  bernde3  [schoen]  wip: 

»Nu  tuot  ein  dink,  da3  wol  stät, 
50  unde  get.     ich  wil  nemen  rat 

Darüber  zuo  dem  herzen  min; 

und  wa3  e3  danne  mag  gesin, 

Da3  sag'  ich  iu  in  kurzer  vrist, 

als  liep  min  vröulich  ere  mir  ist.« 
55  Des  wart  er  vrö,  und  schiet  von  dan. 

sä  ze  hant  dö  kwam  der  man. 
Diu  vrouwe  gie  ze  rate, 

beidiu,  vruo  und  späte, 

Mit  irem  herzen  unde  rank 
60  mit  der  liebe,  diu  sie  twank, 

Si  sprach:  ^Iicbe3  herze  min, 

wa3  dunket  dich  da3  beste  sinV 


i  Hrjm   man  her  heimo 
»  Ufjtei   fuejcr  lij) 


100  XXVI.  frauenlitf. 

Rät,  wie  ich  gebare, 
da,3  ich  min  ere  beware.« 
465  Ir  herze  antwurt'  ir  des  schier 
und  sprach:  »wiltu  volgen  mir. 
So  tuostu  niht  wan  des  er  gert; 
wan  des  ist  er  (vil)  wol  wert; 
Dar  zuo  soltu  niht  werden  la3.«  — 

70  »wämit  hat  er  verdienet  da3?« 
Sprach  diu  vrouwe  »herze  min.«  — 
»da  hat  er  smerzen  unde  pin 
Durch  dinen  willen  vil  erliden; 
den  tot  den  het'  er  niht  vermiden, 

75  Sol(de)  er  in  durch  dich  kiesen; 
des  sol  er  niht  Verliesen.« 
Do  sprach  diu  vrouwe  wol  getan: 
»wie  stuend'  da3  minen  eren  an? 
Möht'  ich  da3  verwinden  [w]ie?« 

80  dö  sprach  da3  herze  wider  sie: 
»Man  sol  durch  vriundes  liebe  vil, 
als  ich  dich  verrihten  wil, 
Wägen,  lip,  guot,  ere. 
noch  hnere  ein  ander  lere: 

85  Ist  er  dir  holt,  so  wis  im  sam; 
reinen  vrouwen  da3  ie  zam; 
Die  liebe  selbe  Got  gebot: 
diu  liebe  ist  sterker,  den  der  tot.« 
Si  sprach:  »du  weist  wol,  da3  ich  hin, 

90  vil  liebe3  herze,  einen  man, 
Der  mir  ist  zu(r)  e  gegeben; 
dar  umbe  bedenke  dich  vil  eben, 
Da3  din  rät  darüber  si, 
da3  ich  werd[e]  der  eren  vrt.« 

95  Da3  herze  aber  antwurt'  ir 

und  sprach:  »gib  die  schulde  mir, 
Sprich:  min  herz[e]  mich  dar  zuo  twank. 
e3  wil  dar,  an'  minen  dank, 
Ich  muo3  im  sinen  willen  län, 

500  sint  ich  im  niht  erweren  kan.« 


XXVI.  iraurnl.fi.  101 

Si  sprach:  »ich  wil  volgen  dir.  , 

da3  du  hast  geraten  mir. 

Nu  gib  mir,  herz[e],  die  sinne, 

da3  man  sin  niht  werde  innc, 
505  Da3  mir  niht  ein  ungemach 

da  von  entste.«    da3  herze  sprach . 

»Din  sorge  die  sin  kleine, 

dar  umb  lä  mich  eine 

Sorgen,  nü  unt  ze  aller  vrist; 
10  ich  kan  wol  so  mangen  list, 

Dä3  ich  dem  man  enpfuere , 

da3  er  dar  nach  geswuere , 

Da3  des  nie  niht  waer'  gesehen, 

da3  er  mit  ougen  het'  gesehen.« 
15  Si  sprach:  »liebe3  herze  min, 

ich  tuon  durch  den  willen  din> 

Da3  du  in  vröuden  werdest  geil 

und  din  wunden  werden  heil. 

Die  Venus  mit  ir  sträle 
20  dir  schÖ3,  davon  du  kwäle 

Lidest  also  bitterlich; 

dar  umb  muo3  ich  erbarmen  mich. 

Ich  hän  alrerst  enpt'unden 

an  dinen  bittern  wunden, 
25  Wa3  ungemaches  im  wirt  kunt. 

den  diu  Minne  reht  verwunt.« 
Nach  dem  schuoler  sande  sie, 

mit  armen  sie  in  umbe  vie, 

Sie  sprach:  »trut  geselle  min. 
30  hiut(e)  sol  der  willc  [sin]  diu 

Erg6o  nach  dlnes  herzen  gir; 

swes  du  muoteo  tarst  an  mir, 

Des  wirstu  \\ illiUlicli  gewert, 

sprich  mir  zuo,  des  din  herze  gerLo 
35  S6  wart,  als  sie  wolden, 

mit  küssen  kus  vergolden 

Liepltcb  von  m  beiden« 

*er  möbte  di«'  gescheiden 


102  XXVI.  irauenüft. 

Die  so  holt  einander  sint, 
540  die  lieb(e)  strikket  unde  bint: 

Wa3  in  an  lip,  [oder]  an  sei'  geschiht. 

des  enruocht  sie  an  in  niht. 

In  die  kcmenäten 

sie  giengen:  wa3  sie  täten 
45  Darinne  dö,  davon  wil  ich 

niht  vür  ba,3  sagen,  wan  da3  ich  sprich'. 

Da3  ich  naem'  ein  solhe  stunt 

vür  rotes  goldes  tüsent  pfunt. 
Do  sie  herÜ3  solden  gän, 
50  dö  kwam  ir  elicher  man, 

Er  sach  vil  wol  den  schuolser', 

nnd[e]  vräget'  die  vrouwen,  wer  er  wser' 

Und  wa3  er  hete  mit  ir  getan 

in  dem  gadem.     sie  sprach  san: 
55  »Sint  ir  da3  wi33et  gerne, 

er  hat  vür  den  zant  swerne 

Mir  geschriben  einen  brief.« 

also  eilet'  sie  den  gief, 

Sie  sprach:  »sie  tuont  mir  nimmer  we. 
60  idoch  muo3  er  mir  schriben  me.« 
Ze  einer  andern  stunt  geschach, 

da3  er  den  schuoler  aber  sach 

U3  der  kemenaten  gän: 

»se,  wa3  hat  der  hie  getan?« 
65  Sprach  er  zuo  dem  wibe. 

»da3  dich  der  tiuvel  schribe! 

Mich  dunkt,  er  schrib'  ein  boese  schritt. 

da3  mir  schand'  und  schaden  stift.«  — 

»Zürne  niht,  vil  lieber  man,« 
70  sprach  diu  vrouwe  wol  getan 

»Er  buo3te  mir  des  huosten; 

dar  umbe  wir  gen  muosten 

An  ein  heim(e)lich(e)  stat; 

wan  den  menschen  niht  verlät 
75  Diu  siuche,  swen  e3  ieman  siht, 

so  hilfet  solhiu  buo3e  niht.« 


XXVI.   /rauenltft.  103 

Er  tet,  als  ein  guot  mau, 

und  lie3  e$  aber  hin  gän ; 

ldoch  begund'  er  prueven  da3- 
580  und  der  vrouwen  hueten  ba3- 

Ein[e]s  tages  kam  er  vür  die  tür. 

und  sach  aber  gen  da  her  vür 

Den  schuoler  von  dem  wibe; 

er  wold'  sie  von  dem  übe 
85  Haben  getan  vor  zorne: 

»du  bist  e3  diu  verlorne,« 

Sprach  er  »sint  ich  niht  enkan 

dir  erleiden  vremden  man!« 

Sie  sprach:  »herre,  wa3  ist  diu  schult, 
90  da3  du  hast  solhen  ungedult?« 

Er  sprach:  »sold'  ich  zürnen  niht 

darumbe,  da3  min  ougen  siht, 

Da3  ich  so  ofte  han  vunden, 

[beide]  nü  unt  ze  [allen]  andern  stunden 
95  Bi  dir  einen  vremden  man? 

üf  min  triuwe,  man  sol  mich  han, 

Ob  ich  dir'3  vertruege 

und  dich  niht  zesluege. 

Z'wär,  swa,5  min  ouge  reht  ersiht, 
600  da3  wei3  ich,  und  geloub[e]  sin  niht.« 

Diu  vrouwe  gunde  in  eff'cn  wol, 

über  einen  zuber  \va33ers  vol 

Vuort'  sie  in,  und  stuont  da  bi : 

..warta,  wa3  dar  inne  si.« 
5  Sprach  diu  vrouwe.     er  sach  dar, 

wa3  da  wa-r\  des  nam  er  war, 

Er  sprach :  "ich  sich  mich  unde  dich.'« 

dö  sprach  diu  vrouwe  minnenklich: 
oGrtf  dar,  wart',  ist  da£  ibl?« 
10  er  greif  dar,  und  sprach:  »nein  <•-,  niht.«   — 
Also  ist  jene-  gewesen. 

lieber  man.  l;'i  mich  genesen, 
l  mir  geloube  nimmer  mc 
Ifaj  du   sihsl .   du  urilesi    . ■-,  £ 


104  XXVI.  JfrauenlipL 

615      Sust  wart  geeffet  der  tumbe  man, 
als  noch  manger  wirt  getan. 
Diz  buechel  hei3et  Vrouwen  list: 
von  leide  scheide  uns  Jesu  Krist'. 


XXVII. 


fraunibeftiinMjjkeit. 


Im  Osterlande  safs  ein  reicher  und  ehrenhafter  Ritter,  der  hatte 
eine  schöne  und  züchtige  Frau,  und  beide  lebten  glücklich  zusammen. 
Da  gerieth  der  Mann  auf  den  unseligen  Gedanken ,  die  Treue  der  Frau 
zu  versuchen.  Er  hatte  einen  getreuen  Edelknecht  üänselein,  den  bat  er 
heimlich,  um  die  Frau  zu  werben.  Der  Knappe  weigerte  es,  der  Herr 
aber  gebot  es  bei  seiner  Ungnade ,  und  wenn  die  Frau  ihm  ihre  Gunst 
gewahre,  wolle  er  (der  Mann;  an  seine  Stelle  treten.  Der  Jüngling  ge- 
horchte ungern.  Er  war  zunächst  um  die  Herrin,  und  machte  sich  ihr 
auf  alle  Weise  dienstlich  und  gefällig:  endlich  bat  er  sie  um  Erlaubnis, 
was  er  schon  lange  im  Herzen  trage,  zu  sagen.  Sie  gewährte,  sofern 
es  bescheiden  sei;  und  er  erklärte  ihr  nun  seine  glühende  Liebe,  die, 
unerwiedert,  sein  Leben  verzehre.  Sie  nahm  es  für  zu  starken  Scherz, 
und  gebot  ihm  Schweigen ,  bei  seinem  Leben.  Er  aber  ergab  ihr  Tod 
und  Leben.    Da  drohte  sie,  es  seinem  Herrn  zu  sagen. 

Der  Knappe  selber  hinterbrachte  alles  seinem  Herrn.  Dieser  hiefs 
ihn  dennoch  in  der  Bewerbung  fortfahren;  und  als  solches  geschah, 
klagte  alsbald  die  Frau  es  ihrem  Manne,  und  bat  ihn,  den  Knappen 
rurecht  zu  weisen.  Der  Mann  wollte  jedoch  dergleichen  nicht  hören, 
und  sich  den  getreuen  Knecht  dadurch  nicht  verdächtigen  lafsen.  Die 
Frau  erschrak  über  diesen  Bescheid,  und  bat  leid  voll  Gott,  sie  zu  be- 
hüten. 

Der  Knappe  setzte  seine  Liebeswerbung  fort.  Die  Herrin  drohte 
ihm  nun,  es  nächste  Feiertage  ihren  Verwandten  zu  klagen;  er  aber 
beharrte,  und  koste  es  auch  sein  Leben.  Die  Frau  bedachte  nun, 
wie  sie  ihre  Ehre  bewahrte,  ohne  das  klägliche  Ende,  da  der  Knappe 
von  ihren  Verwandten  sicher  erschlagen  würde.  Sie  rief  die  Mutter 
Gottes  an  ,  und  fand  einen  andern  Ausweg. 

Als  der  Knappe  wieder  kam.  hiels  sie  ihn  sit/en  ,  und  sagte  ihm 
freundlich  .  seine  Beharrlichkeit  habe  sie  überwunden,  und  sein  Lehen 
sei  ihr  lieb,  weil  er  doch  von  edler  Geburt  sei:  er  möge  des  nächsten 
Tages,  da  sein  Herr  wegreite,  spat  durch  das  (, artlein  zu  ihrer  Kammer 
konnttB,  wo  sie  selber  ihn  einleiten  werde.  Fr  dankte  fröhlich,  eilte 
im  seinem  Herrn  und  UgtC  Ihn  alles.  Dieser  fand  nun  F  r  e  i  d  a  n  k  s 
Spruch  vom   Wankelmnlhe  der  Weibei  bewahrt. 

Die  Iran  aber  enldeckte  alles  heimlich  ihren  Jungfrauen  .  und  bat 
lia      /nr  Bewahrung    ihrer  BhrC    den   frechen    süchtigen    lU   helfen.     Sie 

waren  gen  bereil  dazu;  das  Eammerwelh  annale  drei  derbe EniUel  und 
Ine  Ruthen  herbeischaffen    und  alle«,  eurde  verabredet. 


Am  bestimmten  Sonntag  Abend  schlich  der  Herr  anstatt  des  Knappen, 
dem  er  freundlich  dankte,  zur  Kammerlhüre  seiner  Frau,  klopfte  an, 
nannte  sich  Hänselein ,  und  wurde  in  die  fast  dunkle  Kammer  gelafsen. 
Alsbald  aber  griff  ihm  die  stärkste  der  Jungfrauen  mit  beiden  Händen 
ins  Haar  und  riis  ihn  auf  den  Estrich  nieder;  die  drei  anderen  Jung- 
frauen und  das  Kamnierweib  schlugen  zugleich  mit  den  Stäben  und 
Gerten  dermafsen  auf  ihn  los*,  dafs  nimmer  ein  Hofschalk  so  zerbläuet 
ward:  wie  sehr  er  um  Gnade  rief  und  sich  zu  erkennen  gab,  sie  schlugen 
nur  um  so  stärker;  kein  Turnier  und  Streit  hatte  ihm  so  weh  gethan; 
und  zuletzt  muste  er,  wenn  er  genefen  wollte,  Huld  schwören,  sein 
Lebelang  ihrem  Willen  zu  gehorchen.  Nun  wurde  das  verschaltete 
Kerzenlicht  aufgedeckt,  und  mit  Erstaunen  erkannte  die  Frau  ihren 
leiblichen  Ehemann.  Auf  ihre  zürnende  Frage  bekannte  er  seinen  un- 
seligen Fürwitz  und  die  Verstellung,  und  bat  um  Gnade.  Die  Frau 
schalt  ihn  ernstlich:  wie  sein  zerschlagener  Leib  kein  Mitleid  und 
Pflege  verdiene.  Sie  betheuerte,  dafs  kein  Mann  auf  Erden  lebe,  der 
sie  seiner  Ehre  vergefsen  machen  könne.  Wie  mislrauisch  er  aber  auch 
gegen  sie  gehandelt  habe,  dennoch  wolle  sie  ihm  befsere  Treue  be- 
weisen. Sie  liefs  sogleich  Morgens  einen  Heilkundigen  kommen,  und 
den  Zerschlagenen  mit  Salben  bestreichen,  so  dafs  er  nach  einem 
halben  Jahre  geheilt  war.  Er  lohnte  es  der  treuen  Gattin  fortan  durch 
festes  Vertrauen. 


XXVII. 

Vrouwen    staetikeit. 


Diz  roaere  uns  hie  seit 

von  einer  vrouwen  stretikeit. 


Seltsamer  dinge  vil  geschiht. 
als  man  hoßr(e)t  unde  siht 
Tegelichen  besunder: 
der  selben  vremden  wunder 
5  Ich  eine3  ze  sagen,  willen  hän, 
von  einem  riehen  werden  man , 
Mit  rimen  so  ich  beste  kan, 
und  hebe  also  zem  ersten  an. 
E3  was  in  österlande 

10  ein  ritter  äne  schände 

Gese,33en,  rieh  und  vrüm  genuok. 
der  lobes  vil  und  eren  truok 
Nor  andern  slnen  genügen, 
riehen  unde  blöden; 

15  Der  selbe  edel  biderb'  man 
het  ein  vrouwe(n)  wol  getan. 
Rein  und  onch  wol  gezogen; 
ir  lob  was  also  vür  gevlogcn, 
Der  cdelen  (unde)  stufen  vruht, 

20  d*3  in  Iriosche,  an  stoter  roht 

Fn  dem  lande  bl  der  [selben]   stunde 
der  soeben  niht  geliehen  kunde. 


110  XXVII.  frauenb^äntJtökeit 

Der  ritter  unde  sin  wip 

stalten  ir  leben  und  ir  lip 
25  Nach  triuwen  und  nach  eren. 

nü  begunde  verkeren 

Unheil  des  wirtes  sin, 

üf  der  vrouwen  ungewin, 

Im  selber  ouch  ze  unguote, 
30  da3  er  gedäht'  in  sinem  muote: 

»Mich  wundert  an  der  vrouwen  min. 

ob  si  staete  muge  sin, 

Als  si  kan  gebaren, 

da3  ich  da3  [an  ir]  möhte  ervaren.« 
35  Hoeret,  wie  ein  wunderlich  sin, 

an'  wizze  wol,  verleitet  in. 
Nü  het  der  ritter  einen  kneht, 

der  was  getriuwe  unde  sieht. 

Unde  was  wol  von  der  art, 
40  da3  er  ritters  namen  vart' 

Von  mägen  und  von  [den]  vriunden  sin, 

der  was  gehei3en  Henselin: 

Den  bat  der  ritter  heim(e)lich, 

da3  er  under  wunde  sich 
45  Gewerbes  gein  siner  vrouwen: 

»min  vorderunge  under  houwen  (unverhouwen?) 

Muostu  dar  umbe  immer  hän.«  — 

»herre,  des  sult  ir  mich  erlan 

Durch  iuwer  selbes  ere, 
50  unt  tuot  der  bet'  niht  mere 

Durch  zuht  und  durch  iuwern  pris; 

mich  dunket  diu  bete  unwis,« 

Sprach  der  selbe  jungelink 

»e3  sint  wunderlichiu  dink, 
55  Der  ir,  herre,  gert  an  mich; 

mit  hulden  so  verzihe  ich 

luch  dirre  üppigen  bet', 

diu  nu  gein  mir  iuwer  munt  tet.« 

Aber  dö  der  ritter  sprach: 
60  »ich  jihe  noch,  als  ich  6  jach, 


XXVII.  frauenbeftcinfctgkeit.  111 

üb  du  da.5  an  min  bet(e)  tuost. 

da3  du  des  genie3en  muost; 

Verzihestu  mich  aber  der  bet'. 

swa3  ich  dir  triuwen  ie  getet, 
65  Diu  muo3  dar  umbe  ein  ende  hän. 

doch  soltu  reht  min  bet'  verstän: 

Mäht  du  mit  hübschen  dingen 

e5  immer  dar  zuo  bringen, 

Da3  din  vrouwe  dir  (e)s  gan, 
70  unde  ob  din  muot  erwerben  kan 

Da3  si  dir  ganze  liebe  jiht» 

swenne  so  da3  geschiht, 

Da3  si  dir'3  gehei3en  hat, 

so  wil  ich  treten  an  din  stat; 
75  Davon  so  schat  e3  wenik  dir, 

e3  sol  ouch  wenik  schaden  ir. 

Ouch  wil  ich  dich'.-}  wi33en  län, 

war  umbe  ich  e3  hegunnen  han: 

Da3  ist  dar  umbe  geschehen. 
80  da3  ich  gerne  wil  besehen 

Diner  vrouwen  staetikeit, 

die  man  witen  von  ir  seit, 

Zuo  der  schoene  die  si  hat; 

ist,  da3  si  nü  staete  bestat 
85  Gein  der  rede,  der  ich  dich  wlse, 

da3  wil  ich  [d]ir  zelen  ze  prise.«      ^ 
D6  disiu  seltsaeniu  maere 

der  knappe  hübsch  und  gewaerc 

\ ernnm  von  sinem  herren, 
90  da3  im  niht  mohl'  trewerren 

Der  dienst  den  er  taete, 

ob  CT  sin  vrouwen  [der  minne]  bete 

In  so  verborgener  wlse. 

la*  schaden  und  Ad'  unprise, 
16  I»'»  tei  ir.  ;ils  ein  biderber  kneht. 

er  sprach:  >;hcrre.  ich  bin  gerebl 

lu   ze  dienst  (•;,  swic   m    well. 

wan.  (\;\~}  ich  triulös  geidl 


112  XXV1L  /rauenbe(lantJtökeit. 

Wurde;  da3  waer'  mir  an'  ende 
100  schade,  an'  schände  wende, 
Herre,  b!  iuwern  hulden. 
weit  ir  gerne  dulden, 
Dirre  dinge  waer*  ich  gerne  ab: 
doch  da3  ich  iuwer  hulde  benäh', 
5  So  wil  ich  werben  also  dar, 
da3  mich  darunder  Got  bewar, 
Des  bit'  ich  in  vil  sere, 
min  triuwe  und  ouch  min  ere.« 
Hie  mit  nam  diu  rede  ein  ende ; 

10  der  knappe  hübsch  und  behende 
Was  [an]  siner  vrouwen  waege 
mit  dienste,  und  niht  ze  traege, 
Von  tak  ze  tage  ie  ba3  und  ba3- 
an  einem  tage  gevuogt'  sich  da3, 

15  Da3  si  solt'  von  kirchen  gän, 
als  si  vor  dikke  hete  getan: 
Der  jungelink  des  niht  enlie, 
wen  er  was  der  naehste  ie, 
Eintweder  enneben  oder  bevor 

20  wiste  er  sie  hubschlich  enbor, 

Als  man  noch  tuot,  nach  vrouwen  sit'; 
nü  begunde  er  ouch  hie  mit 
An  der  selben  stunde, 
als  er  beste  künde, 

25  Er  sprach:  »vrouwe  min,  genäde, 

durch  iuwer  tugent,  da3  mir  iht  schad( 
Min  rede,  der  ich  beginne 
[wil]  gegen  iu,  küneginne, 
Als  ich  ir  lange  gedäht  hän; 

30  in  hulden  sol  da3  sin  getan.« 
Diu  vrouwe  tugentrich 
antwurt'  also  zühtiklich: 
»Sage  mir,  liebe3  Henselin, 
wa3  rede  mak  so  dizz(e)  sin, 

35  Da3  du  urloup  nimest  von  mir? 
ich  gunde  ie  wol  ze  reden  dir, 


XXVII.  franenbeßönlJtöhett.  113 

Als  den  andern  knappen  min: 

nü  rede  reht  den  willen  din 

Ouch  gein  mir  in  triuwen  noch, 
140  und  da3  bescheiden  si  (ie)  doch.«  — 

»Genade,  vrouwe  sue3e, 

da3  ich  leben  mue3e 

Die  zit  miner  jär', 

mir  hat  herze  und  sinne  gar 
45  Betwungen  min  gemuete 

iuwer  schoene  und  iuwer  guete, 

In  minen  tagen  jungen 

so  bevangen  und  betwungen, 

Da3  min  leben  muo3  swinden, 
50  ich  (en)muge  genäde  vinden 

Uf  lieplicher  vrouwen  [besser  vröuden)  wän, 

den  ich  lange  gehabt  hän 

Mit  getriuwen  ougen 

gein  iu  in  herzen  tougen.« 
55      Des  antwurt'  im  diu  guote, 

vor  valsche  wolbehuote:  ** 

»Dir  ist  des  Schimpfes  gar  ze  vil, 

davon  gebiut'  ich  unde  wil. 

Da3  du  der  rede  dich  nutest 
60  imd  mich  der  bei'  erlägest, 

Als  liep  so  dir  da3  leben  si.«  — 

»genäde,  vrouwe,  missewende  vri. 

Ich  hän  min  lip  und  min  leben 

in  in  iuwer  genäde  ergeben. 
»>.j  Leben  und  des  tödes  zil 

lldcn.  iwie  iuwer  genäde  wil.a 
DÖ  sprach  diu  reine  minnenklich. 
ilu  bliest  un.sicherlich  [besser  unsinneklieli 

Sint  du  niht  wilt  er  winden, 
70  e.-,  1U1103  diu  berre  befinden, 

Niht  incre   wil  ieli  »In    lagen  , 

noch  in  diseä  zweieo  Lagen«« 

D.i  mit  gie  si  ec  «lern  hose  in. 
im  bete  der  knappe  den  sin, 

O.     d      Huf  'rmu.ru     .)...    '.       ü  O 


114  XXVII.   iMuenbefiänMflkeit. 

175  Da3  er  zuo  dem  herren  gie 
und  die  rede  in  wi33en  lic. 
Er  sprach:  »herre,  min  vrouwe 
ist  so  veste,  da3  ich  getrouwe 
Mit  rede  gein  ir  geschaffen  niht; 

80  wan  si  vil  zornlichen  jiht, 
Si  welle  iu  klagen  über  mich.« 
der  herre  sprach:  »nun  enruoche  dich 
So  vervahe  ich  ir'3  in  der  wlse. 
da3  si  olTenlich,  noch  lise 

85  Mir  sin  geweeheht  nimmer  me.« 
hie  mit  warp  der  knappe ,  als  e, 
Aber  nach  sines  herren  bet\ 
ouch  gie  diu  vrouwe  so  gar  stößt', 
Ze  irem  wirte  zühtiklich 

90  unt  klaget*  im  bescheidenlich 
Und  bat  in  des  z'einer  gäbe, 
da3  er  sulhes  muotes  abe 
Wiste  disen  jungelink. 
dö  sprach  er:  »vrouwe,  al  sulch  dinl< 
-     95  Sult  ir  mir  nimmer  bringen  vür; 
ir  weit,  da3  ich  den  kncht  verlür . 
Des  muest'  ich  immer  schaden  hau; 
hat  er  iu  anders  iht  getan, 
Vrouwe,  des  sult  ir  mir  verjehen; 
200  wan  ich  enhan  nie  (mer)  gesehen 
Ein[en]  kncht  also  gclriuwen. 
des  muest'  er  mich  [immer]  riuwen. 
Ob  ir  im  pruevet  sulhe  not, 
da3  er  mueste  ligen  von  mir  tot. 
5  Davon,  liebe  vrouwe  min, 
mügt  ir  iuwer  klagen  la3en  sin.« 

Der  antwurt  diu  vrouwe  erschrak  . 
si  gelebet'  nie  so  leiden  tak, 
Mauikvall  was  ir  leit, 

10  da3  si  im  die  rede  hete  geseit, 
Und  er  ir's  do  also  vervie, 
vil  nahefn]  ir  da3  ze  herzen  gie: 


XXVIJ.  frttiunbeftünfctghrit  11" 

»Von  himelriche  [vil]  sue3er  Got, 

hilf,  da5  keiner  bände  not. 
215  Noch  laster  üf  mich  werde  gezogen!« 

Der  knappe  hübsch  und  niht  betrogen. 

Aber  nach  sines  herren  rat, 

die  vrouwe(n)  umb  ir  minne  bat 

Mit  gevuegen  worten, 
20  der  kund'  er  vil  an  allen  orten. 

Si  sprach:  »sint  ich*5  han  geseit 

dinem  herren,  und  er  da3  verdeit, 

Da3  er  dir'3  niht  underseit. 

da5  ist  mir  doch  von  herzen  leit; 
•25  Doch  so  wil  ich,  ob  ich  mak, 

als  schier  so  mir  der  vihertak. 

Kumt,  minen  vriunden  klagen. 

da3  si  den  gewerp  dir  under sagen; 

Wiltu  mich  sin  niht  überheben, 
30  du  muost  darumbe  da3  leben  geben.  < 
Er  sprach:  »vrouwe.  ich  wei3  wol . 

da3  ich  sterben  DIU03  und  sol. 

Des  hau  ich  alles  mich  erwegen. 

e  da3  ich  welle  niderlegen 
Vd  Die  rede,  der  ich  begunnen  han; 

min  lip  muo3  ze  pfände  stan: 

Doch  bit'  ich  Got.  da3  ir  iuch  ba3 

\ erdenket,  gerne  hosre  ich  das« 
Tougen  disiu  rede  ergie. 
10  diu  rrouwe  <loch  des  niht  enlie. 

m  entaste  bin  und  bere, 

wi<"  »i  gewiste  d  nähte]  11  1 1 

Ir  leit  was  undei  seheiden 

mit  Eweierhande  leiden, 

_•  •d.ihi'    1  »old'  ich  im  klagen 

minen   \11unden   und   minen  rn.igen 

DUe  wi[ilicl)'  geschiht . 

KM)  enl-r/nl   MC  des   nihl. 

Sic    'ii  lUbeo  in  dar  umb  m  UM 

50  tö   lim   nli  j;irner   unde   nnl 


116  XXVII.   Srautnbtftänttakttt. 

Diewile  ich  lebe  immer  mere; 

verliuse  aber  ich  min  cre, 

Des  hän  ich  laster  unde  spot 

von  der  werlde  und  von  Got. 
255  Nun  enwei3  ich,  wa3  ich  tuo 

beide,  spät  unde  vruo, 

Was  da3  in  irem  sinne: 

v»himelische  küneginne,« 

Sprach  diu  tugentveste, 
60  »nü  [räl'  und]  vuege  mir  da3  besle; 

Des  bit'  ich  dich  vil  sere 

durch  dines  kindes  ere!« 
Nü  sant'  ir  Got  der  guot' 

in  ir  sinne  und  in  iren  muot 
65  Mit  guoten  listen  einen  gedank, 

der  leit  unt  kumber  vor  ir  twank. 

Ouch  was  der  knappe  wise 

dar  komen  so  lise 

Ze  der  vrouwen  mit  vuogen, 
70  mit  spaehen  worten  kluogcn 

Von  herzen  unt  von  munde 

warp  er,  so  er  beste  künde. 

Do  hie3  in  diu  vrouwe  sizzen. 

si  sprach  mit  guoten  wizzen: 
75  »Ich  hoere  nü  wol  din  staetc. 

da3  min  bete,  noch  min  netc 

Min  vlehen,  noch  min  drö 
'  e3  niht  kan  geschaffen  so,     ♦ 

Ich  muo3  der  eren  mich  erwegen, 
80  und  dich  durch  liebe  zuo  mir  legen; 

Des  hän  ich  wol  bedähl  mich, 

da3  dizze  noch  gevueg(e)l  sich, 

E  da3  din  lip  und  din  leben 

dem  töde  durch  mich  wurd'  gegeben, 
85  Und  du  doch  bist  von  edelcr  arlf 

so  wirt  e3  lenger  niht  gespart. 

Nü  merke  reht,  wa3  ich  dir  sage- 

^in    herre  wil  nach  discm  tage 


XXVJI.  frauenbefiäiajtflhett.  117 

Riten,  so  kum[e  ouch]  du  späte 
•290  ze  miner  kemenate 

Durch  das  kleine  gerteliu, 

da  wil  ich  läsen  dich  selber  in. « 
Des  dankte  er  ir-  und  was  s4n  vrö , 

heimlichen  zuo  dem  herren  dö 
95  Er  vil  balde  gähte; 

die  rede  er  im  zuo  brähte. 

Der  herre  sprach:  »diz  seit  ich  dir, 

wiltu  noch  gelouben  mir, 

Die  vrouwen  sint  ir  muotes  krank, 
300  als  uns  saget  der  Vridank, 

Sie  waeren  alle  staete, 

der  ir  keiner  [niht  en]b?ete 

Ir  libes,  noch  ir  minne: 

des  bin  ich  [noch  wol]  worden  inne.« 
ö      Diu  vrouwe  doch  des  niht  enlie, 

eines  tages  si  heimlich  gie 

Mit  iren  junk  vrouwen  in  ir  kemenate 

und  hies  die  tür  sperren  dräte, 

Ein  alte3  kamer  wip  gienk  nach  ir, 
10  si  sprach:   »junk  vrouwen,  helfet  mir, 

Da3  ich  min  triuwe  behalte 

und  ouch  mit  [mlnen]  eren  alte, 

Vls(ö)  ich  her  komen  st.« 

HC  sprachen:   »sagt  an,  vrouwe.  \\i<  ' 
\6  In«,  si  wir  willik  und  bereit. « 

diu  vrouwe  in  dö  vil  rehle  seil'. 

Wie  der  knappe  junge 

von  eren  sie  gerne  verdrunge , 

S6  «1,13  er  ir  minne  gert , 
20  und  d»3  bete  wol  ein  ]ki  jjewerl 
1   wil  ich  mit  listen 

itoeo  llp  vristen: 

Des  sunUges  nahl  jpät(e) 

kumt  er  an  min  kemenal 

DI   wil   ich  in   in  lau 

all  ich  im  geheimen  hau 


118  XXVII.  /rauenbeftäntotfkeit. 

So  sult  ir  vrouwen  bi  mir  sin. 
unde  swen  ich  in  laze  hör  in, 
So  sich  bi  dinem  libe.« 
330  sprach  si  ze  dem  kamer  wibe 
»Da3  du  driu  starke  spi3  holz 
habest  zuo  dem  knappen  stolz 
Bräh»,  und  dri  [guote]  ruoten 
mit  zaehen  esten  guoten, 
35  Da  mit  wir  im  sin  hüt  zebern, 
und  uns  vor  schänden  wol  ernern; 
Diu  under  uns  diu  sterkest'  si, 
diu  si  im  diu  naehest  bi 
Unt  vähe  in  rehte  bi  dem  här 
40  und  werfe  in  üf  den  estrich  dar. 
Da,3  demselben  äffen 
rükke  und  rip(pe)  [beginnen]  klaffen ; 
Die  andern  mit  den  gerten 
in  slähen  zuo  der  hebten 
45  Und  mit  den  zwigen  staben, 

Da3  man  in  mit  wa33er  muo3  laben 
Wir  suln  im  Ölen  da3  krüt, 
bi3  da3  sin  verworhte  hüt 
Sich  schrinde  unt  zerizen  mak ; 
50  durch  minen  willen  lät  niht  ab, 
Swa3  ich  spreche  oder  tuo: 
so  släh(e)t  ouch  ir  vaste  zuo.  «  — 

Diz  geviel  dem  herren  wol: 
»vil  gerne  ich  dir  danken  sol« 
55  Sprach  er  zuo  dem  jungelink 
»dirre  heimelichen  dink.« 
Da  mite  gie  er  dräte, 
nach  slnes  knappen  rate, 
Des  selben  abendes  spate 
W)  ze  der  vrouwen  kemenäte. 
Unt  klopfet'  dar  an  gevuoge. 
diu  schoene  und  die  kluoge 
Sprach:   »wer  mak  nü  da  sin?« 
»vrouwe.  da3  bin  ich  Henselin, 


XXVII.  i:raiunbeftantitijkett.  119 

365  Iuwer  langer  diener  und  iuwer  kneht.«  — 

»mich  dunket  des,  du  habest  reht, 

An  dem  gange  und  an  der  stimme  din.  c« 

nü  was  ein  kleine3  kerzelin 

Verborgen  gesezzet  verre  hindan. 
70  da3  selbe  lüht'  unde  bran. 

»Intens  ist  nü  zit. cc 

ein  wenik  üf  und  niht  se  wit 

Wart  diu  kemenät'  getan 

unde  dirre  man  in  gelän. 
75  Zehant  was  ouch  diu  erste, 

diu  tjurest  unde  herste 

Mit  beiden  henden  komen  dar 

und  nam  in  reht(e)  bi  dem  här, 

Uf  den  estrich  si  in  swank, 
80  da3  er  muost'  strüchen  äne  dank 

Und  im  der  lip  erklärtet'. 

dri  junk  vrouwen,  als  si  het  geschaffet, 

War(e)n  ouch  ze  hant  da, 

und  da3  kamer  wip  alsij, 
85  Mit  den  starken,  vesten 

stehen,  und  auch  den  esten 

Zesluogen  sie  im    so)  den  balk, 

Da3  nie  kein  hol  schalk 

Mit  stehen  sä  wol  durch  slagpn  wart. 
90  in  gerou  wol  zehen  stunt  diu  vart. 

Die  er  dar  het  getan; 

er  ruoft'  vaste  die  vrouwen  an: 

»Genide,  vrouwe.  ja  bin  ich  e^l« 

§A  wart  im  ie  eines  Striches 

Dcste  me  gegeben 

rrnt  den   swarhen    besser  starken)   stehen 
l)o  er  <li   wol  wart  durch  slagen, 
hl  ilneo  tagen 

In   lurnei.   noch  in  strlte 
100  nie  -iwan  rjnwigar  ttte • 

M  bit-5  si   in  hiil<l<-   sw<-in. 

<>n  ei  lieh  selbe  wolde  ernei  n 


120  XX VII.  fraimibefUnTngluit. 

Des  was  er  willik  und  bereit. 

er  swuor  des  üf  sinem  eit  * 
405  Und  üf  sin  menlich  ere, 

da3  er  immer  mere 

Gerne  taete  und  auch  verbaere 

alle3  da3  ir  wille  waere, 

Die  wile  da3  er  lebt*. 
10  ze  hant  dö  wart  erhebt 

Da3  lieht,  da3  da  verborgen  was 

alrerst  ersach  diu  vrouwe  da3, 

Da3  er  ir  wirt  waere: 

si  begunde  in  vrägen  der  maerc. 
15  Diu  reine  und  ouch  diu  guote 

mit  grözem  unmuote 

Hin  zuo  im  der  rede  began: 

»sagt  mir,  vil  unsseliger  man. 

Wa3  hat  iueh  her  in  braht 
20  hinte  in  [so]  sulher  aht?« 

Von  der  grÖ3en  vreise 

er  sprach:  »unsaelde  leise 

Hat  mich  verwlset,  vrouwe; 

iuwern  genäden  ich  getrouwe , 
25  Ir  helfet  mir,  da3  ich  genese; 

üf  genade,  wil  ich  verjehen  des. 

Wider  iueh  han  ich  getan, 

mich  hat  betrogen  min  tumber  wän. « 
Dö  sagt*  er  ir  vil  reht, 
30  wie  er  sinen  kneht 

Het  gebeten,  Henselin: 

»da3  was  alle3  von  den  schulden  min. 

Swa3  er  warp  unde  gebat. « 

diu  vrouwe  sprach  an  der  selben  slal : 
35  »Pfi  dichr  ungetriuwer  man! 

und  stuend'  e3  mir  niht  übel  an. 

Ich  lie3*  iueh  also  dürftigen 

in  bette  rise  wlse  ligen. 

Wajnt  ir,  da3  ich  min  statte 
40  und  min  ere  über  traete 


XXVII.  /rtiif«fctfti«tfgl*H.  121 

Durch  in  oder  durch  ander  man? 

ich  wei3  üf  der  erden  nie  man 

In  allen  Diutschen  riehen 

so  schoenen,  noch  [so]  werltlichen, 
413  Der  guotes  so  vil  gehaben  künde. 

da3  ich  iueh  ze  keiner  stunde 

Wolde  mit  im  über  sehen. 

iu  ist  vil  reht  geschehen; 

Swie  aber  ir  mir  habt  getan. 
50  so  wil  ich  be33er  triuwe  hän, 

Danne  ir  habt  erzeiget  mir.« 

si  hie3  ze  hant  bringen  ir 

Des  morgens  einen  wisen  man, 

der  streich  im  guote  salben  an, 
55  Diu  im  be,nam  diu  meil 

und  macht'  im  die  wunden  heil. 
Vür  war  ich  iu  dar  sagen  wil . 

da3  er  in  halben  järes  zil 

Küm  geheilet'  schone: 
60  vil  mangen  Gotes  löne 

Gab  er  der  hübschen  vrouwen. 

ouch  wold'er  getrouwen 

Vür  ba3  immer  mere. 
Durch  der  vrouwen  cre 
65  Wart  da3  kurze  maere 

sieht  unde  gewaere 

Genant,  als  man  mir  seil, 

der  reinen  vrouwen  staetikeit. 


xxvm. 

Wie  £cufel0ttd)t 


In  den  guten  Tagen ,  als  der  neue  Bund  an  die  Stelle  des  allen 
trat,  lebte  eine  schöne  Jungfrau,  die  von  ihrer  Mutter  tugendsam  er- 
zogen wurde,  bis  zu  20  Jahren r  da  wurde  sie,  mit  Willen  der  Ver- 
wandten, einem  anständigen  Manne  vermählt.  Als  sie  am  Hochtzeitlage 
zu  Bette  gehen  wollte,  belehrte  ihre  Mutter  sie  noch,  alles  gern  zu  dul- 
den was  der  Bräutigam  mit  ihr  thue  zu  ihrem  Heile.  Dieser  begann 
mit  ihr  alsbald  das  Werk  ,*  wodurch  die  Welt  vermehrt  wird;  sie,  ver- 
wundert über  ihre  Lage,  fragte  ihn,  was  das  wäre.  Er  sagte,  damit 
werde  der  Teufel,  den  es  ärgere,  geächtet.  Der  Minne  ganz  unkundig, 
erbot  sie  um  so  lieber  ihre  kräftige  Hülfe  gegen  den  Höllenwichl;  und 
als  es  geschehen  war,  schalt  sie  eifrig  auf  den  bösen  Geist.  Der  junge 
Mann  küssle  und  herzte  sie  nun  inbrünstig;  auf  ihre  Frage,  bedeutele 
er  sie,  das  sei  Minne,  und  fragte,  was  ihr  lieber  wäre,  diese,  oder  die 
Teufelsächlung.  Sie  meinte,  wenn  man  nicht  beides  haben  könne, 
müfse  man,  nach  ihrer  Mutler  und  ihres  Pfarrers  Lehre,  zuvörderst  das 
Seelenbeil  bedenken,  und  den  .Teufel  wieder  in  die  Hölle  treiben;  es 
•ei  ihr  lieber  als  Psalterlesen:  sie  erbot  sich  mit  Beinen  und  Armen 
dazu,  und  er  war  ebenso  rüstig  zum  Heileswerke.  Darnach  gedachte 
sie  all  ihrer  Sünden,  und  beichtete  ihrem  Mann,  wie  sie  ihre  Mutter 
hestohlen,  um  Haarband,  Nadeln  und  Binglcin  zu  kaufen,  wofür  sie 
sicherlich  in  dir  Holle  müfse,  wenn  er  ihr  den  Teufel  nicht  vertreiben 
helfe.  Es  geschah  abermals  so,  dafs  sie  Tag  und  Nacht  den  Lucifer 
lebte«  wollte.  Dann  entschliefen  beide  lieblich  ,  bis  der  Tag  sie  be- 
sehiea.  Die  Mutter  trat  ein,  und  wünschte  ihnen  Gottes  Segen  und 
Heil.     Die    Braut   Wurde   nun    als   junge  Frau  in  Linnen  und  Scharlach- 

ljiaufei  gekleidet,  und  dem  Jungen  Paare  ein  kräftiges  Morgeneisen  be- 
reitet.   Ais  sie  mii  Freunden  fröhlich  beim  Mahle  saften,  rühmte  die 

Brut,    wie    sie    beide    nai sfatl  den    leufel    dreimal    in    die  Hölle   verjagt 

und  wm-  <•*>  ihr  dabei  ergangen.    Alle  sahen  einander  ia  und  lachten; 

der    Juri,:'-    Hanfl    *.ird    -rli.i.iinrolh  .    und    die  Mutter   liiels    die   Tochter 

schweigen;   diese  aber  tagte  zu   ibrei  Mannes  Schwester,   die  Muttei 
selber  habe  sie  fs  rorm  Niederlegen  ermahnt,   des  Bräutigams  Willen 

EU   lliuii  ,    und  d,is  habe  sie   willig  geleistet,    und   wolle  auch   linder  gern 

mit  ihm  den  Teufel  .oiiien.    Die  Mutter  lachte,   und  bekannte  sich  für 
Die  Mannet  musten  hieraul  hinausgehen .  und  die  Frauen 

i    liefa   nun   uiusl.iinllii  h    von   dei    Iw.iul   erzählen       Wii    BJC    sieh   bei 

reufelsarhi  anstellen  mutte    sie  empfahl  ei  ibaei  iber,  ungeacbtei 


des  anfänglichen  Wehes,  mehr  als  Wallfahrten  nach  lloni  und  über 
Meer,  mehr  als  Faslen  und  Beten;  sie  wolle  wenigstens' ihre  Sünden 
nie  anders  büfsen  ;  sie  schlafe  sanft  darnach  in  ihres  IManncs  Armen. 
Darum  wollte  sie  auch,  als  ein  Bote  die  Frauen  zum  Kirchgange  abrief, 
daheim  bleiben,  und  mit  ihrem  Manne  ihr  Seelenheil  berathen:  wie 
denn  auch  immerfort  geschah. 


XXVIII. 

Des   tiuvels  ähte. 


DJz  hei3et  de,s  tiuvels  ehte , 

des  ptlag  ein  meit  mit  einem  knehte 


Hie  vor  dö  da3  geschach. 
das  man  die  alten  e  zebrach 
l  iid  uns  gab  die  niuwen, 
ine  ha3  mit  triuwen 
i  NN 'as  dfl  wip  unde  man, 
si  heten  niht  ze  valsche  wän. 
Bi  den  ziten.  als  man  saget, 
was  ein  wol  getane  maget, 
Zuo  den  selben  guoten  tagen, 

10  \on  der  wil  ich  diz  maerc  sagen, 
Die  ir  tnüater  triullchen  zöch, 
davon  si  mi^oHcndc  vloch, 
Uni  n  w;irt  wol  y.woin/ik  ja*  alt; 
N  wart  dar  und  er  nie  so  halt, 

15   Dag  rf   lieh  d&   ihl   wokfc  bewegen. 
da3  si  iht  m.uincs  wolde  pflegen: 
Ir  munde   wollen   «loch   nihl, 

all  ron  vriimdcti  noch  geschult, 
Man  enga&e  si  re  m.m. 
90  dag  dohte  die  nnoter  aföl  getan, 
Diu  sprach :  >  <•-  ist  nu  wol  /.it. 
da.5  man  iJ  [wof]  /.«•  manne  glt. « 


128  XXVIII.    Wie  fceufeUa*t. 

Do  man  des  willen  wart  gewar, 
vil  schiere  kom  in  einer  dar, 

25  Der  ir  ze  manne  wol  gezam 
und  si  wil  williklichen  nam. 
Do  das  gelübde  da  geschach, 
und  man  des  tages  nimme  sach, 
Die  schoenen  hie3  man  släfen  gan. 

30  diu  muoter  bat  si  stille  stän, 

[Si  sprach:]  »tohter,  merke  minen  rat, 
ich  wei3  vil  wol,  wie'3  dir  ergat, 
S\va3  din  gemechid'  mit  dir  tuot, 
da3  soltu  haben  gar  ver  guot 

35  Und  solt  e3  williklichen  doln, 
da3  mak  dir  saelikeit  erholn, 
Nu  enruoch',  wie  er  dir  tuo, 
oder  ich  verwize  dir  e3  vruo.« 
Hie  mit  leite  si  sich  nider, 

40  und  gienk  von  der  guoten  wider 
Zuo  dem  jungen  hübschen  man, 
und  hie3  in  ouch  da  släfen  gän. 
Der  schcßnen  er  sich  under  want, 
er  worhte  mit  ir  sa  ze  hant, 

\o  Damit  diu  werlt  ist  gemerct, 
da3  wart  si  dö  geleret; 
Und  do  er  des  werkes  pQak 
und  si  so  wunderlichen  lak, 
Do  sprach  diu  schoene  sunder  ha3: 

50  »sagt  mir,  herre,  wa3  ist  da3, 
Des  wir  mit  einander  pfligenV 
ich  muo3  so  gemelichen  ligen, 
E3  dunket  mich  ein  vremde  sit\ « 
[er  sprach:]  »do  sehte  wir  den  tiuvel  mit, 

55  Dem  ist  C3  leit  und  ungemach.a 
der  schämen  er  alsust  verjach; 
Si  weste  niht,   wa3  minne  was, 
da  von  si  sit  vil  wol  genas. 
Dö  was  der  junge  wol  gemuot, 

(>0  beide,  so  hübsch  und  so  guot. 


XXVIII.  9te  fc*ufdsad)t.  129 

Das  er  ir  tet,  als  man  sol, 
da3  ir  wart  sanft  unde  wol, 
Mit  guetlicher  worhte. 
[si  sprach:]  »ist  diz  des  tiuvels  vorhte, 
65  Und  mak  man  den  damit  verjagen, 
.     sone  wil  ich  niht  verzagen,« 
Sprach  diu  schoene  wol  getan 
»ich  hilf  iu,  so  ich  beste  kan, 
Den  tiuvel  in  die  ahte  bringen; 
70  ich  wil  an  iuch  gedingen, 
Da3  wir  diz  ungetriuwe  wiht 
noch  hinte  bringen  gar  ze  niht. 
Sieh,  nü  tuo  mir,  swa3  du  wilt, 
des  mich  nimmer  (mer)  bevilt, 
75  Sit  e3  dem  tiuvel  ist  so  leit, 
des  ehtens  bin  ich  vil  bereit. « 
Diu  minneklich'  sich  des  bewäk, 
da3  si  des  ehtens  mit  im  pflak, 
So  si  immer  beste  künde, 
80  ze  leide  dem  helle  hunde; 

Der  ehte  wurden  si  beide  vro,  . 
si  ehten  wekkerlichen  dö. 
Da3  ehten  was  unlank, 
e  da3  in  beiden  geswant 
85  Unde  stille  gelägen, 

[und]  des  ehtens  nimmc  pflägen. 
Der  guoten  guetlichen  geschach; 
Ü3  wibes  guete  si  do  sprach: 
»Mini'  gefet  nie  ehten  ba3, 
90  vil  b<eser  geist,  nu  \vi33e  da3, 
SU  ich  diz  ehten  also  \vei3, 
da3  du  mir  rumen  muost  den  krei3-« 
Der  junge  man  du  niht  cnlie, 
die  .seltenen  er  zun  im  ge?ie 
95  Und  drukte  ir  liebten  wngbltn 
also  D4heo  .'in  *  1  r  1 3  sin, 
El  k nstc  si  in  ir  roten  munt 
in  kurzer  \s i J < •   wol   < i  1131  k  stunt. 


«     <     '/nf,m  ,    ii'iimm'. 


130  XXVIII.  Pte  fceufeUttrtjt 

Do  da3  küssen  was  gesehen, 

100  ze  hant  bat  si,  ir  verjehen, 

Si  sprach:     »herre,  tuo  mir  kunt, 
warumbe  hästu  dinen  munt 
So  dikke  gestÖ3en  an  den  min? 
wa3  ist  e3,  oder  wa3  mag  e3  stn? 
5  Min  lip  sich's  niht  versinnet.« 
er  sprach:  »e3  ist  geminnet. 
Da  von  balde  sage  mir , 
\veder3  ba3  gevalle  dir, 
Diu  minne  oder  diu  ante?« 

10  diu  reine  wol  bedahte  : 

»Des  einen  sul[Ie]  wir  uns  bewegen, 
und  des  andern  sul[le]  wir  pflegen,« 
Sprach  diu  schoene  wol  getan 
»muge  wir  ir  beider  niht  gehän, 

15  So  ist  e3  vil  ungeteilet, 
da  mit  man  die  sele  heilet 
Unde  den  tiuvel  verjaget, 
mir  hat  min  muoter  vil  gesaget 
Und  ouch  min  pfarraere 

20  vil  jaemerlichiu  rnaere. 
Diu  helle  si  ein  übel  hol: 
da  von  gevellet  mir  vil  wol, 
Da3  wir  die  minne  la3en, 
und  ehten  den  verwa3en. « 

25  In  Gotes  dienste  si  gerne  schein: 
ir  slehte  linden  wi3en  bein 
Gab  si  ir  gesellen  in  die  hant, 
si  sprach:  »nu,  helt,  wis  gemant, 
Bringen  in  die  ahte; 

30  ein  saelik  man,  der's  ie  gedähte, 
Da3  man  an  der  sele  mak  genesen; 
ich  nim  63  vür  min  salter  lesen, 
Nu  lä  sin  niht  gerasten; 
wan  ich  wil  minnen  vasten, 

35  Vür  keine  mine  süude, 
er  muo3  in  da3  ab  gründe, 


XXVIII.  JKt  fceufdsndjt.  131 

Wider  in  die  helle; 

neinä«  trut  geselle, 

La  dar  näher  strichen, 
140  und  ehte  wekkerlichen. « 

Da3  ehten  [da3]  gienk  so  hin  in  ein , 

si  vlähten  arm  unde  bein , 

Vue3e  unde  hande, 

da3  man  niht  erkande, 
45  Weder3  da  da3  ander  was. 

si  triben  also  lange  da3, 

Bi3  in  beiden  verswant, 

dar  nach  ietweder3  want 

Hende,  arm'  unt  vue3e, 
50  dö  wart  da3  ehten  sue3e; 

Si  lagen  eine  wile, 

wol  ein  halbe  mile. 

Si  begundefn]  ir  sünde  riuwen, 

si  sprach:  »in  rehten  triuwen. 
55  Ich  han  begangen  harte  vi], 

da3  ich  dir  ie  zuo  hinten  wil , 

E3  wirt  niht  lenger  verholn, 

ich  han  miner  muoter  verstoln, 

Swa3  ich  in  ir  hüse  vant, 
60  da3  gab  ich  umb  diu  härbanl, 

N  adeln  unde  vingerlln  ; 

des  muo3  ich  leider  immer  sin 

Gesinde  in  der  helle: 

neina,  trut  geselle, 
66  Hilf  mir,  $Q5  kb*5  gcbpej0« 

dn3  dir  Got  Ionen  muc3e  ; 

Wol  im,  der's  ic  gedalite! 

bring*  wir'n  in  die  dritten  ahte; 

Des  wil  ich  immer  wesen  vro. « 
70  vi  1  diäte  eihuobcn  si  du 

Die  dritten  ihte  in   beide  : 

»fwe?  dil  ehten  scheide 

Der  gewünne  nimmer  herzen  I i«- j * 

LAeifei  -  du  rehter  diep. 


132  XXVIII.  Wxt  fteufeUad)t. 

175  Ich  tuon  dir  laster  unde  leit, 
ich  wil  ze  ehten  sin  bereit 
Hinnen  vür  naht  unde  tak, 
da3  ich  dich  ehte,  swen  ich  mak. « 
Da3  ehten  vriuntlich  ergie, 

80  ietweder3  da3  ander  umbe  vie. 
Vil  wenik  si  dö  riefen , 
lieplich  si  entsliefen 
Beide  samt  unz  an  den  tak; 
der  schein  über  si,  diu  brüt  erschrak, 

85  Si  wakt'  ir  man,  der  dannoch  slief. 
an  der  tür  ein  vrouwe  rief, 
Diu  was  ir  muoter  und  sin  swiger, 
si  lagen  dennoch  beide  nider, 
An  da3  gadem  tet  si  mangen  stÖ3, 

90  schier  man  ir  die  tür  üf  SI03, 

Si  sprach:  »Got  grue3*  iuch,  kinder, 

ros  unde  rinder, 

Korn  unde  win 

bescher  iu  unser  trehtin, 

95  Sseide  unde  heil, 

guotes  ein  michcl  teil , 
Immer  cwikliche, 
und  ouch  sin  himel  riche 
Teil  er  mit  iu  beiden!« 
200  diu  vrouwe  was  bescheiden, 
Diu  tür  wart  nach  in  zuo  getan, 
unz  da3  si  sich  geleiten  an. 
Diu  wirtin  gie  mit  guoten  siten 
und  nam  diu  bette,  diu  zeriten 
5  Waren  von  ein  ander  nider, 
und  leite  si  vil  schone  wider, 
Dar  nach  SI63  si  üf  einfen]  schrin 
und  nam  daru3,  da3  muoste  sin, 
Harte  guote  lin  wät , 

10  kleine  unde  wol  genät, 
Und  bant  si  mit  vli3e 
in  ein  kürsen  W13C, 


XXVIII.  jDie  e«?ufd*ad)t.  133 

[In]  einen  scharlaches  mantel  guot, 

den  man  oucb  her  vür  truok, 
215  Den  leit(e)  si  ir  tohter  an, 

der  der  briute  wol  gezam. 

Zuo  dem  knappen  sprach  sin  swiger: 

»lieben  kint,  nü  sizzet  nider; 

Ich  wil  gen  nach  den  liuten. 
20  e3  ist  billich,  da3  man  mit  briuten 

An  dem  morgen  e33en  sol. 

da3  hän  ich  geschaffet  wol.« 

Si  sprachen  beide:  »da3  sol  sin.« 

man  truok  dar  bröt  unde  win, 
25  Ir  hüs  was  wol  beraten, 

gesoten  und  gebraten 

Truok  man  dar  ein  michel  teil; 

si  ä3en  vaste  und  wären  geil. 

Diu  brüt,  dö  da3  diu  muoter  sach, 
30  si  begund'  ir  winken  unde  sprach: 

»Tohter,  wa3  hästu  gedäht?«  — 

»muoter,  da  hän  ich  ze  ahte  bräht, 

Ich  und  min  geselle, 

den  tiuvel  in  der  helle, 
35  liinaht  dri  stunt  verjaget,  v. 

vil  rehte  wart  in  dö  gesaget, 

Wa3  si  des  nahtes  hete  erliten. 

<lö  wart  lachens  niht  vermiten, 

Igliche3  sach  da3  ander  an. 
40  des  schemte  sich  der  junge  man, 

D93  sach  man  wol,  wan  er  wart  rot. 

diu  muoter  ir  ze  haut  verbot, 

Da3  si  geswige  der  maere, 

si  wahren  lasterbajre 
45  Ze  sagen  einer  briute.  — 

>;  [muoter, J  W9Q  nchten  oder  hiute 

Ich  hän  begangen  dar  an, 

<i,j  bistu  rcht  sehuldik  an, 

Vi  ist  diu  schuld«-  ojergeo  min. 
•>0  ich  wil  dir  sagen,  swcslcrlin. 


134  XXVIII.  Wxt  fceufebadjt. 

Sprach  si  ze  ir  mannes  swester 

»nehten  unde  gester 

Hie3  min  muoter  dikke  mich 

unde  bat  mich,  da3  ich 
255  Willikllchen  taBte, 

swes  mich  din  bruoder  baete; 

Hie  mite  leiten  si  mich  nider; 

deswär,  done  wart  ich  nie  wider, 

Ich  taete,  swa3  er  wolde, 
60  und  swie  ich  mich  legen  solde, 

Da3  tet  ich  waerliche; 

und  wil  ouch  sicherliche 

Den  tiuvel  [helfen]  ehten  gerne, 

wen  ich  e3  ba3  gelerne.« 
65  Diu  muoter  lachen  began, 

die  rede  nam  si  sich  an, 

Si  sprach:  »swik,  liebe  tohter  min, 

ich  wil  diu  schuldige  stn. « 

Hie  mite  der  rede  wart  geswigen; 
70  die  man  wurden  Ü3  getriben, 

Die  vrouwen  dar  inne  bliben, 

die  knehte  und  man  wurden  Ü3  getriben ; 

Alrest  huob  sich  ein  brehten 

von  den  vrouwen  umb  da3  ehten, 
75  Si  vrägten  si  der  maere, 

wie  so  grÖ3e  swsere 

Der  tiuvel  lide  von  in  zwein. 

si  sprach :  »  ze  hant  er  mir  diu  bein 

In  beide  hende  gevie, 
80  [eines  dinges  er  mich  niht  erlie,] 

dö  drukt'  er  mir  diu  knie 

Nähen  zuo  dem  herzen, 

dö  muost'  ich  liden  smerzen; 

Wa3  sol  ich  iu  sagen  me? 

da3  ehten  tuot  von  erste  we, 
85  Und  beginnet  darnach  sue3en; 

welle  iuwer  keiniu  bue3en 

Sünde  oder  missetät, 

diu  ehte  den  tiuvel,  da3  ist  min  rat. 


XXVUI.  Wu  ®tuUlsad)t.  135 

In  manger  wise  man  die  sele  genert, 
290  vil  liute  gegen  Röme  vert, 

Si  varent  etslöch'  über  mer; 

man  sol  immer  mit  wer 

Wider  den  välant  sin; 

gnuoge  enpfähent  kerrin' 
95  Unt  vastent  vür  die  missetät; 

etslicher  ouch  den  siten  hat, 

Da3  er  vastet  und  betet  vil: 

min  sünde  ich  anders  bue3en  wil, 

Wil  mir  helfen  ehten  min  man, 
300  ich  bringe  mange  sele  [dan]  von  der  helle  ban 

Mit  der  ahte  wise 

[da3  si  kument]  in  da3  paradise. 

Mir  ist  ze  ehten  gar  gäch, 

ich  ruowe  sanfte  darnach 
5  An  mines  mannes  armen. 

er  sol  mich  klein  erbarmen , 

Der  der  helle  hat  gewalt, 

ich  tuon  im  laster  manikvalt; 

Den  leidigen  helle  hunden  , 
10  die  da  sint  gebunden, 

Den  wil  ich  immer  sin  geha3; 

ir  vrouwen,  wi33et  alle  da3, 

Da3  ich  den  tiuvel  ehten  wil 

unz  an  mines  tödes  Eil.« 
15      Nach  den  vrouwen  ein  böte  kwam, 

si  solten  zuo  der  kirchen  gän; 

Des  antwurt(e)  do  diu  brüt, 

beide,  stille  und  überlüt: 

n  Wan  ich  und  der  geselle  min 
20  wellen  rehte  hie  heime  sin, 

Wir  begen  wol  anders  unser  zlt.  << 

alsust  ehtent  si  immer  slt 

Den  tiuvel  vür  ir  missetät. 

hie  mite  diu  rede  ein  ende  hat. 


XXIX. 

Der  umbrliißeirtic  fkmu. 


Ein  ein  faltiger  Mann  nahm  vor  Fastnacht  eine  junge  Braut,  die  er 
so  lieb  hatte,  dafs  er  die  leiseste  Beschwerde  von  ihr  abhielt.  So  lag 
er  auch  nachts  bei  ihr,  und  überwand  ihr  beider  Jugendgelüste,  um 
ihr  ja  kein  Leid  zu  thun.  Das  verdrofs  jedoch  auf  die  Länge  die  jung- 
fräuliche Frau  ,  und  sie  sann  Tag  und  Nacht  darauf,  ihren  Bettgenofsen 
andres  Sinnes  zu  machen.  Endlich  fand  sie's:  sie  klagte  ihrem  Manne, 
ihr  Leib  thue  ihr  so  wehe,  sei  bald  heifs  bald  kalt,  und  sterbenskrank. 
Der  Mann  beklagte  sie  zärtlich,  wüste  aber  auch  kein  Mittel.  Da  fiel 
ihr  ein:  in  der  Nähe  stehe  ein  hohler  Baum,  in  welchem  Heilige  woh- 
nen und  Aller  Gebet  erhören ;  zu  dem  solle  er  hingehen ,  und  auf- 
merken ,  was  er  dort  vernehme.  Der  gute  Mann  ging  alsbald  hin.  Sie 
aber  lief  unbemerkt,  wie  ein  Pfeil  voraus  in  den  Wald,  und  versteckte 
sich  in  dem  Hohlbaume.  Darauf  trat  der  Mann  heran,  fiel  auf  seine 
Knie  und  rief  zu  den  Heiligen  des  Baumes  um  Hülfe  für  seine  Frau. 
Da  sprach  eine  Stimme  aus  dem  Baume:  das  beste  Mittel  gegen  all  ihre 
Welitage  sei,  sie  wirklich  zur  Frau  zu  machen,  viermal  vor  dem  Hah- 
nenschrei, und  dreimal  darnach;  darauf  möge  er  Nacht  und  Tag  be- 
flifsen  sein,  so  werde  sie  lange  Jahre  gesund  und  fröhlich  mit  ihm 
leben.  Der  gute  Mann  ging  gläubig  damit  heim,"  die  Frau  jedoch  eilte 
ihm  wieder  heimlich  zuvor,  und  als  der  Mann  an  die  Thüre  kam,  that 
sie  ihm  auf,  und  fragte  ihn  sogleich,  was  er  vernommen  habe.  Er 
fürchtete,  dafs  es  ihr  schädlich  sein  möchte;  sie  aber  drang  darauf, 
und  als  er  ihr  nun  den  Ausspruch  des  Hohlbaumes  sagte,  crmahnte  sie 
ihn,  getrost  denselben  zu  erfüllen.  Das  geschah  denn  auch,  und  die 
Frau  war  wirklich  alsbald  genesen  und  zufrieden. 


XXIX. 

Der   holboum. 


Diz  ist  von  einem  alwaeren  man, 
den  sin  wip  effen  began. 


E3  was  ein  alwaere  man, 

von  dem  ich  niht  gesagen  kan 

Reht  an  disem  maere, 

wannen  oder  wä  er  waere, 
5  Der  nam  vor  vasenaht  ein  brüt, 

diu  was  im  liep  unde  trüt, 

Da3  er  ir  niht  engunde, 

noch  geliden  künde, 

Da3  ir  ie  man  taete, 
10  da  von  sie  swaere  haete. 

Des  nahtes  als  sie  lägen, 

ktirzewlle  pflagcn, 

Als  noch  junge  liutc  tuont, 

so  sie  diu  vröude  bestuont 
15  Und  sie  bereit  warn  ZUÖ  dem  spil , 

»nein,  z'wär  C3  ist  ze  tri!.« 

D.iht'  er  in  slnem  muote 

»lA$e  e3  kumen  dir  ze  guote. « 

Snst  lieg  cr'3  dikke  b  es  tan, 

20  ob  er  63  doch   wol  htÜ  gelAn. 
Efl  w;i:re  änc  zorn  hdiben. 
do  er  dizze  hete  golrihcri 


142  XXIX.  Hier  tDabrfagentie  SJauin. 

Lange  utide  alze  lange, 

dö  wart  der  vrouwen  bange, 

25  Wie  sie  ir  des  erdaehte, 
da3  sie  in  inne  breehte, 
Von  allem  irem  sinne, 
des  spiles  von  der  minne, 
Do  was  sie  üf  gedäht, 

30  beide,  tag  unde  naht; 

Dar  umbe  vant  sie  einen  list, 
sie  sprach:  »vil  lieber  man,  mir  ist 
In  minem  übe  also  we, 
ich  enmak  iezunt  nimmt' ; 

35  Ich  vürht',  ich  sterben  muo3e: 
kündestu  keine  buo3e?« 
Er  sprach:  »owe  mir,  we1 
nü  wart  nie  manne  me 
Wlp  so  liep,  so  du  mir  bist; 

40  kündestu  selbe  keinen  list, 
Davon  du  möhtest  genesen, 
und  dir  guot  mohte  wesen?« 
Sie  sprach:  »z'wär,  ich  enwei3, 
ich  bin  kalt,  ich  bin  hei'3, 

45  Ich  enwei3,  wa3  mir  guot  st: 
wan,  ein  holboum  stet  hiebt; 
Nü  hoere,  wie  du  solt  an  vähen, 
zehant  soltu  dar  gähen, 
S\va3  du  da  [hoerest  oder]  merkest, 

50  da3  du  dich  daran  sterkest 
An  dinen  guoten  sinnen; 
da  sint  heiligen  innen, 
Die  erhreren  aller  Hute  gebet! « 
Der  selbe  guote  man  da3  tet; 

55  Er  was  gar  alwaere 

und  geloubet'  wol  der  msere, 
Unde  huop  sich  vil  balde 
hin  zuo  dem  walde. 
Diu  vrouwe  lief  vor  in  das  holz 

60  also  snel  als  ein  bolz, 


XXIX.  JU«  nif»t)rfa0etttie  Baum.  143 

In  den  holen  boum  sie  sich  bouk, 

nü  hoert,  wie  sie  den  man  betrouk. 
Do  der  alwaere  man 

dem  boume  so  nähen  kwam, 
65  Er  viel  an  siniu  baren  knie 

und  sprach:  »wa3  heiligen  sint  hie, 

Die  bit'  ich  vil  sere, 

durch  ir  selbes  ere, 

Da3  sie  mir  rat  wolden  geben 
70  umb  mines  lieben  wibes  leben, 

Wie  ich  ir  gehelfen  sol.« 

dö  sprach  diu  vrouwe  Ü3  dem  hol:  * 

»Nu  hoere  mich,  vil  guot  man, 

den  besten  rät  den  ich  kan 
75  Dir  geraten  zuo  dem  wibe, 

da3  sie  mit  gesundem  übe 

Mak  geleben  noch  manik  jär; 

so  sage  ich  dir  vür  war, 

Triute  sie  vierstunt  vor  der  hankrät, 
80  dri  stunt  darnach,  so  wirt  ir  rät 

Aller  irre  we  tagen, 

und  hoerest  sie  nimmer  me  geklagen 

Weder  hei3,  noch  kalt. 

ich  sag*  dir,  wa3  du  tuon  salt : 
85  Naht  unde  tage  habe  die  site, 

da3  du  ir  vaste  spiles  mite 

Mit  vli3e  disiu  selben  spil, 

so  gevellest  du  ir  vil; 

l  ritl  triute  ouch  vasle  dln  wlp, 
90  so  gewinnet  sie  gesunden  11p.« 
Der  man  was  ahvaßrc 

unde  geloubte  wol  der  rnaerc, 

Unde  huop  sich  d6  vil  bilde 

wider  Ü3  dem  waldc. 
t)ö  Diu  vrouwe  lief  ümbe 

die  rihle  und  die  krümbe , 

Z     73    -    S8   (tkUu   1,.    (, 


144  XXIX.  Per  roaljrfaflenfce  $aum. 

Und  was  wider  heim  komen, 
da3  der  man  niht  hate  veraomen, 
Und  do  er  kwam  vür  die  tür, 

100  sie  sprach:  »liebe,  bistu  dävür? 
Hästu  iht  guotes  vernomen 
da3  uns  beiden  nü  muge  vromen?« 
Er  sprach:  »ich  dir  da3  ncete  sage, 
da3  ich  lag  lange  an  miner  klage, 
5  Ich  vürhte,  da3  ich  dich  beswa3re. «. 
sie  sprach:  »swa3  e3  nü  weere , 
Des  soltu  mir  niht  vernein; 
wie  lange  sol  ich  nü  kweln 
In  der  jämmerlichen  not? 

10  ja  wa3re  mir  lieber  der  tot. «  * 
Do  sprach  der  man  alwsere: 
»nü  hoere  disiu  maere, 
Diu  ich  dort  vernam, 
do  ich  dem  boum  so  nahen  kwam, 

15  Do  sprach  ein  stimme  wider  mich, 
ich  solte  vaste  minnen  dich: 
Nü  waen'  ich  dir  schaden  tuo. «  — 
»gehoert  anders  iht  darzuo, 
Da  von  ich  muge  genesen 

20  unde  mir  guot  muge  wesen. 
So  dir  Got  Ionen  muo3e,  • 
nü  halt  vaste  die  buo3e, 
Ich  genise  wol  da  bi, 
e3n*  si,  da3  ich  veige  si. « 

25  Also  hielt  er  die  buo3e 
statte  unde.  mit  muo3e; 
Davon  wart  sin  wlp  gesunt. 
und  alda  wart  ir  kunt 
Da3  spil  von  der  minne, 

30  do  begunde  sie  gewinnen 
Vröude  immer  mere. 
alsust  endet  sich  da3  maere. 

*   Z.   11    -   U  fehlen  in   (/ 


XXX. 

Der  entlaufene  J)afenbraten. 

Von 

dem   Vriolsheimer. 


>      <     Hafi  ,    <"   MISU    '    •■       I        II  *  '' 


Ein  Ritter  erjagte  einst  zwei  Hasen,  brachte  sie  heim,  und  hiefs 
sie  wohl  bereiten.  Die  Hausfrau  rielh ,  den  Pfarrer,  ihren  Gevatter, 
dazu  einzuladen.  Der  Mann  lhats  gern,  zur  Erwiederung  so  mancher 
Bewirthung,  und  hiefs  die  Frau  ein  reichliches  Gastmahl  zurichten.  Sie 
ging  hurtig  ans  Werk,  und  bat  auch  ihre  Muhmen,  Basen  und  Nifteln 
Nichten;  dazu.  Das  geschah  am  Sonntage,  und  während  der  Mann 
noch  in  der  Kirche,  und  das  Wild  schon  gebraten  war,  forderte  sie 
ihre  Gefreundinnen  auf,  mit  ihr  den  einen  Hasen  zu  efsen:  die  Männer 
hätten  an  dem  andern  genug.  Als  der  eine  verzehrt  war,  liefs  sie  aber 
auch  den  andern  auftragen  und  getrost  verspeisen :  Frauengelüst  gehe 
vor  Männergeniefs. 

Indem  kam  der  Wirth  mit  dem  Pfarrer  geritten.  Die  Frau  entschul- 
digte sich,  dafs  das  Efsen  noch  nicht  bereit  wäre,  weil  er  Magd  und 
Knecht  zu  lange  schlafen  lafse.  Der  Pfarrer  muste  sich  neben  sie  setzen, 
und  es  wurde  Trinken  gebracht.  Der  Wirth,  unzufrieden  und  hungrig, 
nahm  sein  Mefser  und  schärfle  es  auf  einem  Wetzstein.  Der  Pfarrer 
fragte  die  Frau,  warum  der  Herr  so  unmuthig  sei.  Sie  sagte  ihm  leise, 
es  geschehe  deshalb,  weil  sie  mit  ihm  (dem  Pfarren  eines  verbotenen 
Umganges  fälschlich  bezichtigt  worden.  Der  Pfarrer,  voll  Furcht,  es 
möchte  ihm  ergehen,  wie  so  manchem  Pfaffen  wegen  verstohlener 
Minne,*  schwang  sich  heimlich  auf  sein  Pferd,  und  trabte  ohne  Knecht 
von  hinnen. 

Jetzt  brachte  ein  Diener  feine  Fifchlachen,  und  Becken  mit  Hand- 
wafser:  der  Herr  fragte  nach  dem  Pfarrer,  und  die  Frau  sagte,  der  sei 
davon  geritten  mit  den  beiden  Hasen.  Er  fand  das  sehr  unziemlich, 
und  setzte  sich  auch  sogleich  zu  Pferde,  ihm  die  Hasen  wieder  abzu- 
jagen. Als  CT  ihm  nachkam,  rief  er  ihm  schon  von  weiten  zu:  er 
müfse  sie  ihm  beide  da  lafsen.  Der  Pfarrer  eilte  um  so  mehr,  und 
schalt  den  feindseligen  Freund;  er  wollte  auch  nichts  hören,  als  ihm 
zugerufen  wurde ,  wenigstens  einen  da  zu  lafsen,  sondern  erreichte  glück- 
lich Minen  Fnidhof.  entrann  in  die  Kirche,  und  verschlofs  sich  darin. 

Da  liefs  der  Ritter  WÜK  B  Zorn  fahren,  rill  heim,  und  afs  was  noch 
rorhanden  war.  Darnach  vernahm  er,  \»n:  ei  zusammenhing ,  und  sagte 
zu  der  Frau.  Beben  sei  Urwelten  gut,  wenn  knn  Zorn  dabei  sei. 

Diese  wahrhafte  Brzlhlung  dichtete  der  Vriolshcimer. 

i    N*alich  ,    irn    *»»    Ah«Ur«f 


XXX. 

Die    h  a  s  e  n. 


Diz  ist  von  den  basen, 

die  man  jaget  üf  den  rasen. 


Ein  ritter  eines  tages  reit 

kurze  wilen  an  sin  gejeit, 

Do  er  zwene  hasen  vienk, 

von  siner  künste  da3  ergienk. 
5  Sin  gelükke  er  dran  spurte, 

die  hasen  er  [bede]  heim  vuorte, 

Kr  hie3  sie  im  bereiten  wol. 

dö  sprach  diu  hüsvrouwe:  »man  sol 

L'nsern  gevatern  dar  zuo  laden, 
10  gar^e  wir  s'  eine,  da3  müht'  uns  schaden 

Wirtschaft  suenet  dikke  ha3.« 

do  sprach  der  wirt:  »so  schaffe3  ba3, 

Li  dir 's  niht  werden  swaere: 

nnsern  gevatern  den  pfarraire 
1ö  Wil  ich  dar  zuo  biten  kumen, 

der  hat  mich  dikke  genomen 

Hin  heim  ze  slner  sptsc; 

ich  wrere  niht  vil  wisc, 
II'  ich'l  niht  wider  tuon; 
20  d;i3  lanip.   mImI,  gans,  kizze  ,  (I.13  huon 

IIH3  bereiten  und  den  nnlvogel." 

dö  wart  diu  wirtln  so  gogel. 


150  XXX.  Per  entlaufene  $afenbraten. 

Da3  sie  dar  zuo  kumen  bat 

ir  niftel,  muomen  an  der  stat, 
25  Sie  bat  ir  basen  ouch  dar  zuo. 

Diz  geschach  eines  suntages  vruo. 

Die  wile  der  wirt  ze  kirchen  was; 

des  vordem  tages  gevangen  der  has' 

Was  und  da3  wiltprsete, 
30  diu  wärheit  diu  ist  staete. 

Sie  sprach:  »muome,  niftel,  basen, 

nu  ge33e  wir  den  einen  hasen, 

Der  wirt  hat  an  dem  andern  genuok, 

und  der  techant  sint  so  kluok, 
35  Da3  si'3  wol  kunnen  vähen.« 

dö  sie  den  gäzen  nähen, 

Do  hie3  sie  den  andern  ouch  dar  tragen, 

[sie  sprach:]  »solf  ich  werden  gar  zerslagen, 

Im  wirt  der  hasen  nimmer  niht, 
40  swa3  halt  mir  dar  umbe  geschiht; 

Vrouwen  schimpf  get  [dikke]  mannen  vor. « 
In[nen]  des  kom  geriten  an  da3  tor 

Der  wirt  und  der  pfarraere, 

in  dem  huse  vrägt'  er  der  maere, 
45  Ob  da3  e33en  wxf  bereit. 

diu  vrouwe  sprach  mit  kündikeit : 

»Ja,  wie  ir  nü  vor  hunger  veht! 

ir  lä3et  die  dirne  und  den  kneht 

Des  morgens  lange  släfen. « 
50  [also]  begunde  sie  den  ritter  strafen, 

[Sie  sprach:]  »e3  ist  noch  niht  so  nähen, 

ir  mugt  sin  niht  ergähen, 

Ir  mue3et  noch  lenger  bltcn. « 

an  der  hüs  vrouwen  siten 
55  Sazte  man  den  pfaffen. 

der  wirt  hie3  im  trinken  schallen, 

Wan  er  was  zorniklich  gemuot, 

er  tet,  als  noch  ein  man  tuot, 

Den  hungert,  und  hat  spise  daheim. 
60  er  zoch  uz  einen  wezzel  stein. 


Von  tum  Wxxoiityeimet.  151 

Sin  me33er  begund'  er  wezzen, 

er  wolf  sich  schiere  sezzen. 

Do  der  pfaffe  da3  gesach, 

zuo  der  vrouwen  er  dö  sprach: 
65  »Vil  liebe  gevater,  saget  mir, 

durch  Got,  unde  wi33et  ir, 

War  umbe  ist  der  wirt  so  ungemuot?« 

sie  sprach:  »wi3t  ir,  warumb  er  da3  tuot?.v  — 

»Triuwen,«  sprach  er  »nein,  ich.«  — 
70  »man  hat  iuch  unde  mich 

Gezigen,  da3  wir  hän  getan, 

wir  solten  e3  billich  hän  verlän; 

Ir  sit  gein  im  belogen« 

do  begund'  er  gein  der  tür  zogen, 
75  Er  sprach:  «mir  ist  ein  teil  ze  hei3. « 

er  gedaht':  »mir  geschiht  liht,  Gotwei3, 
Als  mangem  pfaffen  ist  ergän, 
der  verholne  minnet',  sunder  wän; 
Davor  sol  mich  Got  bewarn: 
80  mag  aber  ich  da3  undervarn, 

So  geschiht  mir  hie  niht  pfaffen  reht.« 
üf  sin  pfert  gesa3  er  äne  kneht, 
[Dannen]  trabet'  er  vil  kekke. 
tisch  lachen  unde  bekke. 
85  ßräjbt'  ein  kameraere  dar, 
ein  tish  lachen  WI3  gevar 
Von  bilden  vil  ahtbaerc. 
»wä  ist  min  gevater  der  pfarrsere« 
Sprach  der  wirt  »hin  bekomen?« 
90  diu  vrouwe  sprach:   »er  hat  genomen 
Die  hasen  bede,  und  ist  da  hin.«  — 
»triuwen,«  sprach  der  wirt  »den  sin 
Prueve  ich  niht  vür  werdikeit.  « 
des  wirtes  pfert  was  ouch  bereit, 
95  Er  sprach:  »er  laet  sie  hie,  wci3  Got, 
vuert'  er  sie  hin,  da3  waer*  ein  spot, 
Man  het'  mich  vur  ein[enj  allen.« 
dö  rant'  er  nach  dem  [»lallen; 


152  XXX.   Per  entlaufene  $afenbraten. 

Dö  er  in  verrest  ane  sach, 
100  er  rief  lüte  unde  sprach: 

»Wei'3  Got,  ir  lä3et  sie  bede  hie!« 
der  pfaffe  dar  näher  loufen  He, 
Er  sprach:  »ich  entuon,  ob  Got  wil, 
mir  wart  nie  erteilt  sulch  spil, 
5  Es  ist  gar  an'  die  schulde  min: 
ich  wänt',  ir  solt  min  vriunt  sin, 
Des  enist  niht,  da3  sihe  ich   wol; 
ichn'  wei'3  niht,  wa  ich  mich  hueten  sol.« 
»Eijä,  so  la3  mir  doch  den  einen!«  — 

10  »nein,  ich,  triuwen,  keinen, 

Die  wile  ich'3  wol  erwenden  mak. « 
sin  kirche  im  so  nahen  lak, 
Da3  er  den  vrithof  gewan, 
wie  balde  er  in  die  kirche  entran! 

15  Die  SI03  er  vaste  nach  im  zuo. 
do  bedähte  sich  der  ritter  duo, 
Do  er  sin  niht  moht'  ergrifen, 
do  lie3  er  zorn  entslifen, 
Von  dannen  er  dö  kerte, 

20  sin  zuht  er  damit  erte, 
Er  reit  heim,  unde  sa3 
und  hie3  im  vür  tragen,  und  a3 
Die  spise ,  die  er  mohte  hän , 
unz  da3  er  het  sin[en]  zorn  verlän, 

25  Und  da3  er  reht  inne  wart 

umb  die  hasen  und  [umb]  des  pfaften  vart. 
Er  sprach:  »ja,  vrouwe,  schimpf  ist  guot 
underwilen,  d6  man  in  ane  zorn  tuot. « 
Diz  ungelogen  maere 

30  macht'  uns  der  Vriolsheimaere. 


XXXI. 


jP  e  r   "Hetzer. 


^W  as  aller  Welt  behagt ,  zu  singen  und  zu  sagen  ohne  Sünde,  dazu 
gehört  ein  Wunder:  verständig  ist,  wer  guter  Leute  Gunst  durch  seine 
Kunst  behalten  kann. 

Ea  heifst:  Frauen  haben  langes  Haar  und  kurzen  Sinn;  befser  als 
ich  erkannte  sie,  wer  sie  zuerst  Frauen  nannte;  welche  Frau  aber 
fraulich  thut  in  rechter  Zucht  und  so  sich  ehrt,  dafs  sie  ein  Weib 
von  reinen  Sitten  heifsen  mag,  um  die  mag  ein  Mann  gerne  werben. 

Wollt  ihr  nun  schweigen,  so  sage  ich  ein  artiges  Märe,  weiches  ein 
Behendiger  gedichtet  hat. 

Ein  Mann,  reich  an  Gut  und  Ländereien,  hatte  seine  Freude  an 
einem  Hahne,  der  auf  seinen  Ruf  ihm  auf  die  Hand  tlog  und  sich  so 
überall  mit  umhertragen  liefs.  So  fand  der  Mann  einst  an'  seinem 
Teiche  einen  Reiher,  der  sich  beim  Anblicke  des  habichtähnlichen  Hahns 
niederduckte.  Der  Manu  trat  näher,  schwang  den  Hahn  von  der  Hand, 
warf  sein  Gewand  über  den  Reiher  und  fing  ihn.  Er  eilte  nach  Hause, 
und  frohlockte,  dafs  er  mit  seinem  Hahne,  den  e"r  wieder  (wie  einen 
Falken,  auf  der  Hand  trug,  einen  Reiher  gebeizt  habe;  worauf  seine 
Frau  ihn  öfter  so  jagen  hiefs.  Er  liefs  einen  Koch  kommen,  den  Reiher 
köstlich  zurichten  ,  und  ihn  seiner  Frau  bringen.  Sie  hiefs  die  Magd 
ihn  bewahren,  und  willigle  in  den  Vorschlag  ihres  Mannes,  seinen 
Herrn  zu  dem  Wildpret  einzuladen.  Frühmorgens  ritt  der  Mann  zu 
•l<m  Herrn;  die  Frau  aber  lud  ihre  Gevatterin  zu  Tische,  und  als  beide 
gegefsen  und  getrunken  ,  bezeigte  die  Frau  Gelüste  nach  dem  Wild- 
urete ;  die  Gevatterin  ersann  den  Vorwand  ,  dafs  ihr,  als  einer  Kranken, 
ein  Flügel  und  eine  K'Mile  davon  gesandt  worden;  und  als  diese  ver- 
zehrt »aren,  erbot  lie  lieh  auch  lur  das  I  brige  büfsen  zu  helfen,  und 
ICH  heul«-  rt.-n  ganzen  Reiher,  und  vergruben  das  Gebein;  worauf 
,  ratterte  heimging. 

Unterdessen  halte  der  Mann  seinen  Jierrn  zu  Gaste  geladen,  und 
kam  mit  ihm  zu  Hause  geritten  Die  Frau  empfing  ihn  ehrerbietig; 
«t  wurde  ihm  Handwaaeei  gereicht  und  mancherlei  speise  und  Trank 
vorgesetzt;  worauf  der  Wfrtfa  ihm  den  Reiher  ankündigte,  und  der 
Ptaa  gebt*  den  Braten  aufzutragen.  Dieae  wollte  von  keinem  Reiber 
_'•  ihn  derjenige  bringen,  dem  er  ihn  ra  Bewahrung  ge- 
geben habe.  Der  Mann  fand  den  Bpaia  nnxeitig;  ifc  aber  bertei  lieh 
auf  ihr  Gefinde,    und  alle  bezeugten  es  als  unglaublich     daüi   man 

»•inen   Reibet  mit   einem   H.ihrn-   ( i  n  ^r « •       l»-i    Wirih   Ith   lieh   uhersli  illm 

drohte  aber  Vergeltung     Der  Herr  forderte  ihn  auf,  ihn  nach  Hauet 

n    und  beide  ritten  hinweg 


Die  Frau  liefs  sogleich  die  Gevatterin  kommen,  stellte  sich  unwohl, 
und  bat  sie,  die  Nacht  ihre  Stelle  bei  ihrem  Manne  einzunehmen,  der 
ungenügsam  sei  im  Bettspiel  und  auch  die  Kranke  nicht  in  Ruhe  lafsen 
werde.  Die  Gevatterin  wandte  den  doppelten  Ehebruch  ein,  der  einem 
Todtschlage  gleich  sei ;  die  Frau  aber  erbot  sich  durch  dreifsigMessen  und 
Speisung  dreier  Dürftigen  an  jedem  Sonntag  ein  Jahrlang,  die  Sünde 
zu  biifsen  ,  und  schenkte  der  Gevatterin  einen  schönen  neuen  Schleier. 
Diese  willigte  ein  ,  und  beide  setzten  sich  in  ein  Kämmerlein  und  tranken 
vom  Besten. 

Als  der  Mann  heimkam,  schnitt  er  sich  drei  Stäbe,  und  steckte 
sie  im  Schlafgemache  neben  dem  Bettbrette,  ging  dann  zu  seinen  Leuten 
und  spielte  mit  dem  Kinde.  Die  Frau  kam  hervor,  er  hiefs  sie  zornig 
schlafen  gehn  ,  und  sie  liefs  nun  die  Gevatterin  sich  ins  Bette  an  die 
Wand  legen.  Diese  hatte  vergefsen,  St.  Gertruden  um  gute  Herberge 
zu  bitten;  der  Mann  ging  in  Wolfharts  Muthe  zu  Bette,  und  zerschlug 
auf  ihr  die  drei  Stäbe,  mit  dem  Zuruf:  er  sei  noch  der  Mann,  der  den 
Reiher  mit  dem  Hahne  fing;  dann  schnitt  er  ihr  zum  Warzeichen  beide 
Zöpfe  ab.  Sie  raffte  nun  ihre  Zöpfe  auf  und  schlüpfte  hinaus.  Auf  die 
Frage  der  Wirthin,  ob  sie  der  Minne  satt  sei,  verfluchte  sie  das  Gelüst 
nach  dem  Beiher,  und  wünschte  ^  dafs  sie  mit  ihrem  Mann  ein  Wolken- 
bruch ersäufe.  Die  Wirthin  hiefs  sie,  diese  Minne  (Angedenken)  von 
ihnen  zu  haben,  und  sie  abzureiben,  wenn  sie  trockne. 

Am  Morgen  weckte  die  Frau  ihren  Mann,  der  sich  wunderte,  sie  so 
munter  zu  sehen  ,  und  sich  laut  rühmte,  drei  Knüttel  auf  ihr  zerschlagen 
zu  haben.  Sie  erwiederte,  das  sei  eben  so  wahr,  als  er  den  Reiher  mit 
dem  Hahne  gefangen ;  und  als  er  sich  auf  die  abgeschnittenen  Zöpfe 
berief,  liefs  sie  ihr  langes  wachsgelbes  Haar  wallen.  Da  bekannte  der 
Mann  sich  für  unsinnig,  und  bat  sie  um  Heilung.  Sie  nahm  ihr  neues 
Kopfband,  mafs  ihn  damit  die  Länge  und  die  Queere,  fafste  es  zwei- 
fach, hiefs  ihn,  auf  ihren  rechten  Fufs  treten,  hindurchblasen,  sich  zu^ 
Bette  legen,  bis  er  schwitze,  und  dann  drillhalb  Boggenkörner  efsen, 
so  werde  er  genesen. 

So  äffte  die  Frau  ihren  Mann. 


XXXI. 

Der   r  e  i  g  e  r, 


Diz  ist  von  einem  reiger  ein  maere: 
Got  überhebe  uns  aller  swaere. 


^Ter  nü  kan  singen  unde  sagen , 

da3  al  der  werlde  sol  behagen. 

Mak  da,5  äne  sünde  sin, 

da  muo3  wunder  wesen  bi. 
5  Wer  vür  bringen  kan  sin  kunst. 

[ai]sö  da3  er  guoter  liute  gunst 

Mit  vuogen  kan  behalten, 

der  mak  wizze  walten. 

Ich  hört'  ie  sagen,  da3  ist  war: 
10  vrouwen  die  haben  langes  bar, 

Da  bt  einen  kurzen  sin. 

also  dunkct  mich  an  in, 

I);i-  si  sie  ba.5  den  ich  erkanlen, 

die  sie  alrest  vrouwen  nanten. 
15  Aber  welch  vroiiw'  vrouliclien  tuot, 
dai  ti  ir  berze  und  iren  muoi 

Wendet  an  refalc  zuht, 

hat  diu  schände  von  ir  vluht; 

Als  ein  vrouw'  iren  werden   1  i |> 
2i)  f&   liurct .   dag  vi  ein   wlp 

<i<  |,rj-;<ii   mtk  mit  reinen  siicn  . 

dei    mak   ein  m;in   vil  gerne   bilen 


158  XXXI.  £«  Heiner. 

Wolt  ir  mir  nü  stille  gedagen, 

so  wold'  ich  iu  vil  gerne  sagen 
25  Ein  Loveliche3  maere: 

da3  hat  ein  Behendigaere 

Getihtet  von  einem  man, 

der  vienk  den  reiger  mit  dem  han, 

Der  was  des  guotes  riche: 
30^holz  unde  tiche 

Hat'  er,  manik  akker  lank; 

darzuo  so  tet  er  mangen  gank, 

Als  ich  iu  nü  wil  sagen: 

ein  han  begund'  im  wol  behagen 
35  Den  ezt'  er  dikke  üf  siner  hant, 

üf  da3,  da3  er  im  wurde  [wol]  bekant; 

Wen  er  im  zeimäl  gerief, 

vil  snellichen  er  dar  lief, 

Er  vlouk  im  sän  üf  sine  hant 
40  willikllchen,  sunder  bant, 

Er  truog  in,  war  in  dühte  guot, 

da3  im  ze  vliegen  niht  stuont  sin  muot. 

Ze  einen  ziten  da3  geschach, 

da3  der  wirt  durch  sin  gemach 
45  Ze  sinen  tichen  wolde  gän, 

da  vant  er  einen  reiger  stän, 

Der  wart',  ob  er  iht  vische 

ze  spise  mohte  erwischen ; 

Als  er  des  hanen  wart  gewar, 
50  der  hat'  ouch  eines  habechs  var, 

Er  begunde  sich  drükken. 

der  wirt  däht':  »ob  mir  [ein]  glükke 

Gesch(aeh)e  zuo  dirre  stunt, 

da3  diuhte  mich  ein  tiure  vunt, 
55  Da3  mir  so  wol  ergienge, 

da3  ich  [mit  den  hanen]  den  reiger  vienge.« 

Der  reiger  was  erschrokken  gar, 

der  wirt  der  trat  im  vaste  när, 

Do  betroug  in  sin  tumber  sin, 
60  da3  er  kwam  über  in, 


XXXI.  $ex  fotljer.  159 

Den  hanen  stie3  er  von  der  hant, 

über  den  reiger  warf  er  sin  gewant, 

Er  drukt'  in  zuo  der  erden, 

[er  sprach:]  »du  muost  gevangen  werden.« 
65  Als  er  den  reiger  dö  vienk, 

zehant  er  gegen  hüse  gienk: 

»Disen  reiger  vieng  ich  mit  dem  han 

wa3  wir  dem  guotes  haben  getan, 

Da3  hab'  wir  alle3  wol  bewant.« 
70  [den]noch  stuont  im  der  han  üf  der  hant. 

[Si  sprach.]  »kunt  ir  mit  han(en)  reiger  vän, 

so  sult  ir  dikke  bei3en  gän. « 
Der  wirt  hie3  werben  umb  einen  koch, 

er  sprach:   »man  sol  den  reiger  noch 
75  Von  meisterlichen  Sachen 

mit  guoten  würzen  machen.« 

Als  der  reiger  wart  bereit 

von  meisterlicher  arbeit, 

Der  koch  truog  in  ze  hant, 
80  da  er  sinen  herren  vant. 

[Er  sprach:]  »du  solt  in  diner  vnouwen  tragen, 

lä3  si  sehen,  wie  er  ir  behage.« 

Zornikllchen  sprach  si[n]:  »meit, 

hcerst  du,  wa3  ich  dir  hab'  geseit, 
85  Trage  den  reiger  von  dem  wege 

und  hald'  in  vaste  in  diner  pflege.« 
Der  wirt  sprach:  »vrouwc  guote, 

mir  ist  in  minem  muote, 

Mdfaf  03  mit  dlnem  willen  sin, 
90  da3  ich  den  lieben  heren  min 

Her  ze  hüse  baetc 

ze  disem  wiltpraete. » 

Si  sprach:  »e3  ist  min  willc  wol, 

ich  bin,  diu  c.3  verdienen  sol, 
95  W«i3  kumen  mag  zuo  £rcn 

iu  und  iuwerm  h£ren, 

Des  bin  ich  iiinenkllchen  vro. « 

also  antwurt*  im  diu  vrouwc  du. 


160  XXXI.  Der  Beitjcr. 

Des  morgens  dö  e^  tagctc. 
100  der  wirt  niht  langer  endagete, 

Er  hie3  gereiten  diu  pfert, 

des  wart  er  schiere  gewert, 

Ze  sinem  heren  da3  er  reit. 

diu  vrouwe  niht  langer  beit\ 
5^Si  sprach:  »meif,  ge  her  ze  mir 

und  e  hoere,  \va5  ich  sage  dir. 

Ge  ze  miner  gevatern  In. 

und  wart',  ob  si  däheime  si; 

Hei3e  si  zuo  mir  kumen  her , 
10  sprich,  ich  mug'  ir  niht  enbern. « 

Zehant  diu  meit  des  niht  enlie3, 

da3  si  ir  vrouwe  tuon  hie3, 

Si  lief  al  ze  hant, 

da  si  die  gevatern  vant, 
15  [Si  sprach:]  »vrouwe,  min  herre  ist  Ü3  geriten, 

min  vrouw'  Iaet  iucfr  ze  hüse  biten, 

Wir  wellen  [noch  hiute]  haben  einen  guoten  tak, 

ob  ich  e3  umb  iuh  erwerben  mak, 

Herzen  liebe  vrouwe, 
20  nü  133t  iuch  balde  zouwen.« 

[Si  sprach:]  »z'wär,  du  wirbest  din  botschaft 

also  mit  gewaltiklicher  kraft, 

Von  swannen  du  her  bist  bekomen; 

ich  hab'  ouch  dikke  vernomen: 
25  Wer  einen  biderben  [boten]  sendet, 

sine  ere  er  wol  vol  endet. 

Ob  ich  e3  nü  gerne  lie3e, 

si  muest'  des  boten  genie3en. « 

Si  sprach:  »meit,  nü  breng'  her  in 
30  da3  gebende  und  ouch  diu  kleider  min. « 

Vil  schier  hat'  si  sich  an  goleit.  — 

»wiltu  gen,  ich  bin  bereit.« 

Si  giengen  beide  al  zehant, 

da  si  die  gevatern  vant. 
35      Als  si  die  gevatern  an  gesach, 

da3  wort  si  guetlichen  sprach, 


XXXI.  2>*r  tteit)er.  161 

.Si  sprach:  »vil  liebe  gevater  min. 

da3  ir  saelik  mue3et  sin, 

Wie  mag  da3  immer  gesehen, 
140  da3  ir  mir  sit  so  seltseen'? 

Da3  ich  iuh  dikke  mueste  sehen, 

mir  künde  liebers  niht  gesehen.« 
Diu  vrouwe  begunde  winken, 

diu  meit  diu  bräht(e)  trinken; 
45  Si  trunken  unde  sazten  nider.  — 

»simmeit,  genk  her  wider, 

Ist  da3  e33en  bereit?«  — 

»ja,  vrou[we],  da3  bröt  ist  uf  geleit.«  — 

»Nu  hin,  [gevater,]  so  ge  wir  e33en, 
50  da3  wir  ouch  verge33en 

Unsre  grÖ3en  leide, 

ir  und  ich,  wir  beide.« 

Si  sazten  sich  ze  dem  tische, 

vleisch  unde  vische 
55  Wart  da  vil  vür  getragen, 

ich  wile3  iu  waerlichen  sagen, 

Als  si  dö  häten  ge33en. 

diu  wirtin[ne]  sprach;  »ich  hab'  verge33en, 

Gevater,  gebet  mir  iuwer  raete, 
60  min  wirt  hat  ein  wilpraete, 

Wie  wir  des  mit  unsern  sinnen 

im  ein  wenik  an  gewinnen.« 

Si  sprach:  »den  rat  den  vinde  ich  wol, 

hei3  uns  da3  wilpraete  holn.« 
65  Als  der  reiger  wart  braht, 

i  iprach:  »gefatere,  ich  hab'  gedaht, 

Ir  sull  sprechen,  ich  si  siech, 

einen  vitch  und  ein  dieefa 

Habet  ir  mir  gesendet.«  — 
70  >>so  ist  diu  teidink  vol  endet, 

Got  !-r<'l)e  uns  goot  geltikki 

si  n.iiDcn  dei  reigeri  zwei  stükke, 

I)iu  blies  \or  in  kurzen  VU03; 

die   v. ärheit  ich  1111  IprecbeD  mu03, 


162  XXXL  Uer  Weitet. 

175  Do  sprach  diu  gestinne: 

»ich  kan  mich  niht  versinnen, 

Ob  ich  ie  be^ers  wilpraets  enbei3, 

diu  galreide  ist  von  würzen  hei3, 

Gevatere,  ich  bite  iuh  unde  vle, 
80  gebt  mir  des  wilpraetes  me.« 

Si  sprach:  »diu  bet'  ist  gar  verlorn, 

ja  vürht'  ich  mines  mannes  zorn, 

Und  aht'  ouch  dikke  sines  gebotes 

verre  mer,  denne  Gotes.« 
85  [Si  sprach:  »gevater,]  mich  ist  komen  an  ein  gelust, 

nü  gebt  mir  des  reigers  brüst  ? 

Und  nemt  darnach  da3  beste  stükke: 

so!  man  e3  bue3en,  ich  wil  mich  bükken 

Und  wil  mir  lä3en  smizzen 
90  mit  willen  siben  spizzen. « 

[Si  sprach:]   »gevater,   weit  ir'3  understen, 

so  wil  ich  e3  mit  iu  an  gen, 

Da3  ir  mir'3  helfet  bue3en, 

ob  sür  kumt  nach  sue3en. «  — 
95  »Ja  ich,  vil  liebe  gevater  min, 

da3  ir  sselik  mue3et  sin. « 

Nü  hin ,  der  reiger  wart  ge33en , 

dö  wart  niht  lenger  gese33en, 

Si  nämen  da3  gebeine, 
200  beide,  grÖ3  unt  kleine, 

Si  begruoben'3  in  einem  stalle 

mit  lüzz(e)lem  schalle. 

Als  da3  gebeine  wart  begraben. 

diu  gestin  sprach:  »ich  wil  urloup  haben, 
5  Min  gesinde  ich  selber  muo3  bewarn, 

ze  sent  Jakob  ist  min  man  gevarn. « 
Als  si  den  urloup  genam , 

ze  hant  der  wirt  geriten  kwam, 

Da  er  sinen  heren  vant, 
10  er  sprach  mit  willen  sazehant: 

»Here,  also  liep  als  ich  iu  si, 

so  tuot  mich  hiute  sorgen  vri 


XXXI.  Btt  tleibcr.  163 

f'nd  e,55et  mit  mir  arm(en)  man 

des  ich  iu  ze  geben(e)  han.« 
•215  [Er  sprach:]    »sit  du  es  mit  willen  hast  gegert 

so  soltu  sin  vil  wol  gewert.« 
Als  diu  vrouwe  da,3  vernam. 

da5  der  here  mit  dem  wirte  kwam. 

Si  wurden  wol  enpfangen . 
20  si  kwamgegen  in  gegangen, 

Si  sprach:  »vil  lieber  here  min, 

Got  muostu  wille  komen  sin; 

Ich  gesach  bi  einem  järe 

nie  liebern  gast,  ver  wäre. « 
25  Als  diu  vrouwe  den  wirt  an  gesach,     . 

da3  wort  si  guetlichen  sprach: 

»Hei.3et  e33en  unsern  heren  • 

mit  vil  grölen  eren. « 

Ze  hant  der  here  wa33er  nam. 
30  der  gerillte  vil  ze  tische  kwnm 

Von  spise  und  ouch  von  tränke, 

da3  stuont  da  wol  ze  danke. 

Der  wirt  vür  sinen  heren  trat, 

[ersprach:  «\vi3t ir.J  warumbich  iueh  ze  hüse  bat? 
15  K3  ist  mir  wol  ergangen, 

ich  habe  mit  einem  han  einen  reiger  gevangen, 

Des  solle  wir  e33en, 

r  denne  wir's  vcrge33cn.« 

Er  Iprach:  »troUfpen,  ist  da3  gesehen.' 
10  'I.15  habe  i<  h  leiten  mer  gesehen.« 

Der  mitsprach  :]  »vreuw',  als  liepien  in  muge  sin. 
•  bringet  uns  den  reiger  her  in.« 

I)d  sprach  diu  \rou\w  ino  der  stünt: 

hui  ist  umh  keinen  reiger  [nihl]  kunt; 
16  Den  h  einen  reiger  ze  halten  habt  gAlan, 
den  mnget  ir'n  in  bringen  ldnv« 

1  1  iprach:]  oachnde  and  Bchimpl  isl  bawi 
mich  rnuci  atanst  gebe 

\  rnuwe,  ich  enwil  sin  niht  enbern, 
>o  im'  bringet  uns  den  reiger  her.« 


164  XXXI.  Per  Heiner. 

[Si  sprach:]  »nü  hoeret,  lieben  alle, 

wie  iu  da3  gevalle, 

Da3  mir  hie  unser  man 

wil  ertwingen  einen  reiger  an.« 
255  Do  spräch(en)  si  ze  der  stunde 

mit  gemeinem  munde: 

»Z'wär,  ich  warne,  da3  e3  doch  ie  ergienge, 

da3  man  mit  hanen  reiger  vienge.« 

Do  sprach  der  wirt  mit  guoten  siten: 
60  »seht,  nü  bin  ich  überstriten: 

E3  muo3  aber  etswer  engelden.« 

»ja,«  daht'  si  »der  mit  as,  der  muo3  mit  gelden.« 

Als  der  here  da3  gesach, 

da3  der  wirt  hat*  ungemach, 
65  Er  sprach:  »nü  lät  iuwer  sorgen; 

ich  wil  iu  vröude  borgen, 

Ir  sult  niht  lenger  biten, 

ir  sult  mit  mir  gegen  hüse  riten; 

Ir  kumt  dennoch  sider 
70  wol  bi  sunnen  schin  her  wider.« 
Als  er  den  hof  gerümete, 

diu  vrouwe  niht  lenger  sümete, 

Si  leget'  sich  nider  üf  ir  diech 

unde  seite,  si  wa?re  siech, 
75  Si  sprach:  »meit,  gank  her  ze  mir, 

und  hoere,  wa3  ich  sage  dir, 

Louf[e]  ze  mtner  gevateren 

und  ruof  ir  über  den  gateren.« 

Zehant  diu  meit  des  niht  enlie3, 
80  da3  si  ir  vrouwe  tuon  hie3, 

Si  lief  zuo  ir  gevateren, 

und  rief  ir  über  den  gateren. 

Do  kwam  si  geswungen; 

ir  was  ouch  e  gelungen. 
85  Als  si  die  gevateren  an  gesach, 

da3  wort  si  guollichen  sprach: 

»Eijä,  liebe  gevater,  wie  ist  iu  gesehen? 

ich  hab'  iuh  selten  me  so  krank  gesehen.« 


XXXI.  3P«  «eilpcr.  165 

Do  sprach  si  zuo  der  stunt: 
290  »ich  bin  siech  und  ungesunt, 

£3  grimmet  mich  ze  dem  herzen 

und  lide  gre^en  smerzen.« 

[Si  sprach:  »gevater,]  sagt  mir,  wa3  iu  werre; 

und  sold'  ich  e3  holen  verre 
95  Uf  mines  selbes  übe, 

iuwer  siuehe  [wil]  ich  gar  vertribe[n].c< 

[Si  sprach:]  »gevater,  ich  habe  einen  man, 

ich  enwei3,  wa3  den  ist  komen  an: 

Als  ich  mich  in  da3  bette  lege, 
300  unde  mich  nirgen  rege 

Unde  e  ich  vollen  werde  warm, 

so  nimt  er  mich  an  sinen  arm, 

Und  da3  da  hei3et  bette  spil, 

des  kan  er  113er  ma3en  vil, 
5  Da3  er  mir  keiner  ruowe  [niht]  enlät: 

und  het'  er  den  visch  von  salat 

An  einem  ende  ge33en, 

er  waer(e)  gnuok  verme33en. 

Sol  ich  ouch  hinaht  bi  im  ligen, 
10  der  tot  der  muo3  mir  an  gesigen: 

[Gevater,]  weit  aber  ir,  da5  ich  genese, 

so  sult  ir  hinaht  bl  im  wesen.« 

Si  sprach:  »die  rede  lä3t  besten; 

also  braech'  ich  zwo  e, 
15  Und  laege  ich  bl  im  ein(e)  naht, 

ba3  bue3te  ich  ein(e)  man  slaht. « 

[Si  sprach:  »nein,  gevater,]  ich  sag' iu,  wa3ichtuo, 

ich  bringe  e3  vil  wol  anders  zuo: 

Drl3ik  bete  messe 
20  werden  vil  gewisse 

Aon  mir  gevrümt; 

und  d.13  ba3  ze  staten  kümt, 

Alle  suntage  ein  jär 

drl  dürftigen,  da3  ist  war, 
25  Von  mir  ze  tische  gesezzet; 

damit  werde  wir  ergezzet 


166  XXXI.  Wn  Bei^r. 

[Alle]  der  sünde  die  wir  daran  hegen, 
die  lä3t  alle  üf  mir  besten. « 
[Si  sprach:]  »gevater,  mag  e3  also  gewesen, 
330  so  wil  ich  iuch  gerne  helfen  genesen. « 
Diu  wirtin  nam  die  laden  üf  den  scho3, 
vil  schiere  si  üf  geslÖ5, 
Si  nam  mit  ir  hende 
her  Ü3  ein  [ wei3]  stolz  gebende , 
35  [Si  sprach:]  »gevater,  ir  sit  mir  getriuwe, 
nü  nemet  hin  die  risen  niuwe.« 
Do  kwam  der  wirt  geriten  zuo , 
[si  sprach:]  »gevater,  wra3  sol  ich  nü  tuonV«    . 
[Si  sprach:]  »dö  ge  wir  also  dräte 
40  bi  unser  kemenäte 

Jn  ein  kleine3  kemerlin, 
da  welle  wir  uns  sezzen  in 
Unt  trinken  des  besten  des  da  st, 
so  werde  wir  aller  sorge  vri. » 
45      Als  der  wirt  erbei3te, 
sin  muot  in  sere  rei3te, 
Er  huob  sich  alzehant, 
da  er  einen  hüfen  holz  vant, 
DarÜ3  sneit  er  dri  Stabe; 
50  merket,  war  zuo  wold'  er  die  haben? 
Er  truok  si  also  dräte 
in  sine  kemenäte 
Und  slie3  si  bi  sin  betbret; 
merket,  warumb  er  da3  tet. 
55  Er  gienk  ze  sinem  gesinde 
und  spilte  mit  dem  kinde. 
Diu  wirtin  sprach:  »gevater,  ir  sult  nirgeu  gen, 
ich  wil  warten,  wie'3  umb  den  wirt  muge  sten.o 
Als  der  wirt  die  vrouwen  an  gesach, 
60  da3  wort  er  zorniklichen  sprach: 
»E3  waer(e)  släfens  zit; 
ich  lie3  iuch  suochen  immer  slt.« 
Si  sprach:  »ich  bin  al bereit, 
ich  het'  mich  hiut'  sän  gerne  geleit.«  — 


XXXI.  Per  Bei^r.  167 

365  Si  sprach:  »gevater,  weit  ir  nü  üf  sten, 

der  wirt  der  hei3et  mich  släfen  gen.  * 

Vil  schiere  hat'  si  sich  bedäht, 

Got  der  gaebe  ir  guot(e)  naht. 

Si  sprach:  »so  stet  üf  sä  zehant, 
70  und  leget  iuch  in  da3  bette  bi  die  want, 

Und  swiget  gar  stille, 

bi3  da3  erget  sin  wille, 

So  wirt  er  der  allerbeste  man, 

den  ie  kein  vrouwe  gewan. « 
75  Släfen  gienk  der  guote 

in  Wolfhartes  muote, 

Lüzzel  was  sin  rÜ3en. 

si  begunde  lÜ3en; 

Si  hat'  ouch  bi  aller  wochen 
80  Sente  Gedrüden  nie  gesprochen 

Noch  umb  kein  guote  her  berge  gebeten. 

merket,  wa3  der  wirt  tete, 

Unz  er  ertihte, 

üf  er  sich  rihte, 
85  Niht  lenger  er  da  lak, 

wan  da  was  niht  wan:  slähä,  släch! 

Er  sprach:  »ja  bin  ich  e3  noh  der  man, 

der  [da]  vienk  den  reiger  mit  dem  han!« 

Ich  wil  e3  iu  waerlichen  sagen, 
90  bi3  er  hat'  üf  ir  dri  knütel  zeslagen, 

Bi  zöch  da3  me33er  Ü3  der  scheide 

und  sneit  ir  abe  die  zöpfe  beide, 

[Er  sprach:]  »diz  >\ il  ich  ze  worzeichen  habn, 

da3  strlt  ir  mir  doch  morgen  niht  ab.  « 
95  Uf  der  erden  si  dö  reifte, 

bi3  si  die  topfe  erkreiftc; 

l)o  \s ;irt  niht  lenger  gespart) 
ipilf  des  samen  mit  der  vart', 

Üi  03  der  kemenAton  trat. 
i<X)  diu  Wirtin  sprach  :  »ftt  ir  noch  tnul<n\  >;it?« 
1 .1. a  sprach  si,  1KU13  mich  iuwersreigers  hat gelust, 
ertüBkl  iuch  beide  ein  gröj  wölken  brust.a 


168  XXXI.  jP«  meiljrr. 

Si  sprach:  »die  minne  sult  ir  von  uns  haben; 

getrukkent  si,  so  ribet  si  abe. « 
405      Des  morgens  dö  man  lüte, 

diu  vrouwe  gienk  ze  irem  trüte, 

Si  sprach:  »weit  ir  niht  üf  sten? 
man  liut,  ir  sult  ze  kirchen  gen.« 

Er  sprach:  »sim,  sit  ir  iezunt  genesen?« 
10  si  sprach  sän:  »wa3  sal  mir  wesen?«  — 

»Ich  wänt',  ir  waer(e)t  lange  tot.« 

si  sprach:  »von  welher  hande  not?«  — 

»Ja,  lieben,  lat  iu  sagen, 

ich  hab'  dri  knütel  an  ir  zeslagen.«  — 
15  »Ja,  da3  ist  reht  als  vil  ergangen, 

als  ir  mit  hanen  reiger  habt  gevangen. « 

Er  sprach:  »ich  sneit  iu  die  zöpfe  ab.«  — 

»z'vvär,  ich  waen',  das  *cn  si  alhie  hab'.«  — 

»Ja,  bringet  ir  mich  dan  iuwers  häres  inne, 
20  so  hab'  ich  niht  rehter  sinne.« 

Si  swank  hervür  ein  vahs, 

der  was  gel  als  ein  wahs, 

Si  sprach:  »ja  ist  wunder,  da3  ir  lebt, 

und  doch  also  sere  in  grimme  strebt.« 
25  Er  sprach:  »liebe,  ich  habe  niht  miner  sinne, 

hilf  mir,  da3  ich  si  gewinne; 

Bue3t  du  mir  niht,  vil  liebe3  wip, 

so  verlius'  ich  minen  lip.» 

Si  sprach:  »so  halt  her  und  lä3t  iuch  me33en, 
30  ob  ihtes  an  iu  si  verge33en.« 

Si  was  ungetriuwe, 

si  nam  ir  risen  niuwe, 

Si  ma3  in  nach  der  lenge: 

da  was  e3  im  ze  enge. 
35  Si  ma3  im  twerhes  über  houbt  — 

swa3  ich  spreche,  da3  geloubt  — 

Si  nam  die  risen  zwivalt: 

»blaset  dar  durch  mit  gewalt, 

Unt  tret  mir  üf  minen  rehten  vuoz, 
40  so  wirt  iu  iuwer  siuche  buo3. 


XXXI.  9»  tUtljer.  169 

Ir  sult  iuch  in  da3  bette  legen 
unde  sult  iuch  nirgen  regen, 
Bi3  da3  ir  erhizzet 
und  ein  wenik  erswizzet, 
445  So  e33et  drithalp  rokkenkorn, 
so  wirt  iuwer  siuche  gar  verlorn, 
Und  lät  iu  den  ungelouben 
der  sinne  nibt  me  berouben. « 
Seht,  also  efte  diu  vrouw'  iren  man. 
50  reht  als  ich  iu  gesaget  hän. 


XXXII. 


Ein  Bauer  hatte  auf  sein  Weib  einen  solchen  flafs  geworfen,  dafs 
er  sie  umgebracht  hätte,  wenn  er  nicht  die  Leute  gefürchtet;  ihr  An- 
blick und  Rede  war  ihm  zuwider,  und  er  bat  Gott,  der  Tod  möge  ihn 
von  ihr  befreien,  oder  der  Donner  sie  beide  erschlagen:  der  Teufel  und 
seine  Mutter  habe  sie  zusammengebracht.  Er  raufte  und  schlug  sie, 
bis  er  sie  für  todt  liegen  liefs,  und  schalt  und  fluchte,  dafs  sie  doch 
nicht  davon  sterbe.  Gleichwohl  wüste  er  keinen  gerechten  Grund  seines 
Hafses  anzugeben.  Die  Mifshandlung  ward  so  arg,  dafs  die  Frau  auch 
lieber  todt  gewesen  wäre.  Da  kam  eine  Gevatterin  zu  ihr,  der  klagte 
sie  ihr  Leid,  und  diese  verhiefs  ihr,  den  Mann  so  zu  verwandeln,  dafs 
er  sie  lieber  haben  sollte,  als  all  des  Kaisers  Gold.  Die  unglückliche 
Frau  erbot  der  Gevatterin  grofsen  Lohn  dalür;  diese  aber  wollte  es  nur 
ihr  zu  Liebe  ihun,  und  beide  verabredeten  sich. 

Die  Gevatterin  ging  hinaus  zu  dem  Manne,  der  eben  aufs  Feld 
ziehen  wollte,  und  sagte  ihm,  er  möge  nur  daheim  bleiben,  seine  Frau 
liege  drinnen  lodlkrank ,  so  dafs  er  sie  nicht  mehr  lebend  träfe,  wenn 
er  nicht  sehr  eilte.  Er  hielt  es  für  Scherz,  wollte' aber  gern  10  Pfund 
für  die  Wahrheil  geben,  und  verhiefs  ihr  Botenlohn ,  wenn  es  binnen 
lieben  Tagen  geschähe;  ihn  gelüste  nicht,  sie  zu  sehen,  er  wolle  auch 
nicht  eher  heimkommen,  als  bis  sie  begraben  wäre:  der  Pfarrer  und 
sie  die  Gevatterin,  möchten  nur  das  Begräbnifs  besorgen,  er  wolle  gern 
alles  bezahlen. 

Die  Gevatterin  ging  wieder  zu  der  Frau,  und  hiefs  sie  all  ihr  Lin- 
nenzeug,  Kleider  und  Geld  zusammensuchen;  sie  thalen  es  in  Säcke, 
und  gingen  damit  beimliefa  in  die  Wohnung  der  Gevatterin,  die  unver- 
heiralhei  und  ein  erfahrend  Biederweib  war.  Dort  bezog  die  Frau  ein 
annehmliche,  Bebk%emicb  mit  Faden,    und  hielt  sich  verborgen  darin. 

Die  Gevatterin  ging  dann  wieder  zur  Wohnung  des  Bauern,  schlofs 
den  Hof  zu,  und  trug  einen  Bloek  ins  Haus;  den  kleidete  sie  als  eine 
Leiche  ein,  meldete  dann  dem  Pfarrer  d.-n  Jod  der  Frau,    die  vor  dem 

n.  hneiiM  i,r.-i  rereehieden  fei,  und  rernieA  ihm  die  reichliche  Gabe 

des  Mannes,  wenn  sie  heute  noch  begraben  wurde.  Der  Pfarrer  wun- 
derte sich,  dafs  sie  so  schleunig,  ohne  beichte  und  Gelaule,  gestorben, 
und  die  Gevatterin  gab  der  I  nrninne  des  Mannes  Schuld,  dais  sie  nicht 
gehörig  besorgt  worden  \  jedu<  h  habe  ja  der  Pfarrer  ihre  Beichte  olt 
gehört,  und  sie  sei  gewif«,  feiig  gestorben.  Der  Plarrer  lonlerle  Pfand 
für  zwei  Pfund,  liefs  durch  »eine  Knechte  die  Leiche  abholen,  und  »iö 
gehörig  bfgn] 


Hierauf  ging  sie  zu  dem  Witwer  und  meldete  ihm  alles;  dieser, 
der  eben  mit  vier  Ochsen  zu  pflügen  zog,  erbot  ihr  vor  Freuden  den 
Ochsen  sammt  dem  Pfluge,  ja  sein  halbes  Gut.  Sie  hiefs  ihn  Gott 
danken,  und  verlangte  nur.  dafs  er  sie  zu  Rathe  zöge,  wenn  er  sich 
■wieder  beweiben  wollte.  Er  versprach  es  ihr,  die  ihm  lieber  wäre,  als 
Gott,   und  lebte  nun  in  stäten  Freuden  fünf  Wochen  lang. 

Da  sagte  er  der  Gevatterin,  dafs  er  nicht  länger  ohne  Weib  sein  wolle. 
Sie  war  bereit,  ihn  binnen  einer  Woche  mit  einer  Frau  ganz  nach  Herzens 
Wunsche  bekannt  zu  machen.  Er  war  froh  ,  und  sie  pflegte  der  bei 
ihr  Verborgenen  aus  deren  Mitteln  auf  alle  Weise  so  wohl,  dafs  sie 
nach  den  sechs  Wochen  wieder  völlig  in  ihrer  Schönheit  blühte.  Sie 
kleidete  sie  eben  so  fein  und  zierlich,  und  führte  nun  den  Mann  heim- 
lich zu  ihr  in  das  köstlich  geschmückte  Gemach.  Die  Schöne  grüfsie 
ihn  freundlich;  er  erwiederte  höflich,  und  sie  gefiel  ihm  über  die 
Maafsen,  als  eine  nie  Gesehene.  Er  afs  vergnügt  mit  ihr,  und  nach 
dem  reichlichen  Mahle  nahm  er  die  Gevatterin  bei  Seite  und  drang 
auf  Verbindung  mit  der  Schönen  Auf  ihr  Bedenken  wegen  seiner  Mis- 
handlung  der  ersten  Frau,  gelobte  er  die  liebreichste  Behandlung  der 
Holden.  Die  Gevatterin  hiefs  ihn  heimgehen,  und  zur  Nacht  heimlich 
wiederkommen.  Das  geschah ;  der  Verliebte  fand  Gnade  bei  der  Schönen, 
und  es  ward  ihm  die  Nacht  bei  ihr  so  wohl,  dafs  er  den  Tag  ver- 
wünschte. Er  konnte  sich  ihrer  Liebe  nicht  ersättigen  ,  blieb  Tag  und 
Nacht  bei  ihr,  und  kümmerte  sich  nicht  um  Wagen  und  Pflug.  Seine 
Freunde  kamen  und  schalten  ihn  deshalb,  er  aber  entschuldigte  sich 
durch  einen  unwiderstehlichen  Zauber ,  und  blieb  in  seinem  Himmel- 
reiche. Da  fragte  sie  ihn  endlich,  warum  sie,  die  früher  Mishandelle, 
ihm  denn  nun  so  lieb  sei;  und  entdeckte  die  Täuschung,  die  ihn  nun 
so  belehrte.  Er  bat  sie  um  Geheimhaltung:  dennoch  ward  die  Geschichte 
schon  binnen  zwölf  Tagen  landkundig,  und  er  blieb  immerdar  der  Leute 
Spott,  wiewohl  er  fortan  mit  seinem  Weibe  in  Frieden  lebte. 


Das    b  1  o  eh. 


Du  maere  ist.  wie  ein  bloch  wart 
begraben  von  der  kündigen  gevateren  rÄt. 


E3  was  hie  vor  ein  gebüre 
den  dühte  bitter  und  süre 
Bi  stnem  wibe  da3  wesen . 
ern'  trüte  bi  ir  niht  genesen 
5  [Weder]  an  sele,  noch  an  lib<- 
e3n'  wart  keinem  wibe 
Ir  man  nie  mer  so  gram; 
da3  er  ir  den  lip  niht  ennam , 
Da3  lie#5  er  durch  die  liute  rrn'. 

10  deunc  durch  die  geistlichen  e. 
Enr1  mohl'  ir  niht  zuo  besprechen 
im  wällte  sin  herze  brechen, 
D«3  er  sie  hört*  ande  sach; 
swa  ,  \\  13  sie  sprach . 

15  Dag  diilitc  in  - 1 1 1  *  -  3  Im'sc. 

13  mich  60I  von  dir  erlossel  < 
I>;i."j  sprach  er  zc  nllr-n  zlten 

ol  ich  des  erbtten, 
D13  am  der  tot  scheide? 

20  der  dooeT  slafae  uns  beide! 
Der  tmvci  brfthte  mich  it  'lir, 

unt   dirh   sin  muoter  her  70  mir 


176         XXXII.  tfljefUtrt),  ®ofc  mit»  $cid)jeit. 

Swenne  er  sie  roufte  unde  sluok, 
des  düht'  in  nimmer  genuok, 

25  Unz  er  sie  vür  tot  ligen  lies; 
er  trat  sie  sere  unde  sties, 
Des  genuoget'  in  vil  selten, 
sin  vluochen  und  sin  schelten 
Diu  wären  äne  mä3e  gar; 

30  er  nam  der  vuoge  ninder  war, 
Er  swuor  vil  ernstliche, 
al[le  die]  liute  üf  ertriche , 
Beide,  man,  kint  unde  wip, 
ob  sie  alle  sluegen  üf  ir  lip, 

35  Sie  wurde  nimmer  wol  erslagen. 
ern'  künde  nie  man  gesagen, 
Wa3  gebresten  an  \r  waere, 
und  was  im  doch  unmaere. 
Da3  wip  weinte  sere; 

40  sie  muete  da3  noch  mere, 
Da3  er  ir  missetät  nie  gewuok, 
denne  alle3  da3  er  sie  gesluok; 
Er  tet  ir  wirs  danne  we, 
unt  zeich  sie  da  bl  nihtes  me, 

45  Wan,  da3  er  ir  vinl  was; 
so  sie  vil  küme  genas, 
So  sluog  er  sie  aber  nider, 
und  habte  danne  niht  wider 
Unz  er  sie  brähte  in  die  not , 

50  da3  ir  michel  lieber  der  tot 
Und  ouch  be33er  waere  gewesen, 
denne  also  kumberlich  genesen, 

Do  sich  ir  not  solt'  enden 
und  sie  Got  wolde  wenden, 

55  Do  kom  ein  ir  gevater  dar, 
diu  wart  ir  leides  wol  gewar, 
Diu  sprach:  »gevater,  saget  mir, 
durch  Got,  warumbe  trüret  ir? 
Ist  iu  min  gevater  gram, 

60  ich  mache  in  iu  so  gehorsam, 


XXXII.  tfljeßaniJ,  $0*  im*  $od)jett.        177 

Da3  er  iu  nimmer  niht  getuot, 

wan,  alle3  da3  iuch  dunket  guot. « 

Sie  sprach:   »er  ist  mir  geha3, 

ern'  \vei3  niht  selbe,  umbe  wa3, 
65  Ich  was  im  holt  mit  triuwen  ie, 

ich  über  gie  sin  gebot  nie, 

Sin  wille  und  sin  ere 

diu  wären  mir  also  sere 

Bevolhen,  so  min  sele. 
70  der  Got,  der  Daniele 

Von  den  löuwen  löste  sinen  lip. 

der  loese  mich  vil  arme3  wip! 

lehn*  künde  iu  nimmer  vollen  sagen, 

wa3  er  mich  hat  gerouf[e]t  und  geslagen 
75  Und  getreten  unde  gestehen.  , 

under  allen  sinen  genesen 

Wart  nie  tiuwerre  man  geborn , 

swen  erlie3e  sinen  zorn.« 
Do  sprach  diu  ander  ze  haut: 
80  »min  triuwe  diu  si  iuwer  pfant, 

Tuot,  als  ich  iuch  lere, 

ern'  gesieht  iuch  nimmer  mere^ 

Und  wirt  iu  dar  zuo  so  holt, 

het'  er  des  keisers  golt, 
85  Da3  gaebe  er  iuwerm  übe 

£,  danne  deheinem  wibe.« 

Si  sprach:   »des  enger  ich  niht; 

p^inne  ich  oder  hin  ich  iht, 

De*  ir  ze  Knie  dar  umbe  #ert, 
90  des  sit  ir  alle*  gewert, 

D;j3  ir  mir'5  bringet  dar  /uo, 

Da5  er  sieb  slahens  abe  tuo. « 
Sie  sprach:    »sit  rin^os  rnuotcs, 

ichnJ  ger  uilii  iuwen  guotes; 
95  Ich  wil  in  min  nieisterfebaft 

erzeigen  durch  der  liebe  Kraft , 

Die  icb  in  li.'in  lange  getragen  1 

11  u'  suit  an  mir  niht  rei tagen, 


178         XXXII.  €l)e|hnti,  $ofc  unt>  tyofoat. 

Swa3  ich  iuch  hei3e,  da3  tuot; 
100  ich  mache  iu  vröuden  riehen  muot: 

So  ir  in  von  akker  varen  sehet, 

so  leget  iuch  nider,  unde  jehet, 

Iu  tuo  da3  herze  vil  we; 

ich  wil  in  ouch  gesprechen  e, 
5  Und  wil  im  wserlichen  sagen. 

da3  ir  in  disen  zwein  tagen 

Vil  gewislichen  sterbet, 

unde  niht  lange  serbet. 

Iuch  hat  der  sselden  tak  betagt, 
10  der  al  der  werlde  wol  behagt, 

Da3  ich  iu  zuo  komen  bin.« 
Mit  der  rede  gie  sie  hin. 

Da  sie  in  ze  akker  varen  sach, 

sie  gruo3t'  in  weinde  unde  sprach: 
15  »0  we,  trüt  gevater  min, 

lät  iuwer  ze  akker  varen  stn! 

Min  gevater,  iuwer  wip, 

diu  wil  verwandeln  disen  lip: 

Sie  ist  der  tot  ane  komen. « 
20  als  er  da3  hete  vernomen, 

Er  sprach:   »e3  ist  iuwer  spot. « 

sie  sprach:   »so  helfe  mir  Got, 

Irn'  gähet  denne  sere, 

irn'  gesehet  sie  nimmer  mere 
25  Weder  lebent,  noch  gesunt. « 

er  sprach:   »hef  ich  zehen  pfunt, 

Diu  sold'  ich  iu  ze  löne  geben, 

sol  ich  siben  tage  leben, 

Gelit  mir  da3  wip  tot, 
30  ich  gibe  iu  gerne  ein  boten  bröt : 

Swie  vil  mir  ze  vasten  geschiht, 

ich  wil  dester  e  heim  niht, 

Mich  enlustet  niht,  da3  ich  sie  sehe. 

si,  da3  mir  so  wol  gesche, 
35  Da3  sie  verwandel  da3  leben, 

swa3  ich  dem  pfaffen  sol  geben, 


XXXII.  tftjejlanfc,  $ol>  unt>  #nd)3ett.  179 


Davür  sezze  ich  nü  ein  pfant. 

da3  er  mir  helfe  ze  hant, 

Da3  sie  begraben  werde. 
140  verstünde  sie  diu  erde, 

So  wold'  ich  vrö  dar  heim  varn  : 

da3  wil  ieh  e  vil  wol  bewarn, 

Die  wile  ich  sie  unbegraben  weis, 

so  swizze  ich  bluotigen  swei3. 
45  Swa3  ir  weit,  da3  gebet  dar  abe , 

da3  man  ir  balde  ein  grab  grabe , 

Als  ir  diu  sele  Ü3  ge; 

begrabet  ir  s'  ouch  ein  wenik  e. 

Sie  stirbet  in  dem  grabe  wol; 
50  swa3  e3  mich  danne  kosten  sol, 

Da3  ich  sie  vinde  begraben, 

den  schaden  wil  ich  gerne  haben.« 
Do  gie  sie  balde  von  dan. 

und  dähte  vaste  dar  an, 
55  Wie  sie  ir  gevateren  beide 

erloste  von  ir  leide; 

Sie  muete  ir  beider  ungemach. 

zuo  dem  wibe  sie  dö  sprach, 

Do  sie  hin  wider  heim  kwam: 
60  »min  gevater  ist  iu  vil  gram; 

Nu  sit  ein  herzen  hafte3  wip: 

ir  werdet  im  liep,  sam  sin  lip. 

>ü  traget  viir  her  ze  hant 

iu\Ncr  beste  linin  gewant 
05  l'nd  dar  zuo  alle,-;  4a£  gnot, 

(J  1-  ir  vor  dem  v>irte  habt  behuot, 

Tuoeh,  kleider,  pfeaoinge; 

des  war,  ich  poache  iu  ringe 

Mit  ein  ander  in  wer  leben, 
70  oder  ich  wil  in  ininen  lip  geben.« 
I)ö  ifc  ir  gnot  alU'3  bialil'-. 

diu  meisterinne  (Abte, 

Da3  sie'5  in  sekke  geslic3; 

ir  gerateren  sie  bieg 


180         XXXII.  gtKfianfc,  ®oti  un*  %oA)v'\L 

175  Vil  balde  mit  ir  heim(e)  gän. 

da3  wart  schiere  getan, 

Sie  kwämen  tougenlichen  dar, 

unt  truogen  da3  guot  gar, 

Des  ir  gevater  also  wielt, 
80  da3  sie'3  dem  wirte  vür  gehielt. 

Do  was  diu  meisterinne 

ein  wip  vol  richer  sinne ; 

Sie  was  lange  an'  man  genesen, 

und  wolt'  ouch  immer  also  wesen, 
85  Und  was  vil  wärhaft  erkant;. 

da  von  geloubten  ir  ze  hanf 

lr  gevatern  beide  dester  ba3; 

sine  warp  ouch  ninder  umb  ir  ha3- 

Sie  het  ein  schoene3  släfgadem, 
90  da3  was  geworht  mit  guoten  laden; 

Da  tet  sie  ir  gevatern  in, 

und  gie  vil  balde  wider  hin. 

Nu  hteret,  wes  sie  dö  pflak: 

in  ir  gevatern  hove  lak 
95  Ein  bloch  wol  also  swaere, 

sam  e3  ein  mensche  waere, 

Und  was  ouch  in  der  mä3e  grÖ3#, 

den  hof  sie  vaste  beslÖ3, 

Da3  bloch  sie  in  da3  hüs  truok, 
200  da3  sie  nie  man  zuo  gewuok, 

Sin  wart  ouch  nie  man  gewar; 

dö  kleite  sie  da3  bloch  gar 

Und  macht'  e3  also  gestalt, 

da3  e3  weder  junk,  noch  alt, 
5  Nie  man  het  an  gesehen, 

er  muest'  es  ze  einem  toten  jehen; 

Also  machte  si'3  geschaffen. 

dö  gie  sie  zuo  dem  pfaffen 

,Und  saget'  im  da3  maere, 
10  da3  ir  gevater  tot  waere 

Nehten  vor  der  hän  krät : 

>)nü  wil  der  wirt  keinen  rat 


XXXII.  €be|iant>,  $0*  untj  fiofye'xt         181 

Vor  sinem  zorne  des  haben, 

sine  werde  hiute  begraben, 
215  Ern'  wil  ouch  zuo  (z')ir  grabe  niht: 

swa3  im  ze  gebene  geschiht, 

Da  vür  sezze  ich  iu  ein  pfant, 

daj  ir  sie  leget  sä  ze  hant. « 

Der  pfaffe  sprach:   »'wie  ist  da3  komen? 
20  ich  solde  ir  bihte  hän  vernomen 

Und  solt'  ir  rehte  hän  getan, 

und  solt'  ir  ouch  gehütet  hän 

Dar  nach  ze  hant  dö  sie  starp. «  — 

»das  ir  da3  hie  nie  man  warp,« 
25  So  sprach  diu  meisterinne 

»da3  schuof  diu  grÖ3e  unminne, 

Die  ir  der  wirt  nü  lange  truok : 

der  düht'  in  dannoch  niht  genuok, 

Dane  hat  er  sie  niht  wol  behuot; 
30  da  vür  neraet  ir  sin  guot, 

Ich  sezze  iu  pfant  vür  swa3  ir  well . 

da3  ir  langer  niht  entweit, 

Irn'  leget  sie,  da  sie  ligen  söl; 

ir  habet  an  ir  bihte  wol 
35  Vi!  dikke  und  ofte  vernomen. 

sie  i>t  mit  triuwen  her  komen; 

Nu  ist  sie  des  gaehen  todes  beliben: 

sit  an  den  buochen  ist  geschriben, 

Swie  der  rehte  mensche  stirbet, 
40  d.'ij  diu  geJe  nilil  verditbet; 

I'.i  soii  sult  ir  gewis  wesen, 

üc  ist  /au)  der  lele  wol  genesen.  - 

»Nu  g£t  hin  bakle, a  ipfach  ei 

»Und  bfingel   mir  ein  pfant  her. 

D13  zwefer  pfunlde  n\<tl  iL 
I  nebte  itoondeo  du  bt, 
Die  laut?  <t  nach  den  tot< 
•lern  UocJm  wart  geschroten 
Ein  ^r.ili .  dl  li'a  i.i  buoben 
-11   ui'l  «-5  vi l  *<>i  begruobea 


182  XXXII.  €t)*fkni>,   <£<«*  unto  ^od)jeit. 

Swie  dem  pfaffen  was  gelogen, 

er  was  idoch  niht  gar  betrogen. 

Er  het  ein  pfant  vür  zwei  pfunt. 

da3  tet  diu  meisterinne  kunt 
255  Ir  gevatern  vil  schiere. 

der  ohsen  wären  viere, 

Da  mit  er  ze  akker  gie; 

er  sprach:   »gevater,  nemet  hie 

Disen  ohsen  mit  dem  pfluoge; 
60  ob  iu  des  niht  genuoge, 

Da3  sult  ir  mich  wiegen  län, 

ich  gibe  iu  halbe3,  da3  ich  hau, 

E  ich  mich  der  majre  verzige. 

nü  hat  min  vröude  den  sige 
65  An  minem  herzen  leide  erstriten; 

der  saelde  hän  ich  küme  erbileu. « 

Do  sprach  diu  meisterinne : 

»gevater,  ich  gewinne 

luwer  guot  wol,  swenne  ich  wil, 
70  e3  si  wenik  oder  vil, 

Sw<'»3  iu  ze  heile  si  gesehen, 

der  gnaden  sult  ir  Got  Jen, 

Des  bin  ich  äne  schulde; 

doch  wil  ich  iuwer  hulde 
75  Ze  boten  brote  gern(e).hän, 

und  wil  iueh  des   niht  erlän, 

Irn'  gebet  mir  iuwer  triuwe, 

und  leiste3  äne  riuwe, 

Swenne  iuwer  muot  ze  minqen  sie, 
80  da3  ir  ein  wip  ze  iuwer  e 

Nach  minem  rate  kieset; 

s\va3  ir  dar  an  verlicset, 

Deswar,  des  wirt  vil  kleine: 

ichn'  rät'  iu  an  keine, 
85  Irn'  mue3et  mir  des  immer  jehen. 

e3  wurde  nie  be33er  wip  gesehen.« 

Er  sprach:   »des  wil  ich  iu  swern, 

die  wolve  mue3en  mich  verzern, 


XXXII.  <ßbtfant>,  fco*  unt>  tyofatit.         183 

Ich  wei3  iuch  wol  so  reine, 
290  geneme  ich  immer  keine, 

Wan,  die  mir  zeiget  iuwer  rät; 
da3  ir  mir  so  vi!  guotes  hat 
Getan,  unde  ouch  noch  tuot, 
des  gib'  ich  lip  unde  guot 

95  Vil  gar  in  iuwer  gebot, 

ir  sit  mir  lieber,  danne  Got.« 
Sin  hoch  gemuete  da3  nam  zuo 

mit  vröuden  spät  unde  vruo, 

Swa3  im  leides  ie  gewar, 
300  des  verga3  er  a'so  §ar5 

Oa3  er  küm  an'  wip  beleip, 

unz  er  vünve  wochen  vertreip. 

Do  sprach  er:  »trat  gevater  min, 

ichn'  mag  niht  än(e)  wip  gesin; 
5  Nu  machet  aber  niuwe 

die  gevaterlichen  triuwe, 

Lud  helfet  mir,  da3  ich  iuwer  kunst 

und  iuwerfn]  vriuntlichen  gunst 

Daran  geniesen  mue3e; 
10  diu  maere  sint  so  sue3e, 

Diu  man  saget  von  wibes  guete, 

da3  ich  immer  min  gemuete 

VürbtQ  getwingen  mak: 

sol  ich  mere  keinen  tak 
15  Einei  wlbes  enbern. 

so  mag  ich  lenger  niht  gewern.  « 
iprach:  ogerrater,  nü  sit  vrö, 

ich  wil  e3  vuegen  also, 

I);«3  ich  iu  zeigen  wil  ein  wip, 
20  diu  einen  wnnnenkli«  hen  lip 

Von  {,i)[c<  meistereebefta  hat, 

der  nll«'3  d;i3  /«•    wünsche  stät, 

D«3  rn;in  in   wiben  loben  sol: 

e  iffl  <i<t  tagende  so  vol, 

96  Ifl  '5  ifl  inwerm  heile 
da3  sie  in   winlet  ze  laflc 


184         XXXII.  €lje(lant>,  fcot»  un*  ftotyitit 

So  geschach  nie  mannes  übe 
so  wol  mit  einem  wibe; 
Sie  ist  ouch  also  staete , 
330  da3  sie  nie  man  des  erbaete, 

Da3  sie  immer  wurde  mannes  wip, 
sine  tuo  e3  denfne]  durch  minen  lip, 
Nu  enthabet  iuch  dise  wochen, 
unz  da3  hän  ich  sie  besprochen. 
35  Sol  ich  in  disen  sehse  tagen 
da3  ze  samene  getragen, 
Da3  ir  ein  ander  mugct  sehen, 
da3  muo3  ir  halben  geschehen 
Von  grÖ3er  miner  arbeit,       / 
40  sit  ich  iu  von  ir  hän  geseit, 
Ich  wäge  guot  unde  lip, 
sine  mue3e  werden  iuwer  wip.« 

Er  neig  ir  unde  sprach  dö: 
«gevater,  ich  bin  iuwer  vrö 
45  Ir  sult  gebieten  [al  ze  hant]  über  mich; 
swa3  ir  weit,  da3  wil  ouch  ich 
Mit  worten  und  mit  muote; 
mit  libe  und  mit  guote 
Diene  ich  nach  juwern  hulden. 
50  ich  bin  von  iuwern  schulden 

Ein  vröuden  rieh  (und)  saelik  man.« 
er  schiet  mit  urloube  dan 
Unt  pflag  wol  sines  libes. 
Dö  pflag  ouch  sie  des  wibes 
55  So  rehte  meisterliche  wol, 

da3  man  sie  dar  umbe'loben  sol: 
Diene  lie3  sie  ninder  vür  da3  gaden; 
C33en,  släfen  unde  baden, 
Da3  was  ein  leben,  des  sie  pflak; 
60  ir  bette  da  sie  üfe  lak, 
Da3  was  senfte  unde  hoch; 
dane  mohle  ein  sneller  vlöch 
Mit  springen  niht  gelangen, 
e3  was  vil  wol  behängen 


XXXII.  <£l)e(iüni>,  fcofc  unfc  fiofoeit.         185 

365  AI  umbe  und  urabe,  vür  den  stoup; 

beide,  krüt,  gras  unde  loup, 

Des  lag  der  estrich  vol; 

dillen  und  wende  wären  wol 

Mit  bluomen  gar  bedekket; 
70  der  was  daran  gestekket, 

Da5  man  da  niht  wan  bluomen  sach. 

ir  was  so  wol,  da5  sie  des  jach, 

Sie  waere  in  dem  paradise. 

der  allerbesten  spise, 
75  Diu  an  dem  market  veile  kwam. 

sie  waere  wilt  oder  zam , 

Der  koufte  diu  meisterinne  genuok; 

wan  sie  in  dem  biutel  truok 

Ir[re]  gevateren  pfenninge. 
80  die  dühtcn  sie  vil  ringe. 

Sie  künde  ouch  vil  wol  kochen, 

und  machte  in  den  sehs  wochen 

Irre]  gevatern  ein[en]  so  schcenen  lip, 

da3  man  (ein)  so  schoene  wip 
85  In  der  gegende  ninder  vant. 
sie  het  ouch  be53er  gewant, 
Denne  kein  gebiurinne  da: 
einTen]  niuwen  mantel  der  was  blä. 
Der  was  genät  ze  vll3e; 
90  ein  gnade  kürscn  \si5e, 
Die  sie  darunder  truok, 
diu  stuonden  beide  wol  genuok; 
Ein  sidin  houbet  lachen  guot, 
und  einen  wulstenden  huot, 
95  L'nde  guot  linln  gewant. 
dem  h<-  <•  \n,iv,  wol   lxLint, 
Dem   w.itc  sie  nu  \remde. 
ir  rokkol  und  ir  hemde 
Ihn    u.ircfi   klein   UUdt   WI3; 

400  iic  bete  niebeleo  rU5 
An  kleine  reiten  K<-i<-it; 

h  ^urtd   was  ze  ma3c  brni 


186         XXXII.  <£l)e|kn*;  $ot>  unt>  go^cit. 

E3  was  ein  borte  wol  beslagen, 

daran  muoste  sie  tragen 
405  Einen  schoenen  biutel  würzen  vol ; 

ir  schuohe  stuonden  harte  wol 

Unde  ir  wi3en  schepelinge. 

sie  was  ouch  aller  dinge 

Volkomen  an  dem  libe 
10  z'einem  vil  biderben  wibe. 

Do  diu  sehste  woche  ende  nam , 

der  man  vil  vrölichen  kwam, 

Do  enpfienk  in  sin  gevater  wol: 

wichn'  wei3,  wa3  ich  's  genie3en  sol,« 
15  So  sprach  diu  meisterinne 

»ich  hän  umbe  iuwer  minne 

Erbten  michel  arebeit, 

und  hän  von  iuwer  vrumekeit 

Iuch  vaste  vermneret: 
20  ist,  da3  ir  e3  niht  bewseret, 

So  hän  ich  min  ere  verlorn; 

ich  hän  vil  sere  gesworn, 

Getriuwe  und  erbaere, 

ir  sit,  biderbe  und  gewaere, 
25  Gevuege,  milt  unde  guot, 

bescheiden,  staete  und  wol  gemuot , 

Da3  hän  ich  herzuo  genomen. 

nü  wil  diu  vrouwe  her  komen 

Und  wil  iuch  hiule  gesehen; 
30  da3  sol  so  stille  gesehen, 

Da3  e3  nie  man  wi33e,  danne  wir. 

sie  wil  hie  enbi33en  mit  mir, 

So  sult  ouch  ir  hie  e33en, 

und  sult  des  niht  verge33en, 
35  Als  ir  die  messe  habe  vernomen, 

ir  sult  so  heimelichen  komen  < 

Da3  nie  man  wi33e,  wer  ir  sit; 

wir  sul[lejn  e3  helen  an  der  zil, 

Dag  wir  tougen  gesehen, 
iO  wes  wir  offenlichen  wellen  jenen.« 


XXXII.  <£l)e(iant>,  $ot>  unt>  tyofytit         187 

Dö  muoste  er  zuo  der  kirchen  gän, 

das  het'  er  gerne  verlän,  * 

In  dühte  diu  wile  vil  lank. 

unz  man  messe  gesank; 
445  Do  entsagte  er  sich  den  liuten  gar, 

und  kwam  vil  heimfejlichen  dar. 

Dö  lie3  in  sin  gevater  in, 

und  wiste  in  in  da5  gadem  liin 

Da3  dö  so  wol  gebluemel  was,  x 

50  niuwe  luup.  krüt  unde  gras 

Da3  machte  darinne  kuele; 

do  hete  sie  die  stuele 

Mit  vehen  küssen  bedähl. 

und  het  ouch  alle  die  naht 
55  Bereitet  wol  ze  prise 

ein  Wirtschaft  guoter  spise. 

Dö  er  in  da3  gadem  gie. 

da3  wip  in  minncnklich  enpiie ; 

Da3  galt  er  ir  mit  wizzen. 
00  sie  hie3  in  zuoz'ir  sizzen. 

Des  dühl'  er  sich  ein  saelik  man. 

er  sach  sie  vrölichen  an. 

Dö  dühte  sie  in  ein  so  schüene3  wip. 

da3  in, dühte,  sin  lip 
65  Wier'  immer  me  vor  aller  not 

gevriet  unz  an  sinen  Lot . 

Wurde  sie  im  ze  teile; 

<J;i5  \v;rr'  for  allem  heile 

>in   beste  BSlde  immer  m< 
70  het  er  sie  ie  gesehen  I 

Da3  was  im  nü  unbekant. 

dö  gab  im  Wa35ei    /••  hanl 

li  ge Tater,  diu  \si^- . 

und  g;ib  in  guoter  Rplac 

78  l  in  «nrUchait  WiHekltche. 
der  man  irai  Monden  riebe 
Purcfa  die  leboBBt  dei  idb 
in  dühte,  ob  t\  des  Itbes 


188        XXXII.  «fye|Un*,  fco*  im*  ^jett. 

Gewaltik  wesen  solde, 
480  da3  er  immer  werden  wolde 

Unsaelik,  arme  und  unvrö; 

er  wolt'  ouch  danken  also 

Siner  gevatern  unde  Got; 

er  wolt'  ir  zweier  gebot 
85  Leisten  grÖ3er  staete, 

danne  ie  kein  man  getaete. 

Do  da3  e33en  ergie, 

sin  gevateren  er  gevie 

Vrölich  bi  der  hende, 
90  hin  an  des  gademes  ende 

Wiste  er  sie  von  dem  wibe, 
,  er  sprach:   »mit  minem  libe, 

Mit  allem  minem  guote 

tuot,  swes  iu  si  ze  muote, 
95  Und  samet  mich  unt  da3  wip; 

da3  beiten  nimet  mir  den  lip. « 

Sie  sprach:  »ich  entsizze  da3, 

da3  min  gevater  grÖ3en  ha3 

Von  iu  muese  dulden, 
500  ich  enwei3  von  weihen  schulden: 

Tuot  ir  nü  disem  wibe  sam, 

.(so  ist  ze  wäre  grÖ3  diu  schäm) 

In  der  ich  danne  muo3  gestä.n; 

wan  ich  vür  iuch  gelobet  hän, 

Ir  sit  der  beste  wibes  man, 
5  den  disiu  werld  ie  gewan.«  — 

»  Da  vür  nemet  minen  eit 

und  alle  die  gewisheit, 

Der  ir  gedenket,«  sprach  er. 
10  sie  sprach:   »nü  get  ze  nahte,  her 

Und  liget  ir  tougenllchen  bi; 

swie  sie  iu  danne  morgen  si, 

Darnach  sul  wir  uns  keren: 

wir  sin  von  unsern  eren 
15  Beide  samt  gescheiden, 

beginnet  sie  iu  leiden, 


XXXII.  <et)e|hni>,  $ol>  untJ  $od)3eit.  189 

Da3  sint  gar  iuwer schulde, 

so  versag'  ich  iu  min  hulde; 

Sie  ist  so  genzlichen  guot , 
520  wolt'  ein  herre  sinen  muot 

An  ein  wip  durch  tugende  keren, 

er  naeme  sie  ze  allen  eren. 

Nu  lät  sehen,  ob  ir  darzuo  tuget, 

da3  ir  guot  vür  guot  nemen  muget.«  — 
25  »Ja,«  sprach  er  »ob  Got  wil: 

wirt  miner  sselden  (al)sö  vil, 

Da3  sie  mir  holt  mak  gewesen. 

so  möhte  ein  pfaffe  niht  erlesen 

Die  vil  manikvalde  ere, 
30  die  ich  immer  an  sie  kere. « 

Sie  sprach:   »get  hin  verholn(e), 

unt  komet  her  wider  verstoln(e) 

Ze  nahte  so  man  släfen  sol; 

ich  hcere  morgen  vruo  wol, 
35  Welch  geist  iuch  danne  vueret; 

iwa£  ir  mir  nü  swueret, 

Ich  geloube  iu  danne  an'  eide  ba3- 

nü  sprechent  doch  die  wisen  da3, 

Vinde  der  töre  goldes  iht, 
10  e3  muge  in  doch  gehelfen  niht: 

Swer  sich  der  eren  niht  wert, 

ir  ist  im  dester  me  beschert.« 
l)o  gie  er  danne  über  mäht. 

unt  kom  dar  wider  hin  ze  naht. 
45  Da  wart  er  wol  cnplangen; 

do  was  diu  naht  ergangen. 

E  dan  im  üep  w.ere: 

»diz  ist  da,5  buvste  maere,« 

Sprach  er  »da3  ich  ie  vernam.  - 
50  d<>  sin  gerater  dar  kwam  » 

Dod  ipraefa  :  w»-t  ui,  t$  ist  tak.« 

er  sprach:  »gevater,  ich  enmak: 

Bwag  mir  dar  umhe  getchiht, 

ich  körn  von  dem  wibe  niht. 


190         XXXII.  (ßtjeftanfc,  %>i>  unt»  god)jett 

555  lehn'  wei,3,  wa,3  Got  genäden  habe, 

er  hat  mir  reht  her  abe 

Ein  himel  riche  gegeben, 

lie,3C  er  mich  nü  so  lange  leben , 

Da3  ich  mich  es  doch  geniete, 
60  so  wsere  reht.  da3  ich  in  miete, 

Mit  guote  und  mit  libe. » 

sust  beleip  er  bi  dem  wibe 

Vil  lange  naht  unde  tak ; 

swie  vil  er  bi  ir  gelak, 
65  Des  endüht'  in  alle3  niht  genuok ; 

er  lie  den  wagen  und  den  pfluok 

So  lange  stille  dar  umbe  sten, 

da3  im  zuo  begunden  gen 

Sine  vrlunde,  und  jähen, 
70  dö  sie  in  ligen  sähen, 

Er  wolde  gar  verderben, 

unde  hie3en  in  werben, 

Als  ein  ander  sin  genÖ3'. 

er  sprach:  «diu  liebe  ist  so  grÖ3, 
75  Diu  mich  ze  dem  wibe  twinget, 

swer  mich  von  ir  bringet, 

Da3  muo3  mit  zouber  gesehen; 

ich  hän  alrest  nü  gesehen, 

Wa3  gnäde  an  guoten  wlben  ist.« 
80  sust  lag  er  stille  unz  an  die  vrist, 

Da3  die  vremden  und  die  künden 

sin  leben  gar  bevunden 

In  der  gegende  über  al ; 

wan  er  sit  nie  man  des  enhal, 
85  Im  enhete  Got  an  ir  gegeben 

hie  an  erde  ein  himelische3  leben. 

Also  verzert(e)  der  man 

alle3  da3  er  ie  gewan. 

Dö  sprach  er  zuo  dem  wibe, 
90  »ich  muo3  D*  dinem  libe 

Von  hunger  ligen  tot, 

uns  wil  nie  man  ein  bröt 


XXXII.  tityrflan*,  $ot>  unfc  tyofae'xt.  191 

Weder  lihen,  noch  geben; 

sol  ich  Verliesen  min  leben, 
595  Da3  muo3  hie  bLdir  gesehen, 

ich  stirbe,  sol  ich  dich  niht  sehen. « 
Do  sie  wol  hete  vernomen, 

da3  er  von  ir  niht  mohte  komen 

So  verre  unz  er  gewunne  ein  bröt, 
600  done  wolte  sie  so  grÖ3e  not 

Mit  der  liebe  wol  erwerben, 

da3  sie  hungers  wolde  sterben: 

» Durch  Got,  nü  saget,«  sprach  da3  wlp 

»  von  swelhen  schulden  ist  min  lip 
5  Nü  so  guot  wider  e, 

do  ir  mir  tätet  so  we 

Mit  siegen  naht  unde  tak? 

ich  wei3  wol,  als  ich  e  lak. 

Als  ich  hän  sit  bi  iu  gelegen.« 
10  dö  tet  er  vür  sich  einen  segen 

l'nd  sprach:  »hästu  mir  war  geseit?« 

sie  sprach;  »e3  ist  diu  wärheit, 

lehn'  starp  niht,  ich  lebe  noch, 

und  hän  dich  underwiset  doch, 
15  Da3  du  ein  vil  tumber  man  bist, 

und  en weist,  wa3  guot  oder  übel  ist.« 

Er  sprach:  »nü  swige  durch  Got; 

ich  muo3  der  lant  liute  spot 

Liden  unz  an  minen  tot, 
20  sie  tuont  mir  so  %rö$e  not, 

Vreiscbent  sie  d;i,5  maere, 

d;i3  ich  gerner  tut  wasre.« 
Swie  wol  üe  (*3  rerdageten, 

und  nie  man  niht  ensageten, 
25  Da3  DUBTC  Wirt  in  zw  elf  Ligen 

durch  die  gegende  getragen 

Allenthalben  in  dag  lant. 

do  rn.'in  die   w;irh<it  bevant, 

hö  wart  er  §6  /«•  ichalle, 
90  daj  (,IC  hart uula  ■!!• 


192         XXXII.  fytftavto,  fcot>  un$  $od)jeit. 

Mit  im  unmue3ik  waren. 
in  allen  sinen  jären 
Moht'  er  den  spot  nicht  über  streben; 
solt'  er  tüsent  jär  leben, 
635  Er  waere  der  liute  spot  gewesen, 
sit  lie3  er  da3  vvip  genesen, 
Die  getorst'  er  schelten,  noch  loben, 
man  nant'  ietweder3  vür  ein  toben. 
Sust  was  sin  tumbheit  erkant, 
40  und  was  sin  wisheit  geschant. 

Wan  da3  man's  niht  versuochen  sol, 
man  vunde  noch  den  man  wol, 
Den  man  also  wol  betrüge, 
dem  man  so  kündiklichen  lüge. 


XXXIII. 

<ßl)e  im  gfeben  un&  Cofce* 


■     4     hm    .*      '»um    i!«inn        II 


13 


Ein  Mann  verlangte  von  seinem  Weibe,  sie  solle  nach  seinem 
Tode  ohne  Mann  bleiben,  um  sich,  mit  seinem  Danke,  das  Lob  der 
Welt  und  das  Himmelreich  zu  verdienen.  Sie  erwiederte,  er  möge  nur 
sorgen,  dafs  sie  bei  seinem  Leben  ohne  andern  Mann  bleibe;  sie 
kümmere  sich  nicht,  was  er  nach  ihrem  Tode  thue.  Er  aber  bestand 
darauf,  schalt  sie  eine  Unchristin,  und  drohte  ihr  den  Tod.  Sie  erbat 
sich  drei  Tage  Bedenkzeit,  ging  zu  einer  Gevatterin  und  bot  ihr  Geld 
für  guten  Rath.  Diese  wollte  gern  umsonst  solche  Forderung  von  allen 
Freunden  abwenden,  und  belehrte  sie,  so  dafs  sie  fröhlich  ward  und 
manches  Lied  sang,  bis  zum  vierten  Tage.  Da  kamen  ihre  und  ihres 
Mannes  Verwandten  ,  die  Zeugen  ihres  Gelübdes  sein  sollten.  Sie  wollte 
zuvor  wifsen,  ob  er  es  aus  Liebe  oder  Hafs  fordere.  Erbetheuerte 
seine  Liebe,  und  sie  verlangte  nun  von  ihm  das  gleiche  Gelübde.  Er 
leistete  es  mit  einem  Eide,  und  setzte  ihren  Verwandten  30  Pfund  zum 
Pfände,  dafs  er  ihn  nicht  bräche.  Da  sagte  sie,  sie  wifse  kein  befseres 
Pfand,  als  dafs  sie  beide  sich  sogleich  schieden  urfd  jedes  mit  der 
Hälfte  ihrer  gemeinsamen  Habe  zur  Pfründe  in  ein  Kloster  ginge.  Er 
aber  betheuerte,  er  könne  ohne  sie  nicht  leben,  er  wolle  lieber  seinen 
Eid  brechen  und  alles  hingeben,  als  ihr  Pfand  annehmen.  Sie  bestand 
darauf;  da  bat  er  sie  fufsfällig,  und  hiefs  alle  Gegenwärtige  für  ihn 
bitten,  bis  sie  endlich  gewährte,  jedoch  mit  der  Bufse,  dafs  er  ihr 
noch  <irnn  Mann  zu  beliebiger  Zeit  erlaube.  Er  willigle  in  Alles,  sie 
gab  ihm  den  Versohnungskuss,  und  freudig  feierte  er  mit  ihr  .von 
neuem  Mine  Hochzeit.  Er  hielt  nun  seine  Frau  um  so  werther,  damit 
sm-  rn<  lii  ron  ihrem  Rechte  Gebrauch  machte,  und  beide  lebten  seitdem 
vergnügt  und  in  Frieden  mit  einander. 


XXXIII. 
Man  und   wip. 


Üiz  isi  ein  sellsttaej  uia-re, 

wie  ein  man  sin  wip  bat.  da3  si  nach  sinem  töde  äne  man  waere. 


Ein  man  sprach  ze  sinem  wibe : 

»nü  wis  nach  mlnem  Übe 

Durch  minen  willen  äne  man , 

da  gewinnest  du  vil  dinges  an. 
5  Dich  lobet  diu  werlt  gellche, 

und  verdienst  ouch  Gotes  rlche  ; 

Dar  zuo  wil  ich  e$  verschulden 

so  wol  gegen  dinen  hulden, 

Da3  man  nie  dienst  ba3  vergäll. 
10  ich  wil  dir*3  gelten  hunderi,vall.'<  — 

»Ir  muget  wol  gräwen,«   sprach  da3  wlp 

»sich  mak  wol  rümpfen  iuwer  lip, 

Da3  ir  fvremde]  swaere  borget 

und  ir  darumbe  sorget, 
15  Wie  C3  nach  iuwerm  töde  ergo; 

ob  ('3  hl  iuwerm  leben  wol  sie. 

Des  lobet  ir  Gut  vil  sere; 

und  enbitet  mich  nihles  merc, 

Wan,  d.i3  ich  bl  iuwerm  Übe 
20  Inf  ander  man  bellbc 

Und  ri(;rn«'l  da£  von  mir  vür  ^uot, 

sw.i3  ir  nach  mlriom  Lud«-  tuol 


198  XXXIII.  «jfye  im  feben  untJ  fcotie. 

Da  sorge  ich  lüzzel  umbe: 

waeret  ir  niht  ein  tumbe. 
25  Ir  taetet  mir  vil  rehte  alsam; 

da3  ich  mich  der  rede  vür  iuch  schäm 

Und  ir  iuch  selben  niht  enschamt, 

da  habet  ir  rehte  tören  amt.cc 

Er  sprach:  »nu  lä  die  rede  stän; 
30  des  ich  dich  d4  gebeten  han, 

Desn'  wil  ich  von  dir  niht  enbern; 

wil  du  mich  sin  niht  {vil]  gern  gew«rn. 

Deswär,  ich  nime  dir  den  lip; 

du  bist  ein  unkristen  wip, 
35  Das  du  dich  sezzest  wider  mich; 

des  wil  ouch  ich  mich  wider  dich 

Mit  alle  sezzen  ze  hant. 

nü  gib  mir  ein  gewisses  pfant. 

Ob  du  mich  überlebest, 
40  dise  werlt  mit  alle  üf  gebest, 

Des  wil  ich  dich  erlä3en  niht; 

sprichst  aber  du  dawider  iht, 

Swie  C3  mir  darnach  erge, 

dun'en  sprichest  wort  nimmer  me.« 
45  Si  sprach:  »ich  wände,  wei3  Got, 

e3  waere  ein  schimpf  und  ein  spot: 

Sit  dir  der  rede  ernest  ist, 

so  gib  mir  dri  tage  vrist, 

Unz  da3  wil  ich  bedenken  mich; 
50  so  solt  ouch  du  bedenken  dich, 

Wa3  pfandes  sich  gevuege, 

des  dich  von  mir  genuege.«  — 

»Da3  tuon  ich  gerne;«  sprach  er 

»ich  wil  des  tages  bringen  her, 
55  Beide,  min  vriunt  und  ouch  die  din, 

da3  si  der  rede  geziuk  sin.« 
Do  si  die  vrist  von  im  gewan, 

da  mit  gie  si  von  dan, 

Da  si  ein  ir  gevatern  vant. 
60  der  tet  si  schiere  bekant. 


XXXIII.  <£l)e  im  tfeben  unt>  fcofce.  199 

Da3  ir  man  darnach  strebete, 

ob  si  in  über  lebete, 

Da3  si  alle  man  verheere, 

und  als  ein  nunne  wsere, 
65  »Des  wil  er  haben  gewisheit, 

e3  si  mir  liep  oder  leit, 

Rente  an  dem  vierden  tage  vruo; 

durch  Got,  nü  ratet  mir  darzuo, 

Mugt  ir  e3  immer  understän, 
70  ich  gib'  iu  alle3  da3  ich  hän.« 

Ir  gevater  lachet'  unde  sprach: 

»wurde  iuwer  saelde  sA  swach, 

Da3  er  iuch  des  überkwaeme, 

so  da3  diu  werlt  vernaeme, 
75  So  wolt'  e3  danne  ein  ietslich  mau; 

da3  wil  ich  wenden,  ob  ich  kan. 

Sit  vrölich  unde  wol  gemuot 

und  habet  iu  alle3  iuwer  guot, 

Ich  gelere  iuch  da3  vergebene, 
80  da3  er  iu  bi  sinem  lebene 

Ein[en]  andern  man  erloubet; 

da3  habet  üf  min  houbet. « 

Si  hie3  si  zuo(z')ir  sizzen 

und  lerte  si  mit  wizzen, 
85  Wie  si  ir  man  solde 

überreden,  swes  si  wolde, 

Si  lerte  si  vil  schiere  also, 

da3  si  wart  geil  unde  vro 

Und  gar  von  ungemuete  schiel; 

•X)  si  sank  vor  vröuden  manik  liel. 

I)«s  vierden  tages  komen  dar 

ir  munde  und  ouch  des  mannes  gar, 

1)6  huob  sj  selbe  ir  rede  an, 

si  sprach:  »mich  hilft  min  man, 
95  D^S  ich   nach  sinem  übe 

an'  ludet  man   bclihe; 

Nu  sult  ir  alle  bOMteH  da.$. 

ob  <;r  da?,  tun  durch  mitten  ha3, 


200  XXXIII.  €l)e  im  faben   unU   fcü*t\ 

Oder  erc3  durch  mine  liebe  tuo; 
100  mir  ist  dester  lieber  darzuo, 
Ob  ere3  durch  rehte  liebe  tuot. « 
er  sprach:  »min  lip  und  min  guot 
Mue3e  ich  Verliesen,  als  ein  diep, 
dune  slst  mir  also  rehte  liep, 
5  Da3  ichc3  durch  ganze  minne  ger; 
und  weste  ich  hiute,«  sprach  er 
»Da3  du  nimmer  man  genaemest  me, 
ich  stürbe  zehen  jär  dester  e. « 
Si  sprach:  »nü  tuo,  des  ich  dich  bite 

10  da  bewarestu  die  liebe  mite, 
Vermidfe]  du  nach  mir  elliu  wip, 
so  vermide  ich  aller  manne  lip, 
Und  gewer  mich,  des  ich  dich  wer.« 
»da3  tuon  ich  gerne,«  sprach  er 

15  »Da3  habe  üf  minem  libe, 
ich  gewinne  ze  keinem  wlbe 
Nimmer  nie  keinen  muot.« 
si  sprach:  »diu  rede  ist  vil  guot, 
Der  gib  mir  ein  gewisse3  pfant, 

20  da3  selbe  gib'  ich  dir  zehant.« 
Er  sprach:  »swa3  pfandes  du  gerst, 
da3  ouch  du  mich  des  selben  werst, 
Des  pfandes  bin  ich  vil  bereit.« 
si  sprach;  »des  swer  mir  einen  eit. « 

25  Den  eit  swuor  er  sä  ze  stunt. 
si  sprach:  »nü  sezze  dri3ik  pfunt 
Ze  wider  wette  vür  den  eit, 
ob  du  brechest  dine  wärheit, 
Da3  du  diu  minen  vriunden  gebest 

30  und  dawider  niht  enstrebest.« 
Diu  dri3ik  pfunt  sazte  er  dar, 
unt  tet  ir  willen  vil  gar. 
Do  wart  si  vröuden  riche 
und  sprach  vil  vröliche: 

35  »lehn'  wei3  kein  gewisser  pfant, 
so,  das  wir  uns  scheiden  zehant 


XXXIII.  £t)e  im  julmt  unti   <&ot»e.  201 

Mit  übe  und  mit  guote, 

und  mit  guotem  muote 

Durch  Got  in  zwei  klöster  varn; 
140  wir  mugen  uns  nimmer  ba3  bewarn . 

So  gelern'  ich  unz  an  dinen  tot, 

da3  ich  wol  danne  äne  not 

An'  ander  man  belibe; 

so  entwonestu  ouch  dem  wibe 
45  Unz  hin  an  mines  tödes  vrist, 

da3  du  rinklich  äne  wip  bist. 

Des  pfandes  wil  ich  niht  enbern, 

des  sul  wir  beide  ein  ander  gewern.«  — 

»0  we !«  sprach  er  »vrouwe  min , 
50  sol  ich  din  selbe  äne  sin , 

So  stirbe  ich  aber  hie  zehant. 

het'  ich  dir  umbe  da3  pfant 

Tüsent  eide  gesworn, 

si  würden  alle  verlorn.« 
55  Ir  mägc  sprächen  säzestunt: 

»ir  mue3et  uns  geben  drl3ik  pfunt , 

Welt  ir  den  eit  niht  slaete  län.« 

er  sprach:  »so  nemet,  swa3  ich  hän, 

Der  eide  mak  niht  staete  sin.« 
60  si  sprach:  »da3  guot  ist  halbe3  min. 

Da  wil  ich  pfruende  koufen  mit, 

und  leben  nach  der  nunnen  sit'; 

Ir  sult  ouch  als  ein  münch  leben; 

ir  mue3et  drl3ik  pfunt  geben, 
05  Und  brechet  dar  zuo  iuwern  eit; 

da3  wurde  ein  grÖ3c  unwerdikeit, 

So  verlürt  ir  guot  und  ere 

und  wert  danne  immer  mcre 

Aller  der  werlde  ungenaeme 
70  und  ouch  mir  so  wider  zaeme, 

Dag  ich  e3  mit  iu  niht  enwäge.« 

dö  kniet'  er  vür  ir  m i 

I  rifl  bat  si,  swie  er  künde . 

da.5    si  in  der  drJ3ik  pfunde 


202  XXXIII.  <%  im  feben  untJ  $o*e. 

175  Durch  den  riehen  Got  erlie3en 
und  da3  wip  ir  zornes  hie3en 
Verge33en  durch  die  namen  dri , 
und  in  des  eides  lie3en  vri. 
Do  sprächen  si  alle  gemeine: 

80  »sine  lä3e  den  eit  al  eine 
Unde  la3e  dar  zuo  ir  zorn, 
diu  dri3ik  pfunt  sint  gar  verlorn.« 
Des  swuoren  si  bl  ir  libe. 
dö  gieng  er  zuo  dem  wibe 

85  Und  viel  ir  an  ir  vue3e 
und  bat  si  durch  die  sue3e , 
Die  an  ir  tugenden  wären 
und  durch  ir  schepfer  baren, 
Da3  si  ir  zorn  varn  lie3e, 

90  er  taet',  swa3  si  in  hie3e. 
Der  bete  nam  si  ninder  war. 
dö  rief  er  sinen  mägen  dar , 
Da3  si  ir  mäge  baeten, 
und  e3  danne  alle  tseten 

95  Durch  Got  und  durch  Gotes  tot, 
da3  si  im  hülfen  von  der  not. 
Des  schämten  sich  sine  mäge; 
sumelicher  tet  e3  träge, 
Dö  was  ouch  der,  der  e3  gerne  tet; 

200  doch  komens'  alle  zuo  der  bet* 
Und  bäten  im  umb  ir  hulde. 
si  sprach:  »ichn'  wil  die  schulde 
Niht  lä3en,  dunenbue3est  mir.« 
er  sprach:  »vrouwe,  ich  bue3e  dir 
5  Dane  zwivel  aber  nimmer  an.« 
si  sprach:  »du  muost  mir  einen  man 
Erlouben,  des  bedenke  dich, 
und  muost  da3  lä3en  ane  mich, 
Da3  ich  den  neme,  swanne  ich  wil: 
10  du  mäht  mir  lihte  so  vil 
Gedienen,  da3  ich  e3  lä3e. 
dich  dühte  da3  unmäje, 


XXXIII.  <£l)e  tm  feben  un*  ^ot>*.  203 

Ob  ich  nach  dir  naeme  einen: 

nü  wil  ich  dir  keinen 
215  Verloben  bi  dinem  leben(e).« 

er  sprach:  »da3  lit  vil  eben(e), 

La  niht  wan  dinen  zorn  varn; 

du  kanst  din  ere  wol  bewarn , 

Tuo  alle3  da3  dich  dunket  guot.« 
20  dö  lie3  si  slifen  ir  muot, 

Und  huob  in  üf  unt  kust'  in. 

dö  was  diu  ungenäde  hin. 

Des  genädet'  er  in  allen; 

er  sprach:  »nu  ist  e3  mir  gevallen 
25  Ein  seit  1  von  iuwern  schulden, 

da3  ich  bin  komen  ze  hulden; 

Nü  wil  ich  brütloft  machen.« 

des  begunden  s'  alle  lachen, 

Da5  im  diu  schände  geschach, 
30  und  er  doch  saelden  dar  an  jach. 

Er  machete  ein  hoch  zit, 

und  hete  die  hüs  vrouwen  sit 

An  allen  dingen  dester  ba3, 

da3  si  ir  zornes  verga3 
35  Und  ander  man  verbaere 

die  wile  er  lebende  waere; 

Des  düht'  in  ^ar  ze  lüzzel  e : 

nu  gert'  er  von  ir  nihtes  me. 

Si  lebten  vrulichen  sit 
iO  und  heten  nie  keinen  strit; 

Er  tet  alle5  da3  si  wolde, 

<ln  tet  si,  swa3  si  solde. 

Si  beswasrten  beide  einander  nie; 

do   Bf   ^i   leides   erlie, 
45  Do  erlie3  si  in  aller  swacre. 

mjs  endet  sich  d.15  niaere. 

u-ii 


/ 


XXXIV. 


Ein  Mann  schalt  heftig  auf  sein  Weib,  und  wollte  nicht  mehr  ein 
Jahr  bei  ihr  bleiben,  ja  er  ereiferte  sich  allmählich  so,  dafs  er  von 
Stund'  an  von  ihr  scheiden  wollte,  als  von  dem  abscheulichsten  aller 
Weiber  an  Leib  und  Gemüth.  Sie  erwiederte,  es  möge  auf  der  Stelle 
an  ein  Scheiden  gehen,  jedoch  sich  bedenkend,  hielt  sie  morgen  für 
befser,  und  so  in  umgekehrter  Steigerung,  beschlofs  sie  damit,  dafs 
iie  nun  und  nimmermehr  bis  zum  Tode  von  ihm  scheiden  werde,  das 
könne  weder  der  Teufel,  noch  Gott  verhindern;  und  sie  drohte  dem 
Manne,  wenn  er  dawider  spräche,  ihn  wie  ein  Huhn  zu  erwürgen. 
Alsbald  ward  er  kleinlaut,  bat  fufsfällig  um  Gnade,  entschuldigte  sich 
durch  Trunkenheit,  und  pries  sie  hoch  über  alle  andere  Weiber  an 
Schönheit  und  Tugend.  Da  vergab  sie  ihm,  beide  küssten  sich,  ver- 
söhnten sich  sogleich  vollends  auf  dem  Bette  und  sanken  ein  Lied  in 
einer  hohen  Weise. 


XXXIV. 
W  i  p    und    in  a  n. 


Diz  ouere  isl  von  man  und  von  wide 

ilif  lii  ein  ander  wolilen  nilit  beiiben 


Kiu  man  sprach  ze  sinem  wibe: 

wmnstu.  da,5  ich  bl  dir  beltbe 
Immer  alle^  min  leiten? 

ich  wil  dir  urlouli  geben 
>  Von  hiute  über  ein  jär: 

\s ir  mue3en  uns  scheiden,  da,3  ist  w.u. 

Von  biut  über  vierzik  wochen; 

ich  hin  missesprochen. 

Ir  werdent  vil  küme  di  1.51k : 
10  ich  bin  des  gerne  vli3ik, 

ha-,  e3  in  zweinzigen  erge ; 

g<   <  hihi .  WC15  Got,  michels  e, 

Wan  ich  e$  in  sehzehen  tuon  wil; 

dannoch  w  iri  ii  oihl  so  x  i  i . 
15  Wan  <'5  EQU03  in  zwelven  gesehen; 

ich  wil  dich  selbe  la^en  s£n  . 

D.15  v-y  in  zehen  geschult ; 

irn'  wir!   idoefa  SO  vil  nihl  , 

l\-,   mQO^   in   elilen   eiiNin; 

20  und  wnt  noch  michels  &  getan, 
1  ,  wni  mii  sehsen  geendel ; 
I  werde  aber  ich  geschendet, 

1  '• 


•  210  XXXIV.  £dKil>unü  un*  Sitynt. 

Irn'  suln  niwan  viere  sin; 
behalt'  aber  ich  den  lip  min, 

25  E3  geschiht  über  vier  zehen  naht ; 
und  wirt  noch  naeher  gemacht, 
E3  geschiht  in  disen  siben  tagen; 
ir  wirt  noch  me  ab  geslagen. 
Der  tage  werden  niwan  dri; 

30  du  bist  mir  also  swaere  bi, 

Wir  mue3en  uns  scheiden  morgen; 
ich  bin  in  grölen  sorgen, 
Wie  ich  bl  dir  bellbe  disen  tak; 
da3  ich  getuon  niht  enmak  , 

35  Wan  du  muost  ie  zuo  von  mir. 
sach  ich  den  tiuvel  an  dir, 
Da3  ich  ie  so  lange  bi  dir  beleip, 
<la3  ich  dich  von  mir  niht  entreip  ? 
Du  bist  boese  unde  ark. 

W)  übel  gestalt  unde  kark, 

Du  bist  gerumpfen  unde  swarz, 
din  arme  smekkent  als  ein  harz; 
Du  bist  aller  wibe  unere, 
du  schadest  der  werlde  sere, 

15  Die  Hute  engeldent  alle  din, 
da3  sie  alle  unsaelik  mue3en  sin. 
Mir  wart  nie  boeser  wip  kunt; 
der  mir  gaebe  dri3ik  pfunt^ 
Da3  ich  unz  morgen  bi  dir  waerc. 

50  diu  waeren  mir  unmaere; 

Mir  grulet,  da3  ich  dich  sehen  sol ; 
hcl'  ich  pfenninge  einen  sak  vol, 
Die  gaebe  ich  ane  swaere, 
da3  ich  ein  mile  von  dir  waere, 

55  Waer'  ich  von  den  ougen  din, 
waer'  alle3  ertriche  min, 
Da3  wolde  ich  gerne  drumbe  geben: 
ich  behalde  anders  nimmer  min  leben.» 
Dawider  sprach  dö  da3  wip: 

60  »e3  muese,  sam  mir  min  lip, 


XXXIV.  Stiftung  unti  $fityrit.  211 

An  ein  scheiden  ie  zuo  gän, 

wan ,  da3  ich  mich  bedäht  han , 

Wir  suln  unz  morgen  ent  samt  wesen; 

>old1  aber  dü's  nimmer  genesen , 
65  Wir  sin  noch  samet  siben  tage. 

du  jihest,  wie  übel  ich  dir  behage: 

i)a3  wirt  an  dir  gerochen. 

wir  sin  noch  samet  zwo  wochen ; 

Deswar.  ir  werdent  wol  dri. 
70  diu  vierde  muo3  da  wesen  bi, 

L'nd  dannoch  diu  vünfte  dar  zuo  ; 

swie  \vc  03  dinem  libe  tuo. 

Diu  sehste  woche  muo3  ouch  her: 

swie  dir  din  herze  drumbe  swer, 
75  Ich  wil  die  '}  siben  wochen  hau; 

die  ahten  wil  ich  dich  niht  Jan. 

Und  dar  zuo  die  niunden; 

mit  allen  dlnen  vriunden 

Mahtn  des  niht  werden  vrl. 
80  ichn'  sl  dir  zehen  wochen  bi; 

Die  einleite*)  1^3'  ich  dich  niht, 

ob  man  dich  toten  ligen  siht. 

Ich  \mI  dln  zwelf  wochen  pflegen; 

dirn'  mühte  ein  keiser  niht  gewesen, 
)  Duo'  -o>t  dri  zehen  wochen  min; 

diu  fier zehende  04103  da  mite  sin. 

Und  diu  vünfaehende  also  wol; 

dtn  ~nit  min  niht  so  vol. 

Du   mnosl   -i.nli   $ehzehen   wochen   sehen; 
90  'i'  .5  !iiu«'.3  noejk  me  geschehen. 

Diu    iben  teiient  111003  ouch  dar , 
md  dii  binde  also  fcar, 

i  ml  dai  zuo  'Im  :ooo  teilende ; 
1  de  ich  dei   wärheil  jehende, 

I  »    -  h'Ii    (in    lehn     1  k 

I  lost  noch  tweinzik  wochen  hie 


212  XXXIV.  &d)eit>unö  «„*>  gütyu. 

Uni  zweinzik  wochen  darnach; 
dirne  si  von  mir  ninder  so  gach, 
Ich  bin  immer  mit  dir; 
100  der  tot  (en)scheide  dich  von  mir, 
Du  muost  leisten  min  gebot; 
da3  enmak  der  tiuvel,  noch  Got, 
Noch  aHiii  diu  werlt  wider  tuon; 
ich  zebriche  dich  rehte  als  ein  nuon  , 

5  Sprichest  ein  wort  da  widere.« 
Do  neigete  er  sich  dänidere 
Und  suocht*  ir  hulde  umbe  da3, 
da3  er  genese  dester  ba3, 
Er  sprach:  »du  solt  dinen  zorn  län; 

10  ichn'  wei3 ,  wa3  ich  gesprochen  hän, 
Ich  bin  so  trunken  disen  tak, 
da3  ich  mich  niht  versinnen  mak, 
lehn'  wei3,  wa3  ich  dir  bue3en  sol. 
sprach  ich  übel  oder  wol, 

15  Da3  was  gar  von  dem  wine; 
des  enpfähfe]  die  triuwe  mine. 
So  hclP  mir  unser  herrc  Rrist, 
du  waer'  mir  ie  und  immer  bist 
Als  liep,  sam  min  eigen  lip; 

20  e3n'  wart  nie  vrouwe,  noch  wip 
Be33er,  noch  ba3  geschaffen; 
ezn'  möhten  alle  pfafFen 
Din  tugent  niht  vol  schriben ; 
du  bist  vor  allen  wiben, 

25  Sam  diu  sunne  vor  den  Sternen; 
die  vrouwen  solten  lernen 
Din  tugent  alle  gemeine; 
e3n'  wart  nie  wip  so  reine, 
Din  name  schinet  vor  Got  obe 

30  allen  den  vrouwen  mit  lobe, 
Die  man  inder  künde  vinden 
under  allen  Adames  kinden ; 
Din  vil  minnenklicher  lip 
der  machet  sselik  elliu  wip; 


WXIV.  $4ftfenK0  uuti  $üt)iu\  213 

135  Diu  werlt  solt'  elliu  wesen  diu ; 

dune  mohtest  nimmer  be35er  sin  , 

(jot  enwart  nie  besser  wip  kunt; 

du  soldest  junk  und  gesunt 

Immer  ewikliche  leben!« 
40  si  sprach:  x-nüsi  dir  vergeben, 

Swa3  du  ie  ge(tae)te  wider  mich 

iesä  kusten  sie  sich , 

Du  nam  der  zorn  ein  ende; 

er  vie  sie  bi  der  hende 
\6  Und  wiste  s'  an  ein  bette  hin  ; 

do  ergie  ein  suone  under  in. 

Diu  gröse  vröude  machte; 

sie  lächle,  und  er  lachte, 

Do  .sie  schieden  \on  dem  belle, 
>o  sie  kusten  sich  ze  welle 

Und  sangen  ein  liet  ze  prlse 

in  einer  vi I  höhen  wise. 


XXXV. 

+ 

Von 

Hi»  riii  ann    Fressant. 


Der  Dichter  biltet  für  dieses  sein  erstes  Gedicht,  welches  ihn 
jemand  nach  seiner  Erzählung  dichten  hiefs,  um  freundliche  Aufnahme 

Ein  junger  Kaufmann  in  einer  Stadt  hatte  eine  tugendreicbe  Frau, 
der  zum  Herzeleid  er  gleichwohl  noch  zwei  Bulerinnen  unterhielt,  die 
er  tleifsig  besuchte  und  reichlich  beschenkte.  So  kam  er  vor  einer 
Reise  zu  der  einen,  ergetzte  sich  mit  ihr  und  fragte  sie,  was  er  ihr 
mitbringen  solle.  Sie  verlangte  einen  rothen  Rock  und  Mantel  von 
Vpern.  weinte  beim  Abschied  sehr,  und  verhiefs,  bis  zu  seiner  Wieder- 
kehr zu  fasten  und  zu  beten  und  in  keinen  Schuh  zu  treten.  Als  er 
zu  der  andern  Bulerin  kam.  bellte  ihn  ein  Hündlein  an,  und  war  ein 
andrer  Mann  oben  bei  ihr.  Diesen  versteckte  sie  alsbald  in  einer  Kiste, 
eilte  dem  Kaufmann  entgegen,  und  führte  ihn  unten  in  ein  Gemach, 
wo  sie  ihm  alles  Liebes  erwies.  Beim  Abschiede  weinte  sie  sehr,  wollte 
Messen  und  Almosen  für  ihn  geben  und  släts  trauern  ,  bis  sie  ihn  wieder- 
sähe, und  bat  ihn  um  einen  Rock  und  Mantel  von  Gent.  —  Bei  der 
Schilderung  ihrer  Liebkosungen  beklagt  der  Dichter,  dafs  er  wie  der 
Blinde  von  Rosen  und  Sonne  rede.  —  Hierauf  ging  der  Kaufmann  heim 
zu  seiner  Hausfrau,  die  liebreich  sein  Ausbleiben  beklagte,  und  heim 
Al.-<hied  ihm  einen  Heller  gab,  mit  der  Bitte,  ihr  dafür  aus  der  Fremde 
einen  Hellerwerth  Witz  mitzubringen.  Er  versprach  ihr,  sich  fleiisi^ 
darnach  umzuthiin,  und  schied  zärtlich  von  ihr,  die  ihm  St.  Tobias 
nachrief. 

Fr  ritt  fröhlichdurch  Frankreich  und  Flandern,  und  forschte  zugleich 
überall  nach  dem  Hellerwerth  Witz.  So  ging  er  auch  in  Ypern  die 
Gaffen  aul  und  ab,  laut  seinen  Heller  ausbielend,  und  wurde  von  zwei 
Gefeiten,  d  rdrofs,  derb  abgedroschen.   Ein  (»iris   der  vor  seinei 

I,  nahm  Biet)  d     befragte  ihn  genau,    und  vernahm 

ron  iiirn  den  gasten  Zusammenhang.  Da  -ral>  er  ihm  weisen  Halb,  und 
erhielt  "laiin  den  Heller, 

l)«-r  Kaufmann  /«^  einen  »cblecblen  Rock  an  und  ^m^  heim.  Bi 
u.iin  zu  der  einen  Bulerin,  klagte  ihi  dafa  ei  gani  beraubt  wire 
und  aiahi  ibten   [reue    lie  aber  wiei  Ihn  an  ••inen  Juden 

und   -.'-"•  ihm   rreeh   ihre  Gunst   auf,    weil  er  ohne  Gut  sei.    Da  ging 
'i  ca*dei  andern  Bulerin ,  und  versuchte  aul  gleiche  Weise  Ihre  Treue 
die  r<  n  lumi.  Wafsei    schlug  ihm  einen  Sehlüfsel 

an  den  kopi  und  itiefi  ihn  mit  Hülfe  eines  andern  Weibei  lur  Thfire 
ahsaoi  Dei  Dichtet  ichilt  aul  die  bösen  Weibei  die  alle  Schönheit 
und    rügend   Guvernali     Pai  rristam     Uawani     Gamureti  und 

i   Hsnd  "  und 


tntugend  um  Geld  rainnen:  dagegen  könnten  alle  Meister,  wieOvidiu» 
die  guten  Weiber,  das  Herrlichste  unter  der  Sonnen,  nie  genug  loben.  — 
Der  Kaufmann  ging  nun  von  den  feilen  Dirnen  zu  seiner  Hausehre,  die 
ihn  freudig  und  liebevoll  empfing,  und  treulich  seine  vorgebliche  Nolh 
beklagte.  Sie  wusch  ihm  das  Haupt ,  und  wollte  nunmehr  früh  und 
spät  für  sie  beide  nähen  und  spinnen.  Da  pries  der  Mann  den  Tag 
glückselig  ,  da  er  solche  Treue  gefunden ,  offenbarte  ihr  alles ,  wie  eT 
endlich  den  Witz  gekauft,  und  gelobte  Ihr  auch  fortan  State  Treue. 
Sic  dankte  Gott  für  die  Bekehrung  ,  und  beide  lebten  glücklich  mit- 
sammen bis  ans  Ende. 

Zuletzt  nennt  sich  der  Dichter,  Hermann  Fressant  aus  Augs- 
burg, und  preiset  solche  tugendhafte  und  treue  Frauen ,  um  die  ev 
gern  30  Meilen  und  weiter  wandern  möchte 


XXXV. 

Von  den  ledigen  wiben. 


VFer  die  long'  wider  w 833er  swimmc  1 
und  sich  v^et .  da3  er  klim[melt  . 
h;i  sich  nie  man  geheben  mak . 
und  wer  rueft  einen  ganzen  tak 
5  l  nd  im  duch  nie  man  antwurt , 
und  wer  diu  wa33er  rit  an'  vurl . 
Der  verliurt  gre^er  arbeit  vil; 
und  #er  in  der  mal  harpfen  spil 
Trlbl  und  sue3C3  gigen . 
10  der  möht1  vil  lieber  swlgen, 
Waii  im  sin  sie  man  saget  dank 
mir  mag  diu  wil'  wol  wesen  lank 
Wan  ich  dise  rede  sagen, 
und  di  bi  nie  man  wil  bedagen 
i  i  Dei  vi  wel  merken  und  ?ernem(tn. 
vo  ist  mir  rehl  also  jenem  . 
Dei   sin  körn  ±;rA  nn  da3  girier . 
•  in   nein  such  allen  sin  genh 
Dil  ist  rnii  getihl ; 

tat  in  rersm&hen  niht 
Rehl  durch  iuwer  kurtesln  1 
1  .ml    mir   1I1«    limie  sm 
j  ieh  doch  nichl  gelan 
ed<     dei  ich  hegunnen  h 


220  XXXV.  tftrfrau  un*  Mrtiv. 

25  Die  braeht'  ich  gerne  vürba3, 
vörht'  ich  niht  der  valschen  ha3, 
Wan  von  in  niht  gebe33ert  wirl. 
vil  liht  min  getiht  mir  gebirt 
Ein[en]  hab'dank  von  den  liuten; 
/      30  da  von  ich  iu  betiuten 

Wil  ein  harte  vremde3  dink. 

E3  was  hie  vor  ein  jüngelink , 
Ein  kouf  man  so  verme33en 
in  einer  stat  gese33en, 

S6  Der  het  ein  rvip  ze  der  slaet(e) . 
ich  waen,  [da3]  ie  kein  man  haeljej 
Ein  wib  also  zühtik; 
aller  tugent  genühtik 
Was  si,  als  mich  \vi33en  lies, 

40  der  mich  diz  maere  tihten  bieg. 
Der  selben  vrouwen  was  da3  leit. 
da3  ir  man  ze  ledikeit 
Zwei  wip  het  gesazt  ze  hus. 
swenne  er  wolte  varen  113, 

45  So  kam  er  heim  vil  selten, 

si  muost'  sin  [ouch]  dik  engellcn 
Ir  man  het  des  guoten  sit'. 
der  im  gerne  volget'  mit, 
Swenne  er  wolf  varn  in  diu  lant. 

50  so  gieng  er  sa  ze  haut 
Zuo  den  ledigen  wiben; 
die  künden  im  vertriben 
Die  zit  undc  ouch  die  stunt; 
in  wart  ouch  dikke  von  im  kunl 

55  Gröge  liebe  unde  miet% 

swenne  er  von  dem  lande  schiel. 

Nu  vuogt'  e3  sich  ze  einen  zilen 
da3  er  sines  koufes  riten 
Mit  koul  schaz  wolf  in  diu  laut. 

t>0  uinbe  da3  im  wurde  bekant 
Etlicher  gewin  an  der  vart. 
da3  wart  lenger  niht  gespart , 


\X\V.   gferfraa   mit»   ItoUrin.  22 

•    Ze  einer  ledigen  er  dö  gienk; 

minneklich  si  in  enpfienk, 
55  Si  begund'  in  zuo  (z')ir  sezzen. 

er  sprach:  »ich  wil  mich  lezzen.« 

Ind  hie3  dar  tragen  guolen  win. 

»nu  sag'  mir,  liebiu  vrouwe  min. 

Wa3  dir  aller  best  behage. 
70  da3  bring*  ich  dir,  als  ich  dir  sage. 

So  ich  schierest  mag  von  lande; 

lä3  dir  niht  wesen  ande. 

Da3  ich  bi  dir  niht  mag  gesin.  « 

si  sprach;  »min  jämer  und  min  ptn 
75  Mue3en  immer  niuwe  wesen, 

wan  ich  an'  dich  niht  mag  genesen . 

So  getriu  ist  da3  herze  min. 

stl  «'5  niht  anders  mag  gesin. 

&    -iiln  wir'5  zera  besten  riden , 
so  du  si.lt  niht  vermiden . 

Dd  bringest  mir  an'  wandcl . 

beidinj  rok  und  mandel 

In  roter  varw'  der  guoten 

von  Yper,  wiil  ich  muoten.«  — 
85  »Da3  tuon  ich  gerne.«   sprach  der  man. 

mit  ir  ringen  er  began 

I  iid  \\;irf  si  an  ein  bette. 

dö  wart  rs  allei   wette. 

Wan  er  raochtc  (da)  ze  hant 
*H)  ein  §tat,  diu   ist  mir  unhekanl  , 

Ich  kan  niht  \vi33e11.   wie  man  si  nenl . 

wan.  man  dl  die  Mouwcn  <lik  an  real 

Mit  16  vrcislicher  hurl. 

im    \vi33et,  da3  er  den  selben  niri 
95  Nd  runden  hei  anf  alle3  lieht. 

m%%  ron  in  beiden  nti  geacbiht, 

Dea  bedarf  man  niht  wagen; 

ich  iaa/  im  .  des  •'  lagen 

(ii-sniukt   ;'in'  allen   mih-i  /<'ii , 

100  tcbimpCen  and  oacfa  »cherzen 


2W>2  XXXV.  t&Wxaa  uuti   jJtaUrin. 

Begunnen  si  ein  guole  wil(e  . 
ze  stund  mit  [vil]  gaeher  il(e) 
Sprach  er:  »ich  süm'  mich  seit  . 
din[en]  lib  und  al  din  ere 

105  Geruoche  Got  der  guote 
haben  in  siner  huote.« 
Sere  weinen  si  began: 
»hiute  so  wil  ich  heben  an« 
Sprach  si  »mit  vasten  und  mit  beten, 

10  und  wil  nimmer  mer  getreten 

In  keinen  schuoch  hin  z'  an  die  stunl, 
da3  mir  din  kunft  wir(de)t  kunt; 
So  wil  ich  [den]  durch  den  willen  diu 
aber  in  hohem  muote  sin.  « 

15  Küssent  si  in  umbe  vienk. 

Hie  mit  er  von  dannen  gienk, 
Er  kam  ze  der  andern  vrouwen  sin, 
do  er  schreit  in  da3  hüs  hin  in, 
Ein  kleine3  hündlin  bal  in  an 

20  dö  was  bl  ir  ein  ander  man 
In  einer  kamer  obnan  üf, 
und  luoget'  ze  einem  venster  druf. 
Unt  vrägte,  wer  da  waere. — 
»geloube  mir  ein  maere, 

25  E3  ist  min  bruoder,  wi33e  da3, 
des  muest*  ich  haben  sinen  ha3, 
Und  würde  er  des  innen, 
da3  du  bist  bi  mir  hinneu, 
So  hueb'  sich  angest  unde  not. 

30  wan  er  taet'  uns  beiden  den  tot  \ 
Da  von  133  dich  verslie3en  , 
und  IA3  dich  niht  verdrie3en. « 
In  einer  kisten  da3  beschach; 
wie  schiere  si  herÜ3  sprach! 

35  »Wer  ist  da?«  —  »  da3  bin  ich.« 
>;jä,  bistu  da3?  wie  vröuw'  ich  mich! 
Sprach  si,  und  lief  resch  herab, 
ungehunken,  ane  stab 


\XXV.  €t)efrau  un*  Huleriti.  223 

Kam  si  ze  der  tür  gegangen, 
140  er  wart  vil  wol  enpfangen 

Von  ir,  und  !)  vuorte  in  vil  dral 

hie  unden  in  ein  kemenät, 
,  Da  im  alle3  lieb  geschach. 

ze  hant  er  da  (zuo  z'ir)  sprach 
i5  »Du  solt  wi33en,  vrouwe  min, 

das  ich  bi  dir  niht  mag  gesin 

Kein  wir  an  disen  ziten, 

wan  ich  von  hinnen  riten 

Wil  morgen  vruo,  als  e3  taget; 
öö  swa3  dir  nü  allerbest  behaget. 

Da3  bring*  ich  dir  mit  willen.« 

weinende  uf  die  dillen 

Sa3  si  nider  (al)  ze  hant 

und  sprach:  »wiltu  nü  in  da$  laut 

Von  mir  varen  hie  zcstunt, 

als  mir  verjehen  hat  din  munt 

x»  kan  mir  leider  niht  geschehen; 

wan  man  mich  beginnet  sehen 

In  jämer  und  in  trüren, 
ft<)  dlle  vröud'  vermüren 

Wil  ich  hin  z'  an  den  tak. 

da3  ich  dich  aber  gesehen  mak 

Nach  mines  herzen  gelüste. 

\riuntliche  si  in  kuste, 
65  Und  sprach.  » sit  du  niht  mahl 

bellben,  so  han  ich  mir  bedahl, 

Gol  gebe,  CU5  mir  geling*: 

roh  und  mantel  du  mir  bring 

Von  dcnt  des  guolen,  l»it*  ich  dich, 
70  er  ipracb;  »d83  tuon  ich  sicherlich, 

Ol»   ich  d.'i3  leben  sol   hau, 

10  rii.io5  diu   wil  dar  an  ergän  . 

Und   war'  (3  zwirnt  als   iiurc 

1  spra<  h    »du  bisl  »0  gehiure , 


■ .  .i- 


224  XXXV.   €i)cfrau    mit»   Ühtlmn 

175  Da3  ich  al  zit  gern  bi  dir  war'; 

alle  man  sint  mir  unmaer', 

Denne  du,  des  muo3  ich  jehen, 

wan  mir  niht  liebes  mag  geschehen, 

Den  so  ich  dich  erwische; 
80  von  dir  so  wird'  ich  vrische 

An  muot  und  an  dem  herzen.« 

ze  hant  begund'  er  scherzen 

Mit  ir  an  einem  bette. 

wer  wil  nü  (des)  wetten, 
85  Ob  [nu]  von  in  lenger  wurde  vermilen, 

da3  si  mit  höflichen  siten 

Waren,  an'  alle3  kriegen? 

der  red'  ir  mich  niht  liegen 

Hei3et;  wan  03  von  in  geschach. 
90  nü  wi33et,  da3  si  düht'  niht  swach 

Da3  vröudenriche  bette  spil.  — 

man  vindet  [noch]  blinder  Hute  vil, 

Die  noch  beginnent  kosen 

von  liehten  glänz  rösen 
95  Unt  von  der  sunnen  also  klar: 

ich  sage  iu,  da3  niht  vür  war 

Ze  dfser  red*  geliehen  kan 

ein  also  hüpscher  man, 

Sit  ich  von  vremden  dingen 
200  rede  muo3  beginnen, 

Der  ich  niht  (en)hän  gesehen, 

des  ist  mir  reht  als  dem  geschehen, 

Der  da  saget  msere, 

wie  tief  da3  mer  waere, 
5  Und  der  doch  nie  dar  (be)kam.  — 

si  lägen,  als  in  wol  gezam, 

Vil  guot'  wir  bi  einander; 

da3  er  suocht' ,  da3  vand  er. 

Und  also  schiere  da3  ergie, 
10  er  sprach:  »ich  mag  niht  lenger  hie 

Beliben,  wan  03  ist  nü  zit, 

du  solt  e3  lan  an  allen  strlt, 


XXXV.  getrau  unt>  Bultrin.  225 

Da3  ich  HIU03  von  dir  gähen. « 

halsen  und  umb  vähen 
•215  Wart  von  in  niht  vergessen. 

«mit  almuosen  und  [mit]  messen 

So  wil  ich  din  [al3  wol]  gedenken.«  — 

»Got  geb',  da3  ich  dir  schenken 

Mue3'  mit  vröuden,  als  ich  ger. « 
-*)  da  ze  hant  nam  er 

Urloub,  unt  kom  gegangen 

hin  heim,  da  er  enpfangen 

Wart  wol  in  sinem  hüs: 

»wä  bistu  so  lang  Ü3 
29  Gewesen?«  sprach  sin  vrouwe. 

»da3  ^cn  dir  so  wol  getrouwe, 

Des  engilt'  ich  dikke  sere; 

du  soltest  nach  miner  lere 

Leben,  des  fröuwet'  ich  mich.« 
M)  er  sprach:  »vil  gerne  tuon  ich 

.\lle3  da3  dir  lieh  ist.« 

>i  sprach:  ^nim  hin  an  diser  vrisL 

Einen  helbling,  und  niht  mer, 

und  kouf  mir,  als  ich  beger, 
Y6  Dar  umb  ein  haller  wert  wizze.  «■ 

er  sprach:  »wazuo  sol  dizze, 

Ua3  du  mir  hie  vor  hast  genant  l 

da3  soltu  tuon  mir  bekant, 

Da3  ich  dich  sus  hoer'  nennen; 
U)  ich  gloub',  ob  man  e3  erkennen 

Kund'  in  allen  landen, 

\on  wlben  und  von  mannen, 
Ob]  ich  e3  [niht]  ervorsehen  mag.« 

I  sprach:  »vernini,  wa.3  ich  dir  sag', 
ii  Wen  du  Itamett  in  diu  laut, 

I I  man  ie  guoten  kouf  vant. 

Bin  haller  wert  wizze,  als  ich  ger, 
wiltu  volgen  miner  1er', 
56  vindeitu  etwen  einen  man. 
>o  der  <lir  den  helbling  gelten  kan. 

//«,..     ....„  11  15 


22(>  XXXV.  eijefrau  im*   Bulmn. 

Nu  tuo,  da3  ich  dich  hii'. 

da  erwirbest  du  mit 

Min  hulde  ewiklichen.«  — 

»mir  welle  denn(e)  entwichen« 
255  Sprach  er  »der  lib  und  da3  guot, 

so  bin  ich  wol  in  dem  muot, 

Da3  ich  der  vrag'  niht  enlä3e, 

swa  ich  var  üf  der  strafe, 

Unt  kum  ouch  herhein  nimmer, 
60  und  soll'  ich  varen  immer, 

Bi3  da3  ich  vind*  ein  haller  wert  wiz. 

unt  tüo  da3  allermeist  umb  diz, 

Da3  du  niht  mügest  sprechen, 

da3  ich  wel  zerbrechen 
65  Min  triuwe  und  da3  ich  dir  hab' 

gehei3en,  des  gang'  ich  dir  niht  ab; 

Des  mahtu  wol  wesen  sicher,  a 

si  gedäht'  ir  inneklicher: 

»86  mag  min  ding  wol  werden  guot, 
70  ist  er  den  also  gemuot, 

Da3  er  der  vräge  niht  erwint, 

so  wei3  ich  (wol),  da3  er  vint 

Vil  mengen  wizzigen  man, 

der  im  den  helbling  gelten  kan.« 
75  Ir  gedank  was  alsus. 

manik  trütlicher  kus 

Von  in  beiden  da  geschach. 

darnach  der  man  aber  sprach 

Mit  senfter  rede  suese: 
80  »Got  dich  behueten  mue3e 

Mit  slner  statten  huote! 

mir  ist  des  wol  ze  muote, 

Da3  ich  zehant  wil  riten, 

ich  mag  niht  lenger  biten, 
85  Wan  03  ist  (des)  volliu  z!t.« 

do  begund'  er  si  an'  allen  nit 

Halsen  und  umbvahen. 

hie  mit  begund'  er  gähen 


WXV.   £tKt'uui   Mrt   ÜtaUrin.  221 

Ze  sinein  ros  und  dar  üt  sa.5. 
290  »der  guote  her  Sant  Toblas« 

Sprach  si  »der  geruoch'  din  pilegeii!  A 
si  tet  im  nach  vil  mangen  segen, 
L'nde  nant'  im  aber  diz , 
daj  da  hei3t  ein  heiwert  wiz. 
95  Si  enpfalch  in  Got  vil  liure. 
hin  reit  der  gehiure 
Gegen  Frankrich  dem  lande, 
da  er  die  wirf  wol  erkande. 
Und  ouch  in  Flandern  liberal; 
300  er  vuor  hin  vroelich  mit  schal. 
Da3  im  sin  wip  enpfolhen  het 
vil  mengem  er  e$  kunt  tet. 
Der  im  niht  geraten  künde, 
er  lief  vil  menig  stunde . 
5  Üa3  \vi33et  sicherliche. 
dem  vil  gar  geliche. 
Der  sin  kuo  verloren  hat. 
der  vräget  ouch,  swa  er  ga*!. 
Ob  si  ieman  gesehen  hab\ 
10  ein  ga53en  üf,  die  andern  ab 
Hegund'  er  schrien  und  louf'en 

wer  gibt  mir  ze  koufen 
.-in  haller  wert,  als  ich  beger?« 
vil  manger  sprach  /da):  »\>tJ3  wil  tfei  ' 
lö  Dirr'  wil  uns  hie  heberen 
und  nie  man  län  gehoereu.« 
Kr  enruochte,  swa3  re  man  srir', 
von  vruomes  bi.3  ze  vesperzlt 
Lid  it  schrien  alle  tage, 
20  eg  ist  war.  wa3  ich  iu  sage. 
\  011  einer  stat  zer  andern 
liberal  in  Flandern. 
1)33  er  nie  kund'  (Mvorschen  diz . 
da3  da  hei3t  ein  haller  wert  wiz. 
Swann'  er  (dar  rdch)  vorsehen  ttogan 
gedihf  im  ie  der  man 


228  XXXV.  €hefron  unt>  fftnlerin. 

>Dü  mäht  wol  hän  eins  narren  sin.« 

und  gienk  zehant  von  im  hin, 

Als  er  sin  niht  verstanden  het. 
330  wie  (nü)  der  koufman  tet, 

Der  nach  dem  he]  wert  wiz  vräget? 

ob  iuch  der  red'  niht  betraget, 

So  sag*  ich  iu,  wie  im  gelank. 

e3  stuont  darnach  unlank, 
35  Da3  er  gen  Yper  kerte, 

als  in  sin  sin  lerte, 

Da  lief  er  an  den  Strien, 

des  wolf  er  niht  lä3en. 

Von  ga33en  hin  ze   ga33en, 
40  unz  man  in  [ser)  begunde  ha33en. 

Er  gieng  eins  tages  vruo  Ü3, 

da  liefen  zwen'  gen  im  her  Ü3 

Die  begunden  in  wol  erdreschen 

da3  von  keiner  weschen, 
45  Diu  in  der  hant  ein  slagen  hat, 

weder  hemd' ,  noch  niderwat 

Nie  so  wol  gebluwen  wart. 

vil  ser  gerouw  in  diu  vart, 

Da3  er  ie  dar  kam. 
50  der  ein'  in  bi  der  hant  nam 

Und  warf  in  [under  sich]  üf  die  erd(e), 

er  wart  gar  unwerd(e) 

Gehandelt  von  in  beiden: 

»wir  sin  noch  ungescheiden, 
55  E  du  der  wizze  wir(de)st  sat!« 

der  eine  sltiog,  der  ander  trat, 

Unz  er  sin  genuog  gewan. 

nü  hoeret,  wie  der  koufman 

Tet,  dö  si  in  heten  gelten: 
60  dö  gieng  er  an  die  Strien 

Unt  klagte  ser  sin  ungemach. 

vil  schier  ein  burger  da3  ersach, 

Der  was  mit  listen  wise 

und  von  alter  grlse, 


\X\V.  CtKt'rau  uut>  i&uUrin.  ±29 

305  Der  sa3  alters  ein(e) 

vor  [sinejm  hüs  üf  einen)  stein(o). 

Er  begund'  im  ruefen  zuo(z'im  dar. 

er  sprach,  er  saeh'  wol  und  naem'  wnr 

Da,5  im  vil  leides  waer'  besehenen, 
70  da3  künd'  er  wo!  an  im  ersehen. 

Doch  vragt'  er  in  der  allere, 

wa3  im  beschehen  waere, 

Uder  wer  im  getan  haete. 

da3  er  im  da3  kunt  taete , 
75  Ob  er  im  niht  künd'  geraten 

umb  die  selben  getäten.  — 

»Mir  ist  vil  gro3e3  ungemach 

nun  da3  ich  vür  si  gie  und  sprach. 

Wer  gaeb'  mir  ze  koufen  ein  heiwert  wiz.  « 
80  do  sprach  der  burger:  » wa3  ist  diz? 

Da5  du  mir  vor  hast  genant, 

da3  soltu  tuon  mir  bekaut.« 

Er  vuort'  in  an  ein  heimlich'  stat, 

da  er  in  verjehen  bat 
85  Von  dem  hei  wert  wizze; 

er  nam  in  bl  dem  silzze 

Und  hie3  in  nider  sizzen. 

do  seit'  er  im  mit  wizzen 

Von  den  drien  wiben. 
i>0  die  red'  begund'  er  schriben 

In  sines  herzen  porte, 

dö  er  diu  maer'  erhörte. 

Als  die  wtsen  gerne  tuont. 

<r  sprach:  »dir  wirt  von  mir  kunl 
96  Wiltu  mir  gerne  volgen 

und  niht  wesen  erholten. 

So  wil  ich  dich  leren  einen  list, 

der  wol  eins  hei  billiges  wert  ist: 

Nu  \euiirn,  wa3  ich  dir  sage, 
100  DD  «5  dir  wol   beh.i 

i  \\  ;n  iinihe  si  dqg  taten) 

8  I   \i.l_:'  <lu   minern  r.ile 

und  vorder  dich   vil  dratC 


$3£)  XXXV.  €befran   uni>   Sulmn. 

Heim  gen  dinem  lande; 

in  vil  boßsem  gewande 
105  Soltu  dich  la3en  schouwen 

vor  den  drien  vrouwen, 

Und  ervar  michel  wunder. 

unt  klag'  ir  ietslich  besunder 

Din  swaere  und  din  armuot, 
10  und  wie  man  dir  alle3  din  guol 

Beroubct  und  genomen  hab' . 

[und]  man  züg'  dir  al3  din  gewanl  ah. 

Und  habest  üf  aller  erde 

niht  eines  Schillings  werde; 
15  Und  man  si  aller  triuwen, 

der  alten  und  der  niuwen. 

Der  du  io  ze  in  gewänne, 

und  da3  man  (ie)  dich  [ze  allen  zitenl  vünd< 

Bi  in  in  hohem  muote 
20  die  wil*  du  wärest  bi  guote, 

Da3  si  des  noch  gedenken, 

und  hei3  dir  etwa3  schenken 

Dar  nach  als  ir  genäde  si. 

also  versuoch'  si  alle  dri , 
25  Und  merke  eben  minen  rat: 

welhiu  denne  dich  wol  hat 

Und  niht  siht  gerne  din  armuot. 

der  soltu  tragen  holden  muot ; 

Wan  diu  meint  dich  mit  triuwen  g;ir: 
,10  der  guoten  vriunde  nimt  man  war 

In  der  rehten  noete. « 

der  koufman  was  genaue 

Des  rätes,  den  er  von  im  nam . 

und  sprach .  als  im  vil  wol  gezam : 
:15  »lr  hant  vil  wol  vergolten  mir 

den  helbling  nach  mins  herzen  gir.« 
Er  nam  urloub  und  schiet  von  dan 

er  tet  einen  bansen  rok  an 

Als  in  der  burger  lerte. 
bO  do  zchant  er  kerte 


XXXV.  tfljctrttu  untJ   Uulctin.  231 

Heim  gen  sinem  lande, 
in  vil  boesem  gewande 
Kam  er  hin  heim  gegangen, 
er  wart  vil  trag'  enpfangen 
445  Von  der  ersten  vrouwen. 
die  wolt'  er  gerne  schouwen. 
Int  kam  vil  drät'  geloften 
ze  irem  hüs,  da3  vant  er  ofl'en, 
Da  vant  er  si  inne  sizzen, 
50  du  gruo3t'  er  si  mit  wizzen, 
Do  seit'  er  ir  da3  ze  maere, 
da3  er  beroubet  waere 
I.ibes  und  ouch  guotes 

( 

55  Da3  waer'  dahin  zernage): 

»und  sich  an  die  bittern  kwäl 

Die  ich  dulde  von  armuot. 

du  gedenke,  d«i3  ich  hohen  muot 

Wllent  hete  durch  dich, 
60  uiul  da3  du  dikke  vröuden  rieh 

Nun  miner  gäbe  würde, 

nu  entloese  mich  der  bürde.« 

Si  sprach:  »min  vriuntliche  hüll 

ich  gen  dir  vil  lüzzel  gedult, 
65  l'nd  muo3  dir  immer  sin  versparl. ■< 

da  si  von  im  des  innen  wart, 

Da3  im  was  genomen  sin  guol, 

dö  tet  si.  als  noch  mengiu  tuot, 

lud  rette  zuo  .// im  \il  unwert, 
70  und  sprach,  wa3  ei   hete  bereit 

Von  einem  wilden  heiden: 

>(lu  soll  von  human  scheiden  . 

Ob   (16  will  mit  vride  sin. 

ein  Jud'  und  ouch  ein  kar/in  ' 
75  Die   UlOftt  du    im    /<•   uuol. " 

<i  iprach:  »dir  ist  ratn  nuol 

u   im  ! 


232  XXXV.   €l)d'rau  uut»  $ulmn. 

Gewesen  ie  hold  mit  triuwen; 

e3  mag  mich  vil  wol  riuwen, 

Ob  du  des  wilt  verge33en; 
480  ich  bin  ouch  dik  gese33en 

Bi  dir  also  nähen, 

da3  halsen  und  umb  vähen 

Von  dir  niht  wart  vermiten; 

ich  wil  dich  manen  und  biten. 
85  Da3  du  weinent  sprach'  ze  mir. 

do  ich  ze  jungest  schiet  von  dir, 

Du  wöltest  durch  den  willen  min 

alle  die  wil'  die  ich  Ü3  wolt'  sin. 

Vil  vasten  unde  beten 
90  und  wöltest  ouch  nimmer  treten 

In  keinen  schuoch  bi3  an  die  staut; 

da3  dir  min  kunft  wurde  kunt: 

Nu  bin  ich  komen  leider 

guotes  und  ouch  kleider 
95  Nakket  (und)  enblo33et  gar.«  — 

»da3  ich  dir  sage,  da3  ist  war,« 

Sprach  si  an  derselben  stunt 

»des  mag  gelougen  niht  min  munt, 

Ich  waer'  dir  wllent  undertan: 
oOO  das  tet  ich  nun  üt'  den  wän. 

Da3  ich  din  möhte  genießen. 

hoer%  ich  wil  dir  ents!ie3en 

Ein  vnemde  red'  an  diser  vrisl: 

sit  du  des  guotes  äne  bist  [ 
5  So  schaffe,  swa3  du  wellest, 

ich  sag*  dir,  du  gevellest 

Mir  niht  eines  häres  wert; 

heteslu  guot  hiur',  als  vert. 

So  waerestu  vil  gehiure: 
10  dir  muo3  sust  wesen  tiure 

Von  mir  genäd'  und  vriuntschall 

du  wahrest  dan  so  s tathaft, 

Üa3  dir  (niht)  waer'  genomen  din  guot, 

so  w»r'  ich  ba3  gen  dir  gemuot : 


XXXV.  tftjefrau  unt«  ^uleriu.  :>33 

515  Sit  du  nimmer  guotes  hast, 

vil  bald  du  Ü3  minen  ougen  gast, 

Oder  es  geriuwet  dich.« 

mit  der  red'  da  schieden  si  sich. 
Do  gedäht'  er  im  und  sprach: 
20  »wie  rehte  liebe  mir  geschach, 

Da3  man  mir  den  helbling  galt!« 

da  ze  hant  lief  er  vil  balt 

Ze  der  andern  ledigen  vrouwen 

und  wolt'  ouch  ir  triu  schouwen. 
25  Mit  disen  niuwen  maeren 

wolt'  er  si  ouch  ervaeren. 

Do  er  zuo  (z')ir  komen  was, 

dö  seit'  er  ir  ze  maere  da3, 

Da3  im  genomen  waer'  sin  guot, 
30  unt  klagt'  ir  ser  sin  armuot 

Und  wa3  er  kumbers  het'  erliten. 

er  sprach:  »ich  wil  dich  manen  und  biten 

Aller  der  triuwen, 

der  alten  und  der  niuwen, 
35  Die  ich  ie  ze  dir  gewan, 

da3  du  gedenkest  daran 

Unt  tuo  mir  diner  genaden  schin, 

da3  wil  ich  immer  dienent  sin, 

Die  wil'  und  ich  da3  leben  hau.« 
40  »du  solt  die  bete  abe  lau« 

>prach  si  »und  din  kallen; 

du  muost  mir  missevallen, 

Sit  man  dich  beroubet  hat, 

96  vürder  dich  hin  Ü3  drat', 
iö  Wan  ich  gib'  dir  niht  an  der  slunl 

einen  WtJföeM  trunk  iu  den  miint , 

DI  von  (t6j  swig  stille.« 

er  sprach:  »min  guoter  will«- 

Wai  g4s  dir  wllent  niuwe 
>o  in  vriuntllcher  triuwe. 

I>(^  sota)  niht  vergc33en." 

ei  vs.is  zuo  (i'j  ir  gete35en 


234  XXXV.  tftjcfrau  un*  iMerin. 

Des  si  dühte,  ze  nähen, 
da3  begund'  ir  gar  versmähen, 
555  Und  sluog  in  an  den  drü^el, 
mit  einem  grÖ3en  slü35el 
Sluog  si  in  vornen  an  den  köpf, 
da3  im  bluotig  wart  der  schöpf. 
Ir  wären  zwo  in  der  stuben, 

60  mit  ein  ander  si  in  schuben 
Hin  Ü3  mit  dem  hals, 
si  sprach:  »nü  truz  unde  kals. 
Da3  ich  gewesen  si  din  wlp!« 
er  gedähte:  »waere  min  11p 

65  Mit  eren  komen  hinÜ3l« 
si  stie3en  in  vür  da3  hus, 
Als  ob  er  waere  ein  diep. 
er  gedähte:  »wart  ich  dir  so  liep. 
Dem  hästu  getan  gar  ungelich.« 

70  von  dem  hüse  huob  er  sich, 
Und  begunde  nigen  in  da3  lant, 
da  er  da3  heiwert  wizze  vant. 
Also  schied  er  von  ir  hin.  — 
E3  hat  betruebet  mir  den  sin . 

75  Da3  manik  zierliche3  wip 
so  reht  wol  hat  ein  zieren  lip 
Und  so  reht  unendlich  tuot, 
da3  si  sich  lät  durch  guot 
Erwerben  und  gewinnen. 

SO  als  ich  mich  kan  versinnen. 

So  hänt  vil  vrouwen  ouch  den  sil', 
welher  man  in  niht  git. 
Der  wirt  in  schier  unmaere, 
und  ob  er  als  kluog  waere, 

85  Als  der  hüpsche  Curvenäl, 

und  waer'  er  schoen  als  ParciväL 
Und  sünge  ba3,  wenne  Siren'. 
*  hat  er  den  vrouwen  niht  ze  gen , 

Si  künnen  in  schier'  versmähen; 

90  e3  künd'  in  niht  vervähen. 


WXV.   Ctit'Tnut  unti   l^nlcrtn.  335 

l'nd  mint'  er  ba3,  denne  Tristan. 

und  waer'  er  als  Gawin  ein  man 

An  tugend  und  an  muote , 

und  waer'  er  kuen  und  vruote 
595  Ais  Gämuret  genant, 

er  künde  doch  mit  laerer  hant 

Nimmer  vrouwen  gunst  bejagen. 

sprechen,  singen  unde  sagen. 

Zuht  mit  bescheidenheit 
600  und  allerhand  behendikeit, 

Swa3  der  weit  ie  vröuden  brähl'. 

da3  ist  alle.3  durch  wib  erdaht: 

Der  went  si  nimmer  ahten. 

si  beginnent  nun  ze  tränten 

0  L'mb  ein  guotes  riehen  man. 
den  sehent  si  vil  lieber  au. 
Swie  ungestalt  er  waere. 

(•3  diuhte  si  niht  ze  swaere. 

ob  im  sin  atem  stinke. 
10  und  waer*  er  lam  und  hinke. 

lud  waer'  an  allen  tilgenden  ha». 

het'  er  alliu  siniu  jar 

\  ertriben  und  alle  sine  zit . 

ob  er  den  vrouwen  guot  git. 
15  Kr  liebet  in  an  der  st  mit: 

lief  er  einen  witen  munl 

Mit  <Ji  i  leisen  oder  mer . 

v,,v\    er  mran  als  ein  bei. 

I  ml  hei    ein  hover  binden  unl   muh. 
20  (ln.5  Iie3en  si  an'  allen  zorn. 

I  od    wurde   soll   in   L'«-\\erl 

alles   des   sin   hei/.     hegerl. 

Ibei  einem   reinem   >vi|j 

der   wai'  ein  solicher  llp 

1  >   l  nrna-i'.    und   het'   er  ftUeg  golt  . 

si  Itünd'  im  nimmer  werden   hob 
h.i  900   w«3  u  h   wol  an'  iv in . 
da-,   n'inui   wip   der  ereil    van 


'236  XXXV.  <&t)tfraii  unt>   ftuUrin. 

Tragent  und  den  höchsten  pris. 
630  Ovidius  der  sinne  wis 

Und  alle  die  meister,  der  ich 

noch  aller  versinne  mich 

le  gevreisten  von  Adamen, 

die  künnen  nimmer  wibes  nameu 
35  Niht  volprisen  üf  ein  ort: 

si  sint  ein  schaz  und  ein  hört 

Und  aller  tugend  genühtik; 

ein  reine3  wip  gar  zühtik 

Ervrischet  (eines)  mannes  muot. 
40  wa3  waer'  diu  weit,  wa3  waere  guot, 

Wie  solt'  tuon  [eins]  jungen  mannes  lip, 

waeren  üf  erd'  niht  reiniu  wip? 

Der  name  ist  also  rein, 

da3  diu  sunne  über  schein 
45  Kein  ding  so  vröudenrich; 

e3  mag  joch  niht  sin  ir  gelich 

Ob  der  erd',  noch  darunder; 

aller  tugend'  ein  zunder 

Sint  reiniu  wip,  da3  muo3  ich  jenen. 
50  man  mag  ouch  mangen  vunken  spehen 

An  ei[ne]m  unreinen  wibe, 

diu  erzeigt  mit  irem  libe 

Mangen  (argen)  valschen  list. 

der  alhie  bewaeret  ist 
55  Mit  disen  wiben  unreine. 

so  si  der  tiuvel  meine!  — 

Do  er  sin  euch  vrouwen  vant , 

do  begund'  er  klagen  zehant, 

Da3  im  waer'  alle3  da3  genomen, 
60  da  mit  er  waere  Ü3  komen. 

Mit  schoenen  zühten  si  bedagt 

hinz'  da3  er  ir  hete  gesagt. 

Wie  gar  er  waer'  beroubet. 

ob  ir  mir  nü  geloubel, 
65  So  sage  ich  iu,  wie  si  tete: 

si  hie3  im  an  der  selben  stete 


XXXV.  gtjefrau  unti   IMmn-  jSW 

Nach  sinen  arbeiten 

ein  guot  bad  bereiten. 

Er  wart  von  ir  wol  gehandlot, 
670  ir  muot  wart  nie  verwandlöt. 

Swie  gar  er  waer'  beronbet, 

si  zwuog  im  wol  da3  houbet, 

Wan  si  was  aller  tilgend  vol, 

si  sprach:  »vriunt,  gehab'  dich  wol, 
75  Sit  dir  genomen  ist  din  guot, 

so  verzag*  niht  an  dem  muot 

Unt  volge  minem  rate, 

ich  wil  vruo  und  späte 

Mir  selber  des  enblanden . 
SO  ich  getriu  mit  minen  handen 

Uns  vil  genuog  gewinnen 

mit  naejen  und  mit  spinnen, 

üni  e3  waeger  werden  mak.«  - 

»wol  mich.  da(5  ich  ie  disen  tak 
So  Hän  gelebet!«  sprach  der  man 

»nü  bin  ich  worden  innan, 

Wä  ich  triu  sol  suochen. 

vrouw',  wiltu  geruochen, 

So  sag*  ich  dir  an  diser  vrisl, 
90  wie  mir  gelungen  ist.«  — 

»Ja  wil  ich.«  (also)  sprach  sie. 

oso  vernim  wol,  rehte  wie 

Mir  gelang  an  diser  vart.« 

vil  schier  si  von  im  innen  wart 
!>ö  Der  maere,  als  ich  hän  gesagt; 

mit  schoenen  zühten  si  bedagt\ 

Bi,5  er  si  het  erma;ret , 

wie  er  diu  wlb  orvaret, 

Und  wie  im  davor  geschach. 
700  dö  ze  haut  si  da  sprach: 

Ich  \\il  des  immer  loben  kxist. 

d»3  du   innen  worden  bist, 

Wer  dich  mit  tun  wen  mcinlc    - 

gar  wol  bi  bfescheinle, 


238  XXXV.  «Ehefrau  unt»   Ütaitrin. 

705  Da3  si  im  was  mit  triuwen  bi: 

»als  rehte  lieb  ich  dir  si. 

So  vermid  ir  geselleschaft ; 

da3  du  niht  me  werdest  behalt. 

[Des]  wil  ich  [dir]  mit  triuwen  raten. 
10  gedenk'  ?  da3  si  dir  täten 

So  rehte  ungetriuwelich.«  — 

»wa3  du  wilt,  da3  wil  ouch  ich:« 

Sprach  er  »da3  wil  ich  dir  sweru; 

din  triu,  din  guet'  mag  mir  erwern, 
15  Da3  ich  muo3  miden  alliu  wip, 

den  dinen  tugentlichen  lip, 

Des  mag  ich  vermiden  niht; 

min  herz'  dir  ganzer  triu  verjiht, 

Wenn'  ich  gedenk'  an  die  getät, 
20  die  din  lip  begangen  hat 

An  mir  in  rehter  triuwe.« 

si  sprach:  »da3  wirt  noch  niuwe. 

Ob  ich  da3  leben  sol  hän, 

so  wirt  dir  von  mir  kunt  getan, 
25  Des  du  dich  lüzzel  solt  schämen 

( ) 

Do  sprach  der  man  zuo  dem  wip: 

»du  bist  mins  herzen  leit  vertrip , 

Ich  wil  dir  der  [ganzen]  wärheit(e)  jenen , 
30  swie  grÖ3e3  leit  mir  ist  geschehen. 

Bi3  ich  dir  kouft'  ein  heiwert  wiz, 

so  wil  ich  dir  doch  sagen  diz  ; 

Du  solt  haben  guoten  muot, 

wan  ich  hän  noch  er'  und  guot, 
35  Dar  umb  soltu  niht  sorgen: 

ich  hof ,  e3  kumen  über  morgen 

Niun  wegene  wol  geladen. 

ich  hof,  ich  hab'  den  groesten  schaden 

Nu  vürba3  überwunden; 
40  wan  ich  min  triu  hän  vunden. 

Von  Flandern  113  dem  lande 


XXXY.  «ßbefnw  nntJ  $ulmn.  239 

l  nde  von  Yper  der  stat 

si  vuerent  (vil)  riche  wät.« 
745      Da3  ist  war  be  namen. 

unde  went  ir  sinen  namen. 

Der  dise  rede  hat  beriht 

unde  vür  bräht  in  getiht, 

Der  wirt  iu  allen  hie  bekant: 
50  er  hei3et  Herrn  an  Fressant. 

Also  hat  er  sich  genennet; 

ze  Augspurg  man  in  [wol]  erkennet. 

Da3  geloubent.  ob  ir  mugent, 

mit  vil  menger  tugent 
55  Lebten  disiu  vrouw'  und  man, 

als  ich  von  in  vernomen  han. 

So  was  ir  leben  wunniklich. 

da3  wölt'  ich  gerne,  sicherlich, 

Da3  ein  ietlich  zühtig  man, 
60  der  tugent  und  er'  erkennen  kau; 

Het'  ein  also  zühtig  wip, 

und  eines  sölhen  mannes  lip 

Ein  ietlich  reine  vrouwe  haet'. 

dar  umb  ich  gienge,  der  mich  baet', 
05  Dri^ig  mile  oder  mere; 

durch  reiner  vrouwen  fcre 

Wöll'  ich  e3  tuon  mit  willen. 

ein  reine  wip  kan  stillen 

Mannes  ungemuete 
70  mit  ir  wipllch(er)  guete. 

D,i3  i>t  an  diser  vrouwen  schin  : 

N  kund1  ir  man  wol  wenden  pin, 

Weao(e]  er  ungemuot  was. 

«rlpUcher  guet'  si  niht  verga3 
75  Dnd  erzeigt'  im  reiner  vrouwen  |H\ 

bie  h.u  diu  red'  ein  ende  mit. 


XXXVI. 

Pos  ttintme  Jllmofrn. 


1 1 


10 


Ein  .Mann  war  so  karg ,  dafs  er  sogar  vor  seinem  Weibe  alles 
rersehlofs  und  den  Schlüfsel  stäls  bei  sich  trug,  auch  wenn  er  nicht 
daheim  war;  er  zählte  die  Käse  und  wüste  jedes  Ei,  das  ihm  gelegt 
ward:  sein  Weib  aber  hatte  kaum  zu  efsen.  Eines  Tages  war  er  nach 
det  Mühle  gefahren  tind  sie  allein  zu  Hause;  da  trat  ein  armer  Mann 
herein  und  bat  sie  um  Gotteswiüen  ihm  etwas  zu  geben.  Sie  klagte 
ihm  ihre  eigene  Noih.  und  dafs  ihr.  wie  gern  sie  gäbe,  ihr  Mann  alles 
\ ersperrte:  wolle  er  der  Bittende  jedoch  ihre  Minne,  so  gebe  sie  sie 
ihm  um  Gotteswillen.  Der  Arme  hielt  es  für  Spott:  sie  aber  führte  ihn 
zu  einem  Reite  und  gab  ihm  ihr  Almosen  sowohl  anstatt  des  Fleisches, 
.ils  des  Brotes.  Der  Arme  liefs  es  sich  Wohlgefallen,  und  rühmte,  dafs 
er  nimmer  ein  befser  Almosen  empfangen  habe,  und  St.  Michael  und 
das  heilige  (irab  mögen  es  ihr  lohnen.  Damit  ging  er  hinweg,  gerade 
.tIs  der  Mann  heimkam.  Dieser  hörte  vor  der  Thüre  die  Danksagung, 
eilte  hinein  und  fragte  seine  Frau,  was  sie  dem  Armen  gegeben  habe. 
Nie  läugnete  jede  Gabe,  weil  er  ihr  ja  nichts  dazu  gelafsen  habe.  Er 
aber  ergriff  ein  Scheit  und  schlug  sie,  bis  sie  weinend  gestand,  dafs 
sie  das  zum  Seelenheil  nöthige  Almosen ,  in  Ermangelung  anderer  Mittel, 
durch  ihre  Minne  gegeben  habe.  Da  verwünschte  der  Mann  seine  Karg- 
heit, die  ihn  so  thener  zu  stehen  gekommen  war,  übergab  der  Frau 
die  Schlüfsel  und  liefs  sie  von  nun  an  über  alles  im  Hause  schalten 
und  walten,  verbot  ihr  aber  bei  ihrer  Ehre,  fürder  ein  solches  Almosen 
zu  geben  Der  Dichter  meiol  jedoch,  es  wäre  immer  noch  ein  preise* 
UflMM  nn  es  minniglich  um  Gotteswillen  gegeben  würde. 


XXXVI. 

Da3  warme  almuosen. 


L)iz  isl  ein  seltseen'  m*re  gnuok 
von  dem  warmen  almuosen  kluok. 


K3  was  hie  vor  ein  karger  man , 

der  nam  sich  einen  siten  an, 

Des  er  vil  lüzzel  geno3, 

vor  sinem  wibe  er  verslö,5 

vlle3  da3  er  häte. 

beide,  vruo  und  spate, 

Lr  pflak  des  noch  der  karge  pflit, 

1«  n  ^Iu33el  truog  er  z'aller  ztt, 

Swa  er  gienk  oder  reit, 
lo  wie  manik  ei  im  wart  geieit, 

Da3  weste  er  wol  bi  dem  tage; 

sie  künde  im  eineg  niht  entsagen. 

Sin  ka^e  wären  ouch  gezalt. 

er  lie3  'r  deinen   gewalt 
15  I  eber  diz,  noch  über  da3, 

ir  w;nt   kume  da3  sie  ga3- 

Liu>  tages  soll'  er  ze  dei    mule   vain 

und  IM  tl.i  heim  da3  hüs  bewarn. 

M  kwam  lieft)  ein  vil  arm  man 
2X)  zuo  /',n    in   il;i3   hus  gegän  . 

Li    bat  sie  inneklichen 

iiuir-h  < *ol  den  vil  riehen . 


210  XXX VJ.  jDnö  urnrntc  5Uiim|Vu. 

Da3  sie  im  gaebe  eteswa3- 

diu  vrouwe  kleite  im  das- 
25  Da3  sie  niht  enhaete, 

swie  gerne  sie  das  taete, 

Sie  sprach:  »mir  hat  min  karger  man 

beslo35en  alles  da3  ich  hän, 

Beide,  vleisch  unde  bröt; 
30  sold'  ich  vor  hunger  ligen  tot, 

Ich  künde  sin  niht  gewinnen: 

wolt  ir  inine  minnen, 

Die  gaebe  ich  iu  durch  Got.« 

er  sprach-  »vrouwe,  lä3t  den  Spot; 
35  Ich  bin  ein  so  armer  man. 

mich  get  niht  spottens  an. 

Da3  ouch  da3  selbe  maere 

luwer  ernest  waere, 

Des  waer'  mir  innenklichen  nut; 
W)  man  gibt  mir  vleisch  unde  brot 

So  vil,  das  icn  den  ^P  gcuer 

und  mich  des  hungers  wol  erwer.« 
Diu  vruuwe  nam  in  bi  der  haut, 

sie  vuort'  in,  da  sie  ein  bette  vant. 
15  Hie  leiten  ^sie)  sich  \ beide]  an, 

diu  vrouwe  und  der  guule  man; 

Sehet,  do  spiit'  er  ir  mit 

mit  vrouden,  nach  der  werlde  sit', 

Lud  nam  da3  almuosen  da, 
öö  und  sprach,  da3  im  nie  anders  wa 

bin  wurde  nie  inere 

erboten  großer  ere. 

Sie  sprach:  »das  ich  gegeben  hau, 

das  hän  ich  vür  da3  brot  getan; 
öö  Nemt  iu  vür  da3  vleisch  darzuo, 

ob  ir'3  nu  gerne  wellet  luon.« 

llie  gewant'  [aber]  der  guote  man 

aber  sine  vrouwen  an . 

Und  nam  da3  almuosen  Ins; 
60  mit  vÜ3e  gab  sie  im  da3- 


XXXVI.  3>a*  umritte  iUmofeit,  247 

Er  sprach:  »min  herre  Sent  Michael 

der  vergeldes  irre  sei". 

Mir  wart  bi  allem  minem  leben 

ein  solch  almuosen  nie  gegeben; 
65  Da3  sie  mir  dar  zuo  gap , 

da3  lone  ir  da3  heilige  grap!« 
Sust  gie  er  danken  vür  die  tür. 

do  begegent'  im  da  vür 

Der  wirt,  und  hört(e)  sin  gebet 
70  unde  da3  danken,  da3  er  tet. 

Der  wirt  der  lief  hin  in  ze  hant , 

da  er  die  hüsvrouwen  vant, 

Er  sprach:  »vrouwe,  saget  an, 

wa5  gäb^t  ir  dem  guoten  man, 
75  Der  gein  mir  hin  Ü3  gät, 

und  iu  su  vil  gedauket  hat?« 

Sie  sprach:  »ich  (en)gab  im  niht; 

weune  Iie3el  ir  mir  iht, 

Da3  ich  ieman  mühte  gegeben? 
SO  ich  hab'  ein  sele,  und  wei3,  wes  leben.  « 

lue  erwischt'  der  wirt  ein  schlt 

und  sluuk  die  vrou[we],  bi3  an  die  zlt, 

Da3  sie  im  der  wärheit  bejach, 

sie  begunde  weinen,  unde  sprach: 
üo  »NA  wei3  ich  doch  ein  dink  wol, 

wer  ze  himel  kumen  sul, 

Der  1HU03  sin  almuosen  geben; 

ich  hab'  ein  sele,  und  wil  niht  leben, 

Alb  ein  [ander]  heideninne: 
90  ich  gab  im  mine  minne 

Zoo  sele  gerate, 

wau  ich  anders  niht  enh«ete , 

Vür  iuwer  sünde  und  vür  die  min. 

da3  Ion  sol  unser  beider  sin.« 
U5      i)()  sieh  da  der  guote  man 

umbe  dt£  lasier  versau. 

K3  was  im  leit  und  ungemach, 

vil  lule  riet  er  und«*  sprach: 


248  XXXVI.  las  wanne  JUmofeu. 

»Owe,  da3  ich  ie  wart  gebornl 
100  da3  du  din  ere  hast  verlorn, 

Unde  ich  da3  gemachet  han! 

da3  laster  da3  du  hast  getan 

Da3  hetestu  wol  bewart; 

wan  ich  dir  vor  hat'  verspart 
5  Wes  du  soltest  leben 

und  den  armen  liuten  geben; 

Des  ist  diu  schulde  min 

als(ö)  vaste,  als  diu  dln. 

Nu  under  wint  dich  alles  des  ich  hän 
10  und  alles  des  ich  ie  gewan, 

Beide ,  vleisch  unde  bröl , 

und  gib,  wes  den  armen  si  not; 

Und  gibest  du  [der  dinge]  iht  mere , 

e3  get  dir  an  dln  ere.« 
15      Sust  gewan  diu  vrouwe  ir[enj  man 

den  gewalt  und  die  slü33el  an, 

Unde  gewan  ein  vil  guot  leben; 

sie  mohte  da3  almuosen  [gerne]  geben 
Noch  nimt  mich  immer  wunder, 
20  da3  pruevet  besunder, 

Ob  e3  noch  ein  vrouwe  tsete, 

ob  sie  sin  almuosen  haete. 

Eine3  sprich'  ich  wol,  sunder  wän, 

sie  taet*  noch  grÖ3  almuosen  dran, 
25  Diu  e3  gaebe  minnenkliche 

durch  Got  von  himel  riche. 
Hie  hat  diz  msere  ein  ende 

an'  alle  missewende 

Mue3en  die  vrouwen  immer  leben, 
30  die  sulch[e3j  almuosen  gerne  geben. 


XXXVII. 


P'ic  fcret   Wnnfät. 


» 


Ein  Mann  klagte  seinem  Weibe  bitterlich  ihrer  beider  Armut,  da 
i'i  doch  nicht  wilse,  womit  er  sich  gegen  Gott  versündigt  habe,  und 
Iragle  sie,  ob  sie  etwa  sich  einer  Schuld  bewufst  wäre.  Sie  verneinte, 
und  er  glaubte  nun,  wenn  sie  beide  Gott  recht  ernstlich  lag  und  Nacht 
baten,  werde  er  sie  reich  und  glücklich  machen.  Das  lhaten  sie  denn 
auch  so  lange,  bis  Gott  den  Engel  des  Mannes  herabsandte,  der  ihn 
belehrte,  er  inüise  nicht  um  Gut  bitten,  weil  er  es  ohnedieis  erhalten 
halte,  veno  es  ihm  beschieden  und  zuträglich  wäre.  Der  Mann  jedoch 
bestand  auf  seiner  bitte,  dais  ihm  Uecht  geschehe,  und  der  Engel 
gewährte:  da  er  ihm  und  Gott  nicht  glauben  wolle,  möge  er  sein 
Heil  versuchen,  und  selber  die  Schuld  tragen,  wenn  er  wieder  arm 
werde.  Er  ^ab  ihm  drei  Wünsche,  die  unfehlbar  erfüllt  würden. 
Der  .'Wann  ging  fröhlich  heim  zu  seinem  Weibe  und  pries  sich  mit 
ihr  überglücklich  durch  diese  Gabe.  Sie  gingen  nun  zu  iiathe  über 
die  drei  Wünsche.  Er  schlug  vor:  einen  groisen  Berg  (joldes,  mit 
einer  festen  hohen  Mauer  umher  gegen  das  Vieh;  oder  einen  Schrein 
inner  gleich  voll  Goldes,  wieviel  auch  davon  genommen  würde.  Das 
Weib  bat  ihn  /.uvor  uiu  einen  der  drei  Wünsche,  und  als  er  ihr  ge- 
wahrt war,  wünschte  sie  sich  ein  so  schönes  Kleid,  wie  es  noch  nie- 
mals ein  Weib  auf  der  Well  gelragen  habe:  und  auf  der  Stelle  war  sie 
dasail  bekleidet.  Da  schall  sie  der  Mann,  dais  sie  nur  an  sich  gedacht 
habe,  wahrend  sie  doch  zugleich  alle  andere  Frauen  hätte  bekleiden 
können,  und  r  erwünschte  das  JUeid  ihr  in  den  Hauch,  damit  sie  satt  davon 
wurde.  Auch  dieser  Wunsch  ward  erlüllt:  das  kleid  fuhr  dem  Weibe 
sogleich  in  den  bauch,  und  (hat  ihr  so  weh,  dais  sie  fürchterlich  schrie. 
1>  •  lauern  liefen  .ili-'  herbei,  und  das  Weib  klagte  ihnen,  dais  ihr 
■aan  es  ihr  angetnan  habe.  Da  drohten  sie  ihm  und  zückten  Meiser 
und  Schwelt,  wenn  Bl  -'in  NN>ii,  sieht  wieder  erlöse.  Es  blieb  ihm 
nuhls  anderes  übrig,  eis  -ic  durch  den  drillen  und  letzten  Wunsch  von 
ihrer  ^ual  m   hofa  waren  die   drei    Wunsche   schmählich   ver- 

bracht, und  beide  überwiesen,  d.ij-.  si<    ki  in  Gut  verdienten.    Doch  gab 

man  -lein  Hanne  die  meiste  schuld,  und  er  ward  so  der  Leute  Spott. 

r  Geil  um  des  tod  bat,  und  auch  vor  l.eid  verdarb  und  starb.  — 

Dei  iii'iii'-i  besehlieJst  mit  dei  Betrachtung:  es  gebe  dreierlei  Thoren 
leicht,  die  wc. irr  wiimii    Doch  können;  lolche,  die  nicht  wifseo  wollen 
und  solche,  die  wohl  wilsen  und  können,  jedoch  da~.  Uebelsie  thun, 
und  IUI  Meli  <»ui  und  Freude  trachten     ohne  dei  Seele  zu  gedenken. 


XXXVII. 

I)  r  i    wünsche. 


Diz  ist  ein  miere  ze  halten 
von  drin  wünsch  Gewalten. 


Ein  man  sprach  ze  sinem  wibe  : 
»an  unser  zweier  llbe 
Tuot  Got  grÖ3e  ungenäde  schin 
d;i,5  er  uns  sust  lael  arme  sin: 

ä  Sol  ich  unz  an  minen  tut 
vnii  armuot  liden  sulhe  not: 
Ich  wolde  mich  selbe  tceten  e; 
mir  tuot  armuot  so  we, 
Da3  ich  en\vei3,  wie  ich  gebaren  sol. 

10  ich  bin  zornes  und  leides  vol. 
Jchn'  kau  des  nihl  vei  sinnen  mich, 
da3  ich  mich  Inder  wider  dich 
Verworhl  habe,  oder  wider  Got: 
hlfta   linier  liole.s  gebot 

lö  Zebtochen .  dag  soll  du  mir  sagen; 

ich  hilf«'  dir  die  btio.^e   tragen. 
Unz  ieli  dich  diner  schulde 

bringe  an  Gotei  huldc.a 
gj  ipracb:  oswag  ich  begangen  nan 
20  (i.15  isl  gar  mit  dir  getan.« 

Ei  ipracb:  p§&  isi  mir  nibi  bekanl, 
v>ai  mnbe  uns  Got  bebe  gepfanl 


251  XXXVII.  IDte  tiret  WMfa. 

Eren  und  grÖ3es  guotes; 
Got  ist  so  rehtes  rauotes, 

25  Gert(en)  wir's,  als  wir  soltcn. 
er  wert'  uns  swes  wir  wolten: 
Wir  suln  wachen  über  mäht 
und  biten  in  tak  unde  naht. 
Das  er  uns  gebe  michel  guot; 

30  ersiht  er  unsern  staeten  muot 
Und  die  grÖ3en  arbeit  darzuo. 
die  wir  beide  spat  unt  vruo 
Mit  der  bete  liden  mue3en. 
er  beginnet  uns  sin  lihte  bue3cn.« 

35  »Da3  tuon  ich  gerne,«  sprach  da,5  w!p 
»sol  icfi's  Verliesen  den  lip, 
So  tuot  mir  ba3  ein  kurzer  tot, 
denne  da5  ich  ein  lange  not 
Vor  armuot  mue3e  liden; 

40  die  wil  ich  gerne  miden.« 
Sine  sümlen  sich  niht  mere, 
sie  bäten  Got  vil  sere 
Umb  wer(l)tliche  richeit, 
und  liden  michel  arbeit 

45  Mit  wachen  und  mit  vasten. 
sin  enlie3en  ir  lip  niht  rasten 
Mit  venie  unde  mit  gebet, 
swa3  ie  man  mit  gebet(e)  tet , 
Des  lie3en  sie  niht  under  wegen; 

50  des  begunden  sie  so  lange  pflegen. 
Unz  Got  ir  tumpheit  schände 
und  in  sin[en]  engel  sande, 
Der  kwam,  da  er  den  man  vant, 
zuo  dem  sprach  er  zehanl: 

55  »Dun*  ensolt  niht  biten  umbe  guot; 
Got  hat  so  geiiccdigen  muot . 
Soidestu  guot  gehabet  han, 
er  hete  dir  rehle  getan, 
Als  er  den  andern  rehte  tuot, 

60  Die  er  laet  haben  michel  guot. 


XXXVII.  Wtc  tiret  WMfa.  255 

Ich  bin  der  engel,  der  din  pfliget : 

da3  dir  diu  tumpheit  an  gesiget. 

Des  verliuse  ich  min  arbeit. 

da3  ist  mir  inneklichen  leit.» 
65  Er  sprach:  »da3  ich  niht  guot  hän, 

da  hat  mir  Got  gewalt  getan; 

Ich  waer'  als  wol  guotes  wert . 

sam  alle  die  er  guotes  hat  gewert; 

Gaebe  er  mir'3,  so  sol  ich  e3  hän; 
70  ir  mue3t  genäde  an  mir  began. 

Ich  bit"  dich  immer  umbe  guot, 

unz  da3  er  minen  willen  tuot.« 

Dö  sprach  der  himelische  bot': 

»sit  du  dem  oberisten  Got 
75  Niht  gelouben  wil,  noch  mir, 

so  wil  ich  guotes  geben  dir 

Noch  mere.  denne  ein  michel  teil. 

033  du  versuochest  din  heil; 

Wirst  11  danne  ein  armer  man . 
HO  dl  bistu  selbe  schuldik  an. 

Habe  drier  wünsche  gewalt; 

swie  dine  wünsche  sint  gestalt. 

Die  ersten  dri  die  werden  war; 
«       soldestu  leben  tüsent  jär, 
80  Du  bist  mere.  danne  vil, 

ob  d.13  guot  mit  dir  wesen  wil.« 

Er  sprach:  »so  bin  ich  riebe.« 

er  gie  vil  vrollche 

Hin  heim  <e  sinem  wlbe, 
90  [er  sprach:]  »unser  zweier  übe 

Hit  Got  ir  not  verendet, 

er  bit  uns  guot  gesendet 

Ifer  den  wir  in  gebeten  bin, 

wir  Bugen  in  wol  mit  vrilr  l;ui 

Und  nngen  wo]  mit  vröuden  leben 
er  bit  iJii  wünsche  mir  gegeben, 
Die  werden!  wir  alle  drl  1 

nu    I  |  J   uns  d;i-   lies!' 


256  XXXVH.  Wie  ftrrt  Vßvmfät. 

Dunkel  dich  da3  wol  gewant , 
100  so  wil  ich  wünschen  ze  hant 
Vol  goldes  einen  grÖ3en  berk, 
und  dar  umbe  ein  so  vestes  werk 
Von  einer  höhen  mure  guot, 
da,5  uns  da.3  vihe  niht  entuot; 
5  Da3  wünsche  ich  ze  einem  wünsche  wol. 
oder  ich  wünsch'  einen  schrin  vol 
Swie  guoler  pfenninge  ich  wil , 
der  immer  si  gelichfe)  vil. 
Swie  vil  ich  drÜ3  genemen  kan  , 

10  und  swem  ich  drÜ3  ze  nemen  gafc: 
Da3  er  doch  si  geliche  vol.« 
dö  sprach  da3  wip:  »ich  hoere  wol, 
Wir  haben  mere,  danne  vil; 
nü  tuo,  des  ich  dich   bilen  wil. 

15  Du  solt  mir  einen  wünsch  geben, 
und  solt  dawider  niht  streben, 
Du  hast  genuok  an  dan  zw  ein; 
du  weist  wol,  da3  ich  miniu  bein 
So  vil  darnach  gebogen  han; 

20  e3  hat  Got  also  wol  getan 

Durch  min  gebete,  sam  durch  da3  diu; 
ein  wünsch  ist  billich(e)  min.ee 
Er  sprach:  »nu  habe  dir  einen, 
ichn'  gib'  dir  me  deheinen. 

25  Und  sich,  da3  du  in  bestatest  so, 
da3  es  alliu  diu  werlt  werde  vrö.« 
»Do  wolte  Got,«  sprach  sie  zehant 
»hete  ich  da^  beste  gewant 
le  zuo  an  minem  übe , 

30  da3  an  keinem  wibe 

Ze  dirre  werlt  ie  wart  gesehen. a 
als  der  wünsch  was  geschehen . 
Do  hete  sie  da3  gewant  an. 
»we  mir  we!«  sprach  der  man 

35  »Du  vil  (un)sa;lige3  wip, 
du  mühtest  aller  wibe  lip 


XXXVII.   5>ie  Um  WünfoV-  257 

Vil  wol  zuo  dir  gekleidet  hän. 

und  hetest  dannoch  ba3  getan, 

Wserstu  ie  man  holt  gewesen: 
140  din  sele  ist  immer  ungenesen, 

Da3  du  nie  maus  vriunt  gewesen  bisi ; 

da3  wolde  der  heilige  Krist, 

SU  du  triuwen  bist  laere, 

da5  e3  dir  in  dem  buche  waere, 
15  Daj  du  gewandes  wurdest  sat U< 

da3  wart  war  an  der  stat. 

Da3  gewant  was  in  dem  wibe 

da3  hete  si  in  dem  übe 

Vil  nach  gezerret  enzwei; 
50  vil  ungevuoge  sie  schrei, 

Wan  ir  was  wirs,  danne  we, 

.>ie  schrei  ie  me  unde  me. 

Üö  man  gehorte  disen  schal, 

die  gebüren  körnen  über  al , 
55  Lnt  vrägten,  wa3  ir  waere. 

dö  sagete  si  in  da3  maere, 

Ua3  e3  ir  von  ir  manne  geschaili 

da3  was  ir  vriunden  ungemacli . 

Die  dröuten  im  mit  schalle, 
60  und  sprächen  da3  alle: 

>;Lcßset  ir  uns  niht  da5  wlp 

wir  nemen  iu  ie  zuo  den  lip.« 

Sie  zuklcn  ir  inegder  und  ir  strerl 

und  drangen  vaftte  dar  wert. 
66  l><>  er  wol  hört'  unde  sach, 

beide,  des  wibes  ungemach 

l  odc  sinei    vinde  drö, 

dö  macht'  eis'  allesamt  vr<». 

l.i    sprach:   »da3  WOMfl  <n>l.   unser  tröst, 
70  das  s"'   s'Uilt<;  ITCre  erlöst. 

Dej  im  geaunt  wa'i',  ad  e.« 
do  eowai  t  ir  aber  nibt  w«-  me, 

vrai  M  aogenadeo  Mi. 
i  nd  beten  die  wünsche  alle  drl 

ii  1  < 


258  XXXVII.  9u  t»rei  «Ptinf^e. 

175  Ein  schentlich  ende  genomen, 

und  waren  sie  des  ze  ende  komen, 

Da3  sie  niht  guotes  solten  han. 

sie  heten  beide  missetan: 

Doch  wart  dem  man[ne]  der  schult  verjehen, 
80  dem  was  ouch  vaste  misseschehen , 

Des  wart  im  wol  vergolten, 

er  wart  so  vil  gescholten 

Und  wart  so  gar  der  werlde  spot, 

da3  er  unsern  herren  Got 
85  Niht  anders  bat,  wan  umb  den  tot; 

sin  schade  was  ein  grÖ3e  not, 

Do  wart  sin  unwerdikeit 

vil  volliklich  ein  herzen  leit. 

Sin  laster  und  sin  schände 
90  vulten  alle  in  dem  lande 

[Beide]  naht  unt  tak  ir  ören, 

er  wart  vor  allen  tören 

Mit  [den]  Worten  ungeschoenet 

und  wart  so  gar  verhornet, 
95  Da3  er  vor  leide  verdarp 

und  durch  da3  leit  vor  leide  starp. 
Swer  so  vil  guotes  noch  verlür, 

swie  grÖ3e  klage  er  drumbe  erkür, 

Er  möht'  e3  volle  klagen  niht, 
200  als  uns  der  tören  sit(e)  jiht: 

Unrehtiu  gir,  unrehte  bejagen, 

und  nach  vluste  unrehte3  klagen, 

Da3  ist  der  tören  ahte. 

die  tören  sint  drier  slahte: 
5  Die  niht  sinne  hant  gewunnen. 

din  enwi33en,  noch  enkunnen; 

Die  andern  wellent  wi33en  niht, 

die  sint  noch  vür  ba3  ein  wihl; 

So  sint  die  dritten  sinne  vol, 
10  die  kunnen  unde  wi33en  wol , 

Unt  tuont  da3  boeste  da  bi; 

swie  e3  in  allen  kunt  si, 


XXXVII.  Du  *m  Wünfd»tv  259 

Manik  tore  ist  des  muotes, 
ob  er  vil  vröude  und  [vil]  guotes 
215  Gewinnen  und  behalten  kan, 
so  dunk[e]t  er  sich  ein  wise  man. 
Swa3  vröude  er  hat,  swie  rieh  er  ist, 
und  ist  der  heilige  Krist 
Sin  vriunt  niht  alters  eine, 
20  so  hilft  e3  alle3  kleine, 

Swa3  er  vriunde  und  guotes  hat. 
swenne  er  vriunde  und  guot  lät, 
Ist  im  diu  sele  danne  ungenesen, 
so  ist  er  ie  ein  tör'  gewesen. 
25  Swer  die  sele  niht  ernert, 
der  ist  ein  tore,  swie  er  vert. 
E3n'  hat  nie  man  wisen  muot, 
wan,  der  Gotes  willen  tuot. 


XXXVIII. 


W  e  i  b  e  r  l  i  |i. 


lWeibeelial  auf  Minne  isi  so  behende,  dafs  sie  den  Mann  mit 
sehenden  Augen  blind  macht. 

Ein  Mann  sah  einen  Bulcr  von  seinem  Weibe  gehen:  sie  wollte 
ihm  einreden,  er  habe  sich  versehen  ,  und  das  Geschrei  darüber  brächte 
ihnen  beiden  nur  Schande  ohne  Noth.  Er  aber  liefs  sich  nicht  weg- 
läugnen ,  dafs  er  an  ihrem  Leibe  \ier  hülse  gesehen,  ergriff  ein  Scheit, 
verblaute  ihr  den  Kücken  und  zog  sie  bei  den  Haaren,  dafs  sie  laut 
um  Hülfe  schrie.  Die  Nachbarn  liefen  herbei  und  machten  sie  los;  sie 
klagte  ihnen,  ihr  .Mann  sei  \om  Teufel  besefsen  und  habe  sich  aufser 
dem  Hause  voll  Weise«  getrunken.  Es  wurde  Sühne  gestiftet,  und 
beide   lebten    vier   läge   in   Frieden,    Die  Frau  aber  sann  darauf,   sich 

lolebea  Wehtagen  zu  verwahren.     Sic   ging  zu   einer  alten  Fügerin 
Kupplerin     in_der   Stadt,    klagte   ihr  die  Noth.    und    bot   ihr  reichen 
Lohn,  nenn  ihrem  Manne  die  Eifersucht,  sie  wifse  wohl  auf  wen,  be- 
nommen würde.   Die  Alte  war  bereit,  und  fragte,  ob  sie  an  jenem  Tage 
nicht   etwa    eine   ungewöhnliche  Speise  gegefsen   haben.     Die  Frau  er- 
innerte   lieh,   tt   sei  kerbelkraul  gewesen.    Da  hiefs  die  Alle  sie  gutes 
Mttlhei  st  in  .    und  die  Junge  ging  heim.     Der  Mann  fragte,   wo  sie  ge- 
-■••  sagte,   in  der  Kirche,    und  schalt  zugleich  auf  ihn,   dafs  er 
beim    Eingang   in  die   Kirche   viel   nach  einer  Bulerin  geblickt,    und 
beklagte  lieb  ober  »eine  untreue.    Er  aber  erwiederte,   sie    wolle  sich 
nur  damit  besehenen;  und  als  iie  weinte  und  wehklagte  ,  ging  er  zornig 
hinaus    l».i  trat  ihm  die  alle  Kupplerin  entgegen    grüfste  ihn,  und  eni- 
h   ragleieu    vor   seinem   nngebenerliehen  Ansehen   mit   iwei 

i  und  riet  Mfeen.     El  bebte,  und  Meli  ei  ftti  Bpeet;   sie  jedoch 

niederholte  emetlieh,  daiii  er  ao  entatelll  »ei,    All  er  betbenerte ,  i 

anrerindert,  i  lieh,  daJj  iie  .'-'•ru  ein  ublea Kraut gegefaen, 

vednreb   -       i di  er  i  und  entschuldigte  lieb,    wenn   iie  ihm 

hl  gethan  bebe:   ei  he  jedem  io,  der  rou  den  Kraut  efae, 

ris    dir    /wei    ii ml    zwei    lur   drei    Mbe.     l.r    fragt«  liC  darauf, 
wie  das   Kraul    I  BL     Alsbald  gedachte  Sei 

ihor,  daA  <r  rielleichl  lieb  abenao  veraehen  und  lein  Weib  unacfauldig 

adelt  habe.    Ei  ging  beim,   und   rragte  logleieb  icIbc  Hausfrau, 

n  jenem  l  len  haben.    Sie  verwiei  ihn  an  die  Kuchen' 

dtC   habe    ihr   geklaut       dafl    sie    damals    eifl    Kraut   in   die  Bpeifl 


gethan ,  davon  er  gewiss  so  unsinnig  geworden  .  dafs  sie  gedacht .  es 
wäre  vom  Weine.  Auf  seine  Frage,  nannte  sie  es  Kerbelkraut:  da  be- 
reute er  laut,  dafs  er  ihr  unschuldig  so  wehe  gelhan ,  herzte  und 
tröstete  sie.  und  versprach  ihr  zur  Sühne  das  schönste  neue  Kleid. 

So  ward  er  von  der  alten  Kupplerin  und  der  losen  Jungen  geäfft: 
wie  noch  so  manchem  Manne  geschieht:  drum  ist  es  ebenso  verlorene 
Arbeit,  seines  Weibes  zu  hüten,  als  einen  Todten  zu  Stuhle  zu  tragen. 


XXXVIII. 

Der  wibe  List. 


üiz  seit  von  der  wibe  list. 


Ein  maere  ich  iu  sagen  wil. 

da3  wibes  list  also  vil, 

Siu  si  jung  [oder]  alt,  und  swie  siu  si, 

und  ist  ir  muot  also  vrl, 
6  Da3  siu  wil  pflegen  minne, 

siu  hat  ouch  soliche  sinne 

Uf  kluoge  sünde  wsehe, 

ob  e3  ir  man  joch  saehe, 

Siu  spreech',  er  het'  es  niht  gesehen. 
10  da  bi  mag  man  wunder  spehen, 

Wie  einem  man  hie  vor  geschach . 

der  von  sinem  wibe  sach 

Einen  sicherllchen  gan: 

M  sprach:  »eg  ist  unreht  getan!" 
>  Und  begunde  zürnen  serc. 

lin  sprach:  »du  will  mir  min  <n 

Bco6meo1  min  vil  lieber  man. 

•  in  weist  wo!,  daß  ich  nie  gewan 

Unrehte  mium  gegen  dir; 
20  du  soit  vil  bag  gelouben  mir, 
Dan  dlnea  ougen,  mag  ich  jehen; 

iiu  h.iui  dir  si  rc  misseseben 


266  XXXVIII.  Weiberlifl. 

Unt  triegent  dir  die  sinne  din. 

dur  Got,  du  lä  die  rede  sin, 
25  Und  gip  mich  niht  den  liuten  vür: 

unt  kumet  diu  rede  vür  die  tür, 

So  sin  wir  iemerme  geschant. 

ich  wolt'  e,  da5  ich  weere  verbrant. 

Ob  ich  e3  taele.«  sprach  da3  wlp. 
30  er  sprach :  »da3  dir  Got  dinen  lip 

Schiere  sehenden  mue3e! 

doch  sach  ich  vier  vue3e: 

Die  stänt  an  dime  libe  niht. 

sol  man  gelouben  da3  man  siht, 
35  So  ist  e3  äne  lougen, 

ich  sach  e3  mit  den  ougen; 

Oder  siu  wurden  mir  Ü3  gegraben. 

ein  biderbe  wip  wände  ich  haben. 

Nu  ist  min  wän  enbunden; 
40  ich  habe  e3  wol  bevunden, 

Üa3  du  mir  sere  hast  gelogen 

und  lange  (mich)  daher  betrogen, 

Gemacbet  ze  eime  tören.« 

eins  schites  begunde  er  vären 
15  Und  gap  ir  üf  den  rükken  har, 

in  dem  hüse  hier  und  dar 

Zöch  er  sie  bi  dem  häre  nider. 

siu  schre  eht  alles  vaste  wider; 

»Du  tuost  mir  unreht,  samir  Got! 
50  und  machest  uns  der  liute  spot.« 

Vil  lüte  schrei  siu  umbe  da3, 

da3  ir  ze  helfe  deste  ba5 

Die  näh  gebaren  keemen. 

so  siu  den  schrei  vernaemen. 
55  Vil  schiere  ir  do  ze  helle  kan. 

beide,  vrouwen  unde  man. 

Ab  irem  man  zoch  und  stie3- 

unz  er  ir  da3  här  verlies. 

Do  vrägete  man  in  maere. 
(iO  \V33  ime  beschehen  waere. 


\XXV1I1.  WeibcrUft.  267 

Oder  wie  e3  waere  ergangen. 

siu  sprach:  »er  ist  gevangen 

Mit  dem  tiuvel  leider. 

er  hat  mir  minin  kleider 
ti5  Zerzerret  unt  zerbrochen. 

ist  ime  dizze  iht  gesprochen. 

Da3  ist  mir  sicherlichen  leit. 

sin  grÖ3e  unbescheidenheit 

Diu  tuot  mir  manig  ungemach; 
70  er  seit  ein  ding,  da3  nie  geschach. 

Und  (n)ie  mer  joch  geschehen  sol. 

er  ist  da  113c  worden  vol, 

Des  mu.03  ich  heime  engelten; 

vluochen  unde  schellen 
7o  Hab'  ich  von  ime,  und  anders  nihl ; 

der  ungeslahte  boese  wiht 

Der  hat  sich  wines  ervüllet, 

dar  umbe  er  mich  hie  krüllet  (knüllet?).« 

Do  bäten  siu  umbe  einen  vride. 
90  ic  doch  hat'  er  ir  diu  gelid[e] 

Harte  wol  gestreichel. 

mit  bengeln  so  erweichet, 

Da3  e3  ir  was  ein  ungehabe. 

der  vride  werte  vier  tage 
55  Zwischen   in  dö  beiden, 

iImjs  wart  e3  gescheidcn. 

Hie  bl  erdahte  siu  einen  lisi. 

•de  <lat5  sin  sich  ^evrisl', 

Dag  <-.5  geschehe  nie  mer  nie 
'<»  die  siege  taten  ii  ftö  wc. 
Einet  morgent  siu  geArat 

/<■  •  •im'  alten   wibe  in  die  stal. 
Diu   was  ein  vin^cimnc 
lind    \v  i^t«-  oi.«  h   solhc  liiiiiuc. 
I  >  Diu  hic.5  sie  dole  wilKoiru-  sin 

-in   sprach:   „<,ot  Um'  dir,  rnuoh-i    min 

1  ni  tel  ouch  nie  so  rehte  not  . 

niin    rtian    wil    mir  den   immmm    Löl 


268  XXXV1I1.  ttDeiberltrt. 

Tuon  mit  starken  siegen  grÖ3. 
100  waer'  ich  ein  herter  ane  063. 
Ich  solte  davon  zerklieben: 
möht'  ich  mich  ime  gelieben, 
Da3  ich  ime  würde,  als  im  was  e, 
dar  umbe  wolt'  ich  dir  ie  merme, 
5  Beide,  lihen  unde  geben, 
min  schulde  muo3  ich  dir  verjehen : 
Er  sach  einen  von  mir  gen,1 
du  weist  wol,  wen  ich  da  mein*. 
Muoter,  nü  soltu  mir  geben, 

10  des  ich  dir  hän  verjehen, 
Dinfen]  rät  und  dine  stiure 
ze  dirre  äventiure.« 
Diu  alte  sprach:  »tuot  es  dir  not. 
so  kan  ich  dir  wol  guoten  rät 

15  Geben  zuo  der  Sachen, 
und  dinen  man  gemachen, 
Da3  er  swuere  hundert  eide. 
ime  geschaehe  nie  so  leide 
So  da3  er  sluege  dinen  lip.« 

20  dö  lachete  da3  junge  wip. 

Do  sprach  [ouch]  diu  vuegerinne: 
»lä  trueben  niht  die  sinne. 
Liebe  tohter,  unde  sage. 
ä3et  ir  an  dem  tage 

25  Keinfe]  seltsaene  spise? 

der  maere  du  mich  bewise.«  — 
»Ja,«  sprach  diu  junge  ze  hant 
»ein  krüt  ist  kerle  genant 
Da3  kam  in  unser  e33en, 

30  da3  hän  ich  unverge33en. « 

Do  sprach  diu  alte:  »da3  ist  guot, 
tohter,  nü  hab'  ich  höhen  muot, 
Ich  getriuwe  dir  gehelfcn  wol, 
wan  ich  dir  bilüch[e]  gehelfen  sol.  <« 

1  hsssc)  .  liehen  von  mir  ein 


XXXVIII.  Weiberltft,  269 

135  Diu  junge  [dö]  von  ir  urloup  nam. 

dö  siu  wider  heim  da  kam. 

Dö  sprach  der  man:  »wä  waer'  du  hin?«  — 

»mueding,«  sprach  siu  wider  in 

»Saehe  du  mich  niht  vor  [der]  kirchen  stau? 
40  wie  sol'3  mir  armen  wibe  ergän! 

Und  wiltu  alsus  missesehen, 

so  mahtu  wol  ze  den  ougen  jehen: 

»Wie  weit  ir  mich  betriegen 

und  machen  ze  eime  giegen!« 
45  Du  gienge  doch  ze  der  kirchen  in, 

unt  stuende  bi  dem  neven  din; 

Dö  sach  ich  gar  dikke. 

da3  din  aneblikke 

Einre  schumpfen  wären  bi ; 
50  das  ich  davon  sach,  da3  si. 

Davon  ich  lide  herze leit, 

und  da3  min  11p  dir  da3  vertreit, 

Da3  din  ungeslahter  lip 

minnet  lieber  ander[e]  wlp, 
55  Davon  ich  kumber  dulde 

gar  äne  mlne  schulde.« 

Mit  rede  siu  begunde 

versuochen,  obe  siu  künde 

Dekeine  sache  vinden, 
60  da  mite  siu  in  mühte  gelinden, 

Da3  er  sin  zürnen  lie3e  sin. 

er  sprach:  »die  valschen  tükke  dln 

Die  sint  mir  komen  zuo  gesiht; 

du  mäht  dich  beschoenen  niht, 
65  Wan  ich  <'3  mit  den  ougen  sach.« 

nü  hreret,  wie  siu  wider  in  sprach: 

0E5  ist  noch  war,  tog  man  seit, 

da3  mannes  triuwe  ist  niht  ze  breit. 

Da3  hän  ich   wol  bevunden 
70  an  dii    M  mani^er  stunden." 

Sm  weinde  und  want  ir  hende 

■  |i.  Gol .  'du)  mir  sende 


270  XXXVIll.  ttribrrltft. 

Den  tot,  da3  ich  niht  lebe  me! 
mir  tuot  niht  also  rehte  we, 

175  Als,  deme  ich  nie  ungetriuwe  wart, 
der  nü  sin[e]  triuwe  gegen  mir  spart.« 
Mit  zorne  er  vür  die  türe  gie. 
diu  alte  vuegerin  was  hie, 
Unt  trat  engegen  im  har; 

80  nü  hoeret,  wie  siu  in  törte  gar: 
Siu  sprach:  »sun,  Got  grue3e  dich, 
durch  Got,  du  solt  becheiden  mich, 
Obe  du  sist  worden  wilde; 
sich  hat  din  menschen  bilde 

85  So  wunderlich  entschikket, 
da3  sin  min  herze  erschrikket.« 
Er  sprach :  »  wie  ist  mir  den  besehen  ? « 
siu  sprach:  »ich  hän  an  dir  ersen 
Zwo  nasen  und  vier  vue3e; 

90  da3  dir  Got  Ionen  mue3e, 

Gä  heim;  e3  stät  dir  übel  an.« 
er  sere  lachen  dö  began: 
Und  sprach:  »muoter,  so  dir  Got, 
oder  ist  dir  ernst,  oder  spot, 

3ö  Oder  ist  dir  din  gesiht(e) 
worden  nü  ze  niht(e)?« 
Siu  sprach:  »obe  mir  sin  ernst  si? 
mir  wont  wol  solich  alter  bi, 
Da3  ich  nie  mann.es  spotten  sol. 
200  darzuo  gesihe  ich  harte  wol, 

Du  hast  vier  vue3e  und  nasen  zwo.« 
balde  sprach  er  zuo(z)ir  do: 
»Muoter,  dir  ist  gar  unreht; 
mir  ist  min  antliz  also  sieht, 
5  Als  ei[nejm  menschen  sol  billich|en]  sin. 
do  sprach  diu  alte  vuegerin: 
»Nü  lä  mich  dich  beschouwen  ba5: 
ein  veige3  krüt  ich  nehten  a3- 
Davon  ich  ie  sit  missesihe: 

10  sunder  maere  ich  dir  verjihe, 


XXXVIII.  Wrtbrrlift.  271 

l)a3  ich  dir  unreht  hau  getan, 

nü  Iä  gen  mir  disen  zora  stän , 

Und  lä  mich  hän  din  hulde! 

da3  krüt  da3  hat  diu  schulde, 
215  Wer  e3  i33et,  dem  geschiht,     , 

da3  er  alsus  missesiht, 

Ein3  vür  zwei,  zwei  vür  driu. 

lieber  sun.  nü  se  min  triu, 

Da3  mir  so  leide  nie  geschach« 
20  alsus  nü  diu  alte  sprach 

»An  dir,  du  waerje]  mir  ie  so  trüt; 

da3  ungeslahte  veige  krüt 

Da3  het  mich  so  getoeret, 

der  sinne  min  zerstceret.a 
25  Er  sprach:  »wie  ist  da3  krüt  genant?« 

siu  sprach:  »da3  tuon  ich  dir  bekant, 

E3  hei3et  kernel  z'wäre.« 

ze  hant  gedähtfe]  der  tore: 

»Mir  ist  ouch  lihte  also  geschehen; 
30  ach,  und  hän  ich  missesehen 

An  mime  lieben  wibe, 

wie  hän  ich  denne  ir[me]  übe 

Unschuldeklich  getan  so  wo! 

ich  viirhte ,  ich  sin  ze  buo3e  ste 
35  Lmbe  die  siinde  Got  und  ir; 

ist  cht  alsus  geschehen  mir. 

Üa3  ich  des  selben  krütes  a3, 

ich  geloub'  e3  ir  ie  mer  deste  ba3-« 
Niht  langer  wolt'  er  dö  geslän. 
iO  er  sprach:  »muoter,  ich  wil  gän 

Beim  versuochen,  obe  mir  st 

da3  selbe  krüt  gewesen  bl.« 

l)o  lachet«  siu,  und  kerte  [sich]  dan 

Im •im(e)  gie  der  tumbe  man 
16  Geswindc  und  ouch  gediäte. 

•>in   \\i|i  er  bald«  vräle, 

w.15  er  des  leget  »3«, 
daj  er  §&  angenage 


272  XXXVIII.  Wtibtrlift. 

Mit  siegen  was  tit  iren  lip. 

250  gar  zornliche  sprach  da3  wip: 
»Da,3  soltu  vrägen  dine  maget; 
siu  hat  mir  sider  wol  geklaget, 
Siu  tet  ein  krüt  in  unser  muos, 
da  von  dir  rehter  sinne  DU03 

55  Wart  e  in  dem  hirne, 
dir  umb  lief  dine  stirne, 
Ich  wände,  e$  waer[e]  von  wine.« 
»ach,  liebe  vrouwe  mine, 
Wie  ist  da3  krüt  genennet  ?«  — 

60  »da3  tuon  ich  dir  bekennet, 
E3  ist  gehei3en  kernet  krüt.«  — 
»owe!«  sprach  er  »liebe3  trüt, 
Nu  solt  dü'3  vergeben  mir, 
sit  ich  unschuldekliche  dir 

65  Hän  getan  so  rehte  we: 

sich ,  e3  geschiht  dir  nie  mer  me , 
Des  sol  min  triuwe  sin  din  pfanl. 
ze  suone  kouf  ich  dir  ein  gewant, 
Da3  beste  da3  man  vindet.« 

70  alsus  wart  er  gelindet 

An  muot  und  an  dem  sinne. 
da3  geschuof  diu  vuegaerinne 
Und  der  junge  lose  lip. 
sus  künnen  sümelichiu  wip 

75  Noch  wol  ir  man  vertoeren. 
die  eht  siu  went  gehoßren. 
Davon  nie  man  enwuete, 
da3  er  sins  wibes  huete: 
E3  ist  verlorniu  arbeit, 

80  wer  den  töten  selben  treit. 


XXXIX. 

Per  Bitter  unfc  Me  Hüße. 


m.    d.  Hmftm,  Otl— ■  ufct»t> mar,     II. 


Ulan  soll  von  den  Frauen  Gutes  reden,  denn  sie  haben  viel  Künste. 

Ein  Ritter  ritt  eines  Tages  mit  Windhunden  auf  die  Jagd.  Seine 
Frau  sandle  alsbald  heimlich  zu  ihrem  Bulen,  der  auch  sogleich  kam  und 
mit.ihrthat,  was  ein  Mönch  rathen  mag.  Ein  heftiger  Regen  aber  veran- 
lafste  den  Ritler  heimzureiten ;  da  traf  er  unterweges  Kinder,  die  Nüfse  ge- 
pflückt hatten,  und  auch  heimgingen;  er  liefs  sich  in  seinem  Hute  Nüfse 
von  ihnen  geben,  und  knackte  davon.  Seine  Hunde  liefen  voraus  und 
kratzten  an  der  Thüre.  Der  Ritter,  der  bei  der  Frau  lag,  erschrak;  die 
Frau  aberstund  auf,  hiefs  ihn  ruhig  liegen  und  zu  allem  stillschweigen: 
sie  werde  ihn  schon  befreien;  sie  zog  den  Umhang  zu,  und  setzte  sich 
davor.  Der  Hausherr  ritt  in  den  Hof,  liefs  sich  das  Pferd  abnehmen, 
und  ging  zu  seiner  Frau.  Sie  empfing  ihn  freundlich,  und  sagte,  sie 
wollte  eben  schlafen  gehen,  weil  ihr  so  allein  die  Zeit  lang  werde,  und 
beklagte  sich,  dafs  er  stäts  auf  die  Jagd  ritte.  Er  beschwichtigte  sie 
damit,  dafs  er  ihr  zur  Kurzweile  Nüfse  mitgebracht,  schüttete  sie  ihr 
in  den  Schoofs,  und  beide  safsen  und  bifsen  sie  auf.  Die  Frau  rief 
laut  dem  Ritter  im  Belle  zu,  er  dürfe  nicht  sorgen,  sie  werde  ihn,  wie 
sie  versprochen,  sicher  hinaushelfen;  er  möge  sich  auch  die  Zeit  mit 
<len  Nüfsen  vertreiben:  und  damit  warf  sie  eine  Handvoll  unter  den 
Umhang.  Der  Mann  verwunderte  sich,  und  sie  wiederholte,  es  läge  ein 
Ritter  da  an  ihrer  Belislatt.  Der  Mann  nahm  es  für  Scherz;  die  Frau 
aberforderte  ihn  auf.  sich  zu  überzeugen,  und  beklagte,  dafs  ihre  Kurz- 
weile gestört  worden,  da  der  wackere  Held  bei  ihr  gelegen.  Der  Mann 
schalt  sie  für  besefsen:  sie  möge  sich  doch  besinnen.  Sie  jedoch  hiefs 
ihn  aufstehen  und  selber  schauen.  Er  meinte,  sie  wolle  ihn  nur  äffen, 
um  ihn  darnach  mit  anderen  Weibern  zu  verspotten.  Sie  schalt  ihn  ver- 
zagt, und  mit  Recht  liege  der  Kühne  dort.  Dieser  halle  nicht  Lust,  die 
ihm  zugeworfenen  Nüfse  zu  knacken,  und  \^are  lieber  zu  St.  Jakob 
von  ConpotteUa]  darnach  gewaltet.  Der  Mann  blieb  aber  ruhig  sitzen 
Da  sagte  auch  die  Frau,  es  sei  alles  nur  Neckerei:  jedoch  vermaafs  sie 
lieb,  *cnn  Wirklich  ein  Rittet  dort  lige,  ihn  füglich  hinaus/iibringcn. 
Er  war  neugierig  n  vernehmen  nie.  Dl  Mgtfl  lie,  sie  würde  ihn  fort 
an  sich  drin  ken,  ihm  ihr  Gewand  überwerfen,  mit  ihm  (ingen,  und 

den  Biliar  hinausgehen  beiJjen.    Indem  ih.it  sie  diefs  alles  wirklich:  und 
gel  Riller  eilt«  binnen  und  kam  unbemerkt  von  dannen.    Nun  liefs  die 

I  ran   ihrem  Mann  das  Haupt    Mieder  frei,    und  bat  ihn   um  Vcrzeihim» 

dafs  sie  lieh  den  Beben  nril  Ihm  erlaubt  iahe. 

\  or  baaea   Weibeta,    lie  M  mausen  können,  soll   man    sich  hüten. 

und  den  Narren  imi  Koiheri  lauten. 


XXXIX. 

Von  dem  ritter  mit  den  nü33en. 


Man  sol  vrouwen  reden  guot , 

er  ist  saelig,  wer  da3  tuot. 

Wen  die  vrouwen  [die]  künnen  vil ; 

davon  merket  ein  bispil, 
5  Wie  ein  ritter  wart  betrogen, 

daj  wil  ich  Sagen  unerlogen. 

Do  er  von  slner  vrouwen  reit 

eins  tages,  nach  gewonheit, 

Ze  velde  mit  den  hunden, 
10  si  besant'  an  disen  stunden 

Iren  minneklichen  trut, 

dag  tet  si  niht  überlüt, 

D.15  er  ball  zuo  ir  kaemc 

und  dl  ir  red'  vernaeme. 
15  Do  er  die  botschaft  vernam. 

er  \\;i^   fTÖ,   mide  K.irn. 

DA  er  in  die  kantet  trat, 
(lö  giengen  si  an  die  bette  stät, 
Diu  zwei  heimlichen  holden. 
'_><>  nnd  leten .  wag  si  wolden. 

Aber    \v.15    |j    t.ilcii 

«1.-15  stöbt1  em  mfineh  raten. 

Nu  arider  tuot  dem  bero  ein  regen, 

d.r,  er   \sidcr  Kerl'   linder  wegen  . 


278         XXXIX.    Jfret  BUtfr  im*  Me  Wifc. 

25  Er  gedähte:  »nü  wirstu  na3, 

ker'  wider  nein,  da  tuostu  ba3.« 

Wan  diu  wölken  vlu33en„ 

da  waren  gangen  nu33en 

Kint,  zuo  den  er  (hin)  reit, 
30  diu  vluhen  ouch  den  regen  breit, 

E  da3  e3  vester  [an]  gü33e. 

da  heten  si  [ein  teil]  der  nü33e 

In  iren  buosem  gebrochen, 

da  von  ich  hän  gesprochen, 
35  Do  bat  er,  im  der  nü33e  geben. 

des  gewerten  si  in  eben, 

Er  huob  dar  sinen  huot, 

in  düht'  diu  kurzwilc  guot, 

Diu  kint  teten  niht  da  wider. 
40  dö  reit  der  ritter  hein  wider, 

Sin  winde  liefen  im  vor, 

der  eine  krazzet'  an  dem  tor, 

Da3  der  ritter  ser  erschrak. 

der  an  des  wirtes  bette  lak, 
45  Er  gedäht',  der  wirt  waer'  komcn. 

dö  da3  d«u  vrouwe  het  vernomen, 

Si  stuond  üf  in  allem  gan: 

»ir  bedürfet  kein'  angest  hän«, 

[Si  sprach,]  »her  ritter,  liget  stiil(e), 
<  50  ich  rat*  [iu  e3]  und  ist  min  (wille), 

Der   umbe  hang  ist  gelesen, 

uns  mag  arges  niht  bi  wesen, 

Ich  sol  iuch  [wol  von]  hinnen  bringen, 

mit  wol  vuoglichen  dingen; 
55  Swa3  ich  sprich',  so  swigct  ir; 

ich  hilf  iu  [von]  hinnen,  gloubet  rnir.u 

Dö  der  wirt  in  den  not  kam, 

zehant  man  im  sin  pfer(i)t  nam; 

Bi3  er  an  die  kemnäten  kam  hin(vür), 
60  dö  het  si  üf  getan  die  tür, 

Und  was  nider  gese33en  bi  einem  stein, 

dort  lag  der  ritter  al  ein 


XXXIX.    Dn  Bitter  unt«  *>k  tlüfje.  279 

Inder  dem  umbe  hange. 

dar  nach  was  niht  lange , 
65  Da3  der  wirt  in  gienk. 

diu  vrouw'  in  guetlich  enpfienk. 

»Wib,«  sprach  er  »wa3  tuost  du?«  — 

»dö  wolt'  ich«  sprach  si  »ie  zuo 

Släfen  sin  gegangen; 
70  mich  begunde  ser  belangen, 

Da3  ich  also  einig  sa3. 

ach  Got,  wa3  (mag)  dich  helfen  da3, 

Da3  du  ze  allen  stunden 

ritest  mit  den  hunden, 
75  Und  last  mich  einig  sizzen? 

unt  pflaegestu  guoter  wizzen. 

Du  wahrest  dikker  bi  mir; 

wen  ich  diu  unsanft  enbir.« 

[Er  sprach :  »swig,]  ich  hän  dir  hasel  nÜ53e  bräht.« 
*0  si  sprach:  >;dü  hast  wol  gedäht. 

Da5  ich  niht  kurze  wile  hän. 

dem  hästu  wol  gelich  getan; 

Wen  du  bist  wol  verwi33en.« 

da  sasen  si  und  brföejp 
86  Der  nü33e  Ü3  der  vrouwen  schÖ3. 

des  gastes  angest  diu  was  grÖ3, 

Der  da  lak  verborgen. 

>;dir  bedürfet  niht  sorgen«, 

[Sprach  si]  »her  ritter  an  dein  belle 
90  ich  hilf  in.  tat  weite, 

115   (lisci    kcmriiätrii 

II  slt  hie  unvcrräti  n. 
Ms  ich  in  vor  beschiel  . 

III  kau   hie  geSCJucfel   nicl. 
M  Wag  -<>\  man  in  verwarn? 

lullet   uns  [ouch]  der  vAföt  bi.vii 

\s  m  in  nie  m.in  icbaden  mL« 

do  D4ID   si  der  1111.55«'  «in  hanl    \<»l 
I  in!   w.iil  U   iiimIci    den   iiiiiIk-  buk 

1<k>  das  bljcn  dübl'  den  gati  /»•  lanli 


280  XXXIX,   3tx  KlttUr  untJ  Die  Ulii(fe. 

Der  wirt  begunde  si  an  sehen, 

er  sprach:  »ach  Got,  wa3  ist  dir  besehenen, 

Ze  wem  sprichstu  disiu  wort?« 

si  sprach:  »da  lit  ein  ritter  dort 
105  An  unser  bette  stat.ee 

der  ritter  sprach  vil  drat 

Ze  disen  selben  ziten : 

»er  torst'  min  niht  [da]  erbiten, 

Und  wa3r'  er  da.«  —  »das  gloub'  ich  dir, 
10  du  seitest  e3,  wei3  Got,  tälank  mir. 

Nu  wil  ich  sin  kein  sünde  han: 

ich  hei3*  dich  selber  dar  gän, 

Stand  üf  und  luog',  wer  er  si; 

er  lag  mir  sider  vil  nähe  bi. 
15  Da3  du  so  schiere  bist  komen, 

des  hästu  du  uns  kurz  wil'  vil  benomen, 

Wen  er  ist  ein  helt  verme33en.«  — 

»z'wär«,  sprach  er  »dich  hat  bese33en 

Ein  tiuvel,  genant  Leste(r)Iink: 
20  Got  der  be33er  diniu  dink, 

[Und  helf  mir,]  da3  du  dine  sinnefn] 

wider  mue3est  gewinnen, 

Des  waere  dir,  wei3  Got,  not. 

wer  waer'  der,  der  üf  sinen  tot 
25  An  mine  betstat  gienge, 

da3  ich  in  erslueg'  oder  vienge? 

So  dir  Got  helf,  bedenke  dich 

und  lä3  unbekümbert  mich.« 

Do  sprach  des  herren  vrouwe: 
30  »nü  stand  üf  und  schouwe; 

Waenest  du,  da3  ich  unbesinnet  si? 

mir  sint  vil  guoterwizze  bi : 

Du  bist  an  dir  selb'  betrogen.« 

[er  sprach:]  »ich  bin  von  dir  unbetrogen, 
35  Swa3  du  tälest  geschaffest, 

und  da3  du  mich  also  äffest, 

Da3  ich  nur  dar  kaeme 

und  nie  man  da  vernaeme . 


XXXIX.    2>et  Bitter  mit»  tue  tlüflc.  281 

Da3  du  sin  dan  lachetest 
140  und  dinen  spot  machetest  ! 

L'5  mir  under  andern  wiben: 

ich  sol  und  wü  hie  beliben, 

Wen  ich  getriuw'  din[en]  werken  b.  wollen   Biht.« 

si  sprach:  «diu  rede  ist  vür  niht. 
45  Getrouwwol  den  hengst  hin  reit:  2 

doch  ist  e3  gar  ein  wärheit. 

Da3  wil  ich  nemen  üf  minen  eit, 

alle3  da3  ich  dir  hän  geseit. 

Du  getarst  niht  dar  gän, 
50  des  bistu  gar  ein  verzagter  man: 

So  lit  er  da  von  rehte, 

gelich  einem  kuenen  knehte.« 

Swie  vil  si  in  des  beschiet. 

dennoch  kam  er  dar  niel. 
55  Jener  der  da3  bette  büte, 

und  ir  gar  wol  getrüte, 

Der  bei3  der  11Ü55C  klein(e) : 

[wen]  er  het  si  lieber  [alters]  eine 

Geholet  zuo  Sani  Jakop, 
60  wen  er  bejagt'  wol  ritters  lop. 

»Be  namen ,«  sprach  si  »da3  gloub'  mir, 

ich  hän  unreht  gesaget  dir. 

NN  '.'in  (l,i  ist  waerltcn  nie  man, 

Iran  ich  dir  alles  guotes  gan, 
h  >  Doch  Mg1  ich  dir  ein  in.crr  , 

ob  Uli  ein  rilter  d.i    wirre, 

Den  wölt'  ich  dainicn  bringen 
mit  gar  vuokltchen  dingen, 
Dag  er  05  dftnem  hose  luem' 

70  unl  keine   -, t : J i ; i r i < J < •  davon   nami 

Er  sprach:  »wie  wölteslu  daflj  Luon? 
das  ich  dir  tage  !<•  zuon: 

l><>   n.irn'   ich   dich   also   16  haut 

iqo  mir  ander  min  gewanl 

■  Ui„  iiandickujt  rttmUi  laebotift:  machotiil 
2  Wohl  ein  iprichwörtlichei   shi*.iiu< 


282  XXXIX.    ßet  m»ttfr  unt>  tue  ltu||>. 

175  Und  bcgünd'  dich  an  mich  Iwingen 
unt  vaste  mit  dir  ringen, 
Also  verdakt'  ich  dir  da3  houpt: 
herre  gast,  iu  si  erloupt, 
Nu  kernt  bald  iuwer  stra3e. 

80  wan  ich  sin  niht  erlabe, 
Und  rümet  uns  da3  hüs  sän, 
da3  houpt  ich  im  verdekket  hän.« 
Do  si  dem  gast  also  geseit, 
er  sich  niht  sümete,  er  schreit  ') 

85  Des  weges  hinu3  vil  verholn. 
;ils6  half  si  irem  buoln, 
Da3  er  kam  sin  Strien, 
dobegund*  si  im  da3  houpt  lä3en. 
Si  greif  im  vornen  an  den  schöpf! 

90  »heb'  üf,  lieb,  dinen  köpf 
Ujide  sich  mich  vrilich  an, 
da3  ich  den  schimpf  begangen  hän 
Und  vergib  mirc3  durch  diu  guete.« 
Vor  [boesen]  wiben  man  sich  huete, 

95  Die  also  künnen  müsen. 

man  sol  narren  mit  kolben  luscn. 

1   In   der   Handschrift   sieht : 

Des  weges  er  sich  nicht  sümel 
Kr  schreit  hin  u-,  vil  verholn    ' 


XL. 

IDte  Jftrimn  mit  tat  ©riß. 


Die  Frauen,  die  durch  strenge  Hut  an  ihrer  Minne  gehindert  wer- 
den, erfinden  oft  solche  Listen,  dafs  es  lustig  zu  hören  ist. 

Ein  Meier  hatte  das  schönste  Weib,  so  je  ein  Mann  gewann:  ihr 
Haar  war  gelb  wie  Seide  und  lockig,  Kinn  und  Brauen  waren  lieblich, 
die  Augen  wonniglich,  Mund  und  Wangen  rosig,  die  Brüsllein  lein  und 
rund,  die  Arme  voll  und  weifs,  die  Händlein  zierlich  und  lang:  sie 
verdiente  eine  Gräfin  zu  seyn,  und  der  Dichter  würde  noch  mehr  ihren 
holdseligen  Leib  loben,  fürchtete  er  nicht  den  Hafs  höherer  Frauen. 
Der  Meier  hatte  diefs  schöne  Weib  so  lieb,  dafs  er  sie  nimmer  ohne  Hui 
liefs.  Wenn  er  etwa  nicht  daheim  schlief,  so  kam  seine  Schwester  und 
gab  auf  sie  Acht.  * 

In  der  Nähe  stand  eine  Burg,  da  safs  ein  Ritter,  dem  die  Meierin 
so  wohl  gefiel,  dafs  er  zu  ihr  durchs  Meer  gewatet  wäre.  Er  bot  einer 
Werberin  Gabe  und  Geld,  und  die  erwarb  ihm  auch  bald  die  Gunst  des 
schönen  Weibes.    Es   war  zur  fröhlichen  Sommerzeit,   und  er  meldete 

-  honen:  wann  sie  zu  der  Pfarrkirche  bei  der  Burg  durch  das  Ge- 
hölz ginge,  sollte  ein  in  den  Weg  geworfener  Zweig  bedeuten,  dafs  er 
recbtsah  reaitMkt  ihrer  harre.  Sie  wandte  ein,  dafs  ihre  Schwiegerin 
und  deren  Bruder  sie  släls  begleiteten;  und  die  Alle,  ihr  die  grofse 
Brunst  des  Killers  vorstellend,  hiefs  sie  etwas  anderes  erfinden.  Da 
In  -Hin  ite  ^ich  und  sagte:  ihr  Mann  habe  eine  Geiis,  nach  welcher 
vorige  Nacht  die  Wölfe  gegraben;  der  Ritler  möge  durch  seinen  Schüler 
die  Geifl  heimlich  wegführen  lafsen,  so  werde  der  Meier  hinterdrein 
laufen  ,  und  der  Ritter  könne  unterdessen  zu  ihr  ins  Haus  schleichen. 
Der  Allen  gefiel  dieser  Anschlag,  und  als  eben  der  Meier  dazu  kam,  fing 
sie  dersBalsen  in  zu  hosten,  dafs  er  wlbnte,  es  wäre  ihr  Ende,  und 
lein  Weib  ihr  etwas  geben.  Die  antwortete  schnöde,  sie  hätte  sie 
noch  lange  ohne  Gabe  Vitien  lafsen,  wenn  er  es  nicht  geböte.  Das 
gefiel  dem  Heier,  und  die  lltC  ging  weg,  so  lange  ächzend  und  kräch- 
zend .  bis  er  "iic  nicht  mehr  böl ' 

Der  Bitter  war  vergnijgl  aber  ihre  Botschaft,  und  richtete  den  An- 
schlag SOgleiea   ms  Werk.    In  der  linsierri  Vicht  ging  er  mit  dem. Schüler 

und  einem  hnci  hie  sur  Meierei,  und  s;r  brachten  die  Geifs  zum  schreien 
Da  weckte  die  Heierin    ihren  Mann:  die  Wölfe  waren  wieder  da.    her 

Hciet  ("hr  auf  und   Inf  der  Geifl   Dach,   welche  der  Schiller  über  man- 
chen  Zaun    binwegfuhrte    und   ibl    «las  Ohr    kniff,    dals   lit   schrie,     her 

alle  i nor  lief  i.iui   ruienii  so  lange  hinterdrein,   ins  ei  ile  dem  Wolfe 
wieder  abjagte     i  nterd essen   hatte  der  Ritter  mit  der  schonen  Meierin 

ein    kurz*  B  eben,     und     wai     schon    wieder    von  hinnen 

als  der  Meier  mit  teinei  Geifl  heim  kam 

VNcr  seines  Weibe  Hieb  hütet    verliert  all  Mine   krboit. 


XL. 

Von  der  meirin  mit  der  gei%. 


Wer  heimlich  wirbct  umb  diu  wip, 

dem  erlachet  dik  der  lip, 

So  er  ze  weide  liuten  kumt. 

diu  min[ne]  den  vrouwen  also  vrumt, 
5  Wen  ein  vrouwc  ze  irem  man 

irs  willen  [niht]  gevuegen  kan 

Niht  vor  großer  huote, 

si  vindet  in  irem  muote 

Vil  manigen  sphaehen  list, 
10  da3  sich  ze  lachenne  ist. 

Da3  ist  mir  in  mengen  dingen  kunl. 
E3  was  ein  meir  ze  einer  stunt, 

Der  het  da3  aller  schoenest  wlp, 

so  si  ie  gewan  marines  lip, 
15  n.15  ist  äne  iwlyel  wkt: 

gel  als  diu  side  was  ir  här, 

Ir  kinne,  ir  brau  man  lohen  sol, 

ir  ougen  stuonden  wunne[klichen|  wol    b.  vol), 

Ir  mund  und  ouch  ir  wengelln 
20  diu  gäben  roesefahten  ichin, 

Ir  här  was  reid  tiude  gel, 

ir  hriistlln  klein  und  sinewel  , 

Ir  arm'  gedrolleo  Hilde  blank; 

WI3,  höflich  uude  lank 


288  XL.    W\e  JWeimn  mit  fcer  <&e\%. 

25  Waren  ir  diu  hendelin;  t- 
da3  si  niht  solf  ein  grsevin  sin, 
Da3  klag'  ich  stille  und  offenbar;  — 
ir  lib  was  hübsch  unde  klär: 
Ir  lob  da3  wölt'  ich  meren  ba3, 

30  so  vürht'  ich  höher  vrouwen  ha3. 
Des  wil  ich  von  der  meirin  gedagen, 
und  wil  von  dem  meire  sagen , 
Wie  dem  sin  wip  ze  herzen  gie : 
wan  also,  da3  er  niht  enlie 

35  An'  huote  sin  wib  einen  tak. 
wan  er  niht  däheime  lak, 
So  kam  sin  liebiu  swester  dar 
und  nam  ir  vil  eben  war. 
Ein  pfarre  bi  einer  bürge  was, 

40  darüt  man  sang  unde  las; 
Da  bi  was  gese33en 
ein  ritter  gar  verme33en, 
Der  selb'  ritter  was  unverzagt, 
diu  meirin  im  so  wol  behagt'. 

45  Er  leite  an  si  al  die  list, 
da3  e3  äne  ma3e  ist. 
Der  selbe  ritter  also  her 
er  weer'  gewaten  durch  da3  mer 
Zuo  der  kluogen  meirin, 

50  da3  er  ze  ir  komen  möhte  sin. 
Er  gedäht'  in  sinem  muote: 
»e3  kumt  mir  liht  ze  guote, 
Wan  si  ze  der  kirchen  sol  gän, 
so  mag  si  niht  gelän, 

55  Si  muo3  gän  durch  da3  holz.« 
des  vröute  sich  der  ritter  stolz, 
Ob  diu  kluoge  meirin 
wölt'  im  ein  teil  genaedig  sin. 
Der  kuene  ritterliche  man, 

60  ein  werberin  er  da  gewan, 
Der  gab  er  gäbe  unt  pfennink, 
diu  hete  balde  siniu  dink 


XL     Sic  Jftettsin  mit  *tx  ®t\\\.  289 

Geworben  gen  der  meirin, 

da3  si  wüll'  den  willen  sin 
65  Rehte  gerne  vuegen. 

des  muost'  [doch]  in  wol  benuegen.   # 

Da3  geschach  in  einer  sumerzit. 

so  ietlich  vögelin  wider  strit 

Vil  suo3e  sang,  swa  e3  sa3; 
70  do  enböt  der  hübsche  ritter  da3 

Der  vil  kluogen  meirin, 

er  wölt'  üf  gnäd'  ir  diener  sin, 

So  si  ze  der  kirchen  gienge, 

da3  si  da5  eben  vervienge , 
T6  Da  si  vünd'  ein  gruene3  zwik 

vür  sich  gevallen  in  den  stik, 

Däbi  soll'  ir  sin  bekant, 

da3  si  gieng'  ze  der  rehten  hant, 

Da3  si  in  an  derselben]  stunde 
so  sicherlich  da  vunde. 

Do  sprach  diu  kluoge  meirin: 

»da3  töet-'  'cn  Sern?  unü"  naohl'  e3  sin: 

Swä  ich  nü  hine  gän 

und  ein  wile  da  gestän, 
S.'i  So  gät  min  geswie  mit  mir 

und  ir  bruoder  uueh  mit  ir, 

Und  huetent  ze  allen  ziten  min; 

und  mag  ouch  leider  niht  gesin.« 

Der  böte  was  ein  altc3  wip, 
90  li  sprach:  »vrou,  rnines  herren  11p 

Lidet  von  iu  so  grö$e  not, 

<l;i,3  irn   WSger  waßr*  der  tot: 

Besehet,  ob  ir  die  stunt 

ienan  (so)  jevuegen  kunt, 
95  D43  min  her  l»i  iu  mii^'  weseq: 

oder  <t  ist  immer  ungenesen.« 

li  houpt  iu  <i;'i  oider  seik ; 

ein  kleine  wile  ^i  da  sweik; 

D6  si  m'i  wider  uf  sach: 
100  >,  nl  inincn  cid.    »fidd  Iprach 

iu 


290  XL.    jBHe  JWwrin  mit  tier  <&n£. 

Da3  ich  be33ers  niht  (en)wei3, 
wen:  wir  haben  eine  gei3, 
Da  gruoben  nehten  [die]  wolve  zuo; 
sprechet  ze  im,  da3  er  [ouch]  also  tut» 
105  Und  da3  er  sinen  schuoler  hei3' 
suchen  heimlich  zuo  der  gei3#, 
So  wei3  ich  wol,  ze  der  selben  zit 
da3  der  meier  niht  verlit, 
Er  louft  alic3  hinden  nach, 

10  und  ist  im  ze  helfenne  gäch, 

Er  schrit  «haha!  [ha  ha]  du  muost  hie  län!« 
so  kan  der  ritter  in  da3  hüs  gän.« 
Diu  alte  sprach:  »nü  weent '  ir  wol, 
min  herre  sich  des  vröuwen  sol, 

15  Und  muo3  ouch  immer  vrö  sin.« 
ze  hant  gieng  der  meier  in; 
Die  alten  dö  der  huoste  brach, 
da3  si  weder  sach,  noch  sprach; 
Er  wänt',  si  möhte  niht  genesen, 

20  er  hie3  ir  sin  wib  etwa3  geben. 
Dö  sprach  diu  stolze  meilin: 
»nü  muest'  si  lang  gese33en  sin, 
E  ich  ir  het'  geben  an'  iur  wort.« 
da3  düht'  den  meier  gar  ein  hört. 

25  Do  nü  diu  alte  Ü3  gienk, 
»owe!«  si  dö  schrien  vienk, 
Dö  schrei  si  al3:  »0  we  und  ach!« 
bi3  si  nie  man  me  (ge)sach, 
Dö  da  nie  man  sa3,  (?) 

30  wie  balde  si  dar  komen  was, 
Da  si  vant  den  ritter  kluok, 
si  seit'  im  liebes  hart  genuok. 
Er  sprach :  »ich  hän  üf  miner  vest(e) 
ein  schuoler,  der  rät  mir  da3  best(e); 

35  Dennoch  hän  ich  einen  kneht, 
der  vuoget  dar  zuo  vil  reht, 

1  In  der  Handschrift :  wend. 


XL.    Wu  iWt'xtx'xn  mit  t»er  ®eifi.  291 

Der  wci3  des  dinges  wol  ein  aht.« 
Da  kam  gar  ein  vinster  naht, 

Do  giengen  die  dri  dahin, 
140  unt  teten  nach  der  meirin  sin, 

Als  sich  da  diu  lere  vant, 

dö  wart  diu  gei'3  an  gerant. 

Do  diu  gei3  (lüte)  schre, 

dö  schrei  diu  meirin:  »owe! 
15  Her  meier,  hästu  niht  vernomen? 

die  leidigen  wolv'  sint  aber  komcn.« 

Bi3  da3  diu  meirin  gedsehte, 

wie  si  den  meir  üf  braehte, 

Do  het  der  schuoler  die  gei3 
50  über  mengen  zun,  Got  wei3, 

Er  bei3  si  [vil]  vast  in  das  ör(e). 

[hinden]  nach  lief  der  alte  tör(ej 

Und  schrei  a^:  »haho!  du  veiger  grüs!«  * 

dö  sprang  der  riller  in  da3  hüs. 
55  IÜ3  der  meir  dem  wolf  die  gei3  genam. 

dö  was  der  ritter  komen  hin  dan. 

Der  äventiur'  was  geswigen  [me  den]  ein  jar. 

da3  ist  sicherlichen  war: 

Wer  überig'  huol'  an  sin  wib  leit, 
00  der  verliuset  michel  arbeit. 

Da3  ist  der  meirin  maere: 

Got  bue3'  uns  [al]  unser  swaere, 

An'  alle  missewende! 

hie  hat  diu  rod'  ein  ende. 

»     lh<     II  ,  imft    fimt       ll.llll  j 


XLI. 

Wev  ttttter  unterm  jhtber. 

Von 

Jakob    A  p  p  e  t. 


Viel  "wird  erzählt,  wie  Frauen  ihre  Alarmer  überlisten.  So  ver- 
nahm ich  auch  ein  Abenteuer  aus  dem  Munde  eines  Ritters,  der  mit 
einer  Frau  lang  im  innigsten  Liebesverständnisse  lebte,  bis  es  rucht- 
bar  ward.  Ihr  Mann  hatte  drei  starke  Brüder,  die  ihm  die  stadtkundige 
Ehrlosigkeit  seines  Weibes  vorhielten;  er  wollte  es  nicht  glauben,  sie 
aber  erboten  sich,  ihn  zu  überzeugen,  und  verabredeten  alles  mit  ihm 

Am  Morgen  gab  der  Mann  eine  dringende  weite  Reise  vor,  und  hiefs 
die  Frau  das  Haus  hüten.  Sie  wollte  ihn  mit  zärtlichen  Worten,  Küssen 
und  Tbränen  zurückhalten,  so  dafs  er  sie  Tür  schuldlos  hielt,  jedoch 
hinweg  ritt. 

Alsbald  sandte  sie  zu  ihrem  Ritter,  der  auch  zur  Nacht  kam,  minnig- 
lich  empfangen  wurde,  mit  ihr  zu  Belle  ging  und  ein  Spiel  begann, 
wie  man  jenseit  des  Rheines  thut.  Sie  erzählte  ihm  noch  den  rühren- 
den Abschied:  da  war  der  Mann  schon  heimlich  mit  seinen  Brüdern 
zurückgekommen,  vernahm  beide  drinnen,  und  pochte  an  die  Thür. 
Der  Riller  sprang  auf,  und  verbarg  sich,  blofs  im  Niederkleid,  beim 
Heerd  unter  einem  Zuber;  sein  übriges  Gewand  versteckte  die  Frau, 
und  öffnele  den  ungestüm  Hereindringenden,  die  sogleich  im  Bette 
suchten,  aber  das  Nest  leer  fanden.  Sic  muste  Licht  anzünden,  der 
Mann  kehrte  das  ganze  Haus  um,  und  schall  ihre  Treulosigkeit,  die  er 
wohJ  belauscht  habe.  Sie  entschuldigte  sich  mit  ihrer  grofsen  Liebe  zu 
ihm,  dafs  sie  im  Traume  ihn  zu  umarmen  gewähnt  und  etwa  laut  ge- 
redet habe,  sie  betheuerle  ihre  Treue  und  liebkoste  ihm.  Er  besänftigte 
sich,  zumal  da  sie  selber  noch  vergeblich  suchen  half.  Er  dankte  Gott, 
dafs  der  leufel  ihn  nicht  zum  Morde  seines  Weibes  verblendet  habe, 
setzte  sich  mit  seinen  Brüdern  am  Feuerheerde,  liefs  Speise  und  Wein 
bringen,  und  alle  waren  guter  Dinge.  Einer  safs  auf  dem  Zuber,  darun- 
ter der  Killer  stak,  und  bemerkte,  dafs  überall  gesucht  worden,  bis 
auf  diesen  labtr.  Die  Frau  schall  seine  Nachläfsigkeit ,  denn  sie  habe 
wirklidi  den  Killer  darunter  versteckt  Joner  lachte,  und  wollte  sich 
nicht  riodi  mehr  beihoren  lafsen.  Sie  wiederholte,  der  Ritter  sitze 
verdrießlich  darunter  und  müfse  durch  Abenteuer  befreit  werden.  Der 
Mann  bat  sie,  ihr  Spotten  zu  lafsen,  es  sei  genug  an  des  Teufels  Spott. 
Sie  erwii'd.rt.-.  Spott  gefeite  auf  Schaden ,  und  er  solle  noch  fürder 
bethort  werden. 

Nebenan  wohnlo  eine  Beckerin  ,  der  der  Zuber  gehorle.  die  sandte 
am  Morien,  als  sie  backen  wollte,  ihre  Magd  darnach.  Die  bedrängte 
Krau  liefs  ||t  bei  ihrer  (.evaiu  i  -i  hall  biilen,  ihr  den  Zuber  noch  MI 
lalwn  und  aU  «Im-  lleckenn  abermals  ihn  lordein  lieft,  bat  sie,  sie 
durch  Weibesnolh  /u  entschuldigen.  Die  Bei  kenn  ,  die  solche  Alien- 
lener  und  der  heimlichen  Minne Kechl  wohl  verstund    zurate    defl  ihre 


Nachbarin  diefs  nicht  eher  gesagt:  sie  würde  sie  sogleich  beireit  haben 
Damit  ergriff  sie  einen  Brand,  zündete  ein  abwärts  stehendes  Scheuer- 
lein an,  und  schrie  Feuer!  Da  lief  der  Mann  mit  seinen  Brüdern  eiligst 
«um  Löschen,  und  die  Frau  liefs  unterdessen  den  Bitter  zur  Hinterthüre 
hinaus,  gab  ihm  seine  Kleider,  küsste  ihn  und  befahl  ihn  Gott.  So 
kam  er  glücklich  heim,  und  bewahrte  sieh  Weiberlist. 

Jakob  Appet   sagt:   wer  hat,   der  hüte   wohl;    verliert   er  etwa* 
ohne  es  zu  vermissen1,  was  schadet  ihm  das? 


XU. 

Di/,  ist  der  ritter  underm  zuber. 


E5  ist  uns  dikkc  wol  gescit. 

wa3  liste  und  gros'  kündikeit 

Künnent  sümelichiu  wip, 

da  mite  siu  vil  dikkc  iren  l!p 
5  Vor  im  mannen  vristent . 

die  siu  vil  dikkc  überlistenl 

l  ml  machent  si  ze  toren  gar. 

hieb!  nemet  einre  msere  war, 

Wie  einiu  ävcntiur'  beschach 
10  eime  ritter,  den  ich  sach, 

Der  mirl3  mit  sinem  munde 

seite  ze  einre  stunde  : 

Er  minnete  eine  wirlin  . 

diu  selbe  ouch  sere  minKet'in. 
15  Si  beten  b8de  an  ander  liep; 

ii   Eweiger  rriuntschafl  möht'  ein  diep 

Unsanfte  in  beiden  hän  verstoln. 

wenn«-  e$  mohte  stn  verhöhi . 

So*  körnen  si  ze  ein  and 
20  10  enwart  nie  saiamandei 

In   dem   hei yw   \ime   Im-  . 

«leime  in  zwein  blnander  wai 
Diu  muiiiIm  h.iii  \w\  te  langen  lab  i 
te  jüngeal .  ah  melde  nie  geiai 
2>  Dei  \mii  bete  itarkei  bniedei  drl 
nach  langei   rede     wie  dem 


298  XLI.    Per  Witt«  unterm  £uber. 

Diu  m<ere  si  bevunden, 

si  begunden  an  den  stunden 

Den  bruoder  strafen  sere: 

30  »da3  dir  Got  alle  din  ere 
Neme,  du  rehte  boesewiht!« 
sprächen  si  c  weist  du  niht, 
Wie  man  von  dinera  wibe  seit 
so  rehte  gros'  unstaHikeit? 

35  Siu  minnet  einen  ritter, 
der  lebet  also  milir, 
Da3  wir  sin  haben  schände 
in  allem  disem  lande.«  l 
Der  wirt  sprach:  »da  ist  niht  an, 

40  min  wip  enminnct  keinen  man 
Anders,  waerlich,  danne  mich, 
des  wolT  ich  swern  sicherlich; 
Siu  ist  so  staete  und  ist  so  guot, 
ich  wei3  wol,  da3  siu  niht  entuot.« 

45  Si  sprächen:  »e3  ist  sicher  war, 
siu  tribet  e3  ieze  wol  ein  jär, 
Da3  siu  in  offenlichc  hat, 
e3  wei3  gemeinliche  al  diu  stat, 
Kint,  wip  und  alle  die  man; 

50  des  lasters  maniger  dir  verbau.» 
Do  sprach  der  wirt:  »da3  ist  mir  lei(. 
wie  bevinde  ich  nü  die  wärheit?« 
Sprach  er  aber  zuo  (z')in.  — 
»wiltü  nü  hoeren  unsern  sin 

55  Und  wilt  der  wärheit  kumen  zuo, 
so  soltu  sprechen  morne  vruo, 
Du  wellest  riten  etewar: 
des  nahtcs  so  kum  wider  har, 
Und  lä3  uns  alle  mit  dir  gän 

60  und  vür  alle  ire  türen  stän, 


1  M.  verkürzt  Z.  35—88: 

Wie  siu  einen  ritter  minnet, 

da.5  dir  unde  uns  niht  wol  an  zinict. 


XLI.    jDcr  Bitter   unterm  3ubrr.  299 

Und  gang  du  selber  an  die  want, 

so  hoerest  in  dinne  alzehant.« 
Der  wirt  des  rätes  schiere  pflak, 

morne  vruo  dö  e^  wart  tak, 
65  Und  er  sich  schöne  an  geleit 

und  sich  diu  vrouwe  ouch  hat'  bereit, 

Dö  sprach  er:  »liebe  vrouwe  min, 

la  dir  min  hüs  bevolhen  sin; 

Wan  ich  in  disen  ziten 
70  muo3  verre  von  dir  riten; 

Mir  ist  solichiu  botschaft  getan, 

da3  ich  e$  nicht  mag  abe  län; 

Und  enkume  niht  in  kurzer  vrist: 

huete  wol,  also  liep  du  mir  bist.a 
75  Dö  sprach  diu  vrouwe:  »wa3  seist  du? 

wiltu  aber  von  mir  nü? 

Wa3  wiltu  da  mite  meinen?« 

siu  begunde  weinen 

Und  sprach:  »grÖ3'  sünde  du  begast, 
SO  da3  du  mich  alters  eine  last. 

Lieber  wirt,  belib  bi  mir; 

wan  ich  din  also  küme  enbir.« 

Von  triuwen  rette  siu  niht  da3: 

ir  tet  da3  hinscheiden  ba3; 
85  Wan  siu  des  was  von  herzen  vrö. 

mit  armen  umbe  vieng  siu  in  dö 

Unt  kuste  in  mit  irem  munde: 

der  kus  gienk  niht  von  gründe. 

Siu  sprach:  «min  lieber  trüler  will. 
90  wie  küme  diu  min  lip  cnbirl!« 

Doch  d.iht'  siu  heimlich:  >;da3  ist  war, 

ach  Got,  wen  wahrest  du  ein  jär, 

D«3  vvolt'  ich  harte  ringe  wegen, 

und  li('3c  diu  dort  den  tiuvcl  pflegen, 
96  Und  bei'  ich  hie  niinnc  und  gemaefa 

mit  dem,  den  ich  ie  gerne  MCh.« 

Vor  Um  siu  gn">3c  trchen'en)  Ifci 

d§3  wenig  ir  ze  herzen  ^<* 


300  XLI.    Per  Bitter  unterm  3uber. 

Da,3  gröse  weinen  da3  siu  tet. 
100  der  wirf  vil  nach  verzaget  het, 

Da3  er  beliben  wolte  sin;  * 

er  däht[e]:  »däst  war,  die  brueder  din 

Die  hänt  dich  sicherlich  betrogen; 

wan  si  hänt  üf  din  wip  gelogen.« 
5  Und  sprach  ze  ir:  »gehabe  dich  wol.« 

siu  sprach:  »ich  tuon  ba3?  dan  ich  sol, 

Wan  mir  din  hine  vart  swaere  liU< 

er  sprach:  »tuo  wol,  03  ist  ritens  zit.« 
Alsus  der  wirt  von  hüse  reit. 
10  dem  rilter  wart  dö  balde  geseit, 

Da3  er  des  nahtes  kseme  ze  hüs, 

der  wirt  wssre  geriten  113; 

Er  solte  hän  minne  und  gemach. 

»der  riche  Gol  mich  ie  gesach.« 
15  Sprach  der  ritler,  und  was  vrö. 

üf  huop  er  sich  balde  du 

Des  nahtes  unde  kam  al  dar. 

diu  vrouwe  nam  sin  schöne  war, 

Und  hie3  in  Gote  wilkome  sin: 
20  »vriunt  und  lieber  herre  min, 

Nu  süln  wir  wunneklichen  leben, 

sit  uns  Got  den  tag  hat  gegeben , 

Da3  uns  gerümet  hat  min  man. 

ir  sült  gar  kleine  sorge  hän, 
25  Da3  er  iht  kume  in  kurzer  stunt, 

da3  hat  verjehen  mir  sin  munt.« 

Siu  truog  dar  ir  amise 

vil  reinre  guoter  spise, 

Darzuo  den  allerbesten  win; 
30  siu  sprach :  »vil  lieber  herre  min , 

»Nu  sült  ir  leben  ime  süse, 

ir  sit  hie  wirt  ze  hüse,  2 

1  M.  lieft  hier  noch  : 

Er  gedähte :  ,,diz  ist  niht  war , 
daz  ist  kunl  unde  offenbar." 

2  Diese  beiden  Zeilen  läfslM.  aus,  und  ändert  die  i  vorhergehenden 
l'eberhaupl  weicht  von  hier  an  IM.  stärker  ab 


XL1.     Da   XWiUt  unterm   Silber  301 

\V;ij  ir  weit,  da5  ist  geschehen, 

dawider  getar  nie  man  jenen. 
135  Doch  wil  ich  iu  sagen  den  murz. 

wol  üf ,  63  ist  zit,  diu  naht  ist  kurz. 

Wir  süln  ze  saraen  släfen  gan.a 

der  ritter  sprach:  »da3  si  getan. 

Des  ir  gert,  des  bin  ich  vrö.« 
40  si  giengen  mit  ein  ander  do 

Ze  bette  do  ze  stunden, 

eins  spiles  si  da  begunden, 

Also  man  jensit  Rines  tuot:  * 

da3  spil  den  wirt  niht  dühte  gm«! 
45  Do  da,5  spil  ein  ende  nam. 

diu  vrouwe  sagen  do  began, 

Wie  von  ir  gescheiden  was 

ir  man  vil  gar  äne  allen  ha3, 

Und  wie  siu  drumbe  weinte. 
50  und  da3  niht  anders  meinte, 

Wan  da3  siu  was  des  scheidens  vrö. 

alsus  seite  siu  [dem  ritter]  dö 

Diu[selbenJ  msere  dem  ritter; 

da3  düht[e]  den  wirt  gar  bitter. 
56  Der  [wirt]  was  des  abendes  wider  komen. 

und  hele  werk  und  rede  vernomen; 

Und  darzuo  siner  brueder  dri, 

die  im  da  stuonden  nähei  bi. 

Si  sprachen:  »bruoder,  huerstu  in  daV?c» 
60  »en  triuwen/t  ipracfa  er  abruoder,  ja. 

Ich  hieie  in  leider  dinne, 

mich  triegen  den[ne]  min[e|  sinne. 

Heide,   man   und  mich  min   wip; 

däst  war,  es  gilt[etj  ir  beider  llp 
iV6  Die  brueder  sprachen:  »so  i^t  es  t\t 
begunden  friderstrtt 

Klopfen  harte  »Are. 

>jo \sr ,  iemeff /ihm 

Sprach  der  ritter  »war  lol  ich, 

70  dl  ich  irol  rerberge  mich 


302  XLI.    Wex  lütter  unterm  3nber. 

Do  sprach  diu  vil  gehiure:« 

«da  Ü5e  bi  dem  viure 

Ein  vil  grÖ3er  zuber  stat , 

da  sliefet  under,  das  'st  min  ™l-(( 
175  Der  ritter  niht  3e  traege  was, 

under  den  zuber  er  dö  sa3, 

Ze  male  bark  er  sich  darin. 

sin  hübe  vvaer'  ich  lieber  gesin 

Des  mäles,  den[ne]  sin  niderkleit, 
80  als  er  mir  selber  sider  seit'. 

Die  wile  verbarg  siu  sin  gewant 

also  da3  e3  nie  man  vant. 

Do  da3  verbergen  geschach, 

dort  Ü3e  der  wirt  mit  zorne  sprach: 
85  »Wiltu  mich  niht  lä3en  in«? 

»ja,  vil  lieber  meister  min.« 

Siu  zuhte  die  tür  üf  schiere; 

dö  drungen  si  alle  viere 

In  da3  (hüs)  in  wette, 
90  si  suohlen  an  dem  bette, ' 

Ob  ieman  daran  waere: 

dö  vunden  si  e3  laere? 

Die  vogel'  wären  Ü3  gevlogen. 

der  wirt  wart  gar  ungezogen, 
D5  Dö  er  nie  man  dinne  ervant: 

»zünd'  üf  ein  lieht!«  sprach  er  zehant 

>-Lä  mich  ersuochen  alle  gadcn 

nach  dem,  der  mir  tuot  grÖ3en  schaden 

An  guote  und  an  eren.« 
200  er  begunde  da3  hüs  umb  keren. 

Diu  vrouwe  sprach:  »wie  verstu  sus«? 

er  sprach:  »da  muostu  boeser  nus« 


1  M.  ließ: 

Mittenaoder  in  da3  hüs, 

dem  ritter  machten  si  grölen  grüs. 

linde  suocheten,  ob  ff. 


XLI.    2er  ttitter  tmterm  3nber.  303 

Von  mir  noch  hiute  erb?3en. 

wiltu  mich  so  beseiten .  * 
•205  Du  boese  lottervalle! 

joch  hört'  ich  iuwer  kalle, 

Die  ir  tribet  bedesant, 

dö  ich  stuont  bi  iu  an  der  want 

lud  ir  min  nämet  kleine  war, 
10  dö  hört'  ich  iuwer  kallen  gar.« 

Siu  sprach:  »da3  la  mich  dir  sagen, 

ich  wil  e3  Gote  von  himel  klagen, 

Da3  ir  mich  hat  erschrekket 

und  alse  unsanfte  erwekket, 
15  In  eime  troume  dö  ich  lak 

und  ich  vil  grÖ3er  vröuden  pflak; 

Ich  wände,  da3  ich  dich  hette 

bi  mir  an  dem  bette, 

So  rette  ich  vil  Mite  etewas; 
20  wan  ich  din  selten  ie  verga,5; 

Wan  wer  dem  andern  guotes  gan, 

küme  er  des  verge33en  kan, 

Er  släfe  oder  wache. 

kumel  mir  das  z'ungeinache, 
25  Da3  ich  hän  gegen  dir  triuwe  grÖ3, 

so  engilte  ich  des  ich  nie  genö3, 

L'nd  mag  mir  iemer  werden  leit 

min  triuwe  und  ouch  min  staetikeit; 

Wan  du  zuo  keinen  stunden 
30  hast  untriuwe  an  mir  bevunden; 

Wes  zlhest  du  mich  arme3  wlp? 

ze  pfände  sez  ich  mlnen  11p, 

Da3  nie  kein  wlp  häte  einen  man 

so  rehte  liep,  als  ich  dich  hän.« 
35  Dö  der  wirt  die  rede  bevanl, 
do  begund'  er  muten  da  zehant 

I   In   M.   lauten  diele  3   Zeilen  I 

VM   w.i-risiu  \in<l<n  in  <l*ni  Im 

El  sprach:   Jt>MdltS6tiU  midi  alsA, 

des  mahlu  z'wär  wesen  vrA. 


301  XU.    $n  Bitter  unterm  £ulm\ 

Und  1103  ein  teil  sin  wuclcn. 
»Got  mucsc  dich  behueten 
Vor  allem  leide!«  sprach  siu  do 

*2I0  «lieber  wirt,  wie  tuostu  so 
Gegen  dimc  reinen  wibe? 
Got  rech'  e$  an  irem  Übe! 
Die  dich  darzuo  bringen, 
mir  zuo  ungclingen, 
45  Da3  du  mich  bringest  ze  niofe  hie.« 
mit  armen  siu  in  umbe  vic, 
Siu  sprach:  »du  solt  din  zürnen  län.« 
do  sprach  der  wirt:  »das  sl  getan.« 
Er  lie  sin  zürnen  do  zehant; 

50  siu  half  ouch,  da3  er  nie  man  vant, 
Beide,  hörte,  noch  ensach. 
zuo  den  bruedern  er  do  sprach : 
»Der  tiuvel  mit  uns  umbe  gat, 
der  dikke  mort  geschaffen  hat, 

55  Der  wolte  lihte,  da3  ich  min  wip 
ermordet'  unde  da3  min  lip 
Davon  würde  ze  spotte. 
ich  dank'  es  iemer  Gote, 
Da3  des  tiuvels  boesiu  kralt 

60  hie  niht  ist  worden  sigehaft.« 

Sus  nam  der  zorn  ein  ende  gar. 
der  wirt  hie3  balde  tragen  dar 
Spise  und  darzuo  guoten  win; 
er  und  ouch  die  brueder  sin 

05  Zuo  dem  viure  sä3en 
unt  trunken  unde  a3en, 
Ir  schallen  da3  was  harte  grÖ3. 
da3  doch  den  ritler  sere  verdrös, 
Der  da  under  dem  zuber  lak 

70  und  da  vil  kleinre  vröuden  pllak. 
Einer  üf  den  zuber  sa3, 
da  der  ritter  under  was, 
Er  sprach:  »nü  hän  ich  alles  gar 
das  hüs  ersuochet  har  und  dar, 


XLI.    Jfrex  bitter  unterm  Ünbex  305 

275  Wan,  under  disem  zuber  hie, 

darunder  gesuochete  ich  nie.« 

Mit  der  viuste  er  den  sluok. 

diu  vrouwe  sprach:  »däst  ungevuok , 

Da3  du  des  niht  enruochest, 
80  under  dem  zuber  suochest, 

Wan  er  ist  drunden,  \vi53est  da3, 

der  bi  mir  an  dem  bette  was. 

Was  er  eht  an  dem  bette  da, 

so  vindestu  in  da,  niht  anders wa, 
85  Wan  ich  in  drunder  sliefen  hie3, 

dö  min  man  an  die  türe  stie3, 

Die  rehte  wärheit  ich  dir  sage; 

suochestu  in  niht,  so  bist  ein  zage.« 

Des  begunde  er  lachen: 
90  »wiltn  mich«  sprach  er  »machen 

Zuo  eime  tören?  sage  mir; 

des  rates  ich  niht  volge  dir. 

ja  sin  wir  genuok  verteeret.« 

siu  sprach:  »däst  war,  er  hoeret, 
95  Wa3  wir  alle  hän  geseit; 

ime  ist  da3  lange  sizzen  leit, 

Wan  ime  ist  vröude  tiure. 

mit  vremder  aventiure 

MU03  er  von  iu  werden  braht, 
300  swie  übcl3  ir  über  in  hat  gedaht.« 

Der  wirt  sprach:  »liebe  wirtin, 

du  solt  diu  spotten  lä3en  sin; 

lief  ich  in  vunden  hinne, 

ime  wajren  dine  minne 
5  Zc  süre  worden,  samir  Got! 

davon  so  KI5  uns  Ine  ipot; 

Min  ist  gespottet  harte  genuok: 

da3  tet  des  liuvels  iinvuok.«  ' 

DA  sprach  aber  diu  wirtin 
10  vwol  rerftandenre  Twister  min. 

1  In  M.  ffhl'-n  diese  ln-iilen  Zeilen 

•     4      Har--    1    'in»ifiip|..l.»nl»n»r       II  '2,{  ) 


306  XLI.    $>«  Witter  unterm  *nber. 

Spot  nach  schaden  hoeret. 
ir  werdet  ba3  vertoBret, 
Da3  wil  ich  offenliche  sagen.« 
innen  des  begund'  e3  tagen. 
315      Nu  was  gese33en  neben  in 

ein  hüsbach  [kluoge]  brötbekkerin,  * 
Diu  wol  der  maere  sich  vcrstuont, 
alse  hübsche  vrouwen  dikke  tuont,  2 
Diu  wiste  wol  der  minnen  reht, 

20  siu  wiste,  bede,  krump  und  sieht, 
Wa3  heimeliche  minne  hörte  an, 
darüf  siu  sich  gar  wol  versan; 
Der  selben  ouch  der  zuber  was, 
da  der  ritter  under  sa3, 

25  Diu  wolte  des  morgens  bachen 
unde  ir  teig  machen,  3 
Do  muoste  siu  iren  zuber  hän;  ■ 
siu  sprach  ze  der  megede:  »gä  hindan 
Zuo  minre  gevatern  hüs , 

30  bring  mir  den  zuber  balde  herÜ3, 
Den  ich  ir  nehten  späte  lech, 
und  ircn  ungerne  verzech.« 
Diu  maget  diu  gienk  balde  dar, 
siu  sprach:  »vrouwe  min,  gät  har, 

35  Gebt  uns  den  zuber  wider  hein, 
wir  mue3en  in  haben  über  ein.«  * 
Diu  vrouwe  sprach:  »min  trüt  gespil, 
hoere,  wa3  ich  dir  sagen  wil, 
Sage  dinre  vrouwen,  er  si  haft, 

40  da3  siu  durch  rehte  gevaterschaft 
Mir  den  zuber  lä3e  hie; 
siu  tct  mir  so  liebe  nie.« 


i  In  M.  fehlt  hüs  bach. 

2  Auch  diese  beiden  Zeilen  fehlen  in  M. 

3  Beide  Zeilen  fehlen  in  M. 

*  Für  diese  4-  Zeilen  sieht  in  M.   nur : 

Siu  sprach:  ,,min  vrouwe,  da3  si  getan," 
siu  kam  zuo  der  Wirtin  gän. 


XLI.    Der  XYxtitx  unterm  3uber.  307 

Diu  maget  diu  gienk  wider  hein. 

diu  vrouwe  sprach:  »bringestu?«  —  »nein.« 
345  Siu  sprach:  »wie  gevueget  sich  da3?«  — 

»vrouwe,  siu  wil  in  brüchen  ba3, 

Und  wil  e3  ze  grÖ3em  dienste  hän, 

weit  ir  ir  den  zuber  lan.« 

Diu  vrouwe  zurnde  sere, 
50  siu  sprach:  ȟf  alle  min  ere, 

Hei3  mir  den  zuber  wider  gen; 

oder  es  muo3  alle3  da3  vernen, 

Da3  in  dirre  ga33en  ist, 

samer  der  werde  sue3e  Krist!« 
55  Diu  maget  gie  balde  wider  dan, 

siu  sprach:  »ich  muo3  den  zuber  hän, 

Vrouwe,  da3  geloubet  mir.« 

siu  sprach:  »gä  wider,  und  sage  ir, 

Wibes  not  diu  irre  mich; 
t>0  niht  me  ze  dinre  vrouwen  sprich: 

Ich  hän  dävür,  siu  merk'  C3  wol, 

des  ich  ir  getrüwen  sol.«  ' 

Diu  maget  gie  wider  hein  und  sprach : 

»vrouwe  min,  hat  guot  gemach, 
<>5  Des  zubers  mue3et  ir  enbern; 

des  wil  ich  iueh  mit  triuwen  wern, 

Wanne  e3  meinet  wibes  not.« 

»lösä!«  [sprach  siu]  »durch  des  tiuvels  tot! 

Bristet  minre  gevatern  anders  niht? 
70  da3  ist  ein  wunderlicher  sit',  2 

H<:te  siu  mir  des  hiute  [lange]  gedäht, 

ich  hetc  sie  von  sorgen  bräht, 

Swic  zornig  min  gevater  sl.« 

nü  stuont  ein  schiurlin  dlbl 
1)  Ein  wemnk  von  dem  hüse  hindan, 

dn,5  zunte  diu  brotbekkerin  an 

'  /    'M:>,-i>2  fohtM  in  M. 
J  M    hrjt : 

des  wund'ri  nur  h  ,  worin»  dm  gOMfeiht, 
laftt  die  drei  folgenden  Zeilen  am,  und  fahrt  fort: 

ich  wil  iie  muhen  indes  vri. 


308  XLI.    UJer  Bitter  unterm  Juber. 

Mit  eime  viure  säzehant. 

dö  da3  schiurlin  was  enbrant, 

Do  schre  siu:  »viurä!«  i  sere. 

80  wa3  sol  diu  rede  mere? 

Dar  kam  geloufen  manig  man, 
der  wirt  mit  sinen  bruedern  kan 
Geloufen  zuo  dem  viure. 
die  wile  diu  gehiure 

85  Den  zuber  abe  dem  ritter  stie3, 
zer  hindertür  siu  in  113  Iie3, 
Diu  kleider  gap  siu  im  an  den  arm, 
siu  sprach:  »nü  mue3e  iuch  Got  bewarn!« 
Unt  kuste  in  guetlich  an  sin  munt. 

90  hin  schiet  der  ritter  da  zestunt. 
Alsus  so  wart  der  wirt  betrogen. 
diz  msere  ist  war  und  niht  gelogen. 
Wip  künnen  grÖ3e  kündikeit: 
alse  Iakob  Appet  dö  hat  geseit: 

95  Der  habe,  der  huete  deste  ba3; 
verliurt  er  iht,  wa3  schat  ime  da3?  2 

1  viurio  !  M. 

3  Anstatt  der  3  leinten  Zeilen ,  schliefst  M.  dreireimig : 

da3  ist  uns  dikke  vor  geseit. 

des  mügen  siu  wol  sin  gemeit. 


XLII. 

pie  treue  JWao> 


Höret  Alle  meine  heilsame  Rede.  Niemand  kennt  genugsam  die 
böse  Welt:  jedoch  soll  er  klüglich  thun,  wie  einst  ein  Schreiber  (Stu- 
dent ,  der  täglich  zwei  Gebete  sprach:  eins  des  Morgens,  an  den 
dreieinigen  Gott  um  Behütung  vor  Schaden;  und  eins  gegen  Abend,  an 
die  Heilige  Gertrud  um  gute  Herberge.  Der  junge  Schreiber  war  eines 
reichen  Herrn  Sohn,  fleifsig  zur  Schule,  und  so  tugendsam ,  dafs  er 
überall,  wo  er  hinkam,  Heiterkeit  verbreitete.  Da  fing  er  an,  über  die 
Zierheit  Freude  der  Welt  nachzusinnen,  von  welcher  er  so  mancher- 
lei hörte.  Er  befragte  seines  Vaters  Knecht  deshalb.  Dieser  pries  ihm 
das  [Leben  der  Fürsten  und  Edelherren  ,  die  stäts  in  .hohen  Ehren, 
Festen  und  Ritterspielen  leben.  Ein  Anderer  pries  mehr  die  Pfaffen 
Geistlichen),  welche  sich  hoher  Künste  und  Lehre  befieifsen,  und  da- 
durch gemächlich  und  geehrt  leben.  Der  Dritte  erhob  über  beide  die 
zarten  minniglichen  Frauen  und  ihre  Freuden.  Der  junge  Schreiber 
beschlofs  hierauf,  sich  den  Künsten  (WTifsenschaftem  und  zugleich  dem 
Frauendienste  zu  widmen,  und  bat  seinen  Vater,  ihn  noch  mehr  lernen 
zu  lafsen.  Der  Vater  sagte,  wenn  er  das  gewust,  hätte  er  ihn  längst 
nach  Padua  oder  Paris  gesandt;  er  gab  dem  Sohne  Silber  und  Gold 
und  einen  Zelter,  darauf  nach  Paris  zu  reiten.  Die  Mutter  gab  ihm 
beim  zärtlichen  Abschiede  noch  50  Gulden  (Goldstücke).  Freunde  und 
Verwandte  begleiteten  ihn  bis  auf  eine  weite  Heide. 

Der  Schreiber  ritt  in  Gottes  Namen  allein  fürder.  Da  traf  er  unter- 
weges  reiche  Krämer  und  Kaufleule,  gesellte  sich  zu  ihnen,  und  sie 
ritten  fröhlich  60  Meilen  zusammen,  bis  zu  einer  Stadt,  von  welcher 
l«iK'  heimkehrten.  Kr  wollte  hier  nicht  sein  Gut  verzehren,  hefahl 
sich  dem  dreieinigen  Gott,  und  ritt  einsam  weiter.  Als  die  Sonne 
unterging,  bevor  er  die  nächste  Stadt  erreichen  konnte,  da  rief  er  zur 
Heilten  i.iihiiil  um  Herlx ffgfl ,  versah  sich  jedoch  im  Walde,  noch 
'i  Meilen  roa  lei  Steil,  übernachten  tn  miifscn,  und  lieft  sein  Pferd 
gemächlich  gehen.  Da  >,iii  er  seitwärts  ein  Mägdlein  Lämmer  und 
BehWlUM  MM  4m  Heule   treiben,   dankte  Gott,   dafi  er  Leute  antreffe, 

und  rill  nach  einem  Hole,  und  spornte  sein  Pferd  stattlich  hinein.  Km 
Kindlein  sah  ihn.  Iie|  |.in  und  meldete  es  der  Herrin.  Diese  Irat  an 
ein  Fenster ,   und  der  holeliche   Schreibet    Mb   liC  Oben   stehen.   \>ie  eine 

Imm    du-  lieh  mb  Hergen  inbebliefjt.    Neun    Lugen  spielten    ergrüfttc 

und  (ragte  uai  h  dem  Herrn.  Die  Iran  erv.ied.Me  ihr  Mann  sei 
»■ehori  ul.'-i  drei  l.i.e  ,iu|>eu.  und  Iragle,  oh  er  elv-e-  l.e.luile  Er  bat, 
allein  atner  liemd-i  MNUeV,  nur  um  »um-  ll<i  l.<i  -••  Die  Iran  wai 
erhohu   ;iiii  h    WOhl   seiner    dni    /u    beh.i  hergen.    wenn    iln  Mann  /.n  HaUSC 

Der  Schulet  bal  sie  um  Goltei  willen ,  weil  ihn  du- Madt  bu ferst 


wär^.'.  Er  redete  so  zutraulich,  dafs  der  Frau  das  Herz  im  Leibe  lachte, 
und  sie  minniglich  antwortete,  sie  thäte  es  gerne,  wenn  nur  die  Leute 
nicht  so  lästerlich  wären.  Da  tröstete  der  Schreiber  sich  mit  dem 
Spruche:  ,,was  nicht  sein  kann,  darnach  soll  man  nicht  ringen;"  er 
hoffte  dennoch  bessern  Abend,  und  wollte  fürder  durch  die  Nacht  rei- 
ten. Die  Frau  hielt  ihn  noch  mit  lieblichen  Worten  auf;  ihr  ward  so 
weh  ums  Herz,  und  gerne  hätte  sie  noch  lange  mit  ihm  gesprochen. 
Indem  kam  ein  Knappe  über  den  Hof,  der  grüfste  den  Jungherrn, 
nahm  ihm  das  Pferd  ab,  und  sagte  der  Frau,  es  sei  der  Sohn  eines 
reichen  Mannes,  dem  er  lange  gedient  habe,  und  bat  für  ihn  um  Her- 
berge. Da  willigte  sie  ein,  liefs  das  Pferd  in  den  Stall  ziehen,  und  dem 
Schreiber  IVJalwasier  und  Romanischen  Wein  schenken.  Darnach  ward 
ihm  Handwalser  gereicht,  und  lud  sie  ihn  zum  Abendbrod.  Er  safs 
neben  ihr,  und  sie  war  so  minniglich  und  sah  ihn  stäts  so  lieblich  an, 
dafs  er  zu  den  wundersamsten  Reden  aufgeregt  ward.  Alle  lachten  dar- 
über, und  die  Frau  entbrannte  dermafsen,  dafs  ihr  die  Speise  im  Wunde 
erstarb,  und  ihr  so  wehe  ward,  wie  dem  Fisch  an  der  Angel.  Auf  seine 
Verwunderung  darüber,  entschuldigte  sie  sich,  dafs  ihr  das  Herz  wehe 
ihue,  wenn  sie  am  fröhlichsten  sein  sollte;  sie  stund  auf  und  gab  ihm 
ihren  Segen.  Dann  hiefs  sie  ihre  Mägde  dem  Gaste  betten  ,  wie  einem 
Herrn,  dafs  er  morgen  früh  bei  der  Abreise  ihnen  danke,  und  legte 
sich  nieder.  Als  aber  auch  der  Gast  und  alles  Gesinde  schlafen  ge- 
gangen waren,  da  stund  sie  wieder  auf  und  ging,  von  der  Minne  be- 
zwungen, zu  dem  Gaste;  sie  umarmte  ihn,  und  sagte,  sein  junger  Leib 
lödte  sie.  Er  wüste  nicht,  was  er  gethan,  und  bereute,  wenn  er  etwas 
geredet  habe,  das  ihr  Leid  sei.  Sie  beruhigte  ihn  darüber:  sie  komme, 
mit  ihm  zu  kosen  und  auf  dem  Minnefelde  mit  ihm  Rosen  zu  brechen. 
Er  hielt  es  für  Scherz;  sie  versicherte  ihn  jedoch  ihres  Ernstes,  und  er 
gab  sich  ihr  ganz  zu  eigen,  und  erwiederte  ihre  Küsse  mit  inniger  Um- 
armung.   Was  weiter  geschah,  kann  ich  nicht  errathen. 

Als  es  Tag  ward  und  beide  entschlafen  waren  ,  kam  der  Wirth  heim 
mit  zweien  ihrer  Brüder  und  stieg  im  Hofe  vom  Pferde.  Die  Dienst- 
magd kam  herbei ,  und  der  Wirth  ,  der  mit  seinen  Schwägern  in  das 
Gastzimmer  trat,  hiefs  sie  Feuer  anmachen.  Die  beiden  lagen  dort  im 
liefen  Schlafe,  und  hielten  sich  so  fest  umschlungen,  dafs  es  aussah, 
als  wenn  nur  Flin  Mensch  im  Bette  läge,  Als  der  Wirth  beim  Scheine 
des  Feuers  sie  sah,  sagte  die  Magd  ihm,  wer  es  wäre.  Der  Herr  hiefs 
den  Gast  ruhig  schlafen  lafsen  ,  und  als  der  eine  Schwager  den  weifsen 
Arm  bemerkte,  den  die  Frau  aus  dem  Bette  streckte,  meinte  der  Wirth, 
so  ein  Schreiber  habe  ein  gemächliches  Leben  und  sei  nur  auf  Frauen- 
dienst bedacht.  Der  andere  Schwager  rühmte  darauf  die  weifse  Hand 
des  Gastes,  und  der  Wirth  erklärte  es,  weil  die  Schreiber  keine  Äxte 
und  Hauen  angreifen.  Er  hiefs  die  Magd  seine  Frau  aufwecken,  und 
als  diese  das  Bette  derselben  leer  fand,  erschrak  sie,  und  vermulhete 
sogleich,  dafs  sie  bei  dem  Schreiber  läge.  Sie  zerschlug  und  zerraufte 
sich  ,  ging  jedoch  wieder  zum  Herrn,  und  entschuldigle  die  Frau  durch 
Wehtage,  dafs  sie  nicht  sogleich  käme.  Sie  nahm  einen  Tisch  und 
stellte  ihn  an  das    Feuer,    damit  der  Schreiber  nicht    von  dem  Rauch 


erweckt  würde.  Als  aber  die  Frau  immer  noch  nicht  erschien,  ward  dti 
Wirlh  ungeduldig,  und  befahl  der  Magd  abermals  sie  zu  rufen.  Die 
Magd  ging  mit  einer  Kerze  in  ihre  Kammer,  klebte  die  Kerze  an  ein 
Fensterlein,  und  safs  auf  dem  Bettbreüe,  wand  jammernd  die  Hände, 
und  wüste  nicht,  was  sie  thun  sollte.  Da  gab  St.  Gertrud  ihr  einen 
Rath:  sie  ging  wieder  ins  Gastzimmer,  meldete,  die  Frau  kleide  sich 
an  und  werde  alsbald  kommen;  sie  selber  müfse  in  den  Hof  gehen,  zu 
sehen,  warum  die  Ferken  so  laut  grunzen.  Nun  lief  sie  schnell  ums 
Haus,  nahm  die  Kerze  aus  ihrem  Kammerfenster,  rannte  damit  zur 
Scheune  und  entzündete  das  Dach.  Dann  eilte  sie  wieder  zum  Hause, 
und  rief:  ,,lo  Jodute!"  (Zeter!)  Die  Herren  sprangen  hinaus  zu  löschen, 
und  die  Magd  schlüpfte  hinein;  sie  weckte  die  Frau  und  den  Schreiber, 
die  beide  erschrocken  auffuhren  ,  sich  schnell  ankleideten,  und  nun  alles 
vernahmen.  Der  Brand  wurde  bald  gelöscht,  und  die  Frau  ging  hinaus 
ihren  Mann  und  Brüder  zu  empfangen.  Der  Schreiber  trat  auch  hervor, 
und  der  Wirlh  bedauerte,  dafs  er  so  unsanft  geweckt  worden,  und  lud 
ihn  freundlich  ein;  so  dafs  er  noch  drei  Tage  bleiben,  und  mit  ihm 
und  den  Schwägern  zu  Gaste  umherreiten  muste.  Als  sie  wieder  heim- 
kamen,  vergafs  der  Schreiber  nicht  sein  Gebet  an  St.  Gertrud,  und 
wurde  von  der  Frau  minniglich  empfangen.  Sie  koste  heimlich  mit 
ihm,  gab  ihm  einen  Goldring  mit  einem  Edelsteine,  wohl  10  Mark 
wcrih,  kiisste  ihn,  und  bat  ihn  zu  schweigen  und  wiederzukommen, 
wenn  er  heim  reite.  Er  verhiefs  es,  umarmte  sie  herzlich,  und  Beide 
schieden  freudig,  obschon  mitlhränen.  Hierauf  dankte  er  dem  Herrn 
für  die  gastliche  Aufnahme,  und  ritt  nach  Paris. 

Er  ward  ein  hochgelehrter  Mann:  aber  stäts,  wenn  er  in  die  Vor- 
lesungen gehen  sollte,  gedachte  er  mit  inniger  Freude  der  Frau,  die 
ihm  so  J.iebes  gethan  hatte.  —  Wem  Gott  das  Heil  gönnt,  dem  ge- 
lingen noch  wohl  hübsche  Dinge. 

Dieb  Mahre  heifst  die  treue  Magd,  deren  Treue  den  Tod  nicht 
rttrehtele.  Drum  hüten  wir  alle  Gott  und  die  Heilige  Jungfrau,  dal's 
wir  am  jüngsten  läge  mit  solcher  Treue  bestehen  mögen  ,  wie  diese 
Magd  im  Diesel  ihrer  Frau.    Amen 


XLII. 

De  truwe  maged. 


M u  höret  algelike, 
se  sin  arm  idder  rike: 
wil  he  de  land  buwen, 
he  ensal  sik  nicht  laten  ruwen, 
5  he  enmerke,  wat  ik  sage, 
so  setlet  he  uppe  de  wage, 
beide,  levent  unde  gud; 
nein  man  weit  der  werlde  mud, 
se  is  leider  bos  genoch, 

10  doch  sal  ein  man  wesen  kloch, 
und  don,  als  ein  skrivcr  dedc, 
he  spr.ik  alle  dage  twe  bede, 
des  morgens  wan  he  solde  ut  gan, 
so  gink  he  mid  bcdcndc  dan; 

15  dat  God  durch  sine  namen  dri 
ome  makede  van  allen  jamer  vri ; 
^an  dat  an  den  avcnt  trat, 
<lal  ander  betfa  be  denne  bat, 
«lir  ei.   bemelll   idder  lud  . 

•*)  der   bilg€D   ItlDte   (ierhud. 

dal  ic  ■  nie  icbopc  berberge  gud , 

ik  mcnc   wol  an  mim»-  mini. 


316  XIII.    UKe  treue  Jktaafc. 

hedde  dat  sulve  beth  (nicht)  gedan, 

dat  were  ome  jamerliken  gan. 
25  wo  deme  skriwer  lang, 

dat  sage  ik  ju,  hedde  ik  des  dank; 

höret,  wo  eme  si  gelungen, 

van  jaren  was  he  junge, 

und  vornemet  disse  mere 
30  van  den  sulven  skrivere. 

sin  kumpan  sede  ome  also, 

sin  vader  were  ein  here  ho 

und  des  gudes  also  rik, 

dat  men  nergen  sin  gelik 
35  mochte  hebben  gevunden. 

to  den  sulven  stunden 

de  skriver  alto  der  schole  ging 

und  so  grote  lere  entving 

aller  dat  he  horde, 
^0  mid  dem  sulven  worde, 

dat  he  sinen  sin  daran  kerde, 

dat  he  dat  alsovort  lerde. 

dar  to  was  he  so  dogentsam , 

wor  he  eins  henne  kwam, 
45  mit  tuchten  he  dat  makede, 

dat  men  dikke  lachede. 

dat  warde  so  lange, 

dat  dem  skrivere  wart  bange 

na  der  werlde  sirheit; 
50  ome  wart  dikke  geseil 

so  selsene  vromede  mere, 

de  in  dcme  lande  were. 

he  sprak  to  sines  vaders  knechte: 

»do  wal  und  sage  mi  rechte, 
55  wat  de  werlt  al  sirheit  halt 

und  wo\se  si  in  vrauden  stalt, 

künde  mi  dat  ieman  sagen.« 

de  knecht  sprak:  »sunt  ji  mi  vragcn, 

ik  wil  ju  des  berichten  wal, 
60  wat  man  vor  de  besten  kescn  sal, 


XLII.   Wm  treue  Mn*.  317 

dar  na  mach  ein  leven 

und  lust  der  werlde  heven: 

dat  sint  vorsten  und  edele  heren, 
65  de  leven  an  groten  eren. 

und  ok  to  allen  tiden 

durch  lust  dustern  und  striden, 

se  hebben  durch  leve  steden  mud 
70  und  an  dem  lande  manige  tucht  gud, 

beide,  sulver  unde  gold, 

dure  stene,  kleder  manigvold, 

de  sint  stolt  unde  vrisch.« 

ein  ander  sprak :  » ik  geve  den  papen  hogeren  pris, 
75  de  sik  vliten  jummermere 

an  hogen  kunsten  sere, 

so  leven  se  mid  gemake 

und  hebben  nenes  dinges  brake. 

se  vorwerven  mid  der  lere 
80  van  den  luden  lof  und  ere; 

kenen  riddern  unde  knapen, 

dat  beste  lof  geve  ik  den  papen, 

nu  und  to  allen  tiden.«  % 

de  derde  sprak:  »ik  mach  des  nicht  liden, 
85  vor  riddet  und  vor  knapen 

und  vor  den  lerden  papen, 

love  ik  de  werden  vrauwen  zart, 

gesiret  na  minnichlikcr  art, 

de  alle  sorgen  swaken 
90  und  manigc  vraude  makcn : 

[dat  maefa  men  alle  dag*  schauwen:  j 

den  bogesten  pris  geve  ik  den  vrauwen 

de  ikriveff  sprak.   ><ik   \vi!  nummn    ran  wen. 

mi  danket  an  mincs  Rllfefl  mud. 

dal  kunste  atogeii  wesen  gud: 

9  >   Ol    M   holde   ik    Mgen, 
dat  mi  mach  wal   hchagon 
und   der  fogel    VOge4    wal . 

dal  men  Barten  vranwen  denen  Ml; 

und    Dener  lüde   man   liier   vinl, 

loo  den  der,  d<-  aelerel  sinl . 


318  XLII.   Wu  treue  Mag). 

de  dat  vor  war  menen  , 

dat  se  hoveschen  vrauwen  denen.« 

he  ging  to  deme  vader  sin 

und  sprak:  »leve  vader  min, 
105  were  dat  an  juwer  gunst, 

ik  lerde  gerne  groter  kunst.« 

do  sprak  de  vader  altohant: 

»ik  hedde  di  lange  gesant 

to  Padawe  idder  to  Paris, 
10  wiste  ik,  dat  du  dinen  vlit 

woldest  darto  keren, 

dat  du  woldest  leren.« 

de  sone  lovede  ome  dat. 

de  vader  ging  unde  mat 
15  ome,  beide,  sulver  unde  gold, 

wente  he  was  ome  van  herten  hold, 

und  gaf  ome  en  gut  teldene  perd, 

und  het  ome  riden  to  Paris  werd. 

do  sin  moder  dat  vornam, 
20  al  weinende  dar  se  to  ome  kwam, 

se  sprak:  »leve  sone  here, 

ik  vruchte,  ik  se  di  nummer  mere; 

darumme  so  wil  ik  di  mede  geven, 

dat  du  desto  bet  mögest  leven, 
25  viftich  gülden  de  sint  hi[r], 

de  nim,  leve  kint,  to  di[r], 

und  vertere  se  to  tiden. « 

do  sach  se  ome  drovichliken  van  or  riden. 

he  nam  or  orlof,  unde  reit; 
30  he  wart  herde  wal  beleit 

van  vrunden  und  van  magen, 

de  one  begunden  to  klagen; 

wente  on  was  vor  ome  leide. 

vor  ener  groten  neide, 
35  de  do  sine  vrund  wern, 

de  heit  he  weder  torugge  kern 

he  reit  alleine  in  Godes  segen. 

do  af  reit  he  under  wegen 


XL1I.    JKe  treue  Mw*-  319 

kramere  und  koplude 
140  dat  sage  ik  ju  hude, 

he  grotte  se  herde  tamelik: 

se  weren  weldich  unde  rik 

und  dankeden  ome  mid  vliten: 

he  begunde  mid  on  to  riden, 
V6  al  in  Godes  namen 

reden  se  tosamen 

mid  vrauden  und  ok  mid  ile 

des  weges  sestich  mile; 

do  gingen  se  ome  ave, 
50  se  bekosten  grote  have, 

und  mosten  to  hus  weder  varn. 

he  sprak:  »wene  God  wil  bewarn, 

de  is  to  allen  tiden  wal  behut. 

er  ik  vorterde  hir  al  min  gut, 
55  ik  rede  er  aleine.« 

de  junge  skriver  reine 

gar  drovelik  reit  ut  der  stat. 

nu  möge  ji  hören,  wo  he  bat; 

he  sprak:  »eija,  vader  Iesu  god, 
60  wene  du  behodest,  de  is  behot, 

do  dat  durch  diner  namen  dri, 

und  make  mi  van  sorgen  vri!« 
Hen  reit  de  junge  skriver. 

dat  ging  ome  wal  na  siner  ger, 
65  sunder  dat  ome  was  de  stat, 

alto  verne  und  was  spat, 

to  der  he  riden  solde; 

de  sunne  ging  to  golde, 

do  skrei  he  overlud: 
70  >.eija,  junLvrnuwc  sunte  Gertrud. 

do  mi  guder  berberge  kund. 

dal  ik  bebolde  mint  .sunt.« 

bfl  rnoijde  sik  gar  halde, 
wciit«;  he  reit  in  einem  walde 
!'■')  und  in  einer  groten   beide; 
darumme  was  ome  leide. 


320  XLII.   DU  treue  üla«). 

und  begunde  sere  llcn. 

wente  he  hadde  groter  milen 

dre,  er  he  de  stat  konde  schauwen. 
180  he  dachte:  »du  most  hir  doch  rauwen; 

dat  ik  dat  perd  to  dode  rinne, 

doch  konde  ik  nicht  komen  darinne; 

darumme  wil  ik  sachte  riden.« 

do  sach  he  verne  bi  der  siden 
85  ut  der  heide  ein  megedin 

driven  lemmer  unde  swin 

in  eines  riken  ridders  hof; 

he  sprak:  »God  des  hebbe  lof, 

dat  ik  dar  gekomen  bin, 
90  dar  ik  lüde  mach  sin. « 

rechte  he  to  dem  hove  reit, 

ome  was  leve  unde  leit, 

do  he  bi  den  hof  kwam, 

dat  perd  he  mid  den  sporen  nam, 
95  und  reid  gar  hoveliken  darin. 

do  leip  ein  klene  kindelin 

und  sede  dat  der  vrauwen. 

se  stund  up  und  wolde  schauwen 

und  ging  vor  ein  klene  venster  stan. 
200  de  skriver  hovesch  und  walgedan 

sach  de  vrauwen  boven  ome  stan, 

so  ein  rose,  de  des  morgens  is  up  gan; 

sine  ogen  spelden,  do  he  sc  sach; 

tohand  de  junge  skriver  sprak, 
5  und  begunde  gruten 

mid  dogentliken  worden  suten 

de  vrauwen  an  der  stunde 

rechte  so  he  wal  künde: 

>:God  groete  ju,  edle  vrauwe  hie! 
10  dot  wal  unde  saget  mi[r], 

wor  de  here  möge  sin.« 

de  vrauwe  sprak:  »de  here  min 

de  reit  over  dren  dagen  ut; 

he  solde  lange  komen  wesen  to  hus.« 


XLII.    2Du  treue  Jttaijt».  321 

215  se  sprak:  «bedurte  ji  sin  icht  nodlik?» 
he  sprak:  «nein,  t'war,  vrauw,  jo  bin  ik 
ein  arm  elende  scholere; 

wil  ji  mi  herbergen  umme  Unser  Vrauwen  ere?» 
se  sprak:  «were  hir  heime  min  here, 
20  dat  juwer  noch  twe  were, 
ik  herbergede  nu  alle  gerne. » 
he  sprak:  «mi  is  de  stat  to  verne; 
hir  umme,  edele  vrauwe  gud, 
durch  Unser  Vrauwen  willen  dut, 
25  herberget  mi  man  disse  nacht.» 
sine  wort  weren  trovelik  und  sacht, 
de  wort  begunde  he  so  hovelik  to  maken 
der  vrauwen  herte  to  lachen 
begunde  in  orem  live; 
30  went  he  nicht  mid  kive, 

gar  tuchtichliken  he  de  vrauwen  bad. 
nu  hört,  wo  minnichliken  si  to  ome  sprak: 
«eija,  vil  herte  leve  kint, 
ik  dede  dat  gerne:  went  nu  sint 
35  de  lüde  also  unslicht. 

dat  dar  nemant  blift  unvordicht. 
werlik.  mochte  dat  geschein, 
ik  lete  ju  nicht  van  hinnen  tein.» 
do  de  skriver  horde 
44)  an  der  vrauwen  worde 
und  vornam  an  orer  rede, 
dat  se  nicht  twiden  wolde  siner  bede, 
doch  he  de  vrauwen  an  sach 
und  sprak:  «wat  nicht  wesen  mach, 
16  ik  bebtM  dat  ut  den  boken  lesen, 
wat  nicht  mach  wesen. 
dar  Dl  s.il  ein  nummer  ringen, 
sal  mi  noch  aventlang  gelingen, 
M  bin  ik  des  seker  undc  wis, 
50  dal  Peil   noch   beirr,   wan  dat  siin [n)v  n 

itfl  mi  ok  gan  fmadarlikeii, 

M  Bkrt  ik   v;m  hinncrj   wikcn  , 

4    //«ft»     BaMMMutoatm«      II  ^1 


322  XLII.    JDU  treue  Jttaa> 

ik  enkan  des  nicht  vermiden, 

wente  ik  mut  van  hinnen  riden 
255  durch  dat  holt  und  durch  den  struk 

disse  nacht  alut  und  ut: 

doch  wil  ik  dat  ringe  wegen, 

dat  is  mi  nu  also  gelegen 

und  anders  nicht  mach  sin, 
60  God  segene  ju,  edele  vrauwe  fin, 

wente  ik  mut  van  hinnen  scheiden.» 

do  heit  se  one  beiden, 

und  heilt  one  mid  worden  losen 

uppe,  dat  se  mid  ome  mochte  kosen. 
65  de  vrauwe  one  do  an  gesach;^ 

vor  war  ik  ju  dat  sagen  mach, 

dat  van  den  tertliken  worden, 

de  de  vrauwe  van  ome  horde, 

went  ik  ju  der  warheit  je, 
70  or  wart  to  dem  herten  we 

und  an  dem  müde  bange; 

se  hedde  gerne  lange 

dar  mid  ome  gesproken, 

dat  hedde  or  nicht  vordroten, 
75  dal  segge  ik  ju  al sunder  wan. 

do  sach  he  dar  komen  gan 

over  den  hof  einen  knapen  sere, 

de  sprak:  «sit  wilkomen,  leve  junkhere. » 

he  sach  wal,  wo  it  ome  was  bewant, 
80  dat  perd  nam  he  ome  ut  der  hant, 

he  sprak:  «vrauwe,  sint  dit  nicht  selsen  mere, 

dat  one  God  gesent  heft  here: 

sinem  vader  ik  lange  gedenet  han; 
-     de  is  so  gar  ein  rike  man, 
85  dat  borge  und  lant  sin  egen  sin. 

ik  bidde  ju,  leve  vrauwe  min, 

dat  ji  one  van  dissen  avende  nergen  lan.» 

do  sprak  de  vrauwe  walgedan: 

«so  le  dat  perd  hin  in. » 
90  se  leit  dem  skriver  schenken  win, 


XL11.    Pie  Um  JgUot.  323 

molmesie,  romaine  und  guden  drank; 

se  sprak:  «wi  maken  dat  alto  lank. 

men  drage  uns  dat  brot  hirin; 

wolde  min  here  komen  sin, 
295  he  were  komen  lange.» 

ore  spilden  ogen  und  or  bloindejr]  wange 

van  deme  skriver  nicht  wolde  gein, 

se  wolde  one  stedelik  an  gesein. 

tohand  droch  men  dat  brot  henin. 
300  se  sprak:  «stat  up,  leve  her  gast  min. 

nemet  water,  des  is  tid; 

ik  weit  wal,  dat  ji  mode  sit. » 

de  skriver  tohant  water  entfing, 

gar  tuchtichlike  he  vor  se  ging. 
5  se  sprak:  «komet  und  settet  ju  her, 

ik  ete  mid  ju  also  mer, 

als  ik  aleine  sete 

unde  nicht  vel  ete. » 

de  skriver  bi  de  vrauwen  sat. 
10  so  minnichlik  de  vrauwe  was, 

dat  se  den  skriver  darto  band, 

dat  he  selsene  rede  vand, 

dat  se  alle  mosten  lachen. 

de  vrauwe  van  den  sulven  sachen 
15  van  ome  wart  so  gar  un[t]sund. 

de  spise  de  se  in  den  mund 

gesteken  hadde,  de  vorstarf; 

sin  hovescheit  de  vorwarf. 

dat  der  uauwen  ward  so  we, 
'20  als  de  vische  in  der  .se, 

de  in  (Jen  Mlgtl  komen  i-> 

van  sulker  kwale,  als  ji  wal  wist; 

also  kweled«'  de   vrauwe  sere. 

de  ikrivefl  darbte:  «ach  urnmer  mer 
98   wat  mach  der  vrauwen  .sin?» 

In-  sprak*.  Kittel«  lene  vrauwe  nun.» 

m  iprali    txetet  vor  ju,  letfl  her  gast, 

eine  lal  e  <lui  mi  owerlasl . 


324  XLII.    Ite  treu*  Mn* 

wan  ik  aller vrolikest  sal  sin, 

330  so  dut  mi  we  dat  herte  min. 
we  gerne  ik  bi  ju  sete, 
uppe  dat  ji  deste  bet  eten, 
nu  wil  dat  God  also  nicht  han. » 
se  stund  up  und  ging  van  dan, 

35  se  gaf  deme  skriver  oren  segen; 
deme  gesinde  heit  se  siner  plegen, 
ok  sprak  se  to  den  megeden  also: 
«gat  und  halet  deme  gaste  stro, 
und  nemet  beddewand  hirvor, 

40  ik  wil  sluten  de  dor, 

beddet  ome,  als  einen  hern; 
wente  he  wil  vro  van  hinnen  kern, 
so  mach  he  ju  dank  seggen: 
ik  mut  mi  to  bedde  leggen. » 

45  de  megede  deden  wat  se  on  heit. 
do  de  dach  was  al  vorscheit, 
men  heit  den  skriver  up  stan 
und  heit  one  to  bedde  gan. 
de  skriver  lede  sik  neder. 

50  also  dede  dat  ingesinne  seder. 
do  dat  gesinne  slapen  was, 
de  vrauwe  in  deme  bedde  sat, 
ore  was  vil  we  to  müde, 
se  sprak:  «riker  God  vil  gude, 

55  sal  ik  hude  nicht  bi  eme  sin, 
so  vorlese  ik  dat  levent  min.» 
up  stund  de  vrauwe  altohand, 
de  werde  sute  minne  se  darto  band, 
dat  se  to  deme  skriver  ging, 

60  mid  oren  armen  se  ene  umme  ving, 
se  sprak;  «eija,  leve  skrivere, 
uppe  juwe  gnade  kome  ik  here, 
dat  mut  ik  don  durch  de  nod, 
juwe  junge  lif  dut  mi  den  dod.» 

65  alna  se  sik  bi  one  lede. 

nu  höre,  wo  de  skriver  sede: 


XLII.    Ute  treue  ittagti.  325 

«eija,  leve  vrauwe  her. 

wat  do  ik  ju,  wat  wite  ji  mir? 

God  van  himele  dat  wal  weit, 
370  han  ik  icht  geredet,  dat  ju  si  leit. 

dat  ruwet  mi  van  herten  sere.» 

se  sprak:  «eija,  min  leve  skrivere, 

ji  hebt  mi  nicht  to  leide  gedan: 

doch  so  moste  ik  to  ju  gan. 
75  und  vrundliken  mid  ju  kosen, 

und  breken  mid  ju  de  rosen 

uppe  der  Minnen  velde. 

eija,  min  utirwelde, 

sal  ik  min  leit  vordriven, 
80  so  mut  ik  nu  bi  ju  bliven. » 

to  hand  de  junge  skriver  sprak: 

«eddele  vrauwe,  hebt  juwe  gemak 

und  latet  juwe  schimpent  sin.» 

se  sprak:  «leve  broder  min. 
86  wat  solde  des  lusten  mi. 

dat  ik  aldus  kweme  to  di 

an  disse  nacht  aleine, 

werliken  ik  dat  meine, 

wo  temede  mi    dat  ik  solde  up  stau 
90  und  hire  to  juwe  bedde  gan 

und  bidden  des  min  wiile  nicht  enweie? 

dat  weren  selsene  mere. » 

he  sprak:  «eddele  vrauwe  god, 

ik  bin  juwe  egen,  darumme  dul 

i!  dat  ji  nicht  willen  lan.» 

tohand  ore  kussent  und  ore  ummevan 

den  jungen  skriver  darlo  band. 

det  he  de  Mao  wen  nam   bi  der  hand. 

und  lede  M  in  <len  arm  sin; 
400  do   \s  is  OBM   vrautlc   worden  schin  : 
ir  rninnichli1  limine  fingen  sil. 

des  gewesen  nicht  kau  ik 

und   nein   man  to  vollen   reden, 

wo  lelliken  <!<•  iwe  deden, 


326  XL1I.   J)u  treue  Jttagfc. 

405  over  wat  se  dar  daden, 

des  enkan  ik  nicht  entraden. 

doch  segge  ik  ju,  als  ik  vornam: 

do  it  an  den  dach  kwam, 

und  se  alle  beide  entslapen  warn, 
10  und  hadden  des  vil  kleine  varn, 

dat  de  werd  gekomen  was 

und  in  deme  hove  af  sat, 

und  ore  brodere  twe  mid  im. 

he  sprak  to  sinem  knechte:  «nim 
15  de  perde  und  vore  se  henin.« 

do  sprak  he  to  den  swegern  sin: 

»walan,  ga  wi  in  dat  hus.« 

do  kwam  de  maget  tegen  ome  ut, 

se  entfeng  de  knapen  stolt. 
20  de  werd  de  sprak:  «men  hale  uns  holt. 

und  make  uns  en  gud  vur  to  hant: » 

noch  was  den  twen  de  slap  bekant. 

do  si  begonden  in  gan, 

und  dat  bedde  sejen  stan 
25  und  kwemen  alle  gegangen, 

do  legen  de  twe  al  umme  bevangen 

und  wem  al  na  to  samende  komen , 

und  hedden  sik  leflik  ummenomen, 

dat  se  alle  hedden  gesworn, 
30  dat  dar  nene  twe  in  dem  bedde  warn. 

«in  grot  vur  ward  dar  gemaket. 

de  werd  vragede  sine  maget, 

we  in  deme  bedde  were. 

se  sprak  f  «dal  is  ein  skrivere; 
35  t'avent  he  de  herberge  bat, 

juwe  kriecht  sinem  vader  denet  hat, 

de  secht,  sin  vader  si  ein  so  rike  man, 

dat  ome  borge  und  land  sin  under  dan. » 

do  sprak  de  here:  «latet  one  ungewekket. 
40  de  vrauwe  hadde  ut  der  dekken  strekket 

orn  arm,  dat  men  one  sach; 

to  hand  de  jungeste  broder  sprak: 


XL1I.    Bit  treue  JUugt.  327 

«segge,  leve  swager  nim. 

sejestu  ju  einen  arm  so  fin , 
445  so  du  machst  schauwen,  dat  segge  ik  di[r]? 

van  witler  hut,  als(o)  hi[r]  ?» 

he  sprak:  «swager,  ik  segge  di  dat. 

dat  nenen  luden  is  bat; 

se  endorven  nicht  vele  sorgen 
50  unde  ok  nicht  borgen: 

dat  mach  wal  wesen  ore  hogeste  kwal , 

wo  se  schonen  vrauwen  denen  wal.» 

de  (anner)  broder  sprak  tohand: 

«se,  leve  broder,  welk  ein  wit  hand! 
55  sejestu  ju  ene  hand  so  suverlik?» 

he  sprak:  «swager,  weistu  nicht. 

dat  skriver  weke  hende  han? 

wente  se  gripen  seiden  an 

axen  unde  hauwen. 
t>0  dar  umme  lat  din  schauwen, 

und  lat  ome  hebn  sjn  gemak. » 

de  werd  to  der  maget  sprak: 

«lat  dinc  vrauwen  up  stan 

und  lat  se  hire  vor  gan.» 
05  De  maget  in  de  kemenaden  ging. 

dat  bedde  se  al  umme  ving, 

se  sprak:  «vrauwe,  is  ju  worden  bat?» 

tu  band  begonde  se  lo  denken  dat. 

do  sc  dar  nicht  inne  lach, 
70  vil  sere  se  du  vorschrak, 

ore  bette  dat  was  leides  vol, 

\n rule  se  merkede  wol, 

dal    se  l»i  (lerne  skrivere  lach; 

VftO  leide  «al  sc  sik  manigen  slach. 
75  M  K''ig  weder  vor  de  dure. 

he  sprak:   «kumpt   M   noch   nicht    hei  '?or< 
Sprak;  «herc.   ik   sage  in  dal. 

dal    ore   t'avcude  ger  we      w;e~ 

doch  eil  •><•  sc  lieie  bir  \<»t  gaiL  > 
m>  i|<>  sach  se  dar  enon  disch  itan. 


328  XLII.    Wie  treue  J*laöt>. 

dene  disch  droch  se  vor  de  glud; 

se  sprak:  <xik  mut  deme  skriver  wesen  gud: 

ik  se  wal,  dar  de  wint  weit 

und  de  roik  one  nicht  slapen  leit.» 
485  de  list  hadde  se  bedacht, 

dat  se  or  vrauwen  hedde  van  dannen  bracht. 

do  se  eine  wile  seten, 

der  vrauwen  se  nicht  vorgeten, 

do  sprak  de  werd:  «horstu, 
90  wo  lange  slept  din  vraawe  nu  ? 

ga  und  hete  se  hir  ut  gan. » 

de  maget  moste  aver  up  stan, 

ore  hende  se  jamerliken  wand; 

eine  kerse  nam  se  in  de  hand, 
95  se  ging  ander  werve  henin, 

de  kersen  klevede  se  bi  ein  vensterlin. 

se  sette  sik  uppe  dat  beddebret, 

so  jamerliken  als  de  junk  vrauwe  berl 

rnid  ruwen  und  mid  klagen, 
500  dat  ik  ju  des  nicht  half  kan  sagen. 

dat  dede  se  nicht  overlud. 

ik  mene,  min  vrauwe  Sunte  Gertrud. 

de  de  skriver  des  avendes  an  bad , 

de  gaf  der  junk  vrauwen  einen  rad, 
5  dat  se  ging  weder  vor  de  dore, 

und  sprak:  «se  kumpt  schere  hirvoie, 

se  deit  sik  vaste  an. 

ik  mut  in  den  hof  gan, 

ik  (en)weit,  wat  de  varken  mach  erren. 
10  ik  höre  se  vaste  gerren. » 

de  magel  ging  lo  hand  hen  ut 

und  leip  snelle  umme  dat  hus 

to  der  kemenaden  vensterlin 

und  grep  suverliken  dar  in  . 
15  de  kersen  nam  se  in  de  hand  _ 

und  lep  dar  se  de  schune  vand , 

se  stak  de  kersen  in  dat  dak. 
\    se  leip  weder  in,  und  sprak. 


XL1I.    Jtu  treue  itteto>  329 

«to  Jodute,  hude  und  jummer  mer!» 
520  de  hern  lepen  ut  tegen  er, 

und  lepen  in  der  schunen  wand, 

de  maged  lep  in  dat  hus  to  hand 

und  wekkede  up  de  vrauwen  gud. 

do  se  sach  de  groten  glud , 
25  do  vorschrak  se  also  sere, 

and  on  wunderde  beiden,  wo  it  darum  nie  were, 

unt  togen  sik  snelliken  an. 

de  maged  sede  or,  wat  se  hedde  gedan. 

wo  ore  man  und  ore  broder  komen  was 
30  und  aller  bi  dem  vure  sat. 

de  schune  to  hand  geleschet  wart. 

de  vrauwe  des  ok  nicht  enspart, 

gar  snelle  se  hen  ut  ging, 

dene  werd  und  ore  brodere  entfing. 
35  de  ene  broder  sprak  also: 

«wo  bislu  also  unvro?>- 

se  sprak:  «jo  wil  dat  God  aldus  hau.» 
begunden  weder  in  dat  hus  gan. 

de  skriver  hadde  sik  bereit, 
40  de  kleder  hadde  he  an  geleit. 

de  werd  sprak:  «we  heft  ju  gewekket? 

ji  mochten  wol  wesen  vorskrekket.» 

(truwen,))  sprak  de  skrivere 
«lat  sint  selsene  mere. 
lat  ik  so  sere  slapen  han , 

dat  diss'  allent  is  gedan 

und  disse   Mir  is  gemakf!  . 

und  ik  bin  nicht  eojwaket» 

de  irerd  iprak:  "ji  mochten  alle  sin  lorbranl 
50  God   hell   uns   bire  heniir  g£8antj 

dat  nm  gelescfret  hebt  de  schulte; 
hus.  bol  hedde  gebrant  und  de  tchunei 
do  sprak  de  wert  lo  deme  skrivere: 
Llet  ju  hei  i 
-  i  de  iki irer  moste  aik  dar  getlen . 
leides  weiden   ie  rorgeten; 


330  XLII.    Wie  treu*  itöttg*. 

dre  dage  bad  he  one  to  hus , 

dat  he  reid  mid  ome  ut, 

dat  he  one  wolde  laten  nerne. 
560  de  swegere  mid  ome  reden  gerne; 

wal  dre  dage  se  ute  wem, 

do  begunden  se  weder  kern. 

do  se  aldus  weder  reden, 

hemelik  sprak  he  sine  beden, 
(>5  der  he  plach  herde  sere. 

in  Sunte  Gertrudis  ere, 

do  se  kwemen  in  riden. 

des  de  vrauwe  plach  to  allen  tiden . 

ok  se  des  do  nicht  enleit, 
70  de  vrauwe  se  alle  wille  komen  heit, 

also  se  to  allen  tiden  plach: 

God  wet  wal,  wene  se  levest  sach. 

dar  wem  se  alle  vrauden  rik. 

de  edele  vrauwe  dogenlik 
75  deme  skrivere  begunde  vaken 

(hemelike  vraude  maken.) 

de  minnichlike  vrauwe  fin 

gaf  ome  ein  golden  vingerlin 

mit  edelem  duren  steine, 
80  dat  kostede  wol  der  marke  teine. 

in  der  sulven  stund 

kussede  he  der  vrauwen  vor  oren  mund. 

se  sprak:  «eija,  leve  skrivere, 

ik  bidde  ju,  dat  ji  disse  mere 
85  nemande  open  barn. 

wen  ji  willen  weder  to  hus  varn, 

so  komet  weder  to  mir.» 

do  antworde  he  der  vrauwen  schii  : 

«ik  weit  wol,  wat  ik  swigen  sal.» 
90  imune  grep  he  de  vrauwen  smal : 

nicht  lenger  dorsle  he  dat  malten. 

se  schedefde]n  sik  mid  lachen, 

doch  se  beide  le[i]ten 

dat  water  ule  den  ogen  vielen. 


XLII.    Pie  treue  Mn^  331 

595  de  vrauwe  doch  sik  van  ome  wand. 

he  reid  dar  he  den  hern  vand 

und  dankede  ome  mid  ganzer  vlit. 

he  reid  hen  to  Paris 

und  ward  an  kunsten  ein  groter  man. 
600  wan  he  to  der  lekzion  solde  gan, 

ome  were  wal  idder  unsachte, 

mid  vruntheit  he  jo  der  vrauwen  dachte, 

de  ome  God  hedde  gedan. 

deme  God  noch  der  salde  gan, 
5  deme  mach  an  hoveschen  dingen 

noch  rechte  wal  gelingen, 
Nu  hebbe  ik  ju  de  mere  gesaget, 

unde  heit  de  truwe  maged, 

de  durch  truwe  nu  [b.  nicht)  vruchte  den  dod. 
10  des  bidde  wi  alle  den  leve(n)  God 

und  de  edelen  vrlen, 

de  milden  moder  Marien, 

dal  uns  nummer  werde  schin 

der  ewigen  helle  pin, 
15  und  wan  wi  komen  an  den  dach, 

dar  sik  nein  man  vorbergen  mach, 

he  enmute  vor  gerichte  gan, 

dat  wi  an  truwen  vaste  stan, 

als  disse  maged  orer  vr[a]uwen 
20  was  an  oren  denste  truwen. 

dc(s)  helpc  uns  allen  de  milde  God 

•  lurch  sinen  bittern  dod 

und  durch  sine  hilgen  dre  narnen. 

nu  spreket  alle:  amen! 


XLIII. 

Per  t»erkel)rte  HPirtl). 

Von 

Herrand  von  Wildonie. 


Erzählung  von  Abenteuer  soll  wahr  und  bezeugt  sein,  damit  ein 
linhübscber  sie  nicht  Lügen  strafe.  Folgendes  Abenteuer  hat  mir  ein  in 
allewege  vollkommener  Ritler  ,  Herr  Ulrich  von  Lichtenstein, 
gesagt. 

Ein  alter  Ritter  in  Friaul  hatte  ein  schönes  junges  Weib:  sein 
Hof  lag  auf  der  Ebene  und  dahinter  ein  lustiger  Hag.  In  der  Nähe  safs 
ein  stattlicher  Ritter,  welcher  der  Schönen  so  fleifsig  diente,  bis  sie  ihm 
Lohn  verbiefs,  und  durch  einen  Roten  zu  dem  Erker  bestellte,  der  nach 
dem  Hage  hinausgieng.  wo  er  einen  Ring  an  einer  Schnur  finden  werde, 
welche,  an  ihren  Fufs  gebunden,  ihr  seine  Ankunft  anzeigen  solle.  Der 
Ritter  schlich  in  der  Nacht  herbei,  und  zog  an  der  Schnur.  Der  Mann, 
dem  sie  über  das  Rein  gieng,  erwachte  zuerst  davon,  spürte  nach,  und 
fand  wo  die  Schnur  angebunden  war;  er  zog  sie  an  sich  mit  dem  Ring, 
und  erkannte  die  leidige  Untreue.  Er  sprang  auf,  lief  durch  ein  Thür- 
lein  in  den  Hag  hinaus,  ergriff  den  dort  harrenden  Ritter  beim  Haar,  und 
rief  sein  Gesinde.  Da  erwachte  die  Frau,  erschrack ,  und  lieT  hin,  wo 
die  beiden  mit  einander  rangen.  Der  Wann  rief,  er  müfse  seinenEhren- 
räuber  erkennen,  und  die  Frau  erbot  sich,  ihn  zu  hallen,  bis  er  Lichl 
Dei  .Mann  fürchtete,  wenn  er  die  Frau  nach  Licht  gehen  liefse. 
wo  mehr  als  zehn  Männer  lagen,  gröfsern  Schaden,  als  durch  den  einen 
hier,  und  übergab  ihr  diesen,  mit  der  Drohung,  sie  umzubringen  ,  wenn 
sie  ihn  enlliefse.  Als  der  Mann  weg  war,  hiefs  die  Frau  den  Ritler 
in  den  Hof  geben  und  ihrer  warten.  Der  Ritter  wollte  lieber  sein  Leben 
lafsen.  als  das  ihre  gefährden:  sie  aber  hiefs  ihn  getrost  gehen  ;  er 
und  (hat's;  >,ie  holte  nun  einen  Esel  herbei,  und  ergriff  ihn 
bei  den  Ohren,  wurde  aber  von  dem  Thiere  weit  umher  durch  Nefseln 
und  Dornen  geteilt,  bis  ihr  Mann  mit  der  l'ackel  kam.  Als  dieser  den 
;  iah,  schalt  er  ihre  Treulosigkeit,  und  biefr  sie  zu  Bette  gehn.  Er 
eh  auch  nieder  und  H  bliel  fest  ein.  Da  stand  die  Frau  wieder 
in  .ii'ii  Hol  in  einei  Gevatterin,  und  bot  ihr  ein  halb  Pfund, 

wenn   >i<-    ihre  Melle    einnähme,     und    von    ihrem    Manne.    Wegen    eines 

kleinen  z  eh  etwa*  gefallen  iieise.     Dieae    war  bereit,  und 

nun  zu  den  Hitler,  und  ergezte  sich  mit  ihm  nach  Herzens 
Lust.  Die  (j  Hierin  ibei  wurde  ron  dem  erwachenden  Mann  erti  tüchtig 
mit    einem    Riegel    durcttgeblluet ,    und    ihr    dann    zum    Wal vn dien    das 

tchnitten,   oime  d«fi  ile  lieh  durch  ein  Wort  reirielh*     Dai 

nach   kam    die   Iran   und    lorderte   ihren   Mann   zurück  ,    der  |ei/i   in   lud- 

ähnlichem  Schlafe  lag.    Die  Gevatterin  beklagte   »ich  schwer    wui 

doi  h  dun  h  den  Lohn  I»      I  i  ich   nun   wieder  zu   ihrem 

umschlang  ihn     bii  ei  bei  hoher  Sonne  erwachte     I >.■  schall  ei 


sie,  und  hielt  ihr  den  ganzen  Verlauf  der  unruhigen  Nacht  vor:  sie  aber 
läugnete  alles ,  und  bewies  ihm  durch  ihren  fleckenlosen  Leib  und  ihr 
über  die  Hüften  herabwallendes  Haar  ihre  Unschuld,  und  dafs  alles  nur 
ein  böser  Traum  gewesen.  Da  sagte  er,  er  habe  nur  gescherzt:  sie  aber 
nahm  den  Scherz  mit  ihrer  Ehre  übel ,  und  er  muste  sie  dadurch  be- 
gütigen, dafs  er  ihr  einen  Mantel  von  Sammt  oder  Baldakin  (Zeuch  aus 
Baldak,  Bagdad)  versprach 

Wir  würden  nichts  von  dieser  Geschichte  wifsen ,  wenn  die  zer- 
schlagene Gevatterin  sie  nicht  verlautbart  hätte ,  weil  die  Frau  ihr  nicht 
das  Verheifsene  geben  wollte.  So  hat  Herrand  von  Wildonie  diefs 
Abenteuer  gedichtet. 


XLIII. 

Der  verkerte  wirt. 


Da3  bupchpl  heizet  der  verkerte  wirt 

A.ventiure  wer  die  seit , 

der  sol  die  mit  der  wärheit 

Oder  mit  geziugen  bringen  dar; 

ob  e3  ein  hübscher  hab'  vür  war, 
5  So  wil  lihte  ein  unhübscher  jenen, 

e3  en  hab'  nie  man  *  gesehen : 

Su[n]st  getäne3  striten 

wil  ich  an  disen  ziten 

Zevueren  mit  der  wärheit; 
10  wan  mir  ein  ritter  hat  gescit 

Dise  äventiur(e) , 

des  Iib  ist  so  gehinr(e) 

Und  an  örrn  so  volkomen, 

w«3  ich  han  von  im  vernomeu, 
15  Da3  ich  da3  mit  crcn  mal 

wol  b[e]reiten  an  den  liebten  tal»: 

Flor    I'olrich    von    f  A  eh  le  nst  <*i  n  . 

der  ic  (in)  ritters  Iren  ^rlipin  . 

Sagt(e)  mir  die  m;r 
20  da3  ein  rittor  wsere 

Ia-  I'  r  i  u  i  gesehen ; 

und  hat  er  sin  rerg655en  • 
»  in  ärt  Ha*  ttrht  v  ••  t/n  hab  nyemand 

.     4     Hmt.»       hmilltlllwi         II  — * 


338  XLIII.    JJer  uerk^tte  Wixfy. 

Da5  er  in  mir  niht  hat  genant, 
so  tuon  ouch  ich'3  iu  niht  bekant. 

25  Der  selbe  ritter  het  ein  wip, 
diu  het  ein  so  schcenen  lip, 
Da3  si  was  guot  ze  sehen'  an: 
da  bi  was  vil  alt  der  man. 
Sin  hof  an  einer  eben*  lak, 

30  darhinder  was  ein  schäme  hak; 
U3  gegen  dem  hag  ein  ärker  4  gie , 
da  er  des  nahtes  ruow'  enpfie. 
Nu  was  gese33en  nähen  bl  in 
ein  ritter,  der  het  sinen  sin 

35  Gewonet  2  an  diz  schoene  wip; 
dem  selben  ritter  was  der  lip 
Ze  solhen  dingen  wolgestalt, 
des  er  niht  gegen  ir  engalt. 
Nu  er  gedienet  het  so  vil , 

40  da3  diu  vrouwe  im  gab  ein  zil, 
Wie  si  im  Ionen  wolle, 
der  ritter  gerne  dolte 
Disiu  maere ,  wan  er  nie 
so  rehte  guotiu  maer'  enpfie. 

45  Der  bot(e)  sprach:  »min  vrouwe  iu  hat 
enboten,  da3  ir  Ilse  gat 
Hin  zuo  dem  hüse,  und  in  dem  3  nage 
wartet,  unde  vor  dem  tage 
Gähet  under  den  ärker, 

50  da  vindet  ir,  nach  iu\v(e)r  ger, 
An  einer  snuor  ein  vingerlin 
hangent,  da5  diu  vrouwe  min 
Hat  gebunden  an  irfen]  V1103; 
dä3  ziehet:  al  ze  hant  si  muo3 

55  Sin  werden  inne,  da3  ir'3  sit 
hie,  unt  kumt  iu  an  der  zit.« 


1  So   lese  ich  immer  für  agkei. 

3  gewendet? 

3  In  der  Hdt    iien 


XLI1I.    Wtx  verheerte  Wrtb.  339 

Dar  ritter  sleich  hin  bi  der  naht. 

als  sin  diu  vrouwe  het  gedäht. 

Er  vant  die  snuor  und  da3  vingerlin 
60  hangen,  nach  dem  willen  sin, 

Da  greif  er  zuo  unt  zuk[ke]te  dar. 

nü  wart  der  wirt  der  snuor  gewar, 

Wan  si  im  gie  über  da3  ein  sin  bein: 

do  in  da5  twang,  er  wart  enein, 
65  Er  wolt(ej  wekken  niht  sin  wip, 

und  doch  besehen,   wa3  im  den  lip 

Besiffelt;  stille  greif  er  dar; 

nü  wart  er  schier(e)  des  gewar, 

Wa  diu  snuor  gebunden  was; 
70  die  selbe(n)  snuor  er  alles  las 

Inz  an  ein  ende  [als]  in  sin  haut: 

dö  er  da3  vingerlin  da  vant, 

Do  erschrak  sin  alter  lip; 

er  däht' :  «e$  wil  niht  wol  min  wip.» 
75  Vor  leide  im  viel  da3  vingerlin 

unwissende  von  der  hende  sin; 

Er  sprang  üf  von  dem  bette  sin 

und  lief,  da  er  ein  türelin 

Wiste  l  gende  in  da3  hak. 
SO  der  ritter,  der  da  wartens  pflak, 

Gedäht':  «e5  ist  diu  vrouwe  min.» 

do  er  da3  kleine  türelin 

Horte  üf  gän.  er  gahte  dar. 

der  wirt  'erwischte  in  bi  dem  häi. 
K5  Und  sehn:  nach  dem  gesinde  sin. 

der  gast  gedäht':  »were  ich  mich  diu. 

9     kumt  diu  vrouw(e)  min  in  wort. 

M  bin  ich  an  den  eren  mort. 

Ich  han  mich  schier(e)  dir  ben<>m<n. 
90  du  bist  än,rc]  swert  und  [an']  nieder  körnen 

So  hän  ich  bi  mir  min  wer, 

dl  von  hän  ich  dir  über  \wr. ■< 

1    Wl**H    i/i    dri     Hat.,    wtlthi     mei't     h.     l',<t.,,i„    guf   \r    to    „,„tcl%l 


340  JLLIII.    JUer  uerheljrU  Wrtl). 

Von  des  wirtes  ruof  erschrak 
diu  vrouw(e),  diu  vor  släfes  pflak; 

95  Si  zukte  bald  an  sich  ir  wät, 

und  dähte:  »awe,  min  man  der  hat 
Disen  ritter  vunden  hie.« 
•  si  lief,  niht  blide  si  dar  gie, 
Und  sprank  ze  in  beiden  in  da3  hak, 
100  ie  zuo  der  ob,  der  [ander]  undcr  lak, 
Si  sprach:  «wie  nü,  wa3  sol  da3  sin? 
vil  lieber  wirt,  bedarftu  min?« 
Er  sprach:  »da  wiste  ich  gern(e) ,  wer 
diser  waere,  der  mir  her 
5  Ist  bekomen  üf  minen  schaden.« 
si  sprach:  »des  wirstu  liht  entladen, 
Gib  mir  in  her,  und  bring  ein  lieht: 
und  gib'  ich  dir  hin  wider  niht, 
Wa3  du  mir  gist  in  min(e)  hant, 

10  so  hab'  min  houbfe)t  dir  ze  pfant.« 
Der  wirt  gedäht':  »la3'  ich  si  gän 
dahin,  da  mer  dan  zehen  man 
Ligent,  unde  zündenft]  lieht,' 
ich  waen',  mer  schaden  da  geschiht, 

15  Dann(e)  von  dem  einen  hie.» 

er  sprach:  »nemt  hin,  und  merket,  wie 
Ich  iu  bevilhe  disen  man: 
und  lät  ir  den,  so  sit  ir  daran 
Schuldig,  da3  er  her  ist  komen, 

20  so  wi33et,  da3  iu  wirt  benomen 
Hie  der  lib  an  siner  stat.« 
diu  vrouw(e)  sprach:  »wa3  ir  mir  lät. 
Da3  wil  ich  iu  hin  wider  geben , 
oder  ir  nemt  mir  min  leben.» 

25  Er  gab  in  ir,  und  lief  dahin 

nach  einem  lieht[e],  da3  was  sin  sin. 
Der  ritter  sprach:  »ich  bin  her  komen 
iu  leider,  vrouwe,  niht  ze  vrumen.» 
Diu  vrouwe  sprach:  »get,  wartet  min, 

30  hin  in  den  hof.»  —    «des  mag  niht  sin.» 


XL11I    ®<t  «trafst*  Witt).  341 

Sprach  der  ritter  »schoen(e)  wip, 

nü  habt  ir  vür  mich  iuw(e)rn  lip 

Besezzet:  e  dan  ich  den  verlür, 

den  tot  ich  e  mit  willen  kür.» 
135  Si  sprach:  anü  sorget  niht  umb  mich.» 

er  kuste  si:  »Got  der  segen'  dich!« 

Wa3  si  dö  let,  da3  wei3  ich  wol, 

und  wei3,  wie  ichc3  iu  nennen  sol, 

AVan  einen  esel,  den  si  vant. 
40  den  nam  diu  vrouw(e)  säzehant 

Bi  sinen  ören.  und  habet'  in. 

nü  hat  da3  kunter  sölhen  sin, 

Da3  03  im  niht  wol  geziint, 

wer  e3  bl  den  ören  nimt; 
45  Da3  kunter  hinder  sich  dö  gie, 

da3  hag  wart  so  dikke  nie, 

E3  endente  sich  darin. 

si  daht':  »und  lag?  ich  dich,  so  bin 

Ich  schuldig  gar  umb  disen  man, 
50  wan  ich  dich  wil  ze  worte  hän.« 

Dorn,  ne33el,  manig  ast 

was  da  niht  der  vrouwen  gast, 

Wan  si  ir  nähen  wären  bl,  * 

aller  kleider  wart  si  vri. 
55  Dö  diu  vrouw(e)  wart  gar  blÖ3, 

von  bluote  ir  schocner  Hb  hin  go^. 

Ine  des  lief  zuo  der  wirt, 

anlange  het  er  sich  vorirt. 

Dö  bi. iht'  er  ein fe)  pühel  grÖ3. 
60  diu  bran.  die  \rouw(e)  des  verdroß. 

Das  CT  -So  tafcge  was  gewesen, 

diu  vrouw(e)  sehn-:  ^ ich  mag  genesen 

Niht,  ir  un got riii wer  man, 

fOO  (i<*m,  493  '■'  mir  habt  vrrlän.  n 
Co  Vi   lief  er  hl.iM-ndc  •   im  was  gäch. 

da  et  sin   wil)  in   nn-lm   «,a<  h, 

I  r  w«iir  ir  helfen :  dö  er  vanl 

di/  kunter  ro  irer  hanl , 


342  XLIII.    U>er  »erkürte  Wrtl). 

Do  erschrak  er,  unde  sprach: 
170  »awe,  da3  ich  iuch  ie  gesach!« 

Er  sprach:  »war  ist  komen  der  man?« 
si  sprach:  »nü  seht  da3  ich  hie  hän. 
Da3  ir  mir  gäbet  in  min  haut, 
so  ir  dem  tinvel  sit  bekarit,  « 

75  Er  sprach:  »gät  släfen,  ich  weis  wol. 
da3  ir  slt  boßser  [unjtriuwen  vol.« 

Der  wirt  gieng  släfen ,  und  sin  wip 
was  vor  dem  belte;  schier  sin  lip 
Entsläfen  was;  diu  vrouwe  gie, 

80  dö  si  in  sach  su[n]st  mueden  hie, 
Hin  in  den  hof,  und  bat  ein  wip, 
der  gevater  was  ir  lip, 
Si  sprach:  »gät  zuo  dem  wirte  min 
und  sizzet  vüt  da3  bette  sin; 

85  Ret  er  mit  iu,  so  swiget  ir: 

ich  kum  iu,  da3  geloubet,  schier. « 
Si  sprach:  »wa3  habt  ir  getan?  » 
da3  ir  niht  selber  weit  dar  gän. « 
Diu  vrouwe  sprach:  »ein  zornlln 

90  ist  zwischen  uns;  nü  lät  da3  sin. 
Ob  er  iuch  slahe,  des  ist  vil, 
da3  selb'  ich  wider  dienen  wil, 
Ich  wil  iu  geben  ein  halp  pfunt.» 
si  däht' :  »und  wird'  ich  von  im  wunt, 

95  Da3  würde  mit  dem  halben  heil; 
die  andern  werden  mir  ze  teil.» 
Si  gieng  hin,  und  sa3  hinvür, 
unt  tet  vil  lise  zuo  die  tür. 
Diu  vrouwe  disem  e3  wol  bot: 
•200.  wes  si  da  pflägen,  des  ist  unnöt, 
Da3  ich  da3  ieman  tuo  bekant. 

Der  wirt  erwachte;  dö  er  vant 
Sin  wib  niht  an  dem  bette  sin, 
er  sprach:   aweit  ir  noch  spotten  min?); 
5  Si  sweig;  er  sprach:   «nü  legt  iuch  her.« 
si  sweig;  den  rigel  zukket'  er 


XL1JI.    0er  Herhörte  Wirt^.  343 

Und  legi'  si  vür  sich,  unde  sluok, 

unz  in  selber  diihte  genuok. 

Er  leget'  sich  nider  unde  ptnach. 
210  aber  er  zoruiklichen  sprach: 

»Get  ir  niht  her,  iu  mag  geschehen, 

da3  ir  ungerue  müget  sehen.« 

Diu  arme  dähte:  »und  melde  ich  mich, 

so  ist  verlorn  gar,  wa3  ich 
15  Leides  hie  erliten  hän, 

und  muo3  des  guotes  ab  gestän, 

Da3  man  mir  git:  unsaelde  hat 

mich  hräht  an  dise  veigen  stat.« 

Er  sprach:   «und  weit  ir  nicht  zuo  mir. 
20  so  kum  aber  ich  iu  so,  da3  ir 

Mich  gerne  wisset  anders  wä.» 

er  nam  den  selben  rigel  da 

Und  slnog  ir  manigen  grÖ3en  slak. 

er  sprach:  »so  e3  nü  werde  tak , 
!2o  So  jeht,  ich  hab'  iuch  niht  geslagen; 

ein  Wortzeichen  sult  ir  tragen, 

Da3  muo3  bewarn  mir  den  man, 

den  ir  valschlich  habt  Verlan. « 

Die  armen  er  zen  vue3en  swank, 
30  unt  zukte  ein  me33er  da3  was  lank, 

lud  sneid  ir  ab  ir  schoene  här 

oberthalb  der  örcn  gar. 

Et  sprach:  »ich  bin  an'  angest  z'wär, 

da5  ir  iu  müget  ein  ander  har 
36  Gemachen,  als  ir  113  dem  man 

einen  esel  habt  getan. » 

Nu  bei  80  sere  sich  erregen 
der  wirt,  do  er  si«  h  wolle  legen, 
D13  er  bin  viel  nht  viir  tot. 
'»0      Diu  vrouw'  03  nvoI  ir[n]  vriu*de[u]  böl, 

I  nd  g;il>  im   urlonb  .   und  gie  bin 
Wider  /110  der  kriiM'.n.dni  in , 

Si  ipracfa    «gerfätefin .  n  m4(  «an. 
ich  wil  ouch  iniiicn  mliien  man.» 


344  XLHI.   Jto  vexk^xU  Wixfy, 

245  Diu  arme  sprach:   »da3  triuten  min 

mag  wol  gen  im  verloren  sin; 

Ich  enwei3,  wa3  ir  im  habt  getan, 

ich  han  vür  iuch  ein  buo3e  enpfän, 

Der  ich  gedenken  immer  mak, 
50  so  mangen  ungehiur(e)n  slak 

Het',  ich  waen',  nie  wib  erliten, 

darzuo  hat  er  mir  ab  gesniten 

Min  schoen(e)  här. «.  diu  vrouwe  sprach: 

»wer  niht  lidet  ungemach, 
55  Dem  wart  nie  mit  gemache  wol: 

billich  ich  iiich  ergezzen  sol. » 

Diu  arme  gienk  ze  iren  kinder(n)  wider. 

diu  vrouwe  smukte  sich  dar  nider 

Zuo  irem  wirte  lise  gar. 
60  vor  muede  wart  er  niht  gewar,   . 

Da3  in  da3  vil  karge  wip 

twank  vil  nähen  an  ir  lip 

Unt  twang  ir  wange  an  da3  sin. 
Do  hoch  üf  kam  der  sunnen  schin, 
65  Der  wirt  erwachte,  und  sach  si  an, 

er  sprach:    «hiet  ir  da3  e  getan, 

So  möht  ir  mit  ruowe  sin.» 

si  sprach:    «wa3  meinstu,  herre  min?»  — 

»Ich  mein',  da3  ir  vil  bcese3  wip 
70  mir  habt  bes\vaer(e)t  minen  lip. «  — 

»Mit  weihen  dingen,  herre  min?« 

er  sprach:  »wa3  ist  da3  vingerlin, 

Da3  an  iuwer  snuere  was 

gehangen  ab  hin  üf  da3  gras 
75  Und  gelegt  an  iuwer  zehen? 

nü  weit  ir  mir  da3  ab  ervlehcn. 

Da3  ich  verge33e  sölher  tat, 

die  iuwer  lib  begangen  hat.« 

Si  sprach:  »z'wiu  het'  ich  da3  getan?«   — 
80  »da  het  ir  einen  vremden  man 

HeJ3en  kumen  in  da3  hak; 

diu  snuor  rif  minem  beine  lak. 


XLIII.    Pet  turheljrte  Wixfy.  345 

Do  er  ziehen  die  began, 

dö  kam  ouch  ich,  den1  selben  man 
285  Begreif  ich,  nach  dem  willen  min, 

bi  dem  här  und  den  ören  sin.« 

Si  sprach;  »war  tet  ir  den  man?«  — 

»ir  gewunnet  mir  in  an, 

Also  da5  iuwern  valschen  lip 
90  ich  immer  ha33e,  boese3  wip!«  — 

»Sit  ich  in  iu  an  gewan, 

nü  wahin  hän  ich  in  getan?«  — 

»Da  gäbet  ir  vii  \alsche3  wip 

mir  minen  esel  vür  sinen  lip, 
9ö  Den  hieltet  ir  bi  sinen  ören. 

habt  ir  mich  vür  einen  toren, 

Da  bin  ich  iir  doch  ze  grä. « 

si  sprach:  »wa3  tet  ir  mir  da?»  — 

«Da3  ist  an  iurem  rukke[n]  schin.»  — 
300  si  sprach:   «seht  ir  die  siege  min, 

So  sult  ir  haben  e3  vür  v^är.» 

si  endakte  sich:  da  sach  er  dar. 

Si  sprach:  »ist  schcen'  der  rukke  min, 

su  mag  e3  iu  wol  getroumet  sin.« 
o  Er2  sprach:  »nü  zeiget  iuwer  här.«  — 

«warumbeV«  —  »da  hän  ich' 3  iu  gar 

Ab  gesniten. «  —  »ja,  ir  helt! 

und  habt  ir  mich  darzuo  erweit, 

Dag  in  von  mir  troumen  sol, 
10  da3  miiicii  en:n  stät  niht  wol?« 

Kr  .sprach:  » ir  l.i  .5«-  L  feg  ungern  sehen.«  — 

si  sprich:  »und  ist  es  niht  geschehen, 

SC  sit  ir  gar  .in [ej  sin, 

so  wi^et,  da3  ich  immer  bin 
15  In  {-'eli.15,  und  wil  e3  klagen 

darzuo  Tillen  minen  rn.i^en.« 

I  1    '•pr.iih:  »den  zorn   weit  ir  hän 

dar nnil).  ich  mue.-/  13  w  HHian 

1      /"     'Ir,       11,1,       (Il-IM 
i      1,1     n  II      ■ 


346  XLIII.    Per  uerkeljrte  Wixfy. 

\Vi33et,  sin  mag  niht  geschehen, 
320  ich(n')  rnue3*  iuch  schön  gestrel(e)t  sehen.« 
Si  sprach:  »weit  ir  sin  niht  enbern, 
so  133'  ich  iuchc3  sehen  gern: 
So  hän  schön  gestrelet  ich 
gegen  im,  mit  dem  ir  zihet  mich.«  - 

25  Si  brach  ir  risen  ab  in  zorn, 

und  sprach:  »han  ich  min  här  verlorn, 
Da3  ist  dem  leid,  durch  den  ichc3  tragen 
wil  an  den„nähsten  vire  tagen. « 
Nu  was  der  vrouwen  här  so  lank, 

30  da3  e3  ir  üf  diu  hüffel  sprank. 

Der  wirt  erschrak,  und  dähte:  »ich  bin 
unsselig  und  gar  än(e)  sin  I 
Wes  hän  gezigen  ich  min  wip? 
e3  ist  billich,  da3  mir  ir  lip 

35  Nimmer  mere  werde  holt, 

da3  hän  ich  wol  gen  ir  verscholt. 
Wäfen,  wie  ist  mir  geschehen! 
und  het*  ich  selber  niht  gesehen 
Ir  schoenen  üb,  ir  schcen(e)  här, 

40  ich  wolte  waenen,  e3  waer'  war.« 
Er  sprach:  »liebe  vrouwe  min, 
nü  la3et  in  wer  zürnen  sin, 
Wan  ich  mit  iu  geschimpfet  hän.« 
si  sprach:  »des  sült  ir  mich  erlän, 

45  Da3  ir  die  schimpfe  mit  mir  haut, 
die  mir  an  min  ere  gänt: 
Nu  suochet  sölhiu  wib  genuok, 
die  solhe  schimpfe  hän  verguot. « 
Er  sprach:  »liebe  vrouwe  min, 

50  von  samit  oder  von  baldekin  l 
Gib'  ich  iu  einen  mantel  guot, 
da3  ir  lät  iuwern  zornes  muot.« 
Si  sprach:  »nü  si  durch  iuch  getan; 
ir  sült's  aber  vürba3  raicn  erlän.» 

•  In  der  Hds.  samal- Baltekain 


XLIII.    Per  pfrheljrte  IPirth-  347 

355       Nu  raüht(e)  wir  des  wi35en  niht, 
von  weihen  dingen  diu  geschiht 
Waer'  geschehen,  wan,  das  wtp, 
der  zerslagen  wart  der  lip, 
Diu  saget'  e3,  durch  solhen  muot, 
60  diu  vrouw(e)  wolt'  ir  niht  da3  guot 
Geben,  da3  si  ir  het  benant: 
da  von  wart  uns  da3  maere  bekant.  — 
Der  iueh  der  äventiur(e)  mant, 
der  ist  von  Wildonie  Herrant. 


XLIV. 

I  i  e     $>  e  i  d)  t  e. 


njy 


*  <«     '$  i 


Ein  Mann  wohnte  vor  einem  Walde,  fernab  von  der  Kirche.  An 
einem  Palmsonntage,  da  tiefer  Schnee  lag,  und  alle  Leute  zur  Beichte 
gingen,  machte  der  Mann  seiner  Frau,  von  der  er  viele  kleine  Kinder 
hatte,  den  Vorschlag,  weil  die  Wege  so  verschneit  wären,  sich  daheim 
gegenseitig  zu  beichten  und  zu  sühnen.  Die  Frau  willigte  ein,  kniete 
nieder  vor  ihm,  und  beichtete:  als  im  vorigen  Jahr  ihr  junger  Herr 
gegen  sie  beide  sehr  erzürnt  gewesen,  habe  sie  ihn  zu  sich  gelegt,  so 
dafs  er  ihm  gnädig  geworden;  der  Amtmann  Heinrich,  der  ihm  auch 
Schaden  gethan ,  habe  zur  Ärnlezeit  sie  beredet,  ihn  in  ihre  Stube  zu 
lafsen  und  seinen  Willen  zu  thun ;  auch  ihr  Nachbar  Kunz  habe  sie, 
als  sie  vom  Brunnen  gegangen,  zu  seinem  Willen  verleitet;  und  auf  dem 
Wege  zur  Mühle  habe  ein  Pfaffe  sie  angehalten  und  bewogen,  ihm  zu 
Willen  zu  sein. 

Auf  des  Mannes  Frage,  ob  das  alles  sei,  betheuerte  sie  es,  und 
gelobte  Befserung,  und  der  Mann  bog  sie  in  seinen  Schoofs,  gab  ihr 
drei  kleine  Stöfse,  und  verzieh  ihr  in  Gottes  Namen  die  Schuld. 

Sie  forderte  hierauf  seine  Beichte,  und  er  versicherte,  so  lange  sie 
sein  Weib,  sei  er  ihr  nicht  untreu  gewesen,  aufser  einmal,  da  ihr 
Dienstmädchen  Adelheid  am  Feuer  gelegen  in  einem  feinen  Hemde, 
durch  weiches  ihr  Leib  so  minniglich  geschienen,  dafs  er  seinen  Willen 
mit  ihr  gethan  habe. 

Da  schalt  das  Weib  laut  den  treulosen  Mann,  ergriff  ihn  bei  den 
Haaren,  zog  ihn  zur  Thüre  hinaus  und  schlug  ihn  mit  dem  verkehrten 
Besen. 

Wo  der  Mann  vom  Weibe  geschlagen  wird ,  das  heilt  nimmer.  Gott 
züchtig«  dit-  treulosen  Weiber,  die  ihre  Männer  um  kleine  Schuld 
meistern  wollen 


XLIV. 

Diu    b  i  h  t  e. 


Ein  man  vor  einem  walde  sa5- 

in  dühte,  er  sa33(e)  niendert  ba5, 

Wan  da3  er  niemer  des  vergas« 

da3  er  der  kirchen  ze  verre  was». 
5  Sich  vuogt'  an  einem  balmtage. 

als  noch  die  liut(e)  gänt  ze  der  klage 

l'nd  alle  liut'  ze  kirchen  sinl , 

der  man  het  vil  kleiniu  kint. 

Do  was  der  sne  unma3en  grö,5, 
10  da3  in  der  kirchverte  bedrÖ3. 

Er  nam  zuo  der  vrouwen  rat, 

und  sprach:  »ze  der  kirchen  niht  pfades  gät; 

Vrouwe,  du  solt  hinten  mir: 

also  wil  irli  tuon  ouch  dir. 
15  I)a.5  tuon  ictS  alles  um  ho  da;}. 

da;;  linder  uns  word'  (lest  minder  ha,3- >- 

Diu  %  i « 1 1 1  bedahf  sich  staet 

da3  si  d,i3  gerne  t.el  c), 

l'nt  kniuwet'  nidcr  vür  irn  wirt, 
U  si  sprach:   »reit  wurden   wir  vorirt 

Gen  iiDserm  jungen  heiren , 

dor  trtlOg  uns  großen   uerron: 
Don  hin  ich  .sidor  geleit  zuo  mir, 
sid  ist  er  gmecüg  forden  dir. 
25  Und  Heinrich  dei  amman, 
der  hat  dir  oach  vil  leid  getan . 

4     llmf.         •««••■  II  l.\ 


354  XLIV.    flte  JMcfcte, 

Vert  dö  man  da3  körn  sneit, 
dö  prueft'  er  mit  siner  kündikeit, 
Da3  ich  in  in  die  Stuben  lie, 

30  sin  willen  er  an  mir  begie. 

Unt  Kunz,  der  unser  nächgebür  ist, 
der  erdäht'  im  einen  list, 
Da  ich  von  dem  brunnen  gie, 
bi  der  hend'  er  mich  gevie 

35  Und  meret'  mir  min  vröude  ie, 
bi3  da3  sin  wil  an  mir  ergie. 
Dö  ich  ze  müle  solte  gän, 
dö  sach  ich  an  dem  wege  stän 
Einen  pfaffen  wo! getan, 

40  der  wolt(e)  mich  ouch  nihts  erlän, 
Er  vürtrat  mir  da3  pfat, 
also  vast  er  mich  bat, 
Da3  ich  in  naem',  durch  sin  bet' 

'     ich  ouch  sinen  willen  tet.« 

45      Er  sprach:  »sag'  üf  die  triuwe  din, 
mag  aber  ir  iht  mer(e)  sin?« 
Si  sprach:  »ich  hän  dir  gar  verjehen; 
e3  sol  niemerme  besehenen.« 
Er  bouk  si  in  sin  schoe3elin 

50  und  gab  ir  driu  stoe3elin, 

Er  sprach:  »vergeben  si  dir  din  schult 
vor  Got,  so  habe  ouch  min  hult.« 
Si  sprach:  »nü  wil  ich  niht  gedagen, 
du  solt  mir  ouch  din  bihte  sagen, 

55  Du  vil  kündiger  '  man, 

wa3  hästu  wider  Got  getan?«  — 
»Vrou,  sid  du  mir  würd'  geben  ie, 
sid  über  hüpft'  ich  dich  nie, 
Nufn)  unser  dirne  Adelheit, 

60  diu  het  sich  gen  dem  viur  geleit, 
Ein  kleine3  hemde  het  si  an, 
ir  wi3er  IIb  dar  durch  schein, 

1  sündiger? 


XL1V.    ü»if  Setzte.  355 

Ich  sach  ir  iren  stolzen  lip, 

dö  was  si  gar  ein  minniklich  wip, 
65  Und  gevuegt'  sich  sider  hie, 

da3  min  wil  an  ir  ergie.«  — 
»Owe,  ir  vil  boeser  man, 

habt  ir  da3  wider  mich  [erbaer'  wlb]  getan!« 

Si  nam  den  man  bi  dem  här, 
70  si  zöch  in  umb  vil  ungevär, 

Si  zöch  in  Ü3  vür  die  tür, 

si  kert'  dem  besem  da3  hinder  her  vür 

Und  sluog  in  damit  ser(e). 
Da3  heilet  nimermer(e), 
75  Swa  ein  man  von  wiben  wirt  geslagen, 

sust  hoer>  ich  da3  maere  sagen, 

Und  wil  stn  machen  ein  end(e). 

da3  Got  diu  valschen  wip  schend(e), 

Die  gro?3er  schuld  hän,  dan  ir  man, 
80  da3  wünsch'  ich,  so  ich  beste  kan, 

Da3  in  Got  geb'  ein  boese3  jär, 

beidiu,  stil  und  offenbar, 

Sid  si  von  kleiner  schuld  went  twingen 

die  man  mit  allen  dingen. 


XLV. 


Per  begrabene  (Cljemann. 


Ein  Mann  betheuerte  seinem  Weibe,  sie  sei  ihm  lieber,  als  der 
Griechen  Gold.  Sie  verlangte  zum  Beweise  die  Gewährung  einer  Bitte, 
so  wie  sie  alles  thäte,  was  er  verlange,  weil  sie  ihn  tausendmal  lieber 
habe,  als  er  sie.  Er  gelobte  es,  und  sie  forderte,  dafs  er  glaube,  was 
sie  ihm  sage.  Er  beschwur  es ,  und  sie  entbod  ihn  am  hellen  Mittage 
zum  Abendefsen  und  Schlafengehn.  Er  wandte  den  Tag  ein,  und  sie 
schalt  ihn  eidbrüchig,  und  sagte  ihm  ihre  Huld  auf.  Er  bereute,  und 
bat  um  Sühne.  Sie  gewährte,  und  warnte.  Zwölf  Tage  daraufsagte  sie 
ihm  eine  andere  Unwahrheit,  und  ward  durch  den  Erfolg  ihrer  Herr- 
schaft versichert.  Sie  versuchte  ihn  nun  stärker,  und  hiefs  ihn  in  ein 
warmes  Bad  geben,  das  aber  kalt  war :  er  fand  es  warm  genug,  obschon 
er  heftig  darin  fror;  und  sie  bewies  sich  ihm  nun  so  hold,  und  kirrte 
ihn  so,  dafs  er  auf  ihr  Wort  geglaubt  hätte,  die  Erde  sei  Gold.  So  trieb 
sie  es  wohl  ein  halbes  Jahr. 

Da  war  in  der  Stadt  ein  Pfaffe,  der  die  Frau  oft  um  ihre  Gunst  bat, 
und  es  nun  dahin  brachte,  dafs  sie  ihn  minnete.  Eines  Tages  sah  ihr 
Mann  sie  von  ihm  aus  dem  Stadel  (Scheune)  gehen.  Er  tadelte  ihre 
Vertraulichkeit  mit  dem  Pfaffen;  sie  aber  betheuerle  ihre  Treue,  schall 
»'•in  Misstraun,  und  drohte,  sich  ganz  von  ihm  zu  scheiden:  er  gelobte 
alles  gut  zu  beifsen ,  was  sie  sage  und  thue,  und  sie  bezeigte  sich  ihm 
so  hold ,  dafs  er  das  beste  Weib  zu  haben  wähnte.  Die  Frau  gewann 
aber  den  Pfaffen  dermafsen  lieb,  dafs  er  ihr  ihren  Mann  verleidete.  Als 
er  eines  Tages  vom  Felde  kam  ,  fragte  sie,  was  ihm  geschehen,  weil  er 
so  bleich  sei,  und  hiefs  ihn  zu  Bette  gehen.  Sie  holte  den  Pfaffen  ,  liefs 
den  Todkranken  beichten  und  ihm  das  Nachtmal  reichen.  Dann  gab  sie 
ihm  eine  Kerze  in  die  Hand,  drückte  ihm  die  Augen  zu,  und  erklärte 
ihn  für  gestorben.  Man  legte  ihn  auf  die  Bahre,  die  Nachbaren  kamen, 
man  bewachte  ihn  die  Nacht,  und  trug  ihn  am  Morgen  zur  Kirche. 
Die  Frau  webklagte  und  zerraufte  ihr  Haar,  wünschte  jedoch  mit 
dem  Pfaffen  sich  des  (jeäffien  zu  entledigen,  der  aus  Liebe  und  Furcht 
fid  alles  gefallen  liefs.  und  Erlösung  hoffte,  bis  man  ihn  ins  Grab 
senkte  und  schb-uni^'  begrab.  Da  rief  er  und  machte  sich  auf  alle  Weis« 
wrnfhmlirh:  der  Pfaffe  aber  gebot  Allen,  einen  Segen  zu  sprechen,  um 
den  Teufel  von  dem  armen  l.r-ichnam  zu  vertreiben.  Das  Weib,  und 
•dir  Gegenwärtigen  sprachen  Amen  dazu.  Vergeblich  schrie  der  Mann 
>n  d'-r  Gruft,  die  beiden  blieben  dabei,  es  wäre  der  Teufel,  und  Ueftefl 
ihn  tiefet  wied«r  ausgraben  So  kam  er  um  sein  Leben,  weil  er  sich 
>'in  «inem  thonchten  Weibe  beherrschen  lieft 


XLV. 

Der  begrabene  einan. 


Dii  maere  , seit  ,  wie  ein  wip  iren  man 
Jebendik  besruob  iesän. 


Kin  inan  sprach  wider  sin  wip: 

»du  bist  mir  liep  also  der  lip. 

Z'wäre,  waerest  du  mir 

so  rehte  holt,  als  ich  dir, 
5  Da3  naem'  ich  vür  der  Kriechen  golt; 

dun  enmühtest  mir  nimmer  so  holt 

Werden,  als  ich  dir  bin; 

mir  ist  da3  herze  und  der  sin 

So  rehte  sere  an  dich  geslaijen. 
10  da3  ich  dir  nimmer  kan  gesagen.« 

Si  sprach:  >A<\^  lä  werden  schin; 

ich  tet  durch  den   willen  din, 

Swei  «In  mich  ic  ^ebsete. 

und  bin  dran  immer  stiele. 
lo  Tuo  ein  dink,   des  ich  dich  bit'; 

des war,  (l.i  wirbest  du  mit. 

I-.-,   -I    weiiik   oder   vil, 
d.13  ich  0g  immer  alle3  tuon  wil. 
Swei  du  gwinnest  ane  mich , 
20  und  mW  des  inue  bringen  duli. 
|);r,  du  noch  lieber  bist  mir 
tüsenl  Blunl    dan  ich  dir. « 


362  XLV.    Jfrtt  bt$t*bem  (ßijemann. 

Er  sprach:  »nü  sage,  wa3  ist  das? 

ich  tuon  e3  michel  vürba3, 
25  Danne  dücs  immer  gegerest; 

darumbe  da3  du  mich  des  gewerest, 

Da3  du  also  sere  mirinest  mich 

mit  triuwen  immer,  als  ich  dich.« 

Si  sprach:  »des  geloube  mir, 
30  min  trüt,  swa3  ich  gesage  dir, 

E3  muet  ein  ietslich  wip, 

und  get  ir  rehte  an  den  lip , 

Swa3  si  gesaget  ir  man, 

da3  er  des  niht  gelouben  kan, 
35  Uns  entuot  kein  dink  so  we.« 

er  sprach:  »enist  des  niht  me, 

Des  du  mich  bitest?«  si  sprach:  »nein.« 

er  sprach:  »da3  wa3r'  ein  mort  und  [ein]  mein, 

(En)waer'  ich  dir  des  vil  bereit; 
40  ich  wil  dir  sweren  einen  eit , 

Durch  da3  du  mir  so  wol  behagest, 

swa3  du  (immer)  mir  gesagest, 

Da3  ich  des  gelouben  wil; 

diner  triuwen  ist  so  vil, 
$5  So  du  mich  minnest,  als  ich  dich, 

da3  du  nimmer  getriugest  mich.« 

Als  er  der  rede  volle  vuor, 

da3  er  ir  den  eit  geswuor, 

Do  gedähte  si  daran: 
50  »wie  versuoch'  ich,  ob  min  man 

Gelouben  welle  da3  ich  sage?« 
Da3  was  an  einem  mitten  tage, 

Si  sprach:  »geselle,  e3  ist  naht, 

ich  hän  uns  z'e33en  gemäht, 
55  Wir  sollen  e33en  und  släfen  gän.« 

er  sprach:  »wie  hästu  so  getan? 

E3  ist  noch  küm'  mitter  tak.«  — 

»da3  ich  din  ie  so  wol  gepflak,« 

Sprach  da3  wlp  »da3  ist  mir  leit. 
60  nü  hoere  ich  die  warheit, 


XLV.    IDer  begrabene  ((Ehemann.  363 

Da3  der  manne  triuwe  boese  ist. 

sit  du  meineit  worden  bist 

In  so  kurzer  wile  wider  mich; 

ich  wolt'  und  hän  versuochet  dich, 
65  Üb  din  triuwe  und  din  eit 

heten  deheine  staetikeit: 

Nu  sich  ich  unde  heere  wol, 

da3  ich  dich  immer  haben  sol 

Vür  ein  triuwe  löse3  va3. 
70  wa3  hete  dir  geworren  da3, 

Doch  ich  dir  sagte,  e3  waer'  naht, 

hetestu  dich  wärhaft  gemäht, 

Und  hetest  gesprochen:  «e3  ist  war?» 

ich  hän  me  danne  ein  halp  jär 
75  [Noch]  ba3  getriutet  dinen  lip, 

dannoch  ie  dehein  wip 

Ir  manne  me  getaete: 

so  ist  din  triuwe  unstsete, 

Des  scheidet  sich  (diu)  vriuntschaft  nü. 
80  ich  sach  e3  also  wol,  als  du, 

Da3  e3  küm  mitte(r)  tak  ist, 

wan,  da3  ich  e3  tete  durch  den  list, 

Da3  ich  dich  damit  ervuor.« 

vil  sere  si  bl  ir  libe  swuor, 
85  (Er)  gewünne  ir  hulde  nimmerme. 

diu  drö  diu  tet  im  also  we, 

Da3  er  vil  küme  genas, 

wan  im  da3  wlp  so  liep  was. 

Dag  wort  er  Irüriklichcn  sprach: 
90  »Oft,  da3  e3  mir  ie  geschach, 

J)a3  Ieit  unde  d.15  unheil! 

d,i  von  llde  ich  grölen  mcil 

An  allern  mlncm  llbe, 

<la5  ich  mlncm  wtbe 
Oo  Nihl  gevolget  hän  so  vil 

an  irern  lugenthaltcn  spil . 

Da3  ist  mir  leil  vil  sere, 

mit  klag'  vr0  vrouNven  Ere, 


364  XLV.    Jbtx  begrabene  (Ermann. 

Und  muo3  ouch  [da3]  Got  erbarmen; 

100  e3  was  mir  werlt  armen 

Verge35en,  sam  mir  min  lip.« 
;    dö  kniete  er  nider  vür  da3  wip, 
[Er  sprach:]  »liebe  vrouwe  sue3e, 
gunne  mir,  da3  ich  e3  bue3e, 
5  Und  da3  ich  e3  immerme  getuo; 
ich  wil  dir  geloben  darzuo, 
Geschaeh'  e3  mir  iht  me, 
da3  e3  immer  unversuenet  ste.« 
Si  sprach:  »so  wil  ich  e3  varn  län: 
*     10  du  solt  da3  vil  gewis  hän, 
E3  muet  mich  nü  so  sere, 
getuostuc3  immer  mere, 
So  ist  diu  vriuntschaft  dahin, 
unt  kumest  nimmer,  da  ich  bin.« 

15  Dö  was  er  vrö,  da3  si  den  zorn 
so  schiere  hete  verlorn.  * 
Darnach  in  zwelf  tagen 
begunde  si  im  aber  sagen 
Ein  gelogen  maere,  umbe  da3, 

20  da3  si  in  versuochen  wolte  ba3; 
Si  dühte  an  disem  maere, 
da3  si  sin  meister  waere, 
Des  wart  si  stolz  unde  balt: 
si  macht'  ein  volbat  da3  was  kalt, 

25  Und  sprach:  »gank  in,  e3  ist  warm.>; 
dö  was  er  des  muotes  so  arm, 
Da3  er  dawider  niht  ensprach; 
wan  er  sich  aber  des  versach. 
Das  er  ir  hulde  verlür; 

30  swie  sere  er  in  dem  bade  vriir, 
Er  sprach:  »e3  ist  warm  genuok.« 
wan  er  da3  so  wol  vertruok, 
Des  wart  ir  herze  vröuden  vol, 
sit  bot  si*5  im  also  wol, 

1  \  erkor  11 ".' 


XLV.    13er  begrabene  (ßbemaun.  365 

135  Sam  si  davor  e  getaete, 

und  beleip  daran  so  staete, 

Da3  si  in  ir  machte  so  holt, 

hete  si  gesprochen:  »diu  erde  ist  golt,» 

Er  hete  gesprochen:  »e3  ist  war.« 
40  da3  tet  si  ouch  wol  ouch  wol  ein  halp  jär. 
Do  was  ein  pfaffe  in  der  stat. 

der  si  des  libes  dikke  bat, 

Swen  erl3  gevuegen  künde; 

das  treip  er  an  die  stunde, 
45  Das  s*  m  niinnen  began. 

eines  tages  sach  si  ir  man 

Von  im  Ü3  ir  stadel  gän, 

er  sprach:  »da3  ist  missetän. 

Das  du  dem  pfaffen  [so]  heimlich  bist.» 
50  si  sprach:  »du  liugest,  wi33e  Krist' 

E3  muet  aber  dinen  sin, 

da3  ich  dir  so  holt  bin; 

E3n'  wart  nie  wip,  geloube  mir. 

ir  manne  holder,  danne  ich  dir; 
55  Wil  du  mir  des  gelouben  niht, 

und  sprichest  du  dawider  iht, 

Ich  tuon  dir  sulhen  zorn  schin, 

da3  wir  gescheiden  immer  sin. 

Swa3  ich  gespriche  und.begän, 
00  wil  du  da3  niht  vür  guot  hän, 

D15  soltu  baldr  Bogen  mir, 

so  wil  ich  mir-h  Beneiden  von  dir.« 

El  sprach:  »03  ist  alle,  guol. 

swa3  dln  reiner  lip  getuot; 
Oo  Dlmo   wort  [diu]  sint  alle  war; 

Boldesta  leben  tfaend  jli  • 

Ich  gextbe  dich  nihtei  ml 

du  tet  si  im  aber  b.15,  den  »"•. 

Si   bot  ej  irn  wol  und  dimnoch   ba3; 
70  so  Lange  begjerte  si  11,13. 

Uni  si  in  darsno  brAhte, 

dftg  <r  ze  allen  ittcn  dlhte 


366  XLV.    Jfrtt  begrabene  (jEljemonn. 

wich  hän  da3  allerbeste  wip, 

diu  ie  gewan  wibes  lip.« 
175      Doch  wart  e$  so  geschaffen, 

da3  si  den  selben  pfaffen 

So  sere  minnen  began, 

da3  ir  erleidet'  ir  man, 

Da3  tet  si  schin,  ich  sag1  iu,x  wie. 
80  eins  tages  do  er  von  akker  gie, 

Do  begunde  si  in  ane  sehen, 

si  sprach:  »wa3  ist  dir  geschehen? 

Da3  ich  min  leben  ie  gewan!«  — 

»wa3  meinstu,  liebe?«  sprach  der  man 
85  Si  sprach:  »da  bistu  garwe 

tot  an  diner  varwe; 

Dir  wil  des  tödes  smerze 

iezuo  gen  an  din  hefze; 

Da  enist  leider  niht  wider. 
90  gank  an  din  bette  und  lege  dich  nider. 

We  mir,  du  wilt  sterben! 

la  mich  dir  den  pfaffen  erwerben, 

Da3  er  dir  die  sele  bewar.« 

do  brähte  si  den  pfaffen  dar, 
95  Und  hie3  in  sprechen  sin  bihte. 

des  erbat  si  in  vil  lihte, 

Er  wolt'  an  allen  dingen 

ir  willen  vollen  bringen. 

Des  twank  in  zweier hande  not, 
200  da3  si(c3)  im  so  wol  erbot, 

Und  ouch  da3  nie  dehein  man 

ein  wip  so  rehte  liep  gewan. 

Do  si  sin  bihte  vernämen, 

und  er  Gotes  lichamen 
5  Zuo  dem  töde  (da)  genam, 

und  der  pfaffe  danne  kwam, 

Do  gab  sim  an  sine  hant 

ein  kerze,  diu  was  schon  enbrant, 

Unt  tet  im  diu  ougen  zuo. 
10  si  sprach:  »lieber  man,  nü  tuo, 


XLV.    JJer  begrabene  tffyemann.  367 

Sam  die  ouch  sint  in  dirre  not; 

wan  leider  mir,  du  bist  tot; 

Dun'  ensolt'  dich  nimmer  me  geregen. « 
Si  begunden  in  üf  die  bare  legen, 
215  Die  brähte  si  vil  schiere  dar. 

dö  körnen  ir  gebüren  gar, 

Die  naht  man  im  wachte, 

unz  sich  der  tak  üf  machte, 

Zuo  der  kirchen  man  in  truok. 
20  dö  roufte  si  sich  unde  sluok, 

Si  gienk  im  weinunde  mite 

und  hete  klegeliche  site. 

Die  sele messe  man  im  sank; 

die  wile  idoch  vil  unlank 
25  Darnach  truok  man  in  ze  grabe. 

si  körnen  sin  beide  gerne  abe, 

Da3  wip  und  ouch  der  pfaffe: 

dannoch  wänt'  der  äffe, 

Si  versuocht'  in  aber  also 
30  und  wolt'  in  darnach  machen  vrö, 

Da3  wolt'  er  vil  gewis  hän. 

so  lange  het  er  den  wän, 

Unz  man  in  in  da3  grap  huop 

und  in  vil  balde  begruop. 
35  Do  e3  im  an  die  rehten  not  gie, 

dö  rief  er  an  alle  die, 

Die  da  umb  da3  grap  waren, 

und  begunde  gebären, 

Als,  den  da  twinget  der  tot. 
40  der  pfafl'e  in  allen  dö  gebot, 

I)a3  si  einen  segen  vür  sich  taeten 

und  Got  vil  sere  bauten, 

D.15  er  den  tiuvel  da  vertribe , 

dag  W  nihl  lenger  da  belibe 
45  Bl  dem  armen  llchamen. 

si  ipracb:   »dag  werde  \\;lr.«  —  »amen' 

Spradl  do  man  unde   wip. 

ais«j  ferlöi  er  ilneo  Hi>, 


368  XLV.    jDer  begrabene  (gfyemann. 

Swa3  er  gerief  und  geschrei, 
ioO  dö  sprächen  doch  disiu  zwei, 
Diu  da  westen  diu  msere, 
da3  e,3  der  tiuvel  wsere, 
Und  lie3en  in  niht  113  graben, 
den  schaden  muost'  er  des  haben . 
55  Da3  er  sazt'  ein  tumbe3  wip 
ze  meister  über  sinen  lip. 


XL  VI. 

Pas    beiße   <ß  t  f  e  n. 


4        Hn,.n  BllflltllWW  I  'i\ 


Ein  Weib  pries  ihren  Mann,  und  betheuerte  ihm,  dafs  kein  Weib 
ihren  Mann  so  lieb  hätte,  verlangte  aber  dieselbe  Versicherung  von  ihm. 
Kr  erbot  sich  zu  jedem  Beweise,  und  sie  forderte  die  Feuerprobe  seiner 
Irene,  dafs  er  ein  heifses  Eisen  tragen  solle.  Er  war  bereit  dazu:  das 
Eisen  wurde  alsbald  geglühet,  und  auf  zwei  Steine  gelegt;  der  Mann 
hatte  zuvor  einen  Span  in  seinen  Aermel  gesteckt,  welchen  er  unver- 
merkt in  die  Hand  gleiten  liefs ,  als  er  hinzutrat,  das  glühende  Eisen 
aufhob,  und  es  sechs  Schritte,  mit  Betheurung  seiner  Treue,  trug;  wo- 
rauf er  den  Span  wieder  heimlich  in  den  Aermel  schob,  und  die  un- 
versehrte Hand  zeigte.  Die  Frau  war  befriedigt,  und  verhiefs  ihm  ihre 
«täte  Huld.  Der  Mann  forderte  nun  aber  von  ihr  auf  der  Stelle  denselben 
Beweis.  Sie  meinte,  er  wäre  ohnediefs  schon  von  ihr  überzeugt,  dafs 
er  ihr  tausendmal  lieber  als  ihre  Seele  sei.  Er  jedoch  bestand  darauf, 
liefs  das  Eisen  wieder  ins  Feuer  legen  und  glühen.  Da  sie  sich  nicht 
mehr  weigern  konnte,  bat  sie  ihn,  den  starken  Mann,  um  Nachsicht  mit 
dem  schwach  geschaffenen  Weibe,  und  umZulafsung  nur  Eines  Mannes, 
welchen  sie  aufser  ihm  gehabt  habe.  Er  bewilligte,  drang  aber  auf  die 
Feuerprobe.  Darauf  bat  sie  noch  um  zwei  Männer,  und  als  auch  diese 
zugestanden  wurden,  erbotsie  ihm  drei  Pfund  Geldes,  welche  sie  heim- 
lich bewahre,  wenn  er  ihr  noch  drei  Männer  verstaue.  Er  gewährte 
.im  h  diefs,  drohte  ihr  aber  den  Tod,  wenn  sie  fürder  Ausrede  mache. 
Sie  musit.-  al«o  schweigen,  und  nahm  das  Eisen,  verbrannte  sich  aber 
so  sehr,  dafs  sie  es  schreiend  fallen  liefs.  Er  hatte  ein  Wachs  und 
In<h  bereit,  sie  damit  zu  verbinden:  sie  aber  wies  ihn  zurück  ,  und 
wehklagt«,  dafs  ihre  Hand  für  immer  unbrauchbar  sei.  Da  gerielh  er 
m  Zorn,  verkündigte  ihr  leinen  Abscheu,  und  schall  ihre  eingestandene 
rreulonigkeil    für  irelehe  lic  den  rerdienten  Lohn  empfangen  habe. 


XLVI. 

Da3  hei3e  isen. 


\)\i  isi  ein  maere  guot  genuok  . 
wie  ein  wip  das  hei3e  isen  Iruok.  * 


l^in  wip  sprach  zuo  ir  man: 
tla5  ich  din  künde  ie  gewan, 

Des  wil  ich  immer  wesen  vro; 

(iot  hat  dich  gezieret  so 
5  An  schoenc  und  an  vrümikeit. 

und  hat  so  gar  an  dich  geleit, 

Swa3  einem  manne  wol  geziml , 

d;«5  mir  diu  sorge  den  lip  benimt, 

Die  ich  din  vor  andern  wiben  hau; 
10  w;rr'  diu  muot  uü  50  getan, 

Da 5  du  mich  des  gewis  tagtest, 

'i-i,5   du  niht  ander  wip  ha-test, 

Da3  wolt'  ich  immer  men- 

gedieoen  alsä  vre, 
I  >  Dag  du  des  selben  jshefil 

td  « 1  ii  die  warheit  saehest, 

Da£  nie  kein   wip   Üreo  man 

\«»n  herzen  al*6  Kep  gewänne« 

•  /,.  ,/.,  h,..,t  ii t-   \n  icbel,  fini  *cUi<-ni  ruogi  di«  iwri  4«)  hfiy 

i«.rn   Uno,. 


374  XL  VI.    IDaa  l)ttßc  «ifen. 

Er  sprach:  »vil  liebiu  minne  min, 

20  ichn'  ger  keines  wibes ,  den  din, 
Da  bist  mir  lieber,  danne  liep; 
ich  si  ein  ungenaemer  diep, 
Hän  ich  deheine,  wan  dich; 
so  dir  Got,  niht  enzihe  mich, 

25  Da3  ich  solhe3  iht  tuo, 
da  bistu  mir  ze  liebe  zuo; 
Ich  bin  dir  gerne  bereit 
aller  der  gewisheit, 
Der  du  an  mich  geruochest, 

30  da3  du  wol  versuochest, 
Da3  ich  dinen  lieben  lip 
minnen  wil  vür  alliu  wip.« 
Si  sprach:  »unde  tuostu  da3, 
so  wart  nie  kein  man  ba3 

35  Gehandelt  von  si[ne]m  wibe, 
dan[ne]  du  von  minem  übe  i 
Gehandelt  immer  werden  muost, 
ob  du  mir  ein  gerihte  tuost, 
Des  ich  dich  wil  bewisen: 

40  trag  mir  da3  hei3e  isen, 

Als  liep  ich  dir  ze  vriunde  si. 
da  wil  ich  rehte  sehen  bi, 
Welch  liebe  du  zuo  mir  hast, 
und  ob  du  äne  schulde  stäst, 

45  Des  wil  ich  von  dir  niht  enbern; 
und  wilt  du  mich  es  niht  gewern, 
So  hästu  immer  minen  ha3, 
so  laestu  e3  niht,  wan  umbe  da3, 
Da3  du  minnest  ander  wip 

50  und  enahtest  niht  üf  minen  lip.a 
Er  sprach:  »diu  rede  ist  äne  not, 
mir  waer'  lieber  der  bitter  tot, 
Danne  ich  erwürbe  dinen  ha3; 
ich  tuon  vil  gerne  alle3  da3, 

'  Dies  Reimpaar  fehlt  in  D- 


XL  VI.    Uas  Ijeiße  «ifeti.  375 

55  Damit  ich  dir  gedienen  mak; 

ichn'  wil  dir  weder  naht,  noch  tak 

Dines  willen  niht  versagen; 

ich  wil  da,3  isen  iezuo  tragen 

Darumbe,  da3  Got  bescheine, 
60  da3  dich  alters  eine 

Mit  triuwen  minnet  min  Hp, 

und  anders  an  dehein  wip 

Nie  gewan  keinen  muot.c< 

da3  tsen  wart  ze  hant  gegluot. 
65  Zwen'  steine  wären  da  bereit. 

da  wart  da3  isen  üf  geleit, 

Da  03  nach  sinem  rehte  lak. 

si  sprach:  »hebe  üf  unt  trak, 

Da3  ich  dine  triuwe  ervar.« 
70  der  man  neigte  sich  dar: 

Do  het  er  einen  gevuegen  spän 

vor  in  den  ermel  getan, 

Den  Iic3  er  vallen  in  die  hant. 

da3  es  da3  wip  niht  bevant, 
75  Darüf  nam  er  da3  isen: 

er  sprach:  »nü  sol  Got  wisen, 

I)a3  dir  min  11p,  noch  min  gedank 

noch  nie  getet  keinen  wank 

Ind  dir  was  ie  mit  triuwen  mit.« 
HO  er  Iruog  e,5  m<r  dan  sehse  schrit; 

Do  da5  schiere  was  getan, 

«1<»  bark  er  aber  sinen  spän 

I  nde  lie  si  die  hant  sehen. 

H  sprach:  »ich  wil  dir  immer  jenen, 
BS  Dag  »In  dich   wol  bewart  hast 

und  alles  ralsebtfi  Ina  stäst, 

Diu   haut  ist  scluene .  als  ein  golt. 
i<  h  wil  dir  immer  wesen  holt.« 
Kr  spi.irh:   odei  löne  dir  Got; 
PO  im  ist   min  bei'  und  min  gebot, 
Da3  ouch  du  mir  da3  isen  ürajNH . 
iibn'  stau-  nihl.  iaj)  du  mir\5  versagest, 


376  XLVI.   Pae  t)t\fa  dEtfen. 

E3  muo3  hie  zehant  gesehen, 
ich  wil  ouch  dine  triuwe  sehen.« 

95  Si  sprach :  »trüt  geselle  min , 
darzuo  wil  ich  dir  ze  liep  sin, 
Da3  e3  immer  koem'  in  dinen  gedank. 
da3  ich  dir  [so]  getaete  keinen  wank; 
Du  weist  doch  wol,  wie  mir  ist, 
100  da3  du  mir  tusentstunt  bist 
Lieber  danne  diu  sele  min.« 
er  sprach:  »lä  die  rede  sin, 
Dune  woldest  mich  sin  niht  erlan, 
z'wär,  also  wirst  ouch  du  getan, 
5  Dune  kanst  dich  sin  niht  entsagen, 
du  muost  da3  isen  iezuo  tragen.« 
Zehant  erc3  in  da3  viuwer  truok 
unde  gluol'  e3  scre  genuok 
Und  leit'  e3,  da  e3  ouch  im  lak, 

10  er  sprach:  »hebe  üf  unt  trak 
Diewile  und  e3  die  hizze  hat.« 
si  sprach:  »ist  es  kein  rät?«  — 
»INein  e3,  entriuwen,«  sprach  er 
»du  hebest  dich  wserliche  her, 

15  Und  muost  e3  tragen,  als  ouch  ich.« 
si  sprach:  »geselle,  so  bit'  ich  dich 
Einer  vil  wenigen  gebe, 
da3  gediene  ich  immer  unz  ich  lebe , 
Swa3  ich  dir  liebes  ie  getete, 

20  gewerstu  mich  der  selben  bete, 
Des  gedenke  mir  hie  mite 
unt  tuo  nü,  des  ich  dich  bite. 
Du  weist  wol,  da3  sich  ein  man 
genuoger  dinge  enthaben  kan, 

25  Er  hat  starken  muot  und  lip: 
so  si  wir  swach  und  broediu  wip 
Und  enmugen  uns  niht  enthaben  so -wol; 
die  man  sint  grÖ3er  krefte  vol, 
Des  mugen  si  tuon  unde  län 

30  und  mugen  dem  dinge  wider  stän; 


XLVI.    Utas  beißt  tfifen.  377 

Da3  wir  der  krefte  niht  enhän. 

das  hat  Got  an  uns  getan, 

Des  sol  uns  nie  man  verdenken, 

ob  wir  etewenne  wenken: 
135  Davon  lä  mir  vor  einen  man; 

\va»  ich  nie  keinen  me  gewan, 

Ane  dich,  des  wil  ich  Got  jehen, 

da3  soltu  an  dem  gerihte  sehen.«  — 

»Da3  wil  ich  tuon;«  sprach  er 
40  »nü  hebe  dich  zuo  dem  isen  her.« 

Si  sprach:  »lieber  man,  nü  tuo, 

des  ich  dich  bite,  dar  zuo, 

Da3  gediene  ich  also , 

da3  du  muost  immer  wesen  vro, 
45  Da3  düc3  ie  getaele; 

so  ist  ouch  immer  staete 

Diu  herzeliche  vriuntschaft 

mit  inniklicher  triuwen  kraft 

Und  diu  liebe,  die  ich  zuo  dir  hän. 
•SO  so  hastu  wol  zuo  mir  getan, 

Da3  du  mir  noch  zwene  vor  last; 

sit  du  so  wol  zuo  mir  getan  hast, 

Nu  tuo  wol  vollen  wider  mich, 

da3  diene  ich  immer  umbe  dich.« 

Et  sprach:  »da3  si  getan; 

du  muost  balt  zuo  dem  isen  gän.«  — 
Lieber  geselle,«  sprach  siu 
H  h  h.ui  noch  guoter  pfunde  drin, 

Dei  <l u  einen  pfenninfe  niht  enweisl 
80  nö  (uo'3  durch  Got  allermeist, 

Und  nim  diu  selben   driu  pf'unt . 

ob  dir  ie  /('  keiner  stunt 

Kein  liep  il  ron  mir  gesehen 

daran  soltu  biate  gen, 

Ui  liep  so  dir  dln  sele  si . 

und   ||   mir   ü-,rn   QOCfa  dl  i.«  ' 

•  /'   /n'/i  /i//n« 

\  ii  r   iiml   il.ii  CIM  •'!'»  i    'irnii 

niiil  nimmei  r? j •    keinen 


378  XLVI.    Da*  t)ei&e  tfifen. 

Er  sprach:  »die  wil  ich  dir  Verlan; 
du  hast  der  rede  genuok  getan, 
Gesprichstu  tälank  kein  wort  nie, 
170  du  entragest  mir  da3  isen  e, 
Deswär,  ich  tuon  dir  den  tot.« 
dö  muoste  si  swigen  durch  not, 
Da3  isen  nams'  üf  die  hant, 
und  wart  also  sere  verbrant, 

75  Da3  si  lüt  schrei  mit  ungehabe: 
»owe,  mir  ist  diu  hant  abe!«  * 
Ein  wahs  het  er  gebreitet 
und  ein  tuoch  darzuo  bereitet 
Und  wolte  si  verbinden. 

80  des  hie3  si  in  erwinden, 

Si  sprach:  »wa3  hilfet  da3  bantV 
mir  ist  diu  hant  so  gar  verbrant. 
Da3  si  mir  nü  nimmerme 
ze  vrumen  mak  werden,  als  e.« 

85  Als  er  da3  hörte  unde  sach, 
113  grÖ3em  zorne  er  dö  sprach: 
»Hie  ist  diu  triuwe  worden  schln; 
nü  solt  ouch  du  des  gewis  sin , 
Da3  mir  hiute  kein  wip 

%  unma)rre  ist,  danne  din  lip; 
Und  alle3  da3  dir  leit  ist, 
da3  wil  ich  tuon  nach  dirre  vrist. 
Nü  hästu  üf  dich  geladen, 
beide,  laster  unde  schaden, 

95  Diu  wil  ich  dir  helfen  meren  ;^ 
reht  als  du  [der]  diner  eren 
Unzher  hast  geschönet, 
also  wirt  ouch  dir  gelönet.« 

1    Die   folgenden  8  Zeilen  fehlen  in  D. 

'  Anstalt   der  letzten  6   Zeilen  ,   beschtiejst   1) 

II ic  liai  disiu  red'  ein  ende. 
<io(  verlih'  «ins  ein  guol  endr. 


XL  VII. 

Pas   ^ttytuektnti. 


Ein  Kaufmann  hatte  ein  Weib,  die  seine  herzliche  Liebe  mit 
Falschheit  erwiederte.  Einst  fuhr  er  nach  Gewinn  über  Meer,  und  kam 
in  ein  fernes  Land,  wo  er  so  guten  Kauf  fand,  dafs  er  drei  Jahre  dort 
blieb,  und  erst  mit  Ende  des  vierten  Jahres  heimkam.  Sein  Weib 
empfing  ihn  minniglich:  ein  Kindlein  ging  mit  ihr.  Aul"  seine  Frage, 
wem  es  gehöre,  erzählte  sie,  wie  sie,  im  brünstigen  Verlangen  nach 
ihm,  in  ihr  Gärtlein  gegangen,  Schnee  in  den  Mund  genommen,  seine 
Minne  gespürt,  und  so  das  Kindlein  von  ihm  empfangen  habe.  Der 
Mann  meinte,  es  möge  wohl  sein,  und  wollte  das  Kind  erziehen.  Er 
lehrte  den  Knaben  jagen  mit  Hunden  und  Habichten  und  allerlei  Feder- 
spiel, dazu  Schach  ziehen,  artig  sprechen  und  schweigen,  harfen,  geigen 
und  allerhand  Saitenspiel,  und  viele  andere  Kurzweile.  Hierauf,  nach 
zehn  Jahren,  ging  er  abermals  zu  Schiffe,  und  nahm  den  Schneesohn 
mit.  Er  wurde  in  ein  schönes  Land  verschlagen,  wo  er  einem  reichen 
Kaufmanne  den  Schneesohn  als  Waare  darbot,  und  ihn  für  dreihundert 
Mark  verkaufte:  damit  fuhr  er  heim.  Seine  Hausfrau  empfing  ihn 
minniglich;  und  auf  ihre  Frage  nach  dem  Kinde,  erzählte  er:  als  der 
Wind  auf  dem  wilden  Meer  ihn  hin  und  her  verschlagen  habe,  da  sei 
das  Schneekind  nafs  geworden  und  zu  Wafser  geschmolzen.  Sie  dürfe 
jedoch  nicht  klagen,  denn  wenn  es  wahr  wäre,  wie  er  höre,  dafs  jedes 
Wafser,  wie  weit  es  auch  wegfliefse,  binnen  Jahresfrist  zu  seinem  Ur- 
sprünge zurückkehre,  so  fliefse  dafselbe  wieder  zu  ihr. 

J  -  ist  klug  gelhan,  wenn  ein  Mann  so  Weibeslist  überbietet;  denn 
■Uk  Weiber  haben  bekanntlich  manchen  Mann  betrogen. 


XLVII. 

Des  snewes  sun, 


E3  het  ein  koufman  ein  wlp, 

diu  was  im  liep  als  der  lip. 

Er  wsere  ir  liep,  des  jach  ouch  sie: 

ie  doch  gewan  ir  herze  nie 
5  Die  wärheit  darinne; 

da.3  wären  valsche  minne. 

E3  geschach  bl  einen  zlten, 

niht  langer  wolde  er  biten . 

Von  sinem  huse  vuor  er 
10  mit  koufe  durch  gewinnes  ger. 

Er  huop  sich  nf  des  meres  vluot. 

als  noch  manik  koufman  tuot. 

1)6  kom  er  in  ein  vremde3  laut, 

da  er  guoten  kouf  inne  vant. 
15  Er  beleip  durch  gewinne 

drin  j;"ir  darinne, 

I > ;» 3  er  nie  wider  heim  k;im. 

11  nz  da3  vierdc  jar  ende  nam. 

sin    wlp  in  minnekliche  enpfienk: 
20  ein  kindelln  mitsamt  ir  gienk. 
h»  vragt'er  der  m;i ire, 

\srs  dag  kint  warn  1 

Si  iprachi]  »herre,  mich  gelöste  diu, 

du  gieng  ich  in   rnln  gerleliu: 
H   Ihs  mtwtt   Wirt   k  h   111  den   miiiil. 
<]m   wurden   mir  diu   minoc  kunt . 


384  XL VII.    ßi\&  $4iirrlitn*. 

Do  gewan  ich  dizze  kindelin: 

ze  minen  triuwen,  e3  ist  din.«  — 

»Ja  mahtu  vil  wol  war  hän; 
30  wir  suln  63  ziehen.«  sprach  der  man. 

Ern'  brähle  si  des  inne, 

da3  er  valscher  minne 

An  ir  was  worden  gewar, 

unz  dar  nach  (wol)  über  zehen  jär. 
35  Er  lerte3  kint  under  stunden 

mit  hebechen  und  mit  hunden, 

Schach zabel,  und  mit  vederspil 

maneger  hant  vröude  vil, 

Mit  zühte  sprechen  [und]  swlgen, 
40  herpfen,  rotten  [und]  gigen 

Und  aller  hande  seitspil, 

und  ander  kurzwile  vil. 
Er  gebot  da3  sin  knehte 

diu  scheC  bereitten  rehte 
45  Mit  spise  nach  dem  altem  site. 

des  snewes  sun  vuorte  er  mite. 

Er  huop  sich  üf  da3  wilde  mer. 

die  unde  x  sluogen  in  en  twer : 

Si  sluogen  in  in  ein  schcene  lant, 
50  da  er  einen  riehen  koufman  vant. 

Der  vragte  in  der  maere, 

wä  sin  koufschaz  waere. 

Des  snewes  sun  wart  vür  gestalt. 

mit  [drin]  hundert  marken  er  in  galt ; 
55  Da3  was  ein  größer  richtuom. 

ouch  hete  er  des  vil  grÖ3en  ruom, 

Da3  er  daran  niht  was  betrogen, 

da3  er  da3  göuchel  2  haete  gezogen. 

Der  schaz  bräht'  im  in  sinen  gewalt, 
60  da3  ime  zwir  als  vil  galt. 

Nu  beleip  er  niht  langer  da, 

mit  vröuden  vuor  er  heim  sä. 

1  winde. 

2  JLesarfen:  gouchelin,  gensei,  grechel. 


XLV1I.    Da»  £4)nfehini>,  385 

Sin  hüsvrouwe  gein  im  gienk, 

minnekliche  sin  enpfienk. 
65  Si  vfägte  in:  »wä  ist  da3  kint?« 

er  sprach:  »  !  mich  sluok  der  wint 

Beidiu  hin  unde  her 

üf  dem  wildem  mer  entwer: 

Do  wart  da3  kint  na3  da 
70  und  wart  ze  wa33er  iesä; 

Wände  ich  het  von  dir  vernomen, 

da3  er  von  snewe  waere  bekomen. 

Ist  aber  war,  deich  hoere  sagen, 

sone  darft  du'n  Ammer  geklagen. 
75  Dehein  wa33er  vlie3e  (so)  sere. 

e3(n')  habe  (die)  widerkere 

Innerthalbe  järes  vrist, 

zem  ursprink,  danne  e3  komen  ist: 

So  solt  ouch  du  gelouben  mir, 
80  e3  vliu3el  schiere  wider  ze  dir.« 

Sus  hete  er  widernüllet, 

da3  er  was  betrüllet. 
Swelch  man  sich  des  bedenket, 

ob  in  sin  wip  bekrenket, 
85  Da3  er  den  schaden  (wider)  stürze 

und  mit  listen  liste  lürze, 

Da3  ist  ein  michel  wlsheit; 

wan  diu  wip  hänt  mit  karkeit 

Vil  manegen  man  über  komen, 
90  als  ir  <"•  dikke  habt  vernomen. 


>  \rouwe? 


i      i     Hmgi-      0WMMtafctM«Mt 


i:> 


XLVIII. 


Em  reicher  Bürger  in  einer  Stadt ,  der  sehr  mildlhätig  war.  übergab 
als  das  Alter  ihn  an  die  Krücke  brachte  und  sein  Weib  starb,  Haus 
und  Habe  seinem  20jährigen  Sohne.  Dieser  aber  vergafs  ganz  seiner 
Pilicht,  und  wenn  er  zu  Tische  safs,  liefs  er  den  Vater  wie  einen  armen 
Pilger  an  der  Thüre  sitzen  und  ihm  geringe  Kost  reichen.  Der  Sohn  nahm 
ein  Weib,  und  lebte  mit  ihr  in  grofser  Fülle,  welche  der  Alte  dem  Kinde 
bereitet  hatte.  Diesem  ward  nun  aber  eine  Streu  auf  der  Erde  unter 
der  Stiege  angewiesen,  wo  er  jämmerlich  gehallen  wurde:  ihm  zunächst 
lagen  die  Mastschweine  seines  Sohnes,  von  deren  Kleien  die  Knechte 
ihm  gaben.  Die  Frau  gebar  einen  Knaben,  der,  als  er  siebenjährig 
ward,  dem  Grofsvater  so  liebevoll  zugethan  war,  dafs  er  fast  den  ganzen 
lag  bei  ihm  unter  der  Stiege  lag,  und  ihm  spät  und  früh  das  Beste  aus 
Küche  und  Keller,  oder  auch  ein  altes,  für  ihn  geslolenes  Gewand  zutrug. 
Der  Alte  herzte  und  küssie  den  holden  Enkel  und  flehte  Gottes  Segen  auf 
ihn  heiab 

Hierauf  kam  ein  sehr  kalter  Winter.  Der  Alte  litt  hart  vom  Frost, 
und  hiefs  den  Enkel,  ihm  zum  Schulze  der  Beine  und  Schenkel  vom 
Vater  einen  alten  Kotzen  Teppich,  Decke)  erbitten,  welchen  er  selber 
einel  üb»  r  .Aber  mitgebracht  habe.  Der  Knabe  gieng  sogleich,  und  bat 
den  Vater  darum ,  der  auch  einen  Knecht  den  rauhen  Kolzen  holen  hiefs. 
zugleich  aber  klagte,  dafs  der  Tod  ihn  noch  immer  nicht  von  dem  alten 
Manne  befreie.  Der  Knabe  wünschte,  dafs  Gott  ihn  nicht  bei  dieser 
Kt-.le  lafse.  Der  Valer  jedoch  ,  als  er  den  Kolzen  so  lang  und  breit  sah, 
schnitt  ihn  mit  einem  Mefser  mittendurch,  und  liefs  das  befsere  Stück 
wieder  bewahrten,  weil  das  andere  für  den  Allen  genüge.  Der  Knabe 
brachte  ei  dem  Grofsvater,  der  sich  über  das  Erbarmen  des  Sohnes 
freute  ,  dem  Enkel  weinend  dafür  dankte,  und  sich  auf  dem  Stroh 
10  behaglieb  il  iic  Deck«  hullte,  dafs  der  Knabe  sogleich  wieder  zu 
dem  Vater  lief,  ihm  um  den  Hals  fiel,  und  dringend  um  das  andre 
Blttch  bat  Der  Valet  gewahrte,  und  fragte,  was  er  damit  thun  wolle. 
Da  Israeli  itJ  Kind:  „wenn  «Ins  Altet  dich  an  den  Stab  bringt  und  du 
ie  hilflos  rie  dei    Grofsvater,  dann  gebe  ich  dir  dieses  Stück 

11  ii <1  Wind.'4  Der  Vater  erkannte  in  dieser  Rede  des  Kindes 
Gottes  Eingebung,  und  ^ieng  in  sich  Kr  hiefs  sogleich  in  einem  Stü- 
beiein  ein  wermei  Bad  bereiten    gieng  tum  Valer,  knieete  nieder,  und 

ilM   fi.-undhrli.      Der  Alle,    der    dOU  Sohn    wohl   in  einem   Halb 

|ahre  nicht  gesehen  haue,  rerwuaderte  sieh,  nnd  fürchtete,  daA  ihm 
Dache  wieder  genommen  werden  sollte.  i><  r  Bonn  nbei  bat  um 
Vergebung  leine/Missethat,  zerbrach  die  Thftr  des  Vorschlages  unter  der 
Btiege,  hob  <i«'u  Vater  auf,  und  img  ihn  In  das  Bad  blas  wusch  ei 
irlber  ibm  Haupt  und  Haar  u  im.  und  legte  ihn  in  sein  eigenes 


Bette.  Nach  dem  Schlafe  zog  er  ihm  Linnen  und  Pelzgewand  an ,  führte 
ihn  in  den  Saal ,  setzte  ihn  neben  die  Hausfrau  ,  und  erquickte  ihn  mit  Wein 
und  Speise.  Darnach  fragte  er  das  Kind,  wie  es  ihn  einst  behandeln 
wollte;  und  das  Kind  sagte:  ebenso,  wie  er  an  dem  Grofsvater,  wolle  es 
einst  sein  Alter  ehren.  Der  Vater  wünschte  das  zu  erleben ,  hiefs  aber 
den  Kotzen  aus  dem  Hause  schaffen  und  den  Armen  geben,  und  ge- 
lobte, seinen  Vater  bis  ans  Ende  zu  ehren  als  seinen  Herrn  und  ihm  den 
Ehrenplatz  am  Tische  zu  geben. 

Also  soll  man,  nach  Gottes  Gebote,  Vater  und  Mutter  ehren,  und 
die  Kinder  dadurch  lehren,  dafs  sie  desgleichen  thun ,  und  man  am  all- 
gemeinen Ende  auf  Gottes  Gnade  hoffen  darf. 


XLVIII. 

Der  k  o  z  z  e. 


Diz  heikel  in  ko/.zen  innere  : 
(joi  beneiue  uns  unser  sw&rc. 


E.5  sa3  ein  rlcher  burgaer(e) , 

milt',  biderb'  und  gewaer(e), 

In  einer  stat  mit  hüs(e); 

nü  hceret  alters  grus(e) : 
5  Der  lugend  was  er  unverzeit, 

sin  bröt  was  den  unvcrscit, 

Die  ze  sinem  hüse  kwämen 

und  e3  in  der  minne  nämen. 

Vi  körn  63  im  au  die  stunde. 
10  daj  ein  krükkcn  begundc 

In  vor  sin[cn]  triten  leiten, 

von  [sines]  alters  arbeiten, 

D«3  im  an  der  kraft  gebrast. 

dei  linl  engalt  (manikj  armer  gast, 
15  Den  er  williklichefn]  cnbol 

hihii   \Nin,  sin  sleisch,  [und  ouch]  sin  bröt. 

Sin   wtp  enpfolheo   wart  dem  grab(c) ; 

beide,  iu  büsere  und  sin  hab(e) 

Slnem  lieben  iiin  er  seit', 
20  dem  waren  zweinzil  jar  gezelt. 

i».i-  selbe  kint  gewan  den  inuot9 

llf(d]   kint  noch   liiut«'   tUOl 


392  XL VIII.    U>te  tjalbe  Webt. 

Dö  er  von  im  selben  kwam, 
da3  er  des  vaters  klein  war  nam 

25  Und[e]  siner  triuwen  gar  verga3 
an  im;  so  man  ze  tische  sa3, 
So  lie  er  den  vater  sin, 
als  einen  armen  pilgerin , 
Un(t)riu[wek]lich[en]  sizzen  bi  der  lür, 

30  dem  truog  man  wenik  des  besten  vür. 
Da3  hüs  nach  eren  was  erboun, 
da  sazte  der  sun  im  ein  vroun, 
Diu  vand  darinne,  swa3  ein  man 
ze  bette,  ze  tische  ertrahten  kan, 

35  Unt  ze  allen  den  Sachen 
da3  gebresten  kan  swachen, 
Da3  der  alt'  mit  wizzen  leren 
da  er  het  gehör[e]t  mit  eren 
Ob  des  jungen  menscheit 

40  darumbe  nie  erleit  arbeit. 
Davon  enwi33en  niht  diu  kintr 
so  si  in  grÖ3em  vollen  sint, 
Beide,  geweget  und  erzogen, 
wannen  die  krän  sint  gevlogen, 

45  Unt  versmaehent  den  alten  stam. 
nü  hoeret,  wie  e3  ende  nam. 
Der  alte  muost'  sich  smiegen, 
bi  der  erde  under  ein  stiegen 
Wart  im  ein  bettelin  geströut. 

50  der  sun  in  selten  da  gevröut 
Mit  guoter  handelunge. 
nu  gewan  der  selbe  junge 
Ouch  ein  degenkindelin, 
da3  im  gebar  diu  vrouwe  sin. 

55  Dö  da3  siben  jär  alt  wart, 
den  enen  e3  vil  selten  spart' 
Mit  liebe,  er  C3  an  sich  went 
und  der  muoter  sin  eritspent, 
Da3  e3  vil  nach  allen  den  tak 

60  bi  im  under  der  stiege(n)  lak. 


XLV1II.    Wie  Ijalbe  UJedu.  393 

l'nt  truog  im  spät  unde  vruo, 

s\va5  e3  künde,  da3  beste  zuo, 

Da3  e3  ze  tische,  ze  keller  vant. 

etwen  stai'3  ein  alt  gewant 
65  Unt  truog  e3  ouch  dem  enen  dar; 

wan  sin  verge33en  was  vil  gar, 

Da3  im  nie  man  niht  enböt; 

des  leit  er  armuot  unde  not. 

Mit  sinen  fügenden  e3  in  nert'. 
70  der  tot  in  ander(s)  het'  entwert 

Des  lebens  von  gebresten. 

bt  im  zenaehest  mesten 

Des  jungen  wirtes  kneht'  diu  swin, 

die  gäben  ouch  im  der  selben  klin, 
75  E  da3  kint  dar  zuo  würd(e), 

da3  t*3  im  half  tragen  sin  bürd(e). 

Er  drukt'  e3  dikke  an  sin  brüst, 

diu  wengclin,  den  munt  er  kust' 

Und  s\va3  er  bU^/t^  an  im  vant, 
80  er  sprach:  >;Got  hat  dich  mir  gesarit 

Von  siner  grölen  barmherzikeit. 

diu  Ion  ze  himel  wirt  bereit, 

l'nd  üf  der  erde  wunnehaft. 

der  pälriarken  segen  kraft 
85  Die  sullen,  kint,  an  erben  dich; 

den  wünsch  du  dienest  umbe  mich 

Mit  diner  handelunge  gro3, 

diu  tu^oiif  «-int  engeis  gen(\5.« 
VkIi  den  ittcfl  Korn  ein  winder 
*M)  so  kalt  und  90  s winder, 

Den  mau  kreltikliehen  k<»s . 

\N.in  manik  w, 155er  tief  gcvrös; 

IM  DMOtf  mich   vriescn  den  aldcn 

\on  der  grölen  k.ilden. 

96  Er  ipraen  rao  dem  kleinen 

dei    ffOff    nur   ;m   den   beinen 

1  do(  wi  und  .in  den  leoden ; 

)T%V   ieh   dich   [redenden 


394  XLVIII.    Die  Ijalk  j^chc. 

Zuo  rainem  herren,  dinem  vatcr, 
100  einen  alten  kozzcn  hat  er, 

Den  bräht'  ich  wilent  über  mer: 
sent'  er  mir  den,  der  waer'  min  wei 
Vür  dise  kalden,  die  ich  dol.«  — 
»ja,  enel,  ich  trouw(e)  wol 
5  Den  kozzen  dir  gewinnen, 
und  ist  er  indert  hinnen.« 

Da3  kindelin  huob  sich  zehant, 
da  e3  sinen  vater  vant, 
Umb  den  kozzen  e.5  in  bat. 

10  er  sprach:  »wer  hat  dir  den  rat 
Umb  den  kozzen  gegeben?« 
e3  jach:  »min  enel  wil  da3  leben 
Von  der  kalden  enden; 
davon  soltu  im  senden 

15  Den  selben  alten  ruhen  vlek.« 
er  sagt'  einem  kneht:  »nü  ge  enwck 
Und  bringe  minem  sun  !  den  kotzen, 
da3  er  darüf  muge  getozzen,2 
Under  die  stiege(n)  däniden.  — 

20  wa,3  hän  ich  ungemaches  erliden 
Von  dem  selben  alten  man! 
da3  C3  der  tot  niht  enden  kan 
Unde  nem'  in  von  hinne!« 
da3  kint  sprach  mit  sinne, 

25  Als  im  sin  engel  gab  die  lere: 
»dise  rede  Got  an  dir  verkere! 
Ja  lebt  er  doch  mit  kranker  mäht.« 
der  alte  kozze  der  wart  bräht, 
Des  der  alte  sieche  gert', 

30  er  was  doch  krankes  schazzes  weil , 
Ze  ma5en  lank,  ze  ma3en  breit, 
an  der  mitte  er  in  sneit 
En  zwei  mit  einem  me33er, 
und  (hie3)  hin  tragen  da3  be33cr 

1  befser :  valer. 

3  Kann  auch  gCCOZzef)   gelesen  werden 


XLVI1I.    JKe  tjalbe  jDrcke.  395 

135  Teil  behalten  ab  dem  wege; 

er  seit':  »kint,  diz  teil  da3  lege 

Im  über,  er  hat  sin  genuok.« 

den  halben  kozzen  e$  dar  truok 

Sinem  enen  üf  da3  strö. 
40  des  dankt'  er  im,  und  was  sin  vrö. 

Er  sprach:  »Got  löne  dir,  kindelin. 

der  kintlichen  triuweu  din, 

Die  du  mir  kanst  bescheinen.« 

er  begunde  vor  vröu.den  weinen, 
45  Diu  ougen  im  über  wielen, 

da3  im  die  treher  vielen 

Ze  tal  über  den  gräwen  bart. 

er  sprach:  »ö  wol  mich  nü  wart, 

Da3  min  sün  hat  ernen(d)et 
50  und  den  kozzen  mir  gesendet. « 

Da3  kindelin  warte  [t]  alle3  dar 

und  nam  des  e[i]nen  vröude  war.  % 

Die  er  mit  dem  kozzen  treip; 

niht  langer  e3  da  beleip, 
55  Hin  wider  e3  zuo  dem  vater  lief. 

sin  arm'  e3  umb  den  hals  swief, 

E3  weint',  e3  bat,  e^  kust'  in, 

('3  sprach:  »gedenk  et,  da3  ich  bin 

Diu  eine3  kinl ,  gcwere  mich.«  - 
(ü)     iwa  du  gerest,  des  were  ich  dich. 

Vil  lieher  sun.  gehabe  dich  wol.«  — 
int  min  bei'  ver\;ihen  sol. 
?vx  ich .  liebes  veterllo, 

dea  indem  trumes,  das  gl  min, 

l),i3  ab  dem  kozzen  ist  gesniten.« 

ei  fraget'  d,i5  kint  mit  suchen  siten, 

Daj  '"•">  mi   W8**i  durch  weihen  vnmi 

es  halden  wolde  das  wlbe  imm. 
Dei  \  rag*  es  im  antwort  ^r;ip: 

70   n  f&  im  diu   tut   kiimt   ;in   den   st.ip. 

Das  dich  das  alder  binden  wii  1 , 

und   du   '    .ill(  1    gema<  li    wil.nl  . 

'   h.Jtrl         l\\c\\ 


396  XLYI1I.    3>«  ijalb*  JJecKe. 

Sam  minen  enen,  der  da  lit, 
dem  niemen  tröst,  noch  helfe  git, 

175  So  lihe  ich  dir  des  kozzen  ort, 

der  wirt  dir  denne,  als  im,  ein  hört 
Vür  den  vrost  unt  vür  den  wint.« 
er  sprach:  »we  mir  we,  liebe3  kint, 

»     Wiltu  mir  also  mit(e)  varn! 

80  ob  Got  wil,  da3  sol  ich  bewarn: 
Du  sprichest  Ü3  der  wisen  munt, 
an'  Gotes  lere,  [dir]  nie  man  kunt' 
Dir,  kint,  geme33en  disen  sin; 
der  dir  in  hat  gestÖ3en  in, 

85  Da3  ist  Got  der  sue3e, 

der  wil,  da3  ich  da3  bue3e; 
Der  muo3  gelobt  sin  und  geer[e]t, 
da3  er  den  sin  dich  hat  geler[e]t!« 
Er  hie3  junge  und  aide, 

90  da3  man  bereit(e)  balde 
In  slnem  stiibelin  ein  bat; 
da3  wart  bereitet  an  der  stat. 
Hinab  er  zuo  dem  grisen  gie, 
üf  siniu  knie  er  sich  lie, 

95  Er  bot  im  minnenklichen  gruo3- 
der  alt(e)  neig  im  üf  den  VU03, 
In  wundert',  ob  er  wolde, 
da3  er  im  wider  solde 
Den  kozzen  geben;  wan  er  z'war 
200  in  (in)  einem  halben  jär 

Mit  sinen  wi33en  (niht)  hat'  gesehen; 
oder  wa3  im  waer'  gesehen, 
Da3  er  die  diemuot  an  sich  nam 
unt  zuo  siner  stieg(en)  kwam, 
5  Da  er  bi  den  swinen  lak 
und  was  gelegen  mangen  tak. 
Der  sun  den  alten  vater  bat: 
»vergip  rnir  mine  missetät, 
Die  ich  an  dir  begangen  hän. « 

10  diu  starke  riuwe  het  in  bestän 


XLT111.    W\e  Ijalbt  JUrcKe.  397 

Und  der  gebrest(e),  den  er  sach  ; 

die  spang'  und  diu  breter  er  brach 

Von  der  stiege(n)  türlin. 

üf  huob  er  den  vater  sin. 
215  In  da3  bat  er  in  truok, 

selbe  reib  er  in  unt  twuok, 

Beide,  sin  houbt  und  sin  här. 

dar  nach  ein  bade  lachen  klär 

Da3  gab  er  dem  alden  an, 
20  und  wisle  in  an  ein  bette  dan. 

Dar  er  selbe  an  lak. 

nach  dem  släfe  er  in  wak[t] 

Wider  üf  sä  ze  hant, 

guot  linin  unde  vech  gewant, 
25  Des  er  hete  dikke  wol  gepfleget, 

da3  wart  der  alte  vor  an  geleget, 

Und  gewiset  in  den  sal, 

da  er  durch  hüs  ere  manik  mal 

Vil  williklichen  hat'  gegeben; 
30  der  schämen  hüsvrouwen  neben 

Wart  der  werde  gesezzet 

und  siner  muede  ergezzet; 

Mit  win  und  mit  spise 

ergezzet  wart  der  grise 
35  Des  kozzen  und  der  klien, 

mit  der  sue3e  Ü3  den  bien, 

Da3  von  dem  honig  gegrawen  i  wart. 

und  mit  manger  handelunge  zart. 

Der  an  im  wart  verge33en. 
¥)      Nach  des  tisches  e33en 

IIie3  den  kleinen  £än  vür  sich 

sin  vater;  er  sprach:  »kint,  nu  sprich , 

\\'i<-  wil  du  mir  län  gesehen ?t<  — 

»vater*,  ;ils  ich  hau  gesehen, 
4ö  Wie  ir  mlnem  enen  getatet 

und   in  rv  tische  gebätcl . 

>  K<l*rnwi-nT 


398  XLYIIJ.   9te  l)albe  IHecKe. 

U3  der  stieg(en)  gewandelt, 
nach  eren  schon  gehandelt: 
Da3  gibet  mir  die  lere, 
250  da3  ich  dln  alter  ere, 

Ob  ich  da3  ge(le)ben  sol.«  — 
»lieber  sun,  so  lerne  wol. 
[Gegen]  dem  kozzen  hän  ich  grüse, 
er  muo3  Ü3  dem  hüse, 

55  Von  herzen  ich  im  vint  bin; 
nü  traget  in  den  armen  hin. 
Er  ist  mir  ungenaeme 
und  ist  mir  widerzaeme. 
Den  vater  min  ich  eren  wil 

60  unz  an  mines  ende(s)  zil; 
Du  hast  die  lere  mir  gegeben; 
die  wll'  ich  und  er  sol  leben. 
So  muo3  er  min  herre  sin, 
unt  ze  tische  ob  halb  min, 

65  Nach  hüses  eren,  sizzen. 
Got  gunne  mir  der  vvizzen, 
Die  mir  e  wilde  wären 
minen  tagen  und  jären. « 

Da3  merket,  arm'  und  rieh«  , 

70  junge  und  alt'  geliche, 
Da3  nach  Gotes  lere 
ein  ieglich  mensche  ere 
Sinfen]  vater  und  sin  muoter; 
Got  ist  im  dester  guoter 

75  An  sines  lebens  orte, 
so  diu  sele  von  der  porte 
Scheiden  sol  des  mundes, 
und  beget  im  des  grundes 
Der  ewigen  helle. 

80  da3  merke,  geselle, 
Ob  du  si  beide  erest, 
din  selbes  kint  du  lerest, 
Da3  e3  her  nach  dich  eret , 
so  der  stap  dich  treten  leret. 


XLV1II.   W\e  Ijalbe  $>fche.  399 

285  L'nde  gedenket  daran: 

»als  du  dinem  vater  hast  getan. 

Also  tuon  ich,  vater,  dir.« 

mit  disen  dröuwen  sulle  wir 

Leben  an  unser  ende, 
90  unz  (wir)  diz  blind'  eilende 

Mit  sue3en  zühten  rümen, 

die  wärheit  niht  ensümen, 

Die  ewikeit  erkennen, 

und  Goles  baimde  nennen, 
95  Sin[en]  höhen  namen  prisen. 

da3  tuont  alle  die  wisen, 

Die  betrahtent  disen  sin, 

da3  die  tage  slichent  hin 

Und  der  tot  alle3  nach- 
300  der  sagt  uns  mit  den  alten  »schach!« 

Darnach  erzeiget  er  sin  wmat.« 

wie  aber  e3  darnach  ergät, 

An  Gotes  genäden  da3  stät: 

wir  mue5en  ot  alle  an  da3  pfat. 


XLIX. 

Per    #  d)  l  fi  g  e  l. 

Von 

Rüdiger  dem  Hunthover. 


•I     Hat'"  .    htumm'. 


26 


Höret  von  mir,  Rüdiger  dem  Hunlhover,  ein  wundersames, 
wahres  Märe,  das  die  Jungen  Gottes  Gebot,  Vater  und  Mutter  zu  ehren, 
lehrt,  und  die  Allen  warnt,  sich  den  Kindern  ganz  hinzugeben. 

Ein  reicher  Kaufmann  war  durch  seine  grofse  Milde,  Gott  zu  Ehren 
und  der  Welt  zum  Frommen  ,  weit  umher  belobt.  Dabei  hatte  er  zwo 
Töchter  und  drei  Söhne  reichlich  ausgestattet,  dafs  sie  in  vollen  Ehren 
lebten.  Im  hohen  Alter  starb  seine  Gallin,  und  lebensmüde  gedachte 
er,^die  übrigen  Tage  sorglos  bei  den  Kindern  zu  verleben.  Er  beschied 
diese  zu  sich,  und  erbot  ihnen  all  seine  übrige  Gabe,  um  als  Witwer  bei 
ihnen  sein  Leben  zu  beschliefsen.  Der  älteste  Sohn  sagte,  ihm  gebüre 
es,  den  Vater  bei  sich  zu  pllegen  ,  führte  ihn  in  sein  Haus,  und  ehrte 
ihn  kindlich,  sieben  Wochen  lang.  Da  rieth  er  ihm,  eine  Weile  zu  dem 
Bruder  zu  gehen,  damit  dieser  es  nicht  übel  nähme.  Das  lhal  der  Vater, 
und  der  zweite  Sohn  und  die  Schnur  empfiengen  ihn  freudig,  und  pflegten 
ihn  zu  Tische  und  zu  Bette,  vierzig  Tage  lang.  Da  hiefs  er  den  Vater, 
auch  des  jüngsten  Bruders  Haushalt  und  Pflege  einige  Zeit  zu  versuchen, 
und  dann  wieder  zu  kommen.  Auch  das  geschah,  und  der  dritte  Sohn, 
der  gerade  beim  Brettspiele  safs,  sprang  ihm  entgegen,  und  bewirthete 
ihn  gastlich,  sechs  Wochen  lang.  Da  forderle  er  ihn  auf,' auch  die 
beiden  Schwestern  und  Schwieger  nicht  zu  verschmähen.  Er  gab  ihm 
ein  Stäblein  in  die  Hand,  sich  der  Hunde  zu  erwehren,  und  der  Alle 
kroch  so  zu  der  nächsten  Tochter.  Auch  diese  erbot  ihm  alle  Ehre,  zwei 
Monden  lang.  Da  wies  sie  ihn  zu  der  andern  Schwester,  welche  eben 
fette  Schweine  und  Kinder  geschlachtet  habe.  Willig  ging  er  zur  jüng- 
sten Tochter,  die,  vorzüglich  reich  an  Hausrath,  sogleich  Teppiche  auf 
die  Hanke  legen  and  an  die  Winde  hängen,  und  die  Stühle  mit  Seide  beklei- 
den lieft,  und  den  Väter  Msllich  bewirthete,  sieben  Tage  lang.  Da  wies 
dai  T Achterlei n  ihn  zum  ältesten  Bruder  zurück,  der  wol  hundert  Puder 
betten  Hbejnweinfl  bekommen  bebe  Del  Alle  nahm  den  Stab  wieder 
zur  Hand,    und    gierig   zum  Sobne,    der   eben    zu   Tische  safs,  "und  den 

r,  welchen  er  erst  nach  einem  Jahre  wieder  erwartete,  hohnisch 
ii.i,'ic,  wo  er  <<>  lange  gewesen.  Der  Alle  klagte,  dafs  die  J&ugtte 
lorhter  so  bald  seiner  übe rd ruf S ig  geworden  ,  und  der  Sohn  hiefs  ihn  .  zm 

gutung,  im  Glulbeerd  im  Winkel  sitzen,  lieb  zti  wlrtnen,  und  Heft 
ihm  in  schmutzigem  Geschirre  Speise  und  'irank  reichen.    So   schnöde 

und   rerMchtlicfa  hielten  der  Sohn   und  sein  Weib,  während  sje  Ift  Oep] 
keit    lebten,  fortan    den   Vater,  der    nun   die  Verlheilung  all  seiner  Habe 
berate,    Sieh  jedoch  noch  des   andern  Sohnes  getröstete,  und   in  seinen 

K    idern  mit  zerlumptem  .Mantel,  ra  Ihm  schlich.   Diesei  Sohn 

und   sein  Weih   mochten   es  aber  ebenso:   ei  luefs  den  Vater  au I  den  Ofen 
litten    und     ihm   kiaiit    und   Hur    reichen,     woran     diesei     nicht    gewöhnt 


war.  Traurig  begab  er  sich  zum  dritten  Sohne ,  der  gerade  beim  Ring- 
spiele *  war,  und  schon  alles  wüste,  jedoch,  den  Vater,  der  kaum 
eingelafsen  wurde,  auf  der  Bank  am  Feuer  ebenso  gering  abspeiste, 
zuletzt  mit  einem  Käse  und  einer  Birn.  Der  Alte  bereute  noch  stärker 
seine  Thorheit,  und  setzte  bald  seinen  Stab  weiter,  zu  der  altern  Tochter. 
Diese  that ,  als  hätte  sie  ihn  nie  gesehen,  fragte  was  er  wollte,  und 
wies  ihn  zu  seinen  Söhnen  ,  denen  er  so  viel  gegeben  habe.  Nachdem 
er  lange  gestanden,  hiefs  sie  ihn  auf  die  Ofenbank  sitzen,  und  gab  ihm 
dünnes  Mus,  Erbsen  und  Bohnen.  Er  hatte  bald  genug,  und  kam  end- 
lich zu  seiner  jüngsten  Tochter :  die  lag  eben  auf  seidenen  Kissen  ,  grüfste 
ihn  verächtlich,  und  schall  den  Tod,  dafs  er  ihn  noch  immer,  ihnen 
allen  zur  Schande ,  so  zerlumpt  herumgehen  lafse.  Der  Vater  s^gte, 
dafs  er  vor  Hunger  nicht  an  Kleidung  denken  könne,  und  erhielt  nun 
Brod ,  Käse  und  Aflerbier.  Da  weinte  der  Alle ,  und  sah  hierin  die 
Strafe,  dafs  er  zuvor  nicht  die 'Armen  gespeist  und  gekleidet  habe. 

Nun  halte  der  gute  Mann  in  seinen  wohlhabenden  Tagen  einen  Freund, 
der  über  See  zum  heiligen  Grabe  gefahren  und  mehr  als  ein  Jahr  lang 
ausgeblieben  war:  der  kam  gerade  damcls  heim,  und  wurde  von  seinen 
Bekannten  in  der  Stadt,  wo  er  Weib  und  Kind  und  angesehene  Ver- 
wandten hatte,  freudig  empfangen.  Dieser  Bürger  stund  eines  Tages 
an  der  Kirchthüre  seiner  Pfarre,  als  der  alle  Elende,  mit  gesenktem 
Hute,  vorüberging,  und  bei  seinem  Anblicke  vor  Scham  erschrack. 
Sein  Freund  hielt  ihn  am  Mantel,  zweifelnd,  ob  er  es  wäre.  Beide  er- 
kannten sich  unler  Thränen  ;  der  Arme  wollte  die  Ursache  seines  Zu- 
siandes  bei  befserer  Gelegenheit  erzählen :  der  Freund  aber 'nahm  ihn 
sogleich  mit  in  sein  Haus,  bewirlhete  ihn  gastlich,  und  vernahm  nun 
Alles.  Er  schalt  den  Undank  der  Kinder,  und  erbot  dem  Alten  ein 
Mittel,  bis  ans  Ende  sorglos  zu  leben;  was  dieser  mit  Dank  annahm. 
Er  liefs  aus  vier  Blöcken  eine  Kiste  machen  ,  schwer  mit  Eisen  beschlagen, 
und  an  starken  Spangen  ,  mit  fünf  grofsen  Schlöfsern  versehen  ,  deren 
kleine  Schlüfsel  künstlich  gezahnt  und  gebohrt  waren.  Diese  Kiste, 
an  welcher  wol  zwanzig  Mann  zu  tragen  hatten,  wurde  leer  in  ein  Ge- 
wölbe gesetzt,  und  einen  der  Schlüfsel  muste  der  Alte  an  einem  Riemen 
umhängen ,  und  damit  nach  Verabredung  thun. 

So  ging  der  Vater  wieder  zum  ältesten  Sohne,  der  mit  seinem  Ge- 
sinde zh  Tische  safs,  und  bat  um  Brod.  Der  Sohn,  unwillig,  als  der 
älteste  zumeist  angesprochen  zu  werden,  und  den  Eigensinn  des  Todes 
scheltend,  der  Gesunde  wegraffe  und  den  alten  Siechen  immer  noch 
umkriechen  lafse,  wies  ihn  wieder  auf  die  Ofenbank  und  gab  ihm  zu 
efsen.  Der  Alte  gebarte  dabei  so  ,  dafs  der  Sohn  den  funkelnden  Schlüfsel 
am  Riemen  auf  der  linken  Seite  durch  den  löcherigen  Mantel  erblickte. 
Als  das  Gesinde  gegefsen  hatte  und  hinaus  gegangen  war,  trat  der  Sohn 
zu  dem  Alten  hin,  ergriff  den  Schlüfsel,  und  besah  ihn.  Der  Alte  that. 
erschrocken,   und  wollte  ihn  verstecken.    Der  Sohn  aber  hiefs   ihn   ge- 

■  »Der  vingerlin  spiln ,«  oder  »vingerlin  snellenb  —  einen  am  Faden 
aufgehängten  Ring  auf  einen  Haken  an  der  Wand  schnellen ,  ist  noch 
in  Schlesien  und  auch  sonst  wohl  üblich 


Host  sein,  und  fragte,  ob  der  künstliche  Schlüfsel  etwa  zu  einem  Kisl- 
lein  gehörte.  Er  rief  alsbald  seinem  Knechte  Helm  brecht,  hiefs  ihn 
im  silbernen  Cecher  Moras  Gewurzwein  bringen,  setzte  sich  traulich  zu 
dem  Vater,  bot  selber  ihm  den  Becher,  und  forschte  weiter  nach  dem 
SchliifseJ.  Der  Vater  verlraulecihm  nun,  weil  er  doch  einmal  den 
Schlüfsel  gesehen  ,  dafs  er  noch  eine  groise  Kiste  mit  Geld  vorlängsl 
in  einem  Gewölbe  bei  einem  Freunde  verwahrt  habe,  der  kürzlich  erst 
von  Jerusalem  heimgekehrt  sei,  so  dafs  er  bis  dahin  ihrer  ermangelt 
habe:  zu  den  fünf  Schlöfsern  derselben  gehören  fünf  Schlüfsel,  deren 
einen  er  bei  sich  trage;  so  wie  er  jedem  Kinde  einen  Schlüfsel  hinter- 
lafsen  wolle.  Der  Sohn  liefs  sogleich  seinen  Fuchspelz  und  einen  guten 
.Mantel  bringen,  und  erbot  dem  Vater  ein  Bad.  Dieser  weigerte  sich, 
und  wollte  die  schon  ein  halbes  Jahr  getragene  Entbehrung  bis  an  sein 
nahe«  Ende  halten:  der  Sohn  aber  entkleidete  selber  den  Vater  bis  aufs 
Hemde,  und  g;ib  ihm  schöne  Kleider;  er  ging  mit  ihm  ins  Bad,  legte 
ihn  dann  in  ein  Bette  mit  Sammt  und  Pelzdecken ,  gab  ihm  feine  Speise, 
und  pflegte  ihn.  wie  einen  Altherren. 

Des  andern  Tages  ging  der  Alle  zu  seinem  Freunde,  dankte  ihm 
herzlich,  und  vlurde  weiter  von  ihm  angewiesen.  Am  dritten  Morgen. 
da  die  Brüder  zur  Kirche  gingen,  sahen  die  beiden  jüngeren  den  Vater 
im  Felzkleide  und  heileren  Angesichts  bei  dem  alteren,  und  beide  arg- 
wöhnten sogleich  den  Grund.  Sie  traten  zu  ihm,  als  er  betete,  grüfsten 
ihn,    und  blieben  neben  ihm  bis  zum  Segen  ;    im    Hinausgehen   fafsten 

fiu  beim  Hocke,  beschwerteu  sich,  dafs  er  sie  verschmähe,  baten 
ihn  zu  sich, »und  stritten,  wessen  Gast  er  zuerst  sein  sollte.  Der  Vater 
mvpraea,  mit  beiden  abzuwechseln,  und  ging  mit  dem  einen.  Köstliche 
r>peisen  und  edler  Wein  wurden  ihm  geboten;  und  nach  dem  Male  licl* 

\on    ungefähr  den   >ohn   seinen    Schlüfsel    an    dem   Biemen   sehen, 
weichet  noch  durch  eine  schone  Kette   verstärkt   war-    Der  Sohn   fragte 
darnach,    und    lufserte,    der    Vater   habe   wol    seine  Kiste,    wozu   der 
ie.    dem  altern  Coline  gebracht,    der  ihm  dafür  sein  alle> 
hie;  .    nachdem   er  ihn  zuvor  habe  erfrieren  lalsen  :    der  solle 

t  <r  niebl  Alle-»  allein  erhalten.  Der  Vater  stillte  seinen  Zorn  durch 
die  Erzählung  von  der  Starken BcfcatzkittC  in  Gewölbe  eines  kürzlich  erst 
heimgekehrten     Freunde*,     mit    ihren    lunl    Schlolscrn     und    Schlüfscln. 

n   Inhalt  allen  fünf  hindern   |  heilt  werden  solle:    eben  diese 

Entdeckung  habe  den  Utesten  Sehe   10  gemacht.    Der  zweite 

■Soli'  ,'Ti    Knecht   1 1  ii  I  r  i  e  d  .     IneJs    ihn    schleunig    »eine    besten 

mit  Borten  und  l'elz  geschmückten  Kleider,    Hut    und  Schuhe    bringen. 

Vajei  anstatt  der  Lumpen  anlegen  moste.  Dieser  dankte 
im  Stillen  seinem  Freunde,  und  gab  das  abgelegte  Gewand  den  Annen. 
wie  er  sie  Bjanctastl  beschenk!  hatte.  Er  ^ing  /ur  Kirche,  GoM  zu 
danken,  und  Alle  wunderten  «i<h  Ubei  seine  Veränderung.  Der  jüngste 
Bob n  suchte  ihn    ir.it  naefa  dem  Amte  zu  ihm,  und  i  dürfe  nlehl 

ohne   ihn   n\   seiner  Irin    kommen      er  fühlte   ihn    beim      WO   die  I  r.iu   ihn 

berrliefa  empfing    nebei  täte,  und  pelbei  M  ihm  beqnem  ssoebte 

Uta  den  Schlüfsel  blinken     welchen  dm  Bnbn  fortan  mein 

beachtete     .jIs  dai  Wildprei      Weifsbrod  und  Wein     Nadi 


dem  fröhlichen  Male,  fragte  er,  und  vernahm  das  Warlein  von  der 
Schatzkiste  und  ihren  fünf  Schlüfseln.  Da  wollte  er  den  beiden  Brüdern 
nichts  vorauslafsen ,  rief  seine  Magd  Prange,  und  hiefs  sie  schleunig 
sein  Gewand ,  Rock  und  Mantel  bringen  ,  und  der  Vater  muste  Schar- 
±  lach  mit  neuem  Pelzwerk  anlegen  ,  anstatt  »der  alten  Schlinken«  (Kittel), 
welche  er  den  Armen  gab. 

Bald  kam  auch  den  beiden  Töchtern  ,  Jeu  te  und  Hilde, -das  Gerücht 
von  der  Schalzkiste  zu  Ohren,  sie  besprachen  sich,  und  wollten  auch 
hinter  den  Brüdern  nicht  zurückstehen.  Nächsten  Tages  legten  beide 
ihre  Festkleider  an,  gingen  zur  Kirche,  und  sahen  auf  dem  Kirchhofe, 
ihren  Vater  mit  dem  Sohne,  von  Freunden  umgeben,  wie  einen  Bischof. 
Sie  fielen  ihn  an  mit  Vorwürfen,  dafs  er  sie  verschmähe,  verliefsen 
ihn  nicht  wieder,  und  nach  dem  Segen  muste  er  mit  ihnen  heimgehen,  wo 
beide  sich  zur  besten  Bewirthung  vereinten,  ihn  mit  Schmeichelworten 
bedienten,  und  ihn  küsslen ,  als  er  ihnen  auch  Alles  eröffnete. 

So  ging  des  Alten  Glück  wieder  auf,  wie  ein  Teig;  und  seine  fünf 
zärtlichen  Kinder  vereinten  sich,  dafs  sie  abwechselnd,  jedes  ein  Jahr 
lang,  ihn  behalten  sollten;  und  die  Kiste  verschaffte  ihm  fortan  das  ehren- 
vollste Leben. 

Als  er  endlich  seinen  nahen  Tod  fühlte,  liefs  er  alle  Kinder,  vier 
Bürger  und  seinen  Pfaffen  kommen,  übergab  jedem  dieser  Fünfe  einen 
Schlüfsel,  und  bat  sie,  nach  seiner  Bestattung,  gemeinsam  die  Kiste  zu 
öffnen  und  den  Nachlafs  zu  theilen:  er  selber  wolle  es  nicht  mehr  thun. 
weil  etwa  Zwist  sein  Abscheiden  irren  könnte.  So  kam  er  auch  mit 
grofsen  Ehren  ins  Grab.  Die  Kinder  konnten  kaum  die  Zeit  erwarten, 
dafs  in  Aller  Beisein  zur  Eröffnung  der  Kiste  geschritten  wurde.  Müh- 
sam hob  man,  nach  Aufschlufs  der  fünf  Schlöfser,  den  Deckel :  da  ragte 
der  Stiel  eines  grofsen  Schlägels  empor;  weiter  war  nichts  in  der  Kiste: 
an  dem  Stiele  hing  ein  Zettel,  welcher  öffentlich  gelesen  wurde,  und 
also  lautete:  »Wer  so  närrisch  ist,  und  all  seine  Habe  seinen  Kindern 
gibt,  so  dafs  er  selber  Noth  leidet,  dem  soll  man  zuletzt  mit  diesem 
Schlägel  das  Gehirn  einschlagen,  und  ihn  auf  den  Rindsanger  werfen.« 
Die  Erben  sahen  verdutzt  einander  an;  ihre  Freude  war  wie  ein  Stroh- 
feuer verloschen:  anstatt  des  gehofften  grofsen  Schatzes,  war  ihnen  ein 
Streich  gespielt,  welchen  alle  Gegenwärtigen  ihnen  als  wohlverdient 
gönnten  :  alle  fünf  trugen  gleiches  Theil  davon. 

So  hatte  der  getreue  und  sinnreiche  Freund  den  guten  Mann  gegen 
die  ungetreuen  Kinder  beralhen  :  wie  man  noch  wohl  mehr  Gutes  von 
Fremden,  als  von  Blutsfreunden  erfährt. 

Dieses  Märlein  heifset  der  Schlägel.  —  Wer  sich  aul  Kegel-  und 
ander  Spiel  einlälst,  mufs  auf  Täuschung  gefafst  sein;  und  wer  sich 
äffen  läfst,  der  wird  zum  Narren. 


XLIX. 

Der   slegel. 


Diz  maere  isi  der  Siegel  genant, 
und  schuof  im  manik  ere  bekant. « 


Jüan  hoeret,  der  e3  verneinen  wil, 
wunderlicher  dinge  vil, 
Diu  nü  ergant  und  sint  geschehen , 
der  ich  iu  eines  wil  verjehen, 
5  Ruedeger  der  Hunthovaer(e),2 
und  ist  ein  wäre3  maer(e), 
Und  ist  durch  tugentltchen  muot 
alten  und  jungen  ze  hceren  guot, 
Da3  der  junge3,  nach  Gotes  lere, 

10  rater  unde  muoter  ere, 
Und  da3  alter  sich  bchuet(c) 
vor  der  jungen  ungerauet(e);  k 
Wan  d;i3  zehent  kindelin 
tnot  niht  dem  rater  die  triuwe  schln, 

lö  Die  er  im  erzeiget. 

diu  werlt  da3  °  sere  veiget, 
W'an  si  tcgellchcs  nb'c) 
nimt  an  aller  lügende  hab(e): 

nniii.in   |6bc  mm  gaol  ü".  <l<-r  haut.   Kolarz    Abn.hn/i 

'  Radifei  wmI  binigbttMi    t)    Dr§id,  i/-'» 
i).!^  )ogeal.  P 

Ml      /> 


408  XLIX.    9tx  ^4)laöa. 

Das  wilent  was  gehiure, 
20  nemt  war,  da3  ist  nü  [leider]  A  tiure. 
Ob  e3  nü  mug*  mit  vuogen  sin, 

so  hoeret  dizz(e)  mserlin, 

Da3  ich  von  der  wärheit  hän. 

e3  was  ein  richer  koufman, 
25  Er  was  gar  2  milte , 

des  in  niht  bevilte, 

Ze  Got  und  nach  der  werlde  lop 
.  lag  er  3  teg(e)lichen  op 

Mit  tutenden  unt»4  prise, 
30  höhe3  lop  het  der  wise 

AI  umb  in  dem  lande , 

da  man  in  erkande. 

Nü  het  der  werde  man  da  bl 

zwo  tohter  unde  sün(e)  dri, 
35  leglich  kint  bestatet ö  eben 

mit  grÖ3em  guotfe]  bi  sinem  leben, 

Da  si  sä3en  mit  eren  last 

und  in  nihtes  gebrast. 

Nü  kom  der  tot  mit  siner  kraft 
4)  und  nam  ö  sin  wip  tugenthaft; 

Des  verdro3  in  ze  leben; 

er  gedäht':  »ich  wil  min  habe  geben 

Minen  kinden  gemeine, 

und  wil  leben  mit  in  eine, 
45  Sunder  hüs  vrouwen , 

mich  lä[3e]n  7  durch  nehtik  schouwen. 

Wan  ich  bin  ein  man  alt, 

unde  sint  min  tage  gezalt 
.  Vil  nähen  an  ein  ende. 
50  min(iu)  kint  ich  besende 

1  leider  fehlt  U.  t 

J  Ewer  getriu  und.  D. 

>  er  ir.  D. 

4  und  mit.  D. 

1  bestall'  er.  D. 

6  nam  im.  D. 

■  lau.  D. 


XL1X.    P«  $4U*eft.  409 

Und  sag*  in  allen  minen  muot. 

wa3  sol  mir  ere  unde  1  guot? 

Sint  das  ich  2  sterben  muo3. 

und  gerech'5  ich  minen  VU05. 
co  So  ist  min  sele  eilende; 

e3  ist  guot,  da3  ich  wende 

Min  guota  minen  kindelin, 

da3  si  her  nach  gedenken  min. « 
Ze  hant  er  des  niht  enlie3. 
öO  diu  kint  er  im  bringen  hie3; 

Den  willen  sin  er  niht  enbark, 

er  gaebe  in  wol  üf  tüsent  mark, 

Und  sprach:  «lieben  kint,  diu5  minen, 

l;it  kintlich  triuwe  an  mir  schinen , 6 
t>5  Helfet  mir  mit  eren  ze  dem  grabe; 

ich  gen  nü  leider  an  dem  stabe, 

Und  hüses  mak  (ich)  niht  gepflegen;  : 

min  guot  wil  ich  iu  alle3  wegen. 

Ob  ich  nü  mir  ein  konen  ^  meine.  , 

70  minfen]  allen  tagen9  da3  niht  enzaeme. 

Und  waer*  ouch  iu  vil  liht(ej  swaer'. 

ich  wil  nü  sin  ein  wilwaer', 

Vür  die  gro3en  missetat 

die  min  11p  begangen  hat, 
75  Sit  ich  siinden  erst  began.  ra 

kint,  nü  hebet  mit  mir  an, 

D.13  ii   63  endet  mit  eren, 

all  iueh  iuwer  gewi33en  ^  leren. * 

nur  nun  _i«,  ,     l> 

■  >ii  ieo  doch  u  hi'i    0 

ntüL  D 

■  .not  tUC    D 
-  diu  (*k 

iriu  enchlnen    D. 

1    m   b.  0   in«-  pflegen    u 

i<  li   nur  «in   wtf    D 
'   mm'  rn   ,ilt<T. 
l     v. ,  wM   l>    kirnt**    lOfl 
1     ■*./     I) 


410  XLIX.   Wtx  £d)läö<l. 

Der  alte  sun  sprach:  »vater  min, 

80  e3  ist  billich,  du  solt  sin 

In  minen  triuwen  *  und  bi  mir, 
kintlich  triuwe  leist'  ich  dir.« 
Bi  der  hende  gevie  er  in 
und  wist'  in  ze  sinem  hüse  hin 

85  Unt  tet  im  schon  unde  wol, 
als  ein  kint  sinem  vater  sol, 
Da3  er  des  keinstunt2  verga3, 
ab  siner  schü33el  er  a3 
Mit  im  al  die  stunde, 

90  und  im  des  saelde  gunde. 

Diu  zit  mit  vröuden  wart  vertribeu, 
bi3  da3  vergiengen  wochen  siben; 
Der  sun  sprach3:  »vater  here, 
nü  volge  miner  lere, 

95  Unde  tuo  nach  minem  rät : 
min  bruoder  liht  vür  übel  hat, 
Da3  du  so  lange  bist  bi  mir; 
kurz  wile  ze  im,  da3  rät'  ich  dir, 
Und  habe  e3  vür  übel  niht, 
100  din  snuor*  dich  vil  gerne  siht, 
Wis  bi  im  5  ein  wile  ouch  da, 
unt  kum  mir  denne  her  wider  sä. «  6 

Der  alte  sprach:  »da3  sol  gesehen 
ich  wil  ouch  dinen  bruoder  sehen; 
5  Er  warnt  liht,  da3  e3  mir  versmäht.« 
urloup  er  nam  und  guot(e)  naht 
Ze  dem  andern  sun,  da  klopft'  er  an. 
vil  balde  wart  im  üf  getan, 
Gegen  im  lief  sun  unde  snuor 

10  mit  vil  snellicher  ruor.  7 

1  miner  ptleg.  D. 
-  des  nimmer.  D. 

i  Do  sprach  der  sun.  H.     (Meidelberg.  Hd$.) 
-•  dins  suns  wip.  I). 
»  Bis  im  bi.  D. 
"  fehlt  D, 

7  ..liefen  sun  und  suns  wip 
Von  1%  reflen  irs  lip.  D 


XL1X.    i>tx  £d)läe*l.  411 

Lud  hie5en  in  wiikomen  l  sin. 

matras,  bolster  2  pflüm  vederin 

Wurden  im  vil  schön  geleget 3 

unde  sin  nach  eren  gepfleget,4 
i lo  Ze  lisch,6  ze  bette,  dort  und  hie, 

sizzeut,  ligent,  swä  er  gie. 

Den  sun  sin  wille  lerte  da3, 

da3  er  in  schikkete  6  vürba3; 

Do  er  den  vater  alten 
20  het  vierzik  7  tag'  behalten . 

Er  sprach:  »bliebe3  veterlin, 

du  solt  den  jungen  bruoder  min 

Gesehen .  wie  er  hüses  pflege 

und  wie  er  an  den  tugenden  mege: 
25  Und  wis  ouch  da9  etliche  vi  ist, 

unt  kum  her  wider;  din  genist 

Da3  gib'  ich  dir  mit  triuwen  10  gern.« 

er  jach:  »des  wil  ich  dich  gewern, 

Ich  wil  den  jungen  wirt  ouch  schouwen 
30  und  sin  lieben  hüs  vrouwen.« 

Mit  urloub  er  ouch  schiet  von  dan11, 

ze  dem  dritten  kinde  kom  er  sän, 

[rid  ruorl'  den  rink  an  der  tür. 

diu  malre  körnen  snelle  vür; 

Der  sun  der  zäbelt  M  üf  dem  bret(e), 

da3  spil  sluog  er  ül  ze  slet(e) 

Und  lief  n  dem  alten  cn  gegen, 

und  hii'3  im  schön(e)  tepich  legen. 

<  urille  komeu   n 
D.ir  n.if  h  pfolben   V 
gelegen   D 

ii  w.iri  ii   e.  gepflegen   t) 

1  tisch.'    // 

•  ei  -ukk.t  // 
rierzebea   D 

I   Ml     n 

''  F«is  oii.li    im   |,i     I) 

i  iriawei  ftkä  u 

luilf  Man.   // 

l.lot   I) 
II  hrf«.   // 


412  XLIX    .JUer  £4la8el. 

Guot'  spise  unde  klaren1  win, 

140  und  swa3  edels  '  moht'  gesin, 
Da3  teilt'  er  dem  vater  mit. 
hu  tet  er  nach  der  andern  sit\ 
[Da3]  sehs  3  wochen  nämen  ende : 
der  sun  seit':  »vater,  wende 

45  Dich  ze  minen  geswhi,4 

unt  versuoch'  ouch  da  der  brien ,  ' 
Ze  minen  swestern  beiden; 
unt  doch  von  mir  niht  scheiden 
Du  enkumest  mir  6  kurzlich  ; 

50  mit  triuwen  ich  dir  niht  entwich'.«  7 
Er  jach:  »sun,  du  seist  mir  war, 
ich  wil  ein  siben  tag'  ouch  dar, 
Wie  sich  min  löhter  halden.« 
dem  grisen  ein  valden 
S         55  Wart  gegeben  sin  geverte, 
da3  was  ein  steblin  herte, 
Da  mite  er  sich  der  hunde  werte 
zuo  der  selben  verle.  8 

U3  dem  hüse  er  dö  krouch, 

00  ze  der  nsehsten  tohter  kom  er  ouch. 
Unt  klopft'  oben  an  die  want; 
diu  lie3  9  in  in  ouch  sä  ze  hant. 
Die  rede  ich  iu  kürzen  wil: 
man  erbot  im  ouch  da  eren 10  vil; 

(i5  B13  da3  vergiengen  manen11  zwen, 
si  sprach:  »vater,  du  solt  gen 


1  edelen.  H 

*  klares.  H 

'3  Da  viiiil.  D. 

*  sweslran.  i>. 

1  ouch  ir  bestan    D- 

ö  Dil  kunisl  her  wider.  U 

enlswieh.  B. 
H  feMl   D. 

')  lie.  fi. 

J>  guole-).  D. 
11  monal.  D. 


XL1X.    Ber  $4lo0el.  413 

Ze  der  jungen  miner  •  s wester, 

diu  hat  geslahlet  gester 

(iro3iu  swin  und  rinder. « 
170  er  sprach:  »Got  löne  iu , 2  kinder. 

lr  tuot  mir  helflich  unde  wol, 

des  iu  Got  immer  Ionen3  soll« 

l  rloup  er  ouch  ze  der  (ohter  nam, 

ze  dem  jungen  tohterlin  er  kwam . 
75  Diu  was  gar  en  vollen 

mit  guote  bewollen  '• 

l'nde  mit  hüs  6  rat(e); 

si  hic3  im  6  bringen  drät(e) 

Tepich'  zuo  den  ?  benken 
80  und  an  die  wende  henken 

Sidiniu  stuol  lachen, 5 

und  ganze  Wirtschaft  machen, 

Des  sich  ervröut'  da3  gesinuY. 

guoten  win  und  spise  linde, 
S.i  Getemper(t)  wol  mit  vli3e. 

gab  man  ze  dem  imbi3e  <J 

i)<n  abent  und  den  morgen. 

nu  wold' 10  niht  leuger  borgen 

J)a3  tohterlin  junge  M  : 
!>0  do  siben  tag'  verdrungen . 

D<>  gab  si  im  urloup. 

de«  wart  der  grisc  harte  ' ;  toup, 

/u<   in   j.  i> 
'  in  Heben    " 
deaken   D 

-  (ekU  I> 

■    „IIOlllll     1> 
im   l-l'it  H 

M  die.  // 

,.n  Ihm     D. 

/  I) 

(.uot.-ri   win  iiml  lind  <•    s|>i> 

mperiert  vw>i  mil  rllj 

d.il)  in. in    im   /<•   i riihi  |  . 
■  Irin   .ilirii     il<  i    «.is   trri-. 
•   woll    <  i      l> 
"  \il  )vaftfl    0 

i   ili  p\t   i> 


414  XLIX.    Per  $A)[Z$d. 

Er  sprach:  »liebe,  war  sol  ich  nn?«  — 
»vater  min,  da  solt  tu 
195  Gen  ze  dem  altem  mineni  l  bruoder. 
dem  hat 2  wol  hundert  vuoder 
GrÖ3er  va33e  bräht  der  B  Rln, 
da3  ist  der  allerbeste  win, 
Des  ie  (hat)  kein  munt  bekort, 
200  und  wis  ein  wile  ouch  mit  im  dorl. «  * 
Der  alt*  gedäht'  ze  tuon(e)  da3: 
»er  ist  liht  verstanden  ba3, 5 
Ich  kom  aldar,  als  er  mich  hie3: 
min  tohter  hat  min  hie  verdrie3. « 
5  Sinen  geverten  er  niht  lie, 
der  vor  sinen  triten  gie, 
Der  was  geleinet  an  ein  want, 
den  nam  er  6  sä  in  die  hant. 
Urloup  er  nam,  und  sleich  dan, 

10  als  ein  guot  einvalt  man,  7 
Zuo  des  alten  suns  tor, 
da  was  ein  schoene  loube  vor 
Und  ein  türlin  en  neben, 
da3  vel  SI03  ruort'  s  er  eben 

15  Und  bat  sich  in  la3en. 
wirt  und  hüs  vrou  sä3en 
Mit  vröuden  ob  dem  tische 
und  heten  riche  vische: 
Dem  sun  körnen  maere, 

20  da3  der  vater  da  waere; 


1  zuo  mineni  al ton.  I> 
-  häl  man.  />. 
)  von  dem.  O. 

*  D.  fügt  hintu  : 

Und  lab'  da  din  zungen 

an  dem  win,  und  die  hingen. 

5  Min  elter  sun  versläl  sich  ba3_  D 

<»  er  ie.  V. 

Din   Reimpaar  fehlt   1> 

<>  huob.  D. 


XLIX.    JPer  $4loflfl.  415 

Vil  träge  sprach  er :  »nu  lä  in  l ; 

wie  schiere  er  komen  ist  her  in!  ■ 

Ich  hete  des  wän,  zewär, 

er  mide  uns  doch  ein  •  jär.,« 
225  Vür  den  tisch  der  alte  gie. 

der  sun  seit':  »vater,  sag*  an,  wie 

Bist  du  gewest 4  so  lange  vrist?  « 

diu  vräge  was  ein  valscher  list, 

Wan  hönischen  5  under  bunt 
30  erzeiget'  sin  herze  und  sin  munt. 

Er  jach:  »ich  hän  beschouwet  doch 

diu  kinder;  ich  bin  zitlich  noch 

Komen;  eine3  ich  dir  sage, 

ich  bin  gewest  wan  6  siben  tage 
35  Ze  der7  jungen  tohter,  diu  gab  mir 

urloup,  dö  gie  ich  her  ze  dir;8 

Mich  düht',  si  hät(e)  min  verdrie3; 

sust  si  mich  von  ir  scheiden  lie3. «  9 

Er  sprach:  »des  mag  wol  werden  rat; 
U)  vruo  si  sich  din  genietet  hat. 
■     Nu  gang  10  hin  und  siz  dort 

zuo  dem  gluotherd  an  da3  ort;  M 

Min  sin12  da3  wol  kiuset, 

da3  dich  serc  vriusct.^ 
15  DA  a  man  im  ze  C33en  truok, 

sin  silber  va3  "  da3  was  ein  kruok 

1  hm.  /*.  in  in.  D. 

3  es  muet  mich  |f  die  truiwe  min    D. 
n  halbes,  d. 

♦  geweeea.  i> 

>  harnisrhiu  iirbimi.  I> 

i ' 
7  mirif-r    D 

,  was  irs  heften  «ir.  D. 

p  hie*  D 

w  Kink    // 

"  gjueieil  an  den.  D 

13  siiirn-     // 

a  Day  ■ 

'*  lilber  guchiri«-     0 


416  XLIX.    Wn  £d)laöcl. 

und  ein  becher  vil  sal; 
man"erlie3  in  da  *  der  guölen  mal, 
Der  man  in  vor  hete  gewenet, 

250  der  guoten  handelunge  entspenet 
Wart 'er  vür  sin  almuosen; 
manigem  armen  truog  er  ze  buosem. 
Der  sun  ahtet'  sin  niht  umb  ein  ei, 
wen  als  ein  voller  kruphei, 3 

55  Der  gät  üf  einem  tenne, 

und  als  ein  vol  gekruftiu  4  henne  . 
Diu  niht  mer  gluggen  3  mak, 
also  giengens'  alle  den  6  tak . 
Diu  hüs  vrouw(e)  und  er, 

l>0  hoch  brogent  in  dem  hüs  en  twer: 
Ir  kurz  wil(e)  diu  was  ganz, 
si  künden  beide  wol  den  swanz. 
Den  alten  verdrÖ3  der  sit',  7 
da3  man  im  vuor  unrehte  mit; 

65  Er  gedäht' :  »ich  bin  hie  niht  wol: 
ze  dem  andern  minen  sun  ich  söl, 
Der  denket  liht  der  triuwen  sin 
an  mir  und  gibt  mir  sinen  win 
Und  etwenne  schcene3  bröt ; 

70  ich  lige  hie  vor  hunger  8  tot , 
Min  sun  hat  gegen  mir  höchvart: 
we,  da3  ich  ie  geborn  wart! 
Wes  hän  ich  silber  unde  golt 
gar  minen  kinden  dar  gebolt.  ° 


i  da  fehlt  D. 

3  Der  vor  sin  almuosen 

naangem  armen  truog  zuo  buosen.  D- 
3  krupfei.  K.  pfay.  D. 
'*  vol  gekrupfet.  K.  vol  kröpfe.  D. 
5  nimmer  gelouben.  Ä. 
*>  al.  D. 

'  Für  260  —  63  Real  V. :  den  alten  verdrÖ3  des  ser. 
s  von  gebresten.  D. 
9  eevon.  D. 


XLIX.    2>*r  £d)läflel.  417 

275  Da3  ich  nu  selbe  *  niht  enhän, 

des  bin  ich  ein  unsaelik  man. 

Diu  wile  ist  mir  von  schulden  laiiK 

ich  bin  alt 2  unde  krank 

l'nde  bin  nü  gar  ab  geschahen; 
SO  Got  wolde.  da3  ich  waer*  begraben!« 
U3  dem  hüse  sleich  er3  verholn; 

im  wären  versliffen  gar4  die  soln. 

Und  da3  gewant  erarmet; 

ir  deheinen  *  da3  erbarmet' . 
85  Der5  im  gaebe  ein  gewant; 

der  mandel  was  im  6  da  zer  hant 

Durch  und  7  da  ze  dem8  eile  bogen; 

also  gie  der  arme  gesmogen 

Ze  dem  andern  sun  ze  dem  andern9  mal: 
iK)  der  sa3  in  slner  stuben  sal 

Und  enpGe  in  über  wendikliche.  10 

»nu  Ion'  dir  Got  der  riche!« 

So  sprach  der  einvaltc, 

»mir  sint  diu  lid  erkalte, 
95  Ich  wil  uf  dinen  u  oven  sizzen; 

der  rok  mir  dürhel  ist  ze  den  slizzen   ' 

Die  schuohe  sint  mir15  unden  hol.« 

der  sun1'*  sprach:  »so  gevellet  mir  wol, 

Du  gest1'  da  dir  werde  warm.« 
MX)  11  f  den  oven  sa3  der  arm'. 

m|1m  r     /' 
I  ab    I) 

j.h'i   | 
\ *-r -]• — «-n.  i>     ■  ilebeinei    /'     keiul.  i> 
11 

I   in     ilurhtl     II 
I  ml   oiicli     // 

Im   i> 

i.rn   f,hlt  !> 

"  unwirdiklleh   i> 

•  im   D 

-    li      i.ltt   /,.!■:■    /  Wftksktt   und    l,..l      i|.i,   ,?.   m.iiiiI    |sl    Hur   \r|s|i 

UBdC  <l     -<  h     // 
l> 

D 

Hmc., •»,....   ....  II  -  ' 


418  XLIX,   J)tt  ^laöel. 

Do  er  ein  wile  da  gesa3, 

im  wart  gedienet  '  lüzzel  ba3 , 

Man  gab  im  ein  ke35elkrüt 

und  ein  bier.  sin  sun  der  2  trüt' 
305  Sach  im  also  mit  vli3e  zuo, 

beide,  spät  unde  vrüo, 

Ern'  roocht(e) ,  3  wie  er  lebt(e) ; 

diu  sele  kum  in  im  klebt(e) , 4 

Wan  der  arme  grise 
10  het  so  kranker  spise 

Niht  gewenet  den  sinen  11p. 

uii  der 5  tet  ouch  [als]  des  wirtes  wlp.  6 

Er  gedäht':  »o  we  mir  we! 

ich  vürht',  da3  e3  mir  übel  erge; 
15  Dise  zwen(e)  sun*  sint  gar 

gedüht 7  in  ein  kaes  kar.  8a 

Niht  lenger  wold'  er  da  bestän, 

ze  dem  dritten  sun  kom  er  sän; 

Do  spilten  si  der  vingerlln: 
20  doch  mit  noeten  kom  er  in 

In  die  stuben  niuwe; 

da  suocht'  er  kindes  triuwe. 9 

»Vater,  nü  wis  willekomen;« 

seit'  der  sun  »ich  hän  vernomen, 
25  Da3  dir  min  bruoder  10  niht  wil  geben 

und  dich  armen  u  lä3en  leben: 12 

»  gedienöt.  D.     • 

2  der  fehlt  D. 

3  r.  kleine.  R. 

«  diu  zung'  was  im  verklebt.  D. 

5  undär?  Vgl.  399.  331. 

6  Unlür  tet  des  suns  wip.  D. 
1  getrukt.  D. 

8  kaes  gar  kar.  H. 

9  Diet  Reimpaar  fehlt  D. 

»o  m.  br.  dir.  H. 
11  dich  so  arme.  D. 
**  hier  folgt  in  D.  noch  : 

Da3  ist  ein  missewend(e); 

gang  bin,  werm  din  hend(e). 


XLIX.   $tt  S^ltgeh  419 

Siz  zuo  der  gluot  üf  die  •  bank, 

ich  sihe  wol,  da3  du  bist  krank.« 

Von  im  leint*  er  sinen  stap, 
330  zehant  man  im  ze  e33en  gap 

Ein  vil  undaer' 2  rihte, 

diu  was  gemacht  von  nihte, 3 

Darnach  ein  kaes'  '4  und  ein  bim, 

da3  selten  5  gevröut  im  sin  hirn\ 
35  Alrest  begunde  im  leiden, 

da3  er  von  guot  was  gescheiden. 

Unde  gedäht'  6  hinder  sich , 

er  sprach:  »owe7,  wa3  han  ich 

An  mir  selben  getan! 
M)  da3  ich  mines  guotes  5  hau 

So  vil  niht  hehalten, 

da3  ich  mir  armen  alten 

Doch.kouft'  ein  labunge. 9 

mir  ist  niht  wol  gelunge(n) 
%6  Nu  in  minen  alten  tagen; 

da3  wil  ich  Got  von  himel  klagen 

Und  allem  himelischem  her: 

ichn'  wei3,  wie  ich  mich  armen  ner. 

Wä  10  sol  ich  helfe  [nu]  M  vinden? 
50  sint  ich  [nu]  versmähe12  mlnfen]  kinden; 
Des  hat  mich  deste[r]  W  unwerde, 

swa3  lebet  üf  der  Vi  erde.« 

1  dem  oven  üf  den    D 
'  arme.  D 

I>     fu%t   htrmu 

An  «    kaes'  und  än(e)  smalz . 
dar  üf  gen-rl  «M  eil  Mh 

•  milch.  D 

•  wenig.  D. 

i  Kr  gedähl'  nfi    l> 

r  ipvaefc   owA,  ich  umi  P 

I  guo<s  lelbei   // 
'  lahmi^f-n.  I) 

»  war.  // 

"  kk  nü  triu.  D. 

II  ich  vermähl  bin  ron  D 
'•  Die  Mal  mUk  §n   >>■ 

M  9H  |,   ml     |    |.-Mi.    H 


420  XLIX.   Wa  Sulagil. 

Niht  lenger  er  sich  sumt(e), 

da3  hüs  er  balde  rümt(e), 
355  Und  gie  ze  siner  tohter; 

vor  leide  vil  *  übel  moht'  er. 

Diu  tet,  als  ich  iu  wil  verjehen, 

sam  si  in  nie  m er  het'  gesehen; 

Si  vrägt'  in,  wa3  er  wolde? 
60  swa3  2  er  kumbers  dolde 

An  henden  und  an  vue3en, 

da3  3  solten  im  wol *  bue3en 

Sin[en]  süne[n],  den  het'  er6  gegeben 

guotes  vil  bi  sinem  leben; 
65  Bi  den  sold'  er  beliben. 

er  gedäht' :  »ist  nü 6  den  wiben, 

Als  den  leiden7  mannen, 

so  bin  ich  wol  8  verbannen 

Von  9  minen  kinden  allen ; 
>    70  in  unsselde  ich  bin  gevallen: 

Da3  sol  ich  llden  mit  gedult, 

e3  ist  min  eigen  schult.«10 
Do  er  nü  lange  was  gestän, 

diu  tohter  hie3  in  sizzen  gän 
75  Bi  dem  oven  zuo  der  want; 

e33en  gab  man  im  zehant; 

Ein  dünne3  muos  und  [einen]  löffel. 

diu  vil  liebe  [tohter] 11  Söffel 

Pflak  sin  also  schöne, 
80  arbei3 12  unde  böne 

l  Vil  fehlt  D. 

*  oder  wa3.  D. 
3  die.  H. 

*  si  im.  D. 

*  Wa3  er  in  het.  D. 
*>  bin  ich.  D. 

7  Als  unmaer',  als  den.  D. 

8  erst.  D. 

9  Vor.  D. 

10  E5  ist  min  gernde  zuht.  H.    Herauf  wiederholt  D. :  Billich  ich  e3  duld. 
»  diu  lieb'  sin  t.  D.  Vgl.  988 
'»  erwis.  D. 


XLIX.   $<x  £d)läöd.  421 

Gap  si  im  vür  braten. 

der  tiuvel  het  ir'5  geraten ;  l 

Wan  si  het  guotes  äne  zal. 

dö  2  si  im  gab  so  krankiu  mal, 
38o  Er  het  sich  schier  genietet3  da, 

von  dannen  schiet  der  alte  grä. 

Sin  *  gesellen  nam  er,  den  stap, 

der  in  selten  ie  5  begap 

Siner  reise  deheinen  trit, 
90  der  volgt'  im  endiklichen  6  mit. 

Ze  der  jungen  tohler  kom  er  wider; 

diu  het  üf  sidtn  pflürae  7  nider 

Sich  geleit  durch  ir  8  gemach ; 

irn  vater  si  sust  armen  sach 
95  Dort  her  treten  an  dem  stab(e) 

mit  ummehtiger  kreft(e)  hab(e), 

Wan  sin  mage  het  dikken  slin 

von  dem  muose  und  von  dem  brln ; 

Si  gruo3l(e)  in  vil  undär  9 
U)0  und  seit(e):  »wie  bist  tu  so  bar?  "' 

Wä  ist  dlnes  gewandes  me?« 

er  jach:  »mir  ist  von  hunger  we, 

I)a3  ich  gewandes  [gar]  vergi33e.«  — 

»so  sizze  nider  und  133c. « 
5  Also  sprach  diu  junge 

mit  unmilter  lI  zungeu: 

»  Gebt  im  l2  ka?s'  unde  bröt.  — 
wunderlich  doch  ist  der  töl . 

■  bei  I   '  ii  g.  ■ 

i;(     l).  ,    wo    diei<-    Zf/f    voi  anfleht. 

eritepfOl   P 

Nmi   11 

f.  nn  II 
rii-Mi' /jr-n     H 
,lwn    It 
r   fehlt  II 

■  uniuwi  r    l> 
0  iinfübcr    n 

II  hfiirns»  h<r     // 

11  Und  w'<i!'   1  ri >     /'  i 


422  XL1X.    Wet  SifelagcL 

Da3  er  dich  niht  von  hinne  nimt! 
410  din  swache3  leben  uns  niht  zimt, 
Wan  du  uns  ze  schänden  gast, 
und  weder  umbe,  noch  an1  hast.« 
Si  hie3  im  bringen  schier 
zuo  2  dem  kaes*  ein  after  bier. 

15  Da3  beweint*  er  vil  tougen, 
er  sprach:  »miniu  ougen 
Süllen  des  engelten, 
da3  ich  die  armen  selten 
Hie  vor  hän  gespiset; 

20  des  sint  si 5  nu  gewlset, 

Da3  si  mich  selbe(n)  sehent  arm 
unt  von  gewande  seiden  warm*.« 
Nu  het  der  guote  man  gewaer' 
ze  gesellen  einen  burgaer', 

25  Wilent  dö  er  was  bi  hab(e) ; 
der  was  zuo  dem  heiligen  grab(e) 
Gevarn  über  den  wilden  se, 
und  was  gewest 5  ein  jär  und  me , 
Der  kom  wider  an  den  stunden; 

30  schon  und  erllch  von  den  künden 
Wart  er  enpfangen  in  der  stat, 
da  er  wip  unt  kint  hat' 
Und  ander  riche  mäge. 
der  stuont  an  einem  tage  6 

35  Bi 7  siner  pfarre  kirchtür, 
da  gie  der6  eilende  vür, 

1  an,  noch  in  dich.  D. 

*  nach.  D. 

3  bin  ich.  D. 

1  D.  reimt  arm:  erwarm.     Hierauf  folgt  noch: 

Die  hend'  begund'er  winden 

und  sich  krazzen  und  schinden, 

Als  ein  man  tuot  vor  leid(e), 

dem  an  gewand  und  spis',  beid(ej, 

Und  an  kreften  ab  gä[n]t, 

und  sich  das  nie  man  erbarmen  läinjt 

*  da  gewesen.  D. 
6  e.  virlage.  D 

^  Vor.  D. 

*  der  alt',  n. 


XLIX.   P*r  »Wbü.  423 

Und  het  den  huot  gesenket 

unt  vür  diu  ougen  gehenket; 

Wan  dö  er  in  erblikt(e), 
440  vor  schäm  er  sere  erschrikt(e). 

Des  nam  war1  der  pilgerin, 

er  gedäht':  »weder  mahtu  e3  gesin, 

Min  vü  2  lieber  geselle? 

des  Got  niht  enwelle, 
45  Ob  du  als  arm  worden  bist 

küm  in  einer 3  järes  vrist. « 

Er  warte  [t]  unz  er  her  wider  gie, 

vil  blidikliche[n]  *  er  in  gevie 

Bi  dem  sinen  mandel: 
50  »zürnet  niht.  ob  ich  verhandele  ' 

Sprach  der  pilgrin  wert 

»min  wille  iuch  ze  vrägen  gert, 

Sit  ir'3  b  der  geselle  min?« 

do  über  wielen  7  im  diu  ougen  sin, 
55  Der  wärheit  er  im  sa  verjach. 

dem  pilgrin  ouch  da3  weinen  brach, 

Da3  er  die  zeher  rert(e): 

»geselle,  s  wa3  [hat]  verkert(e) 

Dine  grÖ3e  richeit? 
60  mir  gät  ze  herzen  ser[e]  9  din  leit. «  — 
»Geselle,  wie  mir  geschehen  ist, 

<k*!>  mag  ich  lü  ze  dirre  vrist 

Nu  niht  gesagen  an  ein  zil, 

vür  ba3  ich  03  iu  sagen  wil, 
65  So  mir  des  wirt  ljt'33cr  stat. « 

l<  1   pilgrin  seil':  »geselle,  so  gät 

4»»arr>l     /' 
-   rü  fehlt  H 

■  in-r  fehlt  H 
■  Min-klif  li.-n    t> 

<la\  iu  harnl«!    l> 

Bislu  ruht    I' 

sprach  <.i     /' 
l> 

I      Ml       /' 


424  XLIX.    J)er  &d)läöet. 

Mit  mir  heim(e)  e33en; 
miner  triuw'  1  ich  verge33en 
Nimmer  wil  an  iu  zewar; 
470  wan  wir  mit  vröuden  mangiu  jär 
Haben  gelebt  lieplich(e). « 
in  nam  der  2  triuwen  rich(e) 
Und  Ue3  in  da  niht  3  langer  stän . 
er  muost'  mit  im  heim(e)  gan. 

75  Da  lobt'  er  sine  menscheit; 

darnach  der  guot(e)  man  im  seit'. 

Wie  er  über  eine 

sin  guot  algemeine 

Sinen  kinden  het  gegeben, 

80  und  in  nu  also  4  lie3en  leben 
Mit  gebrcsten 5  armen. 
»da3  mue3e  Got  erbarmen,« 
Sprach  der  6  burgaer(e) 
biderb'  und  7  gewaer(e) 

85  »Da3  wir  uns  lä[3e]n  an  unser  kint, 
und  si  uns8  ungehorsam  sinl; 
So  wir  lip  unde  leben 
und  die  sel(e)  durch  si  [gejgeben. 
So  verdienen  wir  wan9  da3. 

90  da3  si  untriuwe  unde  ha3 
Immer  mer  uns  bietent, 
[und]  sich  unser  schiere  genietenl. 
So  e3  uns  kuml  an  die  rer\ 
da3  wir  in  niht  geben  mer. «  —  '" 

'   tritt  wen.  H. 
2  der  vil.  H 
'  lie  in  niht.  H. 

in  so  swach.  D 
ä  g.  also.  D 

6  der  all'.  D 

7  der  Iriu  und  der.  /' 
s  uns  so.  D. 

9  nun.  D. 

W   Für  dies   Reimpaar  aibt   D .  . 

Da  soll'  ein  ietlich  wiser  man 
die  wil'  er  lebt,  gedenken  daran 


XLIX    2>et  g^lagel. 


425 


195  Er  sprach:  »geselle,  [nü]  volge  mir, 
ich  wil  gar  wol  raten  dir, 
Da3  du  sunder  wende 
mit  eren  kümst  [unz]  an  din  ende.« 
Des  kust'  der  arm'  [man]  sin  hende; 
oOO  an'  alle  missewende,  ' 

Er  lopt(e)  2  leisten  sin  gebot, 
und  bat  im  ouch  danken  Got. 
Zehant  hie^  er  mit  listen 
Türken  eine  kisten5 
5  Von  vier  grÖ3en  biochen, 
und  oben  wol  belochen, 4 
Beilagen  mit  isnin  3  spangen , 
da3  überlit  wol  angehangen; 
.Mit  iserinen  spangen  stark 

10  wart  geworht  diu  selbe  ark,  b 
Als  si  war'  ergo33en, 
mit  vünf  starken  slÖ3[3]en. 
Darzuo7  slü33el  kleine. 
gemerlt  5  harte  reine, 

lö  Die  bolzen9  inner  halben  hol. 
also  was  diu  kiste  wol 
l  rab  und  umbfe)  beslagen; 
Eweiauk  man  heten  ze  tragen 
V ii  der  kisten  (da)  genuok; 

20  in  ein  gewelbp  man  si  truok . 

'         -eiltn  laut<ii   n,    l> 

|  dll    kuuisl    mit   >-u  ii   .in    ihn   'im 

In   in  ml  Ih-imI  e 
i  in  •  i'  hin  grög  r    kisten 

Wlllk'Ii     lltlv 

<la3  m.in  »i  ril  kürn  felrueg  •     n 

H      leimt    lilnkktll       hdllkk"  Tl 

nlaen    // 

>Iii    -l.irki-ii   l-.ni'li  ii   i-fiin 
hrin 
ll'*;irl   tnil    D     «     w     fol9(  \A  1  ,    -''"'"    III.    /' 
I) 

l> 

brtliHn    n 


426  XLIX.    U>*r  $>Mh*l> 

Da  sazt(e)  man  si  also  laer', 
sam  si  zehen  jär '  gestanden  waer*. 
Damit  und  ouch  da3  geschach, 
ze  sinem2  gesellen  er  da  sprach: 
525  »Sich,  dirre  slü33el  wirt  dir  nuz, 
den  mach'  an  din  kuz  3 
Innerthalb  an  ein[en]  riemen 
und  la3  in  sehen  niemen: 
Nur  *  ob  in  din  sun  gesaehe , 

30  und  an'  din  wi33en  da3  geschaehe. « 
Und  sagt'  im  darzuo  die  raet(e), 
wie  er  gebärt'  unt  ta3t(e). 5 

Hin  gie  der  alt(e)  unverzaget, 
als  der  geselle  im  het  gesaget, 

35  Hin  zuo  dem  eltisten  6  sun 
unde  bat,  im  da  üf  tuon. 
Man  vrägt(e) ,  wer  da  waere. 
»da3  bin  ich  ,  der  arm'  gengelaere,  7 
Und  333'  gern  mines  ?  sunes  bröt, 

40  mich  hungert,  und  wa3r'  mir  sin  not.« 
Der  sun  9  ob  dem  tische  sa3 , 
und  da3  gesinde  liberal  83. 
Der  tor  wertel 10  gie  hin  vür 
und  sagt',  der  alt*  waer*  an  der  tür, 

45  Ob  e3  der  wirt  wolde, 
da3  man  in  in  u  lä3en  solde. 
Der  vräg'  antwurt(e)  dö  12  der  wirt: 
»min  vater  selten  mich  verbirt, 

1  jär  da.  D 

3  s.  armen  g.  er  sp.  H. 
!  nüz :  dinen  slüz.  D. 

■*  niht  wan.  D. 
1  den  räl:  tat.  D. 
*>  eitern.  D. 

gangler.  D. 
s  a?3e  gerne  mines.  H 

4  wirt.  D. 

u>  torwart  der.  D. 
11  in  hin  in.  H. 
-'  dö  fehlt  H 


XL1X.    Wtx  Stywti.  427 

Und[e]  suocht  min  brueder  selten; 
550  sol  ich  des  engelten, 

Da3  ich  da3  eltist  kint  bin  sin?  l 

nü  gank  hin  und  lä3  in  her  in. 

Mich  muet  sin  umb(e)  kriechen; 

da3  der  tot  in  siechen 
35  Mit  noeten  hat  gebunden, 

unt  tcetet  einen  gesunden, 

Vür  michel  wunder  ich  da3  hän. « 

der  arme  2  der  wart  in  verlän. 

Er  gie,  da  er  e  was  gese33en, 
bO  zuo  dem  oven,  e33en, 

Unt  kerte  die  tenken  3  siten  dar, 

da5 4  der  sun  möht'  nemen  war, 

Da  zuo  dem  eilen  bogen,  wie 

der  slü33el  an  dem  riemen  hie. 
65  Der  sun  vil  dik  5  dar  wart(c) ; 

vil  wite  was  diu  schart(e), 

Diu  durch  da3  mentelin  gie: 

der  slü33el  da  ze  blikke  hie, 

Als  ob  er  waere  silberin, 
70  so  reht(e)  6  lieht  was  sin  schin. 

Do  da3  gesinde  ge33en  hat', 

und  da3  man  den  tisch7  entlät'. 

Das  diu  stube  wart  eine, 

der  sun  stuont  uf  vil  seine,  s 
75  Und  gie  an  des  tischcs  ende, 

<1.»  s;i 5  der  arme  eilende," 

tm      <  i.    /.  ,u  f"/fj<  im  /'    imiti  i    in  in 
zuo  mir  in  daj  bAl  min 
»  alt    l> 

liiiktn    l> 
•  da.  // 

dfkkc    ■ 

•iM  y;ir    l> 

und  der  lisrli   »a»    /' 

li..„   ydf,ir  frhtt  1) 

l>'i,     f«  ,j.  |  I.     lnul,l    ,,<    l) 

I  runklidi  tu     uf  <!•  ,   |,,,hl. 

pfrveod  e|   *«*  ««•  *«•*»■  n  ki/ink  . 


428  XLIX.   2D«  £4)iaöd. 

Und  leint'  sich,  da  der  slÜ33el  hie, 
bi  dem  riemen  er  in  gevie 
Und  schont'  in,  wan  er  was  gemeit. 
580  der  alle  tet,  sam  e3  im  waer'  leit, 
Da3  er  in  het'  erblikket, 
er  zittert' i  und  erschrikket' 
Und  wolde  in  haben  verborgen. 
»dun2  ensolt  niht  sorgen,« 

85  Jach  der  sun  »Vater  min, 
sag'  mir  hästu  ein  kistelin? 
Ich  gesach  nie  slü53el  so  kluogen. 
noch  also  gevuogen. «  3 
Er  ruoft(e)  sinem  kneht(e), 

90  dem  snellen  Helmbreht(e) ,  * 

Da3  er  im  bräht'  den  silber5  köpf: 
»davon  erburt  sich  din  6  schöpf.« 
Und  dar  inne  möra3. 7 
zuo(z')  im  üf  die  bank  er  b  sa3 

95  Und  gab  9  dem  vater  an  den  munt: 

»trink  vaste,  so  wirstu  gesunt; 

[Und]  lä  dich  niht  belangen  hinne, 

ich  enbiut' t0  dir  kintlich  minne; 

Trink ,  lieber  tetel ? '  vaste , 

600  da3  der  köpf1'  iht  geraste,13 

Das  er  verholn  da  beweint(e). 
der  sun  sich  gen  im  ieiniu- 
ze  der  siten ,  da  u.  s.  w. 

1  zittröt'.  D 

a  du.  D. 

^  kluoge,  gewürkt  mit  sölichem  vuoge.  D 

*  Ucllepreht.  D. 

'  bracht'  den  silbrin.  />. 

6  sich  enport  der.  D. 

'  in  guot  win  was.  D. 

c>  er  üf  die  b    H.     den  b.  D. 

9  gab  in.  D. 
10  erzeig'.  D. 
"  vater.  D. 
u  becher.  H. 

■3  Hierauf  hat  D.  noch  : 

Dü  bist  düä'  ser  crkiiben , 
du  foltest  bi  mir  sin  beliben , 


XLDL   IDer  Sd)iä(jeU  429 

Und  sag'  mir,  lieber  vater,  me, 

wie  63  umb  den  slii35el  ste. «  — 

»Sun,  sit  tu  in  hast  ersehen, 

so  wil  ich  heimlich  dir  verjehen:  l 
605  Ich  bin  ein  man,  der  alt  ist, 

und  wirde  schiere  asche  und'2  mist, 

Und  bin  ouch  des  muotes: 

und  het'  ich  vil  guotes, 

Da3  mueste  miner  ■  kindelin 
10  alle3  nach  minem  töde  sin; 

Doch  da3  selbe  da3  ich  hän, 

noch  hulf  einen  wisen  man. 

Ich  hän  ein(e)  kisten  verspart, 

diu  selten  ie  entsl033en  wart, 
15  Daran  sint  vünf  SI03  viP  stark, 

und  darinne,  ichn'  wei3,  wie5  manik  mark. 

Diu  hän  ich  noch  behalten. 

wa3  sol  si 6  mir  alten? 

In  einem  gewelbe  si  ist 
20  ze  mlnem  gesellen  lange  vrist 

Gestanden,  der  da  nü  ist  komen, 

des  kunft  ich  gern(e)  hän  7  vernomen, 

Von  Jerusalem  her  wider; 

ich  hän  sin  sere  gemangelt8  sider. 
25  Der  slü33el  einen  hän  ich  hie, 

den  ich  noch  nie  von  mir  verlie; 

s 0  \\ei3  'cn  w0'  die  viere, 

swen  ich  wil ,  die  rinde  ich  schier*  ; 


Ich  hän  z'wär '<•    Ihim.h 
als  vil,  als  min  getlA}'  hAt 
im    Mg*   11     I,   w. 

iCfc   <lir  df:r   w;'irli.-il   |i-ln-n     /> 

'  MfcJei  .iis  ein   D 
iawei   D 

.    Vil    frklt    II 

11  Fi   <■•-<■  j  fßi     lt 
ll  nü    D 

|    wol     l> 
1     h 


430  XLIX.   IDet  £4>l«ö«i. 

Und  swer  üf  tuon  wil  den  schrin, 
630  so  mue3ens'  alle  da  sin: 

Der  wil  ich  nach  i  minem  'leben 
itslichem  kinde  einen  geben.« 

Der  sun  hie3  balde  springen , 
sin  2  vühsin  gewant  im  bringen 

35  Und  einen  lüter  vehen  3  huot, 
und  *  dar  zuo  ein  kappen  guot:  5 
»Vater  min,  da3  leg*  an  dich; 
ziuch  ab  da3  alt' ;  du  erbarmest  mich ; 
Und  gank  6  dan  und  bade  wir, 

40  ich  wil  ouch  selbe  gen  mit  dir.« 
Der  vater  sprach:  »sun,  nein  ich, 
ich  sol  vür  Sünden  7  also  mich 
Hinnen vür  behalten;8 
Got  der  9  mue3e  min  walten! 

i5  Din  gewant  hei3  tragen  ab  dem  wege, 10 
e3  ist  sünde,  ob  ich  e3  an  41  lege; 
Ich  sol  niht  weeher  wät  tragen: 
der  tot  mir  sizzet  üf  dem  kragen. 
Ouch  bin  ich  gewest  z'wär  12 

50  ungebadet 13  ein  halbe3  jär, 

Und  wart  nie  so  warm,  noch  so  kalt, 
da3  mir  diu  wile 14  würde  gestalt. « 


1  bi.  d. 

*  ein.  D. 

3  guoten  märderin.  D. 

«und  fehlt  H. 

5  Hierauf  folgt  in  D.  noch: 

schuoch  und(e)  lin  gewant, 
da3  wart  alleä  bräht  ze  haut. 

6  gangen-baden.  D. 

7  sol  versmiden.  D. 
s  halten,  ff. 

9  der  fehlt  D. 
•o  dem  fehlt  D. 

11  ich  an  mich.  D. 

12  gewesen  da3  ist  war.  D. 

13  ungewaetet.  ff. 
■*  wil'  ie.  D. 


XLIX.    3>er  gdjläöel.  431 

Der  sun  sprach:  »tetel'1  da3  lä  ligen, 

des2  muo3  ich  dir  an  gesigen, 
655  E3  ist  mir  5  kein  ere  niht, 

da3  man  dich  also  gen  *  siht. « 

Den  alten  huot  er  von  im  nam. 

den  mantel  und  den  rok  alsam, 

Hemde ,  5  schuohe  und  nider  kleit : 
60  sin  gewant  er  im  an  leit', 

Und[e]  begunde  den  grisen 

mit  im  ze  bade  wisen 

Und  da  feisieren6  schön(e). 

er  gedäht':  »da3  Got  dir  lön(e) 
65  Geselliche  liebe  7  mir  bekant! 

Got  hat  3e  tröst  dich  mir  gesant 

Mit  dinem  gar  getriuwen  rät, 

den  mir  din  munt  gegeben  hat.« 

Mit  triuwen  der  gepriset' 
70  wart  von  dem  bade  gewiset 

An  ein  bette  durch s  gemach, 

da  man  grÖ3(e)  rlcheit 9  sach, 

Da3  bette  was  bedekket, 

mit  samit  über  strekket,10 
75  Da  bi  mit  vehe  und  mit  14  bunt. 

des  wart  der  siech'  ein  teil  gesunt; 

Wan  man  sin  pflak  besunder 

mit  edler  splse  12  wunder. 


•  vatcr.  d. 

I  kriegei.  H. 
3  war*  uns.  D. 

•  dich  so  armen.  D. 

•  hemde  /VA//  D-. 

»  vaisiren.  //.    Und  hlej  s!n  pllegen.  n 

1  gesell«  lieber    /> 

»  dun i  mii.  D. 

'  groyn  ricritnom    1>. 
w  Mit  semit  lilxr  dekket, 

mit  würzen  wol  bestekket    l> 
"  Darob  la^  Hnk  und     P 
11  klirer  tplse  «umkr    // 


432  XLIX.   Wet  £d)tfflel. 

AI  nach  sinen  eren, 
680  als  eines  altheren. 

Des  andern  tages  er  niht  enlie, 
ze  sinem  gesellen  er  da  gie 
Und  dankt'  im  siner  triuwen. 
»nü  swik,  ja  muo3  sich  niuwen 

85  Din  vröude,«1  sprach  der  geselle 
»e3n'  si,  da3  2  Got  niht  welle, 
So  jeniu  kint  dich  nü  gesehent, 
so  wirstu  [wol]  inne,  wes  diu  jehent.  < 
Des  dritten  morgens  dö  man  sank 

90  unt  vor  der  kirchen  was  gedrank, 
[Und]  die  süne  ze  kirchen  wollen  gän, 
dö  sähen  si  den  vater  stän 
In  wiltwerkim'3  gewand(e); 
der  junge  in  küm  erkand(e), 

95  Swie  lieht  waer' 4  siner  ougen  schin; 
er  seit'  ze  dem  andern5  bruoder  sin: 
»Warf,  wä  6  unser  vater7  stät! 
weistu,  8  wa3  in  beraten  hat? 
Des  nimet  mich  grÖ3  9  wunder; 
700  er  hat  etewa3  besunder 
Behalten  sin(e)  tag(e)  her; 
sihstu  niht,  wie  kuenlich  10  stät  er 
In  siner  vehen  H  houben. «  — 
»ein  ander3  wil  ich  gelouben,« 
5  Sprach  der  ander  (sun)  zehant 
»er  treit  unsers  bruoders  gewant, 


i  vrum.  D. 
3  ob  e5.  D 
3  wiitwerkine.  D. 

*  wären.  H. 

•  andern  fehlt  H. 
f»  wie.  JD. 

vater  dort.  H. 

s  weist  nil.  D. 

1  micbel.  D. 
>°  kintlico.  H. 
11  märdrin.  D. 


XLJX.    Per  S^logrl.  433 

Das  vühsin  und  da3  niuwe.«  — 

»da3  ist  war,  üf  min  triuwe. «  — 

»So  hän  ich  da5  betrahtet  eben, 
710  er  hat  im'3  niht1  umb  sust  gegeben ; 

Uns  sol  des  niht  betragen, 

wir  suln  der  maer'  in  vrägen, 

Und  der  warheil(e)  lägen. 

und  niht  lenger  gedagen. « 
15  Si  giengen  dar  sä  ze  stet', 

da  der  vater  sprach  sin  gebet; 

Er  stuont  an'  5  vrostes  sorgen; 

si  gäben  im  guoten  morgen. 

Den  gruo3  er  si*  niht  versweik, 
20  er  dankte  in  beiden  unde  neik. 

Neben  im  si  stuonden  eben, 

bi3  man  den  segen  het  gegeben. 

Und  man  het  gesungen, 

und  die  liute  vol  5  drungen 
25  Und  heim  ze  dem  e33en  6  giengen, 

diu  kint  in  gevicugen  ' 

£n  neben  bi  dem  geren: 

»  du  solt  danne  keren , 

Lieber  vater,  heim7  mit  uns; 
30  du  sollest  doch  dius  s  alten  suns 

Uns  niht  län  ,J  engelten; 

da3  du  kumst  so  seilen 

Heim  ze  unserm  tische, 

da3  stet   °  ungeliche.  wi55e:  " 

•  lihi.  // 

:    In  lt.    fehlt   dlff    'Anlr  ,    Und    dlt    '.{    roihrrgi-hi-mlrii  jnlyeit  la  \    712    713    711 

I  An«     // 

*  er  in    /> 

\<in  kirrlim    V 
■■   inl.i-     /' 

heim    frhl    II 

i  dlnet.  // 

9  lAyri.   // 

|    i<-t   uns     I» 
"    *'3i'"    /«**"    /'    .    *">   'ln'jfgrn    noch   f<>l<it 

•.  d    Hm/"-     QaMMMttoaira«      II  *" 


434  XLIX.   9»  £d)lä0d. 

735  Wir  sin  doch,1  \vi33e  Krist, 
ouch  diniu  kint,  als  er  ist.« 
Si  wolten  in  des  niht  erlän, 
den  vater,  er  muoste  mit  2  gän. 
Der  eine  sun  sprach:  »vater  min, 

40  du  solt  hiute  min  gast  sin.« 
Der  ander  jach:  3  »vater  min, 
du  solt  gän  mit  mir  heim.«* 
Da3  was  ir  kriegen  und  ir  schal, 
der  vater  sprach:  »gebt  mir  die  wal.« 

45  Diu  wart  an  in  verlä3en.  5 
»so  wil  ich,  sunder  ha33^n,6 
Den  einen  hiute  7  in  bi3ens  wem , 
den  andern  morgen,  harte  gern.« 
Des 8  wart  verhenget  (da)  von  in ; 

50  mit  dem  einen  gieng  9  er  hin. 
Dem  andern  lobet'  er  zewar. 
er  Ksem'  des  andern  tages  dar. 
Im  wart  erboten  wol  da3  mal 
mit  spise,  der  man  hete  die  wal. 

55  Und  mit  edelem  10  wine.  — 

da3  vuogt'  sich  von  dem  schrine: 
Swa3  halt  darinne  wrcr'  verspart, 
des  bring'  ich  iuch  wol  an  die  varl.  ll 


Nu  welln  wir  uns  erirahlin, 

da3  wir  ze  der  ammo  verwehselt  sin. 
Ist  zu  berichtigen:  Nun'  welle  unser  trehlin 
1  doch  ,  daj.  D. 
3  Er  m.  mil  in  hein.  D 

3  snn  sprach.  D. 

4  befser  bin.        oder  nein   fiir   tri  i I i 

*  lä3en.  H. 

<>  ich  mil  dir  c^en  ze  m;'i-,en.  /> 

7  und  hiul  eins  inbis.  />. 

3  Da3.  D. 

9  gie.  H 

10  von  klarem,  ü. 

11  I).   I'i'ujt   hinzu  : 

Lind  ob  ir  well  da3  ich  in  Ino , 
da  geba'rl  iuch  ijoch?    swigen  zuo. 


XL1X.   U>*r  $d)ltiöd  435 

Du  man  nü  het  ge55eu. 
760  dö  was  der  alte  gese35en 

Gegen  dem  sun.  ich(n'    wei3,  '  wie, 

also  da3  der  2  slü35el  hie 

Von  der 5  gürtel  en  neben 

ze  blik,  da3  in  der  sun  sach  eben, 
tio  l'nd  het  einen  smit  gebeten. 

der  im  ein(e)  kluoge  4  keten 

Zuo  dem  riemen  het  geworht . 

sam  er  sin  ze  Stelen  vorht'. 

Do  der  sun  den  slü35el  sach. 
70  also  er  zuo  dem  vater  sprach: 

»Sag*  an,  ist  der  slü33el  diu?«  — 

»ja,  entriuwen,  er  ist  min.« 

»So  enmag  ich  des  niht  verdagen. 

du  hast  din  kislelin  getragen 
75  Ze  minem  bruoder  [dem]  alten. 

der  wil  C3  dir3  behalten; 

Ich  sich6  wol9  da  i>t  inne. 

du  hetest '  uogerae  hinne 

D§3  selbe  ki^tel  la^en  siea; 
SO  du  woldest  ze  allen  ziten  gen 

NN  an  in  sin  hüs,  und  niht  ze  mir: 

des  ich  doch  niht  getroute  dir. 

Da3  rede  ich  nur  durch  diu.  s 

er  kan  wol  stuiu  sibeniu, 
Ho  I »n -,  h;it  er  gelin9  bekaut, 

und  dir  sin  alU'3  gewanf 

Oik  h  mag  man  dl  bi  kiesen, 

hIi   H|    in     l> 
J  <r  den     /' 
i  um  ilcrn     /' 

*  guot    i> 

>  hat   dir  ej     f> 
'     mi-\;      l> 

TT'.'  »mickit  folgt i   ilmiiii/ 
lllCD    l.rudil.-i    *- .* r i 

li     llltll    dOCh     »Hill»    tllli»       P 

•  CT   \.\i-    w.l   Uli     I) 
ii  n 


136  XLIX.  jPn  94Ui0tl. 

er  hat  dich  län  ervriesen 

Her  alle3  dizz(e)  l  lange  jär. 
790  nu  ist  im  da3  kistel  komen  dar,  - 

Dainne  wei3  er  den  murzelink; 

er  kan  wol  schaffen  siniu  dink 

Mit  sinen  listen  grÖ3en. 

wir  mugen  uns5  wol  daran  stehen, 
95  Da3  er  uns  dizz(e) 4  hat  verholn: 

er  muc-3  ouch  uns  der  brosenr*  smoln,  5 

Swie  verre  uns  si  diu  kiste, 

in  helfent  niht  sin  liste.« 
Der  sun  wart  harte  zorn  var. 
800  des  nam  der  vater  vil  wol  war, 

Er  sprach:  »sun,.dise  rede  verbir, 

ein  ander  maer(e)  sag'  ich  dir, 

Ich  wil  des  wesen  din  gewer, 

du  bist  mir  als(ö)  liep,  als  er, 
5  Und  hän  dich  als(ö)  hart  erarnt; 

der  triuwen  wis  ouch  (du)  gewarnt,  (i 

Die  ich  im  hän  ernennet: 

Got  hat  in7  wider  gesendet, 

Den  vil  lieben  gesellen  min, 
10  in  des  gewelbe  s  stet  min  schrin: 

Da3  ist  der,  den  mir  min  vater  lie, 

der  wart  entspart  noch  9  selten  ie 

Von  keines  menschen  handen, 

beslagen  mit  starken  10  banden ; 
15  Und  dö  min  hüs  vrouw(e)  starp, 

an  einem  smide  ich  da3  erwarp, 

1  Noch  hiur  her  da3.  D. 
-  würzling.  D. 

3  uns  fehlt.  D. 

*  er  e3  uns  so  lang.  D. 

*  län  der  prosmä  holn.  D, 

6  I).  reimt  erarnöl:    bis  gcwarnöl,    vnd    wiederholt ,    anstatt  der  folgenden 

Zeile,  Der  ich  erarnöt. 

7  hat  mir  her.  D. 

8  gewalt.  D. 

f  entsiegelt.  D. 
'o  isnin.  D. 


XLIX.    SDrr  Sffcloflcl.  437 

Der  ist  mir  ouch  sit  tot  geseit,  ' 

da3  er  mir  vünf  SI03  dran  leil' 

Und  vünf  slü35el  dar  zuo ; 
820  ob  der  tot  kum  spät'  oder  vruo 

Und  mich  welle  meinen , 

[so]  sol  man  ieslichem  einen 

Geben  miner  kinde, 

und  swa3  man  darinne  2  vinde, 
25  Daz  sol  man  in  g(e)lich(e) 3  wegen. 

da3  si  e3  iht  teilen  mit  den  siegen. 

Dar  zuo  wil  ich  schaffen 

leijen  unde  pfaffen.  * 

Ich  het'  e3  verholn  noch  lange6  vrist, 
30  wan  da3  din  elter  6  bruoder  ist 

Etlicher  mä3e  gewertik,  7 

der  erblikt'  8  des  riemen  slrik, 

Da  dirFe  slii53el  an  hie, 

zehant  er  mich  des  9  nihl  enlio, 
35  Ich  muost'  im  sagen  die  w.irheit; 

dar  umbe  hat  er  an  mich  geleil. 

Als  du  10  sihest,  dizzfe)  klcit 

mit  manger  hande  schcenheit . «  ,l 
Der  sun  jach:  »ist  also  den  maern, 
40  so  sol  dich,  vater,  niht  bcswaern, 

Du  muost  dise  lumpen  lau, 

und  miuiu  kleider  legen  an.« 

Er  riei  Irnvriden, 

und  (ge  bot  im  bi  der  widcn  .  ■ 

»  l>cr  Ist  omii  verscheiden  ill    // 

h  iniwm  töfl .  waj  man    /> 
3  gemci    P 
'   Dietct   R--i  in  paar   fehlt   1) 

i  lenger    P 

'•  f|t<rr«-     // 

.'••»i'iri^ 
»  I  rbhUUl.   // 
*  <Ips  f.klt  II 
*>  <iü  vol.  D 

••     Ihr.,     /„„,     fthlt      I) 

III    I) 
Er  I  r  dirncn   r1;it 

iiihI  1> .(  ir  bl  d<:r  wil'  r*wir 


438  XLIX.  JP»  S4l£0el. 

845  Da3  er  im  balde  *  braehte 

sin  gewant,  mit  borten  gewaehte. 
Und  niht  den  vilzinen  2  huot; 
von  Muret  ein  gugeln  3  guot 
Mit  lütrem  vehen  4  bunde: 

50  daz  muost'  er  an  der  stunde 
Legen  an  unverholn-; 
er  wart  der  versliffen  soln 
Harte  wol  ergezzet, 
und  in  gemach  gesezzet. 

55  Der  genäden  und  der 5  minue 
dankt'  er  in  6  sinem  sinne 
Si[ne]m  gesellen,  der  in'37  lert(e), 
da3  man  in  so  hoch  8  ert(e). 
Des  morgens  dö  diu  sunne  erschein, 

60  dö  dakt'  er9  sin  all(e)3  gcbein, 
Da3  im  davor  was  ervrorn, 
en  neben,  hinden  unde  vorn  10 
Mit  il  gewande  warmen: 
jene3  gab  er  den  armen;12 

65  Wan  er  davor  bi  sinem  leben 
den  armen  manige3  het  gegeben. 
Hin  gieng13  er  ze  kirchen  wider 
und  banht'  ze  Gote  lj  siniu  glider 
Mit  venigen  15  und  mit  gebet(e) 

70  an  einer  heim(e)lichen  stet(e), 

1  sä  im  dar.  D. 

3  vilzin.  D. 

3  mürrit  ein  kappen,  ü. 

*  lüterem.  11. 

5  Der  kintlichen.  l> 

6  der  all'  in.  H. 

7  in  da.  H  , 
«  also.  H. 

9  ward  im.  D. 
>°  Dies  Reimpaar  fehlt  D. 
>i  In  dem.  D 
"2  H.  reimt  arm:  warm 
'3  gie.  H. 

!*  huop  ze  Gol  üf    /> 
,s  weinen.  D. 


XL1X.    Btt  $d)läöd.  439 

Bi  dem  kor(e)  nähen. 

alle  [die]  wundert',  die  in  sähen, 

Und  in  vor  heten  gesehen, 

wa3  bildes  l  an  im  waer'  gesehen 
875  Und  in  [siechen]  in  kurzen  stunden 

het  gemachet  wol  gesunden.  2 

Sin  junger  sun  der  lesl(e) 

disiu5  maere  niht  enwest(e), 

Der  suocht'  in  her  unde  dar 
80  und  nam  sin  dort  und  hie  war. 

Do  da3  ampt  wart1  getan, 

dö  vant  er  in  einen5  stän, 

Da  er  was  unde  bat, 

er'j  sprach:  »vater  min,  nu  gät 
Hö  Mit  mir  ze  in  wer  snueT(e),  7 

ich  hau  reht,  da3  ich  iueh  vuer(e) 

Heim  <■    in  min  ä  hüs  ze  ir; 

da3^  hat  si  geboten  mir 

Bi  ir  minne  ban[de]ne. « 
'M>  er  muost'  gen  mit  im  danne.  lu 

Tür  unt  tor  im  wart  entsparl, 

mit  rren  er  enpfangen  wart 

Ze  menschlicher  geuuhlsam;       -. 

diu  snuor11  in  bi  der  heude  nam 

Und  sazt'  in  ao  ir  siten. 

do  enwarl  niht  lenger12  bilen, 

Den  swaeher  si  engeste. 

der  sun  fragt'  in  ze  leste 

1  wunden   D 

fwjt  himu.  unii  von  ihm  n'>i  enbusden 

I   diu     /' 

i>  i    int.  n 

'  in  dort  .il  ein    D. 
*  i|<r  sun     /' 
/* 
/> 
•>  »an  da]    /' 

ii.  leimt  bandfl    rlaniK  ii 
"  det  midi  wlb    /' 
i» 


440  XL1X.    Der  S^lagd. 

Wan  *  da3  gewant  waer(e)  komen 
900  unde  wer  im'3  2  hete  genomen. 
In  dühte,  sin  bruoder  beide 
santen  im  ein3  kleide:4 
»Bi  den  borten  ich'3  erkenne; 
mir  mag  noch  3  etwenne 
5  Kunt  werden  da3  gela^e, 
da  ich  gestuend'  oder  gesäte.  «6 

Der  alt'  die  gürtel  rukt(e), 7 
da3  der  slü33el  sich  verzukt(e)  b 
Mit  der  keten  üf  da3  bein: 

10  zehant  er  dem  sun  erschein, 
Wan  er  was  lieht  silbervar, 
und  daran  geleget  VI13  gar,  y 
Er10  sprach:  »nü  lä  schouwen 
mich  und  min  hüsvrouwen 

15  Disen  guoten11  slü33el. « 

vür  getragen  warn  die  schü^el 
Mit  edelm  wiltpraet(e) 
und  manger  hende  geraet(e), 
Win  unde  schoen(e3)  bröt. 

20  dem  sun  er  den  slü33el  bot. 

Da3  e33en  lie312  er  lange  stän 

und  sach  wan13  den  slü33el  an, 

Wie  schön  der  slü33el  was  gevilt.  Ut 

dö  enwart  niht  geilt, ,5 

1  wanne  im.  D. 

J  oder  wä  er  e3.  D. 

3  inti'3  ze? 

*  samlöten  in  ir  scheid(e).  D. 
i  Ja  mit  Cwirt?)  mir.  ü. 

*>  an  der  Irukken  oder  an  der  ne33e«  H. 

*  den  g.  gezukt.  D. 

8  sl.  her  vür  rukt.  D. 

9  D.  reimt  silber  W13:  mit  VÜ3. 
>°  Der  sun.  D.     • 

11  kluogen.  D.,  wo  die  folgende  Zeile  fehlt. 

«  lie.  H. 

•3  nü.  D. 

>*  er  was  gevilöt.  D. 

w  gei!6t.  D. 


XL1X.    JJet  £d)lttfld.  441 

V25  Wan  man  mue3iklichen  sas- 

und  vrölichen  ■  trank  und  a$. 

Der2  sun  des  küm  erbeite, 

da3  man  ab  [dem]  tische  geleite 

Da3  \v13e  tisch  lachen; 
30  dö  vrägt'  er  von  den  sachen 

Umb  den  slü33el  säzestunt, 

da3  im  der  vater  taet(ej  kunt, 

Wes  der  slü33el  möht(e)  sin. 

er  jach:  »ein  kiste  diu  ist  min, 
35  Da  hcert3  er  zuo  und  slü33el  vier; 

des  wänes  bewise4  ich  dich  schier: 

Der5  burger,  der  nü  ist  komen, 

des  kunft  tu  nü  wol  hast  vernomen, 

Der  ist  min  geselle,  z'wär, 
40  gewest6  mer  denne  dri3ik  jär; 

Der  hat  von  tagen  alten 

ein  kisten  mir  behalten, 

Da  hoerent  zuo  vünf  slü33el  eben, 

der  wfl  ich  dir  einen  geben 
45  Und  einen  ie  dem  kinde, 

nach  miLneJm  töd,  7  swa3  man  vinde, 

Da3  süln  si  teilen  än(e)  strlt; 

man  wirl  wol  innen,  wa3  drin8  llt. 

Ich  bin  alt,  wa3  sol  e3  mir? 
50  ich  lä3'  (e3j  mlnen  kinden  und  dir.«" 

l'nd  sagt'  im,  wfe  da3  waer'  gesehen, 

d;i3  .vin  bruoder  het  gesehen 

Den  slü35el,  und  wie  er  im  ze  haut 

gab10  sin  vühsin  gewani; 

1   mit  \romlcn.   li 

-  Doch  der.  11 

I    \\tyVfi.    II. 

*  wäns  jj<  icheid     i> 

*  D»T    W»T<i*'      H 

*  gewesen.  P 

ll 

*  <lrinne.  H    dar  in     l> 

'    MM    Hrimpriar     fehlt    l> 


142  XLIX.   ßet  £4läa*l. 

955  Und  von  dem  andrem  bruoder. 
er  sprach:  »ich  wil  da3  ruoder 
Ouch  nach  dem  winde1  wenden; 
si  wolden  mir  den  venden 
Vor  ziehen  mit  listen: 

60  des  gesmides  in  der  kisten 

M1103  mir,  ob  Got  wil,  werden  ouch; 
si  waenent  des,2  ich  st3  ein  gouch; 
Leg*  ab  die  alten  slukken: 
si  wollen  mich  verdrukken. 

65  Du  muost  an  legen  Scharlach, 
da3  beste  da3  ie  man  gesach; 
Dar  under  ist  ein  niuwe  veder, 
da3  min  bruoder  ietweder 
Nie  so  guotes  niht  getruok; 

70  dar  zuo  wil  ich  dir  genuok 
Geben  alle3  da3  du  wil, 
unz  an  dines  endes  zil.« 
Er  ruoft'  siner  magde  Prange: 
»bring  mir4  ab  miner  stange5 

75  Min  gewant,  rok  und  mandcl.  — 
du  muost  der  kleider  haben  wandel, 
Diu  dir  min  bruoder  hat  gegeben;6 
diu  sint  ze  wit  und  stänt  niht  eben. 7 
Got  günne  mir  din  lang8  ze  leben! 

80  wan  ich  wil  dir'3  gern(e)  geben.« 

Da3  alt'  gewant  er  den  armen  gap, 
da  ert'  er  mit9.da3  heilige  grap, 

1  den  winden.  1) 

2  liht.  D   si  si.  H 

3  sukkeln.  D. 

*  bringe  mir  balde.  H. 

i  D.  reimt  Brangen  :  slangcn 

6  Diese  und  Zeile  980  fehlen  D. 

i  dise  sinl  wint  u.  Stent  dir  eben    h 

»»  lang  fehlt  H.      " 

''  da  mit  ftrdt  er.  D 


XLIX.    J)n  $4lä«el.  443 

Da  sin  geselle  was  gewesen. 

und  wider  kom ,  vor 1  töde  genesen. 8 
985      Melde  kom,  diu  nie  gelak. 

und  selten  ouch  geligen  raak, 

Sinfen]  tohtern,  den  wibes  bilden, 

Jiuten  3  unde  Hilden, 

Da5  ein  kiste  [vunden]  waere 
90  (vunden)4  unmä3en  swaere. 

In  des  vater5  gewalt, 

dar  inne  waer*  guot6  ungezalt; 

Und  wie  in  mit  richer  kraft 

ein  sun  vür  den  andern  zäft 7 
95  Mit  spise  und  mit  gewande. 

»e3  ist  uns  schade  und  schände,« 

Diu  eine  zuo  der  andern  sprach 

»sul  wir  der  kisten  sehen  nach; 

D?3  uns  der  rüden3  niht  enwirt. 
1000  in  minem  herzen  mir9  das  swirt: 

L'nd  an  den  ma?ren  ich  da3  spür. 

nü  habent  unser  bruoder  vür 

In  durch  da.5  guot  geva,53et; 

wir  werden10  so  niht  verla33et" 
5  Von  in  des1-  lieben  vater  min, 

wir  haben  ouch  brot  unde  win; 


•  von  (i'-m.  V  , 

2   Hierauf  fint  I).   noch 

1  ad  bai  <»oi    d.i-,  et  In  vrisl  «• 
durch  »In  -'''Irin  ire    lisl 
■ » i  *  -  ct  mi  bei  bei . 

et  Mut  ern  warl  gespisci 

h.-lr,     l> 
l> 
»  VM«H    D 

*  da   I  .1  in    D 
'  vahi    // 

I  di  I' 

|    ftkJt    H 

D 

.ii,.'    H 
n  im  d«-m    /' 


444  XL1X.   Wtx  Sdjlajjd. 

Uns  ensol  niht  engen  der  schrin, 

ob  wir  sullen  bl  leben  sin.«1 
Den  tak  si  vil2  küm  erbiten. 
1010  da3  si  den  kirch  gank  iht  vermiten. 

Si  legten  an  ir  lip  zehant. 

beide  ir  höchzitlich3  gewant 

Und  ir  pi'sewin  huete. 

als  eki  heide4  bluete, 
15  Also  giengen  si  gevar. 

da  sähen  si  die  vriundes  schar 

Stän  üf  dem  kirchof,   , 

irn  vater  als  einen  bischof, 5 

Und  sine[n]  sün' 6  ze  den  stten. 
20  do  enwart  niht  lenger  biten, 

Si  vielen  beid' 7  den  vater  an : 

»nü  sprich,  wa3  hän  wir8  dir  getan 'i 

Da3  du  uns  midest  so  lange  vrist. 

weist9  niht,  da3  du  unser10  vater  bist, 
25  Und  ordenlicher  sippe  11  stam? 

warumb  tuost  du  niht  gein  uns  sam12 

Nü  du  gegen13  unsern  bruodern  tuost? 

grÖ3e  wizze1*  darumb  du  liden  muost. 

Sag*  an,  weder  versmahe  wir15 
30  unde  unser  wirte  dir? 

Oder  sparstu  unser  bröt? 

zewär(e),  des  ist  dir  unnöt,  16 

1  Diese  Zeile  fehlt  D. 
3  vil  fehlt  H. 

3  virteglich.  D. 
*  heid'  diu.  D. 

5  si  stuonden  ze  hant  dar  nach  üf.  D. 

6  sähen  den  sun.  D. 

7  bede.  H. 

8  ich.  H. 

9  weistu.  H. 
10  uns.  D. 

»  sipp.  JL 

a  uns  niht  alsam.  D.  / 

»3  als  du.  />. 

'»  Hed*.  D. 

Ji  wir  dir.  D.  fährt  fort .  du  tuost  wider  unsers  herzen  gir. 

•*  o  wo,  vater.  daj  ist  an'  n6t.  D. 


XLIX.    $ex  £d)la.jel.  145 

Wir  geben  dir'3  willeklichen  x  gern. 

z'wär,  wir  wellen2  des  niht  enberu, 
1035  Valer  min,  du  gast3  mit  uns 

als  billich,  als4  keins  dtnes  suns, 

Durch  gemach  in  unser  hüs, 

und  wis  ouch  in  unser  klüs, 

J3[3est]  unser5  bröt  darunder, 
40  itlich(er)6  besunder. « 

Si  stuonden  im  bi,  unz  da3  geschach, 

da5  man  den  segen  (da)  gesprach, 

Si  entwichen  im  niht  einen  trit, 

unz  er  in  muoste  volgen  mit. 7 
45  Zesamen  si  ir  pfruent  truogen, 

und  herzten  inö  mit  worten  kluogen. 

Als  die  vrouwen  wol  kunnen; 

dem  andern  si  niht  gunnen, 

Da. kunnen  si  mit  worten 
50  krenken  an  allen  orten, 

Mit  also  behenden  siten, 

da3  da  an'  wäfen  wirt  versniten, 


>  mit  triuwen.  D. 

3  Yür  Beines  wel  wir.  D. 

i  Vater,  <lü  Bist  //. 

»  bililcfa  kein.  //    biUicfa  zc  hüs,  als.1?  »  wo  dai  folgende  Riimpaar  fehlt. 

i  itröt  Ej5«  da  i»i  unter   U. 

-  m  ir  iiliehs.  i>. 
i»  niiii  wollen  vi.n  im  unz  er  muosle  volgen  in.  u. 

I    hf-r/U-n    in   fehlt  in   D.  ,   uro  amlall   Zeile  1047—  70   fleht 

Giengen  si  im  sicherlich  c    nlch . 
im/  <r  in  ouch  rerjach . 
Da-,  ei  den  sünen  bat  verjeben . 
wie  si  den  slüssel  beten  erleben 

I)cr  7.110  der  feisten   w.iri  geSOlW 

dem  rolgenl  viel  sin-,yi  mil , 
Der  hon  en    si  euch  .  sundei  wA«  . 

«wfn  riiicli  sincm  I6<1  M  , 
In   Würd1  ir  teil  om  Ii   \  ii r  fffll 

gelich  gewegen  als  ein  bii 
1)6  it  in  iiü  K-ir  lni  geteil 
dM  wArr-n   ii.   s.   w. 


446  XLIX.   Wex  $M)l«ßet. 

lr  rede  ist  als  ein  salbe  guot, 
diu  wol  einer  wunden  tuot, 
1055  Diu  von  ir  kreften  heilet, 
[ist]  ob  sie  gemeilet 
(ist)  Mit  unreinen  schäm, 
da  kumt  vil  liht  der  klam 
Darzuo,  da3  si  bleichen  mu03:' 

60  des  ir  [reine]  salbe  machet  buo3. 
Mit  vrouwen  gela^e  und  mit  ir  si L* 
habe  wir  niht  hie  ze  tuon(e)  mit. 
[Muost'j  wir  sagen  von  dem  alten, 
wie  des  wart  ge walten: 

65  Des  genuhtsam  nam  zuo, 
beide,  spät  unde  vruo, 
Als  ein  teik  wol  erhaben, 
die  vrouwen  heten  in  ab  geschahen : 
Die  täten  im  ie  da3  beste. 

70  er  sagte  in  ze  leste , 

Als  er  den  sünen  het  geseit. 
der  rede  wären  si  gemeit, 
Unt  kusten  in  an  sinen  hart: 
vater  nie  ba3  gehandelt  warl 

75  Von  keinen  sinen  kinden. 

Nu  woltens'  niht  erwinden, 
Si  wurden  mit  ein  ander 
ze  rät(e),  ein  und  ander, 
Da3  in  l  iglich  kint  gar 

80  Ü3  und  in2  behielt'  ein  jär 
Mit  gewant  und  mit  spise. 
also5  wart  der  grise 
Von  sinen  kinden  ergezzet, 
unt  von  der  kisten  gesezzet, 

85  Beide,  in  ere  und  in  gemach. 

Und  doch  zelestcn*  d;i3  geschach, 

i  in  fehlt  H 

3  alerst.  U. 

*  bi3  doch  ze  jungst.  V 


hh". 


XLIX.   3tx  S^lttgel.  U 

Da3  er  sterben  bekande: 

siniu  kint  er  besande. 

Vier  burger  und  ein1  platten. 
1090  sin2  dink  wold'  er  schatten. 

Er  sprach:  »nü  hoBret,  liebe  kint, 

vier  werde  burger3. hie  sint 

Und  min  her  der4  pfarraer(e). 

biderbe  und  gewser(e), 
95  Die  bit'  ich  des  waldcn, 

da3  si  iu  behalden 

Die  slü33el,  unz  ich  ze[r]  erde 

schon  beslatet  werde, 

Als  e3  kristenlichen  zem; 
1100  zehant  iuwer  ieglicher3  neni 

Besunder  den  slü,55el  sin, 

unt  luot  ui"  alle6  den  schrin. 

Int  teilet  da3  guetel '  schone ; 

da,5  iu  min  trehlln  s  lune! 
5  Wan  ich  dise  vorhte9  hau. 

ob  er  würde  iezuo  üf  getan, 

Da3  liht  ein  kriek  da1"  würde, 
war'  beswaert11  min  bürde. 

t'nde  li<*5t  den  lich[n]aml-  ligen, 
10  dem  der  löl  wil  an  gesigen.«  ,a 

IHMI       //. 
"111       // 

*  ricr  ritaler.  D 

*  ber  <i«t  fek/i  n 
■  ipiil  •       i 
i  geneii  ui.  i>- 
-  grli    ü 

*  iueh  irinrur  Gol     l> 
''  <\\s>-  vorfatep  ich    n 

»"    <|..    frh/t    n 

"   *unl<-  gMVClt    II 

H  Ir  iM-vrit  (I    I    lilil     l>         ' 

i]    /;      fnh,t    \,,l 

ni.    UlOlll    .'in    ini    l.ui  i        linfl    liilil     IkI    1*1    vii|rhni 

im    »;is   iml   i  u-ii 

ii.i    <r  «iisiu  . 1 1 n ^  begienli 

i  k  v    rni  gpvifnk 


,  448  XLIX.    9er  £d)läöel. 

Die  slÜ33el  er  behalten  gap. 
mit  eren  kom  er  in  da3  grap 
Und  mit  schoener  bevilde. 
da3  waer'  im  gewesen  wilde, 
1115  Wan  sin  geselle  mit  der  kisten, 
der  gedähl(e)  des  mit1  listen, 
Das  Sl  'n  der  schänden  werten, 
[und  doch] 2  die  sele  an  im  nerten. 
Der  rede  küme  wart  erbiten, 

20  darnach  si  mit  gemeinen  siten. 
Beide,  vrouwen  unde  man, 
giengen  zuo  der  kisten  dan,3 
Diu  vrölichen  von  in  wart 
.  '  mit  vünf  slü33eln  enlspart;'' 

25  Da3  überlit  man  küm  erwegt': 
oben  Ü3  der  kisten  regt* 
U3  einem  großen  slegel  ein  stil. 
nihtr'  mer  ich  iu  sagen  wil, 
Wa3  in  der  kisten  wa3re , 

30  wan  der  selbe  slegel  sweere; 
Der  rede  lät  iueh  niht  belangen: 
an  den  stil  was  gehangen 
Ein  brief, 6  ze  breit,  noch  ze  smal, 
der  wart  gelesen  liberal 

35  Den,  die  der  kisten  waren7  bi; 
da  was8  gesebriben:  »swer  der  si,- 
Der  ere  habe  unde  guot, 
da  bi  so  nerrischen  9  muot, 
Da3  er  al[le]  sine  ,0  habe  gebe 

40  sinen  kinden,  und  selben  ll  lebe 

1  mit  den.  H. 

2  un  ouch.  D. 

3  stän.  H. 

*  üf  gespart.  D 
s  reht.  D 

6  zedeJ.  D. 

7  stuonden.  1). 

8  sluond.  D.  * 

9  un  darbi  so  närschen.  D. 

10  er  sin.  D. 

11  uil  er  selb.  D.     selbe    6f. 


XL1X.    U>er  $&*&{.  449 

Mit  ucelen  und  mit  gebresten.      • 
den  sol  man  zelesten1 
blähen  an  die  hirnbolleu 
mit  disem  Siegel  en  vollen. - 
1143  Das  im  das  hiru  mit  alle 
üf  die  zungen  valle. 
Und  sol  in  denne  vueren  en  wek3 
und  werfen  in  eiuen  rinderzwek. «  * 
Daran  niht  mere  geschriben  was. 
50  und  dö  man  den  briefgelas, 
E3  erplatert'5  wip  und  man, 
und  sähen  vaste  einander  an; 
Ir  aller  vröude  diu  wart  toup, 
reht6  als  ein  erloschen  schoup. 

•  zuo  dem  betten.  D 

1  l)    nimt  ballen:  ze  val'en 

i  in  uu-reii  den  veg    über  einen  höhen  sieg.  U 

•  irek     I'.  .    tut   dem    Zmtat%t  ,    dri  hi-i    b'chstählu /i   f'o/yt  : 

Auff  aine  lach  Sluiul  am  kra 
B    lehn;   \ast  ha  ha  ha  ha 
Nanc  Lislu   da 

no  merck  mein  sprach  ebü 
Uasiu  deine  ehindn  dein  gm  %;*-!* r» 
vff  ir  geuad  d*  in  hab 

>o   |>inIii  lurfr  ib-ii  Bill  rab 
Waii   der  us,>ii^l  die  ii;tin_   -in 
N  "i   den  jü^'ii  clundi'lin 
l.r  furi  ||  in  ii  Jugend 
ii  rabiw  ii  uniugend 
Hi*  >.i>  ir  nerd  . 

V>  .in   1  r   -1   pi  in. 1   /•    |.ii_.-n 
eiM  B1   li  init  m  bi 

v  •»  dem  netl  m  mdi  u  laad 

/«  h.lllil 

\  11  1  lubel  ei  ii<  ii  iein  körn 

l>i/   1  r   I1.1t   ii Nj)'.i ,..  11    \  om 
\  od   afttm   sein   geufd* 
Aii'i   tr«-»i  ■!••  11 1   nialt*  *m)-> 
i)  // 

/•<'••<   II 

•  d  .11  /rJ 


450  XLIX.   Per  flöget. 

1155  Si  wänten,  si  vünden  *  grÖ3en  schaz: 
dö  was  in  ein  ander  saz 
Mit  listen  eben  vor  gespilt. 
min  sin  sich  des  niht  enhilt, 
Er  het  in  reht(e)  mit  gevarn; 
60  des  jähen  ouch  alle  die  da  warn, 
Heim(e)lichen  under  in. 
si  bejagten2  den  gewin, 
Da33  si  giengen  danne,  als  dar, 
des  guotes  Ü3  der  kisten  bar. 
65  Diu  rede  hie  sich*  enden  wil: 
e3  wart  ie  einem  als(ö)  vil, 
Als  dem  andern  gewegen, 
an'  ge3enke  und  äne  siegen.6 
Also  het  der  geselle  guot, 
70  als  noch  vil  manik  geselle  tuot. 
Der  triuwe  unde  wizze  hat, 
dem  guoten  man  gegeben  rät 
Gegen  [den]  ungetriuwen  kinden. 
als  man  noch  hiute  [mak]6  vinden 
75  (mak)  Be33ern  lant7man, 

der  dem  vremden  (mer) 8  guotes  gan , 
Danne9  geborner  vrunt; 
e3  gestet  nü10  niht  der  munt. 
Davon  ich  immer  triute 
80  die  getriuwen  lantliute. il 
Wie  diz  maerlin  sl  genant, 
da3  tuon  ich  iu  bekant: 


1  wänden  vinden.  D. 
-  si  bagten  niht  nmb   D. 
3  Da3  fehlt  D. 
1  red'  ich  iu.  D. 

5  An'  zanken  und  fln"  kriegen.  D. 
f>  ich  n.  h.  wil.  D. 
7  Getriuwen  landes.  D. 
•5  dem  andern  reht.  D 
''  den  darnach.  D. 
10  gestatet.  D. 
1»  triut:  Hut  R. 


XLIX.   jD*r  841a0el.  451 

E3  ist  genant  der  Siegel.  — 

swer  spilen  welle  der  kegel, 
1 185  Der  sol  gen  üf  den  plaz , 

da  vindet  er  mangen  vürsaz;1 

Oder  ge2  üf  da3  rennen, 

da  sezt  man  vür3  etwennen, 

Davon  vil  manger  wirt4  betrogen: 
90  iu  wirt  da3  helmel5  vür  gezogen. 

Welt  ir  suochen  kamel6spil, 

in  wirt7  diu  veder,  und  iu  der  kil. 

Und  enruocht,8  swa3  man  iu  guote39  seit, 

get  ot10  nach  der  affenheit, 
95  Und  weset  daran  unverzeit, 

so  wirt  iuwer11  eselbeit 

Ze  beden  siten  vil  breit,12 

und  wert  den  narren  gemeit, 

Und  den  wisen  herzen  leit: 
1200  da3  nim  ich  üf  mlnen  eit. 

1  D^te  Zeilt  frhlt   l) 

2  er  gang'.  D. 

1  wirt  er  geroufel    D 

*  Vil  m.  w.  di.  D. 

1  helmlin    V. 

i  goucbes.  1).    Al$o  gampel. 

■  belibt.  D- 

!  Huocbent.  D. 

»  gUOtC3  fehlt  1/ 

V 
"  dio.  D. 
13  wol  bereit   D 


L. 


JH  arttttdfefl. 


Von 


dem   Stricke  r 


fjin  reicher  Bauer  leierte  die  Martins -Nacht  mit  seinem  Gesinde 
über  diemafsen;  sie  trunken  so  viel  guten  Weines,  dafs  alie  von  Sinnen 
kamen.  Das  gewahrten  schlaue  Diebe,  brachen  ein  Loch  in  seinen 
Kinderstall,  und  der  Verwegenste  schlüpfte  hinein.  Da  fingen  aber7 
zween  Hofwarte  Hofhunde,  grimmig  an  zu  bellen,  dafs  der  Wirth  es 
hürte;  er  nahm  ein  Licht  und  ging  zum  Stalle.  Der  Dieb  konnte  nicht 
entrinnen,  warf  rasch  sein  Gewand  ab,  so  dafs  er  nackt  dastand ,  als 
der  Wirth  eintrat;  und  so  machte  er  über  ihn  und  seine  Kiuder, 
desgleichen  über  jedes  Rind  mehr  als  zwanzigmal  das  Kreuz,  und  mur- 
melte dazu  wie  einen  Segen.  Er  winkte  dann  den  Wirth  naher,  sagte 
ihm,  er  sei  St.  Martin,  und  segne  sein  Gut,  zur  Vergeltung  des  Weines, 
welchen  er  am  Martinsfeste  gespendet  habe.   Zugleich  habe  er  der  Heilige) 

e  Kinder  gegen  eindringende  Diebe  behütet,  und  wolle  fürder  all"seine 
Habe  bewahren,  drum  möge  der  Wirth  getrost  sein  Fest  fortsetzen. 
Der  Wirth  weinte  vor  Freuden,  pries  sich  glücklich,  dafs  St.  Martin 
ihn  so  gewürdigt  habe,  löschte  das  Licht,  und  ging  wieder  ins  Haus. 
Hier  rerküadigte  er  die  Erscheinung  des  Heiligen,  und  forderte  Alle 
auf,  zu  Ehren  desselben  fürder  zu  trinken :  er  würde  seinen  Hühnern 
schenken,  wenn  sie  Wein  trunken.  Sein  Weib  musle  einen  allen  Kaee 
auftragen  ,'  damit  der  Wein  desto  befser  schmeckte;  und  man  trankauf 
sein  und  seines  Weibe?  Leibes-  und  Seelenheil,  und  vor  allen  zu 
!  .'rhtnis  ,  so  viel,  bis  Alle  sinnlos  dalagen.  Un- 
trieb  der  Dieb  alle  Ohsen  und  manche  Kühe  hinweg. 

Als  der  Wird;  seinen  Rausch  ausgeschlafen   hatte,   und  am  Morgen 

•   i  er    ihn   leer,  und   klagte   seinem  Gesinde,  dafs 

M    Martin    alle   Kinder    genommen    habe,    dem    er   nun    keinen   Becher 

mehr  v  henken  volle.    Er  heulte  ,  und  alle  seine  Kinder  mit  ihm.    Sein 

M  .     :       lall  ihn  selber  ein  Kind,  dafs  ei    den  Heiligen  Marlin  ge- 

ii  /n  haben  «rannte.    So  halte  ei  Schaden  und  Schande,  beklagte 

l  h  mehr  j<-nen  ,  all  dil 

Drum  --,11  m.ni  k«  imin  Diebe  Hauen,  der  sich  keinen  Tag  fristen 
konn  inen  Dieb  g&be    und  der  den  Leichtgläubigen 

an  neiaten  r> 


L. 

Sente  Merfines  naht. 


Hie  ist.  wie  an  Sente  Merlines  nahl 
Bin  gebüre  96  vaste  trank  über  mäht: 


JE3  was  ein  richer  bu  man . 

der  sere  schallen  began 

An  Sent  Mertines  naht. 

er  trank  vil  vaste  üb  r  mahl. 
>  Als  tet  da.3  gesinde  sin. 

er  hete  harte  guoten  win. 

Do  si  des  so  vil  getrunken. 

da3  in  die  zungen  hunken. 

Do  kwamen  karge  diebc  dar. 
10  die  wurden  des  vil  wol  gewat 

An  den  Worten,  diu  si  taten. 

dag  sj  niht  sinne  haten. 

Do  wurden  si  des  ze  rate, 

dnt3  si  biicbeo  vil  dr&te 
1)  Rio  loch  in  ttnen  rinder  stal. 

doch  «■nls.^on  si  des   Wirtes  sch.il. 

I),i3  ir  M-tsiichcr  dar  65s  beleip 
und  itnefl  gesellen  drin  Lreip: 
Od  nn. is  ein  kuener  ander  in. 
90  der  \il  vrcvelliclicn  sin 
Zoo  diebei  irepte  traok 

iiud   w;is  mich  kundik  genuok . 

Der  iloul  m  fangest  dar  in. 
dö  beten  im  den  gewin 


458  L.  Jflarttnefe|t. 

25  Zwen'  hofwart(e)  nach  genomcn, 
die  begunden  zorniklichen  komen 
Und  bullen  vaste^  in  den  stal. 
do  vernam  der  wirt  disen  schal, 
Und  gie  mit  einem  liehte  dar, 

30  und  wart  des  diebes  gewar. 
Do  des  der  diep  wart  innen, 
da3  er  niht  moht'  entrinnen, 
Do  gewan  er  grÖ3e  ungehabe, 
unt  zukte  sin  gewant  abe, 

35  Da3  in  der  wirt  nakket  vant, 
unt  tet  [im]  mit  slner  zeswen  hant 
über  den  wirt  und  [ü^ber]  siniu  kint 
und  über  iesliche3  rint 
Da3  kriuze  me  dan[ne]  zweinzik  stunt. 

40  dar  zuo  ruort'  er  den  munt, 
Reht  als  er  sprseche  einen  segen, 
dfs  begunde  er  vli3iklich(e)  pflegen. 
."  >  der  wirt  da3  gesach, 
do  stuont  er,  da3  er  niht  ensprach, 

45  Und  nam  ot  siner  geberde  war. 
do  winkt*  im  der  diep  dar. 
Der  wirt  gie  dar  näher  ba3, 
do  sprach  der  diep:  »sihestu  da3, 
Wie  ich  din  guot  gesegent  hän? 

•SO  ich  wil  dich  niht  Verliesen  län : 
Ich  bin  Sant(e)  Merlin, 
und  wil  dir  gelten  dinen  win, 
Den  du  getrunken  hast  durch  mich; 
din  trinken  ist  so  grÖ3lich; 

55  Da3  du  durch  minen  willen  tuost, 
da3  du  sin  vil  wol  genie3en  muosl: 
Hie  wären  diebe  her  komen, 
die  wolden  dir  gern[e]  hän  genomen 
Din  rinder  und  din  ander  guot; 

00  durch  da3  hän  ich  mich  her  gemuot, 
Da3  ich  din  guot  unde  dich 
behueten  wil;  da3  Iä3  an  mich, 


L.   Jttartinsfeft.  459 


Des  wil  ich  vli3iklich(e)  pflegen, 
ich  hän  getan  minen  segen 

65  über  dich  und  alles  da3  du  hast, 
swä  du  nü  din  guot  ligen  last , 
Da3  dir  nie  man  niht  verstelen  kan. 
nü  lesche  da3  lieht,  lieber  man, 
Und  gang  an  dinen  gemach  hin. 

70  dannen  ich  her  komen  bin, 

Dar  wil  ouch  ich  hin  wider  varn, 
und  wil  dich  immer(me)  bewarn. « 
Do  weintfe]  der  wirt  vor  liebe, 
und  geloubte  dem  diebe, 

75  Da3  er  Sant  Mertin  waere: 
»wol  mich  armen  sündaere!« 
Gedähte  er  in  dem  muote  sin 
»da3  mich  Sant(e)  Mertin 
Hie  heim(e)  hat  gesuochet. 

80  und  der  gnaden  ruochet, 
Da3  er  mich  unde  min  guot, 
mit  sinem  segen  hat  behuot. « 
Er  neik  vil  williklichen  dar 
unt  verlaschte  da3  lieht  gar, 

85  Und  wolte  vil  gewis  sin, 
e3  waere  Sant(c)  Mertin; 
Da3  kwara  von  slner  trunkenheil; 
des  was  der  diep  vil  gemeit. 
El   gie  \ii-licli  bin  wider  in: 

90  »wol  mich,  da3  icl.  Itk  bin 

><p  sprach  er  kuo  den  stnen 
»ich  li.iii  Sani  licrtinen 
Mit  nlneo  ougen    hie    gesehen« 
mir  mag  im  nimmer  misseschehen 
i.i  h,it  mir  des  gesagel  daofc 

'li;,  i»  li   i«;   80   volliklich c     Irasfc 

Durch  lieb« 

ei  jiiii,  d.13  ich  die  diebe 
üevttrhte  oimmei  mta 

HH)  ci    li'il    mit  h    ,ilsü   mm 


460  L.    iWartinsfeft. 

Gcsegent  undc  min  guot. 

da3  mir  deheiner  niht  entuot. 

Die  mir  nü  triuwen  schuldik  sin^ 

die  trinken  hin(te)  minen  win 
105  Durch  Sant  Mertines  ere. 

ich  wil  nü  nimmer  mere 

An  sinem  lobe  gehinken. 

wölten  min|e]  huener  trinken, 

Den  wolde  ich  schenken.«  sprach  er. 
10  »schenke  vrölichen  her,« 

Sprach  er  ze  sinem  kneble 

»ich  hän  bevunden  rehte, 

Swer  die  Heiligen  eret, 

da3  ist  vil  wol  bekeret. 
15  Wir  suln  trinken  minen  win 

so  sere,  da3  Sant  Mertin 

Immer  mer  ein  herre  si. 

und  suln  trinken  da  bi , 

Da3  er  uns  sin  immer  dank  sage; 
20  sit  ich  im  so  wol  behage, 

Da3  er  mich  vor  schaden  wil  bewarn, 

nu  enwil  ich  nimmer  niht  gesparn, 

Swa3  *cn  gewinne  hinnen  hin, 

da3  wil  ich  trinken  durch  in; 
25  Des  hän  ich  rehte  schulde. 

wie  möhte  mich  sin  hulde 

Immer  sanfter  anc  komen! 

sit  ich  von  im  hän  vernomen 

Da3  er  trinken(ne)s  gerl, 
30  des  wirt  er  von  mir  wol  gewerl. « 

Er  sprach  wider  sin  wip: 

»nü  gank,  so  dir  din  lip, 

Unt  trag  ein[en]  alten  kaes(e)  her. 

den  sul  wir  e33en,«  sprach  er 
35  »Da  ist  da3  trinken  guot  nach.« 

dö  wart  dem  wibe  vil  gäch, 

Und  bräht'  im,  swa3  er  vor  sprach. 

(s)wa3  [döj  da  trinken(nc)s  geschach . 


L.    ittitrtinsfeft.  'Dil 

Des  wart  (nüj  ein  vil  michel  teil; 
140  si  trunken  umb(e,  diu  zwei  heil  . 

Sin  [sinne]  und  sines  wibes. 

xder  sele  und  des  libes. 

Und  der  andern  [alle]  gemeine : 

diu  wurden  des  uahtes  kleine. 
i5  [Er  sprach:]  »trinket  vaste,  liehen  kittt : 

e3  ist  reht  alle3  ein  wint, 

Swa3  hie  trinkens  ist  geschehen . 

man  sol  noch  solhe  trünke  sehen, 

Die  wol  mit  eren  mugen  sin. 
50  wol  dir,  herre  Sente  Mertin. 

Wer  mühte  dir  geliehen! 

si  mue3en  dir  alle  entwichen. 

Die  da  ze  himel  riche  sint. 

hebet  üf  den  beclier,  liebiu  kint, 
55  Und  schenket  in  des  kalten. 

Sant  Mertin  muo3  es  walten, 

Da3  wir  hint'  gelrinken  so, 

da3  unser  sele  werden  vrö. 

Trinket  varsje  über  mahl! 
60  welch  Heilige  hat  ouch  eine  nahl 

So  guot,  so  Sant(e)  Mertin! 

mÖhte  wir  allen  minen  win 

Noch  hlnt'  allen  gelrinken  113. 

ichn'  wanl'  e3  nihl  mit  einer  grü$jQ 

Soi  trank  er  und  die  sin. 

dem  guoten  Saut  .Merline 

Ze  liebe  unl  m  minnen, 

un/  ii  1  warnen  von  »im  sinneu 

l  Dt   keiner   wiz/.cn   plli-n, 

70  und  enwesteo    "■>  s<  lägen. 
Dar  .in  geachach  dem  dieb< 

de*  nahleg  barle  lieh«  . 

Dei  treip  113  trinera  stalle 

sin   starken  (ibyei)  all«- 
7  >    l  ml    dal  /in»   in. ii,    <     .  umIc   Km». 

i>m  dei   wii  1  des  moi  -'<'ii    \ ruu 


462  L.   Jttarttn*f*(i 

Erstuont  von  siner  trunkenheit, 

und  hin  ze  sinem  stalle  schreit, 

Do  was  er  rinder  laere. 
180  dö  sagt'  er  boesiu  maere. 

Und  sprach  zuo  dem  gesinde  stn: 

»ich  waen',  uns  Sant(e)  Mertin 

Diu  rinder  elliu  hat  genomen; 

ichn'  weis  niht,  war  si  sint  komen. « 
85      Don  enwart  der  morgen,  dunket  mich, 

dem  äbende  ninder  gelich; 

Dem  er  des  äbendes  het  wol 

geschenket  zweinzik  becher  vol, 

Dem  schankt'  er  nü  niht  einen; 
90  er  begunde  vaste  weinen. 

Also  täten  alliu  siniu  kint. 

do  sprach  sin  wip,  er  waer'  ein  rint 

An  allen  [den]  wizzen  sinen , 

da3  er  Sant  Mertinen 
95  Mit  sinen  ougen  wände  sehen. 

sust  was  im  schade  und  schände  geschehen; 

Doch  klagt'  er  michel  vaster.  • 

den  schaden,  dan[ne]  da3  laster. 
Da  mane  ich  mine  vriunde  bt: 
200  swie  guot  des  diebes  rede  st 

Und  sin  geberde  dar  zuo, 

da3  man  im  doch  sin  reht  tuo 

Und  (in)  vür  einen  dieb  hab(e); 

er  muÖ3  die  liute  leiten  ab(e) 
5  Mit  sinen  worten,  swä  er  mak: 

ern'  werte  niht  einen  tak, 

Jaehe  er  selbe,  er  waer'  ein  diep; 

des  ist  im  not  unde  liep, 

Swä  mit  er  sich  gevristen  kan. 
10  man  sol  in  vür  ein[en]  getriuwen  man 

Durch  siniu  wort  niht  (en)hän, 

ern'  lä3e  diu  werk  der  nach  gän. 

Em*  triuget  niemen  so  vil, 

so  den,  der  im  gelouben  wil. 


LI. 

Der  Wuiuv  ÜUerfaljrt. 

Von 

dem  Freudenleeren. 


Vormals  war  die  Welt  fröhlich ,  die  jetzo  nur  auf  Gut  gestellt  ist, 
und  Frau  Ehren  verschmähet.  Doch  lebt  noch  mancher,  der  sie  lieber 
hat.  Burggraf  Uerman  von  üewiu  ijetzo  Teben,  unterhalb  Wiem, 
ein  wahrhafter  Mann  ohne  Tadel,  dessen  Seele  Gott  gnade,  erzählte  mir 
dieses  wunderliche  Märe.  Der  Freudenleere  hat  es  gedichtet,  wie 
er  es  zu  Wien  von  guten  Leuten  hörte. 

In  dieser  guten  Stadt,  in  Oesterreich,  lebt  man  wonniglich,  und 
hat  alles  in  Hülle  und  Fülle.  Dort  ist  eine  Art  Bad,  in- welchem  ein 
Fremder  bald  des  Silbers  und  der  Kleider  völlig  blofs  gemacht  wird. 
Dieses  Bad  gefällt  mir  nicht:  sonst  ist  Wien  zu  loben,  belebt  von  Bos- 
sen und  allerlei  Kurzweile!  Sagen,  Singen,  Saitenspiel  und  anderen 
Künsten;  für  Geld  giehts  da  viel  Köstliches,  den  Haufen  (Donau- 
lisch, und  süfsen  Ungar-  Wein,  und  manch  schönes  Fräulein  fröhlich 
und  reich. 

Hier  nun  safsen  einst  reiche  Bürger,  fremde  und  bekannte,  beim 
Weine,  und  afsen  dazu  Speisen  mit  Safran  und  anderen  Würzen,  die 
den  starken  Wein  versüfsen.  Sie  safsen  auf  einer  Laube  (bedeckten 
Söller,  ,  die  mit  Gras  bestreuet  war,  und  leerten,  bei  mancherlei  Kurz- 
weile, die  tiefen  Becher  und  Gläser  so  gründlich,  dafs  ihnen  die  Füfse 
kugelrund  wurden,  und  mancher  seinen  Nachbar  nicht  mehr  erkannte. 
So  ging's  bis  zum  Abend,  und  als  Licht  angezündet  wurde,  hub  das 
Trinken  von  Neuem  an.  Der  WTein  war  gut;  der  Kellerschreiber  musle, 
zur  Freude  des  Wirthcs,  immer  mehr  bringen.  Alle  wurden  reich;  der 
Dürftige  verhiefs  dem  Freunde  Silber  und  Gewand.  Dieser  bereute  seine 
Sünden;  jener  berechnete  von  Adams  Bippe  her  seine  Sippschaft  mit 
einem  andern,  so  nahe  als  Ackers  (St.  Jean  d'Acre)  an  Prag.  Kiner 
sprach  von  Seereise,  ein  andrer  von  der  Wallfahrt  nach  St.  Jakob  (in 
Pftf  ttttflh  ,  der  dritte  von  dor  l'reufscnfahrl  [ftgetl  die  heidnischen 
l'reulsen  .  Alk  lärmten,  immerfort  trinkend,  durcheinander;  mancher 
taumelte,  und  sprang  auf  die  Hanke,  mancher  sank  daneben. 

Da  verkündigte  eil  reicher  Bürget  einen  guten  Buh,  und  Alle  riefen 

nai  h  Wem,  um  zu  hören.  Jener  forderte  nun  Alle  auf,  zum  schuldigen 
Gottesdienst  über  Meer  zu  fahren,  sein  Nackter  stimmte  bei,  dann  ein 
dritter,  und  bald  wollten  Alle  lieh  so  den  kräftigsten  Abiais  holen,  und 
auf  der  Stelle  gen  Ackers  steuern  Sie  ruckten  /usatnnien  ,  und  schaff 
len  viel  Speise,  und  /nmal  J  rank  in  ihr  Schiff.  Der  Kcllcrschreiher 
brat  hie    des-,  n    die    lulle.     Der   Wjrtli    selber   war   einer   der    eifrigsten 

l'ilger,  und  bei  holen,  andere  gaben  Muskat ,  Ingwer,  Galgan, 

kubeben,    Vlkcn  :     vorauf   der    Wem    iheils    wann,    (heil«;    kalt,    desto 
befser  mundete      >ie    lUBgM   und  sagten     Alle     durch   einander,    so   lic 

gabaa  sie  sJek  na  Schiffe,  Heften  «las  Segel  aufrichten,  und  elf  n 
ober  Mitternacht   kam,  wähnten  sie  lieh  schon  iul  dem  .Meere,   und 

..   4.   Hmt,m      0...«.(.Ltai««(r     II  ',il 


sungen  ihren  Leisen  Kyrieleis):  .,in  Goltes  Namen  fahren  wir."  Einer 
empfahl  scheidend  seinem  Freunde  Weib  und  Kind.  Alle  baten  um 
gulenWind,  und  liefsen  immerfort  Wein  bringen:  einer  lag  und  schlief, 
der  andre  lobte  laut,  der  dritte  strauchelte  und  fiel;  der  vierte  meinte, 
das  Schiff  schwanke  so,  und  Alle  stimmten  endlich  ein,  dafs  ein  Sturm- 
wind sie  treibe.  Mancher  ward  seekrank;  andere  wehklagten  um  Weib 
und  Kind,  Seele  und  Gut,  und  gelobten,  ihre  Sünden  zu  büfsen.  Sie 
sahen,  von  der  Laube  bedeckt,  kein  Gestirn,  und  gegen  Morgen,  als 
sie  erst  halbweges  gen  Brandeis  Brundifium)  waren,  ward  der 
Sturm  immer  heftiger.  Die  Laube  schwamm  von  Wein,  und  den  Un- 
tergang fürchtend,  riefen  sie  zu  Gott  um  Hülfe.  Ha  sah  einer  einen 
reichen  Bürger  neben  der  Bank  liegen,  verkündigte  darin  Gottes  Hülle, 
und  hiefs  den  Todten,  dessen  Bosheit  Schuld  an  dem  Sturme  sei,  ins 
Meer  werfen,  um  es  zu  besänftigen.  Alle  stimmten  ein,  stunden  müh- 
sam auf,  hüben  den  Betrunkenen  zum  Fenster,  und  stürzten  ihn, 
trotz  seiner  Lebcnsbetheurung ,  als  einen  Todten  in  die  Strafse,  auf 
Stock  und  Stein,  dafs  er  Arme  und  Beine  brach.  Dann  setzten  sie 
sich  fröhlich  wieder  hin,  tranken  fürder,  freuten  sich,  dafs  sie  gen 
Ackers  gefahren,  und  sangen  Loblieder,  so  dafs  sie  das  Zetergeschrei 
des  Hinabgeworfenen  nicht  hörte?).  Endlich  lagen  Alle  sinnlos  da,  der  Wirth 
sammt  den  Gästen,  und  auch  der  Kellerschreiber,  mit  der  Zeche  im  Kopfe 

Am  Morgen  kamen  die  Nachbarn,  und  riefen  die  Trunkenbolde 
auf:  die  Sonne  stehe  schon  baumeshoch.  Da  erzählten  diese  von  ihrer 
stürmischen  Meerfahrt  und  Bettung  durch  den  Auswurf.  Die  Nüchternen 
lachten,  sprangen  aber  dem  Ausgeworfenen  zu  Hülfe,  und  sehallen 
die  Meerlahrer,  die,  noch  immer  trunken,  in  ihrem  Wahne  beharrlen 
Darüber  kamen  die  Freunde  des  Beschädigten  herbei,  und  schon  erhub 
sich  Gedränge  und  Schwerlerklang  zur  Bache  desselben:  die  Besonnenen 
jedoch  bewirkten  durch  Bitten  und  Vorstellungen  eine  Sühne,  und  män- 
niglich  führte  seinen  trunkenen  Freund  zu  Bette.  Es  währte  wohl  bis 
zum  dritten  läge,  ehe  sie  völlig  den  Bausch  ausgeschlafen  halten,  und 
des  Schadens  innc  wurden;  St.  Getrudens  Minne  (Anrufung  um  gute 
Herberge)  ward  ihnen  Leid.  Der  schwerverletzte  verklagte  sie  Alle:  da 
hub  sich  Kriemhildens  Nolh;  schamrolh  sahen  sie,  was  sie  ange- 
richtet hatten  ;  und  kaum  konnten  die  Vermittler  es  dahin  bringen,  dafs 
zweihundert  Pfund  Silbers  zur  Bufse  für  des  Mannes  Schaden  angenom- 
men wurden.  Daliir  hätten  sie  die  Meerfahrt  mit  Ehren  machen  können. 
So  ward  ihnen  der  süfse  Wein  sauer,  der,  mäfsig  getrunken,  Weib  und 
Mann  erfreuet,  aber  im  Unmaafse  an  Seele,  Leib  und  Gul  schadet,  und 
an  allen  Hauplsünden   I  heil  hat, 

Jedoch  mag  einer,  der  Gut  lieber  hat  als  Ehre,  zuweilen  Wohl  über 
den  Durst  Irinken,  damit  er  doch  eine  kleine  Müdigkeit  begehe.  Wer 
immer  nur  auf  Gut  gestellt ,  und  allen  Bitten  taub  ist,  er  sei  nüchtern 
oder  satt,  der  ist  voll  Bosheit,  und  Golt  slofsc  ihn  vom  Glüeksrade. 

So  endet  der  Wiener  Meerfahrl:  ich  küfse  gern  einen  rolhen  Mund 


LI. 

Der  Wiener  mervart. 

Diz  buechel  ist  [von!  seltsamer  art , 
und  hei5Pt  der  Wiener  mervart 


Diu  werlt  stuond  ctswenne  so, 
<la,3  die  liute  waren  vro 
In  tugentlichem  muote 
unde  kerten  ze  guote 

5  AIlc.3  da,3  sie  künden; 
swes  sie  dö  begunden, 
I).i3  was  gerne  tugentlich : 
nü  hat  diu  werlt  verkeret  sich 
Alle3  hin  nach  guote; 

10  in  wunncnkllchem  muote 
Vindet  man  ir  kleine, 
die  riehen  alle  gemeine 
Habent  ie  zuo  lieber  guot, 
denn«  wunnehkllchen  muot; 

15   \  rölichcr  muot  ist  tiuw 
d«i3  guot  ist  so  gebiuwer, 
Da£  sin  all i u  diu  werk  gcrl. 
hie  vor  dö  was  vrouw'  EfC  w < •  i  ( 
Nu   ist  d.15  guot  wenler  gar, 

20  dennc  vrouw'  Erc,  da£  'st  U,H 
Den  beesen  ürtwewenden. 
man  vindet  mengen  enden 
N      li  ld   tilgend  riehen  man, 


468  LI.    jDIfr  Wiener  Jttcerfal)rt. 

der  Ere  ba3  getriulen  kan, 
25  Dan  ein  schemeliche3  guot : 

da3  ist  hovellcher  muot, 

swer  die  vuoge  gerne  tuot. 
Mir  hat  ein  wärhafter  munt 

ein(e)  rede  gemachet  kunt, 
30  Diu  mag  wol  hei3en  wunderlich; 

also  hat  verrihtet  mich 

Von  Dewin  burgräve  Herman. 

der  nie  schänden  mal  gewan 

An  schentlicher  missetät. 
35  oa3  im  der  sele  werde  rät, 

Des  sol  man  im  von  schulden  bitcn; 

er  was  ein  man  von  guoten  siten , 

Gezogen  und  getriuwe  gar 

was  der  herre,  da3  ist  war, 
40  Gegen  vremden  und[e]  gegen  vründen; 

des  mach'  in  Got  von  Sünden 

Dort  an  der  sele  vrl 

durch  siner  höhsten  namen  dri! 

Der  saget'  mir  diz  maere: 
45  da3  hat  der  Vröudenlaere 

Gemachet,  als  e3  dort  geschach, 

als  man  im  ze  Wienen  jach, 

Von  guoter  liute  worte, 

dö  er  da3  maere  hörte; 
50  Da3  lit  in  Osterriche, 

man  lebt  da  wunnenkliche; 

Swer  silber  unde  golt  hat, 

der  vindet  manger  hande  rät. 

In  derselben  guoten  stat 
55  man  vindet  einer  hande  bat, 

Da3  hän  ich  dikke  wol  gehört, 

da  man  unz  an  den  le[t]stcn  ort 

Einen  unbekanten  man 

schiere  blÖ3  gemachen  kan, 
60  Des  Silbers  und  der  kleider 

pfendet  man  in  beider. 


LI.    Per  Weiter  Jtfeerfaljrt.  469 

Swer  dem  bade  volgen  wil, 

der  wirt  gesezzet  an  da3  zil, 

er  habe  wenik  oder  vil. 
65      Da3  bat  gevellet  mir  niht  wol, 

die  stat  ich  anders  loben  sol : 

Wiene  da3  ist  lobes  wert, 

da  vindet  man  ros  unde  pfert, 

GrÖ3er  kurze  wlle  vil , 
70  sagen,  singen,  Seiten  spil, 

Des  vindet  man  ze  Wiene(n)  gnuok, 

hübscheit  und(e)  ungevuok, 

Swem  diu  wirt  ze  teile, 

die  vindet  man  da  veile. 
75  Swelchje]  man  hat  den  pfennink, 

der  vindet  manger  hande  dink, 

Den  hüsen  und  den  sue3en  wln, 

und  manck  schoene3  vröuwelin 

Vil  wunnenkliches  muotes 
80  und  riche  des  guotes , 

Die  mag  man  da  ze  Wien(en)  sehen. 

in  der  stat  ist  geschehen 

Diz  seltsaene  maere. 

die  riehen  burgaere 
85  Sä3en  ze  einen  stunden, 

die  vremden  mit  den  künden, 

Ze  einem  wlne,  der  was  guot, 

der  dikke  trüregen  muot 

Ze  vröudcn  kan  gewenken  gar, 
!K)  und  lie3en  vaste  holen  dar 

in  hovellcher  wlse 

ir  wol  gemachten  spise 

Mit  wiir/cn  und  mit  safran , 

der  ieUUdfeg  wol  gemachen  kan 
95  Dem  starken  wine  soeben  smak 

sie  trunken  vaste  durch  den  tak, 

BDI  ir  trüren  gar  gelak. 

Uf  einer  louben  du  geschaeh 

diz  vrollchc  hns  gemach. 


470  LI.    Jbet  Wimtt  Jftmfaljrt. 

100  Da  die  herren  sä3en, 

[beide],  trunken  und(e)  ä3en, 

Und[e]  heten  kurze  wile  [vil]  gnuok. 

die  spise  man  vür  sie  truok; 

Da  was  geströuwet  gruene3  gras, 
5  beide,  becher  unde  glas 

Wart  da  seiden  Isere; 

sie  trunken  äne  swaere, 

Unz  in  da3  bat  erwarmete; 

ir  keinen  da3  erbarmete, 
10  Sic  trunken  alle  zuo  der  stuni 

da3  tiefe  glas  an  den  grünt 

Durch  des  wlnes  sue3e; 

des  wurden  in  die  vue3e 

Als  die  kugeln  sinewel; 
15  e3  ist  war  und  niht  ein  spei; 

Der  win  was  guot  und  niht  süi\ 

etlicher  sinen  nach  gebür 

Zejungest  niht  erkante. 

darnach  man  lieht  enbrante, 
20  Diz  geschach  vil  dräte, 

dö  der  abend  nähte, 

Do  huob  sich  trinken  aber,  als  c, 

sie  hie3en  vaste  holen  me: 

da3  tet  dem  wirte  nirgcn  we. 
25      Sie  wurden  alle  riche: 

der  vil  kumberliche 

Des  morgens  nüchtern  muoste  leben, 

der  wolde  da  ze  wette  geben; 

Der  gelobte  mit  der  hant, 
30  beide,  silber  unde  gewant 

Ze  gebene  sinem  vründe ; 

der  klagete  sine  sünde; 

Der  reite  (da)  die  sippe: 

»  von  Adämes  rippe 
35  Si  wir  gar  mäge, 

als  Akers  unde  Präge.« 

Sprach  einer  zuo  dem  andern  dö, 


LI.    jGUr  Wiener  Jttcerfnljrt.  471 


und  wurden  Ü3  der  ma3en  vrö; 

Sie  sagten  ir  maere. 
140  der  stolze  schribaere 

Holte  vaste  kuclen  win. 

der  wolde  mit  den  besten  sin: 

Sie  trunken  vaste,  äne  wer. 

einer  sagete  von  dein  mer 
\o  Unt  von  Sant  Jäkobes  wege, 

unt  trunken  vaste  (da)  ze  pflege, 

Der  von  der  Priu3en  vart : 

mit  hellender  stimme  wart 

Vil  swinde  da  getrunken, 
50  da3  die  starken  sunken 

Nider  bi  die  benke; 

der  wart  so  gelenke, 

1)33  er  tümelt'  unde  sprank 

von  der  tävel  üf  die  bank, 
55  da3  er  sider  vaste  hank, 
Do  diz  alle3  geschach, 

ein  richer  burger  sider  sprach 

"\VoI(de)t  ir  mir  volgen  nü . 

ich  wolde  raten  wol  darzuo, 
60  Wa3  da5  beste  mühte  sin.« 

sie  riefen  alle:  »bringe  win, 

So  Iuse  wir  dem  maere.« 

'!<>  sprach  der  burgaere  : 

»Ich  sag'  iu,  wa3  m'cn  dunket  güol; 
05  weit  ir  an  (Got)  den  muot 

Vieh  minem  rate  keren, 

wir  loHea  anserm  herren 

Dienen  lobellche  , 

wir  sin  des  gflotea  riebe 
70  Unt  vermugen'5  harte  wol, 

Gol  uns  darombe  danken  toi, 

I  inl  nullen  ub<r  iiht  varn  ; 

dl  enwil  ich  nimmer  Nor  gespart! 

Wedel  lip,  noch  d.«3  guot."   — 

75  »m  \\  bau  onefa  den  selben  muot.o 


472  LI.    JJet  Wen«  Jtteerfnljrt. 

^^ 

Sprach  sin  näkebür  da  bi. 

darnach  schiere  wart  ir  dri, 

Die  sprächen  alle  gemeine: 

»der  antlä3  ist  reine, 
180  Den  man  über  mer  holt.« 

[und]  unlange  wart  diz  sint  vcrdolt, 

Sie  riefen  (da)  mit  schalle, 

die  kumpän'  almetalle: 

»Wir  wellen  endelichen  dar 
85  mit  einer  kreftiklichen  schar 

Varen  durch  Gotes  gucte.« 

des  wlnes  übervluete 

Half  vil  sere  zuo  der  vart, 

da3  in  des  ze  muote  wart, 
90  Da3  sie  der  grÖ3en  arbeit 

gerne  wolden  stn  gereit. 

sust  wart  diu  mer  vart  üf  geleit. 
Diz  wart  gelobet  under  in, 

sie  wolden  mit  ein  ander  hin 
95  Gegen  Akers  varen,  als  man  pflit, 

kaem'  e3  immer  an  die  zit, 

Da3  man  ze  rehte  varen  sol  ; 

da3  geviel  in  allen  wol. 

Do  rukten  sie  ze  samne  ba3, 
200  sunder  allen  boesen  ha3, 

Unde  vi[e]l  dar  under; 

sie  sageten  alle  wunder, 

Wa3  sie  wolden  vueren; 

der  win  begunde  "rueren 
5  Ir  houbet  dö  mit  siner  kraft; 

splse  wart  da  vil  geschaft 

Und[e]  guotes  trankes  in  den  kiel; 

mit  worten,  als  ich  warnen  wil, 

Mit  den  werken  kleine. 
10  da3  wi33et  algemeine, 

Sie  wären  vil  verme33en; 

da  enwart  niht  vergC33cn, 

Swa3  man  haben  solde, 


LI.    J)ex  Wiener  Hflrctfatyrt.  473 

von  silber  unt  von  golde, 
215  Des  heten  sie  ze  Wien(en)  gnuok. 

der  schriber  vaste  win  dar  truok, 

Und[e]  sprach  gegen  in  allen: 

»lä3l  iu  die  rede  gevallen, 

Wir  haben  unser  zeche  nü.« 
20  er  gap  vil  grÖ3e  trünke  zuo. 

Der  wirt  was  ouch  der  besten  ein, 

der  des  nahtes  da  erschein 

An  der  pilgerime  schar; 

der  lie3  zejungest  holen  dar 
25  Vil  laktwärje  dräte; 

der  gab  die  muschäte, 

Der  ingeber,  der  galgan; 

da  bi  gab  ein  hübscher  man 

Kubeben;  dirre  neilikin. 
30  darnach  trunken  sie  den  win, 

Den  gewermet,  disen  kalt, 

da3  die  jungen  wurden  alt 

l'nd  die  alden  sere  junk. 

sust  begegent  in  manik  trunk , 
35  [Inder]  einander  üfder  loubcn  da, 

zuo  der  vart  wart  in  gä: 

da3  mer  was  noch  vil  unna. 
Do  huob  sich  singen  unde  sagen, 

d.13  diu  loube  mohte  wagen 
40  Von  dem  gr63en  schalle, 

die  kump;in'  almetalle 

Heten  fsich)  geneiget,  * 

drJ3  in  wart  erzeig: t 

Des  sue3cn  wlnes  guete; 
45  sie  heten  ir  gemuete 

Alle  zuo  dem  mer  gekart ; 

trinken  wart  d;i  nihl  gespart; 

Sie  Uten  ir  str.'iv; 

von  vsincs  iiber  mififi 
50  Heten  sie  den  sin  verlorn; 
heten  ille  ffol  gesworn 


474  Lh    "Bit  Wiener  JHcrrfatjrt. 

Sie  waeren  halben  weg  gevarn; 

do  hie,3en  sie  den  kil  bewarn, 

Da3  in  da3  wa33er  schatte  niht; 
'255  sust  wart  der  segel  üf  geriht 

Und  ir  dink  wol  begat : 

sie  wären  verre  von  der  slat. 

Da  Got  menschlichen  gienk;  l 

des  wines  kraft  sie  bevienk; 
60  Da3  sie  wurden  töreht  gar, 

als  diu  kint,  da3  ist  war. 

Mit  sulhen  vröuden  sä3en  sie . 

und  retten  dort  unde  hie, 

unz  diu  zit  hin  gie, 
05      Alle3  von  dem  Gotes  wege ; 

sie  trunken  vasle  (da)  ze  pflege 

Den  starken  win  über  mäht; 

dö  kom  e3  über  die  mitter  naht, 

Do  wurden  sie  durch  schellik 
70  unde  so  gar  gesellik, 

Von  des  wines  sue3ikeit 

wurden  sie  so  gar  gemeit 

Und  des  muotes  also  vrö, 

da3  sie  wänten  alle  dö, 
75  Sic  wahren  ie  zuo  an  dem  mer; 

sie  lie3en  allen  herzen  ser 

Und  sungen  vil  schöne 

in  einem  lülen  döne 

Uf  der  louben  offenbar 
80  irn  leisen,  da3  ist  war: 

»In  Gotes  namen  vare  wir!« 

der  sprach:  »vriunt,  ich  la3e  dir, 

Beide,  kint  unde  wlp 

üf  sele  unde  üf  Itp, 
85  Da3  du  der  mit  triuwen  pflegest, 

und  dich  nimmer  des  bewegest, 

Als  ein  vriunt  ze  rehte  sol. 

•  Vgl.  Walthers  von  der  Vogelweidc  Kreuzlied.   Minnesinger fh.  I,  S.  279. 


LI.    jDcr  Wtewex  ilTccrfoljrt.  475 

da3  geviel  in  allen  wol . 

»an  sie  wären  wiues  vol. 
290      Sust  vuoren  sie  mit  vrouden  hin. 

äne  wislichen  sin, 

Sie  wären  tumb,  als  diu  kint . 

sie  bäten  umbe  guoten  winl . 

Da3  in  den  Got  gesenle; 
95  da3  ein  bruoder  kente 

Den  andern,  des  enwaen'  ich  niht; 

do  sie  vuoren  in  der  schihl 

Und  an  der  wunnenklichen  stat. 

der  gebot,  dirre  bat, 
300  Da3  der  schriber  brachte  win; 

mich  dunket  an  den  sinnen  min. 

Sie  heten  guotes  windes  genuok; 

so  man  den  win  vür  sie  truok , 

Durch  trunkenheit  und  darch  guf'l. 
5  so  sluog  in  diu  vi!  sue3e  luft 

Allen  undcr  diu  ougen ; 

ich  rede  e3  äne  lougen, 

Sie  trunken  harte  swindc. 

des  wines  ingesinde, 
10  Da3  einer  lag  unde  slief, 

der  ander  schallet'  unde  riet, 

Der  dritte  strouch  unde  viel. 

der  \icrde  sprach:  »e3  ist  der  kiel 

l)<;r  sust  \v;mkende  gel.«  — 
15  Dein  stürm  weter  uns  btsU 

Sprach  der  rflnfte  sä  zc  haut; 

dem  Sehsten  idfga   was  brkant. 

Der  gesegenf  sich   \il  swindr 

M»r  dem  grögon   winde; 
20  Da  wanlen  sie  iftrr  m.-crc. 

(I,i5  ('3  daj  nur  wa;re: 

l><»  was  ej  der  ^  i  1  sm-y.   \n  in 

der  tet  sine  guete  schln. 

Sust   wurden  sn    tr\;iTel; 

j>  Nun  wtne  gar  bat w vre) 


d76  LI.    3tt  Weiter  itteerfaljtt. 

Was  ir  houbet,  da3  ist  war, 
sie  wären  alle  trunken  gar, 
Da3  was  ir  hoehster  ungemach. 
der  eine  jaemerlichen  sprach: 
330  »Mir  tuot  da3  houbet  sere  wc; 
swa3  Got  welle,  da3  erge, 
Uns  wil  ein  stürm  weter  kumen, 
da3  wirt  uns  allen  klein(e)  vrumen. « 
Do  huob  sich  michel  trüren 

33  von  den  näkebüren, 

Der  eine  klagt(e)  den  lip , 
der  diu  kint,  der  da3  wip, 
Der  die  sele,  der  da3  guot. 
alsust  lag  ir  übermuot, 

40  als  er  noch  vil  dikke  tuot. 

Der  win  begunde  vaster  toben, 
sich  huob  ein  swern  und  geloben 
Mit  henden  und  mit  vue3en; 
sie  wolden  gerne  bue3en 

45  Swa3  sie  heten  getan, 

und[e]  wolden  des  ze  buo3e  stan. 
Der  eine  ze  ietslichem  sprach: 
»da3  diu  vart  ie  geschach, 
Da3  mue3e  Got(e)  sin  geklaget! 

50  der  wint  den  kiel  ze  sere  jaget 
Und  des  wa33ers  ünde; 
mich  riuwe(n)t  min  sünde. « 
In  tobte  da3  gehirne', 
sie  künden  da3  gestirne 

55  Vor  der  louben  niht  gesehen, 
des  wil  ich  iu  verwäre  jehen, 
Do  gieng  e3  an  den  morgen; 
sie  vuoren  (da)  mit  sorgen, 
Und  wären  dannoch,  Gotewei3, 

60  (niht)  halben  wck  gegen  Brand C13, 
Do  nam  der  win  überhant, 
sie  ruortcn  dannoch  niht  da3  lant, 
Und[e]  riefen  doch  vil  sere: 


LI.    jDer  Wicntx  Jtteerfaljrt.  477 

»hilfä,  lieber  herre, 
365  Diuer  armen  hantgetät! 

du  engebest  lere  unde  rät, 

So  mue3e  wir  verderben  gar.« 

innes  sach  der  eine  dar, 

Do  lag  ein  richer  burger  dort, 
70  der  was  von  einer  täveln  ort 

Bi  die  bank  gevallen, 

er  sprach  gegen  in  allen: 

»Geverlen,  nü  gehabt  iuch  wol , 

menlich  Got(e)  danken  sol, 
75  Da3  er  uns  geholfen  hat; 

sin  sol  werden  vil  guot  rät , 

Dirre  grÖ3en  wa33ernöt: 

ein  pilgerim  der  lit  hie  tot, 

Des  ist  gewesen  disiu  schult, 
80  da3  da3  mer  sin  ungedult 

An  uns  hat  erzeiget  hier. 

ir  heren,  volget  alle  mir, 

Nemet  disen  töten  man, 

der  uns  niht  geholfen  kan, 
85  Den  werfet  drätc  äne  wer 

Ü3  dem  kiel(e)  in  da3  mer, 

So  lae3t  e3  sin  toben  sin. «  — 

»nü  walde  sin  unser  trehlin! « 

Sprachen  sie  gemeine 
90  »da3  mer  ist  so  reine, 

Dag  C3  keine  bösheit 

mak  gellden,  so  man  seit.« 

und  wurden  alle  gar  gemeit. 
Sie  ituonden  öl  vil  drate, 
!)5  mit  gemeinem  rate, 

Den  vor  größer  trunkenheit 

darinnen  d«3  gen   \sas  gel  eil, 

Und  ninen  iren  uAkebür, 

«lern   \s;irt  der  lue^e   nnIu   mI  IUI  . 

WK)  Und[e]  truog«  11  in  mit  grimme 
111  einer  loten  stimme 


178  LI.    Per  Wtftwt  Jttcerfaljtt. 

Gegen  einem  venster,  da3  was  he! 
der  man  begunde  ruofen  dö  1 
»Lä3t  mich  mit  gemache. 
105  ir  seht  wo!,  dtytj  ich  wache, 

[Jnd[c]  bin  gesunt,  sam  iuwer  ein. 
sie  sprachen  alle:  »triuwen,  nein, 
Ir  sit  veige  (hie)  gewesen, 
ir  möht(et)  nimmer  doch  genesen, 

10  l)a.3  ist  uns  allen  wol  bekant.  w 
und(e)  truogen  in  zc  hant, 
Swa3  er  gerief  unde  gebat, 
vaste  hin  von  siner  stat 
Unde  würfen  in  hinvür, 

15  Ö3  dem  venster  vür  die  lür 
Mitten  in  die  strafe , 
da3  was  ein  unma3e, 
Uf  stok  und(e)  uf  stein, 
da3  im  der  arm  und  da3  bein 

20  Von  dem  vaile  (da)  zebrach ; 
da3  was  ein  boese  hüs  gemach.  — 
Vor  sus  getaner  mer  vart 
wil  ich  gerne  sin  bewart; 
Tuot  e3  aber  der  süre  win, 

25  so  muo3  ich  mit  den  andern  sin. 
Do  giengen  sie  mit  vröuden  wider 
unde  sazten  sich  dar  nider 
Unt  trunken  ander  weide, 
sie  lie3en  herze  leide, 

30  Unde  krigen  aber  vür  ba'J. 
diu  loube  was  von  wine  na3, 
Da3  mer  schal'  in  kleine ; 
sie  sprachen  alle,  gemeine: 
»Uns  ist  ein  michel  heil  gesehen, 

35  da3  wir  den  man  haben  gesehen  , 
Der  so  veige  ist  gewesen; 
wir  mühten  nimmer  sin  genesen, 
Waer(e)  der  man  hinnen  hüben: 
Got  hat  in  selbe  hin  vertriben 


LI.    jDrr  Wiener  IHeerfaljrt.  479 

UO  Und  113  dem  kiele  gesant 

mit  siner  gotlichen  hant, 

l'nd(e)  hat  uns  alle  erhört; 

da3  \va53er  gieng  uns  an  den  bort. « 

und[e]  sungen  vaste  lobes  wort. 
io      Nu  schrei  der  burger  sere : 

»zether  immer  mere! 

Wag  ist  an  mir  gerochen? 

min  bein  ist  mir  zebrochen 

lud  der  arm  ouch  en  zwei. « 
><>  in  jämmerlicher  stimme  schrei 

Der  riche  burgaere 

von  so  grÖ3er  swaere 

lüde  klagte  sinen  val, 

d«3  e3  über  al  die  ga35c  schal 
S5  Die  her  gesellen  waren  vro, 

undfej  sungen  also  lfite  du. 

D15  sie  in  niht  enhorten, 

\<>n  sust  getanen  worten, 

Diu  der  burger  klagte. 
»»<>  bl  der  zit  e$  tagetc, 

Der  eine  zno  dem  andern  sprach: 
wol  uns,  da3  e3  ie  geschach , 

D,i5  wir  gegen  Akcrs  sin  gevarn! 

dot  s(»l  uns  desterba3  bewarn 
-not  unde  lip; 

<',ot  bchnetc   un^er   wip 

und  <liu   Unt,  nach  uiu-em   vrumen  . 

am  d.13  wii  im  lande  Itujnen. « 
Sie  enwesten  niht  dei  sum 

70  die   tumbeO    Wiena-ir, 

D.13  sie   /(     Wime, 11     vs.'iren. 
dl    lie   ?0n   kindes  jaren 

Ml«-  \s  Iren  erzogen; 
-ler  \siu  bei  e    »ie  betrogen. 
7  >  Dar  nach  wßri  ej  UehUr  iak . 
daj  i(  i"  9tt  w/m  lagen  niak  < 
Sie  muoslen  linne  färben . 


480  LI.    $er  Wiener  Jtteert"nl)rt. 

sie  wären,  sam  die  garben, 
Gestrüchet  und  gevallen. 
480  der  burger  lie3  sin  schallen, 
Der  des  nahtes  also  rief, 
und  so  rehte  kleine  slief. 
Der  was  noch  betoubet, 
doch  hete  sin  houbet 

85  Des  wines  kraft  gerümet; 
er  hete  sich  versümet, 
Da3  er  ze  schiere  entsiafen  was, 
davon  er  küme  sint  genas, 
Dem  tet  der  val  harte  we, 

90  und  was  im  verre  wirs,  dan  [\v]e; 
Da3  was  sin  bester  antlä3, 
da3  er  was  von  bluote  na3, 
und  des  valles  niht  verga3. 
Des  morgens  vruo  körnen  dar 

95  ir  näch[t]  gebüren,  da3  ist   war, 
Die  den  schal  vernämen; 
dö  sie  ze  samen  kwämen, 
Die  nuehtern  sprachen  alle  dö: 
»ir  sit  Ü3  der  mä3en  vrö 
500  Gewesen  alle  dise  naht 

und  habt  lange  gnuok  gewaht 
Und  habt  grÖ3en  schal  getriben. 
ist  des  wines  iht  mere  blibenV 
Diu  sunne  stet  wol  boumes  ho.« 
5  die  trunkenbolde  sprachen  dö: 
»Ir  sult  uns  des  wol  gunnen, 
wir  sin  in  grÖ3en   wunnen 
Hinaht  gevarn  über  mer, 
gewaldiklichen,  äne  wer; 

10  Da  hat  uns  Got  geholfen  zuo, 
beide,  spat  unde  vruo, 
Kr  gab  uns  sere  guoten  wint: 
dar  nach  huob  sich  aber  sint 
Ein  stürm  weter  harte  grÖ3, 

15  da3  uns  da3  wilde  mer  VI63 


LI.    Der  Wuntt  ittmfüljrt.  481 

(iewaltiklichen  in  den  kiel; 

da  von  huop  sich  sorgen  vil , 

Wir  wänten  alle  des  verwar, 

wir  solden  sin  ertrunken  gar, 
520  Wan  da3  uns  doch  ein  heil  geschach , 

da3  ein  pilgerim  ersach 

Einen  man,   der  was  tot, 

als  e3  selbe  Got  gebot, 

Den  würfe  wir  vil  dräte, 
25  mit  gemeinem  rate, 

l  5  dem  kiele  über  den  bort , 

als  wir  heten  vor  gehört 

Und  der  marner  uns  gebot, 

unt  verwunden  sulhe  not. 
30  Do  der  stürm  wint  gelak 

unt  vil  manik  doner  slak. « 

Die  nuohtern  lachten  vaste; 

der  wirt  lag  bi  dem  gaste, 

Und  waren  sere  trunken; 
35  der  schriber  was  gesunken 

Bl  der  bank  hin  ze  tal, 

der  weste  klein(e)  von  der  zal. 

Wer  da3  meiste  teil  galtj 

noch  was  der  win  unbezalt. 
40  Do  rief  der  bürgere 

iiinl[ej  klagte  sine  swa;re, 

Der  in  da 3  rner  geschossen   wart. 

do  wart   tili   rnicliel  zun  \;nt 

/no   den   seihen    stunden. 
Hl  <!<>   BIC  den   m;m   runden, 

Der    was   gefallen ,   hoch   cnpor 

ron  dem  renaler,  in  dag  hör, 

Dt3   rn.in   sin   niht  erkanlc. 

un/.  <m  sich  seihe  oante; 

>0   l)'i   w;is   ci    der   hcslcn    cm 

iprlcheo  alle  ^  ti iuwen .  nein . 
Der  ^i"»t  ist  im  ruht  guot  gewesen 
dei  ui.in  soi  küme  genesen 

4      H-r  ||  ,(  I 


48*2  LI.   Per  Wiener  Jfleerfat)rt. 

diz  I03  buoch  ist  unreht  gelesen.« 
555      Do  die  vriunde  da  gesan . 
da3  der  schade  was  getan 
An  dem  manne  riche. 
sie  liefen  zornikliche 
Mit  ein  ander  alle  hin. 

60  übellich  was  ir  begin, 
Sie  wolden  jene  erslän. 
die  da3  het(t)en  getan. 
Sie  sprächen  zorniklichen  gar: 
»ir  habt  nnsern  vriunt  vcr  war 

65  Verderbet  vrevelliche, 
der  was  nehten  riche, 
Dem  ist  der  lip  zebrochen; 
e3  wirt  an  iu  gerochen, 
Da3  ir  die  grÖ3en  kündikeit 

70  an  disen  man  habt  geleit.« 
Die  herren  sprachen  säzehant: 
»diu  maere  sint  uns  unbekant. 
Wir  haben  rehte  gevarn, 
Got  sol  uns  dester  ba3  bewarn, 

75  An  des  dienste  vare  wir  (i)e; 
beswaert  ir  uns  an  ihte  hie, 
Des  welle  wir  uns  mit  rehte  wem; 
sulle  wir  guot  also  verzern, 
Da3  ir  uns  missebieten  wolt? 

80  ja  habe  wir  silber  unde  golt 
Uf  dem  Gotes  wege  verzert; 
dan  da3  uns  der  hat  ernert. 
Wir  waeren  alle  blibcn  tot; 
wir  kwämen  in  so  grÖ3e  not, 

85  Da3  wir  küme  sin  genesen; 

weit  ir  uns  darümbe  vint  wesen, 
Da3  ist  uns  leit,  da3  wi33e  Got; 
e3  was  des  marners  gebot. 
Und  niht  gar  ein  kindes  spot; 

90  [des  lobte(n)  wir  alle  GotJ.« 

Nu  huop  sich  aber  ein  grÖ3er  ha^ 
von  den  vriunden  umbe  da3 


LI.    T)tt  Wiener  itteerfabrt.  -183 

Und  ein  zuo  dringen 

und  ein  swert  klingen 
o9ö  Und  ein  boeser  stürm  wint: 

wan  da3  die  besten  alle  sinl 

Vaste  dar  zuo  traten, 

vlehlen  unde  bäten. 

Unz  sis  brähten  ze  tage. 
600  alle3  nach  ir  beider  klage. 

Des  mannes  schade  was  in  leit, 

und  waren  vrö  der  trunkenheit, 

Diu  den  herren  was  geschehen; 

sie  heten  alle  wol  gesehen, 
5  Da,5  diz  von  grÖ3en  trunken  kwam. 

menlich  sinen  vriunt  dö  nam 

Uod[e]  vuorten  sie  ze  bette. 

da3  ich  die  muo3e  hette. 

Ich  sagete  hie  von  Wunders  gnuok. 
10  den  burger  man  ze  hüse  truok, 

Der  so  höh'  gevallen  was. 

da5  er  küme  genav 
EM  sie  da  gelägen 

unde  der  raowe  pflägen 
15  Wol  bi3  an  den  dritten  tak, 

da3  der  stürm  wint  gelak 

Unde  dea  »oegeii  wines  kraft. 

danile  sie  wären  behalt, 

DA  sluondeo  sie  mit  sorgen 
20  ut  gegen  d<m  iDorgen; 

Urea!  irarl  in  do  bekam . 

<\;\-,   SIC    \% ; i r < • ! i   gepfanl 

Von  Lninkenbeil .  der  sinne 

ü  I   (,  <•  r    (i  r  ii  de  D   ■  i  n  ii  t 

■2  >    \\  ;ii  I    in    siilcr   hat  t€   mii 

<ici  kmrgei  .  ii  nan  gebfti . 
hei   \v.i>  der  reise  nibl  /<•  n 
dei   beklaget'  lie  all»-  do : 

I  >■     tiiio|)   SICD    K  n  m  Ii  i  I  (1  C  ii   ii  "  i 

;in  sie  \s  urden  schemellchen  i  <>\ . 


484  LI.   Per  Wiener  ifcleerfal)rt. 

1)6  sie  die  wärheit  gesän, 

da3  sie  hel(t)en  getan 

Den  schaden  an  dem  guoten  man  ; 

da  gewunnen  sie  niht  an. 
635  Die  burger  sprächen  alle  nu 

da3  beste  vaste  darzuo, 

Da3  C3  küm(e)  darzuo  kwam, 

da3  man  be33erunge  nam, 

Da3  sie  gseben  zuo  der  stunt 
40  dem  selben  manjne]  zwei  hundert  pliint 

Vür  den  grÖ3en  schaden  sin. 

sust  wart  in  sür  der  sue3e  win , 

Do  sie  da3  silber  wuogen  dar. 

da  mite  waeren  sie  verwär 
45  Mit  eren  über  mer  gevarn. 

swer  den  win  niht  kan  gesparn. 

Und  wil  in  trinken  über  reht, 

da  wirt  der  man  des  wines  kneht , 

Und  niht  des  wines  herre. 
50  swer  trinken  wil  ze  sere, 

e3  krenket  im  sin  ere. 
Nu  hoeret,  wa3  der  win  luot: 

er  vröuwet  trürigen  muot, 

Beide,  vrouwen  unde  man, 
55  swer  in  ze  rehte  trinken  kan ; 

Und  schadet  doch  den  eren, 

swer  den  sin  wil  keren 

Uf  den  gro3en  über  trank, 

davon  wirt  der  lip  krank, 
60  Und[e]  schadet  ouch  dem  guole. 

nü  merk[e]t  in  iuwerm  muote. 

Wa5  der  win  geschaden  mak: 

der  win  ist  der  sele  slak; 

Swer  in  trinket  über  da3  zil 
65  unt  kein  ma3e  haben  wil, 

Daz  ist  der  sele  unheil; 

an  allen  houpt  Sünden  teil 

Hat  diu  leide  trunkenheit; 


LI.   jDcr   Wiener  Jttmfatyrt.  485 

davon  wirt  der  lip  gemeit, 
670  Dem  er  vliu3et  durch  den  munt, 

da3  machet  mangen  ungesunt 

Die  sele,  guot  unde  lip. 

des  huetet,  man  unde  wip, 

Da3  ir  von  sulher  trunkenheit 
75  iht  kumet  ze  langer  arbeit. 

Man  vindet  ouch  vil  mangen  man, 

der  die  beste(n)  mä3e  kan 

An  grÖ3em  über  tränke; 

da3  ist  Got  wol  ze  danke 
80  Und  der  werlde  ouch  damit, 

swer  trinken  wil  nach  rehtem  sit'. 

Swer  aber  si  des  des  muotes, 

da3  er  des  kranken  guotes 

Mer  schönet,  dan  der  eren, 
So  den  wil  ich  trinken  leren: 

Der  mag  underwilen  wol 

sin  houbet  guotes  wines  vol 

Durch  kurze  wile  trinken; 

so  muo3  sin  karkeit  sinken. 
(.K)  Da3.er  durch  grÖ3e  trunkenheit 

eine  kleine  miltikeit 

Underwilen  doch  beget. 

«•wem  der  muot  aber  stet 

Anders  niht,  dan  uf  guot. 
98  der  h;"it  zaghaften  muol. 

Ei  il  nuohtern  oder  sat, 

^\n;i-,  man  den  büMen  ie  gebat. 
'1,13  hilfrt    nilit    *  -  i  1 1   miu/eii  bl.it 

Got  werfe  in  M'fi  gelü&kes  rat, 
~(H)  der  lieh  boeheit  undersat, 

^\ser  worden  i^t  ;m  eren   mal. 

Dl/    Ilieir    |f|     u-    ,j|i    dine    sl.ll 

I);i3  ist  di  u   m  <■  r  \  a  rl   genanl  ; 

den  Danen  la^t  iu  ito  bekant. 
i  Daj  m  Mi  ifl  n  [  an  dii  rc  itunl 
ieb  kofte  gei  dc  ein  en    röten  munl 


Anhang« 


Aus 


an      e  n      (0  n  t  n  k  c  l  * 
eltbud)?. 


$,d)Ulc6   unfc   pnfcnmta. 


Schon  neun  Jahre  und  einen  Tag  lagen  die  Griechen  vor  Troja. 
wo  Schach-  und  Brettspiel  und  Würfel  erfunden  wurden  von  einem 
Griechen;  der  Streit  währte  fort,  und  der  furchtbare  Hektor  erschlug 
viele  Griechen,  so  dafs  sie  missmulhig  waren.  Da  befragte  ihr  König 
den  Weifsager  am  Brunnen  ,  wie  Troja  endlich  zu  gewinnen  wäre, 
und  dieser  verkündigt,  es  könne  nur  durch  den  jungen  Achilles  ge- 
schehen, der  in  Frauenkleidern  bei  Jungfrauen  verborgen  sei.  Sogleich 
ging  der  Koni;.'  zu  Käthe,  wie  Achilles  zu  finden    wäre. 

Achilles.  des  Peleas  und  der  Tetis  Sohn,  wurde  von  ihrem 
Wildschützen  Schiro,  der  halb  Koss  halb  Mann  war,  erzogen,  und 
dieser  lehrte  ihn  Springen.  Bingen,  Sleinwerfen.  Bogenschiefsen  und 
alle  Künste.  Als  Achilles  zwanzig  Jabr  alt  war,  hörte  er  viel  von  der 
schönen  Tochter  eines  Königs,  jenseit  Meeres,  der  gelobt  hatte,  sie 
nur  dem  zu  geben,  den  sie  wollte  Achilles  gedachte,  sie  in  Frauen- 
verkleidung zu  erwerben,  und  wünschte  ein  Mittel  gegen  den  Bart,  und 
Bcbiro  brachte  ihm  eine  Wurzel  in  einem  Linnenluche,  die  um  den 
Mund  gestrichen,  kein  Maar  wachsen  liefs.  So  völlig  einer  Jungfrau 
gleich     schifte  er  ins  lleidenland  nach  der  schönen  Deidamia. 

I)<»rt  anlandend  ,  ging  er  alsbald  auf  die  Burg,  an  deren  Thor  er 
die  Wäscherin  der  Königin  traf  und  sich  für  eine  Unglückliche  ausgab. 
weiche  ihren  fürstlichen  Verwandten  entführt  worden .  von  einem 
Manne,  der  ihr  mH  Ehren  rerbeifsen.  sie  aber  verlafsen  habe,  so  dafs 
sie  buifloi  sei,  und  gerne  eine  Konigin  Griechisch  lehren  möchte,  damit 
re  bisher  I. ••wahrten  Kleider  nicht  verzehren  müste.  Die  Wäscherin 
erbot  sich  mitleidig,  ihre  Herrin  für  sie  anzusprechen,  ging  hinein  und 
Beeidete  ei  der  Königin.  Diese  liefs  die  Fremde  kommen  ,  erkannte  sie 
für  rill  -    Weib,  und    befahl  ihr  die  Tochter  EUr  Feine,  für  reichen 

Föhn     Achilles   dankte  der  Gnade,    raffte  die  Jungfrau  bei  der  Hand 
und  rerhieJ  Griechisch  tu  lehren     wenn  sie  ihn  dafür  lieb  hätte 

hu-  Jungfrau  \s  /  seinei  Pflege  übergeben,  und  man  bettete  beide 

■MM 

tcbilles   -.Hin  nun  daraul     *  mil  ihrem  Willen  gewinnen 

und  erzählte  ihr  fraulich  die  seltsame  Griechische  Bitte,    wie 

die  Jungfrauen,  unbesebadel  ihrei  Bbre   sich  vergnügen  können,  wenn 

iwei  heinilieh  beisasemea  sind,  und  fragte  sie    oh  sie  wol  ein 

Mann  -•■in  möchte.    Sie  wünschte  es  lieber,  als  dei  Griechen  <«"id    m<- 

wollte  dann  um  Frauen  m  fremden  Landen  ritterlieh  abenteuern,   und 

rerbiefi  reichen  Lohn     Achilles  lehrt«  lie  bieraul  die  Kunst,  dafi  «'ms 

son  ihnen  beiden  eia  Unna  werdi    ei  kenne  einen  fröhlichen  Gotl  Kai 

der  hui  inbrünstiges  Gebet    wiche«   verleibe      Ei  sprach  iln  das 


Gebet  vor,  worin  dem  Gölte,  mit  drei  Kniebeugungen,  hohe  Ehre  und 
ein  Beihaus  gelobt  wird  Nachdem  beide  es  für  sich  dreimal  gesprochen, 
hiefs  Achilles  die  Jungfrau  sich  mit  ihm  ins  Bette  legen,  um  die  Wirkung 
zu  erfahren.  Hier  fand  er  noch  Busen  und  wonnigliches  Frauenspiel, 
nur  Weibheit  an  ihr,  und  rühmte,  dafs  sein  kräftiges  Gebet  befser 
erhört  sei.  Sie  überzeugte  sich  handgreiflich,  und  beide  lebten  die 
Nacht,  und  fortan  in  Freuden.  Der  Gewinn  war  beiderseitig  :  die  Königs- 
tochter gewann  dazu  ein  Kindlein. 

Unterdes  ward  ihr  Vater  krank;  der  Arzt  kam,  und  hiefs  den 
Harn  des  Kranken  im  Glase  bewahren,  um  ihn  zu  beschauen.  Das 
Glas  wurde  der  Sorgfalt  der  Tochter  übergeben.  Diese  setzte  es  aber, 
als  es  am  nächsten  Morgen  gefüllt  war,  verkehrt  hin,  so  dafs  alles 
verschüttet  ward.  Sie  wüste  jedoch  sich  zu  helfen,  und  ersetzte  den 
Verlust  gleich  aus  eigenen  Wittein.  Als  nun  der  Arzt  kam  und  den 
Harn  beschaute,  da  verkündete  er  ein  Siechthum,  wie  noch  kein  Mann 
gehabt,  und  den  sichern  Tod:  weil  der  König  ein  Kind  trage,  davon 
sein  Leib  verderbe.  Der  König  fragte,  woher  das  käme,  und  als  der 
Arzt  ohne  Antwort  wegging,  liefs  er  die  Königin  rufen  und  schalt  si« 
zornig,  dafs  sie  Schuld  habe  an  seinen  Kindesnöthen  und  Tode,  weil 
sie  von  jeher  mit  Teufels  Gewalt  auf  seinen  schwachen  Leib  gestrebi 
habe  ,  wie  ein  Mann.  Sie  beklagte  sein  Weh  und  entschuldigte  sich, 
indem  sie  ihm  nur  Liebes  thun  wollen,  und  hiefs  die  wunderliche  Ge- 
schichte den  Arzt  nochmals  prüfen  lafsen.  Dieser  wiederholte  zornig 
seinen  Ausspruch,  kam  jedoch  und  beschaute  diesmal  den  wirklichen 
Harn  des  Königs,  und  erlheilte  nun  die  frohe  Kunde,  dafs  der  König 
des  Kindes  ledig  sei  und  genesen  werde.  Dieser  liefs  ihm  alsbald 
hundert  Mark  geben,  und  die  Königin  war  voll  Freuden.  Nicht  minder 
ihre  schöne  Tochter,  die  fortwährend  minniglich  bei  Achilles  lag.  bis 
sie  ein  Kind  trug. 

Als  sie  dessen  inne  ward,  mischte  beider  Freude  auf  der  Minnen 
Heide  sich  mit  Leid,  und  sie  furchten  den  Tod.  Sie  wehklagte;  jedoch 
tröstete  sie  Achilles:  sein  Gott  werde  sie  beide  behüten  und  alles  zum 
besten  fügen;  es  sei  nicht  ohne  Ursache  so  ergangen. 


1. 

Achilles   und  Deidämiä. 


0.13  her  da  vor  der  stat  lak 

niun  jär  und  einen  tak. 

Da3  sie  des  iigens  verdr(>3  da : 

da  wart  manig  spil  vunden  sa, 
>  1)33  man  nie  vor  het  gesehen. 

des  muo3  ich  von  der  wärhail  jenen. 

Schach  zabel  und(e)  bretspil 

wart  vunden  da  anmaßen  vil, 

Würfel  würden  da  berait : 
10  da3  tet  ain  Kriech'  mit  kiindikait. 

Dos  Iigens  sie  vil  gar  verdroß, 

beidin,  man  slnog  und  sch(>3 

Def  Kriechen  d;*i  ein  micliel  teil. 

d.15  w;i>  def  selben  anheil, 
1  >  l  od  w;i>  der  Troijer  ?röud  en    spil ; 

auch  wart  <  1  •  r  zu<>  barl  e)  vil 

Von  den  Kriechen  leben  lös. 

«j,i  von  dei  Iran  wcir1  sie  i  erdrö3. 

Hektof  du  des  Dicht  enlie^ . 
'jo  \il  mengen  er  [da]  ron  dem  leben  itie3 

w.iii  in  dei  rechtens  nicht  rerdrc^, 

beiden .  er  slnog  nnd  sch05 

Di  ril  mangen  Kriechen  her. 
1  rönten  lieh  <iu-   l  roijer  sei  : 
28  1  •  1   m m  /•    -'i eil  -'11(1  \ nun  man . 
rantf  «In-  •.«•int  degenleich  in 


494  1.   3U)tlles  untJ  l&nfcamin. 

Do  die  Kriechen  manige  zeit 

lägen  vor  Troijen  weit, 

Und  sie  des  ligens  da  verdre^: 
30  wan  man  ir  [da]   vil  ze  töd'  erschÖ3, 

Als  ich  eu  vor  gesag(e)t  hän. 

der  künik  von  Kriechen  kom  gegän, 

Da  er  ainen  weissagen  vant, 

er  sprach:     »du  solt  mir  tuon  bekant, 
35  Wie  wir  Troijen  gewinnen, 

seit  du  hast  vveis(e)  sinnen.« 

Er  sprach:  »da3  sag'  ich  dir  schier, 

wilt  du  e3  gelouben  mir: 

Du  macht  mit  deinen  sinnen 
40  Troijen  nicht  gewinnen. 

Du  gewinst  dan  ainen  man  , 

den  ich  dir  wol  nennen  kan, 

Der  ist  Achilles  genant, 

ze  streitfe)  gar  ein  weigant.« 
45  [Der  künig  sprach:]     »wä  sol  ich  in  suochen, 

ob  ich  des  mans  wil  ruochen?« 

Er  sprach:    »er  ist  verborgen 

under  junkvrau[we]n  mit  sorgen, 

Unt  trait  an  der  vrouwen  klait, 
50  ungevuog(e)  ist  im  lait.« 

Do  der  künig  da  erhört' 

des  weissagen  wort, 

Do  sant'  er  vil  drät(e) 

nach  seinem  nähsten  rät(e) 
55  Und  betracht'  an  den  stunden , 

wie  sie  Achillen  vunden, 

Der  da  was  in  vrauwen  klait 

durch  seines  leibes  hübschait.  — 
ISü  lä3en  wir  die  rede  stan , 
60  und  greifen  da3  maere  an  . 

Wie  e3  dar  zuo  ka3m(e), 

da3  Achilles  naem(e) 

An  sich  weipleichen  klait. 

durch  seines  leibes  hübschait 


1.    ÜdjiiUs  untJ  jDettJamta.  495 

65  Gieng  er  in  vrauwen  wät, 

recht  als(6)  ain  vrauw(e)  stät, 

Da3  tet  er  durch  ain  vrouwen  guot, 

deu  nimmer  kam  au3  seinem  muot. 

Und  het  sie  doch  nie  gesehen; 
70  des  raao3  ich  von  der  wärheit  jehen: 
Ain  biderb  man  gese53en  was. 

der  was  gehalten  Peleas 

Sein  weip  was  Tetis  genant. 

den  baiden  ward  ain  kind  bekant, 
75  Achilles  sein  nam(e)  hie3; 

seinem  wildnaer'  er  e3  Iie3 , 

Der  was  gehaizen  Schirö; 

die  pfaffcn  nennent  in  also. 

Dor  was  halbs  ros,  halbes  man, 
80  vür  war  ich  eu  d«3  sagen  kan, 

Da3  Schiro  zoch  daz  kint, 

un3  er  vi  1  vrum  wart  und  besint. 

Er  wart  auch  von  im  wol  gezogen; 

er  lert'  e3  schieson  mit  dem  bogen. 
85  S[>ringen,  ringen,  werfen  den  stain 

alle  gevuog'  lert'  er  e3  gemain. 

Do  da,5  kint  gowuochs,  nach  recht, 

<'5  wart  z'wär  ain  vrumer  knecht, 

l'nd   wol   zwainzig  jar  alt. 
(n)  im  ward  dtkk(e]  vor  gezalt, 

Wie  ain  junk  ?rauw'  wasre . 

\ii  edel  und  fernere, 

l'nd  wasr1  enbalb[en    dem  wilden  mrr; 

ir  rater  h »•  i  e    manig  her 
u )  Und  w;im'  ain  künig  i eich  e  . 

der  bete  [die  junk  vrouwen]  nicherleich(e) 

Gelobt,  da3  ei  sie  m<-  man  solde 

iicn.    w.iii   den   sie   nemen    WOldo. 
I)<>    \<  liillcs'   wart   Kuiil    geUbl 

100  di-,  in. i-n     ,|,,  begund*  er  gAn 
/     Scbirä    d  i  ei   m  ranl , 
ei  ^i'i  ach        mö<  ht'  mii   werden  bekanl 


4%  1.    3U)ilU9  unb  jDeitiamta. 

Ein  vil  seltsaine3  dink 
daran  stet  aller  mein  gerink, 
105  Da3  mir  nicht  wiiecht,'  ein  mannes  bart, 

da3  waer'  mir  äne  ma3en  zart.« 
Do  da3  erhört(e)  Schirö, 

er  sprach:    »ich  vürcht(e)  kain(e)  dro. 

Ich  bring(e)  dir  vil  schier, 
10  da3  solt  du  gelauben  mir, 

Ain  würz  her  in  kurzer  vrist, 

den  dir  harte  niizz(e)  ist, 

Da3  dir  wechset  dehein  bart, 

wan  ich  han  dich  gezogen  zart.« 
to  Zehand  er  im  ein  würz  bracht', 

deu  was  mit  leinein  tuoch  bedacht , 

Er  sprach:    »lieber  herre  mein, 

streich  sie  umb  den  munt  dein, 

Dise  würz  also  guot. 
20  und  habe  des  deheinen  muot, 

Da3  dir  nimmer  kain  haerlein 

her  au3  mug(e)  wachsent  sein.« 
Dö  Achilles  da3  vernam, 

da3  im  der  bart  was  wider  tan, 
25  Er  lait'  an  sich  vrauwen  klait; 

im  was  gar  unmä3en  lait, 

Da3  er  die  haidcninnen 

nicht  solt'  von  herzen  minnen. 

Deu  junkvrauw'  hie3  Deidamiä; 
30  sie  wa3  im  liep  von  herzen  da, 

Swie  er  sie  doch  nie  het  gesehen, 

doch  wolt'  er  ir  des  preises  jehen. 

Verholn(e)  huob  er  sich  von  dan, 

ze  ainem  kiel  kam  er  gegän, 
35  Unt  vuor  hin  gen  der  haiden  lant. 

vür  ain  vrauwen  was  er  bekant. 
Do  er  an  da3  Stade  stie3, 

seineu  zuht  in  nicht  enlie3, 

Deu  gab  im  die  ler(e), 
40  da3  sein  ersten  krx(c) 


1.    5Vd)ilUö  unfc  IDefottmta.  497 

Er  gein  der  bürge  tor  [er]  dö  gie. 

der  künigin  wasch'  in  da  enpfie, 

Unt  vrägt'e)  sie  der  maere, 

von  wannen  sie  komen  waere.« 
H5  Er  sprach:    »ich  bin  ain  arme3  weip 

und  hän  vil  traurigen  leip; 

Getörst'  ich  e3,  liebeu  vrauwe  mein, 

eu  hie  gesagend(e)  sein, 

Da.5  e3  waer'  verborgen: 
30  ich  leid(e)  manige  sorgen 

Umb  meinen  kranken  boesen  leip; 

ich  bin  ain  nötige3  weip; 

Von  meinen  vreunden  bin  ich  dan 

gevuort,  da3  hat  getan  ain  man, 
55  Der  mir  michel  er'  gehie3  : 

an  disem  kumber  er  mich  lie3. 

Da3  er  unsaelig  mue3(e)  sein! 

er  hat  mich  von  den  verunden  mein 

Gevuort,  da  ich  het  eren  vil. 
60  vor  eu  ich  des  nicht  enhil, 

Ich  trauw'  eu,  liebeu  vrauw^e)  mein, 

mein  gebrest'  sol  eu  geklag(e)t  sein; 

Wan  ich  hie  laider  nieman  hän, 

d  i  ich  getür  mich  la3en  an. 
66  Swet  mich  hie  wolt'  versuochen 

in  den  Kiicchischen  buoehen, 

heu  kund'  ich  wol  bescheidenleich . 

irrn  ain  Icüniginne  reich. 

WCs!'   ich,   wer  mich   darum b   nerl\ 
70  i|;i-;    k  h    mein    Haider    nichl    wiy.erl'. 

Deu  ich   hao   \il   kaum  erspart, 

-int  ich  Mi*»r  der  unsa-idm  trarl 
Und  mich  der  man  bll   verlan. 
mil   df-m   ich   von   lande  bin  ^c^än, 
7)   Dei    machet'  mich  an   sinnen    hlinl  : 

ich     |,|||     /"w.U     .Ullis    Vllislcn     Uni. 

heu  wescfa  e   züchlikleichen  ipraefa 

mit    |f(    \il    laid   cur    unuem;i<  h  | 

ii  -t'Z 


498  i.   3U)illes  nnfc  jDettmmia. 

Ich  wil  zc  meiner  vrauwen  gän, 

180  ob  ir  hie  mügt  bei  ir  bestan, 
Da3  wil  ich  eu  heut  ervarn ; 
ir  mügt  bei  euwern  jarn 
Verdienen  umb  mein  vrauwen  guot, 
da3  sie  eu  grÖ3  er(e)  tuot.« 

85  Achilles  ward  der  rede  vrö 
und  dankt'  der  weschinne  do. 
Deu  weschin  do  des  nicht  cnlic3, 
Achilles  sie  vil  wol  gehie3, 
Und  gie  zuo  der  vrauwen  do, 

90  sie  sprach:    »vrauwe,  nü  seit  vrö, 
Ich  hän  mit  meinem  sinne 
ain  lermeisterinne 
Vunden  nach  dem  willen  dein, 
deu  nicht  ba3  gelert  mag  sein.« 

95  Sie  sprach :    »hei3  sie  versuochen , 
an  den  Kriechischen  buochen, 
Der  ist  sie  geleret  wol, 
sie  ist  aller  künst(e)  vol, 
Der  ain  vrauw(e)  künnen  wil, 
200  der  kunst  hat  sie  an'  ma3en  vil.« 

Deu  vrauwe(e)  sant'  nach  ir  zehaßt, 
mit  dienst  sie  sich  ir  underwant, 
Sie  sprach:   »auf  die  treuw(e)  dein 
la  dir  wol  enpfolhen  sein 
5  Mein  schoenc(n)  tochter,  die  ich  han, 
deu  muo3  dir  werden  undertan, 
Ler'  sie  von  Kriechen  deu  buoch, 
mit  züchten  du  an  sie  versuoch', 
Ob  sie  e3  gerne  lern(en)  wil, 

10  so  gib'  ich  dir  an'  mäsen  vil, 
Von  silber  manik  klainöt, 
ain  arm  spank  von  gold(e)  rot 
M1103  dein,  be  namen ,  sein, 
ich  schaff(e),  da3  der  herre  mein 

15  Dir  sein  lönet  mit  treuwen, 
e3  sol  dich  nicht  gcreuwen. 


1.    JUriUes   unti   Peifcrttta.  499 

Ich  sich.   da5  du  ain  edel  weip 

bist,  wan  dein  wol  gestaller  leip 

Waer'  wol  aines  küniges  wert. 
±20  dein  leip  vil  hoher  eren  gert. 

Dein  gebaerd'  sint  vil  vveipleich. 

z.Var.  ich  wil  dich  machen  reich.« 
Achilles  züchtikleichen  sprach: 

»nach  meinem  grÖ3en  ungemach, 
25  Ist  mir  ain   saeld'  von  eu  bekant. 

da,5  ich  bin  komen  in  diz  laut, 

Des  mag  ich  mit  vröuden  alten; 

mein  er'  mag  ich  behalten. 

Wan  ich   nie  kainen  man, 
30  an'  disen  bnes(e)  wicht,  gewan. 

Der  mich  her  gevuer(e)t  hat; 

mein  mag  nu  wol  werden  rlt« 

Die  junkvraun  nam  er  bei  der  hau!. 

er  sprach:    »eu  wirt  von  mir  bekant 
35  Z'wär  die  Kriechischen  buoch Stäben. 

weit  ir  mich  darumb  liep  haben.« 
Den  junkvrau  volget'  im  mit 

Achillen  gar  nach  seinem  sit'. 

Darnach  <ng'  ich  eu  offenbar, 
i-0  da3  man  Achillen  für  war 

Kettet'  ziio  der  schoenen  magt. 

all  uns  da3  buoch  hat  gesagt, 

Das  NV'5V'1  Mcherleich(e). 

der  edel  künig  reich(e) 
15  Der  \<-i bangt'  eg  mit  willen  gar, 

er  sich  legt*  zun  ir,    vin  war  . 

Wan  er  wanl',  v?}  mmx>  ain  weip, 

tll    w.i     ir  der  leip. 

Achillei  i  •  '-'und  c    schien , 
>o  ruh  lellsain  dink  betrachten, 
Wie  er  ei  a  Qi  b(e    die  knagf , 
dl  ich  '-II  \nr  h.in  \«.n  gesagt  • 
Dag  ej  geschssh'  mil  ir  willen  gar, 
dag  ««•■in  dm  man  würde  gewai 


500  1.   3U)ilUs  uirt  jDettJamirt. 

*255  Aines  listes  er  im  gedächt', 
der  im  iren  willen  bracht'; 
Er  sprach:    »junkvrauw(e)  guot, 
well  ir  mir  sagen  euwern  muot? 
Ich  wil  eu  meinen  willen  sagen, 

60  weit  ir  mir  euwern  nicht  verdagcn. « 
Sie  sprach:    »main  ich,  z'wär, 
ich  bin  dir  heim(e)leich(e)  gar ; 
Sprich  alle3  da3  dir  lieb  sei, 
da  sol  mein  will(e)  wesen  bei.« 

65      Er  sprach:    »e3  habent  die  Kriechen, 
die  gesunden  und  die  siechen, 
Z'wär  ainen  seltsamen  sil\ 
da  sie  ir  ere  behaltent  mit: 
E3  ist  da  nindcrt  ain  junge3  weip, 

70  hat  sie  wol  gestalten  leip, 
Und  ist  ir  dan  icht  nähen  bei 
ain  junkvrau,  (s)wie  deu  genant  sei, 
Und  wellent  die  zwo  sein  enain, 
und  versweigent  e3  undcr  in  zwain 

75  Da3  ir  betrachtung(e)  ist, 

sie  vindent  mangen  vremden  list. 

Nu  sag(t)  mir,  schoeneu  junkvrauw'  mein. 

ir  seit  ain  schoene3  magedein, 

Des  ich  eu  wol  von  herzen  gan, 

80  sagt  mir,  waert  ir  icht  gerne  ain  man?« 
Do  sprach  sie:    »auf  die  treuwe  mein, 
möcht'  ich  ain  man  mit  recht  gcsein, 
Da3  naem'  ich  vür  der  Kriechen  golt, 
so  wolt'  ich  sein  vrauwen  holt; 

85  Zähei!  und  sold'  ich  wesen  ain  man. 
so  wold'  ich  wunders  vil  begän, 
Ich  wold(e)  varn  in  vremden  lant, 
und  wolt'  da  sein  ain  weigant, 
Und  wolt'  da  er'  erwerben, 

90  oder  ich  muest'  da  ersterben.« 
Do  Achilles  erhört' 
der  cdeln  junk  vrauwen  wort, 


1.    £ld)tUes  unti  jDeitJamia.  501 

Er  sprach :    »junk  vrau  .  gehabt  euch  wol . 
eur  leib  muo3  werden  vröuden  vol. 
295  Ich  muo3  besehen,  ob  ain  man, 
von  eu  immer  werden  kau. 
Den  list  lernt'  ich  ze  Kriechen lant. 
dö  ward  er  mir  von  erst  bekant. « 
Do  deu  junk  vrau  da  vernam 
300  sein  red',  an'  aller  slacht'e)  schäm. 
Sie  sprach:    »liebeu  meisterin, 
nü  ker(e)  darzuo  dein(en;  sin, 
Da3  diser  list  an  mir  erge; 
ich  schaff'e),  da3  du  immer  me 
>  Mit  vröuden  mu(e3ejst  alten; 
dein  treu  solt  du  behalten 
An  mir.  ich  bin  ain  magedein , 
ich  wil  dir  hold  mit  treuwen  sein, 
l'nd  wil  dir  leihen  und(e)   geben 
10  an'  aller hand(e)  widerstreben.« 
Achilles  liepleichen  sprach, 
wan  er  in  züchten  gein  ir  verjach: 
lnnk  vrauw(e),  weit  ir  volgen  mir. 
mein  kunst  wil  ich  eu  zeigen  schier; 
15  Ir  seit  ain  magt  und  ich  ain  weip, 
davon  haben  wir  geleichen  lei|». 
Des  mag  mein  weiibeit  vür  sich  gan. 
d*3  ich  oder  ir  wert  ain  man. 
l»-h  erkenn'  ein[en]  abgoi  vröuden  reich. 
-20  wel[lejn  wir  dag  bitten  »icherleicfa 
Mit  d-m  gebe! ,  als   ich   pro]  kan . 

wird?  ich  odei  ir  ain  man ; 
Eg  erloBsfl  um  icbiei  von  imerzen. 

wr  lflc]n   wir  mit  laulcirn   herzen 

25  Dag  mMK«    nbgol  beten  an, 

untei  ainem  muog  <■-  wni  ergän 

Swem  dag  »link  sol  wesen  bei 

•Ich  hm  die  andern  lorgen  rrei 

lank  vr.-iiiw'.  ich  wil  dir  tuon  bekant, 
M)   -  ic  d  13  .ib  t'ni  isi  genanl 


562  L    3U)tlUs  unti  Jüeftnmin. 

E3  ist  gehai3en  Ratuan, 

au3  unser  ainem  wirt  ain  man, 

Da3  wai3  ich  sicherleichen  wol, 

wan  e3  ist  g(e)näden  vol.« 
335      Deu  junkvrauw  sprach:  »maisterin,  sprich, 

svva3  du  wilt,  da3  tuon  ich.« 

Achilles  sprach:    »junkvrauwe  guot, 

habt  da3  abgot  in  euwerm  muot, 

Und  bitet  e3  [an]  ze  allen  Zeilen. 
40  nähen  unde  weiten, 

Und  get  an  ain  verborgen  slat, 

da  sült  ir  nider  vallen  drät 

Drei  veni  dem  abgot  ze  eren, 

damit  sült  ir  e3  eren, 
45  Und  rueft  C3  an  mit  stille, 

ich  wai3,  da3  ist  sein  wille, 

Und  sprechet:    »her  her  Ratuan, 

helfet  mir,  da3  ich  werd'  ain  mau; 

Darumb  wil  ich  euch  eren 
50  und  euwer  lob  meren, 

Ich  wil  eu  ain  bethaus  machen 

mit  seltsain(en)  sachen, 

Z'wär  nach  heid(e)nischem  sit', 

da  wert  ir  wol  geeret  mit.« 
55  Diz  sült  ir  dreistunt  tuon, 

so  gewinnet  ir  des  abgots  suon 

Und  sein  hulde  an  zweivel  gar; 

da3  ich  eu(ch)  lcr(e)  da5  ist  war. 

So  wil  ich  des  selben  pflegen 
60  und  wil  mich  vür  sein  vue3(e)  legen 

Und  wil  e3  biten  än(e)  spot. 

mein  gena3dige3  abgot, 

Wan  ich  wil  nicht  schallen, 

nider  vür  e3  vallen, 
65  Und  wil  e3  vle[heln  von  herzen, 

so  vertreibt  e3  mir  den  smcrzen . 

Da3  wai3  ich  sicherleichen  wol, 

wir  werden  von  im  vröuden  vol. 


1.    ^d)tlUs  uirt)  30eitiamia.  503 

Genauen  guot  vil  an  im  leit: 
370  ai.  \va3  e$  uns  nü  vröuden  geit!« 

Deu  junkvrau  lobt'  im  da3  staete  . 

da3  sie  vil  gern(e)  taBt(e), 

Wa3  er  ir  vor  het  gesait, 

daran  was  sie  unverzait. 
75  Dö  da3  ze  dem  dritten  mal  geschach, 

Achilles  gein  der  maget  sprach: 

»Junkvrau w,  habt  ir  da3  gebet  getan. 

so  sül  wir  balt  ze  bette  gan, 

Da3  abgot  wil  erzaigen  da3, 
80  wer  im  hab'  gedienet  ba3-« 

Dö  sprach  deu  magt  gar  unverzagt: 

»wa3  du  mir  hast  vor  gesagt, 

Dä3  hän  ich  alle3  getan.« 

sie  begunden  an  da3  bett(e)  gan.« 
>>      Do  sprach  Achilles:    »junkvrau  mein. 

mag  e3  in  euwern  holden  sein  . 

So  zaiget  mir  hie,  ane  spot. 

ob  eu  da3  werd(e)  abgot 

Hai/  gewert  euwer  bet, 
90  da£  ';,t  roich  greifen  hie  ze  stet." 

Er  graif  an  der  brüst  zetal 

_■•  in  dfm  bain  liberal 

An  dag  vrerd  e    rranwenspil; 

dl  raod  et  «ranne  also  vil . 

Dag  ich  sein  nicht  gesagen  mak,  — 

lein  rröude  wert1  am  an  den  tak  — 

D  11  an  ei  niebl  dan  weiphail  rant. 

ipracfa  :     "Miir  18 1   «1.15  wo!   bckant. 

Dag  abgol  h.it  mir  bag  getan: 
400  greifet  bar,  ich  bin  ain  man; 
leb  bin  im  rerlobf  museUf . 

da-   abgOt   rriM  ii   ba5  erhol  I   li.it  . 

Ich  ipraca  daj  gebet?  ron  Kriechenlanl, 
dl  n 011  um  rröude  i-t  hie  bekant. 

I  M  ak . 

\\  in  11  den  hanl  /<•  tal  ilail 


504  1.   JVrf)iUe9  utit)  jßMfcamta. 

sie  prach:    »e3  ist  ain  wärhait, 
da3  du  mir  hie  vor  hast  gesait, 
Da3  greif  ich  sicherleichen  wol, 
ilO  mein  hand  ist  alleu  vol.«  — 

Deu  naht  gie  in  mit  vröuden  hin: 
sie  heten  bedenthalben  gewin. 

Der  vröuden  triben  sie  genuok, 
unz  da3  deu  magt  ain  kind(el)  truok: 

15  Des  wart  sie  dannoch  nicht  gewar; 
ir  heimleich'  was  mit  vröuden  gar. 

Darnach  ir  vater  siech  wart; 
die  kemenät(e)  man  verspart', 
üö  er  da  siecher  inn(e)  lak, 

20  ain  arz(ä)t  sein  (vil)  schön(e)  pflak; 
Do  wart  im  gewunnen  da 
ain  urinäl  hie3  er  im  sä 
Bringen  an  derselben  stunt: 
»daran  so  wirt  mir  kunt 

25  Da3  euwer  leip  nie3en  sol 

und  eu  tuot  an  dem  leibe  wol; 
Da3  muo3  ich  an  dem  brunn(en)  sehen , 
so  kan  ich  darnach  recht(e)  spehen. 
Wie  ich  eu  darnach  erzen  sol, 

30  da3  sich  ich  an  dem  brunnen  wol; 
Des  hai3(e)t  pflegen  tugcntleich.« 
also  sprach  der  arzät  reich. 
Er  sprach:    »Tochter,  das  du  m'r  bist 
vil  lieb,  an'  allen  valschen  list, 

35  Des  solt  du  lä3en  genie3en  mich, 
da3  ich  hän  ie  gcminnet  dich, 
Vür  alle3  da3  ich  ie  gewan, 
und  dir  von  herzen  guot(e)s  gan  ; 
Da  von  lä  dir  enpfolhcn  sein 

40  vil  gar  auf  die  treuw(e)  dein 
Dizz(e)  schoen(e)  urinäl 
huet'  sein  vor  staub  unl  vor  val, 
Dä3  C3  icht  zerbrest(c), 
wan  e3  ist  krank,  [und]  nicht  vest(e); 


1.    ^d)iüc9   unti  lÜcitJamta.  505 

W6  Des  trauw'  ich  nie  man  so  wol; 

nicht  vürba3  ich  dich  manen  sol. 

Da3     (d  ir  nicht  lait  daran  geschieht. 

und  daran  gewirret  nicht.« 

Die  nacht  der  künig  lag  mit  sorgen. 
50  mit  sochung*  bi3  an  den  morgen. 

Sein  liebeu  tochter  muost'  auch  sein 

vor  hem  lieben  veterlein; 

Des  wolf  er  von  ir  nicht  enbern. 

mit  züchten  muost'  sie  in  gewern. 
55  Du  in  des  zeit  daucht(e), 

da3  der  tak  schier  laucht(e). 

Dö  hie3  er  im  da3  urinal 

die  tochter  raichen,  än(e)  schal; 

Sie  enpfie  darin  den  brunnen  sein. 
n'>  er  sprach:    »vil  liebe3  kint  mein, 

Nu  ptlig  du  des  glases  wol , 

«ran  ich  dir  sein  danken  sol.« 

Des  glas(e)s  sie  sich  underwant. 

sie  sazt1  e3  mit  ir  wei3en  hant 
65  ZetaJ,  als  er  sie  lert(e) 

da£  glas  sie  umb(r)  kertie); 

Da3  dl  lüzzel  beleih  darin. 

lie  gedacht':  »wa3  füllen  du  mein  sin! 

Ich  bau  z'war  e)  missetän. 
70  mein[en]  valer  ich  verlorn  ban« 

Einet  listea  ne  ged  tcbl  e), 

dei  -ic  /(■  rröodeo  brach) 

Si<   nano  da£  ghu  tu  die  banl 

ii  brunneo  sie  darin  verawaut', 

Sic  dacbl'  in  -»hon  und  araidenleich . 

dei  ward  ür  herxc  rrduden  reich. 
Dei  morgena,  du  dei  arzal  kam 

und  roo  dem  künig  e    \<-i nau 

-  in[en]  breiten  und  lein  iwa?i  e 
BO  ss\<   im  du-  nacbl  wa?re 

i  eaea    ftenfl  odei  bei  l  «• 

i&  i-i  ii..  siwt  gewi  I  i 


503  1.   JVd)tUes  unfc  IDntiamia. 

Vernam,  wie  im  (da)  was, 
er  hie3  im  raichen  da3  glas; 
485  Do  er  den  brunnen  an  sach, 
nü  sült  ir  hceren,  wie  er  sprach 
Gein  dem  künig  säzestunt: 
mir  ist  ain  siechtuom  von  eu  kunt, 
Da3  wserleich  nie  kain  man 

90  solhen  siech  tagen  [nie]  gewan.« 

Der  künig  sprach:  »lieber  maister  mein. 
wa3  siechtuoms  mag  da3  gesein, 
Mag  ich  genesen  daran?«  — 
»da3  muo3  an  euwerm  abgot  stän;« 

95  Do  sprach  der  arzät  zehant 
»ir  habt  den  töd  an  der  hant: 
Ir  tragt  ain  kind,  da3  ist  war, 
davon  eur  leip  verdirb(e)t  gar.« 
Der  künig  sprach:    »lieber  maister  mein, 
500  sagt  mir  vonweu  mag  das  gesein,« 

Er  sprach:  »da3  wai3  ich  wserleich  nicht, 
diz  ist  ain  wunderleich  geschieht.« 
Der  maister  urlanb  nam 
von  dem  künig  huob  er  sich  dan. 

5  Do  sante(ej  der  künig  reich 
nach  der  künigin  sicherleich. 
Da  deu  künigin  vür  in  gie, 
vil  zorniklcich  er  sie  empfie, 
Er  sprach:  »den  tot  ich  von  eu  dol, 

10  da3  wai3  ich  von  der  wärhait  wol, 
Du  wolt(e)s  mich  sein  nie  erlän, 
seit  ich  dich  ie  ze  weib  gewan, 
Du  wolts  auf  meinen  kranken  leip, 
swie  ich  was  man  und  du  weip; 

15  Davon  trag1  ich  ain  kindelein, 
daran  muost  du  vil  schuldig  sein, 
Da3  ich  nü  leid'  die  grÖ3en  not 
unt  von  dem  kind  muo3  ligen  tot; 
Des  hietst  du  mich  wol  überhebt, 

20  und  (nicht)  dein[en]  leip  so  ser  gestrebt 


1.    3ld)ilU$  unfc  jDeibamta.  507 

Uf  meinen  leip  ze  aller  vrist; 

der  teuvel  gab  dir  disen  list, 

Da  ich  den  leip  umb  muo3  geben; 

du  woll(e)st  nur  auf  mich  streben, 
525  Des  muos  ich  Verliesen  meinen  leip.« 

do  sprach  da3  wol  gezogen  weip: 

»Owe  mir  diser  grösen  not! 

und  sol  dein  leip  nü  ligen  tot 

Durch  mein  wunderleichen  sit', 
30  ich  gevuor  dir  doch  mit  treuwen  mit, 

Und  wänt',  e3  wser'  dir  also  liep. 

der  teuvel  der  mirc3  ie  geriet, 

Der  mue3'  immer  unsaelik  sein! 

genäd',  vil  lieber  herre  mein, 
35  Ja  sol  dir  doch  gewerren  nicht 

von  diser  wunderleichen  geschieht; 

Lag  e3  den  maister  ba3  an  sehen, 

ob  er  noch  kün  die  wärhait  spehen.« 

Der  maister  zornikleichen  sprach: 
40  >An  dem  glas  ich  nindert  sach 

Des  künigs  leben  ze  dhainer  vrist, 

swie  künsl(e)  reich  mein  leip  ist, 

Ich  sach  nicht  lebens,  wan  sein  tot.« 

doch  gie  er  dar,  des  twang  in  not. 
45  Da3  urinäl  nam  er  zehant, 

nun  brann  e)  ward  im  do  bekant. 

Er  sprach:  »seit  vio,  vil  selig  man, 

de*  vindefl  seil  ir  worden  an', 

l  od  wolt  ir  mir  die  miet(e]  geben, 
50  ich    behalt'   eu    WOl  da;,   leben.' 

Zehanl   gab  er  im  li  11 11«  1  <- 1 1  mark.— 

»feit  eu\s  e  1    mief  ist  IlsO   slark, 

M    \mI    ich    eu    dag   leben    iii'icn; 

und   wii   en   des  recht  e    swen  n 

Dal  null  der  kuiiik    wol   geüfJ 

diu  kttnigin  dei  \i"  p 
1  od  den  leboBn  e    tocbtci  ieio 
hei  wunnikleicben  schein 


508  1.    ,Äd)ilU$  unfc  IDetoamia. 

Deu  slief  dannoch  Iiepleiche[nJ 
560  bei  Achille  vröudcn  rciche[n]. 
Und  was  ze  minncn  also  kluok, 
da3  sie  ain  kint  Lei  im  truok. 

Do  sie  des  wart  von  im  gewar 
dö  ward  ir  baider  vröuden  schar 
65  Gemisch(e)t  wol  von  laide 
auf  der  minnen  haid(e), 
Sie  vorchten  den  künik  und  die  küniginn(e) 
sie  würden  getoet(e)t  umb  ir  minn(e), 
Die  sie  da  heim(e)leichen  tet. 
70  also  sie  wider  Achillen  ret, 

Dö  sie  der  wärhail  wurden  gewar, 
sie  vorcht',  sie  verlur  ir  leben  gar, 
Und  ir  gesell'  Achilles  genant, 
in  würd(e)  baiden  da  bekänt, 
75  Da3  sie  Iilen  grÖ3e  not 

und(e)  z'wär  dar  umb  den  tot. 
Doch  tröst(e)  sie  Achilles  ser, 
er  sprach:  »liebeu  vrauw(e)  her, 
Uns  mag  baiden  geschehen  wol. 
80  meinen  abgot  ich  manen  sol 

Umb  unser  wunn(e),  die  wir  hän, 
C3  mag  uns  baiden  noch  wol  ergän. 
E3  ist  nicht  an(e)  sach'  geschehen , 
des  muo3  ich  wol  von  schulden  jehen. 
85  Davon  gchab(e)t  euch  wol: 
ich  luon,  wa3  ich  luon  sol.« 


2 


Per  3tuiberer  UHrßUhts. 


Zu  Rom  wohnte  ein  grofser  Zauberer,  Virgilius,  ein  Heide 
und  Kind  der  Hölle.  Er  fand  die  Zauberei  so:  er  arbeitete  in  einem 
Weingarten  und  schlug  mit  der  Haue  tief  in  die  Erde,  dafs  er  auf  ein 
Glas  kam  .  welches  voll  Teufel  war.  Er  hob  es  aus  dem  Boden  und 
freute  sich  des  Fundes.  Da  sprach  ein  Teufel  aus  dem  Glase  und  bat, 
ihn  sammt  allen  darin  verschlofsenen  Geistern  auf  die  Heide  fahren 
zu  lafsen,  sie  wollten  ihn  auch  viele  ergetzliche  Künste  lehren.  Vir- 
gilius schwur  es  zu  thun,  wenn  sie  zuvor  das  Verheifsene  leisteten. 
Da  lehrten  die  Teufel  alle  ihn  die  Zauberkunst,  wie  sie  heute  noch  in 
der  Christenheit  überall  umgeht.  Hierauf  zerbrach  Virgilius  das  Glas 
an  einem  Stein  .  und  enlliefs  die  Teufel.  Er  freute  sich,  ohne  Mühe 
Gut  und  Ehre  zu  gewinnen  .  und  versuchte  alsbald  seine  Kunst. 

Er  machte  zu  Rom  das  Steinbild  eines  Weibes,  deren  Leib  mit 
solcher  Kunst  gebildet  war,  dafs  alle  Unkeusche,  die  zu  einem  Weibe 
gehen  wollten,  sich  daran  verunreinigten. 

trieb  er  noch  viele  andere  Zaubereien  ,  von  welchen  ich  nur 
eine  erzihle.  Er  warb  um  die  Minne  einer  schönen  Römischen  Bürgerin, 
die  jedoch  ihre  Treue  nicht  brechen  wollte,  und  wenn  er  so  schön  wäre, 

kbsalon:  eher  müslen  alle  Steine  zerbrechen.  Als  er  dennoch,  und 
koste  H  sein  Leben,  nicht  ablafsen  wollte,  ihr  Gold  und  Silber  die 
rolle  bot.  klagte  sie  es  ihrem  Mann  und  verlangte  seinen  Rath.  Der 
Mam  freute  '•ich  ihrer  Treue,  und  die  Frau  (hat  nach  seiner  Weisung. 
Sie  liefs  den  Virgilius  rufen,  klagte  ihm,  dafs  ihr  eifersüchtiger  Mann 
*ie  hart  geschlagen,  und  weil  er  zornig  weggeritlen ,  werde  Virgilius  in 
•  im  Nachl  lie  willig  finden.  Virgilius  war  freudig  bereit,  und  sie  hiefs 
ihn  lieb  heimlich  m  einem  Korbe  zu  ihr  aul  den  Thnrm  ziehen  lafsen 
In  der  [faehl  stellte  er  sich  ein,  und  warf  ein  Steinchen  an  das  Fenster, 

ran,  in  B<  ihres  Mannes,  öffnete,  riet  hinab  und  vernahm 

us.  der  den  Korb  rerl  Sie  liefs  den  Korb  hinab,  und  als 

Virgilius  darin  st  lie  ihn  empor,  |edocb  nur  drei  Stockwerke  hoch: 

da  strickte  sie  real  und  liefs  ihn  bangen.  Sobald  es  tagte,  rernahmen 
du-  Homer  das  Abenteuer;  mancher  rollte  es  dem  weisen  Manne  nicht 
futranea.    411«  IbcrzeogM   jedoch  der   Augenschein.    Auf  ihre  laute 

inderung  antwortete   Virgilius,  es  sei  snn  Wille     Der  Ehemann 
fragte  1ha  noch  icblrfei    bedauerte  Ihn  Jedoch,  und  liefs  ihn  frei. 
Virgilius   sana    aoi   auf   Rache     Er  machte,   dafi  alles  Feuer  m 

Kom    erlös«  li       s«,    ,|,,|s    mau     weiler     kochen    OOCfa    backen    konnte.     In 

i  Roth  r  1*1  h  ein  Rianer,  sieh  an  den  mächtigen  Virgilius  zu  wenden 
Alle  lebten  ihn,    dei  Hungersnotfa  tu  steuern     Ei  weigerte  sich     sreil 


sein  Mitlei  ihnen  zu  schwer  lallen  würde;  als  sie  ihm  aber  ihre  State 
Huld  und  alles,  was  er  geböte,  zu  thun  zuschwuren,  erklärte  er,  dafs 
nur  die  Frau  sie  retten  könne,  an  deren  Thurm  er  gehangen  habe 
Man  eilte  zu  ihr,  und  ihre  Freunde  drangen  in  ihren  Mann,  dafs  er, 
obschon  ungern,  sie  zu  Virgilius  gehen  iiefs.  Dieser  empfieng  sie 
schön,  und  fragte  sie,  ob  sie  nach  seiner  Weisung  Land  und  Leute 
retten,  oder  mit  ihnen  umkommen  wolle.  Sie  bat  ihn,  sie  aus  dem 
Spiele  zu  lafsen,  da  sie  doch  Leides  genug  von  ihm  habe.  Virgilius 
aber  betheuerle,  es  müste  eher  der  Rhein  austrocknen,  als  dafs  ohne 
sie  die  Nolh  aufhöre.  Da  ergab  sie  sich  drein  ,  und  Virgilius  er- 
öffnete ihr  nun:  sie  müste  sich  auf  jenen  Stein  stellen,  nackt  bis  auf  das 
Hemde,  dort  auf  allen  Vieren  stehen,  und  das  Gewand  hinten  aufheben, 
so  könne  man  da  wieder  Feuer  anzünden  ;  wenn  jedoch  einer  dem  andern 
Feuer  mittheilen  wolle,  so  erlösche  es,  und  müfse  jeder  also  unmittel- 
bar es  dort  am  glimmenden  After  holen.  Die  Frau  wollte  eher  Ver- 
bannung oder  Tod  dulden:  Virgilius  aber  behai rte,  und  verkündigte 
ihr  den  Zwang.  Wirklich  baten  anfangs  ihre  Verwandten  und  selbst 
ihr  Mann,  obschon  ungern,  und  als  sie  trotz  Flehen  und  Drohung  lieber 
sterben  wollte,  liefs  er  sie  binden,  entkleiden  und  auf  den  Stein  stellen: 
so  muste  sie  dort  alle  Kerzen,  Unschliltlichter,  Reisig  und  Späne  an- 
zünden ,  und  solche  Schmach  und  Noth  leiden  ,   dafs  sie  schier  erstarb. 

Damit  verliefs  Virgilius  Rom,  und  baute  die  noch  wolbekannte 
Stadt  Neapel  mit  grofser  Kunst,  indem  er  sie  an  drei  Eier  hieng,  so 
dafs,  wenn  man  diese  zerbräche,   sie  versünke  und  alles  Volk  ersöffe. 

Hieraufmachte  Virgilius  ein  ehernes  Rild ,  dessen  eine  Hand  auf 
den  Rauch  wies,  und  die  andere  auf  den  Rerg  (Vesuv);  mit  der  goldenen 
Inschrift,  dafs  es  einen  Hort  zeige.  Alle  gruben  darnach  den  Rerg  um, 
fanden  jedoch  nichts.  Da  kam  einst  bei  Nacht  ein  trunkener  Mann  an 
das  Rild,  und  schlug  ihm,  damit  es  fürder  niemand  äffen  sollte,  mit 
einer  Kolbe  den  Hals  ab:  so  dafs  das  darin  verborgene  Gold  ins  Gras 
Gel,  und  den  reichen  Hort  derjenige  fand,  dem  er  beschert  war.  — 
Gott  gebe  auch  uns  Glück  und  Heil! 


2. 
Virgilius. 


Ain  man  ze  Röm(e)  sa3  alsus. 
der  was  genant  Virgilius, 
Der  was  ze  Römfej  also  kluok, 
da3  er  zaubers  vant  genuok. 
5  Als  ich  eu  wil  beschaiden, 
er  was  ain  rechter  haiden , 
An  rechtem  glauben  was  er  blint, 
er  was  gar  der  helle  kint, 
Ich  wil  eu  sagen,  wie  er  gewan, 

10  Virgilius  der  helbfe)  man, 
Da3  er  künde  zaubers  vil, 
vor  nie  man  ich  da3  heln  wil. 
Ich  sag'ej  eu  ze  rechte 
von  dem  selben  knecht(e), 

15  Wie  er  ''da)  da3  zauber  vant. 
da3  ist  mir  von  im  bekant : 
In  aincm  Weingarten  haut'  er 
vil  gar  nach  seines  herzen  ger, 
Vil  rast  er  In  die  erde  slouk, 

*20  da3  ('3  deu   bauwe  kaan  vertrouk; 
SA  grög  sein  hau  wen,  sein  slag  was, 
da3  er  kam  auf  ain  glas, 
I);i3  was  teuvrl  also  vol. 
(la.3  ich  sein  nicht  sagen  sol ; 

'25  I)a3  glas  er  au3  der  erde  Htm: 

\il    wurme   ich    in   den   BjltJ  l    li-iii 

4   h.,..     %%ttmmukm\m m      n  '■' 


514  2.    tHrgiltus. 

Sprach  der  selb'  Virgilius 
»ich  wil  e3  hie  behalten  sus , 
Des  hän  ich  vrum  und  er(e), 

30  swa  ich  in  dem  land'  hin  ker(e).« 
Do  sprach  der  teuvel  au3  dem  glas, 
der  darin  versiegen  was: 
»Virgilius,  lä3  uns  varn , 
wir  wellen  dich  immer  bewarn 

35  Vor  aller  handfe)   laid(e); 
lä3  uns  varn  auf  die  haid(e), 
Wir  wellen  dich  kunst  leren  vil , 
da3  du  hast  vröude  und(e)  spil 
Immer  unz  an  deinen  tot, 

40  in  disem  glas  ist  grÖ3eu  not, 

Zwen  und  sibenzig  ist  unser  schar, 
wir  sagen  dir  sicherleich  vür  war.« 
Do  sprach  Virgilius  der  man: 
»ich  mag  mich  nicht  an  euch  gelän. 

45  Lert  ir  mich  ganze  ler(e), 
so  swer  ich  eu  des  ser(e), 
Da3  ich  da3  glas  zerbrechen  wil; 
lert  ir  mich  kunst  also  vil, 
Da3  ich  sein  vrum  gewinnen  mak, 

50  ich  swer  eu  noch  an  disem  tak, 
Da3  diz  glas  von  meiner  hant 
zerbresten  muo3  sä  ze  hant.« 
Zehant  die  teuvel  alle 
lerten  in  mit  schalle 

55  Die  zauber  list  an'  arbait, 
als  sie  noch  in  der  Kristenhait 
Allenthalben  umb(e)  gät, 
wer  zaubern  kan,  an'  missetät. 
D6  er  die  kunst  von  in  enpfie, 

60  ze  ainem  staine  er  dö  gie, 

Er  brach  da3  glas,  und  lie  sie  varn, 
die  teuvel  alle  mit  im  scharn. 
Zehant  gedacht'  Virgilius: 
»ich  muo3  ir  kunst  versuochen  sus, 


1.    HugUtn*.  515 

b5  Seit  die  teuvel  sint  von  hinnen, 

nu  gclrauw'  ich  wol  gewinnen. 

Baideu,  er(e)  und(e)  guot; 

wie  wol  da3  meinem  herzen  tuot , 

Da3  ich  vrum  und  ere 
70  gewinn'  an'  herzen  ser(e)!« 
Virgilius  der  selb'e)  man 

begunde  (nü)  ze  Röm(e)  gän 

Unt  versuocht'  sain  maisterschalt. 

ob  [e5]  waer'  war  der  teuvel  kraft. 
75  Er  macht'  ze  Rom'  ain  stainein  weif». 

von  künst(e)  den  het  ainen  leip, 

Swanu'  ain  schalk,  ain  bneser  man 

wolte  ze  ainem  weibe  gän, 

Da3  er  gie  ze  demstain(e), 
80  der  boes'e),  der  unraine, 

Da3  im  was  bei  des  staines  leip. 

recht  als  ob  er  waer'  ain  weip. 

Nicht  vürba3  ich  eu  sagen  sol, 

mein  mainung'  wizt  ir  alle  wol. 
N5      Des  zaubers  traib  er  gennok. 

er  was  ain  man  unmä3en  kluok, 

Ich  mag  ez  nicht  gar  gesagen, 

der  wärhait  muo^  ich  vil  verdaten  . 

Wan  ninc3  wai3  ich  vürwär, 
90  d»3  sag'  ich  eu  offenbar, 

Di.-j  er  umb  ainer  vrauwen  min 

warb,  deu   was  ain  burgaerin 

l  ml   was  ze  Körn1  in  der  stat 

ii  .    wan  er  sie  dikk'ej  hal . 
96  ha-,  lic  n mjcnj  willen  taet(e, : 

doch  was  den  rrauwt  itstfe), 

Dag  sie  in  ijkIiI   woll/e)  gewern. 

dei  er  an  sie  mncht'e,  gern. 

Docfa   lieg  CT  nicht  sein  werben. 
I00  61    jach  .   er  rniicst'  i   slc-ibni  . 
I     dag   ich   von   eu    l.'i-r  ; 

MM    miniic   kumt    mit    /<•    mi-/ 


516  2.   lUtrailtue. 

[Sie  sprach:]  »euer  unsin  eu  lait  gebirt, 

wan  ich  sag'  e3  meinem  wirt; 
105  Und  weert  ir  schoener  dann'  Absolön, 

mein  minne  ist  eu  versaget  schön; 

Ich  wil  eu  sein  gar  ze  rain; 

e3  muesten  bresten  alle  stain', 

E  ich  eu  weerleich  wolt'  gewern , 
10  des  ir  weit  an  mich  begem. 

Get  hin,  lät  mich  än(e)  not, 

mein  man  tuot  eu  den  tot, 

Dem  wil  ich  e$  sagen  sicherleich, 

euwer  red'  ist  gar  unbilleich.« 
15  Virgilius  sein  nicht  enlie3, 

silber,  gold  er  ir  gehie3, 

Der  vrauwen  sicherleich(e) , 

er  was  an'  mä3en  reich(e). 

Do  er  die  vrauwen  wol  getan 
20  von  dem  gewerb  nicht  wolt(e)  lan, 

Do  gie  sie  zuo  irm  wirt 

(und  sprach):  »ain  weiser  man  ir  birt, 

Und(e)  seit  nicht  ze  alt; 

achtet  (nü),  wie  ich  behalt' 
25  Mein(e)  weipleiche  er', 

die  ich  von  meiner  kinthait  her 

Mit  züchten  hän  behalten ; 

mit  eren  muo3  ich  alten, 

Ob  e3  nü  euwer  wille  ist. 
30  nü  ratet  mir  in  kurzer  vrist, 

Da3  ich  Virgiliö  enge; 

der  tuot  mir  not  und(e)  we" 

Z'wär  umb  mein(e)  minne; 

nü  nemt  in  euwer  sinne, 
35  Wie  ich  sein  kunst  umb(e)  ge, 

da3  mir  mein  er'  von  im  beste.« 

Ir  eleich  man  sprach  zehant: 

»vrauw',  dein  laster  und  dein  schant 

Waer(e)  mir  von  herzen  lait; 
40  swie  vol  er  ist  der  kündikait, 


2.   tUirgtUus.  517 

So  wil  ich  trachten,  vrauwe  mein, 

da3  er  muc>3  geschant  sein. 

Nu  volg',  vrauw',  meinem  rät(e), 

send'e    nach  im  drät(e), 
145  Und  glob'  im,  liebeu  vrauwfe)  mein, 

du  wellest  (gar)  den  willen  sein 

Laisten  heint  bei  diser  nacht, 

des  habest  du  dich  vil  wol  bedacht; 

Du  solt  im  deu  maer(e) 
50  sagen,  ich  sei  mit  swaer(e) 

Von  dir  geriten  und  mit  zorn, 

du  habst  mein  huld  umbsust  verlorn. 

Sag*  im,  er  müg(e)  nicht  schier 

in  da3  haus  komen  zuo  dir, 
55  Ich  habfe)  dich  in  starker  huot; 

sprich:  »mich  dunket  guot, 

Da3  ich  eu  lie3*  ain[en]  korp  zetal, 

darin  so  sizt  ir  äne  schal; 

Deu  sorge)  euch  vil  gar  verbirt, 
60  wan  sein  nie  man  innen  wirt; 

turn  willen  tnon  ich  sicherleich, 

auf  zeuch  ich  euch  vröleich 

In  den  turn  den  ich  hän, 

euwern  willen  wil  ich  began.« 
65  So  er  sieht  den  willen  dein, 

td  wil  ich  Inf  ang(e)8t  sein.« 

Swa3  ir  der  wirt  vor  sprach, 

deu  vrauwe  tet  <\~,  alles  nach: 

Sic  lanl  e    Dach  Virgilium, 
70  sie  gprach:  »seil  ir  ein  degen  vrum, 

Da3  ifllt  ir  [mirj  beiül  erzaigen: 

ich  ^ib'  niidi  cu   für  Blgei] 

Ib-mi  r-    bei  Äser  nacht; 

mein  man   li.il   rieh  nicht  bedacht, 

78  Wan  ei  muh  se>  geslagen  hat; 
dl  von  M3  i-i  'Li;,  mein  rat, 

ha-    ii    licmt  c     kuml    iv    rini 

ii  ihm  ii  Int .  <la-  tuon  ich  ichiei 


518  2.    "Uirötliuo. 

Heint  bei  dirr(e)  nacht(e)  zeit; 
180  mir  ist  in  den  landen  weit 

Nicht  so  laides,  so  mein  man; 

laides  ich  im  vil  wol  gan.« 
Do  der  her  Virgilius 

von  der  vrauwen  hört'  alsus 
85  Die  red(e)  die  sie  het  getan , 

er  sprach:  »sol  ich  heint  zuo  eu  gän?« 

Sie  sprach:  »ich  vürcht(e)  die  hnot. 

ich  rät(e),  da3  ir  so  wol  tuol: 

Lät  euch  in  ainem  korb(e)  schier 
90  herauf  sicherleich  zuo  mir 

Ziehen,  da3  ist  recht  getan.« 

»vil  gern(e),  vrauw(e).«  sprach  der  man. 

»Wan  ich  e3  immer  dienen  sol, 

ir  seit  aller  tugent  vol.« 
95      Des  nachtes  dö  e3  späte  wart, 

Virgilius  gie  auf  die  vart 

Zuo  dem  selben  turn(e)  hin, 

er  warf  mit  ainem  stainlin 

In  das  venster,  da3  e3  erhal. 
200  dö  gie  deu  vrauw(e)  äne  schal 

Und  entslÖ3  da3  vensler  schier. 

ir  eleich  man  gie  mit  ir; 

Sie  sach  herab,  und  sprach  alsus: 

»seit  ir  da,  her  Virgilius?« 
5  Er  sprach:  »vrauw(e)  wolgetan. 

den  korb  sült  ir  herab(e)  lau, 

Da  wil  ich  sizzen  in.«  — 

»ir  habt  daran  weisen  sin.« 

Zc  hand  sie  den  korb  Iie3, 
10  als  sie  Virgilius  da  hie3, 

Da  sa3  schon  Virgilius  in: 

»ir  habt  daran  weisen  sin.« 

Wan  sie  in  auf  mit  sinne  gar 

in  den  turn  zöeh  //war 
15  Wol  dreier  gadem  hoch; 

nicht  vürbji",  sie  in  auf  zöch, 


2.    t>trtjiliu$.  519 

Sie  strikt'  in  zuo,  und  lie3  in  hangen: 

sein  will(e)  was  nicht  ergangen; 

Sie  was  ein  (vilj  reine.3  weip, 
220  keusch  und  schoenfe)  was  ir  leip. 
Des  morgens  dö  e3  tagte, 

den  Römern  man  e3  sagte . 

Da3  der  weis'  her  Virgilius 

waer'  an  ain[en]  turn  erhangen  sus; 
25  Dö  sprach  (vilj  manig  man: 

»ich  glaub'  sein  nicht,  ich  seh'  e3  an; 

Wan  z'ware,  sein  weiser  leip 

ist  weiser,   denne  man  oder  weip; 

Davon  e3  nicht  ergen  mak, 
30  sein  leip  ist  weise  nacht  unt  tak.« 

Dö  sagt'  man  in  deu  maer(ej, 

da3  e3  deu  wärhait  waer(e); 

Dö  gierigen  die  Römaere  dar 

und  nämen   seiner  not  war. 
35  Ze  jungest  kam  ir  eleich  man 

schön  zuo  im  geriten  dan , 

Sam  er  waer'  von  dannen  gewesen. 

Virgilius  mochte,,  kaum  genesen. 

Wan  er  het  swaer'  und  ungemach 
10  iegleich  Kd'mer  zuo  im  sprach: 

»Wie  ist  d.13  komen,  Virgilius. 

da3  ir  hie  banget  ilsus?« 

\  irgiliiM   spraefa   in   stille: 

»Cg   WM  /.'war  mein  willc< 
15   I)<»   ipradl   der   vrauwen   eleieli   man 

»v,v\  brächt  euch  /.im»  dem  lumfej  dan 

I»;i5  11    baflgl    an   meiner   maiir? 
ich    w;eii'.   (3   sei   eu    worden  sau  1 . 
Doch   isl  05  mir  an   eil   lail . 

><>  ir  habet  erlilen  Mnachail.« 

hei    wirl    icbaod   den    weisen    man 
he-    m    vi, 11   dem    Im  u  <•    dan  , 

Daj  in  dag  volk  alle^  Bach, 
ei  hei  großen  ungemach 


520  2.   tS>tr0tUue. 

255  Unt  vil  grÖ3en  s merzen 

an  leib(e)  und  an  herzen. 
Do  man  Virgilium  herab  gelie,3 

als  in  des  hauses  wirt  hie3, 

Do  begund'  er  ser(e)  trachten 
60  und  in  dem  herzen  achten, 

Wie  er  dem  getset(e) 

da3  deu  vrauw(e)  stset(e) 

Von  im  laid  gewünne, 

und  auch  al3  ir  künne 
65  Von  dem  laid  geschant  würd(e), 

da3  was  ain  swsereu  bürd(e). 

Damit  der  ungeheur(e) 

schuof,  da3  da3  veur(e) 

Erlaseh,  da3  in  Röm(e)  was; 
70  wunder  was,  da3  icht  genas, 

Man  mocht(e)  nicht  gebachen, 

noch  e33en  gemachen, 

Man  mocht(e)  nicht  gebreuwen; 

sie  heten  vil  der  reuwen, 
75  Sie  wär(e)n  nach  des  hungers  tot, 

davon  sie  liten  grÖ3e  not. 

Do  die  Römaer(e) 

liten  gröse  swa3r(e), 

Do  begunden  sie  trachten, 
80  wie  sie  da3  gemachten , 

Da3  sie  gewunnen  veuw(e)r; 

da3  was  nie  man  so  teuw(e)r, 

Der  e3  betrachten  kund(e). 

in  der  selben  stun(de) 
85  Sprach  ain  Römaer'  under  in: 

wich  wil  eu  sagen  meinen  sin. 

Ich  rät',  da3  man  Virgilius 

bit(e)  vlei3ikleich  alsus, 

Der  ist  gar  ain  herre, 
00  dem  sagen  wir,  wa3  uns  werre, 

So  wirt  unser  ungemach 

verkert.«     also  der  Römer  sprach. 


2.    tJtrflilius.  521 

Der  rät  begund'  in  allen 

vil  rechte  wol  gevallen; 
295  Do  giengen  leicht'  und(e)  vrum' 

alle  vür  Virgilium, 

Und  sprächen:  »herre,  euwern  rät 

suochen  wir,  umb  ain  missetät, 

Sie  tuol  uns  also  grÖ3e  not, 
300  vor  hunger  wellen  wir  ligen  tot, 

Wir  mügen  nicht  gebachen , 

wir  mügen  nicht  e33en  machen, 

Des  mue3en  wir  verderben 

und  hie  ze  Rönr*  ersterben: 
5  Nu  wi33en  wir,  her,  dein  weistuom, 

der  ist  uns  unmä3en  vrum.« 

Virgilius  sprach:  »ich  wil  eu  sagen, 

ir  mügt  der  rede  stille  dagen, 

Wan  sag'  ich  eu  die  wärhait, 
10  da3  wurd'  eu  än(e)  mä3en  lait, 

Ir  litet  ser  und  ungemach.« 

alsus  Virgilius  gen  in  sprach. 

Do  sprächen  gar  mit  swaer(e) 

die  weisen  Römaer(e): 
15  »Herre,  sein  ist  nicht  ze  vil, 

swa3  du,  vreunt  und  herre,  wil. 

Dag  tuon  wir  gern  mit  sinnen, 

dag  wir  veur  gewinnen, 

E  wir  alsus  verderben 
20  unt  hie  ze  Korne,  sterben; 

Der  hunger  machet  uns  blint, 

uns  stiihct   weil»  und  e,  kinl.« 

Bf  ipraefc:  .ist  eu  der  hunger  lait, 

so  sweret  mir  des  aiuen  ail. 
25  Dag  ich  euch  li'H-;c    tuon  in  /eil. 

d.13  ir  dl  wider  nimmer  seit. 

I  od  dag  ich  euwer  huldc 

beb*  umb  die  leiben  schulde ; 
w an  ich  durefa  enwern  willen 
u>  wil  bie  dag  reun  «•  1  finden. 


522  2.    "DUflUiu*. 

Do  wurden  sie  ze  rät(e), 
da3  sie  vruo  und  spät(e) 
Im  nimmer  wolten  wider  sein, 
[sie  sprächen:]  »wir  wellen  den  willen  dein 
335  Tuon  vil  gar,  nach  deinem  rät; 
ob  sich  under  uns  ieman  hat 
Versäumt  gegen  dir,  da3  133  du  varn, 
wir  wel[le]n  uns  gen  dir  vürba3  bewarn. 
Er  sprach:  »da3  swert  mir  hie  ze  stet.« 
40  alsus  Virgilius  gen  in  ret; 
Des  swuor(eJn  sie  im  mit  laide 
iegleicher  zwen'  aide.  — 
»Mit  hulden  ich  e3  sprechen  sol, 
euch  be  wart  nie  man  so  wol, 
45  Der  euch  von  laid(e)  schaid(e), 
da3  sag'  ich  cu  bei  mai[ne]m  aid(e), 
So  deu  vrauw(e)  sicherleich , 
deu  da  ist  in  dem  turn(e)  reich , 
Da  ich  mit  noeten  an  hienk.« 
51)  vil  maniger  nach  der  vrauwen  gienk, 
Die  ir  mäge  wär'ejn, 
die  sach  man  nach  ir  värfejn, 
Ir  man  mit  vleg(e)  und  mit  bei', 
doch  er  e3  ungern(e)  tet. 
55  Wan  er  muost'  in  des  günnen, 
er  und  al  sein  künne, 
Da3  sie  zuo  her  Virgilio  gie. 

Virgilius  sie  schon  enpfie; 

Er  sprach:  »vrauw'e)  wol  getan, 
(>0  weit  ir  da3  land  nicht  län  zergän 

Und  die  leut'  darinne, 

so  volget  meinem  sinne 

Unt  tuot  nach  meinem  rate  . 

so  gewiul  ir  veuw(e)r  drät(ej , 
t>5  Oder  ir  mue3t  verderben 

und  mitsamt  in  sterben.« 

Sie  sprach:  »lieber  herr(e)  mein. 

möcht'  (l3  in  euwern  hulden  sein, 


'2.    V'\x$\liü9.  523 

So  baet'e,  ich  euch  (vil,  gern. 
370  ob  ir  mich  wolt  et    gewern, 

So  He3t  es  sein  ain  ander  spil: 

ich  hän  doch  von  eu  laides  vil.« 

Er  sprach:  »vrauw\  des  mag  nicht  gesein, 

e3  muest'  e  trukken  sein  der  Rein, 
75  Ob  ich  e.3  lie3'  an  disem  tak: 

an'  euch,  e3  nie  man  geschaffen  mak.« 

Den  vrauw(e)  sprach:  »so  lät  mich  sehen, 

swas  mir  hie  sülle  geschehen.« 

Damit  Virgilius  sprach, 
<SÜ  dö  er  sie  schönte)  vor  im  sach : 

»YrauwfeJ,  seht  ir  disen  stain. 

darauf  sült  ir  sten  alain, 

Da3  gewant  sült  ir  ab  ziehen  . 

ab  dem  stain  sült  ir  nicht  vliehen. 
No  Ir  sült  nicht  haben  .  wan  ain  hemd  e 

ander  klaider  sint  eu  vremde  . 

Lud  sült  ir  da3  aftermuoder  i'wär 

hinden  auf  heben  gar, 

Und  an  allen  vieren  stau  : 
1K)  ze  hand  so  sol  w  cib  und  man 

Zünden  vor  dem  hindertail. 

iwer  dan  gewinnet  da3  unhail, 

L)er  zuo  dem  andern  zünden  wil . 

ri  nmii  jn  baideo  nicht  ze  vil, 
!>ö  Wan  sie  erlesenen!  baid*  da3  Ltechl; 

dag  man  «■-  nimmer  brinnen  sieht: 

WCIIcn   sie  ftber  venu  e  r  lian 

10*    iiiiK'-cn    sie   bin    wider   ii.in 

I  ml  mm  5C11  w  ider  Bünden . 
'»<H>  so  begin[ne]l  der  aller  lünden.o 
IM  iprach  den  rrau*  i    wol  getan: 

vs f>it'  ich  den  leib  i.in 

I ■'.    iih    bei  e     |0UlC    mIi.iiiI. 

ich  wolt'  e  räumen  allen  lant.« 
.  iin  iprach  \  irgilnui  dei  Dan 

also1  ma§  '•",  nniii  ei gan 


524  2.    HKtötliue. 

Im  muo3  anders  geschehen: 
wein  sie  vröud'  und  wunne  sehen, 
Sie  mue3en  euch  darzuo  twingen, 
410  so  mag  in  wol  gelingen.« 

Do  da3  erhörten  ir  mäg(e), 
dö  heten  sie  manige  vräg(e); 
Auch  sach  e3  zehand  ir  man, 
da3  e3  nicht  anders  mocht'  ergän; 

15  Do  griffen  sie  an  mit  vleg'.  mit  bet'. 
deu  vrauwe  e3  ungernfe)  tet. 
Wan  sie  schämt'  sich  sere, 
ir  laides  des  ward  mere; 
Sie  jach:  »ich  lä3*  mich  toeten  e, 

20  e  e3  also  an  mir  erge.« 

D6  nicht  half  weder  drö,  noch  bet'. 
nü  hoeret,  wie  ir  wirt  tet: 
Er  wolt'  des  nicht  erwinden, 
er  hie3  die  vrauwen  binden  , 

25  Da3  gewand  hie3  er  ir  ab  ziehen, 
des  mocht'  sie  nicht  enpfliehen, 
Er  stalt'  sie  nider  auf  den  stain, 
ir  schäm  was  (da)  nicht  klain  : 
Da  muost'  deu  vrauwe)  mit  schal 

30  da3  veuw(e)r  geben  liberal, 

Wan  sie  muost'  auf  dem  stain^e)  stän , 
des  wolt(e)  man  sie  nicht  erlän; 
Der  ain(e)  truog  ain  kerzen  dar . 
der  ander  unslit  z'wär, 

35  Der  dritt(e)  truok  ainen  schaup, 
der  vierd(e)  ainen  boschen  laup, 
Der  vünft'e)  truog  ain  buechein  her. 
der  sechst(e)  ainen  brand  swaer'. 
Also  zunten  sie  allesamt: 
40  da3  was  der  vrau[we"|n  ain  bitter  amt; 
Also  muost'  sie  e3  leiden 
und  mocht'  e3  nicht  vermeiden, 
Sie  muost'  die  schäm  und  die"  not 
leiden,  sie  was  nähen  tot. 


2.    U>u0Utu9.  525 

445      Damit  Virgilius  drät 

vuor  von  Rom',  und  baut'  ain  stat. 

Als  sie  heut(e)  ist  bekant, 

die  ward  Napels  genant, 

Mit  listen  er  e^  ane  vie. 
50  da3  e3  nach  seinem  willen  gie. 

Recht(e)  als  er  wolde 

und  als  er  mit  listen  solde, 

Wan  e3  ze  recht  also  ergienk: 

die  stat  er  an  dreu  eijer  hienk, 
55  Da3  e3  von  im  noch  hat  die  kraft 

unt  von  seiner  meisterschaft, 

Swer  sie  zerbrsech',  deu  stat  versünk(e), 

da3  volk  vil  gar  ertrünkfe). 

Da3  bewart  man  in  der  stat  wol. 
60  swer  gegen  dem  eije  greifen  sol, 

So  zitiert  deu  stat  liberal 

und  die  heuser  äne  zal. 
Darnach  Virgilius  der  her 

vant  dennoch  liste  mer, 
65  Er  macht'  ain  bilde  erein, 

da3  bilde  muost'  von  golde  sein , 

An  dem  bilde  was  gegraben 

mit  guideinen  buochstaben: 
DI  ich  hin  zaig*,  da3  ist  ain  hört; 
70  swer  in  begreift,  da3  ist  ain  ort 

Seiner  armuot  ab  bckomen.« 

<i<')  d.13  die  leut'e  hetenj  vernomen, 

Dö  k;im[enl  der  leut'  ain  michel  tail. 

iegleicher  versuocht'  sein  hail, 
75  Ob  im  der  hord  würde, 

d;«3  im  der  sorgen  bürde 

Miiest'  dl  ron  geringel  sein 

und  ganxea  rröadc  werden  icheio. 

Die   ;nn  btlld   het   «1.13   bilde 
80  gefeit  auf  den    bauch    wilde; 
l)ei    .inder    ;irm   itllOIld   u'erakl. 

dei  nuoiger  dikke  lacht', 


526  ±    ftrgUtuft. 

Da3  bilde  da  zaigen  began 
mit  seiner  hand  wol  getan 

485  An  ainen  berg,  der  gegen  im  lau ; 
also  zaigt'  e^  nacht  unt  tak; 
Mit  dem  vinger  vür  sich  hin: 
da  suochte  maniger  den  gewin 
Und  gruoben  den  berg  umb(e), 

90  der  weise  und  der  tumb(e). 
Sein  vinger  im  gerekk(ejt  was 
gegen  dem  berg,  als  ich  63  las; 
Der  ander  vinger  zaigen  began 
gegen  dem  bauch  den  hört  an. 

95  Des  verstuont  sich  nie  man  da: 
sie  vuoren  nach  dem  vinger  sä, 
Der  da  stuond  nach  dem  berk, 
darinne  so  worchten  sie  manig  werk, 
Wan  sie  wanden ,  da3  sie  dort 
500  vünden  in  dem  berg  den  hört: 
Den  hört  da  nie  man  (ge)sach. 
aines  tages  ain  trunken  man  sprach : 
»Wie  lang  sol  uns  da3  bilde 
effen  an  dem  wilde? 
5  Ich  wil  die  leut'  an  im  rechen 
und  wil  e3  genzleich  zerbrechen.« 
Sein[enJ  kolben  er  bei  dem  orte  vic, 
vil  trunken  er  gegen  im  gie, 
Und  sluog  e3  da  an  seinen  nak, 

10  da3  e3  auf  der  erden  lak, 
Seinen  hals  und  sein(en)  nak, 
dannoch  schain  nicht  der  tak, 
Wan  e3  bei  der  nacht  was: 
da3  golt  viel  nider  auf  da3  gras. 

15  Daran  sol  man  gesehen  wol, 
wer  grÖ3e3  guot  haben  sol, 
Dem  muo3  e3  werden  beschatten. 
e3  sein  laijen  oder  pfaffen; 
Als  dem  trunken  manne  geschach, 

20  der  da3  bilde  (da)  zerbrach.  — 


>.   VtrjUtas.  527 

Diz  bild'  sol  nie  man  effent  sein  — 
der  west'  nicht,  das  ^33  guot  was  sein. 
Unz  er  daz  golt  truok  von  dan : 
da  ward  er  ain  reicher  man, 
525  Im  wart  beschert  grÖ3e5  guot. 
owe,  wie  sanft  e3  manigem  tuot. 
Da3  er  gewinnet  saeld'  und  hail. 
owe,  wurd'  uns  des  auch  ain  tail! 
Des  helf  uns  Got  von  himel  reich, 
30  z'wär,  so  würden  wir  vröuden  reich. 


3. 


<£  r  a  k  l  t  u  6. 


d      Haf  ■■       0**M  ■  II 


14 


Als  der  König  Pbokas  in  Korn  herrschte,  kam  ein  Heide  dahin 
und  bot  auf  dem  Markt  einen  Knaben  feil,  der  aller  Weisheit  voll  war: 
wie  er  dem  Heiden  zugekommen  war,  weifs  ich  nicht.  Des  König» 
Schaffner  feilschte  auf  dem  Markt  um  den  Knaben,  für  welchen  hundert 
Mark  gefordert  wurden,  und  der  Knabe,  Eraklius  genannt,  rühmte 
sich:  er  kenne  die  Kräfte  aller  Gestirne;  ebenso  könne  er  jeder  Frau 
ansehen,  ob  sie  getreu  oder  wankelmüthig  sein  werde;  endlich  verstehe 
er  sich  auf  die  Tugenden  und  Mängel  eines  jeden  Rosses:  diese  drei 
Künste  habe  er  von  einem  heidnischen  Sternseber  gelernt. 

Der  Schaffner  legte  dem  Könige  den  Handel  vor,  und  dieser  liefs 
sogleich  den  Knaben  kaufen.  Als  der  Schaffner  ihn  brachte,  prüfte  der 
König  ihn,  und  befragte  ihn  über  allerlei  Gestirne:  worauf  der  Knabe 
ihm  eines  jeglichen  Kraft  angab. 

Nun  führte  der  König  ihn  auf  den  Markt,  und  hiefs  ihn  das  beste 
Koss  auswählen.  Der  Knabe  zeigte  ihm  einen  jungen  Hengst,  der 
tadellos  und  des  Königs  würdig  wäre,  wenn  er  gut  gepflegt  würde. 
Das  Ross  wurde  gekauft,  und  ward  so  trefflich,  dafs  der  König  nicht 
ein  Land  dafür  genommen  hätte. 

Hierauf  hiefs  der  König  den  Knaben  ,  ihm  ein  vollkommenes  Weib 
zur  Gemahlin  aussuchen.  Er  liefs  alle,  die  neue  Kleider  tragen  wollten, 
zu  einer  Hochzeit  (Fest  laden,  und  es  kamen  viele  Herzoge,  Grafen 
und  Dienstmannen,  sammt  allen  schönen  Frauen  ,  die  sich  köstlich  ge- 
schmückt hatten.  Sie  safsen  in  drei  Palästen,  in  einem  die  Fürstinnen, 
im  andern  die  Burggrafinnen,  im  dritten  die  Ritlerfrauen;  die  übrigen, 
Mann  und  Weib,  safsen  im  Hole.  Als  alle  über  Tische  safsen,  läfst« 
'i'-r  K ■» n i _:  den  Knaben  bei  der  Hand  und  führte  ihn  zur  Braulschau. 
Im  ersten  Paläste  fand  Erakliua  keine  des  Königs  würdig.  Im  folgen- 
den ,  wo  die  Dienstmannen  und  Ritterlrauen  safsen,  sah  der  Knabe 
auch  mir  solche,  die  willig  wären,  wenn  man  sie  um  Minne  bäte. 
IkHN  war  es  im  dritten  Palast.  Da  führte  der  König  den  Knaben  in 
den  Hol  .  wo  das  gemeine  Volk  safs  :  da  ersali  Eraklius  eine  Jungfrau, 
du-  eh.-n  so  rein  und  keusch .  wie  silion.  und  lUCb  getreu  wäre,  wenn 
man  sie  ungehUtol  Itejsc.  Der  Koni,:  wollte  sie  zur  Gemahlin  nehmen, 
»•im  es  sich  gewiss  so  verhüll.-  Fr.iklius  MlCtC  l#tl  Haupt  zu  Pfände, 
warnte  jedoch  .  .lals  die  Hui  lifl  wankdmulhig  machen  werde;  und  dei 
konig  gelohte,  ihr  m  trauen. 

Alsbald  winde  die  Juru'lrau  königlich  gekleidet,  die  Frauen  leinten 
sie  mancherlei  Tugend,  und  so  luhrtc  man  |f«  .ms  einet  Kammer  her- 
vor Dl  halte  der  Körnig  alle  i,.ist<- .  Fdle  und  Borger,  Manner  und 
I  r.iueri   herulen       und    vcikundigle,    dals   er  die   JuOgJrail   zur  Gemahlin 

erwahi-      i  :  /  ,   pwiaaeo.     Alle  hiefiefl   ei  ^n     Bienul  trat  er 

mit   ihr   in   emen    Kreis  der  Herren,   und   lordeih    so-  .ml.   ihm   di<tJUBg- 
frau    /u   |f|>M       l).i-    |6KlMD  ,    und    beul'-    lel.t.  n    in    liol.cn    I  nuden 

So  rtjgtonj  ein  j,)Ih     d.i  ward  tot  Frau  dem  Könige  io  Utb<   dtfi 

er  lie  nicht  ohne   Hill  JatM-n  konnte     und   ihr    seine  Bchwtftaff  "|,ül  lind 


früh  zur  Aufseherin  setzte.  Das  that  ihrLeid,  sie  sagte  sieb,  da fs  ohne- 
dies ihr  reines  Herz  getreu  sei,  wollte  nun  aber  versuchen,  was  die 
mislrauische  Hut  helfen  könne. 

Eines  Abends  safs  sie  fröhlich,  mit  der  Krone  auf  dem  Haupte,  in 
einem  Fenster:  da  ritt  ein  junger  Römer  vorbei,  den  grüfste  sie  minnig- 
lich.  Der  Jüngling,  hocherfreut  darob,  sann  Tag  und  Nacht  auf  ihre  Minne; 
er  ritt  alle  Abend  an  ihrem  Fenster  vorüber,  und  sie  sah  ihn  heimlich 
und  grüfste  ihn  lieblich.  So  zwang  die  Minne  sie  beide,  dafs  er  fast 
vor  Liebe  starb  und  sie  ihm  von  ganzem  Herzen  hold  war,  obgleich 
sie  noch  kein  Wort  gewechselt  hatten ,  doch  liebten  sie  sich  herzinnig. 
Die  tödtliche  Minnenoth  war  beiderseitig,  dennoch  wüste  keines  von 
beiden  um  des  andern  Herz.  So  minnewund  versank  sie  in  schwere 
Siechlage  ,  dafs  der  König  für  ihr  Leben  fürchtete. 

In  diesem  Siechlhume  kam  zu  ihr  ein  altes  gewitztes  Weib.  Namens 
Komphea,  die  sah  ihren  Zustand,  befühlte  ihr  Haupt,  Hände  und 
Hüften,  und  erklärte  sie  für  minnesiech;  sie  möge  aber  ihren  schönen 
Leib  nicht  verderben,  sondern  den  geliebten  Mann  nennen,  damit  sie 
genese.  Die  Königin  rühmte  die  Alte,  dafs  sie  es  getroffen,  und  bat 
sie  verschwiegen  zu  sein.  Romphea  gelobte  es  bei  tausend  Toden,  und 
die  Königin  vertraute  ihr  Alles.  Romphea  versprach  ihr  Hülfe,  trotz 
aller  Rehütung,  und  die  Königin  verhiefs  ihr  reichen  Lohn.  Nun  rieth 
die  Alte,  die  Königin  solle  Mittwoch  in  der  Stadt  umher  reiten,  und 
sich  an  das  Haus  führen  lafsen ,  in  welchem  sie  wasche  und  spinne, 
und  vor  welchem  eine  Lache  von  dem  ausgegofsenen  Wafser  stehe : 
dort  in  ihrer  Kammer  wolle  sie  den  Mann  verborgen  hallen.  Die 
Königin  konnte  diesen  nur  dadurch  kenntlich  machen,  dafs  sie  ihn 
zeigte;  und  die  Alte  blieb  da,  bis  er  am  Abend  wieder  vorbei  ritt.  Da 
erkannte  ihn  Romphea,  und  verhiefs,  ihn  zu  gewinnen:  die  Königin 
möge  beim  Heimreiten  an  ihrem  Hause  das  Gefolge  entlafsen  und  allein 
vorausreiten  ,  dort  ihr  Pferd  an  einem  Stein  stolpern  lafsen  und  selber 
in  die  Lache  fallen;  man  werde  ihr  heraushelfen,  und  während  ihr 
trockene  Kleider  geholt  werden,  solle  sie  sich  in  das  Haus  führen  lafsen, 
wo  sie  den  hübschen  jungen  Mann  in  der  Kammer  finden  werde,  erst 
thun  könne,  als  wäre  es  ihr  Leid,  dann  aber  stehe  ihr  Bette  zur  Lust 
bereit     Der  Königin  war  dieser  Ralh  völlig  zu  Willen. 

Am  Mittwoch  früh  ritt  sie  aus,  mit  Frauen  und  Rittern,  deren  zwei 
der  Königin  Ross  am  Zaume  führten.  Als  sie  an  die  Lache  kam,  that 
sie  alles,  was  Romphea  geralhen  ,  und  liefs  sich  in  ihr  Haus  führen, 
wo  der  junge  Mann  sie  erwartete,  und  beide  der  Minne  pflagen. 

Das  trieben  sie  heimlich  so  lange,  bis  der  König  es  inne  ward,  sie  be- 
obachten liefs,  sie  bei  einander  betraf  und  beide  tödtele:  jedoch  weifs 
ich  nicht  gewiss,  ob  sie  nicht  mit  dem  Leben  davon  gekommen  sind. 

Der  König  sandte  hierauf  nach  Eraklius,  schalt  ihn,  dafs  er  ihn  so 
getäuscht  habe,  und  drohte  ihm  den  Tod.  Eraklius  aber  entschuldigte 
sich:  man  habe  gegen  seinen  Rath,  die  Königin  durch  argwöhnische 
Behütung  zur  Missethat  gereizt.  Der  König  erkannte  sein  Unrecht,  und 
bereute,  dafs  er  den   Rath  nicht  befolgt  und  sein  Weib  behalten  hätte. 


3. 
E  r  ä  k  1  i  u  s. 


Darnach  ain  künik  ze  Römfe)  was. 

der  was  gehai3en  Föcas. 

Vil  wunders  er  da  begie; 

ich  kan  nicht  wol  wi33en,  wie 
5  Oder  von  wannen  er  dar  kam, 

und'e,  da  sein  ende  nam, 

Wan,  aine3  ist  ra'r  von  im  gesait 

vür  die  ganzen  wärhait, 

I),i3  ain  haiden  bei  der  zeit 
10  kam  auf  den  markt  weit 

Und  het  veil  ainen  knaben  sus, 

der  was  genant  Eräklius, 

Der  knab'  was  aller  weishait    rol  ; 

>la-   West'  man   viir  die  wärhail  wol. 
15  Wie  er  den  beiden  was  zuo  körnen, 
hi ii  ich  von  im  nicht  verumncn, 

Wan  dag  der  haiden  in  het  vail; 

das  k;"M  '"i  v,it  m  -l ".5«  in  hall. 
Der  konig  bei  innen  ichaflsr  e 
20  det  wai  trenn  und  61  bm  e  . 

Dei  rait  an  den  markt  guol ; 

all  in  «I.j   l<i  (  <•     .ein   muol ; 

i>  15  kan  den  kinl  le  hall  1 
Ei  aklim  was  vail  1 
1 .  Dei  i<  ii-iii  1  r  lieg  ikfa  nicbl  i>«  U  kij 
den  haiden  begund1  er   v  ragen 


534  3.    €rahltu$. 

Wie  er  den  man  geben  wolde, 

und  wie  er  in  kaufen  solde. 

[Er  sprach:]  »ich  gib'  in  umb(e)  hundert  mark; 
.\0  wan  er  ist  änfej  ma3en  kark.« 

Do  sprach  der  scharTserfej : 

»der  kauf  ist  mir  ze  swaerfe; , 

lr  wolt(et)  mir  dan  gunnen, 

da3  ich  hört',  wa3  er  mocht'  kunnen.« 
35  Do  sprach  Eräklius  zehant: 

»herr'e) .  ich  tuon  eu  bekant 

Da3  ich  in  meinem  herzen  hän  , 

ob  es  mir  hie  der  haiden  gan. 

Mein  kunst  ist  nicht  klainfe; : 
40  ich  kan  ain  iegleich  gestain(e) 

Besehen,  wa3  e3  krefte  hat 

undfe)  wie  e3  ze  lobe  stat. 

Saphier  und(e)  jöchant, 

deu  sint  mir  all(e)  wol  bekant. 
45  Und  darzuo  gemain(e) 

alle3  edel  gestain(e), 

Wa3  kraft  ir  iegleiche3  hat , 

da3  kan  ich  besehen  drät. 

Darzuo  kan  ich  mer(e) ; 
50  e3  ist  kain  vrau  so  her(e). 

Oder  (al)sö  arm  getan, 

swenn(e)  ich  zuo  ir  gän, 

Ich(n)  sehe  an  ir  varw(e)  wol , 

ob  sie  staet  beleiben  sol, 
55  Oder  ob  sie  hat  ain[en]  kranken  muot; 

da3  kan  ich,  lieber  herre  guot, 

Ich  kan  e3  sicherleich(e) 

vinden  an  in  gcleich;e). 

Darnach  wil  ich  eu  mer(ej  sagen 
60  ain  kunst  muo^  ich  State  tragen  , 

Des  kan  ich  nicht  verge33en, 

deu  ist  mit  lieb  gese33eu 

Sta3t(e)  in  meinem  muot: 

da3  dfe)hein  ros  ist  so  guot. 


3.    C*roklius.  535 

65  Ichfn'j  kün'n  an  im  ersehen  wol, 

swa3  guoter  tugend'  e3  haben  sol , 

Oder  ob  e3  ist  untugenthaft , 

da3  sich  ich  wol  an  seiner  kraft, 

Lauft  e3  snell'  unde  drät, 
70  da3  kenn'  ich  wol  vruo  und  spät, 

Und  wil  e3  recht  an  dem  ros  sehen, 

also  kan  ich  ir  tugend  spehen. 

Die  künst(e)  alle  drei 

sint  mir  waerleich  gar  bei. 
75  Als  ich  eu  wil  bescheiden, 

ich  lernt'  e3  bei  ainem  haiden, 

Die  da  hai3ent  sternseheerfe), 

da  lernt'  ich  die  kunst  swaer(e).« 

Der  schatTaer(e)  sprach  zehant: 
80  »meinem  hern  tuon  ich  e3  bekanl; 

Er  lät  den  kauf  nicht  under wegen, 

er  hai3et  dein  schön(e)  pflegen.« 
Dem  künik  tet  er  e3  bekant: 

»kauf  in,  ich  naem'  in  vür  ein  lant. « 
8o  Also  sprach  her  Föcas, 

des  kaufes  er  gar  vrö  was. 

Der  schaffair'  kauft(e)  in  zehant, 

und  nam  in  schon  an  die  haut; 

Vin  den  künig  er  d<>  gie, 
90  der  herr'cj  in  schön  enpfie. 

Bf  sprach:   >A;\$  mich  dein  kunsl   sehen, 

ob  ich  ric  ron  dir  kttnn(ej  soeben.« 

1.1  bic3  im  itain(c    %  i  1  und  genooli 

rttr  in  trageo :  »bistn  so  kluofc . 

h.i-  ilii  rni!  in  diaer  vrist . 

wir  iao  iegieieber  oflzz(eJ  ist.« 

Die  itain'  Eräkliua  n.im, 

•  1     i_'[  <•   im  do ,  in  e   schäm . 

\\ .15  ki.ilt  bei  iegieieber  ilain . 
|(H>  ei   m  1 65  oder  klein 

h<  dei    kttnik    vrö. 

Ei  viK.if  in  ;iui  den  mark!  &6 


536  3.    «Eräklius. 

Ze  Rom*  in  der  grÖ3en  stat. 
vil  vlei3ekleich  er  in  dö  bat, 
105  Da3  er  im  ain  ros  erkant(e), 
des  bat  er  in  und  mant(e), 
Da3  drät  lief  und  snellikleich, 
und  wol  zaem'  ainem  künig  reich. 
Vür  in  zöch  man  mit  schoenhait 

10  manig  schoen  ros  gemait. 

Der  künig  sprach:  »\velhe3  sol  ich  nemen 
da3  meinen  eren  müg'  gezemen? 
Da3  tuon  ich  gern,  nach  deinem  rät.« 
er  sprach:  »der  vol  der  dort  stät, 

15  Dem  wirt  nicht  geleich(e) 
über  alleu  künig  reich(e), 
Heistu  sein  pflegen  schön(e), 
er  zimt  wol  deiner  krön(e) , 
Er  hat  nicht  vlÖ3gallen, 

20  er  muo3  dir  wol  gevallen.« 
Der  künig  dö  des  nicht  enlie3, 
den  volen  er  dö  koufen  hie3« 
Er  wart  der  best(e)  den  man  vant: 
der  künig  hiet(ej  nicht  ain  lant 

25  Genomen  vür  den  volen  guot, 
er  het  in  stät  in  seinem  muot, 
Des  was  er  herzenleichen  vrö, 
da3  er  het  disen  volen  dö. 

Er  sprach:  »vil  lieber  Eräklius, 

30  nü  hast  du  mir  gezaiget  sus 
Ros  und  edel  gestain(e), 
die  wärhait  gemain(e) 
Hän  ich  an  dir  wol  gesehen: 
du  solt  mir  (nü)  recht(e)  spehen 

35  Ainen  gar  vol  komen  leip; 
ich  hän  nicht  ain  eleich  weip.« 
Dö  sprach  Eräklius  der  knecht: 
»ich  kan  eu  beschaiden  recht 
Ain  weib  nach  euwerm  willen  gar. 

40  Iä[3e]t  ir  mich  ir  nemen  war. 


3.    <£rakltus.  537 

Geschech  eu  daran  immer  icht , 

so  lät  mich  sein  genie3en  nicht.« 

Ze  hant  der  künig  sande 

weiten  in  dem  lande 
145  Undfe)  hie3  den  leuten  sagen, 

swer  neuweu  klaider  wolt(e)  tragen, 

Da3  der  kaem'  zuo  der  hoch  zeit. 

da3  sait'  man  in  dem  lande  weit, 

Da3  er  wolt'  halten  Wirtschaft. 
50  dar  kam[en]  der  leut'  ain  michel  kraft, 

Herzogen,  gräven,  dienst  man, 

die  kämen  zuo  der  Wirtschaft  dan , 

Und  dar  zuo  alleu  schoeueu  weip. 

deu  beten  gebreiset  irn  leip 
55  Zuo  der  werden  hoch  zeit 

heten  sie  sich  schon  an  geleit, 

Ir  wäre;n  dar  zuo  vil  bekomen, 

da3  ich  da5  von  in  hän  vernomen. 

Da3  drei  grösfe]  palas 
60  von  vrauw  e  n  also  vol  was: 

In  ainem  sä3en  vürstin , 

in  dem  andern  burggrävin. 

In  dem  dritten  rittersweip; 

HC  heten  örleichen  leip. 

I»')  \\;i>  in  dem  hof  gese35en 

.die.-)  < l*i.3   wolt'  e33<n. 

1  -;   \\  i  i  l     weip  oder  man. 

da3  /.uo  der  hoch  zeit  wolle    gan. 

l».i  \ic  der  I  uiii-r  Eraklium 
70  bei  seiner  bende :  »dein  weistuom 

Dm  iol  lieh  hie  erzeigen 

weist  «in.  <l;i-,  iiu  mein  eigen 

BUt,   I.i   MbeiBeD   deinen    weisluoni    sljik 
ich  k.iuit  e    (lieh    umlt   hundert  ni.nL 

7 )  Swie  da£  leib  <•   mein  guo(  id  • 
prei  miefa  beirsti .  und  lus  \n  i 
l  leg  um   wtr&  iin  i  aineg  *  <-ip  . 
deu  wiii  um  lieb  alsara  mein  leip 


538  3.    €rahltu9. 

Deu  sei  arm  oder  reich(e), 
180  wan  ich  ir  nicht  entweich(e).« 
Eräklius  antwurt(e)  dö: 
»herre ,  du  solt  wesen  vrö , 
Feh  merk(e)  dir  au3  ainfe)  mait, 
deu  rain  ist  und  unverzait.« 

85  Damit  er  in  den  palast  gie, 

der  künig  in  bei  der  hend(e)  vie, 

Da  die  vürstinne 

wären  gemain  inne. 

Er  sprach:  »ich  sih(e)  kain(en)  leip, 

90  der  dir  zaem'  zuo  ainem  weip.« 
Zehand  dö  gie  er  schauwen 
zuo  den  andern  vrauwen , 
Da  dienst  man  und  ritterweip 
heten  wol  gezierten  leip. 

95  Der  künig  sprach:  »nü  nim  vür  vol. 
ob  dir  ieman  gevall(e)  wol, 
Sint  die  hin  nicht  staete.«  — 
»etleich ,  der  sie  baete, 
Deu  brach1  ir  treuw(e)  gern, 
200  ainen  man  möcht'  sie  gewern, 
Der  ir  möcht'  gedienen  vil, 
der  sie  umb  minne  biten  wil; 
Davon  ist  etleich  vrauw(e)  guot 
rain  und  staet  an  irm  muot, 
5  Ob  man  sie  icht  biete, 
da3  sie  e$  gern(e)  taete.« 
In  da3  drit  palast  er  in  bat 
gen;  da3  geschach  drät; 
Der  künig  sprach:  »trachf  mit  sinn(e) , 

10  ist  icht  junkvraun  hie  inn(e), 
Deu  staet  an  mir  beleibfe)  hie.« 
in  dem  palast  er  umb(e)  gie 
Und  schauwet'  sichert  eich(e) 
die  vrauwen  da  geleich(e). 

15  Er  sprach:  »ich  sich  nie  man  hie.« 
der  künig  in  bei  der  hende  vie 


3.    (ßroklius.  539 


L'nd  weist'  in  in  den  hol  zehant. 
da  er  da5  volk  gemain  e,  vant; 
Er  sprach:  »nu  sich  mit  sinne. 
220  ist  indert  kaineu  hinne, 
Deu  mir  ze  weib  gezaem(e) 
und  die  ich  mit  erfe)n  nsemfe,.« 
Da  begund'  er  umb(e)  schauwen : 
da  saeh  er  ain  junkvrauwen, 

25  Er  sprach:  »ich  sich  dort  aine, 
deu  waer(e)  keusch  und  rain(e) 
l'nd'e,  waer'  recht  wol getan, 
der  sie  wolf  nach  eren  hän. 
Ich  sag'  eu,  lieber  herrfe)  guot. 

30  der  sie  haben  wolt'  in  huot, 
So  behabt'  sie  nicht  ir  staetfe), 
wan  sie  dan  missetaet(e): 
Wil  aber  man  sie  an'  huote  lan , 
so  mag  ir  nimmer  missegän, 

3ö  Wan  sie  behalt  ir  keuschait. 
da3  sei  dir,  herrfe),  vor  gesait.« 
DA  sprach  der  herrfe)  wol  getan: 
»sol  ich  da3  auf  dir  hän, 
Da3  sie  belib'e)  staete 

40  und  nimmer  missetaet(e), 

SA  nim  ich  die  mag(e,t  z'wär. 
iwie  halt  ich  an  ir  gevar.« 
DA  ipracfa  Kraklius  zehant: 
odefl  sei  mein   haub'e.t   dein   plant. 

16   Wilt  du   sie  nicht  in  hunt^e,   hän. 

•A  mag  dir  nimmer  mfeftegan; 

Will  du   iff  aber  hurlen, 

so  beginne!  ir  hart1  wueten , 
Sie   mag  da  von   unrecht  treten. 
60  ob  lic  ic  man  hat  gebeten.a 
oNain  ich,«  ipracfa  der  kttoig  dral 
i'wai .  ich  gerar  nach  deinem  ril 
Ich  «ril  n  getraowen  wol, 
eil    ie  ifl  rainer  keusche  rol.« 


540  3.    tfrahlius. 

255      Zehand  man  der  junkvrauwen  truok 

klaider  deu  warn  reich  genuok, 

Als  ainer  küniginne  zam. 

deu  klaider  sie  sich  an  nam , 

Do  wart  sie  ain  schoeneu  mait, 
60  da3  man  da  wunder  von  ir  sait'. 

Die  vrauwen  nämen  sie  mit  gewalt, 

und  lerten  sie  tugend  manikvalt, 

Und  weist'  man  sie  leis  und  nicht  drät 

au3  ainer  kemenät, 
65  Da  het  sie  sich  an  geleit. 

z'wär  an  der  selben  zeit 

Bat  der  künig  die  vürsten  gän 

und  die  vrauwen  wol getan, 

Dienst  man  und  rittaer(e), 
70  knappen  und  burgser(e), 

Die  muosten  da  gemain(e)  sein. 

der  künig  sprach:  »liebeu  vrauw(e)  mein, 

Ir  seit  zuo  mir  komen  her 

nicht  umbsust,«  sprach  er 
75  »Ich  wil  ain  weib  mit  sinn(e) 

nemen,  dabei  ich  gevvinn(e) 

Erben,  deu  ist  wol  getan.« 

dö  sprach  weib  und(e)  man 

Alle  geleich(e), 
80  arm'  und(e)  (reiche): 

»Herr(e),  da3  dunket  uns  guot. 

von  ir  wert  ir  wolgemuot.« 

Man  weiset*  sie  an  ainen  rink. 

nü  hoeret  des  küniges  taidink  , 
85  Wie  er  gegen  den  herren  ret; 

er  sprach:  »gebt  mir  sie  hie  ze  stet, 

Wan  ich  wil  sie  gerne  nemen, 

ze  er(e)n  kan  sie  mir  gezemen.« 

Dö  gab  man  sie  im  wunnikleich. 
90  sie  wär(e)n  baideu  vröuden  reich.« 
Dö  sie  der  künig  het  ain  jar, 

dö  ward  sie  im  so  lieb  gar, 


3.    (Craklius.  541 

Da3  er  ir  hie3  mit  huot(e)  pflegen, 

und  lie3  all(e)3  dink  under wegen, 
295  Er  sazt  ir  sein  swester  zuo, 

da3  sie  spät  und^e)  vruo 

Huott'  ir  schön  vor  üppikait. 

da3  was  der  küniginne  lait, 

Do  sie  die  huot'  ersach, 
300  wider  sich  selben  sie  dö  sprach  : 

»Wil  er  nü  gar  an'  ang(e,st  sein, 

mich  hat  das  rainfe,  herz(e)  mein 

Und(e)  mein  rainer  muot 

mit  ganzer  staet(e)  wol  behuot; 
5  D«i3  ist  an  mir  wol  worden  schein  : 

wa3  dann'  al  deu  huote  sein! 

Seit  er  mir  nicht  getrauwen  wil 

gar  an  meines  herzen  zil, 

So  wil  ich  besehen,  ob  sein  huot' 
10  im  icht  grÖ3en  vromen  tuot.« 

Ainer  nacht  sie  in  ain  venster  sa3- 

als  irs  laides  sie  verga3; 

h<»  rait  ain  junger  R6maer(e; 

vür  ir  haus  an'  swaer(e); 
15  Do  sa3  sie  in  irem  venster  schön 

mit  irer  guideinen  krön'; 

Den  gruo3fe)  sie  minnekleich. 

dM  wart'  sein  herze)  vröuden reich; 

Wan  er  lag  und(e]  nacht 
20  in  ir  minne   h<:t,  gedacht. 

Darnach  rait  er  .ii  nacht  spat 

rür  n  renale) u  Nlir  M  kemnai. 

Sic  nano  -<'in  taugenleichen  war 

und  gruo3t'  in  minneklaicben  dar, 
96  Wan  h<*  in  dd  vol  erkenf, 

i ..i  ron  im  twang  der  minne  i>;mi . 

D;i3  der  k t j . ■  p p  <•,  rröudenrejch 

rail  ffti  die  rranw.en  wunnikleich 

in  betwanl  nAcfa  ir  der  minne  o6l 
H  dag  af  vor  lieb  t   na<  h  arai  i«»t 


542  3.    (ßrahliu*. 

Auch  betwank  ir  herz'  sie  nach  im. 

und  ir  muot  unde  sin 

Was  im  mit  ganzen  treuwen  bei. 

swie  [doch]  zwischen  in  nicht  red(e)  sei 
335  Ergangen,  doch  was  sie  im  holt; 

er  het  e^  nicht  nmb  sie  verscholt; 

Do  was  er  ir  in  [ir]  herz(en)  guot. 

und  het  in  Staat  in  irm  muot. 

Also  het  er  sie  z(e)  war 
40  liep  an  ej  mä3en  gar. 

Bedenthalb  heten  sie  ungemach; 

so  ie  da3  ain  da3  ander  sach, 

So  was  e3  nähen  nach  im  tot; 

des  betwank  sie  baid'  der  minn(e)  not. 
45  Doch  enwest'  dhain3*des  andern  herz(e). 

des  laid  sie  von  im  smerzen. 

Davon  so  ward  sie  minnen  wunt. 

da3  ir  der  siech  tag  dö  wärt  kunt. 

Do  wänt'  der  künik,  sie  leeg(e)  tot: 
50  dö  twank  sie  neur  der  minne  not. 
Dö  deu  vrauw(ej  so  siech  was, 

da3  sie  vor  siechtuom  kaum  genas, 

Dö  kam  zuo  ir  ain  kündige3  weip, 

deu  sach  ir  leben  und  ir  leip, 
55  Deu  greif  ir  haub(ejt,  hend'  und  diecli, 

sie  sprach:  »ir  seit  von  minne  siech. 

Da3  wai3  ich  waerleich  vür  war, 

euch  twingt  deu  minne  also  gar. 

Welt  ir  euw(ejrn  schoeuen  leip 
60  verderben  hie,  vil  saelik  weip? 

Zwar  da3  ist  unrecht  getan. 

sagt  mir,  vrauw',  wer  ist  der  man. 

Nach  dem  ir  seit  minne  wunt? 

ich  mach'  euch  schier  davon  gesunt.« 
05  Da3  alt(ej  weip  hie3  Rompheä. 

deu  küniginne  sprach  da : 

»Vür war,  ich  des  wol  swuere, 

der  al  den  krai3  ervuere 


3.    CroKltuö.  543 

In  Römischem  reiche  , 
370  ist  nindert  dein  geleiche. 

Nu  wil  ich  dir  auf  gnäde^  sagen , 

du  solt  e3  auch  von  mir  verdagen; 

Und  ist  e3  von  dir  wol  verdait, 

mein  heimleich'  muo3  dir  sein  gesait.« 
75  Do  sprach  da3  alt'  weib  Rompheä : 

»ir  sült  des  sein  an'  ang(e,st  sä, 

Und  waer'  e3  umbej  tausent  mort , 

ich  braecht'  e3  nie  man  an  ain  ort.« 

Sie  sprach:  »so  wil  ich  dir  sagen, 
80  und  wil  des  vor  dir  nicht  verdagen; 

Ich  hän  gen  dir  nicht  gallen: 

mir  ist  gar  vast  gevallen 

Ain  junk  man  in  da3  herz(e)  mein; 

wirt  mir  der  nicht,  so  muo3  ich  sein 
85  Immer  (merj  an  vröuden  tot, 

mir  tuot  sein  minne  sölich  not, 

Da3  ich  nach  verschaiden  bin, 

sein  leip  benimet  mir  den  sin: 

Und  hat  noch  nie  d  ejhain  wort 
90  mit  mir  geredfejt  an  ain  ort.« 

Rompheä  sprach:  »vrauw(ej  mein, 

l;it  euwer  trauren  sein, 

Ich  tuon  euch  der  sorgen  vrei. 

iwie  U1Ö3  euwer  huot  ej  sei.» 
95  Sie  sprach:   »nü  rat,    1111  Irre,, 
j  dien'  ich  immer  mer(Cj.« 

Sie   spinch     »liebe   \iauw  c,   mein, 

ir  iflll  v  on  berzeo  \i<«  (ge)sein, 
11»  1  ,1  euch  <l<  1  milticben  seil 
100  rueren  in  die  stat  weit, 

l  1  aioem  pforl .  da  nun   ich  gaum . 
and  h.ii-t  euch  raeren  bei  dem  /.mm 

\  ur    riicin   bailf)   'Li   icb   inric 

wasch'  und  e]  sj>iiuic 

1   D  hu   l;n  IT.   deil   von  um    fleugt , 

von  <lcm    \%;i,5vr  d.15   rn.in  geugl 


.544  3.   (ßrahliu*. 

So  birg'  ich  den  selben  man 
in  mein  kamer  wol getan; 
West'  ich  neur  deu  maer(e). 
410  wer  der  stolz'  man  waer(e).« 
Do  sprach  deu  küniginnte): 
»ich  zaig'  dir  in  mit  sinn(e), 
Wan  er  reit  al  nachlekleich 
vür  mich  also  vröuden  reich. 

15  Da  soll  du  mit  vröuden  spehen, 
so  macht  du  in  heinacht  wol  sehen ; 
Du  macht  in  schier  da  vinden.a 
»dein  trauren  muo3  verswinden, 
Gewin[ne]st  du  mir  den  selben  man, 

20  den  ich  dir  gezaiget  hän.« 
Romphea  sprach:  »z(e)wär, 
ir  sült  sein  an'  ang(e)st  gar, 
Ich  sich  [noch]  heinacht  sein  reiten, 
ich  wil  sein  hie  innen  beiten.« 

25      Des  nachtes  der  junkher  wolbeklait 
vür  die  küniginne  rait. 
Sie  sprach:  »der  rain',  der  wolgemuot', 
dem  wider var  hie  alle3  guot! 
Sein  ros  da3  get  in  sprung(e): 

30  da  reitet  her  der  jung(e)  1« 

Romphea  in  vil  wol  an  sach , 
sie  sprach:  »habet  guoten  gemach, 
Vil  edeleu  küniginnfe,, 
ich  getrauw(e)  meinem  sinn(e), 

35  Ich  gewinne  eu  den  selben  man, 
wan  ich  in  erken(ne}t  han. 
In  den  selben  zeiten, 
da  ir  sült  ab  reiten , 
So  merket  da3  vil  rechte, 

40  da3  eu  ritter  unt  knecht(e) 
Vor  meinem  haus  entweichen, 
so  sült  ir  sicherleichen 
Vor  in  (allen)  reiten  ain, 
unt  kert  da3  pfserd  auf  ainen  stain, 


■\.   <£rahüu5.  545 


415  So  tuot,  als  ir.  an'  euwern  dank, 
vallet  ab  dem  pfaerd'e)  lank 
In  die  lachen  hernider, 
so  hilft  man  eu  auf  wider. 
So  seit  ir  na3  als  ain  maus, 

50  so  hai3t  euch  weisen  in  mein  haus 
l'nd  sendet  nach  klaidern  zehant; 
so  hän  ich  eu  vor  gesant 
Nach  dem  hübschen  jungen  man. 
den  vint  ir  in  der  kamer  en)  stan; 

55  So  sült  ir  tuon,  als  e3  eu  lait 
sei:  so  ist  mein  bett'  berait, 
Zehand  da  leget  (ir>  euch  an, 
und  umb'e;  väht  den  selben  man. 
So  kan  eu  nimmer  werden  b§3., 

60  vür  war  ich  eu  sage  da3.ee 
Do  sprach  deu  küniginne : 
»du  hast  vil  weise    sinne, 
/'war  bei  meiner  warhait, 
du  hast  geraten  und  gesait  . 

65  Z'wär  nach  meinern  willen  wol , 
recht  als  C3  ergen  sol.« 

An  dem  mitichen  morgen  vruo, 
deu  kftnigin  berait'  sich  darzuo. 
Als  ir  deu  alt'  gerälen  hat', 

70  d*3  sie  woll'  reiten  in  die  stal; 
\ 'lauwcn  und  e]  ritler  guot 

iitt-n   mit  ir.   sie   w.'irn   vruot; 

Do*  zäumten  iwln'  ritsre 

die  i.iini-iii  .in'  iwane. 
75  Do  lie  kamen  zun  dei  Lachen  hin, 

dl  fiel  lie  mit  gnoiem  lin 

In  d.i.-  iiuci)  <•    wt59ei 

dl  miiotl    lie  werden  nasser; 

DA  lue-  lie  sich  weisen  il 
ho  in  das  baut  iv  Romphel ; 

h.i  irai  dei  imi>-<  h  man  Uwe 

und  w.ii  1  ii  |  <lci  kUniginne . 

1 1 


15 


546  3.  (ßrahltitft. 

Als  sie  der  künigin  het  gesait, 

also  ergie  deu  hübschait, 
185  Da3  sie  der  minne  pflägen 

und  bei  ain  ander  lägen. 

Do  lobt'  deu  künigin  staet(e), 

da3  sie  e$  gern(e)  ta3t(e). 

Der  haimleich'  nämen  sie  in  genuok, 
90  sie  waren  wach  unde  kluok, 

Unz  sein  der  künig  innen  wart. 

dö  wart  nicht  lenger  gespart. 

Er  sazt'  in  baiden  läg(e), 

nach  der  meider  sage, 
95  Unz  er  sie  bei  ain  ander  vant : 

der  töd  wart  in  von  im  bekanl , 

Als  man  mir  hat  von  in  gesait. 

ich  wai3  nicht  selb[ej  die  wärhail, 

Ob  sie  schieden  lebendig  dan , 
500  oder  in  der  töd  gesiget'  an. 
Doch  ist  mir  gesaget  sus, 

der  künig  sant'  nach  Eräklius, 

Er  sprach:  »sag'  an,  unsaelig  man. 

wie  ist  dein  weishait  au3  gegän , 
5  Da3  du  mich  so  ser  hast  betrogen! 

«iii  hast  mir  von  dem  weil)  gelogen , 

Du  jaeh',  sie  waer*  ain  stiege)  weip: 

darumb  solt  du  deinen  leip 

Waerleich(e)  lä3en  hie.« 
10  er  sprach  :  »warumb(e)  oder  wie 

Han  ich  den  töd  hie  verscholt? 

ich  satt'  dir,  da3  ich  nicht  enwolt', 

Den  rät  man  gegen  mir  übergie  — 

da3  ir  ieman  huet(c)  hie. 
15  Darumb  wil  ich  unschuldik  sein 

umb  die  lieben  vrauwen  mein, 

Hat  sie  getan  dhein  missetät, 

seil  man  hat  den  meinen  rät 

Daran  übergangen. 
20  ich  soltfe)  billeich  hangen, 


3.    SErakltue.  547 

Ob  ich  schuldig  waer'e;. 
so  lid'  ich  billeich  swsere).« 
Do  begund'  der  künig  jenen, 
im  waere  recht  geschehen, 
525  Er  sprach :  »und  hiet'  ich  deinem  rät 
gevolgt.  ich  waer'  An1  misselät. 
Und  hiet'  nicht  herzen  swaer(e), 
und  hiet'  auch  al  mein  er(e). 
Und  hiet"  ich  gevolget  deinem  rät. 
30  so  weer'  mein  weib  an'  missetät.« 


# 


ptv   CeufeU-fapß. 


Em  Mann  ward,  wie  ich  vernahm,  folgende!  maisen  tapst  zu 
Rom.  Er  war  vornämlich  ein  Spieler  und  ohne  alle  Tugend,  aber 
wohlgelehrl;  er  schrieb  und  las  alles  was  man  ihm  vortrug,  und  war 
des  neuen  und  alten  Testaments  aus  dermafsen  kundig.  Dabei  war  ei 
bitterarm,  weil  er  im  Würfelspiel  alles  verlor.  Da  beschlofs  er,  sich 
von  der  Armut  zu  befreien  und  dem  leufel  Seele,  Leib  und  Leben 
zu  ergeben.  Er  trat  auf  einen  Kreuzweg,  zog  einen  Kreis  um  sich  und 
rief  den  Teufel  herbei.  Dieser  erschien  alsbald,  und  lhat  unwillig, 
dafs  der  »Lollerpfaffe«  ihn  so  mühe.  Der  Beschwörer  begehrte  vom 
Teufel,  dafs  er  ihn  der  Armut  enlrifse.  Der  Teufel  erbot  sich,  ihn 
gewaltig  über  alle  Christen  zu  machen,  nämlich  zum  Papst  in  Rom: 
dafür  müfse  er  aber,  sobald  er  am  Allare  zu  Jerusalem  als  Papst  die 
.Messe  singe,  seine  Seele  in  die  Hölle  führen  lafsen.  Der  Pfaffe  bot 
sogleich  Leib  und  Seele  für  das  Papsllhum  .  indem  er  nimmer  nach 
Jerusalem  zu  kommen  gedachte.  Der  Teufel  verlangte,  dessen  zu  Ur- 
kund,  einen  Brief  mit  seinem  Blute,  und  der  Schüler  stach  sich  in  den 
Finger,  und  schrieb  mit  seinem  Blute  den  Vertrag.  Hierauf  ging  er, 
nacb  Weisung  des  Teufels,  zum  Bischof.  Da  war  eben  des  Bischofs 
Schreiber,  vom  Teufel  verleitet,  zum  Weine  gegangen  und  ganz  be- 
irunken.  Der  Bischof  aber  wollte  gerade  einen  Brief  absenden  und 
biefl  eilig  den  Schreiber  herbei  holen:  der  Teufel  Jiefs  ihn  jedoch  nir- 
gendl  linden.  Unwillig  auf  seinen  Diener,  rief  der  Bischof  heraus,  er 
wolle  den  reich  machen,  wer  ihm  zur  Stund  einen  Brief  schreiben 
konnte.  Das  horte  der  arme  Schüler,  sogleich  erbot  er  sich  dazu  .  und 
\ermafs  sich,  ihn  EU  genügen,  und  wenn  es  um  ein  Land  ginge. 
Dei  Bischol  glaubte  ihm,  gab  ihm  den  Gegenstand  an,  und  der  Arme 
ich  rieb  einen  Brief,  dafi  Keiner  ei  befscr  gekonnt  bitte.  Das  gestand 
ihm  der  Bieebol  Dil  Freuden,  und  erbot  lieh  reiner  anzunehmen, 
wena  ei  dm   Würfelspiel   liefae     Der  Schüler  gelobte  es  mit  manchem 

Knie  ,    und  der   Bischol  lieft  ihm   durch  seinen   Kammerer  neue  Kleidet 

geben,  Abi  beste  Gewand  von  fpern.  Da  war  der  neue  Schreiber  dei 
stattlichste  und  geebrteste  Mann  Obecbon  er  dai  Spiel  nfcbi  lief«  so 
ist  i'uiei  Ihm  doch  die  Würfel  /.um  Gewinnen.  Der  Bischol 
gewann  Ihn  so  lieb,  data  er  ihn  reich  machte,  und  nach  einjährigem 
Dienst  ihn  mii  absei  freudigen  Botschaft  nach  Rom  sandle.  Dei 
Schreibet  richtete  dieselbe  10  lücblig  aus,  dafi  dei  Bischol  ihn  noch 
liebet  halte  vnd  lieh  aimmei  von  ihm  trennen  wollte.  Darnach  sandle 
dei  Bischol  ihn  ■r>«,rmalj  nach  Rom      u*-  dei   Schreibet  funfTagereiser 


weil  war,  kam  ein  Bole  und  meldete  den  Tod  des  Bischofs.  Da  er- 
nannte der  Papst  den  Schreiber,  der  ihm  auch  ein  lieber  Freund  ge- 
worden war,  auf  des  Teufels  Ralh,  selber  zum  Bischof,  und  verlieh 
ihm  sogleich  das  Bislhum.  Der  Schreiber,  nun  als  Bischof,  machte 
sich  durch  seine  Freigebigkeit  bei  Allen  beliebt,  und  war  frohgemuth. 
So  lebte  er  drei  Jahre:  da  starb  der  Papst,  und  der  junge  Bischof 
wurde  durch  Eingebung  des  Teufels,  einstimmig  von  den  Patriarchen, 
Kardinälen  und  Fürsten  zum  Papste  gewählt:  so  safs  er  nunmehr  herr- 
lich auf  dem  päpstlichen  Stuhle,  wie  der  Teufel  ihm  verheifsen  hatte. 
Da  traten  eines  Tages  die  Kapläne  vor  den  Papst  und  forderten 
ihn  auf,  am  nächsten  Morgen,  wie  es  ihm  gebühre,  in  Jerusalem 
das  Hochamt  zu  verrichten.  Der  Papst  verwunderte  sich,  weil  er  un- 
möglich binnen  Tag  und  Nacht  jenseit  Aleeres  nach  Jerusalem  gelangen 
könne.  Die  Kapläne  aber  erklärten  ihm,  dafs  nur  ein  nach  Jerusalem 
benanntes  Kirchlein  zu  Rom  gemeint  sei  ,  welches  der  Papst  jährlich 
einmal  besingen  müfse.  Da  erschrak  der  Papst,  und  wehklagte,  dafs 
seine  Seele  verloren  sei.  Am  Morgen  muste  er  mit  den  Kardinälen 
nach  dieser  Kirche  reiten.  Dort  legte  er  den  päpstlichen  Staat  zum 
Hochamt  an,  bestieg  so  den  Letner  (das  Lectorium) .  und  rief  vier 
seiner  Knappen  herbei.  Sie  musten  ihm  schwören,  vor  der  hier  ver- 
sammelten Christenheit  alles  zu  thun,  was  er  beföhle,  so  fern  es  ihnen 
nicht  ans  Leben  ginge.  Er  liefs  einen  Block,  ein  scharfes  Beil  und 
starkes  ÄSefser  bringen.  Hierauf  legte  er  eine  öffentliche  Beichte  ab: 
wie  er.  vom  Teufel  betrogen,  ihm  Leib  und  Seele  für  das  Papslthum 
verschrieben  habe,  und  heule  ihm  verfallen  sei:  jedennoch  hoffe  er  auf 
Gottes  Erbarmung.  Er  gebot  nun  den  Knappen,  ihm  die  Füfse  abzu- 
hauen, die  ihn  zum  Teufel  getragen,  und  die  Hände,  womit  er  sich 
ihm  verschrieben  habe;  dann  liefs  er  sich  die  Ohren  und  Nase  ab- 
schneiden und  die  Augen  ausstechen,  die  alle  so  gern  dem  Teufel 
gefröhnt  haben;  und  endlich  sollte  man  ihm  die  Zunge  ausschneiden, 
die  so  willig  mit  dem  Teufel  geredet,  und  lästerlich  Gotles  Ordnung 
gebrochen  habe:  alles  solle  man  den  Teufeln  hinwerfen  Also  geschah 
es.  Die  Teufel  ergriffen  alsbald  die  ihnen  verfallenen  Gliedmafsen, 
spielten  Ball  damit,  und  führten  sie  hinweg,  angesichts  alter  in  der 
Kirche  Gegenwärtigen.  Wie  es  aber  Gott  mit  ihm  jenseits  geschaffen 
habe,  darüber  hat  noch  niemand  dorther  Kunde  gebracht. 


4. 
Des  teuvels  habest. 


Ze  Rom'  wart  bäb(e,st  auch  ain  man, 

als  ich  von  im  vernomen  hän; 

Wie  e3  (aber)  darzuo  kam, 

da3  man  in  ze  bängst  nam , 
5  Da3  hat  man  mir  kund  getan. 

davon  wil  ich  euch'3  \vi33en  län. 

Er  was  des  ersten  ain  spilaer(e), 

aller  tugend'  was  er  laer(e), 

\V;in  er  wol  geler(e)t  was, 
10  da3  er  wol  schraib  und(e)  las. 

Swa3  ni,1n  vor  'm  zalt(e), 

«li«-  ricuw'  e  und  die  alt'ej 

Kund'  er  gar  an'  m^en  vil, 

<li\.»ii  ich  nicht  versweigen  wil. 
15  Ich  well'  den  hüten  tuon  bekam. 

wie  er  batosl  ward'  und  bdbst  genant. 

Kr   wai  ;iiu  arm   rltttig   man. 

sn an  der  würfe!  gewan  im  an. 
I)a_5  ei  was  gnot  t  i  alaä  bar, 
20  dij  ich  es  niclii  gesagen  tar. 
/.<■  >  inen  Eeitec  <•!  gedächt', 
dag  in  iuo  dei  blbsthail  bricht' 

I  1    dicht1  in   dem   sinne  sein: 
1  v,\r   i  <d    i<  h   arm   sein  ' 

_' »  Ich  nn  H  dem  Leuvel  geben 

e  .  I<  ib  ni. d  mein  leben.« 


554  i   JS\n  Teufels -fop|l. 

Damit  er  an  ain  gevvik(kej  gie, 

er  sprach:  »war um b  oder  wie 

Sol  ich  arm  hie  bestän  ? 
30  ich  wil  dem  teuvel  mein  sei'  län.o 

Vor  ang(e)st  was  im  hai3, 

er  umbrai3  sich  in  ainem  kraJ3, 

Und  ruoft(e)  den  teuvel  dar. 

dar  kam  er  offenbar 
35  Mit  ang(e)stleicher  vart, 

so  bitters  nie  gesehen  wart. 

Er  sprach:  »wa3  wilt  du  loter pfaff(e) ? 

du  bist  ain  rechter  aff(e), 

Da3  du  mich  muejest  so  ser.« 
40  der  nak[ken]t  man  sprach:  »ich  wil  dein[erj  ler' 

Gern(e)  haben  umb(e)  guot; 

mein  armuot  mir  unsamfte  tuot.u 

Der  teuvel  (sprach) :  »wilt  du  mir 

volgen,  so  ler'  ich  dich  schier, 
45  Dji3  du  wirst  ain  gewaltig  man, 

und  die  Kristen  dir  [alt]  undertan 

Weiden  (al)gemaine: 

gib  mir  dein  sei'  alaine, 

So  wil  ich  dich  mit  Sachen 
50  ze  Röm(e)  bäb(e)st  machen; 

Gib  mir  von  deiner  sei'  ain  len, 

wann'  ich  dich  still*  an  sen 

Ze  Jerusalem  in  bäb(e)stwät 

und  da3  dein  munt  ze  singen  gät 
55  Ze  Jerusalem  auf  dem  alter, 

da3  ich  dich  dan  mit  swaer' 

Vuere,  swar  ich  well(e) 

in  die  wei3'  oder  in  die  hell(e).« 

Do  gedacht  im  der  lotterpfaf: 
60  »taef  ich  des  nicht,  ich  waer  ain  ai. 

Wan  kaem'  ich  ze  Jerusalem? 

da3  mich  dan  der  teuvel  [hin]  naem'. 

Da3  geschieht  an  mir  nimmer; 

ich  bin  vrei  vor  dir  immer. 


i.    jPcr   üeuUU-'Payfi.  555 

65  Wer  sieht  mich  enhalb  mer(e)s  gän?« 

also  dächt'  im  der  tumbe  man: 

Da  west(e)  er  nicht  die  geschieht , 

da3  er  ze  Jerusalem  nicht 

Maint',  da3  enhalb  meres  lak . 
70  da3  was  dem  tumben  man  ain  slak: 

Er  maint'  ain  klain(e)3  kirchelein. 

das  muo3  stäl  ze  Röm(e)  sein, 

Und  muost'  ain  iegleich  bäb(e)st  z'wär 

ainest  besingen  in  dem  jär. 
75  Des  enwest(e)  nicht  der  man ; 

er  spracht  »mag  ich  die  er(e)  hän, 

Da3  ich  werd'  bäbst  und  mug(e)  sein, 

so  hab'  dir  leib  und  sel(e)  mein.« 

Der  teuvel  sprach:  »des  (soltu)  mir 
80  (geben)   deinen  brief  vil  schier. 

Also  da3  ich  mit  deinem  bluot 

schreib'  an  ainen  brief  guot, 

Da3  der  mein  wortzaichen  sei, 

da3  du  seist  mein,  und  nicht  vrei.a 
85      Zehand  dem  schuolier(e) 

was  den  red'  nicht  swaer(e), 

Er  stach  in  den  vinger  guot 

also  da3  im  da3  röl(e)  bluot 

Da  zuo  dem  vinger  herau3  ran. 
(H)  da  ichraib  der  valandes  man 

Aloen  briei  mit  dem  bluot; 

tbjs   WM  dem  .sclmol.ei'  nicht  guot. 

Er  sprach;   »ich   WÜ  dich  In  ■<  •  n  . 

du  soll  ze  dem  bischof  ker(e)n, 
95  I),i  wil  ich  dich  bereiten  uro!  - 
dag  <lü  w j i  < i  ganier  vröuden  voLa 

Zehand   <:r  zun   dein   bischol  gie; 

nie  man  in  da  schön  enpfie , 
DI  ituond  er  RU3en  an  der  tüi  • 
MX)  nie  man  ließ  in  bin  rür. 

D< !i  bist  hol  i    schreibet  von  im  schiel 
■k  im  der  teuvel  riel 


556  4.   2>er  Teufels  -fapj't. 

Da3  er  gie  zuo  ainem  wein, 
[unt  trank,]  da3  er  nicht  trunkner  möcht'  gesein 
105  Do  wolt'  der  bischof  an  der  stat 
seinen  brief  senden  drät; 
Er  sprach:  »ir  sült  mir  senden  drät 
mein[en]  Schreiber  in  ain  kem(e)nät, 
Und  eil(e;t  des  baldikleich, 
10  ich  muo3  in  haben  wgerleich.« 
Da  west'  der  teuvel  an  der  stat, 
der  in  ze  dem  wein  geschikk(e)t  hat'. 
Der  lie3  nicht  vinden  den  schreibser', 
dem  herren  macht'  er  in  unmaer'. 
15  Wie  vast  er  au3  der  kamer  rief: 
»waer'  ieman,  der  mir  ainen  briet 
Künd'  schreiben  ze  ainer  stund(e), 
sein  armuot  im  verswund  e).« 
Da3  hört'  der  arm(e)  nakkent  man: 
20  »törst(el)  ir  euch  an  mich  län ,« 

Sprach  er  »ich  schrib'  euch  sicherleich; 
ich  bin  gar  künst(e)  reich, 
Da3  secht  ir  wol  an  meiner  hant, 
und  solt'  e3  sein  umb  ain  lant, 
25  Ir  waert  mit  mir  versäumet  nicht, 

an  meiner  geschrift  man  da3  (wol)  sieht.« 
Der  bischof  glaubt(e)  im  vil  gar; 
die  matery  gab  er  im  gar; 
Damit  schraib  der  nakkent  man 
30  ainen  brief,  da3  nie  man 
So  guoten  brief  het  gesehen ; 
des  muost'  im  der  bischof  jehen, 
Do  er  den  brief  da  gelas, 
des  ticht(e)s  er  vil  vrö  was, 
35  Da3  er  was  so  künst(e) reich; 
er  sprach:  »ich  sag'  dir  waerlcich, 
Woltest  du  da3  würfelspil  län, 
ich  wölt'  mich  umb  dich  nemen  an.« 
Des  swuor  er  im  manigen  ait, 
40  er  sprach:  »ich  wil  mein  staetikait 


4.    IDer   £eufcU-pup|V  557 

Herre,  nicht  zerbrechen.« 

do  begund'  der  bischof  sprechen 

Zuo  seinem  kam'ejraer  e  : 

»ring'  im  seinfej  swser  e^ 
115  Und  gib  im  an  sein  neuweu  klait, 

ob  er  mir  biet'  seinen  ait^ 

Das  er  well'  da3  Würfel  spil 

län,  wan  er  kan  sein  vil.« 

Däviir  bot  er  manigen  ait. 
50  da3  er  wölt'  sein  staetikait 

Dar  an  läsen  vür  gän.« 

dö  gab  man  im  klaider  an 

Von  Iper  da3  beste, , 

da3  ie  man  da  west(e). 
55  Er  ward  der  ba3  gerietuest  (?)  man, 

im  ward  berait  der  eren  van. 

Damit  er  dient(e)  z'wär 

dem  bischove  wol  ain  jär. 

(S)wann'  er  begraif  da3  spil , 
tiO  der  teuvel  in  nicht  lieg  vil 

Verliesen,  wan  er  in  lert(e), 

den  würfel  er  im  kert(e) 

Ze  dem  besten  nach  gewinn(e), 

da3  des  nie  man  ward  inn [e  \ 
65  Davon  der  schuolaer(c) 

gewan  an(e)  swcer(e) 

AIIe.3  das  er  woltfc), 

wan  der  teuvel  im  helfen  wolle. 
Daj  traib  er  wol  aiD  jar. 
70  dei  ichreiber  ward  den  bischof  gai 

Lieb  sicherleicfa  e  ■ 

er  macht(e)  in  reich  e 

Do  er  leinen  muoi  erkant  t 

/<•  Rom*  er  in  [in  den  palaal  I  s;i"i  e 
78  Mi f  liner  rröudenbotschaft, 

er   gab   im    /finii-'   die   krall  ; 

Des  w;i>  <icr  ichreiber  gemait, 
auo    hin  palaal  er  d<">  rait, 


558  4.    Hier  Teufels  -|)ttp|l 

Und  warb  sein  botschaft,  als  ain  man 
180  der  kranken  muot  nie  gewan. 

Davon  wart  er  dem  bischof  liep: 

»er  mu(e)st(e)  sein  ain  übel  diep, 

Der  mich  von  dir  wolt'  schaiden: 

Juden.  Kristen,  haiden 
85  Mag  mich  von  dir  geschaiden  nicht; 

deu  saeld'  muo3  mit  dir  haben  pflicht.« 

Also  sprach  der  bischof  guot 

»ich  trage  dir  (vil)  holden  muot.« 
Ze  ainen  Zeiten  da3  geschach, 
90  da,3  der  bischof  zuo  dem  Schreiber  sprach, 

Er  solt(e)  balt  ze  Röm(e)  varn, 

und  solt(e)  sich  darzuo  bewarn. 

Damit  der  Schreiber  nicht  enlie.3. 

wa3  in  der  bischof  tuon  hie3, 
95  Er  was  im  (vil)  gar  berait; 

er  vuor  ze  Rom'  mit  staetikait. 

Als  er  auf  dem  wegfe)  rait, 

wol  vünf  tagwaid'.  als  man  sait, 

Do  kam  ain  bot'  und  sait(e)  maer(e), 
200  da3  der  bischof  tot  wser(e), 

Da3  sait(e)  man  im  sicherleich. 

dö  sprach  der  bäb(e)st  reich  : 

»Schreiber,  lieber  vreunt  mein, 

du  solt  selber  bischof  sein.« 
5  Ze  hand  er  im  da3  bistuom  lie3, 

vil  wol  er  im  darzuo  gehie3- 

Als  dem  babst  der  teuvel  riet, 

wan  er  in  vil  gern(e)  hiet. 

Da  der  Schreiber  bischof  wart . 
10  dö  wart  nicht  lenger  gespart. 

Er  liebt(e)  sich  den  besten. 

künden  und{e)  gesten 

Gab  er  sein  bröt  willekleich; 

sein  muot  der  was  vroudcn  reich. 
15  Dö  er  da3  traib  dreu  jär, 

dö  starb  der  bäb'ejst,  da3  ist  war, 


4.    2>er  Teufels -yapji  559 

Do  viel  deu  wal  gar  an  in. 

da3  daucht'  den  tenvel  ain  gewin. 

Wan  er  ze  allen  Zeiten  riet. 
*220  wan  er  den  Schreiber  gernfe    hiet. 

lJatriarken  unt  Kardinal 

und  die  vürsten,  die  die  wal 

Helen  'aljgemain  e  . 

die  lobten  in  gemainfe  . 
2a  Da3  er  bAb'ejst  würde: 

da3  ward  im  ain  bürde. 

1)6  wart  nicht  lenger  gespart. 

der  bischof  ze  bäbst'e}  wart. 

Da  besa3  er  den  stuol  schon , 
30  da3  was  des  teuvels  Ion. 

Darnach  giengen  aines  tages  vür  in 

und  sprachen  mit  guotem  sin. 

Sein  kappelan  gemainre;: 

^herre  guot  und  rain(e), 
35  E3  ist  morgen  da3  recht  dein. 

da3  du  ze  Jerusalem  solt  sein 

Und  solt  da3  ampt  da  begen, 

vil  schön(e;  ob  dem  alter  sten.« 

I><>  'da.-,    der  bäbst  erhört'  und  sach. 
10  wider  die  kappd  Inj  er  [do]  sprach  : 
Wie  sol  da3  immer  an  mir  ergen? 

um  muo3  Jerusalem  slen 

Knhalb  rners;  ich  muo3  verzagen. 

wie   sol    ich   in   so   kurzen    tagen 

Die  Irirchen  Ai  beringen? 

irie  m&eht'  wir  16  wol  geringen . 

Daj  ich   morhr  in   lag  und  in   naehl 
über   rnei  .    ;i|s   n    h;il)t    gedieht?« 

l)<»  sprächen  die  kappelAn 

>  I      bei  .    <  ;,    M  fl   nicht   ergän: 

1  3  ist  ain  1  ueir  hie  nähen  bei . 
di  ^<>li   <iu  morgen  sorgen  frei 
In  singen .  daj  01003  ergftn , 

<lis  mal    I  .hu  bab  e  sl  ab  gestan 


560  4.   Wn  ©eufeU-popft. 

255  Deu  kirch'  ze  Jerusalem  isl  gennnt  . 
und  ist  vil  weiten  (wol)  erkant.« 
Der  bäbst  dächte  :  »hoch  geborn  ! 
so  isl  mein  sel'e)  verlorn.« 
Also  [da3l  deu  sorge  mit  im  tank 

GO  unz  da3  der  morgen  auf  drank. 
Doch  muost'  er  mit  den  kardinal 
varn,  da3  im  da3  herz'  erhal. 
Er  gedächt(e):  »ich  muo3  varn  dar!« 
gegen  berg  so  gie  im  da3  har, 

65  Unz  er  kam  ze  Jerusalem  geriten. 
zehand  dö  ward  (da)  nicht  vermiten, 
Er  garwte  sich  an,  sicherlich, 
alsam  ain  habest  reich, 
Sam  er  da3  ampt  so;l)  singen; 

70  da  gie  er  auf  den  letter  steigen. 
Er  sprach  zuo  vier  knappen  sein : 
»euwer  treuw(e)  sol  mir  werden  schein, 
Jen  hän  eu  hie  getrauwet  wol , 
ir  habt  mein  red(e)  hie  vür  vol, 

75  Swer(l)  mir  hie  ainen  ait 
hie  vor  diser  Kristenhait. 
Da3  ich  euch  hai3e  schatten 
mit  laigen  und  mit  pfaffen , 
Da3  ir  da3  tuot  an'  widerstreit 

80  hie  bei  mir  an  diser  zeit.« 

Die  knappen  spräch(en)  allfe)  vier: 
»herre,  ir  sult  g'e.lauben  mir, 
Wir  schaffen  hie  euwer  dink.« 
dö  sprach  under  in  ain  jung(e)link: 

85  »Da3  uns  nicht  fge)  an  da3  leben, 
da3  sül[le]n  wir  nimmer  widerstreben.« 
Da  swuoren  sie  vil  schier(e) 
starker  aid(e)  vier(e). 
Dö  der  bäbst  vernam  ir  ait, 

90  dem  swuoren  sie  [beid]  ir  wärhait, 
Er  sprach:  »nü  bringt  ain  stok  her, 
das  ist  meines  herzen  ger, 


4.   Per  äkufcU-|Jap|i.  561 

Dabei  so  sol  ain  beihel  sein. 

da3  nicht  scharfer  mag  gesein, 
295  Und  ain  vil  starkes  rae55er. 

da3  nimmer  möcht'  sein  be33er.« 

Do  man  da3  alles  dar  brächt', 

»ich  sag'  eu.  wes  ich  han  gedacht." 

Sprach  der  bäb'e.st  ze  hant 
300  »lieben  leut',  seit  au  mich  gemant . 

Ich  wil  mich  beichten  offenbar 

vor  diser  Kristenhait  vürwär, 

Und'e,  da3  ir  wi33(e)t  drät. 

wie  (so;  mich  der  teuvel  hat 
5  Getwungen,  als  ain  krankes  weip: 

ich  lobt'  im  sei'  und  e,  leip, 

Das  er  mich  bäb(ejst  macht(e)  hie; 

also  er  mit  mir  umb;ej  gie, 

Da3  es  ist  hie  von  im  geschehen, 
10  des  wil  ich  vor  eu  allen  jenen, 

Heut'  sol  er  mich  vueren  hin. 

nü  hän  ich  ze  Got  doch  ainen  sin, 

Da3  er  sich  barm'  über  die  getat, 

die  mein  leib  hie  begangen  hat.« 
15  Er  sagt'  in  recht,  als  im  geschach 

und  als  der  teuvel  gegen  im  jach. 

I);irnäch  hies  er  dar  gän 

die  vier  knappen  wol  getan. 

Li  sprach:  »stacht  mir  [ab]  die  vue3(e]  hin, 
20  die  troogen  mich  ze  dem  teuvel  hin.« 

D.13  wart  vil  schier  [e]  da  getan. 

er  sprach :  »ich  wil  die  hend  <■    läo . 

D.irnit    ich  im   geschriben   h;m 
dem  selben   tcn\clleichen   man.« 
2)   D.ifmitj   saif  er  in   mit  guotem  sin: 
»sneidet  mir  den   oren   hin. 
Di  mit   li;m   ich   gelner  <•  I   in  . 

lies  miios  sergin  mein  leib    mein  sin, 
Mein  ii. is  e    1111103  di  leiden  i 
90  sie  woii'  d.is  im-  vermeiden ■ 

11  •«> 


Sie  wolt'  den  teuvel  smekkend'  sein. 

so  stich  mir  au3  de»  äugen  mein, 

Deu  künden  in  vil  recht(e)  spchen. 

wan  sie  wolten  in  (an)  sehen. 
335  So  ist  da3  meins  herzen  gir, 

da3  man  mir  au3  dem  rächen  hie(r) 

Sneid'  au3  mein  vlaischleich[e]  zung  e  . 

deu  hat  ir  ord(e)nung(e) 

Zerbrochen,  wan  sie  mit  im  ret , 
40  da  von  (da3)  sie  e3  gern(e)  tet.« 

Er  sprach  (me)  mit  guotem  sin: 

»werft  Lsie]  alle3  den  teuveln  hin, 

I)a3  sie  e3  in  ir  reich(e) 

vuer(e)n  gewaltekleiche).« 
15      Dem  teuvel  e3  geworfen  warl : 

da  wart  lenger  nicht  gespart, 

Sie  sputen  damit  bal  schon, 

und  heten  in  deu  klainet  ze  Ion. 

Da3  sahen  alle  gemain 
50  in  der  kirchen,  gro3  unt  klain. 

Die  dar  komen  wären 

bei  den  selben  jar(e)n. 
Wie  e3  Got  mit  im  schuol"  dort> 

des  ist  noch  nie  man  an  ain  ort 
55  Komen,  an  ain  wärhait; 

wan  C3  nie  man  her  wider  sait. 


o. 


&  n  t  f  t  v     pagober  t. 


W  ir  lesen  .  dafs  Kom  ohne  Kaiser  war,  und  die  Kardinäle  und 
Furslen  alle  zusammen  im  Palaste  safsen  und  gelobten,  wer  zum  Kfsen 
oder  Schlafe  weggienge,  der  sollte  die  Wahl  verloren  haben.  Da  ge- 
schah es,  dafs  Alle  dafselbe  Gesicht  hatten:  sie  sollten  einen  Wann 
wählen,  Namens  Da  gb  recht,  der  arm,  aber  gerecht  war,  und  auf 
dem  Kaisersluhl  alles  Krumme  schlicht  machen  werde.  Als  sie  hierauf 
zusammen  kamen  und  sich  besprachen,  da  erkannten  sie  Gottes  Weisung 
in  dem  wunderbarem  Gesicht,  und  wollten  es  erfüllen. 

Während  die  Herren  sich  noch  darüber  beriethen  ,  ward  es  ihren 
Kindern,  die  davon  hörten,  zu  lang,  sie  rillen  hinaus,  schlugen  ihr 
Gesell  auf,  und  trafen  nach  einer  Weile  Weges,  einen  Eirer  (Eier- 
händler ,  mit  einem  Korb  auf  dem  Kücken,  worin  er  Käse  und  Eier 
trug,  weil  er  zu  arm  war,  ein  Ross  zu  kaufen.  Sie  grüfslen  ihn  und 
fragten  nach  seinem  Namen.  Der  Wann  wollte  ihn  nicht  sagen,  weil  er 
unschön  sei,  und  bedauerte,  dafs  man  ihm  keinen  der  manchen  guten 
.<bcn  ,  welche  im  Lande  gangbar  sind,  wie  Heinrich  und 
(Conrad.  Die  Juagberren  aber  hielten  ihn  fest,  bis  ersieh  nannte: 
recht  der  Eir«  ^^leich  riefen  sie  ihn  zum  Kaiser  aus.  Dag- 
brecbl  hielt  M  f u r  >|-oi t.  und  wollte  fürder  seinem  Gewerbe  nachgehen, 
nkinder  betheuerlen  jedoch  seine  Bestimmung,  wie  sie  ver- 
nommen, absehen  er  manchen  nachmalt  im  Leben  strafte.    Sic  nahmen 

einem    Piachef   mit  nebligen  lein  Nets,   1<l: t<-n  es  Dagbrechten  i nd 

führten  ihn  m  naefa  Rom 

Üi  :•  i  irsten  im  Halbe  die  ünbesonnenbeil  ihrer  Kinder  ver- 
nahmen,  hatten   lic   such   schon   im   Lande   umfragen  lafsen,   «>b  ein 

lur>l  Namens  Da^brecht    da     warrv      Man    (and     jedoch   keinen,    und    10 

mnslen  sieh  Alle  dahin  rereinen,  dafi  sie  den  Gefundenen  sls  ihren 
Herrn  »nahmen  Dsgbrecbt  bat,  ihn  nicht  en  rerbohnen,  und  ihm 
nur  tu  efsea  in  sehen  ,  weil  er  schon  den  driiien  Tag  nüchtern  sei 
Dil  Ben  i  ibei  logea  ihm  das  . Net/  sb,  legten  ibm  fürstliche  ileidei 
sa  un<!  erwiesen  ihm  hohe  Bhrc  Als  Dagbrccbl  ihren  Brnsl  und  sich 
sa  Ml  den  rbron  erhohen  sah.  heis  ei  sich  ron  Alien  Geboraam 
schworen,  beriel  sltbald  einen  n.,i   und  rerbol  bei   Lebensstrafe  Alien 

lt. ml)   un  1    Itraml 


Da  verdrofs  es  manche  Fürsten  daheim,  dafs  dieser  Eirer  ihnen  so 
ans  Leben  dräute,  und  sie  hüben  um  so  stärker  wieder  an  zu  rauben 
und  zu  brennen.  Als  Dagbrecht  dieses  vernahm  ,  entbot  er  alsbald 
alle  Fürsten  des  Reichs  zu  Hofe.  Derselben  kamen  auch  zweiundvierzig 
mit  grofsem  Rittergefolge.  Der  Kaiser,  der  sich  dazu  vorbereitet  und 
gerüstet  hatte,  rügte  hierauf  mit  Zorn  den  Frevel  der  Versammelteu, 
und  kündigle  ihnen  allen  an,  dafs  sie  Freiheit  und  Leben  verwirkt 
haben.  Alsbald  liefs  er  die  Fürsten  ergreifen  ,  und  ohne  Gnade  allen 
die  Häupter  abschlagen. 

Seitdem  fürchtete  man  den  gerechten  Kaiser  Dagbrecht  so  sehr, 
dafs  niemand  sein  Gebot  zu  übertreten  wagte.  Er  machte  alles  Krumme 
«blicht,  und  Friede  herrschte  unter  ihm  im  ganzen  Reiche. 


o. 


Kaiser   Dagbreht. 


Nu  merkt  da3  ich  an  dem  buoch(e;  las. 

da.5  nicht  kaisers  ze  Röme  was , 

Da  sä,5en  zesamen  die  kardinal 

und  die  vürsten,  an  den  die  wal 
5  Stuonden  ze  Rom  sicherleich, 

die  sä3eu  in  dem  palast  reich 

Und  gelobten  das  gemain, 

da.3  under  in  da[nj  dehain 

Wser\  der  dehein[ejs  e33ens  pflaeg(ej, 
10  der  dannen  gieng'  oder  laege. 

Kr  liiet'c)  seilte;  wal  verlorn; 

da3  lobten  die  hern  hoch  geborn. 

Da3  triben  sie  unz  an  den  tak, 

vür  war  ich  da3  gesprechen  mak. 
\ö  Den   icd'  ist  |nc  laugen. 

in  kom  iMen  iv  sogen, 
Sic  leiten  nemee  einen  man . 
den  ich  en  wo\  nennen  kau. 
Kr  was  geheimen  Dagbrechl 
90  und  wm  n  rechten  dingen  ilecbl 

Als  ich   eu    brsrhaiden   kau. 
er   was   /  wn    ;iiii   arm   man. 

i>«>  die  bern  den  mm 

||    vcrn.iriK-n    .,11'   s\N,ri'ej. 

35  legleicher  befunder,  — 

irai  lin  itai  l  t  3  wundei 


568  5.    4äat|Vr  JJagubert. 

Sie  giengen  zesamen,  als  in  zam, 

ir  iegleicher  sprach  äne  schäm. 

Da  sie  zesamen  kamen. 
30  und  ir  red'  vernämen , 

Da  leil'  ain  jegleicher  viir, 

von  dem  gesidel  unz  an  die  tür. 

Da3  in  da3  best(e)  daucht'  gelän. 

dö  sprach  under  in  ain  weiser  man : 
35  »Nu  hoert  ir  alle  besunder, 

ich  wil  eu  sagen  wunder. 

Eu  allen  gemain(ej. 

mir  ist  heut'  alain  e  . 

Ze  äugen  kernen  ain  man. 
40  den  ich  eu  wol  nennen  kan, 

Der  ist  genant  Dagbrecht 

und  ist  ze  rechten  dingen  siecht , 

Also  ist  er  mir  ze  äugen  komen. 

ain  rechtikait  hän  ich  vernomen.« 
45  Dö  ir  iegleicher  erhört' 

des  vrumen  herren  wort. 

Dö  sprächen  algeleich(e) 

die  herren  also  reich(e) 

E3  waer'  in  auch  ze  äugen  komen. 
50  sie  heten  gern(e)  da3  vernomen, 

Da3  Dagbrecht  der  selb(e)  man 

besage)  den  stuol  wol  getan. 

Da3  waer'  ir  will'  und(e)  recht, 

er  möcht'  die  krumben  machen  siecht 
55  Got  het'  e3  nicht  an'  sache  getan, 

da3  er  so  manigen  vrumen  man 

Des  nachtes  wser(e)  ze  äugen  komen; 

sie  heten  gern  sein  kunft  vernomen. 

Dö  sprach  iegleicher  besunder: 
60  »diz  ist  ain  grÖ3  wunder, 

Da3  uns  allen  samt  geleich 

ist  da3  maer(e)  sicherleich 

Komen  gar  ze  äugen. 

da3  ist  Gotes  taugen. 


5.    datier  ^Dagobert.  569 

65  Wir  sül[le]n  nü  nicht  erwinden , 

man  muos  den  man  vinden. 

Der  unser  herr(e)  hie  sol  wesen, 

an'  herren  miigen  wir  nicht  genesen.« 
Die  weil'  sie  des  rätes  pflägen. 
70  do  begund'  ir  kind  betragen, 

Des  riten  sie  au3  an  da3  velt 

und  sluogen  auf  ir  gezelt, 

Sam  noch  tuont  der  vürsten  kint. 

die  darzuo  geborn  sint, 
75  Dö  sie  da  riten  in  kurzer  weil' 

vollikleichen  ain(e)  meil\ 

Da  wider  vuor  in  än>  swaer(e) 

ain  armer  airser(e), 

Er  truog  ain  krezzen  auf  dem  ruk, 
80  die  er  het(e)  manik  bruk 

Getragen  und(e)  manige3  mos; 

er  het  ze  vergelten  nicht  ain  ros; 

Er  truok  kaes;  und  ay(e)r  vil, 

sein[en]  kaufschaz  ich  nicht  nennen  wil. 
85  Do  sie  den  airser'  sähen, 

do  beguoden  sie  zuo  im  gähen, 

Sie  sprächen:  »Got  grue3'  dich,  vrum  man; 

euwern  namen  nie  man  nennen  kan, 

Wie  ir  seit  hie  genant, 
90  da3  ist  uns  laider  unbekant; 

h  sult  euch  hie  nennen. 

da£  wir  euch  miigen  erkennen.« 

DA  ipracfa   der  vil  arm(e,   man: 
mein   Damen   ich   nicht   nennen  kan. 

95  W-iii  er  1^1  unschöne; 

er  mag  WOl   h.ii^en   Inen  e 
Der  mich   .iIm)   nennen   hie.5 . 
und  manigen  guoten  namen  lit'3  . 
Haineicfa  uii<i  ej  Knonral 

(M)  ;illes   in   dem   l.ind   uinb  gät.« 

Die  junl  herren  jähen  te  hanl : 
•  im  nam  e   muog  um  irerden  bekanl . 


570  5.    iüaifer  Dagobert. 

Ir  entrin[ne]t  uns  dan  von  dirr(e)  stat. 
den  namen  wel[le]n  wir  \vi33en  drät.« 

105  Do  sprach  der  vil  arm(e)  man  : 
«seit  ich  eu  nicht  entrinnen  kan, 
So  wil  ich  in  eu  hie  nennen, 
da3  ir  in  müget  erkennen, 
Er  ist  mir  doch  vil  swaer(ej ; 

10  Dagbrecht  der  eiraer(e) 
Also  bin  ich  genant.« 
sie  saiten:  »so  sint  eu  den  laut 
Wserleieh  alliu  undertän, 
die  vürsten  all'  euch  erweit  hau: 

15  In  dem  kaisertuom  habt  ir  gelimpf. « 
Dagbrecht  sprach  :  »lät  euwern  schimpf 
Lät  mich  gen,  das  st^t  eu  wol , 
meines  kaufes  ich  pflegen  sol.« 
Do  jähen  der  vürsten  kint  geleich: 

20  »ir  werdet  kaiser  sicherleich, 
Als  wir  vor  haben  gehört.« 
vil  manigen  er  von  dem  leben  stört'. 
Sie  gaben  im  an  vremdeu  klait, 
darzuo  waren  sie  berait: 

25  Sie  sähen  ainen  vischaer(e), 
dem  ward  da3  da  vil  swaer(e, , 
Sie  nämen  im  sein  nezz(e), 
und  gäben  im  [da]  die  lezz(e;. 
Da3  sie  in  zersluogen, 

30  sein  red'  sie  im  nicht  vertruogen . 
Dagbrechtefn]  laiten  sie  e3  an, 
unt  vuorten  in  in  die  stat  dan 
Vil  snellikleichen  und(e;  drät 
hin  ze  Röm(e)  zuo  dem  rät. 

35       Do  den  vürsten  ward  gesalt 
der  edeln  kinde[n]  tobhait, 
Do  heten  sie  auch  e  gesant 
zuo  den  vürsten  in  deu  lant. 
Ob  ieman  west'  deu  maer(e), 

40  da3  under  in  ain  vürst'  waerc, 


Matfer  jPttgobert.  ">71 


Der  Dagbrecht  waer(e)  genant. 

da5  man  in  da3  tset'  bekant. 

Der  vand  man  nindert  kainen. 

davon  rauosten  sie  sich  ainen. 
145  Da3  sie  disem  guoten  man 

waeren  alle  undertan. 

Sie  sprächen  alle  gemain'e) 

au3  ainem  mund  alain(e): 

»Seit  euch  Got  hat  her  gesant. 
50  so  sült  ir  herr'e)  sein  bekant.» 

Dagbrecht  sprach:  »her,  disen  spo' 

den  mue3'  eu  vergeben  Got.« 

legleicher  zuo  im  sprach. 

wan  er  gen  im  verjach: 
öo  »Z'wär,  auf  die  treuwe,  mein. 

ich  wil  nicht  lenger  sust  sein; 

Ich  bin  heut'  den  dritten  tak 

z'wär  unge33en;  ich  enmak 

Nicht  lenger  e3  vertreiben . 
60  ich  enmag  nicht  sust  beleihen.«  - 

»Jr  mue3et  uns  der  bei'  gewern, 

tuot  e3  schier  und  nicht  ungern. 

So  ziehet  diz  nezz(e)  ab, 

wan  da3  ist  ain  boeseu  hab'.« 
65  Ze  hant  mau  im  klaidcr  gewan. 

wan  man  im  der  eren  gan. 
hu  der  herrfcj  Dagbrecht 
n  in   hcnen  und  ej  knechl. 

Die  irn  dienstCI   träfen   underi;m 
Td  ei   sprach:  »weit  ir  nicht  rät  hän. 

Ich  mue^e  euwer  herr  t   sein, 

ri  iweret  ;illc  des  willen  mein 

Laiiten  /<•  eilen  zciien, 

nahen  und(ej  a  eiteo. 
78  l><^  iwuoren  m<:  in  alle 

mit  lineaa  großen  icfcaftle. 
Aloen  ii«»i  -(hol  ei  /<■  ban( 

Den  vürsten  allen  in  den  lant. 


572  5.   iaaifer  ^Dagobert. 

Dar  kämen  ir  ain  michel  schar, 
180  da3  sagt  uns  da3  buoch  vürwär, 

Da3  gebot  er  in  geleichen, 

den  armen  und  den  reichen 

Da3  sie  (behielten)  alleu  lant 

[behielten]  än(e)  raub  und  än(e)  brant: 
85  Swer  des  nicht  entaet(e), 

er  solt'  da3  \vi33en  staet(e), 

Da3  er  in  erzürnet'  ser(e), 

und  benaem'  im  leib  und  ere. 
Do  in  deu  red(e)  ward  bekant, 
90  dö  vuor(e)n  sie  heim  in  ir  lant. 

Etleich[er]  sprach:  »e3  ist  mir  swaer(e), 

da3  mir  diser  airaer(e) 

Sol  dröuwen  an  da3  haub(e)t  mein, 

e3  muo3  wol  halbes  umb  in  sein, 
95  Da3  er  nicht  gern  an  mir  sieht, 

durch  in  so  lä3(e)  ich  sein  nicht, 

Ich  well'  rauben  und  brennen, 

man  muo3  mich  herr(e)n  nennen. 

Mir  ist  sein  red(e)  swaer(e) , 
*200  des  selben  airaer(e).« 

Damit  huoben  aber  deu  lant 

starken  raub  und(e)  brant. 

Da3  ward  gesait  Dagbrecht(e); 

er  sprach:  »diz  ist  unrecht(e). 
5  Sül[le]n  deu  lant  nicht  mit  vrid(e)  wesen, 

so  lä3'  ich  z'wär  nie  man  genesen. « 

Damit  er  ainen  hof  zehant 

gebot  über  alleu  lant, 

Da3  sie  ze  hove  kaemen 
10  und  sein  red'  da  vernaemen, 

Alle  gemainleich(e), 

beideu,  arm'  und  reich(e), 

Die  dem  reich'  warn  undertän 

unt  vürsten  namen  solten  hän. 
15  Do  sie  sein(e)  bolschafi 

vernomen  heten  und  sein  kraft, 


5.   $aifrr  Dagobert.  573 

Do  kämen  ir  zwen  unt  vierzik  dar 

mil  rittern  und  mit  braiter  schar. 

Do  sie  alle  wären  komen 
•220  und  da3  der  kaiser  het  vernomen. 

Und  er  sie  erst(e)  an  sach. 

sein  wort  er  zornikleichen  sprach. 

Wan  er  sich  het  darzuo  berait 

mit  harnasch  und  mit  sicherhait. 
25  Er  sprach:  »ir  hern  gemain(e), 

da;5  deu  lant  nicht  alainfe) 

Sül[le]n  haben  von  eu  vrid'  und  suon'. 

davon  wil  ich  eu  kunt  tuon, 

Da3  ir  mue3et  gevangen  wesen : 
30  euwer  ainer  mag  nicht  genesen.« 
Zehant  hie3  er  gähen. 

die  vürslen  alle  vähen. 

Er  lie3  nicht  durch  vleh',  noch  bet, 

er  hie3  den  herren  da  ze  stet'. 
35  Deu  haubt  ab  slahen  gemain. 

e3  was  ir  nindert  dfehain. 

Er  muost'  sein  haub(e;t  vor  im  län. 

davon  ward  der  selbe,  man 

Gevorcht  also  sere. 
W>  d^3  ir  de  hainer  mere 

Getorst'  zerbrechen  sein  gebot; 

man  vorcht'  in  serer.  dann(e)  Got. 

E3  ward  auch  vrid'  über  alleu  lant. 

der  vrid  o    wart  von   im  bekant, 
15  Von  «Jrm  herren  Dagbrecht: 

ei  nacht'  alle  krümbe  tlecbt. 

in  <  itoonden  allen  reich  e 

bei  im  mit  rride  geleich  e 


6 


Conftatttttt. 


m 


Consta  ntin,  des  Römischen  Reichs  Herrscher,  war  der  un- 
ehliche Sohn  König  Constantins  und  der  Helena,  der  schönsten 
seiner  zwanzig  Frauen.  Sein  Vater  war  noch  ein  Heide ,  er  selber 
jedoch  nicht  mehr  gänzlich  ,  sondern  herrschte  löblich  und  gerecht  zu 
Rom.  Seine  Gemahlin  aber  war  den  jungen  Männern  hold,  und  lieft 
sich  minnen. 

Consiantin  beschlofs  mit  seinem  Schreiber  (Kanzler;,  eigene  Münze 
mit  seinem  Bilde,  zu  prägen,  wie  die  von  Kaiser  Augustus  geschlagenen 
Augustiner    dessen    Gedächtnis    bewahrten.      Der    Schreiber    besorgte 
gern,  dafs  die  Münzstempel  nach  seinem  Sinne  gegraben  wurden. 

Nun  hatte  der  Schreiber  einen  Bruder,  in  einem  Kämmerlein  unter 
der  Stiege  wohnend,  dessen  krumme  Füfse  über  einander  giengen,  wie 
eine  Wiege,  der  aber  dreister  war,  als  wenn  er  unverkrüppell  gewesen 
wäre ,  und  um  die  Königin  warb.  Eines  Tages  sah  ihm  die  Königin 
nach,  und  gewährte,  was  er  oft  verlangt  halte;  sie  wies  ihn  in  einen 
Keller,  wo  beide  des  Bettspiels  püagen.  Das  trieben  sie  so  lange,  bis 
es  ruchtbar  und  dem  Könige  kund  ward.  Dieser  stellte  es  so  an,  dafs 
er  beide  in  einer  Kammer  betraf;  er  schalt  die  Schamlose,  dafs  sie 
sich  einem  solchen  Wichte,  der  wie  eine  Kröte  schleiche,  hingegeben, 
und  durchstach  sie  mit  dem  Schwerte  ,  dafs  es  zum  Rücken  hinaus 
fuhr.  Zornig  spornte  er  dann  sein  Ross  auf  den  Frevler,  dafs  es  ihn 
zu  Tode  trat.  So  den  Krummfüfsigen  üherreitend  sieht  man  ihn  noch 
zu  Rom  auf  einem  Stein  ,  den  ein  Römer  aushauen  liefs:  wo  es  sehen 
kann,  »er  es  nicht  glaubt. 

Als  der  Schreiber  dieses  vernahm,  liefs  er  den  Stempelschneider 
ein  andres  Munzeisen  machen,  weil  da<*  erste  dem  Herrn  nicht  ge- 
falle, und  darauf  eingrabe*,  wie  ein  Mann  sein  Weib  durchsticht:  um 
dm  Koni/  und  seine  Kinder  dadurch  zu  beschimpfen.  Dann  rill  er 
aus  dem  LMM 

Wahrend  Censtaotia  se  noch  gewaltig  in  Rom  war.  Modle  Gottes 
Zorn  ihm  den  AoSOtttl      !)■  r   König   befiel  die  eftfeO  Muster  dcrAr/nei- 

kunde,   und  rerhiefs  ihnen  Ruciitlnirn  fm   Heilung.    Sie  giengen  10- 

glekfe   ESJ  Reibe,    und    einer    rofl    ihnen    n.inuie    ;i|s  eioiiges  .Mittel  das 

renoiteole  Mol  Hemer  Kinder,   womit  man  den  Siechen   bestreichen 

uiuKe       -  ri   es  dem   Koni-      und    als    dieser  sogleich   bereit  dazu 

war,   ineisen   sie  ihn  einen  tiefen  Marmorslein  beschaffen,    darin   du 

Mol  gOtnOMDCH   wurde.     Kr  liefs   nun  dimli   viele  Meiriniei/en   den  Mar- 
mor  aushöhlen,     und    gobol    die    /w.-ij.iln  i_.  u    Kinder    des    Landes    zu 

briogoo    Man   brachte  ihrer  so  >ieie.  dafs  drei/Mg    Wagen  sie  kaum 

.  •  ri.    Hioler  ihnen  bor  aber  erscholl  grofses  Geschrei     Da  fragte  Coo- 

*taritin .  r  reroahni    '      t\  das  Webgesehrel  dei 

I||HI»II1'II.M.|IU>I  II  ■>/ 


........ 


Müller  und  Väter  der  Kindlein,  gieng  der  Jammer  ihm  so  zu  Herzen,  dafs 
er  lieber  auf  seine  Genesung  verzichten  wollte  und  den  Altern  die 
Kinder  wiedergeben  liefs;  worauf  Alle  froh  heimkehrten. 

In  der  Nacht  erschien  St-  Peler  am  Bette  des  Königs,  den  der 
Schmerz  nicht  schlafen  liefs,  und  sagte.  Gott  habe  ihn  gesandt,  Con- 
stanlins  Erbarmung  an  den  Kindlein  angesehen,  und  wolle  ihm  die 
"Gesundheit  wiedergeben:  der  König  möge  sich  seine  (St.  Peters;  Er- 
scheinung wol  merken.  St.  Peter  trug  eine  Casel  ,  eine  Inful  auf 
dem  Haupte  und  einen  Krummslab  in  der  Hand,  alles  reich  und  herr- 
lich. Er  hiefs  den  König  am  Morgen  einen  Mann  aufsuchen,  der  eben 
solches  Gewand  trüge,  und  bei  Haut  und  Haar  fordern,  dafs  er  ihn 
gesund  mache. 

Sobald  es  tagte,  berief  der  König  seine  Käthe  und  verkündigte  ihnen 
die  Erscheinung.  Sie  erklärten  diese  für  eine  Täuschung  ;  der  König 
aber,  in  seinen  schlaflosen  Wehtagen  an  allen  Gliedern,  ritt  hinab  in 
die  Stadt,  und  hiefs  aus  jeglichem  Hause  die  Bewohner  hervortreten. 
So  kam  er  endlich  an  ein  Haus,  aus  welchem  zuletzt,  bei  Todesstrafe 
geboten.  St.  Sylvester  in  derselben  Tracht  hervorgieng,  worin  St.  Peter 
erschienen  war.  Da  freute  sich  Constantin  ,  er  bat  den  heiligen  Mann 
um  Gesundheit  und  verhiefs  ihm  reichen  Lohn.  Sylvester  fürchtete  Ge- 
fängnis und  Tod,  weil  er  den  Christen  heimlich  gesungen  hatte.  Man 
führte  ihn  aber  ins  Haus,  wo  Constantin  seine  Bitte  wiederholte.  Sylvester 
entschuldigle  sich,  weil  er  kein  Arzt  wäre.  Constantin  jedoch  drohte, 
und  offenbarte  ihm  die  Erscheinung  und  Verheifsung  St.  Peters.  Da 
war  Sylvester  bereit,  diese  zu  erfüllen,  wenn  Constantin  an  Jesum 
Christum  glaube.  Der  König  war  willig,  sobald  er  die  Wahrheit  ver- 
nähme. Nun  sprach  Sylvester  ihm  den  Glauben  vor,  und  Constantin 
ihm  nach.  Das  zum  Kinderblute  bestimmte  Marmorbecken  wurde  mit 
Tiberwafser  gefüllt,  und  nachdem  der  König  seine  Beichte  gethan,  laufte 
der  Bischof  ihn:  und  auf  der  Stelle  ward  Constantin  rein  von  dem 
Aussatze. 

Hierauf  liefs  der  König  alsbald  alle  Heiden  Iahen,  die  sich  nicht 
zum  Chrislenthumc  bekehren  wollten,  und  taufte  so  viele,  dafs  das 
Wafser  der  Tiber;  sie  kaum  fafsle.  Zugleich  begabte  er  die  Geist- 
lichkeil so  reich,  dafs  sie  die  Fülle  hat,  so  lange  die  Christenheit  lebt: 
jeder  Landbauer  muste  ihr  den  Zehnten,  und  jedermann  ihr  die  Ehre 
geben.  Endlich  liefs  er  einen  goldenen  Mantel  bereiten  und  St.  Peters 
Bild  in  Rom  damit  bekleiden. 


1 


6. 
Konstantein. 


Dannoch  muost/  vrid'  ze  R6m(e)  sein. 

ain  vrumer  künig  hie,5  Konstantein 

Darnach  reichsen  began , 

als  ich  von  im  gelesen  hau. 
5  Er  ward  nicht  geborn  von  rechter  e, 

darnach  geschach  im  vil  we, 

[Wan]  sein  vater  het  mit  sinne, 

wol  zwainzik  vreundinnc, 

L'nder  den  allen  was  ain  weip. 
10  deu  het  wolgestalten  leip. 

[Unt  truogj  bei  im  [undj  muosl'  gewinnen 

deu  selbe  vreundinne 

Konstantein  den  künig  reich, 

da3  sag'  ich  eu  sichcrleich. 
IS  F)eu  was  Helena  genant 

und  die  scliGBiiftfej  die  man  vani. 

Kr  hie3  selber  konstantinus, 

<l;i  von  schreibt  man   in  al  MS  , 

Des  gelanben  was  er  ain  haiden, 

20  dä|von|  muosl'  er  von  Got  schaiden. 

Von  Konstante  in  seinem  sun 

da  von   wil   ich  eu   kunt  tuou  . 
Wie   der   El   Korne    lebt'e 

und  n. oh  erco  streb!  e 
25  Er  w,-h    Dicht]  gar  ain  haiden, 
dl  ron  begund1  im  laiden 


580  G.  Conftantin. 

AUeu  ungerechtikait, 

wan  sie  was  im  lait. 

Er  het  ain  hausvrauwen  guot, 
30  deu  truog  den  jungen  holden  muot 

Und(e)  lie3  sich  minnen, 

deu  selbfe)  künäginne. 
Er  lie3  sich  nicht  betragen, 

er  begund'  sein[en]  Schreiber  vrägen  . 
35  Wan  der  was  gewser(e), 

er  sprach:   »die  Augustinaer(e), 

Die  (kaiser)  Augustus  sluok, 

der  hän  ich  gesehen  genuok, 

Da  bei  muo3  man  gedenken[t]  sein : 
10  ich  muo3  haben  pfennink,  die  sint  mein. 

Nu  rät,  lieber  schreibaer(e), 

wie  ich  pfenning*  swaer(e) 

Gewinne),  du  bist  also  kluok, 

nü  schaf,  da3  ich  ir  hab'  genuok,« 
45  Des  ward  der  schreibaer(e)  vrö , 

er  hie3  graben  münz  eisen  do, 

Wol  nach  seinen  sinnen 

muost'  man  sie  gewinnen. 
Nü  het  der  schreibaer(e) 
50  ainen  bruoder  mit  swaer(e), 

Der  was  an  baiden  vue3en  krump, 

und  was  auch  ain  man  vil  tump ; 

Er  het  ain  klaine3  kemerlein, 

da  er  muoste  inne  sein, 
55  Da3  stuond  under  ainer  stieg', 

sein  vue3e  giengen.  sam  ain  wieg' 

über  ain  ander  besunder: 

doch  was  der  krumbe  tumber, 

Dan  ob  er  hiet'  ganzen  leip; 
60  er  warb  umb  des  küniges  weip. 
Ze  ainen  Zeiten  da3  geschach, 

da3  im  deu  künigin  nach  sach, 

Sie  sprach:  »schemler,  nü  bis  gewert , 

des  du  dikk(e)  hast  begert.« 


6.  Cöiiftantiu.  ÖS1 

65  Sie  weist'  in  in  ain  keller  guot, 

des  was  der  scheraler  wolgemuot, 

Da  pflägen  sie  des  bettes  spil; 

nicht  vürba3  *cn  e5  sprechen  wil: 

Da3  triben  sie  bi3  auf  die  zeit, 
70  da3  e3  wart  erschellet  weit, 

Und  dem  künig  wart  kund  getan. 

da  begund'  er  mit  in  umb(e)  gän 

Vi]  recht  kündikleiche) 

unz  da3  er  sicherleich(e) 
75  Die  vrau[we]n  vand  und  den  krumben  man 

in  ainer  kamer  wol  getan. 
Do  sprach  er:  »unsaelig  weip , 

wie  habt  ir  euwern  verschämten  leip 

Getailt  mit  ainem  solhen  man. 
80  der  nicht  enget,  wan  äffen  kan, 

Recht  als  ain  bceseu  krot". 

ir  habt  zerbrochen  mein  gebot, 

Des  mue3t  ir  unsaelig  weip 

mir  hie  lä3en  euwern  leip.« 
85  Er  stach  da3  swert  durch  sie, 

da3  e3  da  z'  dem  riikk'  au3  gie . 

Also  wart  im  an'  mä3en  zorn, 

er  nam  dä3  ros  mit  den  sporn. 

l'ud  rant'  auf  den  vil  krumben  man, 
'J<>  da3  er  nie'mer,  kam  von  dan, 

Er  wart  zc  töd  ertreten  d.i. 

als  man  e3  noch  findet  sä 

Zc  liom  <■   strii  an  ainem  stain  • 

da3  er  im  sein  krumbeu  bain 

/'■rtrat  mit  dem   ro&fi  ej  gar: 

\wt  dei  nicht  glaub',  der  Dem   sein   w,n 

Ze  Köm'c,  6£  geworcht  släl. 

tk  f'3  ain  Kömaür'  würken  b 
1 1    d*5  erhört'  der  schreit 
100  er  ^:\t\V  hin  nach  dem  graber, 

Dei  den  eisen  bei  ergraben , 

er  ipracli       ich  10003  ain  indi  r&  haben 


582  G.   €ott|tanttn. 

Diz  eisen  gefeilet  mir  nicht  wol, 
mein  her  wil  e$  nicht  haben  vür  vol: 
105  Grabet  mir  ain  eisen.  da3  daran 
ste,  dn3  ain  gewaltig  man 
Ain  swert  durch  sein  weib  stach 
und  sich  mit  gro3em  zorne  räch.« 
Er  gedacht  in  seinem  muot(e): 

10  »wä  die  pfenning'  guot(e) 

Werdent  an  dem  praech  bekant, 

so  wirt  mein  herre  geschant 

Und  seineu  klaineu  kindelein, 

wan  nie  man  spricht,  da3  sie  sein  sein.« 

15      Zehant  dö  da3  wart  getan, 
und  da  man  da3  pra3ch  sach  an 
Auf  den  pfennig(en)  guot, 
do  rait  er  dan  mit  vreiem  muot; 
Umb  des  küniges  schände 

20  muost'  er  von  dem  lande. 

Dannoch  muost'  her  Konstantem 
z'wär  ze  Rom'  gewaltig  sein. 
Doch  Got  sant'  im  ainen  zorn, 
da3  er  lieber  wser?  verlorn  ; 

25  Wan  er  wart  z'wär 
au3sezzik  gar. 

Dö  er  des  an  im  innen  wart, 
dö  ward  nicht  langer  gespart, 
E3  ward  snellikleich  gesant 

30  nach  vürsten meistern  zehant. 
Dö  die  selben  arzät 
körnen  ze  Rom'  in  die  slat 
Vür  den  künik  Konstantein, 
er  sprach :  »lät  eu  geklag(e)t  sein 

35  Meinen  siechtuom  den  ich  hän, 
rnügt  ir  mir  den  understän, 
Z'wär  ich  mach1  euch  alle  reich, 
des  swer  ich  eu  sicherleich.« 
Den  maistern  den  ward  lait, 

40  da3  sie  die  au^sezzikait 


6.    Conftantin.  .583 

An  dem  künige  sähen. 

sie  jähen:  »wir  siillen  gähen 

Und  werden  hie  ze  rate, 

wie  wir  den  künig  dräte 
145  Bringen  von  seinem  siechtuom. 

des  mue3en  wir  haben  vrum.« 

Do  sprach  ain  maister  under  in: 

»ich  wil  eu  sagen  meinen  sin, 

Mir  ist  da3  vil  wol  kunt, 
50  da3  er  nimer  wirt  gesunt. 

Wan  von  klainen  kindelein, 

der  bluot  muo3  bei  ainander  sein, 

Damit  man  in  bestreich(e), 

so  wai3  ich  sicherleich(e), 
55  Da3  im  der  siechtuom  zergät 

und  in. an  der  stat  lät.« 

Da3  leiten  sie  dem  herren  vür. 

der  künig  sprach:  »ich  des  swuer'. 

Ich  hiet'  ze  Ilöm(e)  wol  da3  hail, 
60  da3  ich  gewunn'  ir  wol  ain  tail, 

Darzuo  waer'  ich  nicht  ze  sain.«  — 

»ir  sült  uns  ainen  marmel  stain 

Gewinnen.«    sprach  der  maister  do. 

des  was  der  künig  also  vrö, 
05  Er  sprach:  »da3  tuon  ich,  maister  mein; 

in  welcher  gewechst(e)  sol  er  sein?«  — 

»Ich  mno.5  haben  also  vil  bluot,« 

do  Sprach  der  maister  guot 

i  Ir  sült  glauben  [mir]  der  mter(e), 
70  da,5  man  guot'  maurac; 

M1105  wanrleicn  cj  halten  • 

die  den  marmel  au3  graben." 

/.(  band  der  künig  gande 
null  meistern  in  dem  lande. 

75  I)i<-    dl    maiinMi  kiinden; 
oder  Fi1.1111c.il  le  befinden  . 
Der  kam  dar/uo  ain   mirhH   tail. 

das  Ns;,s  ,l<v  ktlnigei  unbail 


584  6.  (fomßanttn. 

Den  marmel  (stain)  sie  im  z'wär 
180  worchten  nach  seinem  willen  gar. 
Zehand  der  künig  sand'e) 
au3  in  dem  Iand(e), 
Da3  man  im  braecht(e)  kindelein, 
deu  zweier  jär'  alt  solten  sein. 

85  Die  boten  wurden  (dö)  berait, 
als  man  in  vor  het  gesait. 
Kindel  brächt  man  im  genuok, 
drei3ig  wegen  sie  kaum  getruok. 
Da  wart  nach  ain  michel  schal , 

90  ain  grÖ3e3  geschrei  liberal. 

Dö  vrägt'  der  herre  Konstantein, 
wa3  diz  geschrai  möchl(e)  sein. 
Dö  sait*  man  im  ze  meeren, 
da3  e3  der  kind'  muoter  waeren, 

95  Und  iren  vetern  den  waer'  not 
alles  umb  der  kindel  tot. 
Dö  gie  der  herre  Konstanlein, 
do  der  jämer  nicht  grÖ3er  möcht'  gesein 
Von  vater  unt  von  muoter  klag(e), 
200  der  herr(e),  nach  des  buoches  sage, 
Und  sach  den  grÖ3en  jämer  an; 
davon  er  reuw(e)  gewan 
Und  jämer  von  der  barmikait, 
da3  der  kind(e)  vater(n)  was  so  lait. 
5  Er  sprach:  »ich  tuon  eu  allen  kunt, 
und  solt'  ich  nimmer  werden  gesunt 
Unz  an  meines  leibes  tot, 
ich  wil  die  angfc  stleichen  not 
Sehen  an  der  armen 

10  und  wil  mich  erbarmen, 

(Sjwie  mir  sweren  meineu  glider, 
gebt  iegleichem  sein  kind  wider.« 
Sprach  der  herre  Konstantem 
»ich  wil  e  mit  nocten  sein, 

15  E  ich  so  manige  not 
sech .  ich  wil  e  ligen  tot.« 


6.   Conftanttn.  585 

Damit  man  in  deu  kindel  dö 

gab,  des  wurden  sie  vil  vrö, 

Unt  vuor  iegleiche3  hin  wider. 
220    Des  nachtes  leit'  sich  der  künig  nider. 

Dö  kam  Sant  Peter  gegän, 

hin  vür  da3  bett(e)  stän, 

Er  sprach:  »släfest  du,  Konstantein?«  — 

»nain  ich  mag  nicht  släfend'  sein 
25  Vor  meinem  grÖ3en  smerzen, 

den  ich  hän  an  leib'  und  [an]  herzen 

L'nd^e)  trag(e)  ze  aller  zeit, 

ich  hän  bitterleichen  streit.« 

Dö  sprach  Sant  Peter  zehant: 
30  »mich  hat  Got  her  zuo  dir  gesant, 

Lnd  hat  (erkantj  die  barmung'  dein 

ferkant],  deu  nicht  grÖ3er  mocht'  gesein. 

Da3  du  dich  über  deu  kint, 

deu  vor  dir  genesen  sint, 
35  Hast  erbarmet  guetleich, 

da  wil  Got  von  himel  reich 

Dir  deinen  gesunt  wider  geben. 

an'  allerhandfe)  widerstreben. 

Nu  sich  mich  an,  wie  ich  stän, 
iO  und  wa3  ich  gewandes  an  mir  hän. 

Da3  merk'  in  deinem  muot'e).« 

sprach  Sant  Peter  der  guot  e). 

Ich  sag*  eu,  wa5  er  an  truok, 

sein  Uaider  war  e  n  vremd'  gcnuok. 
45  Ain  kasul  was  im  erkant, 

ub  knunbfUb  in  seiner  haut 

Hei  «  r  <i<  herleich 

er  vn.'is  In1  m;'i3rn  reich'«'  . 

Ain  infel  er  ob  den  haubl  truok. 
60  deu  was  reiche  genaok: 

Mm  ^.ich  er  in  vor  im  stän. 

win  gewanl  ich  aller,  nolit    enkait 

Gemerken .  wa&  <r  in  truok ; 

\n;iii  .    »■-    v,;\s   r«eh   I  <•  nii<>k. 


586  6.  Conflantin. 

255  Vür  war  ich  da3  gesprechen  mak. 

Sant  Peter  sprach:  »wann*  e3  werd*  tak. 
So  solt  du  suochen  ainen  man , 
der  da  sei  als  ich  getan 
Undfe)  sölich  klaider  trag(e) ; 

60  nü  merk'  recht,  wa3  ich  dir  sag(e) : 
So  dir  der  selbe  man  werd*  kunt, 
so  sprich,  da3  er  dich  gesunt 
Mach(e)  sicherleiche  z'wär, 
ob  du  wellest  hau[b]t  und  här 

65  Slahen  von  dem  leib(e)  sein, 
des  sol  er  gewis  sein, 
Betwing  in  darzuo  schön(e), 
so  geit  er  dir  ze  lön(e) 
Vil  sicherleich(en)  deinen  gesunt, 

70  da3  ist  mir  wserleich  von  im  kunt, 
Dein  gebrest  aller  von  dir  vert: 
da3  hat  dir  Got  darumb  beschert, 
Da3  du  dein  barmung(e) 
hetest  gen  den  kinden  jung(e).« 

75      Des  morgens  dö  e3  tag  wart, 
so  ward  nicht  lenger  gespart, 
Er  sant'  nach  seinem  rät(e), 
da3  geschach  vil  dräle. 
Zehand  dö  sein  rät  dar 

80  ze samen  kämen,  sunder  war, 
Dö  sait'  er  in  die  wärhait, 
als  im  Sant  Peter  het  gesait. 
Dö  der  rät  erhört' 
des  küniges  wort, 

85  Sie  jähen,  e3  wa3r'  ain  trugenhait, 
da3  im  des  nachtes  waer'  gesait. 
Dö  tet  der  künig,  als  ain  man, 
der  vor  we  tagen  nicht  enkan 
Entsläfen,  wan  er  was  siech 

90  an  leib,  an  henden  und  an  diech. 
Er  rait  zetal  in  die  stat, 
au3  iegleichem  haus  er  gen  bat 


6.   Conßantin.  587 

Alle3  sein  gesind'e); 

da3  was  etleichem  geswind(e). 
295  Ze jungst  er  an  ain  haus  gie, 

kainen  menschen  man  (da)  lie, 

E5  muost'  herau3,  da3  er  e3  sach, 

und'e)  da3  e3  im  verjach, 

Da3  nie  man  mer  waer'  darin, 
300  oder  e3  kaem'  ze  ungewin 

Den  selben,  wan  er  in  tset'  not, 

oder  sie  muesten  leiden  [den]  tot. 

Da  gie  herau3  mit  swaer' 

der  guot  her  Sant  Silvester, 
5  Unt  truog  recht  deu  klaider  an, 

als  er  Sant  Peter  sach  vor  im  stän. 

Do  er  ersach  den  man  vil  guot, 

dö  wart  gevröuwet  sein  muot, 

Er  sprach :  »lieber  Silvester, 
10  ringer  mir  mein  greife)  swaer' 

Und  schaf,  da3  ich  werd'  gesunt. 

darumb  gib'  ich  manik  pfunt.« 

Dö  wänt'  der  her  Silvester, 

er  wolf  in  toeten  mit  swaer', 
15  Wan  er  in  dem  gerwe  gie, 

dö  in  Konstantinus  vie, 

Und  het  den  Kristen  gesungen; 

in  daucht',  im  waer*  nicht  gelungen. 

Zem  hause  weistfej  man  in  dö: 
20  »mach1  mich  gesunt,  so  wird'  ich  vrö,« 

Sprach  der  herre  Konstantem. 

er  ipracb:  »ich  kau  Dicht  nrzät  sein.a 

Zehand  de?  kunlg  .'1113  zorn(e)  sprach: 

ng6  muosl  du  großen  ungemach 
_'  >  Leiden  hk  von  mir, 

und  machest  du   mich  nicht  schier 

An  meinem  leib  e)  abtönt. 

mir    ward   daj  heint'e     wol  gekaut, 

Dag  n  li  solt'  werden  licherleich 
{<•  geranU  16  ipracli  der  kunig  reich 


588  6.   <tfim|lttnttn. 

»Von  dir  an  dem  leibe  mein, 
des  wil  ich  gewis  sein: 
Nu  hilf  mir  hie  von  meiner  not, 
oder  ich  muo3  schiere  ligen  tot.« 
335  Do  sprach  Silvester  der  guot': 
»sag'  mir  hie  recht  deinen  muot, 
Wie  dir  hcint(e)  sei  geschehen, 
des  solt  du  vor  mir  verjehen.« 
Damit  der  künig  sait'  zehant, 
40  wie  im  Sant  Peter  tet  bekant, 
Da3  tet  er  im  schön(e)  kunt, 
er  solt(e)  von  im  werden  gesunt. 
Do  sprach  Sant  Silvester: 
»ich  wil  dir  ringen  deine  swaer', 
45  Wilt  du  gelauben  an  Jesum  Krist , 
der  himel  und  erd'  gewaltig  ist.« 
Do  sprach  der  künik  Konstantein: 
»des  wil  ich  gern(e)  vlei3ig  sein , 
Ich  wil  gern  der  wärhait 
50  gelauben,  wer  mir  die  sait.« 

Do  sprach  er  im  den  gelauben  vor; 
er  sprach  hin  nach,  nach  seinem  spor 
Do  hie3  der  künig  springen, 
der  Teifer  im  bringen, 
55  Unde  hie3  den  marmel  z'wär 
viillen  mit  dem  wa33er  gar. 
Do  hie3  Silvester  an  der  stat 
den  künig  sein  beicht  tuon  drat, 
Unt  tauft  in  sicherleich(e), 
60  den  werden  künig  reich(e): 
Do  ward  der  künig  an  der  stunt 
von  seinem  siech  tagen  gesunt. 

Darnach  hie3  er  gähen, 
alle  haiden  vähen, 
65  Die  sich  nicht  taufen  wolden 
und  beker(e)n,  als  sie  solden. 
Er  tauft(e)  ir  so  genuok, 
da3  sie  da3  wa33er  kaum  erlruok. 


6.  (Üonßantiiu  589 


Der  pfafhait  gab  er  die  er', 
370  da3  sie  heut'  und  immer  mer' 
Habent,  die  weil'  die  Kristenhait 
lebt,  in  grÖ3er  wirdikait. 
Er  schuof,  da3  ain  iegleich  man, 
der  bauwet  oder  gebauwen  kan. 

75  Geb'  der  werden  pfalhait 

und  in  mit  dienstfe)  werd'  berait 
Alles  bauwes  den  zehnden  tail. 
da3  was  in  ain  grÖ3'e3)  hail, 
Und  hie3  den  hailigen  leich[n]am 

80  bestäten  gar  an'  alle  schäm, 

Und  hie3  sie  eren,  da3  was  recht, 
herren,  ritter  und(e)  knecht. 
Er  hie3  beraiten  von  goldfe) 
ainen  manlel,  als  man  sold(e), 

85  Sant  Peter  ze  eren, 
sein  lob  damit  meren, 
Sant  Peters  bild'  mit  züchten  gar 
den  gab  er  ze  Köm(e)  z'war. 


7. 


Pes  fteußenkomj^  CndjUr. 


Im  Reufsenlande  herrschte  ein  mächtiger  König,  der  hatte 
ein  schönes  Weib  und  eine  noch  schönere  Tochter,  die  keinen  Mann 
nehmen  wollte,  welcher  ihr  nicht  zusagte.  Den  Vater  freute  ihr  An- 
blick über  alles,  und  als  ihre  Muller  starb,  und  die  Landesherren  ihn 
drängten,  sich  wieder  zu  vermählen,  um  einen  Erben  zu  gewinnen, 
wollte  er  nur  eine  so  schöne  wie  seine  Tochter  nehmen.  Da  wurden 
Boten  an  den  Rhein  gesandt  und  in  alle  Länder:  aber  nirgends  fand 
man  eine  eben  so  schöne  Jungfrau.  Nun  gelobte  der  König,  immer  ohne 
Weil»  zu  bleiben.  Die  Herren  jedoch  beriethen  sich,  und  erkauften  vom 
Papste  milGold  und  Silber  die  Erlaubnis,  dafs  der  König  seine  Tochler 
heiraten  könne.  Der  König,  hocherfreut  darüber,  berief  die  Fürsten 
und  seine  Magen  Blulsfreunde  .  und  verkündete  ihnen  die  Bewilligung 
des  Papstes,  und  dafs  es  seiner  Seele  nicht  schaden  solle;  worauf  es 
Alle  gut  hiefsen  Freudig  sandle  er  weit  umher  nach  den  kostbarsten 
Kleidern  von  Sammt  und  Seide.  Die  Tochter  empfieng  dieselben,  im 
Wahne,  dais  sie  einen  ihr  anständigen  Mann  erhalten  sollte:  als  sie 
aber  vernahm,  dafs  es  ihr  Vater  wäre,  gieng  sie  tiefbelrübt  in  ihre 
Kammer,  schnitt  mit  der  Scheere  ihr  schönes  Haar  vom  Haupte,  warf 
das  Brautkleid  ab,  zog  einen  grauen  Rock  an,  und  zerkratzte  ihr 
Antlitz  dergestalt,  dafs  das  Blut  herabrann.  So  trat  sie  wieder  heraus, 
und  Alle  entsetzten  sich,  wie  vor  einem  Teufelsbilde.  Ihr  Vater  sank 
*or  Leid  in  Ohnmacht,  und  als  er  wieder  zu  sich  kam,  enlliefs  er 
die  Geladenen,  und  nahm  Rache:  gegen  die  Nacht  liefs  er  ein  Fafs 
bringen,  und  befahl  dem  Marschall,  die  Tochter  mit  den  schönen 
Kleidern  darin  zu  \ erschlagen.  Sic  wollte  e.s  lieber  dulden,  als  in  eine 
bei  (.bristen  unerhörte  Ehe  willigen,  und  wurde  mit  dem  Fafse  in  die 
See  geworfen. 

Die  Hüten  trugen  sie  nach  Griechenland.  Da  stund  der  König 
am  L!«-r .  und  befahl  einem  Fifcber,  das  schwimmende  Fafs  ans  Land 
/u  holen,  und  «.einen  Knappen,  es  EU  öffnen.  Diese  zogen  die  Ver- 
sal den  ichonen  Kleidern  hervor,  und  brachten  sie  dem 
k'.ni_-       l.r    lt  wer   ihr  d.is   gelban    habe.     Sie  verschwieg  es, 

und     klagte    nur    ihr    l  aheil    an.     Aul    seine  Frage,    ob    sie   noch  Magd 

betheuerte  lic  es,  und  dafa  sie  ic  unglückselig,  auch 
nimmer  einen  .Manu  nehmen  wolle.  Der  König  beklagte  ihr  Leid,  und 
erkannte  auch  an  ihren  Kleidern  die  fürstliche  Herkunft.  Er  behielt 
lic  im  Hofe,  und  lic  erwiea  lico   so   lugendlich,   dafa  er  nach  einem 

Halbjahre   MC  EUI   Gemahlin   nahm      Bald  darauf    ward    sn-    schwanger. 

De-,  Königa  Muttei  aber  w.n  ein  bösei  Weib,  die,  samt  allen  bösen 
Weibern  In  den  Bin  in  ertrinkl  werden  lolilc;  lie  verwünschte  ihren 
Sohn  wegen  diesei  Missheiral  in  den  Rhein,  und  vermaafa  sieh,  bis 
tum  i  oiie.  iii  r  verbalsten  Scbwiegertochtei  allei  Leid  anzulhun.  Hier 
■ul  befahl  dei  König  dem  Marschall,  leine  Muttei  aul  eine  entfernte 
burt;  /n  fuhren    w§  lie  unschädlich  wäre.    Dal  geschah. 

Hawaii  Hiii  ein   itreitbarei    K<  n  Einfall   in  Griechenland 

verwül  I  Der  hen könig   beriel  alsbald 

•      d     Hm.  II  •»'' 


eine  Heerfahrt,  und  zog  dem  Feind  entgegen,  den  er  an  einem  breiten 
Wafser  traf,  und  sich  ihm  gegenüber  lagerte.  Unterdessen  gebar  die 
Königin  ein  schönes  Degenkind  (Sohn),  und  meldete,  nach  des  Mar- 
schalls Rathe,  solches  in  einem  Briefe  dem  Könige.  Der  Weg  führte 
den  Bolen  auf  die  Burg  der  alten  Königin,  bei  welcher  er  sich  für  die 
frohe  Botschaft  Lohn  verdienen  wollte.  Sie  verhiefs  ihm  Reichthum, 
machte  ihn  trunken,  und  während  er  fest  schlief,  stahl  sie  den  Briet 
ans  dem  BrielTafse  (Driefbüchse) .  und  schob  einen  andern  dafür  unter. 
Am  Morgpn  eilte  der  Bote  weiter  zu  seinem  Herrn,  und  übergab  den 
Brief.  Der  König  liefs  ihn  lesen  vor  dem  Zelte,  und  vernahm,  als 
Meldung  des  Marschalls:  die  ungeheure  Schande,  wie  seine  Gemahlin 
einen  Teufel  geboren  habe,  ein  Scheusal,  vor  dem  Alle  sich  entsetzen, 
so  dafs  der  König  es  nicht  dulden  könne,  sondern  die  Mutter  mit  ihm 
vertreiben  müfse.  Der  König  liefs  auf  der  Stelle  seinen  Schreiber 
dem  Marschall  antworten,  dafs  er  angesichts  des  Schreibens,  bei  Lebens- 
slrafe,  die  Königin  mit  ihrer  Missgeburt  wieder  in  ein  Fafs  verschlage 
und  den  Fluten  übergebe.  Weinend  vollzog  der  Marschall  den  Befehl; 
die  Königin  betheuerte  ihre  Unschuld  ,  und  Alle  beklagten  sie  und  ihr 
schönes  Kindlein. 

•  Die  Wogen  trieben  das  Fafs  in  die  Tiber  bis  nach  Rom.  Da 
stund  ein  edler  Römer,  der  am  Apulischen  Fieber  litt,  auf  der 
Tiberbrücke,  und  hiefs  einen  Fischer  das  Fafs  herausholen;  als  er  die 
schöne  Frau  mit  dem  Kinde  und  den  kostbaren  Kleidern  darin  fand, 
nahm  er  sie,  als  von  Gott  behütet,  freundlich  auf,  und  übergab  sie 
seiner  Hausfrau  ,  der  sie  ganz  zu  Willen  ieble. 

Der  Grrechenkönig  besiegte  unterdessen  die  Heiden,  und  führte  sie 
gefangen  heim.  Als  der  Marschall  ihm  wehklagend  entgegenkam,  und 
sich  die  Täuschung  entdeckte,  liel  der  König,  von  Jammer  übermannt, 
auf  die  Heide.  Der  Bote  wurde  alsbald  gerufen,  und  die  Verfälschung 
des  Briefes  befunden;  worauf  der  König  dem  Marschall  befahl,  die 
teuflische  Mutter  zum  ewigen  Gefängnisse  zu  vermauern.  Trauernd 
begab  sich  der  König  selber,  zur  ßufse,  auf  die  Fahrt  nach  Rom. 

Hier  hatte  unterdessen  der  Papst  vernommen,  wie  die  Frau  mit 
dem  Kinde  aus  dem  Wafser  in  das  Haus  des  Bürgers  gekommen,  und 
diesem  dafür  Erlafs  aller  Sünden  ertheilt,  dafs  er  die  Frau  bei  sifh 
behielte.  Da  geschah  es  im  fünften  Jahre,  dafs  der  Griechenkönig 
nach  Rom  kam.  Zu  derselben  Zeit  traf  auch  der  Reufsenkönig  dort 
ein  ,  um  ebenfalls  die  Versündigung  gegen  seine  Tochter  zu  büfsen. 
Als  nun  der  Papst  der  beiden  Könige  Beichte  vernahm  ,  erkannte  er 
in  der  zu  Rom  geborgenen  Frau  mit  dem  Kinde  die  von  ihnen  be- 
trauerte Gattin  und  Tochter.  Er  bat  beide  Könige  zu  Gaste,  und  beim 
Mahle  liefs  er  die  Frau  mit  dem  Kinde  in  ihren  kostbaren  Kleidern 
hereintreten  ,  und  gab  dem  Griechenkönige  die  Gattin  mit  dem  Sohn, 
und  dem  Reufsenkönige  die  Tochter  wieder.  Die  Freude  war  über- 
schwänglich. 

Hierauf  kehrten  alle  vergnügt  heim  ,  und  die  Königin  lebte  fortan 
mit  ihrem  Gemahl  in  hohen  Ehren  und  Gnaden  Gottes,  der  sie  so  wun- 
derbar erhallen  halte. 


7. 

Den  tochter   des  küniges   von  Reusen. 


Nu  süllen  wir  an'  schand(e) 

von  der  Reu,3en  land(e) 

Von  dem  künig  heben  an, 

wie  der  darnach  reichsen  began. 
5  Er  was  gewaltikleichen  stark, 

er  het  geldes  manig  mark. 

Er  het  fauch)  ain  schoen(e)  weip, 

deu  was  im  lieb  sam  der  Ieip. 

Dabei  het  er  ain  tochter  guot, 
10  der  was  er  vro  und  wolgemuot: 

Sie  was  so  schoen(e) ,  da3  ist  war, 

da.3  man  nindert  offenbar 

Vinden  mocht(e)  irn  geleich; 

des  mnotes  ward  sie  also  reich, 
15  Di";  sie  kainen  man  wolt'  nemen  , 

wan  ricr  ir  IC   mann  e)  möcht'  gezemen 

Den   tochter  dem  rater  lieb  ITIU, 

da3  er  vor  vröadefl  kaum  genas  . 

Vi   er  sie  <m<-   leben   soll', 
•m   herz  •),   sein   leib   w;is   ir  holt. 

Do   er  also   In  e     weih   was. 

■li  man  von  den  ltünig(e)  las, 
hö  giengen  ine  die  berren  sein. 
ipracben    »lieber  herre  mein. 


50G  7.  3Des  tWußcnhiintgs  %oA)ia. 


25  »Solf  diz  lant  verderben 
also  da3  ir  sült  sterben , 
Da3  wir  nicht  haben  von  eu  ain  kint, 
dem  lant  und  leut'  gemain(e)  sint 
Vil  genzleichen  undertän? 

30  süllen  wir  gebresten  hän, 

Da3  kumt  davon,  da3  euwer  leip 
nicht  wil  haben  ain  weip.« 
Des  antwurt'  der  künik  zehant: 
»e3  muo3  immer  da3  lant 

35  Von  meinen  schulden  an'  erben  sein, 
ich  mue3'  denn'  haben  ain  magedein , 
Deu  meiner  tochter  sei  geleich. « 
also  sprach  der  künig  reich. 
Die  herren  sprächen  (dö)  zehant: 

40  »so  süllen  wir  boten  in  da3  lant 
Senden  sicherleich(e) , 
ob  ieman[t]  ir  geleich(e) 
Müg'  vinden  ein(e)  schoene  magt, 
deu  meinem  herzen  wol  behagt, 

45  Seit  e3  mag  anders  nicht  gesein.« 
sie  santen  boten  an  den  Rein 
Und  in  deu  land  gemaine(e): 
da  vand  man  nindert  ain(e), 
Deu  irm  antliz  waer'  geleich. 

50  da3  sagte  man  dem  künig(e)  reich, 
Da3  man  geleich  nicht  vund'  irm  leip. 
»so  wil  ich  immer  äne  weip 
Sein,«  sprach  der  künig  guot 
»(s)wie  da3  lant  werd'  behuot.« 

55      Da  wurden  die  herren  ze  rate  dd, 
e  sie  beliben  an'  her[re]n  also, 
Sie  solten  e  zuo  dem  bäbste  kern 
und  in  mit  gold  und  silber  ern, 
Da3  er  dem  künig  erlaubt(e)  da3, 

60  da3  er  die  tochter,  äne  ha3, 
Naem(e)  ze  ainem  weib(e), 
da3  von  ir  baider  leib(e) 


7.  jDfs   Tkuftcnhimüjs   &oct)tcr.  597 

Got  sie  ains  kindes  beriet(e) , 

da3  da3  lant  nach  ihm  hiet(e). 
65  Des  volgt'  in  der  bähest  dö, 

wan  er  des  schazzes  was  vil  vrö, 

Da3  man  im  gab  silber  und  golt. 

davon  er  was  dem  künig(e)  holt 

Und  erlaubt'  im  sicherleich 
70  ze  nemen  sein  tochter  wunnekleich. 

Dö  die  boten  kämen, 

und  [der  künig]  die  Reu3en  vernämen, 

Da3  er  die  tochter  solt'  nemen  mit  recht 

des  vröuten  sich  ritter  unt  knecht, 
75  Der  künig  was  herzenleichen  vrö, 

wan  er  sant'  nach  den  vürsten  dö 

Und  nach  seinen  mägen, 

und  begund'  in  allen  sagen, 

Da3  im  erlaub(e)t  waer(e) 
80  sein  tochter  äne  swaer(e) 

Nemen  ze  einem  weib(e), 

iren  eren  und  irm  leib(e) 

Soll'  er  pflegen,  als  er  kau: 

»der  bähest  hat  mir  kund  getan,« 
95  Begund'  er  in  dö  verjehen 

»an  meiner  sei'   sol  [da.3]  nicht  geschehen 

VOfl  «1er  geschicht(e)  d(e)hain  lait; 

alfO*   h;it  mir  der  babst  gesait.« 

Die  berren  begonden  alle  jehen: 
90  »SO  mdebt'  (-3  wol  mit  recht  geschehen. 

Seil  eg  der  bähst  erlaubet  hat, 

ri  \s.i'i'  eg  .111  <■    missetat.« 

Die  berren  begunden  aber  jenen, 
mdciif  e.j  wol  mit  recht  geschehen  . 
{y>  Wan  ('5  der  bebst  eriaub(e)t  biet'. 

t\  iprach:  »«eil  mich  Got  ie  befiel 

Der    \ii    lebosnen  tochter  mein, 

möcbt'   mein    vröud'   nicht   grÖ£er  m-iii.« 

i).i  rmt  et  105  in  deu  lanl 
100  manigen  frumen  boten  laot' 


598  7.  Pe$  tUu^enköttigs  ®ad)ter. 

Ua3  man  im  reicheu  klaider  brächt' ; 
wan  er  het  im  des  gedächt, 
Da3  er  gseb(e)  reicheu  klait 
al  den  seinen;  als  man  sait, 
105  Der  tochter  sein  hie3  er  geben, 
an'  allerhand(e)  widerstreben, 
Von  pfell(e)r  unt  von  sameit 
gab  er  ir  deu  reichsten  klait, 
Deu  ie  kain  vrauwe  an  getruok; 

10  z'wär,  sie  wär(e)n  reich  genuok. 
Doch  was  der  vrauwen  unbekant, 
da3  sie  irn  vater  zehant 
Solt'  nemen  ze  ainem  mann(e)  da: 
sie  wand',  er  wser(e)  anderswä, 

15  Der  ir  ze  mann(e)  solt'  gezemen 
und(e)  den  sie  solt(e)  nemen. 
Do  sait'  man  ir  deu  maer(e), 
da3  e3  ir  vater  wser(e). 
Des  wart  sie  traurig  und  unvrö; 

20  in  ir  kemnäten  gie  sie  dö, 
Und  nam  ain  scharf(e)  schaer(e), 
sie  sprach:  »mir  ist  unmaer(e) 
Mein  schoene3  här   da3  ich  hän, 
und  sol  mein  vater  sein  mein  man.« 

25  Da3  här  sie  von  dem  haubt(e)  snait ; 
ir  guot  gewant  da3  ward  ir  lait, 
Da3  zöch  sie  ab  irem  leip, 
da3  selb(e)  wolgetän(e)  weip, 
Ain[en]  gräwen  rok  leit'  sie  an  sich, 

30  sie  sprach:  »wärleich,  ich  wil  mich 
Machen  als  ain  schem  gevar.« 
sie  zerkrazt'  ir  antliz  gar , 
Da3  ir  da3  bluot  ze  tal  ran. 
also  begund'  sie  hervür  gän 

35  Vür  die  vürsten  äne  zal? 
da3  sie  sie  saehen  liberal. 
Dö  sie  sie  da  sähen, 
gemainleich  sie  da  jähen, 


7.  jDcs  lUußenluintga   <Jod)ter.  «599 

Sie  wser(e)  dem  teuvel  geleich. 
140  deu  e  was  schcen  und  wunnekleich. 
Do  diz  ir  vater  ersach, 

wider  sich  selben  er  dö  sprach: 

»Herre.  was  mag  da5  gesein? 

wa3  wirt  der  schcenen  tochter  mein? 
45  Da3  sie  ist  alleu  bluotvar 

über  ir  antliz(ze)  gar.« 

Den  vürsten  sie  also  genaik; 

ir  vater  hinder  sich  (dö)  saik 

Vor  laid  unt  vor  ungemach. 
50  do  er  wider  kam,  gegen  in  er  sprach: 

»Ir  herLrejn.  vart  heim  ze  lande); 

mein  tochter  den  hat  schaud(e) 

An  mich  geleit  vil  ser(e) : 

so  wil  ich  nimmer  mer(e) 
55  lirwinden ,  ir  mue3'  we  geschehen, 

des  wil  ich  vor  eu  allen  jenen.« 

Ain  va3  er  hie,5  beraiten  drät, 

da3  was  gein  der  nacht(e)  spät. 

I  nd  hie3  sie  versiahen  schier; 
(>0  da3  guot  gewant  leit'  man  zuo  ir, 

l'nd  lie3  sie  rinnen,  als  ain  weip, 

deu  gar  biet  aincn  verschämten  leip. 

Er  sprach  zuo  seinem  marschalk  guot: 
muo3  doln  den  kraz,  dn3  bluot. 
66  Daj  lie  umbaust  bat  getan. 

ilcs  mu»»5  iie  wol  /<•  buog  e)  stän.« 
I)-.  der  marscbaU  da£  erhört*, 

dei  küoigei  red1  an  ain  ort, 

DA  ipracfa  tri  »Kebeu  jnnkvrau  mein. 

70  ii    ruiic.-l  fei  itö^en   sein 

In  disem  \ «i.j ;  mein  berre  bal 
i  baffe l,  das  lr''  *3  luo  ^r,l[- 

Den  j ii nk  vr;i ii   sprach   Iraurikleicfa 

1 13  ich  in  meinet  tater  reich' 
78  \n  1 1  bo  lein  areip  ■ 

/  vs.11  .  ich  w ii  ••  meinen  leip 


600  7.  Pes  Bmßeitkuntflö  Sod)tt>r. 

Verliesen ;  wan  e$  nie  geschach.« 
also  sie  wider  den  marschalk  sprach 
»Wan  von  Kristen  nie  kain  man 
180  sein  kint  ze  weib(e)  gewan.« 
In  da3  va3  man  sie  twank; 
ir  klaider  weit  und(e)  lank 
Lei!/  man  zuo  ir,  deu  war(e)n  reich, 
»herre  Got,  mir  nicht  entweich !« 

85  Sprach  sie  »wan  du  bist  so  guot.« 
man  stie3  sie  auf  des  wages  vluot, 
Damit  sie  von  danne  ran. 

Deu  selb(e)  magt  wol getan 
Deu  ran  ze  Kriechen  in  da3  laut. 

90  das  ward  dem  künig  da  wol  bekant. 
Wan  er  stuond  bei  dem  mer  z'wär. 
er  sprach:  »tuo  war,  wa3  dort  var 
In  des  (wilden)  wages  vluot.« 
sprach  er  ze  ainem  vischer  guot. 

95  Der  vischer  vuor  dem  wa33er  nach, 
als  der  künig  gegen  im  sprach, 
Als  er  da5  v»3  s webende  vant. 
er  vuort'  C3  mit  im  an  da3  lant. 
Do  sprach  der  künig  reich(e) 
200  vil  gar  gewaltekleich(e): 

»Beseh(e)t,  lieben  knappen  mein. 
wa3  in  dem  va33(e)  müg'  gesein.« 
Die  selben  e3  auf  sluogen  gar 
und  nämen  in  dem  va33(e)  war, 
5  Da  sähen  sie  ain  scheene  mait, 
deu  was  rain  und  unverzait; 
Die  selben  maget  sie  viengen, 
vür  den  künig  sie  giengen 
Vil  balde  und(e)  vil  schier, 

10  ir  klaider  truogen  sie  mit  ir. 
Der  künig  wider  sie  dd  sprach: 
»wer  tet  eu  disen  ungemach, 
Da3  ir  gevangen  seit  gesant 
her  zuo  mir  in  dizz(e)  lant?« 


7.  IDes  Beu&cnkonujs   <&od)iet>  001 

215  Sie  sprach:  »der  e$  hat  getan, 

z'war.  ich  den  nicht  genennen  km 

E3  hat  getan  mein  unhail, 

da3  ich  dem  \va33er  wart  ze  tail.« 

Er  sprach:  »sagt  mir,  seit  ir  ain  magt? 
20  da3  sol  von  eu  sein  unverdagt.« 

Deu  junkvrau  sprach  wunnikleich : 

»da3  \vai3  Got  von  himel reich, 

Da3  ich  nie  kainen  man 

bei  meinem  leben(e)  gewan, 
25  Noch  nimmer mer  gewinnen  wil; 

wan  ich  hän  not  also  vil 

Erliten,«  sprach  deu  junkvrau  guot 

»als  ir  mich  auf  des  wa33ers  vluot 

Sähet  her  ze  eu  vlie3en  ; 
30  wo\V  euch  sein  nicht  verdrie3en , 

Ich  klagt'  eu  meinen  kumber  schier, 

wolt  ir  e3  gelauben  mir, 

Wan  da3  e3  waer'  ain  kinthait, 

ob  ich  eu  meinen  kumber  klait'.« 
35  Der  künik  züchtikleichen  sprach: 

»mir  ist  vil  lait  dein  ungemach; 

An  euwern  klaidern  ich  wi^en  sol, 

da3  ir  seit  edel  und  guot  wol, 

Ir  habt  vürstleicheu  klait.« 
10  <ilsö  er  der  junkvrauwen  sait'. 

DI  mit  er  sie  behielt; 

ir  tugend  sich  nicht  enspiclt; 

Sie  inj  bei  im,  dag  ist  war, 

völlikleich  ain  halhc3  jär, 
16  Dag  sie  nicht  entet,  de«  sie  hiet  schäm: 

darnach  sie  der  Icfinig  nam 

/<:  .iiiicr  konen   deich. 

all  05  wolt'  (10L  \ 011  himel  reich. 
l>;i  ituond  (-5  nnlanger, 
)•>  uns  kindea  ward  sie  iwangi 
41i  e3  <i«»i  selber  trold(e), 
und  ;i|s  eg  freien  lold  e 


602  7.  Pc$  tleu  feit  kirnt  gs   &öri)ter. 

Der  künig  ain  muoter  het(c)  z'wär, 

deu  was  (vil)  bitter  gar, 
255  Als  noch  deu  Übeln  weib  sint: 

sie  mue3en  werden  all(e)  blint, 

Die  nicht  wellen  guot  sein! 

man  sol  sie  ertrenken  in  dem  Rein 

Und  darin  versenken. 
60  des  muo5  ich  ir  gedenken, 

Des  küniges  muoter  au3  Kriechen  lant , 

deu  was  mit  übel  wol  bekant; 

Da  von  der  vrauwen  ungemach 

vil  dikk(e)  da  von  ir  geschach; 
65  Wan  sie  zuo  dem  künig(e)  sprach: 

»du  soldest  billeich  ungemach 

Leiden  umb  den  heirät  dein, 

man  solt'  dich  werfen  in  den  Rein 

Und  dich  darinne  versenken 
70  und  dich  ze  töd  ertrenken: 

Hast  du  genomen  ain  boese3  weip, 

wie  kan  deu  gezemen  deinem  leip? 

Ich  sag(e)  dir  da3  vür  vol, 

mit  ir  so  kan  ich  nimmer  wol 
75  Geleben  unz  an  meinen  tot, 

ich  tuon  ir  hie  vil  grÖ3(e)  not.« 
Do  da3  der  künig  erhört'  und  sach , 

wider  den  marschalk  er  dö  sprach: 

»La  dir  von  mir  enpfolhen  sein, 
80  nim  die  alten  muoter  mein, 

Unt  vuer'  sie  auf  ain  burk  ver  hindan; 

ja  hat  sie  laides  vil  getan 

Der  lieben  haus  vrauwen  mein, 

lä3  sie  ver(re)  von  mir  sein, 
85  Da  ich  s'  nicht  gehoeren  mag,  noch  gesehen.« 

also  begund'  der  künig  jehen. 

Do  der  marschalk  erhört' 

des  küniges  red'  und  sein  wort, 

Dö  vuort'  er  sie  balde  dan 
90  auf  ain(e)  bürg  wol  getan. 


7.  jDt-9  TUuftenkimigs   &od)Ux.  603 

Ze  den  Zeiten  was  ain  künig  balt 
geriten  mit  grÖ5em  gewalt 
In  da,3  lant  ze  Kriechen, 
und  macht'  da  manigen  siechen, 
295  Die  wund  e)  lägen  in  den  tot, 
da3  sie  liten  grÖ3e  not. 
Do  ward  dem  künig  da3  gesait. 
der  hie3  auch  unverzait 
Ruofen  zehand  (ain)  her  vart. 
300  dö  ward  nicht  lenger  gespart, 
Da3  sült  ir  wol  gelauben  mir , 
mit  her  leit'  er  sich  gen  im  schier 
An  ainem  wa33er,  da3  was  brait, 
da  lägen  deu  her  unverzait 
5  Baid;eu)  gegen  ain  ander. 

Do  ward  deu  vrauw(e)  s wanger, 
Deu  künigin  au5  Kriechen  lant, 
ainen  biief  sie  dem  künig(e)  sant', 
Nach  des  marschalkes  rät, 
10  als  ir  vrumkait  wol  an  stät, 
Der  brief  do  geschriben  wart, 
der  bot(e)  huob  sich  auf  die  vart, 
Geschriben  was  daran  z'wär, 
d*3  sie  ain  kind  offenbar 
I  >  Bei  gewonnen  mit  liechtem  schein. 
dag  nimmer  sclnencr  möcht'  gesein  ; 
Ain  degenkint  wa?r'  1*3  ze  recht. 
e3  w«r(e)  ritter  oder  knecht, 
Allen  lieb,  IC  vi  um  (-3   w.ii'. 
l>0  <l<r  bfliel  H>ltJ  sagen  dem  kiinig  deu  n\di\'. 
l)«»  «irr  bot'  \oii  danneo  gebiet, 
»ein  reis(e)  tno  der  traawen  geriet, 
he-  kfinigei  muotet  ü.5  Kriechen  lant; 

\s.fil<jch    Lei  M   n   Ixk.niL. 

I  »i;;  ei    fUOrt1  «lern  kiinig  e)   i'wAi 

■inen  briel  offenbar. 

1.1  ipi  ■co    -  liebeu  vrauwe  mein  • 

nur  sol   nicht    reitag  l  '    lein 


604  7.  Pcs  fttitßtnhimigg   <&oA)Uk. 

Euwer  \verde3  boten  bröt: 
330  mein  vrauw'  ist  genesen  von  irer  not, 
Und  hat  ain  schoene3  degenlrint. 
wä  vreunt  und(e)  mäg(e)  sint, 
Die  sül[le]n  des  werden  vröuden  reich ; 
e3  ist  ain  kind  gar  wunnekleich, 

35  Mein  herr(e)  mag  mich  z'wär 
von  meiner  armuot(e)  gar 
Schaiden  unt  von  meiner  not, 
er  geit  mir  reiche3  boten  bröt.« 
Da3  übel  weib  wider  in  sprach: 

40  »wän,  mir  lieber  nie  geschach , 
Ich  wil  dir  helfen  au3  der  not 
und  wil  dir  geben  da3  boten  bröt, 
So  du  kümst  von  dem  sun(e)  mein, 
dein  armuot  sol  versvvunden  sein.« 

45  Sie  macht'  in  trunken,  da3  ist  war, 
und  hie3  im  sanft(e)  betten  dar; 
Den  rechten  brief  sie  im  stal, 
da3  selb'  sie  vor  den  leuten  hal, 
Ainen  andern  brief  sie  im  leit' 

50  in  sein  briefva3,  da3  was  weit. 

Des  morgens  dö  der  tag  auf  brach 
und  da3  er  den  schein  ane  sach , 
Dö  huob  er  sich  drät(e), 
da3  er  nicht  kaem'  ze  spät(e), 

55  Und  eill(e)  von  dannen  zehant, 
da  er  den  werden  vürsten  vant. 
Dö  er  den  herren  ane  sach, 
vil  züchtikleich  er  zuo  im  sprach: 
»Eu  enbeut  mein  vrau  höchgemuot 

60  iren  willen  und  iren  dien(e)st  guot, 
Und  hat  eu  disen  brief  gesant, 
und  der  marschalk  von  dem  lant.« 
Den  brief  er  da  lesen  hie3, 
als  in  sein  vrümikait  tuon  lie3; 

65  An  dem  brief  dö  geschriben  was, 
den  man  im  vor  der  hütten  las: 


7.    IDes  tmtftenkontgs   %oA)ttx.  60ö 

»Der  marschalk  enbeut  eu,  herre, 

das  ain  grÖ3er  werre 

Ist  worden  in  eurm  land(e), 
.370  des  mue3t  ir  haben  schand(e) : 

Ainen  teuvel  hat  mein  vrauw'  getragen, 

da3  wil  ich  eu  vür  war  (ge)sagen, 

E5  ist  gestalt  als  ain  schem'; 

ain  teuvel  e3  schier  hin  nem'! 
75  Ir  muest  mit  im  haben  schant, 

unt  koemt  ir  immer  in  da3  lant, 

So  mügt  ir  nicht  beleiben. 

hai3t  sie  von  hinnen  treiben; 

Des  habt  ir  vrum  und  ere, 
80  oder  ir  muesjejt  herzen  sere 

Leiden  unz  an  euwern  tot, 

alrest  so  hebt  sich  euwer  not: 

E3  ist  aisleich  getan, 

e3  getar  nie  man  sehen  an.« 
83  Zehant  dö  der  herre 

erhört'ej  disen  werren, 

Do  gewan  er  gro3en  ungemach, 

wider  seinen   Schreiber  er  d6  sprach: 

^Schreib .  snellikleich(ej 
90  meinem  marschalk  reich(e), 

Wan  er  den  brief  seh(e)  an, 

d.i.-  er  des  nicht  1^3'  ander stan, 

Kr  slah'  die  bausvrauwen  mein 

in  ain  vag  riebein, 
9 >  \l-  sie  mir  »■  ward  bekant, 

und  send  e    sie  au3  in  deu  lant 

\  ii  balde  aod(ej  \ii  schier. 

lind(e]    leg*  «I.15  Unt  ZOO  ir, 

Da5  (so)  sisleicri  ist  getan. 
'»oo  wil  er  Dein  boUcbafl  (ibergan, 

lud  er  d;r;  tOO  nnlil    /<  h;inl  • 

11111C3'  mir  raomeo  dag  lanl 
1  od  1  rinde, 

ich  nimmer  erwinde, 


006  7.  Uta  Beußenhonige  %oä)Ux. 

405  Er  muo3  mir  Iän  den  leib  sein; 

da3  hab'  er  auf  die  treuw(e)  mein  , 

Vind'  ich  kind  oder  weip, 

z'wär,  e3  get  im  an  den  ieip.« 
Der  bot(e)  eilt(e)  drat, 
10  als  er  in  reiten  bat, 

Unt  vuort'  den  brief  dem  marschalk  guol. 

des  ward  da  traurig  sein  muot, 

Do  er  den  brief  da  gelas. 

wie  recht  traurig  er  dö  was, 
15  Da3  künd'  eu  nie  man  gesagen, 

sein  leib  begunde  dö  verzagen ; 

Des  vorcht'  er  des  küniges  zorn , 

da3  sein  leib  waer(e)  verlorn, 

Ob  er  nü  da3  lie3(e), 
20  das  sein  her  tuon  hie3(e). 

Ain  va3  gewan  er  drät, 

die  vrauwen  er  wainend(e)  bat , 

Da3  sie  im  vergaeb(e)  da3, 

er  muest'  sie  slahen  in  ain  va3; 
25  Des  möcht(e)  d(e)hein  rät  (ge)sein. 

sie  sprach:  »wem  sol  da3  kindelein 

Beleiben?  da3  solt  du  mir  sagen.« 

er  sprach:  »man  sol  e3  auch  vertragen 

Zuo  eu  in  da3  aichein  va3-« 
30  doch  er  des  wainens  nicht  verga3- 

Dö  sprach  deu  vrauw(e)  wol getan: 

»da3  ich  die  hult  verlorn  han, 

Und  meines  herzen  swaer(e), 

west'  ich,  wannen  da3  maer(e) , 
35  Von  weihen  Sachen  e3  wser1  geschehen. 

der  mir  des  wolt'  ain  wenik  verjehcn   — 

Ich  hiet'  mich  e  geleit  in  sucht, 

e  ich  kain(e)  Unzucht 

Het  an  ichteu  begän,  — 
40  ich  künd'  e3  vil  wol  understän.« 
Wa3  sol  ich  mer(e)  davon  jehen? 

so  manig(e)  klag'  ward  nie  gesehen, 


7.  j0ts  tWußenluiiitgs   $od)Ur.  607 

Als  umb  da3  klain  ej  kindelein. 

und  umb  iren  minnekleichen  schein. 
Ii5  In  dem  va,5  man  sie  versluok , 

da3  kind^elein,  man  zuo  ir  truok 

Und  guoter  klaidefr]  ain  michel  tail: 

reuw'  und  jämer  was  ir  wolvail. 
Man  stie3  sie  auf  des  wages  vluot. 
50  dar  an  deu  schoene  vrauwe  guot 

In  die  Teifer,  da3  ist  war. 

au3  dem  mer  offenbar 

Ze  Röm(e)  vür  die  grÖ3en  stat, 

als  sie  Gotes  wille  bat. 
55  Dö  was  ain  Römser(e) 

gegangen  mit  swser(e) 

Ze  der  Teifer  auf  die  brükk(e), 

dem  was  we  in  dem  rükk(e) 

Und  het  das  Püllisch  vieber  gar; 
60  der  sach  da3  va3,  da3  ist  war. 

In  der  Teifer  \lie3en : 

»ir  lat  euch  nicht  verdrie3en,« 

Sprach  er  ze  ainem  vischcer(e) 

»da3  va3  sei  vol  oder  lser(e) , 
05  Bringt  mir  e3  her  an  die  stat ; 

euwern  Ion  gib'  ich  eu  drät.« 

Der  vischser'  let,  als  er  in   bat, 

er  bracht  c)  d*3  r«3  an  die  stat, 

h  1-  wart  zerbrochen  an  der  zeil . 
70  den  klaider  man  ze  tarnen  leitf: 

Den   sranw'   \\a>   niinncklcich   ui-tän; 

mit  züchten  sie  der  Römer  an 
Sach,  und  sprach    wr&un  e)  guol . 

(i«»t  bat  euch   in  seiner  hnot . 

75  Bach  und  das  bmm  Irinddeiv; 
di  ron  aril  ich  «•-  ziehen!  sein.« 
\\-<>  er  100  der  rraowen  ipracfa 

I  ir  habt  bei  uiii  Quoten  gemach 

I I  |  kindel  nnd  «In-  rrauwen  guol 

SO  behiell  ei    dei  ward  sie  wolgemuot, 


008  7«.  2D*ö  tüeußnthiintgs   &od)ter. 

Deu  edel  Römserinne; 

von  Kriechen  deu  küniginne 

übergie  der  vrauwen  willen  nie, 

swä  sie  sa3  oder  gie. 
485      Nu  läsen  wir  die  red(e)  slän, 

und  greifen  von  Kriechen  den  künig  an, 

Der  dort  mit  seinem  her  lak. 

vor  laid  er  kainer  vröuden  pflak. 

Doch  gesigt'  der  künik  z'wär 
90  den  haiden  an  vil  gar, 

Unt  vuort'  sie  haim  gevangen; 

e3  was  im  vvol  ergangen. 
Do  er  ze  lande  kert(e) , 

als  in  sein  vriimkait  lert(e), 
95  Und  (er)  den  marschalk  ersach: 

»wie  klagest  du  meinen  ungemach,« 

Sprach  er  »lieber  marschalk  guot? 

e3  wart  zornig  mein  muot, 

Dö  man  mir  deinen  brief  las; 
500  wie  rechte  traurig  ich  was 

Da3  kan  ich  dir  nicht  gesagen , 

mein  herz',  mein  leib  wolt'  verzagen; 

Dö  mir  wart  kunt  von  ir  getan, 

da  muost(e)  mein  vröud(e)  zergän, 
5  Da3  e3  als  ain  teuvel  waer(e), 

dö  wart  mein  herz(e)  swser(e), 

Wan  mir  laider  nie  geschach. 

ich  muo3  laider  ungemach 

Leiden  von  dem  brief  dein.« 
10      Dö  sprach  der  marschalk:  »herr(e)  mein, 

Den  brief  den  ich  gesant  hän, 

da  was  da3  nicht  geschriben  an: 

Mein  brief  sprach,  da3  nie  dhain  kint, 

deu  e,  noch  seit  geborn  sint, 
15  Nie  so  schcenes  wart  getan.« 

der  künig  sich  raufen  began, 

Vor  jämer  unt  vor  Iaido) 

viel  er  auf  die  haid(c) . 


7.  jBes  XWuftenkimigs  ^oc^ter  G09 

Da3  er  ain  wort  nie  gesprach, 
5*20  noch  weder  hört(e),  noch  gesach. 

Er  hie3  den  boten  vür  sich  gan, 

er  sprach:  »sag*  mir,  vertäuter  man. 

Wie  ist  dem  brieffe)  geschehen  ? 

der  wärhait  solt  du  mir  verjehen  , 
25  Oder  ich  tuon  dir  den  tot.« 

deu  vorchl  dem  boten  (dö)  gebot , 

Da3  er  sprach:  »lieber  herr(ej  mein, 

ich  kan  nicht  wi35ende  sein , 

Wie  dem  brieve  sei  geschehen, 
30  wan,  aines  wil  ich  eu  verjehen: 

Do  ich  kom  zuo  der  vrauwen  mein, 

deu  euwer  muoter  solt(e)  sein, 

Da  belaib  ich  über  nacht; 

ob  sie  icht  arges  mir  hab'  gedächt, 
35  Des  kan  ich  gesagen  nicht.« 

»der  teuvel  hat  mit  ir  pflicht!« 

Sprach  der  künig  an  der  stat 

»den  brief  sie  dir  verker(e)t  hat.« 

Vor  zorn  hie5  er  gähen 
10  und  sein  muoter  vähen 

Und  [hie3]  sie  vermauren  ewikleich . 

dl  muost'  sie  ir  siinde  sunderleich 

Buchen  unz  an  iren  tot 

mit  smerzen,  jämer  und(c)  not. 
15       »Ich  leide  billeich  ungemach;« 

aliO  der  kiinig  ,1115  zoin'o,  sprach 

1  <  )\n  «•  mir  vil  armen! 

wie  lii/./cl    iofa   < •rbarnM'ii 

l  dod]  den  ;ii  mechtlgen  <iot! 
)•»  ilcs  DU05  ich  leiden  ^pot 

i  ml»  die  lieben  rrauw(e)n  mein ; 
-■>  91005  i«  li  immer  iraorig  seinen 
Er  gedacht':  »ich  D005  ie  Rom(e]  gan 
und  0 ii  <1 1  in  /c  D003  <•    itfn 
>  >  l  imIi  mein  ang ;'c  bleichen  tat, 
mcm  leib  begangen  bat  ■ 


610  7.  IDee  tÜeuftenWnigs  Softer. 

Ze  Rom'  huob  er  sich  an  der  stat, 
in  grÖ3(e)  buo3(e)  er  da   trat. 
Do  was  dem  bäbst  gesagt  mserfej , 
560  da3  ain  edel  vrauw(e)  waer(e) 
Und  ain  klaine3  kindelein. 
da3  nicht  schoener  kund'  gesein,. 
Zesamen  beslo33en  waer(e) 
in  ain  va3  mit  swser(e), 

65  Und  wser'  ze  Rom-  gerunnen  dar, 
des  hiet'  genomen  ain  burger  war, 
Der  het  sie  behalten  schön(e). 
»so  wi!  ich  geben  ze  lön(e),« 
Sprach  der  bäbst  ze  urkünd'e) 

70  »ich  wil  im  vür  sein  sünd(e) 
Geben  unt  vür  sein  missetät, 
die  sein  leib  begangen  hat, 
Da3  er  behalt'  die  vrauwen  guot; 
seiner  sei'  er  ain  grÖ3*  er(e)  tuot, 

75  Und  behaltet  er  sie  schön(e), 
im  geit  Got  der  eren  krön(e).« 

Darnach  den  künig  ze  urkünd(e) 
rnwen  [darnach]  sein(e)  sünd(e), 
Von  Kriechen  was  er  genant, 

80  ze  Röm(e)  gie  er,  da  er  vant 
Unsern  vater,  den  bäb(e)st  z'wär, 
sein  sünde  wolf  er  sagen  gar, 
Die  er  an  seiner  vrauwen  guot 
getan  het,  und  den  übermuot. 

85  Da3  was  darnach  z'wär(e) 
in  dem  vünften  jar(e). 

Ze  den  zeiten  Got  der  reich(e) 
mant'  auch  andaechtikleich(e) 
Den  künig  von  Reihen,  da3  ist  war, 

90  er  gedacht':  »ich  wil  mein  sünd(e)  gar 
Bue3en,  die  ich  begangen  han 
an  meiner  tochter  wol getan, 
Wan  ich  e3  gar  umbsust  tet, 
sie  enhalf  weder  vleg',  noch  bet', 


7.  2De$  Tkufrenköutgs   <&ort)ter.  611 

395  Sie  muost(e)  den  tot  von  mir  doln. 
auf  da3  \va33er  hie3  ich  sie  boln, 
Da  hat  sie  verlorn  iren  leip: 
ich  gesach  nie  so  schoene3  weip. 
Ze  Röm(e)  wil  ich  heben  ,an 
000  und  in  grÖ3er  buo5(e)  stän.« 
Ze  Rom  derselb(e)  künig  gie, 
wan  im  die  reuw'  sein  herz 'e)  vie. 

Do  iegleich  künik  ze  Röm(e)  kam , 
und  der  bäbst  ir  beicht  vernam, 
5  Do  west'  der  bäbst  deu  maer(e) , 
da3  e3  deu  vrauw(e)  waer(e), 
Die  der  Römaer'  het  behalten, 
da3  jung'  kind  und  die  alten. 
Do  sie  ir  sünd(e)  heten  gesait 
10  und  iren  gebresten  geklait 
Dem  bäb'e;st  an  Gotes  stat, 
der  bäbst  die  vürsten  baid(e)  bat, 
Da3  sie  in  sein  haus  sae^en 
und  sein  bröt  mit  im  ae^en. 
15  Do  sant'  der  bäbst  an'  swaer(e) 
nach  dem  Röma3r(e) 
Und  bat  in  durch  den  willen  sein, 
da3  er  braucht'  da3  kindelein 
lud  die  vrauwen  da  ze  stet(e), 
20  d.13  was  sein  vlehen  und  sein  bet(ej. 
Do  brächt'  der  Romaer(e) 
die  vrauwen  Ine  swaji 
I > « - 1  j  lrno|4  dö  ireu  reicheu  klait, 
lll  ICO  cu  vor  hau  gesait. 
28  M  Hfl  davor  gesä3en, 
getrunken  und  geA^GD, 
Do  ipracii  der  bibft:  »beerte]  gtiot 

von    Realen,  mi   seit   wolgemuot, 

tobl  11  ich!  gern  eower  kini  | 
JO  ei  ipracfa    1  ich  wolt(c  ie)  »eil  Mini . 
\).\-,  ich  soir  leben  die  lochtet  mein 
und  Iren  werden  Hechten  schein 


612  7.  jDes  HUiißenkäntgs  %oü)Ut. 

Dö  sprach  er:  »her  von  Kriechen lant , 

ob  eu  eur  hausvrauw'  wirt  bekant, 
635  Woltet  ir  des  nicht  vrö  (ge)sein?« 

»ja,«  sprach  er  »lieber  herre  mein, 

Das  ich  sie  sehen  solt(e)  an, 

so  wser'  ich  gar  ain  saelig  man, 

Darumb(e)  so  wolt'  ich  geben, 
40  so  mich  Got  lie3(e)  leben, 

Meinen  VU03  und  mein(e)  hant, 

da3  sie  mir  noch  wurd'  erkant.« 

Der  bäbst  züchtikleichen  sprach: 

»ain  end'  hab'  euwer  ungemach 
45  Und  euwer  herzen  ser, 

nü  habt  vröud(e)  baid'  und  er'.« 

Der  bäb(e)st  gie  au3  vür  die  tür, 

die  vrauw(e)n  weist'  er  hin  vür 

Und  da3  klain(e)  kindelein. 
50  ir  vröud(e)  kund'  nicht  großer  gesein , 

Do  sie  die  vraun  an  sähen, 

do  begunden  sie  beid(e)  gähen, 

Da3  was   an  in  ain  guot  sin. 

der  bäbst  sprach:    »nemt  die  tochter  hin, 
55  Her  künik  von  Reusen,  deu  ist  guot.« 

do  ward  der  künig  wolgemuot. 

Gein  dem  Kriechen  er  dö  sprach: 

»nü  seit  vrei  vor  ungemach, 

Habt  eu  weib  und(e)  kint.« 
60  all(e)  die  e  geborn  sint 

Die  wurden  in  ir  reich(e) 

nie  so  vroeleich(e), 

Dö  was  ir  vröud(e)  nicht  ze  klain. 

die  vrauwen  und  da3  kind(el)  rain 
65  Vuorten  sie  baide  geleich(e) 

haim  in  ir  künik  reich(e). 

Dö  ward  sie  [schön]  ain  küniginn(e); 

nach  eren  kund'  sie  ring(en), 

Baideu,  tag  unde  nacht, 
70  da  wart  vröud*  in  ir  acht. 


7.  2Ues  tUuftenköniijs   <£od)t*r.  013 

Da3  sült  ir  wi33en  all(e), 
sie  lebten  mit  grÖ3em  schall(e) 
Und  mit  grc^er  wirdikait, 
alleu  wunne  was  in  berait, 
675  Und  wurden  ergezzet  gar 
alles  des  in  ie  gewar, 
Von  Got  von  himel  reichte), 
dem  ist  nicht  unmügleich(e). 
Der  geb'  uns  da3  ewig  reich(e) 
80  und  mach'  uns  vröuden  reich(e)! 


8. 


liarl  >er   ©  r  o  p  e . 


I.  Uebeszaubei*. 

Äarl  that  eine  Heerfahrt  gegen  die  Ungarn  und  begann  sie  zu 
Christen  zu  machen.  Er  drang  bis  zu  den  Walach  en  vor,  und  lagerte 
mit  seinem  Heere  nahe  am  Meer.  Er  hatte  seine  Gemahlin  beschieden, 
wenn  er  länger  als  zehn  Jahre  ausbliebe  ,  dann  'wäre  er  auf  der  Fahrt 
umgekommen.  Nun  war  er  schon  über  neun  Jahre  in  Ungarn:  da  hub 
sich  zu  Acben  am  Rheine  grofse  Schande,  und  überall  Raub  und 
Brand.  Karl  hatte  mit  seiner  Frauen  verabredet,  wenn  ein  Bote  ihr 
seinen  Ring  brächte,   so  sollte  sie  seiner  Rotschaft  glauben. 

Als  es  so  tief  ins  zehnte  Jahr  gieng,  da  traten  die  Herren  des 
Landes  vor  die  Königin,  beschwerten  sich  über  die  Verwirrung 
im  herrenlosen  Land,  und  verlangten,  dafs  sie  einen  andern  Fürsten 
zum  Manne  nähme,  weil  Karl  ihr  wol  Botschaft  gesandt  hätte,  wenn  er 
noch  lebte.  Sie  weigerte  sich  der  Schande;  Karl  werde  sie  tödten, 
wenn  er  komme;  noch  habe  er  ihr  das  Wort -Zeichen  (verabredete 
Wahrzeichen  nicht  gesandt,  und  sie  wolle  ihm  Treue  halten.  Die  Herren 
behaupteten,  durch  Boten  zu  wifsen  ,  dafs  Karl  todt  sei,  und  drungen 
so  lange  in  sie,  bis  sie  eiuwilligte,  dabei  jedoch  alle  Schuld  und  Unheil 
auf  das  Haupt  der  Herren  lud.  Diese  versicherten,  die  Forldauer  des 
herrenlosen  Zustandes  wäre  ihr  Aller,  und  auch  der  Königin  Unter- 
gang; und  bald  darnach  gaben  sie  ihr  einen  mächtigen  König  zum 
Manne,   mit  welchem  am  dritten   Tage   die    Hochzeit  sein   sollte. 

Da  sandte  Gott  einenEngel  zu  Karl  im  Ungarland,  der  verkündigte  ihm 
Üi  Bedrängnis  seiner  Hausfrau,  und  belehrte  ihn  zugleich,  wie  er  die 
115  Raste  bis  in  sein  Land  noch  vor  der  Hochzeit  zurücklegen  könne. 
Karl,  nicht  an  Gottes  Wundermacht  zweifelnd,  that,  wie  der  Engel 
gebot.  Am  nächsten  Morgen  kaufte  er  von  seinem  Schreiber  dessen 
starkes  Pferd,  safs  sogleich  auf,  und  es  trug  ihn  in  Einer  Tagereise  aus 
der  Bulgare  i  über  Feld,  Moor  und  Heide,  bis  zur  Stadt  Rab.  Am 
lolgenden  Tage,  noch  bei  Sonnenschein,  erreichte  er  Pas  sau  an  der 
Donau,  fand  dort  den  bezeichneten  Wirth  ,  der  ihn  freundlich  auf- 
nahm, und  als  am  Abend  das  Vieh  heimkam,  lief  auch  ein  schönes 
n  den  Hof;  Karl  ergriff  es  bei  der  Mahne  und  verlangte  es  von 
den  \*  irthe.  Dieser  wandle  ein,  es  wäre  noch  zu  jung,  auch  unge- 
-'.  K.irl  ab«T  bestund  darauf,  und  der  Wirlh  überliefs  es  ihm 
*r«rn  für  siele  Goldstücke;  ebenein  bot  ihn  Karl  sein  bisher  gerittenes 
Pferd  zum  Lcikaul.  *    Am    dritten    Morgen    liuli    bestieg    Karl  das  junge 

I         und  es  trug  ihn  denselben  Tag  bii  \<t  seine  Burg  zu  Acben 
wo  <-m  Wirih  ihn   bebei  i  eberall   in  den  Gaben  der  Btadl  \v.ir 

lad  Klang  ranzen  und  Springen;  und  Karl  rernabsn,  nächsten 
'i  lei  die  prächtige  Hochzeil  leinet  renneinten  Witwe  mit  eines 
robei  ihm.  wie  Allen,  Bpeise  and  Trank  und  Kossfutter  ge- 
ltende! verde  Karl  abet  nobile  nichts  vom  Hob-  annehmen,  and  ne- 
bol  iicrn  Wfrtne  ihm  liles  einzukaufen;  naa  dieses  inr  d.t>  reichlich 
gegeben»-  Gold  gnras  ihm  1  •  K.tri  berrlien  zu  rieche,  und  lieft  den 
Wirth  and  Bann  mit  genleisen.     \i-  ei  Kscbl  nard  und 

ll-t  AmffU  ab*  litm  ktdmnfm.r,  frui  >u/n  /"«»/». n*»n  >m  lll  O'trOni  f..< 
n'tmkmmf)     »*H     itf/iit     '"r'nu/in     mit     lllrb'     am    I     ,  tA         tirfl      m    dtm     I    (I 

t  t   »  - 


Karl  schlafen  gieng,  muste  derWirlh  ihm  einen  Wächter  bestellen,  ihn 
zu  wecken,  sobald  der  Singofs  l  im  Dome  geläutet  werde.  Das  geschah 
Karl  belohnte  den  Wächter,  legte  sein  königlich  Kleid  an,  und  bat  den 
Wirth ,  ihn  als  Fremden,  zum  Dome  zu  geleiten.  So  kamen  sie  an  das 
Burglhor,  vor  welchem  starke  Riegel  lagen;  der  Wirth  wies  ihm,  wie 
er  hindurch  könne,  aber  sein  Gewand  beschmutzt  werde:  Karl  achtete 
dessen  nicht ,  und  schlüpfte  hinein.  Er  hiefs  den  Wirth  heimgehen, 
gieng  allein  nach  dem  Dome,  setzte  sich  auf  den  Königsstuhl,  und  legte 
das  blofse  Schwert  über  seine  Knie.  Da  kam  der  Mefsner,  die  Bücher 
hervorzutragen,  und  als  er  diese  Erscheinung  sah,  lief  er  zum  Priester 
und  verkündigte  sie.  Die  Domherren  wollten's  nicht  glauben:  einer 
von  ihnen  gieng  mit  einem  Lichte  hin,  sah  die  Wahrheit,  und  floh  zu 
dem  Bischöfe.  Dieser  liefs  sich  zwei  grofse  Kerzen  vortragen,  erschrak, 
als  er  den  greisen  Mann  so  still  dort  sitzen  sah ,  beschwur  ihn  jedoch 
zu  sagen,  wer  er  wäre,  geheuer  oder  ungeheuer.  Da  antwortete  der 
auf  dem  Stuhle,  dafs  er  als  König  Karl  doch  wol  bekannt  genug  sei. 
Der  Bischof  trat  nun  nähei ,  erkannte  ihn,  umfieng  ihn  und  hiefs  ihn 
freudig  willkommen.  Dann  führte  er  ihn  in  sein  Haus,  und  liefs  alle 
Glocken  läuten.  Als  die  zur  Hochzeit  geladenen  Gäste  so  vernahmen, 
dafs  König  Karl  heimgekehrt  sei,  riefen  sie  nach  ihren  Rossen  und 
flohen  hinweg;  und  wer  nicht  reiten  konnte,  sprang  über  die  Stadt- 
mauer.   Der  Bischof  erbat  sich  von  Karl  zu  Lohne,  dafs  er  der  Königin 

nicht  zürnte;  gerne  gewährte  Karl,  und  war  ihr  hold,  wie  zuvor. 

Als  darnach  Karls  Hausfrau  starb,  bewies  er,  dafs  sie  ihm  so  lieb 

war  als   das  Leben.    Er  liefs  das   schöne   Weib    baisamen,    und  ein 

teuflischer  Zauber,  den  sie   unter  der  Zunge  trug,    bewirkte,  dafs  er 

allnächtlich  mit  ihr  umgehen  muste,  wie  ein  Mann  mit  seinem  Weibe. 

Solches  wüsten  nur  zween  Kämmerer,  welche  ihm  den  Leichnam  baden 

und  ins  Bette  legen   musten.    Doch   wollte   ihn  Gott,   ansehend  seine 

stäte   Reue  und  Beichte,   nicht    an  Leib  und   Seele  verderben   lafsen. 

Eines  Tages  sang  ein   Bischof   (Aegidius)  vor  ihm  die  Mefse  :  da  kam 

eine  Taube  auf  den  Altar  mit   einem   Briefe ,   worin  Karls  heimliche 

Sünde  geschrieben  stand;   der  Bischof  las  ihn,  und  schalt  den  König, 

dafs   er   eine  Todsünde   verschwiegen   habe;   Karl  läugnete,  aber  der 

Bischof  überführte  ihn    durch    die   Offenbarung  von   oben,   und  Karl 

beichtete  nun  alles,   sagte  jedoch,   er  könne   nicht  davon  lafsen.    Der 

Bischof  verlangte  die  Todte   zu    sehen ,    und    Karl  öffnete    ihm    seine 

Schlafkammer,   wo  die  Frau  im  Bette  lag,  als  wenn  sie  schliefe.    Auf 

des   Bischofs   Frage,   ob  ihr  Mund  noch   wohl   rieche,  hiefs  Karl  ihn 

sich  überzeugen :   da  thal  der  Bischof  ihr  den  Mund  auf,  und  erkannte 

alsbald  den  Zauber,  der,   wie  eine  Scherbe  grofs,   herausfiel.    Sogleich 

sank    der   Leichnam    angesichts  des   Königs   und  Bischofs  zusammen, 

als  wenn   er  schon    vor  einem   halben  Jahre    faul  gewesen,   und  ward 

ganz  zu  Asche.    Da   verwandelte  sich  des  Königs  Inbrunst  in  Abscheu, 

und  das  todte    Weib,  die  ihm  Leib  und  Seele  verderben  sollte,    stank 

ihm  wie  ein  fauler  Hund.    Hierauf  büfste  er  an  dem  Leibe  seine  Sünde 

bis  zum  Tode 

I    Singoj  ,   singi>33el.    Glocke.    Glbcklem   zum    Zeichen,     Lal    sigmiluin  .     Frani     toesin. 


1. 

M  i  n  n  e    zauber. 


Da  mit  vuor  der  weigant 

hin  ze  Ungern   in  da3  lant 

Und  begund'  sie  Kristen  machen. 

die  Ungern  unz  in  Walachen, 
5  Da  leit'  er  sich  mit  seinem  her. 

e3  was  nähen  bei  dem  mer. 

Er  gelobt'  der  vrauwen  sein. 

wenn'  er  [waer']  zehen  jär  von  ir  schein 

Und  da3  er  lenger  waer(e), 
10  da3  sie  dan  west'  deu  maer(e), 

Da3  er  waer*  mit  größer  not 

z'wär  auf  dem  wegfe)  tot. 

Da  belaib  er  sicherlich  für  war 

mer  dannfe)  neun  jär 
lö  Ze  Ungern  in  dem  land(e). 

da  huol)  '«ich  £.03  e)  schand(e) 

/.(•    Ach(C)    hei    il-TIl    Kcill- 

«In  er  /.<•  lang  .111.5   \M>lt'e,  sein  , 
Sich   huob  raub  unde  brant 
20  i*wir  über  alleu  laut. 

l  1  bei  gelobt  der  muwei  sein, 

wenn'  er  11   saut'  ain  vin^crlcm 

i).i-,  mI  i'  irj  »ein  erkauf . 
'I.13  seil/  bei  ec  i?  roi  genanl 

i>  1  ml  in  i  n  v~,  gezaigel  dl 
.•r  sprach    -  v.  'in  i  i  ge  ibeal  ic 


620  8.    &arl  fcer  <^ro^. 

Da3  guot(e)  vingerlein, 

wa3  dir  gesagt  der  bot(e)  mein, 

Des  solt  du  gelaubig  sein 

30  zehand,  liebeu  vrauwe  mein.«  —  — 
Nu  lä3en  wir  die  red(e)  stän, 
und  greifen  den  künig  an , 
Da  er  lag  in  Ungern  lant, 
als  ich  eu  vor  tet  bekant: 

35  Er  was  neun  jär  au3  gewesen, 
da3  sült  ir  an  dem  buoch  gelesen, 
Do  huob  sich  raub  und(e)  brant 
über  alleu  seineu  lant, 
Als  ich  eu  vor  hän  verjehen: 

40  da3  wolten  die  hern  nicht  über  sehen , 
Die  in  dem  lande  wär(e)n 
bei  den  selben  jär(e)n; 
Die  giengen  ze  der  küniginne: 
»z'weu  süllen  unser  sinne? 

45  Seit  wir  nicht  haben  herren, 
des  haben  wir  grÖ3en  werren, 
Davon  wellen  wir  euch  des  biten, 
da3  ir,  vrauw',  mit  guoten  siten 
Nemet  ainen  vürsten  guot, 

50  damit  deu  lant  sein  behuot. 
Mein  herr'  ist  waerleich(e)  tot; 
in  möcht'  nicht  twingen  sölich  not, 
Er  hiet'  eu,  vrauw',  in  dizz(e)  lant 
seine  botschaft  her  gesant.« 

55  Deu  vrauw'  antwurt(e)  zehant: 

»so  muest'  ich  sein  von  im  geschant, 
Swen  künik  Karel  rain(e) 
kaem'  in  die  lant  gemain(e), 
So  möcht'  er  mich  wol  toeten 

60  mit  ang(e)st  und  mit  noeten. 

Mir  ist  da3  wortzaichen  nicht  bekant, 
noch  her  wider  nicht  gesant, 
Da3  er  mir  gab,  dö  er  sich  schiet 
von  mir;  dö  mich  sein  Got  beriet, 


I.   ütebesjauber.  621 

b5  So  brach  ich  nie  die  treuw(e)  mein, 

sie  sol  auch  immer  staet(e)  sein.« 

Die  herren  zuo  ir  jähen: 

»sül[le]n  wir  eu  nü  versmahen, 

Da3  wir  disen  werren 
70  haben,  än(e)  herren? 

Uns  ist  da3  (vil)  wol  bekant 

von  boten,  die  wir  haben  gesant , 

Da3  unser  her  mit  groser  not 

ist  auf  dem  weg(e)  tot.« 
75  So  lang(e)  die  herren  au3  sin 

redeten  mit  der  künigin 

Und  manten  sie  ir  ungemach, 

unz  deu  künigin  verjaeh: 

wund  sol  mir  icht  werren, 
80  da3  kumt  von  eu,  ir  herren  ; 

Ich  zeuch  e3  an  Got  den  guoten, 

den  getreuwen,  [den]  wolgemuoten, 

Da,5  ich  vil  gar  unschuldig  bin. 

tuot  von  mir  die  red(e)  hin. 
85  Geschieht  mir  icht,  da3  muo3  von  eu  varn; 

ich  kund'  mich  selber  wol  bewarn.« 

Die  herren  sprächen  aber  dö: 

»vrau,  so  würden  wir  nimmer  vrö, 

Sül[Ie]n  wir  mit  disem  werren 
00  immer  leben,  an'  herren, 

>)  w i 5 1 .  ir  mue3t  des  teuvels  wesen, 

wan  unser  liizzel  mag  genesen.« 

Die  vi.iiiw  e)  züchtikleichen  sprach: 

i  b*  ie  -i"";  im  iei  niciii  uDgemacb  , 
M  86  wil  ich  eu  im  volgent  sein. 

BWIfl  grÖ3  im  gei   der  kiirnber  mein; 

Wan  ir  mich   sein  nicht  well  erl.m, 

etrwero  willen  \nü  ich  begdn, 

I   •    •  i  gl   mir  ulicl   oder  wol. 

100  eurn  willen  ich  nichl  brechen  sol.« 
Darnach  itaont  e5  unlang(ej  ieit, 

im/  lie   in  hoch  /<ii 


622  8.    Äarl  tier  «toße. 

Geruoften  mit  ai[ne]m  künig  reich, 
den  gäben  sie  ir  sicherleich. 
105  Deu  hoch  zeit,  nach  des  buoch(e)s  sag(e) 
solt'  werden  an  dem  dritten  tag(e); 
Da3  wolt'  Got  selber  understän, 
als  ich  vor  mir  gehoer(e)t  hän , 
Wan  Got  ainen  engel  sant* 

10  ze  boten  in  da3  Ungerlant, 
Da  der  künig  (inne)  lak, 
und  was  gelegen  manigen  tak. 
Do  in  der  engel  da  vant, 
deu  botschaft  ward  im  wol  bekant: 

15  »Ob  e3  dir  lieb  ist,  oder  Jait, 
künig,  sei  dir  vürwär  gesait, 
Kümst  du  nicht  zuo  der  künigin, 
z'wär  so  verlaitent  dich  dein  sin, 
Ain  ander  künig  hat  sie  genomen, 

20  davon  solt  du  ze  lande  komen 
Z'wär  an  dem  dritten  tagfe), 
gelaub'  du  mir,  wa3  ich  dir  sag(e). 
Dein  hausvrauw(ej  wol  getan 
wil  z'wär  (vil  un)gern(e)  gän 

25  An  aines  küniges  bett(ej  reich, 
des  gelaub'  mir  sicherleich.« 
Der  künik  Karl  sprach  zehant: 
»wie  sol  ich  komen  in  mein  lant 
In  drein  tagen  offenbar? 

30  z'wär  ich  sag(e)  dir  vürwär, 
Da3  dar  ist  hundert  rast(e)  lank , 
dannoch  so  ist  da3  mein  gedank, 
Baideu,  spät  und(e)  vruo, 
da3  vunfzehen  raste  ist  dar  zuo 

35  Z'wär  in  da3  land  mein: 

wie  sol  ich  dar  komend(e)  sein? 
Solt'  ich  dar  reiten  oder  gän? 
da3  selb'  ich  nicht  betrachten  kan.« 
Do  sprach  der  engel  an  der  stunt: 

40  »und  ist  dir  nicht  worden  kunt, 


I.  jTtebes3auber.  623 

Da3  Got  mak  tuon,  swa3  er  wil, 

sint  er  hat  gewalt(e)s  vil?« 

Der  künig  sprach    »da3  mag  wol  sein. 

ich  glaub'  e3,  lieber  herre  mein. 
145  Da  han  ich  kainen  zweivel  an, 

vil  wunders  er  getrachten  kan.« 

Zehand  der  engel  vil  gewaer' 

sprach:  »ge  ze  deinem  schreibeer' 

Der  hat  ain  pfert  also  stark, 
50  da3  kauf  umb  pfenning'  und  umb  mark . 

Wie  du  im  e3  mugest  gewinnen  an, 

da3  guot  e,  pfaerd  wol  getan 

Da3  reitest  du  vöilikleich  ainen  tak 

als  ich  vürwär  gesprechen  mak, 
55  Deu  tage,  waid(e)  wirt  dir  lank . 

doch  hat  da3  pfaerd  solhen  gank, 

Da3  e5  dich  snell'  unde  drät 

trait  ze  Rab  in  die  stat. 

D.i3  ist  dein  erst'e,  tag(c)  waid(e), 
60  e3  trait  dich  mos,  veld  und  haidfe,. 

Des  andern  tages  vruo 

solt  du  beraiten  dich  darzuo.« 

Also  sprach  der  engel  reich 

»dag  du  reitest  snellikleich, 
66  &ö  lümst  du  gen  Paföauwfe] 

hin  ;iul   zun  der  Tuonauw  <•  . 

I > ; •  .5  ist  dein  andren  i;<-  e  waid  e 

von  den  pfaerd  e]  du  dich  scbaid  i 

/.»•  J'.i.xV'iu  rindest  du  ainen  wirt. 
70  da£  dich  ('('m  ''''''   s''  n:,r  vcrhirl. 

I)u  kurnsi  dar  bei  sonnen  scheue 

des  solt  du  vil  jcw u  lein , 

Der  leib  <•    wirf  isl  a/ol  gemuot 

iiii  ainen  ichcenen  rolen  guot  • 
75  Den  m>Ii  du  kaufen  an  dei  stal 

tili  ii  ail  dich  bald  unde  drlt  \ 

S6  undei  steil  du  dannocfa  wol 

dl»-  hoch  teil  diu  d,i  wesen  sol.o 


624  8.    Juri  tor  ftroße. 

Zehand  er  da3  pfaerd  gewan 
180  seinem  schreibaer(e,  an, 

Und  rait  des  morgens  taugenleich, 
der  edel  künig  reich, 
Unz  Räb ,  als  im  der  engel  sait': 
dö  sach  er  die  wärhait. 
85  Was  da3  nicht  ain  stark(ej  rais(e)? 
da3  er  rait  mit  grÖ3er  vrais(e), 
Da3  er  von  der  Bulgarei 
rait  also  gemaches  vrei 
Hin  ze  Raben  in  die  stat, 
90  als  in  der  engel  reiten  bat. 

Er  sprach:  »ich  Got  wol  getrauw(e,.« 

Des  andern  tages  gein  Pa33auw(ej 
Kam  er  von  Raben  geriten, 
nach  Gotes  1er',  mit  guoten  siten. 
95  Als  im  der  engel  het  gesait, 
vand  er  den  wirt  unverzait; 
Er  schuof  im  guoten  gemach , 
mit  guotem  siten  da3  geschach. 
Er  kam  dar  bei  sunnen  schein, 
200  des  dankt'  er  seinem  trechtein. 
Des  äbents  dö  da3  viech  in  gic, 
dö  lief  der  vor*,  er  in  gevie 
Bei  seinem  köpf  und  bei  der  man, 
wan  im  des  voln  Got  wol  gan. 
5  Er  sprach:  »her  wirt,  gebt  mir  da3  ros, 
da3  wil  ich  reiten  veld  und  mos.« 
Dö  sprach  der  wirt :  »herre  mein , 
der  vol'  mak  ze  junk  sein, 
Er  enmag  euch  nicht  getragen. « 
10  er  sprach:  »wa3  well(e)t  ir  mir  sagen? 
Gebet  mir  den  volen  guot.« 
der  wirt  sprach:  »er  eu  laid(e)  tuot, 
Z'wär,  lieber  herre  mein, 
er  muo3  euer  aigen  sein, 
15  Wser'  er  gezemt  und  geriten.a 

der  künig  sprach :  »ich  wil  euch  biten 


I.    $'ubt*$a\\bex.  625 

Immer  durch  den  dienest  mein. 

da3  ir  den  voln  lät  mein  sein, 

Und  gebt  mir  in  in  kurzer  vrist.« 
220  er  sprach:  »seit  er  eu  so  lieb  ist, 

So  sol  er  eu  nicht  sein  versait.« 

dö  kauft   er  in  mit  staetikait 

Umb  guidein  pfenning(e)  guot; 

da3  pfaerd  er  im  ze  leikauf  bot, 
25  Da3  er  het  dar  geriten 

von  den  Bulgern,  mit  guoten  siten. 

£3  was  ain  wunderleich  geschieht, 

da3  er  im  was  erlegen  nicht ; 

Wan  daj  selb(e)  wunder 
30  da3  schreibt  man  billeich  be  sunder. 
Des  dritten  morgens  vruo 

der  künig  berait(e)  sich  darzuo, 

Da3  er  rait  alaine;, 

drät  und  nicht  sain(e), 
35  Hin  ze  Ach'  vür  da3  burgtor; 

da  vand  er  ainen  wirt  davor, 

Der  her  bergt'  in,  als  im  gezam, 

den  worden  künig  lobesam. 

Do  hört'  er  ainen  großen  schal 
40  in  der  stat  liberal 

Von  vloiten  unt  von  singen, 

vqn  tanzen  unt  von  springen 

Wart  da  ain  michel  wunder 

in  den  £333011  be  sunder. 
45  Im  wägt'  der  künig  der  maer(e), 

w,i5  in  der  slat  waer  1 

[Lrsprach:j  MU\5  ^ag' ich  eu  [vürwarj,  herre  mein. 

MO  hoch  zeit  kfind'  nicht  gro3er  sein, 

Den  sol  troo  hie  ergan, 
.')  * J - 1 1  mm  Ml  UM   MED  niaui^  man 

•  1'    Minift  in  die  grögen  stal  • 

IM   >ic   mein  w.m   Ixt  komm   lt.it. 

Den  tili  genonen  linen  man. 
rttrwtt   ich  MI  da3  gesagen  kau. 

r.   d.    IfM,   OftaaaUitaUarr.     II.  ' 


626  8.  Äntl  Tier  tfroßr. 

255  Der  ist  ain  künig  reich(e); 
da3  sag'  ich  eu  sicherleich(e), 
Tr  möchtet  kost'  wol  än(e)  sein, 
wan  man  geit  bröt  und(e)  wein 
In  der  stat,  und  speis(e), 

60  er  sei  junk  oder  greis(e), 
Man  geit  in  allen  genuok; 
den  rossen  man  da3  vuoter  truok 
Ungeme33en  vür  sie  dar, 
des  hän  ich  wol  genomen  war.« 

65  Der  künig  wider  in  dö  sprach: 
»her  wirt,  mag  ich  hinn(e)  gemach 
Haben  mit  hulden,a  sprach  er 
»so  wil  ich  enruochen,  wer 
Die  speis'  vom  hove  nemen  sol; 

70  z'wär,  ich  enbir  ir  wol, 
Ich  hän  wol  die  kost(e)  mein, 
ich  wil  irer  kost'  äne  sein. 
Her  wirt,  kauft  mir  in  der  stat 
die  speis'  umb  pfenning(e)  dräl, 

75  Z'wär(e),  die  sint  guidein, 
her  wirt,  die  lät  von  mir  sein 
Eu  gegeben  ze  eren, 
eur  kost'  die  wil  ich  meren; 
Deu  speis(e)  sol  sich  heint  von  mir 

80  mern,  hai3et  sie  beraiten  schier, 
Da3  euwer  diener  und  eur  knecht 
mein  heint  genie3en,  da3  ist  recht, 
Ir  schaffet  uns  vil  und  g(e)nuok.« 
der  künik  vil  pfenning'  vür  in  truok. 

85  Dö  der  wirt  da3  gold  ersach, 
wider  sich  selber  er  dö  sprach: 
»Diser  herre  ist  ain  edel  man, 
seinen  geleichen  ich  nie  hän, 
Z'wär(e)  ,  mit  den  äugen  mein 

90  gesehen,  er  künd'  nicht  milter  gesein.« 
Dö  deu  kost(e)  ward  berait, 
ze  tische  sa3  er,  als  man  sait, 


I.   f\tbt*$anbtx.  627 

Von  trinken  unt  von  speis(e) 

heten  sie  da3  päradeis(e). 
295      Damit  der  kiinig  des  nicht  enlie, 

als  e5  wart  nacht,  er  släfen  gie, 

Den  wirt  gar  erbaer(e) 

bat  er  umb  ainen  wachtierfe), 

Der  sein  des  nachtes  pfleegfe),» 
300  do  er  an  dem  bette  laeg(e). 

Er  sprach:  »waechter,  tuo  mir  bekant,« 

also  teuw(e)r  er  in  mant', 

Wan  den  kiinig  des  nicht  verdrös, 

er  sprach :  »so  man  den  singÖ3 
5  An  ziech  zuo  dem  tuom(c)  reich, 

so  wekk(e)  du  mich  sicherleich, 

So  wil  ich  dir  ze  miet fe]  geben , 

so  mich  Got  l^e)  leben, 

Diz  vingerlein  guidein, 
10  da3  du  dir  last  enpfolhen  sein, 

Da3  mir  da3  leuten  werd'  bekant, 

du  solt  mich  wekken  zehant, 

Als  lieb  dir  diz  klainot  sei, 

wek  mich,  so  wird'  ich  sorgen  vrei.« 
15  Da3  tet  der  wachtaer'  zehant, 

den  herren  er  slaien(de)  vant, 

Bf  sprach:  »herr'ej  wolgemuot, 

gt6l  Inf,  und  gebt  mir  mein  guot, 

.Man  leutfe  t  den  iingö^« 
-20  den  herren  do  des  nicht  verdroß. 

I.i    teil'  an   sich   sein  reiche  wat. 

den  wii  t  «m  vlei3ig  leiebe    bat, 

ha-,  er  nni  im  gii 

iA  da-,  min  in  iebt  fienf  i 

I.i    war'  do  laider   unhekant. 

den  wirt  den  rieng  er  bei  der  hanl . 

Si<  <  ii   EUO   d«-m   hui  Lf  lor , 

•  I.i    waren   ittri  c    rigel'  vor; 

h<>  befand  d<-i  wnt  ruefen  : 
30  »[her,  |  ir  nuegl  hie  dun  h  »liefen,« 


628  8.  Marl  Her  <&xo%e. 

Sprach  er  zuo  dem  künik  zehant 
»so  wirt  horwig  euwer  gewant.« 
Der  künig  sprach:  »des  acht'  ich  nicht, 
ob  e3  wir(de)t  gar  en  wicht, 
335  Da3  wi33(e)t  sicherleich(e). 
so  sprach  der  künig  reich(e). 
Zehand  er  slauf  ze  dem  tor  hin  in, 
der  herre  het  da  weisen  sin, 
Wan  er  zuo  dem  tuom(e)  gie , 

40  den  wirt  er  haim(e)  gen  lie , 
Und  gie  er  selber  in  den  tuom, 
da3  macht(e)  sein  weistuom, 
Da3  er  z'wär(e)  nicht  verga3, 
wan  er  auf  dem  stuol(e)  sa3, 

45  So  muost'  er  künig  sein  genant: 
auf  den  stuol  sa3  er  zehant, 
Da3  daucht'  in  dö  ain  guot  gewin; 
ob  dem  swert(e)  lie3  er  hin 
Sliefen  die  schaid(e),  da3  ist  war, 

50  er  nam  da3  swert  also  bar 
Und  leit'  da3  über  seineu  knie, 
zehand  der  mesner  zuo  gie 
Und  wolt'  deu  buoch  hervür  tragen: 
dö  begund'  er  gar  verzagen , 

55  Do  er  in  also  sizzen  sach 

mit  blÖ3em  swert,  er  nicht  ensprach , 
Er  gie,  da  er  den  priester  vant, 
und(e)  sprach:  »mir  ist  bekant 
Ain  vraidige3  maer(e), 

60  das  ist  m'r  hart(e)  swaer(e) : 
E3  ist  ain  man  leis(e) 
gese33en,  der  ist  greise, 
Auf  dem  gesegenten  stuol  z'war, 
er  hat  ain  blÖ3e3  swert  bar 

65  Geleit  über  seineu  knie; 
dö  ich  zuo  dem  alter  gie 
Und  ich  in  sach  sizzen, 
do  begund'  ich  aller  swizzen.« 


I.  $ube*i,a\ibtx.  629 

Do  sprächen  die  tuomherren: 
370  »will  du  uns  machen  werren? 

Des  mag  an  uns  nicht  ergän.«  — 

»die  wärhait  ich  gesehen  hän,« 

Sprach  der  mesnaere 

»davon  ist  mir  vil  swsere, 
75  Gelaubt  ir  mir  nicht,  da3  ist  mir  lait: 

get  selb'  und  secht  die  wärhait.« 

Damit  ain  tuomherre  gie, 

der  selb'  ain  Hecht  mit  im  gevie, 

Und  gie  zuo  dem  stuol   unverzait: 
80  da  sach  er  selb(e)  die  wärhait, 

Wan  e3  im  sicher  ward  bekant; 

da3  liecht  warf  er  aii3  der  hant 

L'nt  vlöch  bald(e)  von  im  dan, 

dö  er  sach  den  greisen  man. 
85  Zuo  dem  bischof  er  dö  gie , 

er  sprach  :  »weit  ir  hocren ,  wie 

Uns  zuo  dem  tuom  ist  geschehen!« 

der  wärhait  begund'  er  im  verjehen. 

Dö  der  bischof  da3  erhört', 
DO  der  körherren  wort, 

Dö  eilt'  er  vil  dräte 

»03  seiner  kem'e,näte. 

Gegen  dem  luome(e)  man  dö  gie, 

zwo*  grö^fe]  kenen  man  d<»  ^rvie, 

96   Dr'15  täten  zwcnV    kncchl  l 
und  tauchten  im  vil  rechte 
Hin.  «Li  def  kuni^   »3 
,111!   (lern   BtUOl  .   <t   im  hl    \r1ga3, 

Er  bei  dag  iwerl  alfä  bar . 

100  dag  lagt  11 11  ^  dag  booeh  vür  w.h 

Dö  der   bifCbof  und    Belli    m.in 

kirnen   /uo  dem  stuol(e)  dan, 

l  nd  ei  in  dl  erbtikt(e]  - 
ror  verebten  <t  erscbrikl 

.'»   I  1    ipraeb     <  11    füll   mich    wr,-«ii   l.in  , 

wci  eu  1«  hi  laidea  hab'  getan . 


630  8.  #ttd  tttx  <8>xo%t. 

Oder  wa3  mannes  ir  seit, 
da3  sag(e)t  mir,  wan  des  ist  zeit. 
Seit  ir  ungeheur(e)? 
410  euwer  red'  ist  mir  teur(e). 

Ich  beswer  euch  bei  dem  Gol , 
da3  ir  leistet  mein  gebot, 
Und  sagfejt  mir  recht  an  der  zeit, 
wa3  mannes  ir  seit; 

15  Wan  des  ist  zeit  z(e)wär, 
die  red(e)  tuon  ich  offenbar.« 
Der  künig  antwurt(e)  zehant: 
»ich  was  e  wol  erkant, 
Do  ich  der  künik  Karl  hie3, 

20  an  gewalt  ich  nie  man  vür  mich  lie3.cc 
Zehand  der  bischof  gein  im  trat, 
als  in  dö  sein  will(e)  bat. 
Mit  treuwen  er  gein  im  sprach , 
dö  er  in  rechte  ane  sach: 

25  »Seit  wilkomen,  lieber  herre  mein, 
eur  künft(e)  wil  ich  vrö  (ge)sein.« 
Zuo  im  er  liepleichen  gie, 
mit  arm(en)  er  in  umb(e)  vie, 
Und  weist'  in  sicherleich(e) 

30  in  sein  haus  reich(e), 

Und  hie3  die  glokken  liberal 
leuten,  dö  ward  ain  grÖ3er  schal. 
Dannoch  e3  nie  man  west(e), 
die  künden ,  noch  die  gest(e)  ? 

35  Die  dar  wär(e)n  komen, 

die  heten  disen  schal  vemomen, 
Dö  vrägten  sie  der  maer(e), 
wa$  in  der  stat  waer(e). 
Dö  sait'  man  in  sicherleich(c) , 

40  da3  künik  Karl  der  reich(e) 
Waer(e)  komen  in  die  stat. 
damit  ain  iegleichfer]  gast  bat, 
Da3  man  im  braecht(e)  sein  ros, 
sie  vluhen  veld  und(e)  mos. 


1.   fubf staubet.  631 

44ö  Swer  nicht  moeht'  gereiten, 

der  wolt'  nicht  lenger  beiten. 

Er  viel  die  maur  e,  ze  tal. 

von  den  gesten  ward  ain  schal, 

Da  sie  entrunnen  von  der  stal. 
50  der  bischof  den  künig  bat, 

Da3  er  im  gaebe,  ainen  soll, 

und  der  künigin  wser'e)  holt, 

E5  waer'  gar  an'  ir  schuld  e  . 

da3  er  ir  gaeb'  sein  huld(e). 
öö  Den  bischof  er  gewert'  der  bel(e)? 

und  ward  ir  hold  aldä  ze  stete.  —  —   — 
Dar  nach  in  kurzen  Zeiten 

wolt'  Got  nicht  lenger  beiten. 

Im  sturb'  deu  hausvrauw(e)  sein. 
60  da.5  tet  er  mit  werken  schein. 

Da3  sie  im  lieb  was,  sam  der  leip: 

da3  selb  e    wolgetanfe]  weip 

Hie3  er  baisamen,  da3  ist  war. 

;iin  /.anbei   hei   sie  bei  ir  gar 

6 )  l  iider  der  zungen, 

d<s  teuvels  ordenungen. 
Davon  er  sie  nicht  mocht*     l.m. 
•  •i    maOfl'  al  nacht  mit  ir  iiinb  gan, 
Ah  ain  man  mit  ainem  weib(ej  luot; 
70  er  het  ainen   vertäuten  muot, 

Dag  macht'  das  /a,'ber  da3  sie  truok, 
im    waf    n.ich   ir   s\  r   genuok. 
hoch   west'  nie  man  den   in.er'c), 
wan   zw«  n  •■     k;im  <■  i.ri 

7)  Dm  baid  e    warn  im  baimleicfa  gai  • 
du-  nniosten  die  rrauwen  löten  i'wai 
Badeo  /<■  allei  teil 

abu  i<»t  m;in  sie  üb  teit(ej 
\n  CU3  bei .  <i.i  »1  an  lak : 

SO  mit   d«i    ImIcii   11    d«>  pflaV . 
Ms  ii  h   eu   hau   voi    gcsail 

ird  im  -1.11 11.11  h  i.iii. 


632  8.  &arl  *er  Große. 

Doch  wolt(e)  Got  der  reich(e) 

vil  gar  sicherleichfe) 
485  In  nicht  lä3en  verderben, 

noch  an  der  sele  ersterben, 

Er  hiet  des  guoten  sit', 

da  er  sein  sele  behielt  mit, 

Mit  beicht,  mit  reu  ze  aller  zeit, 
90  swa  er  (vuor)  in  dem  land(e)  weit 

[Vuor],  da  ruwen  in  sein  sünd(c), 

da3  was  ain  guot  urkünd(e). 

Doch  wolt'  er  der  sünd'  nicht  lau, 

die  ich  eu  vor  gesag(e)t  hän. 
95      Doch  ze  ainer  zeit  da3  geschach , 

da3  man  vor  im  mess(e)  sprach, 

Da3  tet  ain  bischof  der  was  guot, 

dö  kam  ain  taub(e)  deu  was  vruot 

Vür  in  auf  den  altar 
500  deu  brächt'  ainen  briet  [der  was]  offenbar, 

Der  brief  mit  gold(e)  was  erhaben 

gar  mit  schoencn  buochstaben: 

Da  was  deu  sünd'  geschriben  an, 

da3  der  künig  nicht  wolt(e)  län 
5  Von  dem  toten  weibe, 

we  geschach  ir  sei',  ir  leibe. 

Der  bischof  ob  dem  alter  was, 

den  brief  er  (dö)  schön(e)  las. 

Do  er  die  mess(e)  gesank , 
10  er  sprach:  »jr  habt  ainen  wank, 

Her  künig ,  lieber  herre  mein , 

der  euwer  sei'  muo3  schad(e)  sein.« 

Künik  Karl  der  best(e) 

sprach:  »(s)wa3  ich  [meiner]  beicht(e)  west(e), 
15  Die  hän  ich  eu  kund  getan.« 

dö  sprach  der  bischof:  »lieber  man, 

Ain  sünd(e)  habt  ir  mir  verdait 

und  habt  ir  mir  noch  nicht  gesait, 

Die  hat  mir  Got  von  himel  reich 
20  kunt  getan  gar  sicherlich- 


I.  fubeöjaubrr.  633 

Ain  vrauwen  habt  ir,  deu  ist  töt? 

davon  1111103  euer  sel(e)  not 

Leiden  und  fauch)  euwer  leip, 

da3  ir  habt  ain  töte3  weip.« 
325  Der  künig  sprach:  »lieber  herre  mein, 

mein  sünd'e)  kan  nicht  grÖ3er  gesein ; 

Ich  kan  mich  nicht  geänen  ir  leip, 

nie  lieber  ward  mir  kain  weip, 

Mein  leib  mag  sich  ir  geanen  nicht, 
30  swa3  mir  halt  darumb  geschieht.« 

Der  bischof  sprach:  »gebt  mir  ain  lc[hc]n, 

lät  mich  selber  da5  weip  sehen, 

l'nd  gebt  mir  da3  ze  lön'e), 

ob  ir  leip  noch  smek  schönfej.« 
35  Der  künig  sprach:  »das  tuon  'cn  diät.« 

er  tet  auf  die  kem'ejnät 

l'nd  weist'  in  zuo  dem  bette  hin. 

da3  daucht'  den  bischof  ain  guot  sin. 

Des  küniges  bett(e)  da3  was  tief, 
40  deu  vraiiw'e)  lag,  als  ob  sie  slieP. 

Di  von  der  künig  het  sie  vür  vol. 

»smekk(e)t  ir  der  mund  wol ,« 

Sprach  der  bischof  »herre  mein?« 

der  künig  sprach:  »das  sol  sein, 
15  Ir  mue3t  e3  sehen  sicherleich.« 

also  sprach  der  künig  reich. 

Det  hischot  tet  ir  auf  den  munt, 

•  In  w.inl  im  .111  der  stat  kunt 

h.15  laober  an£  dem  mund Vi  viel, 
><>  m  dei  gro ■-,  <•    sam  ain  schiel. 

/..■  band  <i"  das  ako"  gesebach, 

der  bifcbol  und  der  künig  sach, 

h.15  sie  viel  ie samen  in  der  gebtei  1 
'ii  sie  ranl  irew  1 
• »  \  01  ainen  Dalben  jar, 

also*  ward  sie  /.<•  aacben  gai 

Dem  künig  begund'  sie  widei  stan, 

1 1    pii«  b :  »waj  ich  lieb4  100  ir  bau , 


634  8.  #tttl  tot  ^ru^e. 

Die  hän  ich  (nü)  al  vcrkorn; 
560  sie  het  mir  leib  und  sei'  verlorn, 
Sie  stinket  sam  ain  vauler  hunt, 
ir  böshait  ist  mir  worden  kunt.« 
Darnach  deu  buo3(e)  muost'  ergan 
dem  künig,  wan  er  het  sünd'  getan 
65  An  dem  toten  weib(e), 

des  muost'  er  mit  sei[ne]m  lcib(e) 
Bue3en  also  ser(e), 
der  edel  künig  hcr(e), 
leiden  muost'  er  grÖ3(e)  not 
70  unz  auf  seinen  tot. 


II.   Naturreclit. 

li.arl  war  der  beste  Richter,  so  man  je  gesehen.  Ueberall  wo 
er  war,  rausle  man  eine  grofse  Glocke  aufrichten,  die  jeder  läuten 
konnte,  der  Gerechtigkeit  verlangte,  und  deren  Klang  ihn  sogleich  an 
Gottes  Gericht  mahnte. 

Eines  Tages,  als  er  am  Mahle  von  Hühnern  und  Fischen  safs.  er- 
klang die  Glocke,  und  Karl  wollte  sogleich  dem  Armen,  der  ihn  so 
anriefe,  jede  l'nbill  richten.  Die  vier  Hüter  der  Glocke  traten  hervor, 
sahen  aber  niemand  ,  und  meldeten  es  dem  Könige.  Indem  läutete  es 
abermals,  und  Karl  drohte  den  Hütern  den  Tod,  wenn  sie  ihm  nicht 
den  Mann  brächten,  der  da  läutete.  Die  Hüter  spähten  überall  umher, 
konnten  jedoch  niemand  entdecken,  und  brachten  dem  Könige  die 
Nachricht.  Da  läutete  es  zum  drillenmale,  Karl  drohte  den  Hütern 
allen  nochmals  den  Tod ,  wenn  sie  den  Mann  nicht  herbeischafften. 
Diese  belheuerlen  ihre  Unschuld,  und  suchten  abermals  vergeblich:  da 
schaute  einer  von  ihnen  in  die  Glocke,  und  sah  darin  eine  lange  Natter, 
die  sieb  um  den  Klopfel  schlang,  so  dafs  sie  die  Glocke  läutete.  Diefs 
Meldeten  MC  nun  dem  Konige,  der  ein  Gotles-Wunder  darin  erkannte, 
und  die  Thür  aulzulhun  gebot.  Alsbald  schlüpfte  die  Natter  herein, 
und  nahte  sich  dem  Könige,  der  ihr  kein  Leid  zu  thiin  gebot,  woraul 
lie  -ich  zu  seinen  Pfiffen  legte.  Karl  erkannte  daran,  dafs  sie  Gericht 
w»n  ihm  retlange;  CT  redete  sie  an,  und  beschwur  sie,  ihm  ihr  Leid 
kund  /ii  thun      Hicraut  i^ienj.'  die  Natter  wieder  hinaus;    Karl  hiefs  die 

rier  Bfitei  lie  begleiten,   nnd  sie  folgten   ihr  in  einen  Baumgarten  bis 
m  ein  Dickicht    dii  kbrteu  die  Hüter,  und  laben  nun,  ^ie  eine 

Kröte  breit   uber  den  Eiern  der  Natter  la^.    Da  trieben  lie  die  Kröte 
mit  maiiiiicni   Beklage  bii  rot  den  Konig  bin;  der  biefa  alsbald  einen 
-  durch  <iic  Kröte  Mofa  i 

\s  ie  gewall  ig  der  gerechte  König  war,  dennoch  konnte  er  den  Wie 
Mag  in  der  Well  nicht  verbieten.   Unihn  Ofterland  Üesterreich 
i>t  wenig  davon  bekannt;   Ja  lind  nur  zwei  Beebtsbräucbe:  man  i^ibt 
/*o  Nadeln  für  cm  j-.i  .  und  iveei  .Mite  Heiler  im  einen  Pfennig. 


IL 

Karies     r  e  ch  t. 


Doch  was  er,  mit  der  swaer(e), 

der  bestfe)  richtaer(e), 

Den  ie  kain  aug(e)  het  gesehen, 

des  muost^e)  man  im  dö  jehen, 
5  Swä  er  was  oder  belaip, 

mit  gericht  er  nie  man  vcrtraip. 

I);i.5  was  an  im  ain  dank. 

ain  grÖ3(e]  glok  deu  laut  erklank 

[Die]  miiost"'  man  auf  richten,  swä  er  was, 
10  davon  er  an  der  sele  genas. 

Die  glokken  het  er  durch  die  armen. 

die  begunden  in  erbarmen, 

Wann'  er  sie  hört'  klenkcn, 

l£  begund'  er  gedenken 
15  Au  Gotei  zorn  und  an  sein  gericht', 

des  muost'  er  richten  nach  der  sucht'- 
Ains  taget  sa3  er  ob  dem  tisch, 

dl  er  33  huener  nod(eJ  visch, 

AU  von  recht  ain  kiinig  sol, 
2S)  die  glokken  hört'  er  klenken  wol. 

Li    iprtcfa :   '  dlZ   iffl  UO  arm   man, 

hat  man   den   laides  icht  getan. 

Dt5  rieht'  ich  lobön,  lau  nir  mein  leip, 
i  man  odei  weip." 
i >  /••  band  die  tmtt»m 

i!    bei  105  an'  sw.er  e, , 


638  8.  Äarl  tor  ®xo%<. 

Unt  täten  des  armmannes  war, 
deu  glokk(e)  aber  offenbar 
Het  geklenket  umb  da3  recht: 

30  sie  sähen  weder  weib,  noch  knecht. 
Da3  täten  sie  irem  herren  kunt. 
deu  glok  klenket'  ander  stunt; 
Er  hie3  sie  aber  herau3  gän, 
er  sprach:  »bringt  ir  mir  nicht  den  man, 

35  Dem  laid  und  not  ist  bekant, 
z'wär,  ich  toet(e)  euch  zehand.« 
Do  sie  des  künges  red'  vernämen, 
wie  schier  die  vier(e)  kämen, 
Die  der  glokken  pflägen, 

40  die  getorst'  des  nicht  betragen, 
Sie  muosten  umb(e)  schauwen, 
ob  e3  waer(e)n  man  oder  vrauwen  , 
Wer  die  glokken  klankt(e), 
ir  iesleicher  sich  zetal  sankt(e), 

45  Ob  sie  ieman  saehen, 

da3  sie  dem  künig  verjaehen: 
Nie  man  sähen  sie  da. 
sie  sähen  auf  und  anders  wä: 
Da  künden  sie  nie  man  spehen, 

50  den  sie  mochten  da  gesehen. 

Do  giengen  sie  vür  den  künig  stän, 
sie  jähen:  »wir  sehen  nie  man, 
Der  die  glokken  hat  geklenkt; 
unser  iegleich[er]  het  sich  gesenkt , 

55  Ob  wir  ieman  seehen, 
da3  wir  des  verjaehen: 
Nu  sehen  wir  nie  man  an  der  stunt. « 
da3  klenken  ward  im  aber  kunt. 
Da3  was  ze  dem  dritten  male  dö. 

60  der  künig  tet  in  manigen  drö, 

Er  sprach:  »bringt  ir  mir  nicht  den  man, 
der  dise  glokken  klenken  kan, 
Z'wär,  ich  hai3',  mit  noeten 
euch  all(e)  vier(e)  treten.« 


II.   tUtnrred)t.  639 

65  Do  giengen  sie  aii3  schier(e) , 

die  knappen  alle  vier  e  . 

In  tet  deu  ang^e)st  grc^e)  not , 

sie  jähen:  »sül[le]n  wir  ligen  tut 

l'mb  die  gro3en  unschuld(e), 
70  su  geb'  uns  Got  sein  huld(e)!« 

Also  ainer  zuo  dem  andern  sprach. 

der  ain  in  die  glokken  sach. 

Und  sach  da,5  ain  nater  lank 

sich  umb  den  klechel  swank, 
75  Davon  muost'  deu  glokke  klingen. 

damit  begunden  sie  dringen 

Hin  wider  vür  den  künig  guot. 

»ist  ieman,  dem  man  schaden  tuot,« 

Sprach  der  künig    »den  hai3t  her  gän 
HO  ich  wil  im  gerichts  nicht  ab  gestän.« 

Die  hueter  jähen  im  zehant: 

»her,  uns  ist  da3  wol  bekant, 

Da.5  bei  der  glokken  ist  nie  man, 

iran  ain  nater  wir  vunden  hau. 
85  Deu  swingt  sich  umb  den  swenkel  gn>3 

unt  tuot  der  glokken  ainen  9I03: 

K3  ist  ain  greulich  kunder.« 

1X1*3  l>l  Goto*  wunder ;« 

Sprach  der  künik  Karl  dö 
90  ^ic  mag  sein  traurig  und  unvro, 

W  111  11    mag  sein   lai<l  geschehen. 

des  sie  mir  wil  gar  m-i  jenen« 
Tuot  .ml  die   fui     l.it   si<-  hei  in. 
iefa  1M103  besehen   recht  ir  mh; 
I  >  \\  .15  Gol  beschaffen  wei  mii  ir . 
dag  bin  ich  besehen  schier. 
Und  wie  eg  hie  mit  ir  gevai  . 

lief   Milien    wir   inrririi    war." 
I>"   -Mc   «Ich    nalci    \i;iisam 

HM)  \<m  dei  glokken  <me  schäm 

l  nl    k<  1 1  e     iM'in   "In    Im    hm  j 

dei   künig  bie3  sie  lasen  in . 


640  8.  Marl  ter  <&n>&e. 

Er  sprach:  »wa3  tuot  deu  nater  lank? 
sie  hat  ainen  aisleichen  gank.« 
105  Do  sagten  im  die  herren  reich: 
»sie  get  gein  eu  sicherleich.« 
Do  verbot  der  künig  da3, 
da3  sie  ir  icht  truegen  ha3, 
[Doch]  ir  nie  man  lait  taet(e). 

10  da3  gebot  belaib  an  ir  staet(e). 
Der  künig  zuo  den  seinen  sprach : 
»der  nater  tuot  nicht  ungemach 
Kain  mensch(e  hie)  vor  mir. 
ir  herren  sag(e)t  (ir)  mir  schier, 

15  Wa3  diseu  nater  tuo.«  — 
»sie  get  (ge)gen  eu  iezuo 
Und  leit  sich  nider  an  den  VU03; 
vürwär  ich  eu  da3  gesagen  mu03.cc 
Do  sprach  der  künig  reich: 

20  »sie  gert  genäden  sicherleich, 
Und  wil,  da3  ich  ir  richt(e) 
und  ir  iren  kumber  slicht(e).« 
Er  sprach;  »dir  sol  geboten  sein, 
da3  du  mir  zaigst  den  kumber  dein; 

•25  Bei  Got,  dem  nichts  verborgen  ist, 
tuo  mir  bekant  deinen  list, 
Wa3  dir  laides  werr(e).« 
also  sprach  der  herre. 
Deu  nater  gie  von  im  herdan; 

30  dö  sant'  er  ir  nach  vier  man, 
Da3  sie  besaehen  da3  wunder, 
wa3  ir  waer'  be  sunder. 
Des  begunden  sie  warten: 
sie  gieng[en]  in  einen  bäum  garten 

35  In  ain  dikk(e3)  staudach, 
da  sie  nie  man  inn(e)  sach; 
Da3  zervuorten  (da)  die  man, 
die  dar  wär(e)n  gegan 
Mit  ir,  da3  sie  sehen  wolden, 

40  wa3  sie  dem  herren  sagen  solden: 


IL  tlaturred)t.  641 


Do  sahen  sie  ain  kroten  brait; 
di3  was  'däj  der  na  lern  lait, 
Wan  sie  ob  irn  aij(e]rn  lak. 
der  kroten  tet  man  manigen  slak , 

115  Und.  brächt'  sie  vür  den  künig  hin; 
da3  was  der  kroten  ungewin; 
Der  künig  richte)  ir  zehant; 
ainen  sph  man  durch  sie  verswant 
Da3  schuof  der  künig  Karl  guot; 

50  des  ward  deu  nater  wol  gemuot. 
S)wie  gewaltig  der  künig  was, 
als  ich  an  dem  buoch/e)  las, 
Doch  kund'  sein  gebot  manikvalt 
under  sten  nicht  den  gewalt , 

55  Als  ich  vür  war  gesprechen  mak, 
da3  er  nie  den  wider  slak 
Rund'  in  der  weilt  verbieten, 
die  weisen  im  da  rieten, 
Kr  soll'  den  wider slag  understan: 

(>0  des  mochte,  Wierleich  nicht  ergän. 
Iris  ist  vil  lüzzcl  bekant 
waerleich  in  dem  Osterlant, 
Der  recht  ej  sint  neur  zwei: 
man  geil  zwo  nadel'  umb  ain  ai; 

!)  M  in  _ .  *  t  umb  ainen  pfennink,  — 
da3  ist  ain  \\  tr  «•  3  dink  — 
/.wi'iii'    belbliog',  siot  sie  guot, 
daran   nie  rinn  schaden   lUOt 


4      llmgt»      '■"■«•ii'    ..lru»r        II 


II 


9 


Salami  n. 


Sdladin  war  der  mildeste  König,  er  gab  alles  hin,  Rosse,  Kleider 
Gold,  Silber  und  Edelgestein,  so  dafs  er  nur  einen  Tisch  behielt.  Das 
war  ein  Saphir  drei  Ellen  lang  und  zwei  Ellen  breit,  auf  einem  gol- 
denen Gestelle.  Alle  bewunderten  ihn,  wenn  man  ihn  vor  den  König 
hinsetzte,  und  mancher  Fürst  hätte  ein  Land  dafür  gegeben.  Saladin 
hatte  zehnlausend  Pfund  Goldes  Einkünfte,  litt  jedoch  Noth  durch  seine 
Freigebigkeit,  indem  er  Keinem  etwas  versagte. 

Bei  aller  Milde  ward  er  todtkrank.  Er  liefs  die  Aerzte  kommen,  die 
beschauten  seinen  Harn,  und  erkannten,  dafs  er  nicht  genesen  könne. 
Da  ward  er  traurig  und  besorgt  für  seine  Seele.  Er  zweifelte:  wenn 
er  sie  Machmet  empföhle,  so  wäre  es  der  Christen  Spolt,  die  ihren 
Gott  für  mächtiger  hielten;  dagegen  die  Juden  ihren  Gott  als  den 
stärksten  priesen:  wer  unter  diesen  dreien  ihm  Sicherheit  gewähre, 
dem  wolle  er  seine  Seele  geben,  und  die  andern  beiden  verlafsen. 
Er  verhiefs  demselben  Gott  auch  seinen  lisch;  weil  er  jedoch  keine 
Entscheidung  darüber  erhalten  konnte,  so  beschlofs  er,  den  edlen 
Stein  allen  Dreien  zu  theilen.  Er  liefs  den  Tisch  bringen  und  durch 
cm  Beil  in  drei  gleiche  Theile  hauen.  Er  gab  dem  Machmet,  dem 
ChrutengOU  und  dem  Judengolle  jedem  ein  Theil,  und  sagte:  wer 
nun  der  -iirk>te  sei,  der  möge  ihm  helfen,  sei  es  der  Heiden,  oder 
Christen,  oder  Juden  Gott.    Damil  schied  die  Seele  von  hinnen. 


S  a  1  a  t  e  i  n. 


Ich  kan  eu  waerleich  nicht  verdagen, 

von  ainem  künig  c)  wil  ich  sagen, 

Der  was  gehai5cn  Salatein, 

z'wär,  der  kund'  nicht  milter  gesein* 
5  Er  gab  ros  und  (auch)  gewant, 

so  man  sie  wol  vail(e)  vant, 

Silber,  gold.  [edel]  gestaiu(e) 

gab  er  alles  gemainre), 

Sein  milt'  sich  nicht  vor  eren  spielt, 
10  wan  er  neur  ainen  tisch  behielt, 

Der  was  ain  safir  grÖ3, 

da3  nie  man  vand  seinen  genÖ3, 

He33er  dann'  ain  rubein ; 

kainjes]  hört  kund'  nicht  be33er  geseiu, 
15  Wan  der  selbfe)  tisch  was. 

sein  leng(e;  ich  geschriben  las: 

Kr  WM  dreier  elen  lank. 

zun  dem  tisch  was  inanig  drank, 

Dö  man  in  vur  den  vürsten  truok , 
3 »  t6  bei  er  ichauw(e)r  gcnuok. 

Sein  weile    wil  ich  eu  mc53en  , 

des  nag  ich  [eu]  nicht  fergeggeo 

Wan  et   w;is  au  der  selben   zeit 
wol    zwei  er  eleu    weit. 

I  >  &  in  _<  itell(ej  wai  von  goM 

|J|    t&    Gol    wuiiselieli    sold'ej. 


648  9.   Salritn. 

So  reichen  (tisch)  nie  man  sach, 

als  es  manik  vürst(e)  jach, 

Wer  disen  tisch,  den  stain  erkant', 

30  er  sprach:  »ich  nsem'  in  vür  ain  lant.« 
Der  her  was  milt,  als  man  im  jach, 
so  milte3  herz(e)  nie  man  sach, 
So  er  het  in  dem  leib(e)  sein, 
unt  tet  da3  mit  werk(e)  schein; 

35  Wan  vor  milt'  im  nicht  belaip, 
den  hört  er  allen  von  im  traip. 
Ich  sag'  eu  alle[n]  sein  gelt, 
da3  er  in  steten  und  in  velt 
Het  vil  sicherleich(e), 

40  der  edel  künig  reich(e), 

Zehen  tüsent  pfund  goldes  rot: 
dabei  laid  er  grÖ3(e)  not 
Und  gebresten,  von  der  miltikait; 
wan  grÖ3er  gab'  was  er  berait, 

45  Er  versait'  sein  gäb(e)  nie  man, 
vür  war  ich  eu  da3  gesagen  kan, 
Dem  gab'  er  miltekleich(e)  tet, 
nie  man  verzech  er  seiner  bet', 
Wan  milter  herz'  ward  nie  gesehen, 

50  des  muo3  ich  von  schulden  jehen. 
(S)wie  milt  der  selb(e)  herr(e)  was, 
doch  wart  er  siech,  und  nicht  genas; 
Do  im  deu  krankait  was  bekant , 
nach  guoten  maistern  er  dö  sant' 

55  Und  hie3  sie  seinen  brunnen  sehen, 
sie  begunden  alle  jehen, 
Da3  er  sicher  nicht  genesen 
möcht',  er  mueste  tot  wesen. 
Dö  ward  er  also  sßr  geklait; 

60  vrauwen,  ritter  und(e)  mait 
Klag(e)ten  nicht  ain(e), 
die  vrauwen  algemain(e) 
Und  da3  volk  alle3  gar, 
wan  deu  red(e)  ist  (al)wär, 


9.    Salafctii.  049 

65  Heten  umb  in  ain  solich  klagen, 

da3  ich  e$  nimmer  kan  gesagen. 

Do  der  vrum;e)  haiden 

gesach,  da3  er  solt'  schaiden 

Von  er(e)  und(e)  von  guot. 
70  dö  wart  traurig  sein  muot, 

[Wan]  sein  leben  wolt'  im  laiden, 

er  sprach :  »sol  ich  nü  schaiden  , 

So  muo3  ich  des  verjehen, 

wie  sol  meiner  sei'  geschehen? 
75  Wer  sol  der  pflegend(e)  sein, 

so  sie  schaidet  von  dem  leib(e)  mein, 

Wer  püigt  ir  danne  ze  stet(e)? 

sol  ich  sie  Machmet(e) 

Enpielhen,  da3  ist  der  Kristen  spot, 
80  die  jehent,  da3  ir  herre  Got 

Sei  so  stark  dan  Machmet, 

also  resleicher  Kristen  red(e)t. 

So  ist  mir  da3  wol  bekant, 

Da3  die  Juden  (aljzehant 

85  Jehent,  das  'r  *J°l  sterker  sei. 

welh[er]  under  den  [dreien]  mich  sorgen  vrei 
Macht,  dem  wil  ich  mein  sel(e)  lau, 
und  disen  zwai(e)n  ab  gestän. 
Nu  ist  laider  diser  streit 
90  wider  den  Juden  LKristen]  zc  aller  zeit; 
Die  (Kristen]  jehent  sein  auch  nicht. 
da3  ist  sin  jaemerlcich  geschieht; 
Ovsr.   wett4  ich  den  DMBrefe), 
welher  der  teur  e,st  Wffil  e  - 

86  Dem  wolt'  ich  meinen  lisch  geben 
In*  lllei  band  ej  widerstreben. 

Seit  ich  den  [ rechten]  nicht  enwi33cn  kan 
und  ich  ir  aller  zweivel  hau, 
84  wil  ich  den  cdelfe,n  stain 

loo  in  tauen  (allen  drein]  genuin, 

Ich  'main'y,  der  tisch    der  dl  ist  mein, 
/.'war,  der  1111103  ir  dreier  sein." 


650  9.    Saltttitn. 

Den  tisch  hie3  er  vür  sich  tragen , 
[z'wär]  da3  kan  ich  eu  vür  war  sagen. 
105  Ain  beil  da  berait(e)  wart, 
dö  ward  lenger  nicht  gespart , 
Den  tisch  hie3  er  mit  hnil 
lauen  in  dreu  tat!. 
Da3  ain(e)  tail  gab  er  ze  stet 

10  seinem  got(e)  Machmet; 

Da3  ander  tail  [gab  er]  än(e)  spot, 
gab  er  durch  der  Kristen  Got; 
Da3  dritte  tail  gab  er  gar 
vür  der  Juden  Got  z'wär. 

15  Er  sprach:  »swelher  sterker  sei, 
der  muo3  mich  tuon  sorgen  vrei; 
Wan  ich  nicht  be33ers  wi35en  kan.« 
also  sprach  der  vrum(e)  man 
«Und  sei  der  Got  der  haiden 

20  gewaltig,  der  muo3  mich  schaiden 
Von  meinem  ungemache  gar , 
wen  mein  sei'  von  hinnen  var; 
Sei  aber  der  Kristen  Got  [Got] 
gewaltig,  der  helf'  mir  au3  not; 

25  Sei  aber  Got  der  Juden  reich 
gewaltig,  der  helf  mir  sicherlich: 
Der  muo3  mich  nicht  von  im  verlän!« 
damit  deu  sele  schict  von   dan. 


f  t  $  a  v  1 1  n , 


Anmerkungen,  Berichtigungen  und  Nachträge. 


Lesarten. 

XXI.      Das  Häselein. 

Str  ajt  bur  g  er  Sammlung  o. 

1.  vergeben.  Vgl.  Gottfrieds  Tristan  1  IV.  2.  go^es. 
3.  Genemet.  * befser  mr^en:  verwa3en.  4.  Men.  6.  nidem. 
zobüa.  10.  Und?.  12.  micA.  13.  nidere.  15.  hau.  16. 
n?/t  (öfter).  19.  sprengen.  22.  gwnsf.  27.  36.  Und?. 
3S.  nettes.  40.  Unde.  43.  mitte.  44.  i.  s.  h.  48.  glueget. 
öl  m?n.  53.  Zwo.  70.  gn/?ste  sü  sü.  (?neist).  71.  üch 
(meist).  81.  Do.  89.  schrin?:  vingerline.  95.  (jem?/sehet. 
96.  */*<?*  v/13.  109.  22.  Und?.  23.  do.  25.  cizoigen.  26. 
an  in.  29.  sitte.  30.  ma/jse.  33.  *  A^/irr  selbe».  36. 
EwpfaDgeo  nette.  38.  do.  42.  im?  (kann  überall  bleiben). 
44.  Stalle.  51.  Io?belichen  lebend.  52.  minnewcl.  56. 
Bitz?.  60.  zi/.  63.  Bitz?.  65.  suo/tt.  67.  *  befser  yarnes. 
73.  im?.  75.  nach  nu^?n  —  mal:  twal.  80.  wer.  81. 
W.  ,4.  92.  \\»rde.  96.  oeben.  97.  hette.  202.  rfohter. 
6.  muote.  IS.  23.  hette.  19.  geritten.  21.  27.  Und?. 
28.  Gehebet.  32.  Deinen.  33.  su/fenl.  37.  do  mitte.  17. 
Erfülle.  W.  erbitten:  litten.  50.  Men.  53.  belle.  61. 
reinen  minne*.  64.  die  mere  b.  vereint.  68.  minnencl. 
70.  },;il,«7.  75.  ünde.  79.  hell.  81.  do  für  daz.  82. 
halle.  89.  Unde  bet  93«  Unde.  95.  *  befeer  Bcbcenen. 
96.  b?t  —  do.      304.  wilei  wiir.      6-  Men.      7.  weninge. 

I  h 1,1  Rede  der  Mutter.  \>.  und?.  19.  froeilicne. 
20.  Die.  96.  eefrtint  i~i.  Unde—  megede  (kann  bleiben) 
ichappe/fin.  29.  b.  ras\  d.  meraf.  33.  1  nde.  34.  und. 
38.  priifet.  M>.  /Ute.  19.  51.  do.  58.  mitte  so. 
Do.  .'is.  beato  66.  'gedabte  (ist  ><i<i>r  fehlerhaft).  6<x. 
73.  dohie\  (wieigt).  ~\.  werbt  76.  wolle*.  79.  Wilr 
lafllenl.  M.  habe«.  82.  tagende,  st.  sitzen.  99.  geritten: 
siften.  94.  wmrl  der  do.  98.  Vnde  I.  unde.  101.  Vnde 
moehte.  :>.  bette:  stete.  8.  12.  belle.  II.  ernestes.  16. 
•  be/ser Träge.  20.  game/n  isf  Druckfehler.  _1.  wert' sich. 
23.  auf,  2s.  in//.  3|,  Vnde.  33.  der  Dach.  36.  Vnde. 
io.  Helle  sü  gehebel      '*2  ein«        .■».  brualust.     67.  der. 


654  fesarten.     XXI. 

470.  wonrfen.  72.  w?*rt  —  men.  73.  Vnde.  75.  oeben. 
77.  koeiflich.  79.  er  s\t  ir.  80.  Der.  85.  waren*.  86. 
so.  87.  wurden.  88.  Welle  ime.  (  Vielleicht  in  für  wie). 
95.  hüben.    501.  kappeüane.    6.  oeftentlich. 

XXII.      Der  Sperber. 

Handschriften:  Heidelberger  Sammlung  (H.)  192.  Coloc%aer 
Abschrift  (C.)  125-  S  t  r  afsbur  g  er  Sammlung  (St. J  21.  Wiener  Samm- 
lung (W.)  14;  lnsbrucker  Abschrift  (I.)  1£.  D  re  sdner  Sammlung  (/}.}  1. 
Lafsbergs  Liedersaal  QL  ~)  31.  -fl*i</fr«'  W«  ener  Papierhandschrift  Nr. 
270,  ß/.  r>8  — ßi)  hinter  Labers  Jagdgedicht  (Wn.)  Berliner  Pergament- 
handschrift  (B.y  vor   Gottfrieds  Tristan  4,   ins  Niedtnheinische  umgeschrieben 

Ueberschrift:  Ditz  ist  ein  schonez  mere  Von  einem 
sperwere  H.  Ost  beim  Abdruck  übersehen).  Ditz  buchel 
heiset  der  sperwer  Des  sit  furwar  gewer  C.  Hie  hebt 
(sich)  an  der  (von  dem)  sparber  WI.  Hie  hebt  sich  an 
der  ritter  mit  dem  sperwer  Wn.  Der  vrouwen  sperwere. 
B.  Folgenden  Eingang  hat  allein  Wn:  DI.  czcit  schul 
wir  vertreiben  Pey  wol  gemneten  weiben  Da  nicht  mag 
an  gewezzen  Do  schol  man  singen  oder  lezzen  Oder  sagen 
ettewaz.  Zu  chürczcweile  vmb  daz  Ob  ein  manichcz  ge- 
denche  Daz  im  chan  sorgen  chrenche  Daz  er  sich  travren 
mazze  Vnd  die  weile  da  von  lazze.  1.  Als  mir  (vns)  e. 
m.  i.  (ward  D.)  H.  B.  L.  Wn.  2.  Gar  H,  PTar  L,  Nit 
defi  D,  Für  e.  (de)  gantz(e)  w.  W.  B.  3.  eyne  lügene  B. 
lügen  Wn.  N.  den  v.  e.  bysp.  D.  Vnd  auch  mit  surem 
sp.  L.  4.  hübsch(e)  L.  D.  R,  eben  W.  ist  für  ouch  Wn. 
vn  siwebel  W.  5.  sag  H.  B.  W.  Wn.  D.  ew  es  ff,  id 
uch  B.  sait  auch  W.  Wn.  L.  D.  6.  So  W.  D.  gelcrne(n)t 
so  sagern  t  B.  L.  D.  [ouch]  H.  7.  [h.  v.]  H.  L.  B.  m. 
mir  s.  L.  a.  mir  ist  ges.  B.  Als  vns  fürwar  i.  gcs  Wn. 
8.  inde  wale  B.  u.  gemeit  W.  7.  8.  Ez  w.  e.  kl.  a.  m. 
s.  G.  u.  darzü  w.  b.  D.  [9.  10.]  W.  9.  Erbuwen  L.  D, 
Gebuwet  harde  w.  B.  10.  [man]  D.  B.  durch  r.  D.  e. 
kl.  v.  r.  H.  13.  w.  schone  vr.  B.  14.  gote  Wn.  B.  m. 
minnc  D.  [13.  14.]  D.  B.  [15.  16.]  ß.  15.  legliche(w) 
L.  W,  lellichu  nach  D.  Cze  einer  iczleichen  l.  Wn.  tag 
ff.  16.  got  w.  H.  W.  D.  L.  17.  [a.]  H.  L.  B.  best  H. 
W.  D.  18.  Si  m.  W.  Wn.  B.  D.  L.  m.  [sich]  auch  Wn. 
B.  19.  Als  W.  B.  musten  L.  man  n.  soit  D.  20.  Nehen 
of  B.  Ain  alter  L.  (meint  nsejen  aide).  Von  seiden  b.  brin- 
gen Wn.  So  musten  si  b.  ff.  21.  Alder  w.  L,  Of  wirken 
ß,  Vnd  w.  H.  in  D.  22.  sin  für  des  L.  Wn.  d.  w.  f>. 
Ir  yeg(e)leieh  wolt(e)  sich  (sere)  scham(en)  W.  B.  23. 
Daz  si  m.  W.  Die  aber  m.  Wn.  [da]  L,  do  B.  war  L. 
W,  waren  H.  D.  Wn.  w.  m.  D.  plibfi  D.  B.  24.  Si  H: 
B.  D.  Si  hett  entworfen  ald  geschr.  L.  of  si  sehr,  ß,  vn 
sehr.  ff.   W.  [25.  26.]   Wn.       25.  Ir  i.   B    D.    eigelich  ff, 


fesartnt.      XXII.  655 


ictlichu  D.  Ettiieh  hant  ir  L.  irre  B.  aht  H.  D.  L.  Alle 
in  iren  achten  W.  26.  Worht  H.  L.  Ygliche  w.  nach  ir 
m.  L.  macht  L.  D.  geniaht  H,  Was  si  gutes  m.  D.  Si 
worchten  als  si  machtn  W.  [27 —  34.]  B.  D.  27.  [ez]ü. 
w.  m.  also  g.  L.  Als  in.  nu  i.  g.  Wn.  28,  wonh.  Wm. 
29.  enkain  Z>?  chain  W,  [n.]  chainer  slachte  in.  JJ~.  30. 
getorst  i/,  soiti  L.  nicht  enkam  IF.  31.  Nach  Wn. 
chainer  hande  s.  Wn.  ^ench.  slachte  s.  W.  L.  sach : 
gemach  H.  32.  warn  da  Wn.  lebtn  W.  33.  Inderhalben 
H.  Inreth.  der  kloster  L.  35-.  cheinev  k.  nicht  h.  Wn. 
ki  dehein  H.  Da  k.  ir  chaine  nymmer  v.  ir.  Das  ir  kaini 
kam  h.  L.  35.  [Wan]  Wn,  Vnd  D.  am  p  t  Wm,  D.  ampter 
L.  a.  da  D.  36.  Vnd  an  —  wie«  1.  D,  Dar  an  d.  w.  1. 
in*.  Vnd  die  n.  witzig  waren  L.  35.  36.  Wan  die  wol 
chomen  warn  Zu  iren  gantzen  iarn  W.  [35.  36.]  B.  37. 
Sie  Wn,  Die  andern  W.  inrenlh  L,  inderth.  Wn.  inner- 
halb W.  Das  ir  vrome  müchte  sin  B.  38.  Do  Wmy  So 
leide  ir  /?.  schuim.  II".  Wn.  B.  D.  L.  maistrin  W.  Wn. 
D.  B.  [39.  10. J  W,  40.  Vnd  \\i  //.  Jnde  m.  schonen  z. 
w.  ß.  Als  ir  zucht  soll  w.  D.  41.  Baidi  ^u  ,  e\,  L.  D. 
Wn,  Gepet  W.  gan  ( :  stan)  L.  W.  Wn.  sagen  D.  spr. 
ze  chor  g.  W.  Zu  köre  zytlichen  geyn  B.  42.  chor  //. 
D,  ker  L.  gen.  vnd  auch  D.  Mit  den  andern  bestan  W. 
Inde  mit  schonen  zugten  steyn  L.  43.  in  ir  Wm,  [da] 
//.  H".  ß.  L.  B.  44.  warn  d."  münd  vil  IT.  munt.  L.  so 
/>.  0.  irev  mündel  r.  Wm,  iru  mündlin  r.  D.  45.  So- w. 
II.  Wan  waz  11".  baten  D.  Wn.  B.  L.  beten:  teten 
//.  16.  Seil  l\.  D,  willen  Wh.  zvhten  //.  Mit  vi.  si 
daz  t.  I).  Vnd  das  m.  vi.  t.  L.  \~.  [er]  L.  Wn  er  in 
I).  Dimer  H*/<.  d.  /,.  B.  chund(e)  D.  L.  Daz  Got  ze 
kainer  iland    w.  Den   r.    fl.   roselechle   m.    Wn. 

manigem  r.  m.  W.  Zu  der  selbfi  stund  D.  41).  Betleicbev 
n«.  GaisÜicher  l) .  Erkain  l.  Chain  zimleich  pil  mocht 
i  w.  50.  i  /  n.  Do  ir«.  51.  Eyne  /;.  fraw  D.  ir. 
52.  Vi'  ^s  P.  n  war  u  // .  swei  ir.  were  si  geweist  ß. 
5:{.  I)..  //.  Dai  n.  lin  /,.  mofet  //.  L.  ir».  möeht  />. 
haben  Wm,  D.i  man  li  bedde  geseyn  it.  Da  sei  die  law! 
hetn  -.  W.  '  bq/ier  muhte).  V».  levl  //.  />.  /,.  mochten 
d.  I.  ban  _<j.  L.  Da  müste  man  ir  hain  gegeyn  it.  Daz 
<>i  musin  ban  gegebn  netel  gejehen  W,  >  >.  beyn  H. 
/i,  [lenani  u.  lichei  i.    gai  mineclich  i).  wer;  bei  //.  />. 

w;ir:    bar    /,.        >*',.    \/i    u      \\  .    ;ui    w.iiultl   \nd   an   erb   I). 

Scbän  rnd  alwere  Wm,  [57  —  <><). |  H"  s   »///</' 

//.  57.  rnd  auch  /).  58.  Si  wai  ojg  a.  //.  /,  it.  59. 
w.i  \.  ii  .  Vollic  eni  lieben  //.  i.  h  l>'/  /-  Swej  ain 
rn.  an   wein   g.    W,      58      60.    Pöldich    «roll   wert  allez 

/    l>        6k    Nu    />.    An    »!//.    Awi    //.    ii    .im  i  i    W,    it. 

\>\.  <•.  |  Wm,    Dei  ich6nen  fi  in»/1  dai  g.  /'     63.  der  lawl  e 


656 


lesarten.     XXJJ. 


PF.  ß.  wcre  Wn.  63.  [Und]  W.  Wn.  B.  [daz]  D.  [si]  in 
Wn,  Doch  in  H.  d.  selben  1.  ff.  PFw.  64.  siet  PFw,  seit 
ff,  ere  sede  ß,  vihe  PF.  Het  si  werder  1.  n.  s.  erkand 
( :  land)  H.  Lüt  noch  disz  n.  das  e.  L.  Niemant  da  e.  D. 
[65.  66.]  D.  65.  Wes  Wn,  Was  L,  Als  W,  Noch  d.  B. 
auzzerth  PF  L,  anderswa  ß.  66.  [Wan]  PF.  Wn,  Want 
B.  also  m.  Wn.  mangen  B.  D.  67  In  dem(e)  W.  L.  B, 
Vn  was  in  einem  D.  bleuen  ß,  plibn  J).  68.  hat  ff, 
hadde  B.  de  z.  ß.  [do]  L,  dar  inn  Z>.  69.  nach  L.  Wn, 
na  B.  Wol  PF.  ß.  in  dem  fünfczechendn  D.  zehn  ff.  W. 
70.     Vnd    geachtet    PF«,     Inde    in   a.    ß.      achte(o)t   L. 

D.  aht  H.  nie  Wn.  het  n.  acht  PF.  [als]  H.  L.  W.  Wn. 
ja.  u.]  B.  71.  Vp  al  d.  werlde  B.  weit  W.  L.  D.  72. 
leuede  ß,  lebet  PFrc.  in  einer  e.  ff.  Wn,  in  rechter  e.  L, 
gar  in  e.  D.  einvelt  £.  ö.  ß.  73.  [ü.]  ff.  D.  Nach 
rechtem  (gantzes)  kl.  Wn.  L.  Rechte  n.  kl.  ß.  Recht  n. 
irs  kl.  ordn  D.  74.  [Da]  L,  Hie  D.  erz.  w.  H.  w.  si  e. 
lt.  D.  Wn.  e.  wordn  D.  Si  w.  erwachsn  da  mit  W.  75. 
fraw(en)  W.  D.  76.  Ains  tags  W.  L.  D.  d.  ir  schaw  W. 
[d.]  schawen  ff.  gieng  si  schawe(n)  Wn.  D.  77.  den  r. 
hin  aber  g.  ff.  m.   si  (do)  gieng:  vieng  Wn.  D.    75  —  77. 

E.  t.  se  vp  de  mure  geync :  ueyne  ß.  78.  vmb  ff.  W, 
vmme  Wn.  79.  Nicht  v."v.  W.  L.  Wn,  Nahe  by  D.  des 
klosters  W.  D.  L.  B.  mur  D.  80.  [Do  Wn.]  D.  gieng 
D.  Wn.  B.  ein  1.  W.  D.  L.  81.  kam  L.  D,  qua  B.  [dar] 
W.  Wn.  her  D,  da  ß.  82.  Deme  ß.  [wate  ß.]  Wn.  Gar 
n.  ritterlichm  s.  D.  83.  Paidew  1.  vri  g.  W.  B.  Schon 
was  s.  1.  D.  84.  Einen  ff.  B.  uorte  ß.  85.  er  ir  k.  W. 
L.  B.  kam  L.  D,  quam  ß.  Der  k.  ir  D.  86.  Iren  D. 
Irn  gr.  begunde  er  e.  D.  87.  Waz  (zehant.)  bi  im  ff.  W. 
Wn.  eme  ß.  da  da  si  in  an  s.  Wn.  Waz  da  si  den  ritter 
an  s.  D.  88.  JFan  si  a.  wider  W.  Vnd  dan  z.  Ww.  Vnd 
aber  do  si  z.  £.  Mit  züchtn  die  jückfraw  sp.  D,  Zu  deme 
schriuer  si  sp.  ß.  89.  wöld  Wn.  sol  (wil)  vnd  müz  i.  vr 
W.  L.  Herr  i.  m.  u.  w.  i.  vr.  D.  90.  lant  L.  [meist) 
ew  FF.  Daz  ensol  i.  D.  91.  Sa^ent  mir  1.  ß,  Sit  wille- 
kome  1.  ß.  92,  Habt  ff.  PF,  Ha(be)nt  />.  D,  Sait  mir 
hait  ß.  [ir]  PF.  ir  hüt  i.  D,  ir  aber  i.  Wn.  93.  Das  D. 
ß.  Gev.  d.  vogel  Wn.  vogalin  L,  vogelgin  ß.  1/4.  [i.]  ff. 
PFw.  jückfraw  sp.  D.  L.  95.  [so]  PF,  nü  D.  96.  dat  v. 
ß.  vögeleirc  PF.  D,  uogclgin  ß.  ist  i.  v.  D.  97.  Eme  s. 
sine  B.  Sin  v.  s.  im  PF.  Wn.  füz  PF.  Wn.  D.  [al]  ff.  PF. 
L.  ß,  [also]  Wn.  gelc  :  senewele  ß.  98.  Sin  L.  PF.  sin- 
wcl  ff.  D.  L.  99.  geuedere  ß,  vedern  Wn.  waich  D, 
schon  Wn.  100.  Wer  ff.  PF.  D.  L.  Vnd  [w.]  im  L.  Wn. 
im  newr  (nü)  PF.  D.  der  sn.  PF.  snabelin  D.  101.  So 
w.  PF.  L,  in  were  ß,  ist  Wn,  west  ich  D.  bresle(n)  ff. 
PFn,  prechn  ß,  gebrüch  ß.    2.  wale  ß.  im  für  mich  ff. 


iVsurten.     XXII.  657 

[des]  W.  D.  enst.  H,  verst.  W.  D.  Wn.  B.  erst.  L.  Ich 
wen  alz  i.  m.  v.  D,  Wie  w.  v.  i.  m.  daran  Wn.  103  er  L. 
v.  wol  Hr.  D.  jL.  4.  Weiher  JF.  D.  B,  Weler  £.  [vr.] 
Wn.  ir  ez  H.  Wn.  D,  ir  daz  L,  man  ez  W}  dat  irt  i*. 
Hierauf  Dw  mag  ez  vil  gern  han  Ez  ist  so  recht  wolgetan 
W.  5.  Vn  m.  — lieb  W.  l>.  Wan  ez  D.  schone  uogelgin 
B.  vogalin  L.  107—10.  versetzt  B  hinter  144.  7.  [vil] 
D.  wale  B.  8.  junk]  W.  9.  pey  n.  VF«.  £,  sicher  L, 
ainig  da  D.  10.  Schön  IP*.  Eynueldich  inde  B.  albere 
W.  Gar  an  wandelber  D.  11.  Also  t.  er  ir  D.  [also]  H. 
W.  Der  ritter  l.  ir  erk.  L.  dede  der  süzer  b.  B.  12. 
were  B,  ist  ß.  sparw(b;er  FF«.  W.  13.  Er  i.  m.  nü  v. 
D.  Er  sprach  vr.  ez  ier)  i.  m.  v.  H.  Wn,  Vn  (He)  spr. 
er  i.  m.  v.  L.  B.  14.  Er  L.  D.  Wn,  Inde  B.  15.  wolt  H. 
Wn.  Will  ß,  We(ö)nd  /).  £.  in  m.  B,  m.  in  (nü)  VF». 
L.  D.  Ob  ir  ez  tewr  \n  .  g.  W.  16.  nv  g.  m.  m.  Wn. 
17.  Czv  der  W«.  pfrüod  die  W?  pt'unt  /f.  Zecheri  pfund 
D.  18.  Chom  an  H,  Vnd  chöml  ir  in  Wn,  Komet  in  B, 
Nemet  ir  ain  ander  ding  D.  19.  [selberj  H.  W.  L.  Wn. 
Ist  d.  i.  m.  han  ez  erwernn  kan)  L.  D.  20.  lazze  H.  IL 
lan  L.  D.  den  kauf  W.  D.  L.  B.  Den  chaut  liez  i.  n. 
21.  gerne  hedde  B.  Ich  h.  v.  g.  d.  schöne  Wn.  vögelin 
//.  l).  vogalBn  L.  uogelgin  B.  22.  [vil]  liebi  L,  liebew(u) 
W.  D.  jnnckiraw  D.  [23:  24.]  W.  23.  Seint  Wn,  Sint 
ß,  Sid  daz  L.  des  k.  D.  Wn.  kautls  —  beg.  D.  _  24. 
iKMüi'  /y.  gerne  H'//.  B.  D.üwer  L,  irn  IF».  ure  mihe  w. 
B.  -I).  wil  evch  H,  wil  ez  VT.  B.  w.  in  (evch)  Ir.  D. 
umbe  /y.  cv>r  11'.  96.  Da  W.  Hr.  0.  #.  sül(len)t  W».  1>, 
solid  /,.  n.  hart  st.  W.  27.  Da  sp.  L.  Wn.  D.  Do  sp. 
de  min€cJiehe  abo  li  9B.  do\n  —  bin  is  B.  gern  W.  L. 
wen  lt.  Wn.  -2U.  30.]  lf\  29.  Nv  J/.  Wn,  Nu  Z>,  Nu 
in  B.  i.  nit  \s.  />.  IHi  \\.  nit  1.  L.  30.  haut  vor  L,  vor 
bau  B.  Oder  w.  ir  m.  band  erz.  X>.  [31  —  52.J  D.  31.  32. 
lu/utrhrfnt  \\  .  31«  Vnd  dal  m.  ist  />.  Das  ir  dw  m.  W. 
Wan  dal  nra  m.  /y.  32.  ■ « l  /y,  So  n  .  vmbek.  Ich  han 
mich  dar  an  nicht  geflizzen  Dai  mir  vmbe  minne  sei  ge- 
«i  -/« n  H//.  33.  in  w.  w.  minne  m.  n.  mag  ir.  i.  L. 
lein  it.  Ich  rnd  alle  die  hinne :  schreine  n /<.  34^  [n.] 
w.  /.  n.  mer  Wn.  mime  /f.  m.  chäulerlein  /.  3->  — 48. 
■and  '//  /  hiutru  i,uib  wegger[f$tm.  35.  I>.  H\  /,  Wann 
/,.  Vol  Bwenc  Wn*  bildnir  //.  36.  nadein  ir.  /•  H  », 
nadlin  />.  naylden.  inde  eyne  u.  37.  /.wn  wan!  #/. 
ain  onwei  />.  js.  m.  w.  \\\  n.  l.  veieriegel.  Wn. 
:v.i.  In  da  bin  n .  Vnd  oca  ancb  den  m.  /..  Wn,  Vnd 
meii  .».  /       »n.  in  ^  bi   mime  //.      M.   Nie  »r.  /.  /.. 

in«-    />.    //.    Nie    ii.   g.    in.    U  ii.        ^2.    liin    /,.     luv.    H'w.    aus 

nem  en   i«u  ir.  .1.    \  \.  ciurnte  Wn,  dannc  "•  Wn,  denn 
/, .  aotfa   N     miim.iiiii  :  rogalin   L.      \\.  hoch   h.   i.  //, 


658  lesartcit.     XXII. 

Jedoch  hett  i.  gern  Wn.  {Vgl.  zu  107).  145.  junckfro  L. 
46.  i.  schöner  1.  H.  1.  de  is  /?.  rain  H,  minnen  Wn,  [so] 
minicklich  £.  lr  seit  so  recht  wunnikleich  W.  1.  47. 
baide  H.  Ja  travt  f.  (Ich  getru)  pei  evch  v.  L.  Wn.  Daz 
i.  pei  ew  vol  traw  v.  W.  I.  De  minne  ich  wale  bi  ug 
vinde  B.  48.  Sölt.  L.  mir  Wn.  Ob  i.  m.  sol  u.  W.  L 
Of  i.  m.  ur  u.  winde  B.  [49.  50.]  L,  umgekehrt  B.  49. 
i.  si  bi  uch  [solt]  B.  so!  W.  1,  getorst  H.  50.  Oder 
Wn.  In  wilt  ir  des  ß.  [sin]  H.  Ob  ir  s.  weit  g.  VT.  i. 
51.  Daz  i.  i.  h.  ab  L.  heb(e)  W.  B.  mawer  Wn.  [her] 
W.  52.  So  kern  i  kom  h.  L.  kom(e)  H.  B.  dan  W.  B. 
hin  H.  53.  54.  umgekehrt  D:  Zu  der  j.  vr.  sp.  er  do. 
54.  Des  w.  d.  r,  vro  W.  D.  Des  reden  w.  d.  B.  55.  Er 
sprach  W.  L.  Wn.  [vr.  d.]  W.  junkfro  d.  füg  L.  gevuegc 
Wn.  Ich  gewysz  euch  w.  B.  56.  [daz]  H.  D.  was  W. 
L.  *  lies  herz(e).  57.  De  leuer  he  B.  Er  bot  ir  die  hant 
D.  58.  Vnd  v.  L.  fürt  L.  Jf,  weiset  Wn.  auch  si  sa 
ze  H,  sie  san  ze  Wn,  si  da  ze  L.  Da  fürt  er  si  ze  D. 
57.  58.  erweitert  W:  Lat  ew  penam  genügn  Ich  kan  ez 
wol  gefügn  Daz  ir  wider  komt  auf  die  mawr  Ob  ez  mir 
wirt  ain  wenig  sawr  Ich  verchlay  wol  dw  arbait  Yil  schier 
er  hin  zu  rait  Vnd  nam  dw  fraw  münnikleich  Auf  daz 
ros  für  sich.  59.  \n  fürt  sei  in  W.  60.  b.  ir  H.  ilisz  L. 
W.  D.  Mit  vi.  b.  er  W.  L.  59.  60.  umgesetzt:  Dey  schone, 
dey  zarte:  garte  B.  61.  Ob  D,  Da  B.  nimen  jtf,  ieman 
W.  L.  D.  da  (do)  sach  :  beschach  L.  D.  enfach :  geschach 
H.  B.  *{lies  ssehe).  62.  Swaz  H.  W.  [b.]  W,  b.  da  B. 
zwain(e)  L.  D.  [63.  64.]  W.  63.  haft  D.  64.  An  B.  L. 
D.  65.  Inde  oyg  B.  66.  herze  H.  B.  was  B.  L.  vr. 
were  H.  Für  65.  66.  Ez  liez  sei  zu  der  erde  Er  gedacht 
im  vil  werde  W.  67.  zu  der  lieben  in  D.  Zu  irs.  er  in 
dem  W.  de  B.  68.  guten  t.  [er]  H.  Er  t.  d.  1.  (guten) 
W.  D.  L.  d.  süzer  senfte  B.  [69.  70.]  W.  69.  min  D. 
L.  bis  #,  da  B.  70.  Er  trut  (kuste)  si  da  (dar  na)  ze 
hant  L.  B,  Dar  nach  truckt  er  si  zeh.  D.  71.  hielse  L, 
halst  H.  [si]  D.  72.  ölte  H,  dick  vnd  in  g.  L.  73.  min 
L.  D.  a.  d.  m.  W.  Die  m.  s.  er  a.  B.  74.  fraw  also  W. 
B.  L.  Hierauf  Herr  ist  daz  dw  minne  genannt  Dw  wart 
mir  nie  mer  pekant  Do  sprach  der  ritter  tugentleich  Ez 
ist  dw  minne  werleich  W.  75.  Si  sprach  so  n.  ewr.  W. 
Nu  n.  L.  nement  L.  B.  vre  B.  76.  *  lies  rehl(e)  mit(e). 
Vntz  d.  ich  r.  gen  üch  v.  L.  ich  r.  da  m.  D.  gev.  W.  B. 
i.  da  m.  uch  neyt  intv.  B.  77.  m.  an  euch  nit  B.  78. 
MerkentjL,  Vernement  B.  Ich  horte  genüch  lüde  künden 
( :  versünden)  B.  79.  Wer  c.  gut  B.  L.  B.  Swelch  mensch 
e  W.  80.  [neyt  B.]  H.  L,  recht  D.  ez  s.  wol  W.  81. 
er  [sin]  niht  g.  H.  D,  er  ez  n.  Jg.]  L.  Daz  ez  daz  vnv.  W. 
82.  Ez  W.  si  eyne  g.  mis  B.  [83  —  88.]  B.  [83.  84.)  W. 


feaarttn.     XXII.  659 


D.  L.  svcht  H.  185.  TN.  ir i  H.  Ir  (Dauö)  n.  der  manne 
\V.  Z>,  >.  miner  min  L.  wie  v.  (wz)  ir  w.  W.  L.  D. 
86.  daz  W.  recht  D,  gar  W.  vil  L,  hört  H.  [meint  harte), 
erz.  D.  87.  h.  gar  g.  Z>.  ir  n.  sit  wol  g.  H.  88.  Nempt 
IF.  Nement  L.  D.  [ir]  if,  der  min\e)  wie  D.W,  hin  w.  £. 
89.  90.  umgestellt  D.  89.  Sint  B.  man  L.  i.  e\v  m.  m. 
W.  minjnen]  B.  D.  L.  90.  getru  L.  VF.  [iu]  B.  Ich 
trewn  euch  D.  91.  Geldcns  B.  L.  wil  i.  sin  b.  D.  ich 
ger.  ß.  92.  r.  uil  g.  D.  houischz  inde  s;.  B.  [wol]  VF.  L. 
93.  Süchte  JS.  [da  L.]  VF.  B.  94.  Daz  W.  D.  im  VF.  In 
dachte  B.  von  allem  H,  in  sime  i*.  95.  eme  B.  nie  kain 
D.  96.  Also  D.  Wale  ff.  97.  Eme  B.  sagt  H,  sait  L.  I). 
set  IF.  ouch1  H,  also  VF.  sins  herzen  sin  B.  98.  Daz 
nie  auch  nie  W.)  kain  (clevnes  B.)  L.  vogelin  D.  99. 
Würde  B.  vergolden  H.  B.B.  v.  v.  D,  B.  v.  w.  e  VT. 
200.  halpt  er  B.  hub  sei  VF.  mur  D.  H,  mawr  hin  VF. 
L.  1.  Li I.  n.  er  (der  ritter)  W.  D.  [zuo  ir]  H,  von  ir 
L.  ie  D.  2.  Hin  r.  er  IT,  Vnd  r.  h.  D,  Er  r.  von  dan 
L.  liesz  L.  D.  do :  so  D.  1.  2.  He  reyt  in  wech.  sc  geync 
in  Nu  mirket  rechte  desen  sin  B.  3.  An  W,  Jnde  B. 
hörend  W.  D,  hört  H.  h.  rechte  wevt  B.  ergieng :  vieng 
I).  B.  Wund  ir  hören  L.  4.  Inde  //.  an  /*.  VF.  D.  5. 
-i<ijg  sa  ze  D,  hub  sich  zu  IF.  gahet  H,  ille  JL*.  De  zarte 
de  geync  /u  B.  (>.  de  m.  ß.  maistrin  VF.  D.  7.  Vnd 
9p.  \V.  L.  liebe  mümalin  :  vogalin  L.  mümlcin  VF,  nun 
De  üii  I).  IL  S.  Ditz  //.  0,  Daz  VF.  £.  schonez  H,  schön 
il  .  gar  s.  A>.  v.  is  min  0.  9.  erk.  D,  kauft  gar  VT".  Ich 
haynt  gelrifl  B.  10.  all  U.  11.  ritter  Z>.  schriuer  de 
hayl  i»  m.  B.  geben  W.  H.  1).  L.  Daz  hat  e.  h.  m.  VF. 
\-2.  Sa  W.  I).  13.  eme  B.  14.  lie  W,  vmb  Z/.  vm  vers. 
lt.  in  pei  mir  li  W.  15.  Ains  daz  i.  D.  />,  Ains  i.  dw 
lt.  16.  Dai  1F.  />.  L.  B.  m.  nu  w.  B  [wol]  VF.  erk. 
/>.  //.  17.  Dai  mich  ball  W.  enrachte : suchte  w.b.d. 
LS.  die,.,  c  n.  /,.  //.  en  />.  m;ins  IF.  si  uers.  D.  19.  [r.] 
n.  /,.  ^  1 1  />.  e.  in.  gar  //.  20.  w&ier  iL  21.  Ainen  L. 
u.  iL  solichen  />,  ie  getan  aers.  />.  22.  Ez  //.  m.  hat 
vnd  iemei  /,.  iL  rm  alin  m  .  müys  m.  werden  sw.  /*. 
«in  iw.  //.  ein  iihrrtfrst in-irbrit  .  23.  sinl  />.  doch]  VF. 
/,.  Nu  lejet)  w.  dez  g.  r«  il  -i\.  Vnd  i.  />.  hak  if,  gar 
/> .  m  _'.ir  />.  vnganckl.  //.  25.  2i>.  umgekehrt,  l.  [iliij, 
/>.  dez  /,.  gebrechen  11.  enbr.  let :  bete  //.  16.  Dai 
man  doch  v,<>\  rail  if.  Dai  aifl  man  ar.  h.  />,  Dai  ie  man 
vaii  /,.  i~i .  \  n<i  \s .  if  />.  Wera  euer  u.  iL  vnser  g.  nii 
/>  d  n.  a>.  /v.  2S.  iold(tn  sv.  alle  //.  /,.  Wir  1.  alle 
n     i\).  Da   w  .  piriinic //.  pfründ  aebn  balb    b.  g,)  \\  . 

IL  L    fd.  an    /,.     :{().   I.   ^u\  IL   i.    mir  n.  //.    [mihi]    IF.   IL 

m  11.  Vnd  aoll  ich  lusent  jar  leben  l      Bl.  belfe  //, 

ififnil|ir     //      hüll     L.     W  ■    Dill    0,    m     //.    //•    «'/    m.    willen 


660  fetatttn.     XXII. 

g.  ff.    132.  alt  VF.  L.   begund  ff.  VF.  L.  allten  begundn 
ff.  si  seh.  ff.  ff,  ser  seh.  L.    33.  Die  ff.  rüchtc  ff.  [ser  VF.] 
L.    34.  der  komeschaf  ey  D.  befug  L.    33.  34.  Si  rauften 
si  vil  ser  Vnd  slügen   si  ymermer  D.      35.  mocht  W.  ff, 
must  ff.    got   w.    VF,    got  immer  ff,    zu  g.  B.   si  ez  got 
möehti  £.    36.  hadde  si  zn  t.  na  B.  hettn  ff.  gesl.  V.L. 
[37  —  44.]   L.   B.    [37.   38.]    VF.   D.      37.   Irz  ff.      39.  Si 
sprach(en)  VF.  D.  du  b.  w.  VF.     40.  [vil]  ff.     41.  die  e. 
ff.    42.  Die  ff.  ff.  gewinnestu  ff.     43.  Werden  VF,  Vnder 
rainen  ff.  fraw  VF    44.  Dez  m.  (must)  du  ff.  VF.  [immer] 
ff,   wol    ff.       45.   ward  on  masse  D,  w.  michel  inde  B. 
46.  Mangen  L.  ff,  Mengen  D.  slag  I,.  ff.  ff.  PF.   47.  Hadde 
ff.  lieb  0,  süze  ß.     48.  dit  ff.  nur  vv.  ff.     49.  freut  ff. 
VF  Do  gedacht  L,  Da  beriet  s.  ff      50.  gedaht  VF  ff.  ff. 
*  [lies  gedaht(e))  Vil  dick  in  L.  ir[e]m  W.  L.  ff.  ff.     51. 
der  seh.  L,  den  schulden  :  hulden  VF.  Wer  si  wider  kome 
in  ir  D.  S\  dachte  mit  wilchen  schulden  :  Milden  ff.     52. 
Wider  kä(o)m    ze  h.  L.  VF,   Si  weder  queme   zu  irre  m. 
h.   ff,   Zu   irs   nünleins   h.  ff.     53.   dank   ir  in  L.  in  irm 
(irem,  irme)  ff.  ff.  ff.     54.  Hinlz  an  dem  VF.  Vntz  an  d. 
andern  L.    55.  Da  W.  D.  Sie  b.  L.  ff.  heiml.  ff.  W.  ff. 
L.     56.  [Wider]  ff.  L.  ff.  mavr  ff.  TF.  ff.  £.  hin  wider 
sl.  ff.     ff«s   Atel?   m    VT  folgende  Reimpaar   hat   auch  L: 
Vnd  s.  —  [hin]  W.  mur  L.  1.  auf  vfi  n.  VF.     57.  de  seilde 
B.  besch.  ff.  I,.   1F.     58  r.  aber  saech  :  beschach  ff.    59. 
[st.]  L.  [al  ff.]  ff.     60.  was  id  ff.  niht  1.  ff.  ff.  Vnd  (Daz) 
d.    IF.  D,  Slunt  nu  i.  vil  u.  W.  L.    61.  Bis  ff.  Vntz  L. 
der  ritter  (schriner)  L.  ff.  quam  ff.  dort  h.  kam  ff.  [d.  h.] 
L.  ff.  Do  k.  der  ritter  g.  VF     62.  eme  ß.  zu  im  W.  D. 
L.  m.  (guten)  s.  VF.  ff.  [63—70.]  ff.    63.  64.  umgesetzt 
VF.    63.  Herre  (Vnd)  h.  L.  ff.  VF.  hebt  ff.  VF,  hebentJD. 
ff.  mur  ff.  ff.  VF.   mich   her   n.   L.      64-.  Herr  VF.  gebt 
VF.  ff,  gebent  D,  gelten  L.    65.  nempt  VF,  nement  L.  ff. 
[ir]  ff.  ewr  VF  [66  —  73.]  VF.    66.  Wen  ff.  nünnelin  ff. 
ff.    67.  [M.  m.]  L.  (al)  so  s.  ff.  £.      68.  giht  ff,  spricht 
ff.  L.      69.  Vrä  ff.    einen  L.    verlorn  L.  ff.      70.  minen 
£,.  magt  von  ff.  .L.  Vn  hab  weibez  name  erkorn  ff.    71. 
Nu  1/.    hebent  7,.  ff,  Hebt  ff.   zu  d.   ff,    an   die  L,    vp 
de  erden  ff.    72.  w.  müge  werden  ff.    73.  Mine  inde  ff. 
vm  f*«r  vnd  iu  ff.  ewer  ff.  ff,  ur  ff.    74.  Er  L.  ff.  [vrou] 
ff.  ff.  Gern  vr.  VF.   sal  ff.  C/asf   immer J.  VF  fäftr*  /'oit 
Sprach  der  ritter  zehant  Er  nam  sei  pei  der  weizzn  haut. 
75.  satte  ff.  sasz  zu  ir  in  L.  Vn  fürt  sei  mit  in  VF.    76. 
Er  D.  VF.  B.  dede  ff.   [ir]  ff,  der  liebn  VF.    reht  ff.  ff. 
Z,?  auch  VF.  aber  a.  ff.  als  Z,.  ff.  ff.  VF.    77.  s.  auch  ir 
ff .  Vn  galt  ir  ir  VF.  L.  ff  wiederholt  Alz  er  getan  hettetc. 
78.   So  er  in   (an)  VF.  .L.   Daz  er  m.  seine  sinne  Kund 
nimer  mer  gewinne  ff.     79.  Alz  er  a.  ff.  best  L.  ff.  VF. 


harten.     XXII.  661 

280.  wer  m.  sein  W,  vnd  d.  mirs  D.  81.  wölt  aber  kauften 
D.  ain  L.  82.  So  W.  D,  Want  mir  B.  giht  H,  spricht 
D.  L,  speht  W.  [a.]  £.  daz  H.  nunnelin  H,  nünlin  D. 
83.  hayn  is  JB,  h.  so  L.  groz  H,  grosses  D,  grozzen  JS, 
michel  L.  W.  84.  Des  5,  Da  von  L.  mü(g)ent  W.  L. 
minet  mich  D.  dez  W.  L.  [85  —  88]  W.  In  B.  sind  diese 
Reimpaare  versetzt:  89.  90.  85 — 88.  85.  Macht  m.  magit 
w.  B.  ich  (wider)  werd  m.  H.  D.  86.  wen(en)t  H.  L, 
fürchtend  D.  lichte,  dat  id  m.  do  B.  ir  tü(üge)nd  D.  L. 
87.  Inde  will  B.  we(ö)nd  D.  L.  liht  H.  L,  uilleicht  D. 
'lies  liht  e,.  88.  Des  L  bedürfent  L.  D.  Ir  in  dürfet  d. 
umbe  n.  B.  89.  Machent  D.  L.  Daz  (Vp.  d.)  ich  w. 
werde  (werde  w.)  maget:  klaget  W.  B.  [91.  92.]  W.  L, 
versetzt  B.  hinter  94.  91.  wale  vor  g.  B.  Ich  wil  ez  a. 
h.  für  g.  D.  92.  Waz  D.  H.  vz  m.  H.  nü  m.  m.  D.  93. 
Wenn  D.  So  m.  doch  L,  Vn  m.  auch  W.    94.  [gr.]   W. 

D.  z.  gen  mir  D.  grozzen  zorn  H.  95.  Als  L,  Wenn  D. 
mer  H.  D.  L.  96.  Da  D.  Ir  (Dw)  min(ne)  g.  (gab)  L.  W, 
He  g.  ir  de  minne.  B.  [da  B.]  D.  L.  W.  an  der  H.  W. 
Z>,  zeL.  B.  97.  Ich  sags  ew  liebs  fräwlein  W.  98.  lang 
pei  ew  W.  99.  He  sprach  ich  B.  m.  penam  W.  von  ew 
VV.  L.  300  müisse  uch  sele  inde  B.  ew  wol  b.  W. 
297  —  300.  Vnd  nam  vrlavp  (von  ir)  sa  Wan  (Wen)  er  torst 
n.  I.  da  Bi  der  juncfrow^en]  sin  H.  D.  1.  n.  a.  D,  n.  so 
B,  von  mir  n.  //.  ja  v.  ir  n.  da  h.  W.  [2J  D.  Vmbe  B, 
Dar  vmb  W.  [soj  B.  W.  L.  [3.-8.]  W.  [3.  4.J  D.  3. 
wolt  H.  wülde  B,  wund  L.  m.  liht  b.  H.     4.  grülich  L. 

E.  wulde  ich  mit  uch  kr.  B.  5.  fvrt  H.  Si  sprach  ir 
varent  so  int  L,  So  vnbeschaidenlich  D.  6.  hant  L.  D. 
m.  nu  v.  z.  L.  non  vnv.  mir  D.  7.  Ir  namet  D,  namt 
//.  &  Das  D.  Ir  sint  c.  u.  hunt  L.  9.  Weltent  —  also 
/>.  So  W.  ir  m.  FF.  mich  so  beswichen  L.  10.  must  H. 
W.  [mir]  L.  warlichen  L.  D.  11.  dritt(e)  W.  D,  derde 
//.  nun  bei  W.  L.  12.  Will  ir  i.  /J.  Wolt  ir  da  w.  i.  W. 
wölleol  wond  [ibi]  D.L.  13.  So  hait  B,  hau  /,,  hattet 
/).    rnü/./t  ir  babfl    W  .     i.     U'.    />        1  t.   |Vil]    W.   />.      15. 

Dci  icbriaer  de  wai  B.  tugentricn  //.  /*.  r.  aber  <lo  w. 
16.  In  d.  d.  r.  0.  io<i  dünkt  mich  />.  gamenlicfa  /,.  Kr 
wart  ain  seinem  herzen  fro  iv.  17.  18.  ir  an  der  seiner 
stal   De  dirde  mifie  als  li  in  bat  ii-   Da  gewert  er  si  (Er 

/,.    Vnd   i«-i  aber  ir.     des  si   m  pat.    Vnd    Er  L.\ 

hall    ir     liuh    sei     W '.     an    die    alten     wider  an   ir    \Y.   //.) 

stat  />.  /,.  \\ .  D  fügt  hinzu  Vrlop  nam  der  ritter  ie  so 
Er  Betöret  nit  lengei  pleibfl  do  vgl*  %u  300).  19.  20. 
B       irr  jnncfra*  sein  Kr  r.  b.  ai  gieng  bin  w.  in  />.  Er 

1.  da  b.  ij  gie  b.  im  !)<•/.  soit  si  billich  trurig  sin  //,  Vn 
tuii  mit  im  alein    l>w  fraw  schied  mil  fräwdfl  ein 

vv.    21.  Si  w.  de«  w.  barde  /',  Irj  \v.  w.  si  gar  W%  D<> 


662  ^warten.     XXII. 

w.  si  doch  irs  W.  L,  Vii  w.  auch  ir  ietwcdru  D.  322. 
irre  B,  der  L.  maist(e)rin  W.  D.  ß,  nvnnen  H.  gie  W. 
23.  Min  v.  L,  Herze  B.  D,  Vn  sprach  v.  W.  nün(ne)lin 
D.  H.  24.  Nu  laz  L,  groys  B.  zuru  Jf.  d.  z.  gen  mir  D. 
Du  solt  d.  z.  lazzn  VF.  25.  lasz  L.  I>.  din  H.  VF.  D. 
haben  /,.  [26.]  L.  27.  28.  umgekehrt  L.  vmb  VF.  D.  L. 
rn.  fer  h.  VF.  Mb  H.  mer  W.  IF.  D.  geslagn  :  sagn  H.  W. 
L  ersetzt  26:  Das  han  ich  dir  gern  vertragen.  [29.  30.] 
VF,  umgekehrt  L.  inine  m.  B.  Do  wart  mir  w.  L.  30. 
Da  ü.  Heut(e)  H.  B.  ir  slief(en)t  H.  D.  du  sleyfes  ((lieft) 
B.  L.  hie  inne  L.  3t.  Hevt  H.  L.  lange  v.  L,  verre  v. 
B.  Vnd  ee  ez  wer  n.  D,  Da  du  schlieft  ze  n.  W.  32. 
Da  D.  W.  [vil]  B.  L.  W.  D.  33.  herr  W.  D.  die  für  min  D.  Die 
min(n)e  [min]  die  ich  im  (eme)  L.  B.  34.  Vngehabt  VF. 
[und]  VF.  B.  Ich  gie  von  dannen  L.  one  Jk.  H,  ayn  .B. 
Der  haiff  mir  an  die  altn  stat  D.  Auch  das  Uebrige  ist 
in  D  ganz  abweichend.  35.  gieng  W.  [g.  i.]  einen  w.  L. 
36.  selzen  B.  L,  gemleich  W.  37.  mir  zürnst  H.  zürnest 
W.  38.  giht  H,  Sprech  W.  er  hett(e)  L.  B,  ich  hiet  W. 
mine  B.  39.  minnen  B.  mir  /wr  gar  W.  L.  B.  40. 
[Und]  VF.  L.  er  ni(e)  in  daz  (dit)  lant  k.  H.  L.  B.  41. 
So  m.  i.  (Ich  m.)  doch  W.  L.  B.  [sin]  H.  42.  wille  eme 
B.  So  er  mit  seldn  müzze  wesn  W.  43.  [Wan]  B.  L. 
gar  e.  g.  i>,  e.  vil  güyt  B.  getwrer  W.  44.  verstan  — 
[wol]  L.  Vil  w.  i.  m.  des  verstan  W.  45.  [Wan]  —  gutlich 
vnd(e)  L.  W.  B.  46.  geb  H.  W.  L.  wale  B.  [47.  48.] 
W.  wünsche  i.  eme  B.  Ich  w.  a.  i.  von  rechte  s.  L.  48. 
zemede  in  desen  kl.  B.  kam  dem  kl.  ze  brobste  w.  L. 
49.  Weir  B.  Solt  er  h.  sin  L.  W.  50.  Do  (Nu)  sp.  d.  a. 
a.  (d.  maistrin)  do  L.  W.  a.  [diu]  sp.  H.  51.  Waz  W. 
L.  B.  iemant  H,  man  W.  L.  B.  dir  saget  L,  singt  W, 
redit  B.  alder  L,  of  £.  52.  h.  doch  B.  alber(c)n  W.  H. 
hest  als  ainen  andern  m.  L.  53.  Wan  (Vnd)  w.  H.  L. 
war  L.  H.  W.  nu  d.  seh.  B.  schaden  e.  L.  W.  B.  54. 
were  B.  ez  W.  L.  B.  des  de  (dar)  B.  L.  55.  Sid  es  nu 
aber  i.  besch.  L,  Sint  nu  der  schade  i.  //.  56.  Daz  H. 
W.  So  s.  ichz  —  vers.  L.  57.  Seit  W.  Sid  aber  ichsX. 
58.  wil  L.  mein  zürn  VT.  L  fügt  hier  zu  Der  disz  mar 
gehöret  hat  Der  merck  ainen  kurtzen  ral.  59.  Wer  L.  W. 
levwcr  iZ,  mer  W.  00.  daz  ez  in  VF,  d.  er  sich  H.  nit 
L.  In  L  und  W  folgt  hier  noch  Ez  si  wib  (fraw)  oder 
man  Wer  (Der)  übel  vnd  gut  verstan  kan  (k.  v.)  Daz 
frumet  (Ez  frumt)  in  vil  (im  dick)  sere  Vno  behalt  im 
och  (im  all)  sin  ere.  61.  Wer  L.  also  für  aber  H.  Ist  a. 
daz  er  s.  ü.  W.  62.  Vntz  im  c.  seh.  L.  niemant  W.  k. 
bewarn  H.  [64]  H.  fraw  W.  65.  Daz  s.  er  VI7,  Den  s. 
man  H.  [66]  H.  Aid  er  L.  Oder  er  s.  ez  vor  W.  67.  i. 
der  weisn   W.  i.  nu  der  L    levt  H.    W.      68.    ist  vns   bc- 


iMurten.     XXII I.  663 


zaichnt  W.  369.  Daz  hübsch  ihofenliche)  W.  L.  70.  der 
vrowen  juuckfrawn  L.  W.  An.  ff,  Daz  gut  mer  hat  ain 
ende  W.  —  Mit  334  beginnt  der  ganz  umgearbeitete 
Schluß  in  D:  Dem  ich  mein  miiie  gab  (333)  Der  hüb 
mich  zu  im  hinab  Vn  gab  mir  wider  die  mine  mein  Vn 
nam  auch  wider  sein  fögelin  Gar  schon  autt  sein  hand 
Die  allt  sprach  350  dz  du  seyest  geschand  Dz  du  so  uil 
mege  schlag  grosz  Vnd  auch  darzü  mege  stosz  Darvm 
hast  enptangen  246 —  47.  Vn  pist  aber  da  hin  gangen 
Das  haut  gemachet  dein  tum5  sin  Da  wz  der  zorn  vm  si 
hin  Da  sprach  aber  die  alt  Daz  sein  der  tüfel  walt  Der 
ain  ding  nit  kan  vnd5  stan  (363)  Der  solt  ez  mit  gut  varn 
lan  365  Wen  ez  wer  ain  schad  pesss  den  zwen  (353) 
Fürwar  alz  ich  ez  uerslen  Nu  tu  ez  nims  me  Du  hettest 
ez  pas  gelassn  ez  Des  antwurt  ir  die  gut  Gar  mitv5dachtem 
müt  Ich  gib  dir  mein  trewen  Ez  hat  mich  ser  gerüwn  Seyt 
du  zürnest_  so  sere  Vnd  sprechet  ich  hab  mein  ere  (337 
38)  Dar  vm  uar  uerlorn  Vnd  hab  weibez  name  erkorn 
267  —  70  So  wartet  nü  auft*  mein  er  Wan  ich  tun  ez 
nimer  mer  Hie  mit  v'gab  si  ir  schuld  Vnd  liesz  si  habn 
ir  huld  Si  halt!  ir  pess'n  vn  püssn  Der  raine  vnd  der 
siissn  Vnd  das  ist  uon  dem  sperber  (370)  Gol  helft'  vns 
ausz  aller  swar.  —  In  Wn  steht  am  Schlufse  dieser  Er- 
zählung von  derselben  Hand:  In  pricio  creavit  deus  celü 
et  t'ram  etc.  Lieben  front  die  meinen  ich  han  ein  wort 
in  der  laten  t  für.  Daran  ich  grozze  weishait  spver. 

Daz  ich  die  bescheid  also  daz  ein  iczleich  mensche  werde 
tro  Dar  vmb  Sprech  ein  frowe  vnd  ein  man  Einen  pater 
DMtei  der  in  chan  Vnd  ein  aue  maria  dar  czu  Daz  got 
»ein  genad  an  mir  tv. 

Will.     Das  Gänselem . 

Ueidtlkergtt       Sammlung    (II)     UM         Colociaer    Abschnft       (  (.  )     \H2 

Vgl    Wientt   SamwduHs  Ml    \  24     ln$bru*ket   Abuhrifi  (I.)  ->:\ 

I  therm  hrifl :   magteio  //.    i  \  ausgekratmt  .   Ditz  ist  von 

den   gnisrlei/t    du~    n<i>    ein    .srhime.s   juin  ero/i elin   C.    (  nur 

ikx  h  z.  l  142:  das  fiebrige  ist  ausgeschnitten},  Das 
mit  lim  gesH  M  .  /'".  mur  r<m  der  genee  i.  Die  fol- 
genden Lesartsn  gehören  ff.  1.  eacÄ  (meist).  -2.  wer. 
lt.  //as.  13.  24.  niemand.  21«  mer«  26.  manche.  .V). 
Riten.  \±-  ntirt,  15.  gewert:  gert.  iS*tnde,  53.  nutzer. 
/  -<  bäne.      61.  idtolden.     72.  kernen.     7'i. 

mvn<7<.     7$.    neu   {  Luiiu   hie, he, t  ) .     K!>.    in /  in  h.      91.   gen«. 

98.  \.ist\iii.  108.  bekom.     8.  gedacht.     II.  beint.     16. 

gedacl  :  lagt.  l?'.  lil  \  mit.     31.  mocble.     36.  maaoaer. 

Iro«        >'-  'i"  okende.      ■>!.  Lande.      69.  aref 

m    roda     i.  7»   wen     T'r  »-/  Uni  und  aa  streichen 


664  |e*arten.     XXIV. 

und  stns  zu  lesen.  187.  begonden.  90.  nimant.  95.  Unde 
—  sint.  96.  besamt.  97.  vnde  kocA :  woc/i.  98.  nehent. 
201.  Vnde  scAult  vns  ein.  211.  man.  16.  wo  tet  ir 
eiwern.  17.  wits.  24.  was  m.  gesohlt:  27.  vnde.  32. 
vmbe  —  kom.  36.  mvnc/t.  39.  haimlicA  :  tovgenlic//.  41. 
saget  meint  sag'  et.  42.  vielleicht  dir  diu.  43.  gen*.  44. 
Hierauf  folgt  noch,  überzählig:  Den  apt  alles  des  er  an 
in  gert.  48.  tait.  49.  aöte.  52.  selben.  62.  an.  68. 
zwe»  muncA.     69.  erkennen. 

XXIV.     Der  schwangere  Mönch. 

Heidelberg  er   Sammlung  (H.)  54»   Colocsaer  Abschrift  (C.)  5t-     Lafs- 
bergs  Liedersaal  (L  )  136. 

Ueberschrift :  genuc  C.  1.  evch  H./L  (meist).  e«was 
L.  2.  So  enwaisz  ich  nit  was  L,  3.  Wen  L.  4.  merckent 
L.  dits  JH.  5.  genug  L.  7.  Vnö"  H.  Z/.  ers  L.  8.  scmd 
Z>.  geben  L.  10.  [einem]  £,.  Qbefser).  11.  weit  jL.  vmb.  H. 
12.  er  a.  war  L.  13.  ei»  w.  £  *(befser).  14.  Er  w.  nu  s.  L. 
15.  Er  lernet  schriben  lesen  u.  JD.  seh.  gern  zv  aller  zit 
H.  16.  wol  für  also  £,.  17.  er  L.  19.  n.  basz  an  d. 
lernen  L.  20.  Den  an^er  «nie  n7  tu  L.  21.  [daz]  — 
jungt.  L.  22.  ze  kamrer  \n  L.  23.  morgen  vor  JL.  metten: 
betten  H.  25.  daz  L.  26.  Do  if.  27.  bletelin  H, 
briefaWn  L.  28.  gedacht  w.  mag  dih  sin  L.  29.  betüt: 
Kit  jL,  moÄte  bedevten :  levte  H.  31.  ?«ii  er  d.  büchalm 
L.  *{befser  buechel  hin).  32.  In  sines  hertzen  srin  L.  33. 
wnrt  L.  34.  VFaz  Z,.  35.  begonde  H.  begunö"  /tiechen  Z/. 
36.  Dem  k.  togenl  L<  [37.  38]  L.  39.  tunckt  —  gefar: 
wa'r  Z>.  40.  £r  Z,.  41.  Aid  L.  wo  L.  H.  möcht  L.  42. 
[bi]  L.  [43.  44]  L.  45.  antwort  H.  46.  wissent  seift  L. 
47.  [da]  hant  gefragt  L.  48.  49.  Jc/i  /mn  üch  schier  ge- 
sagt Ob  —  legent  vnd  vnges.  Fro  m.  L.  [50]  L.  *  [reimt 
befser).  51.  PFem  sy  gii  ir  gnten  t.  Z/.  52.  lait  L.  54. 
spisz  L.  55.  nn/ss  Z/.  56.  werrf  Z>.  57.  den  rat :  bat  L. 
59.  [ein]  L.  60.  Sin  £,.  61.  [vil]  L.  vor  Sachen  steht 
schwachen  durchstrichen  H.  62.  wolt  er  gut  L.  63.  er- 
/b//et  sin  gebett  L.  64.  [u.]  pfaerit  lech  er  ]m  ze  st.  L. 
65.  dar  zu  silber  gn.  L.  66.  w.  s.  also  L.  68.  Gesamnet 
me  den  z.  Z».  70.  da  H.  71.  r.  jm  v.  L.  72.  volget 
sinen  L.  73.  n.  me  vz  w.  L.  kvmen  :  vernvm  H.  74. 
nette  H.  75.  komen  H.  76.  «?«wft  herberg  oat  L.  77. 
ae*talt  Z,.  79.  ü.  \ant  L.  80.  [da  h.]  H.  82.  daz  sitöer 
L.  83.  ex  Z>.  84.  bald  si  Am  u.  L.  85.  hett(e)  £.  ZZ. 
86.  Bisz  ain  L.  *(befser).  87.  weg :  pfleg  L.  88.  Do  H. 
Durch  d.  m.  pfl.  L.  89.  Dar  L.  90.  Baidi  (meint  Beidiu) 
w.  vnd  L.  vn  fl.  (meist).  91.  ca7en  Z/.  93.  Ans*,  u.  [ir] 
i/.     94.  tuncket  L.     96..  münc/*  wärent  L.     98.  Wissent 


fworten.     XXIV.  665 

ir  Äain  L.  99.  her«  L.  100.  d.  u.  pfennigL.  1.  irow — stats. 
aing:  gel.  pfenmng  L.  5.  lieze«  H.  L.  6.  [woljL.  7.  frow  — 
[al]X#.  8.versez*Zy.  9.  Werde«/,.  Wirt  m.  dazZZ.  lO.jun^Zy, 
fehlt  H.  12.  tun  JL.  13.  ha«t  L.  14.  Vnd  H.  nementZy. 
15.  Als —  wölt  L.  16.  Der  münch  i.  beschölt  L.  17.  N. 
ewch  er  s.  L.  18.  zechen  L.  19.  dar  L.  21.  Absatz  IL 
L.  erfüllet  L.  22.  Ir  L.  23.  münch  si  rfo  s.  L.  24. 
i^niht]  an  / roden  L.  25.  Sterne  Zy.  26.  varfe  ir  »«««dalin 
L.  27.  he«d  L.  28.  wisz  für  sinewe!  L.  30.  d.  sitzens 
v.  Zy.  31.  kond  der  knecht  n.  fl.  [k.  er]  ni*  mer  i/.  32. 
[kn.]  H.  [die]  1er  L.  33.  *Faz  Zy.  hiez  :  liez  IL  34.  daz 
n.  L.  36.  min«  sy  i.  ir  L.  37.  griffest  si  vröl.  38. 
[wol]  H.  vergo/*en  L.  39.  rede  L.  41.  du  irow  L.  zv 
m.  H.  43.  44.  samenungew  Alten  vnd  junge«  L.  45. 
tor  wont  ez  L.  46.  du  münch  gar  L.  47.  Wem  H. 
Wären*  ron  der  mi»  L.  48.  war*  er  ser.  49.  wirU«  Äom 
L.  [51.  52]  L.  56.  fro  L.  57.  siwt  Zy.  Ja  s.  ir  H.  58. 
Tu«t  —  r.  vnd  laut  den  sitt  (  :nit)  L.  59.  bai*  :  lai*  L. 
60.  müncA  L.  65.  heMe  H.  gesche«  H.  67.  stiU  L.  68. 
Wann  er  v/ist  L.  69.  scAolde  H,  so«  JL.  70.  vo«  L. 
71.  [s.j  I».  72.  kon*  s.  vnd  Zy.  73.  den«  mit  der  minn eL. 
~\.  iro  in  ir  sinne  L.  75.  liste«  daz  ftedach*  :  mach*  L. 
77.  sins  aftfliegentz  ftedr.  Zy.  78.  aiw  L.  79.  dem  Uiz  ze 
/>.  80.  pfej  L.  81.  war*  «6er  g.  L.  82.  Vas*  ruckt  si 
im  L.  H'.].  Hl.  si  äff  in  trat  Der  münch  jämerlichen  bat 
L.  85.  rucken  Z>.  86.  [sere]  Z>.  87.  war  L.  88.  im  wer 
vn  mär  L.  92.  Das  —  erAorn  L.  93.  Wann  si  g.  im  e. 
L.  95.  )ige«t  ir  böser  L.  96.  \'\b  L.  97.  min«  Zy.  98. 
vare»t  />.  99.  Dos  sinnen —  [wol]  L.  200.  do  H.  gerJe 
sti//  1.  L.  1.  Utes  ei  />.  mitte  //.  Zy.  2.  t'ro  L.  3.  4. 
Vtl  w.  i]  ir  hend  SM  <iraiffet  vmb  <He  wen«*  Zy.  5.  Vo« 
minnew  "/.s  <lii  natflff  />.  *  [befser  als  //</•  so).  6.  schaden 
//.  Wawti  i]  zu  dm  ich.  //.  7.  tränt  L.  11.  */*'e.s-  denne 
//.  dan  L.  \1.  liencki  im  war  du  min«  L.  13.  O 
wie  Mtttd  />.  da  /,.  //.  1i.  di?.  i.  «/«  a.  />.  15.  geben 
/>.  16.  mfigenl  L.  nv  hinter  ir  wiederholt  iL  17.  [vil] 
sli//  /,.  1!*.  Sllfa  der  tili  /,.  20.  kr/m  n.  we  (\afiirL. 
•i\.  e.  litota  ////  r.  t.  /..  l>l>.  dritte  />.  *  heftet  drittiu). 
i\.  m  z>.  ±\.  kirn  lecyen  [do  />.  leteen  oder  lecfenj 
//.  25.  driU  L  96.  da«  m.  /,.  27.  mfiocfa  />.  99.  \n- 
i  er  dannew  l.  :io.  er  zorntcUchen  l.  M. 
Ih'/v///  ieaa  //.  '»j.  wök  bitten  />.  •{'<-.  Wietz  ergingen 
\s.  /,.  :{.').  I).  ron  herzen  %,  />.  :{6.  v.  hin  d.  //.  37.  in 
/,.  .'{8.  A//,  entwerchi  über«  />.  :{!>.  Nb-  dann  BtorkerJL. 
'♦o.  |i  feUweden  w.  i.  i..  II.  haid  en  /,.  //.  14.  ^«cht 
/>.  15.  gai  /,.  '<<».  im  /,.  50.  Da  g.  i.  fiflf  sn.  //. 
53.  mer:  ii'/  ici  L.  Bd.  m  den  linen  \s.  //.  56.  Br  ip« 
i.  d.  knechl   /,.      M.  Iv.  d.l  /y.  Iwoli  rernvmen  :  kvmen 


666  fesarten.     XXIV. 

L.  258.  k.  da  v.  L.  59.  Wo  H.  zwa  L.  60.  [Ntt]  Lu 
64.  ängstlichen  £.  65.  [al]  L.  66.  Erst  —  oek.  L.  ®f. 
dacht  [o  we]  L  69.  Fnd  w.  L.  70.  han  i.  g.  m.  er  f>. 
71.  verlür  i.  du  pf.  L.  73.  münch  al  gemain  :  klain 
L.  75.  w.  ich  1.  L.  76.  E  das  i.  \it  disi  not  L.  77. 
zwö'lf  1/.  79.  hette  H.  Als  sy  im  hett  f/.  80.  fragten 
f>.  81.  82.  Wa  von  er  war  so  dürr  Ob  im  an  dem  lip 
icht  würr  L.  er  so  were  waz  im  w.  Vnd  o.  so  g.  d.  H. 
83.  ez  in  kaim  L.  vor  j.  ff.  84.  [der]  H.  minn  was  be- 
schächen  ff.  85.  er  duz  w.  heU  oesw.  Z,.  86.  war  L. 
87.  zw  e.  mitten  t.  L.  88.  Po  k.  L.  89.  sinen  Ä.  90. 
horte  ff.  91.  t^tf  L.  92.  .4iner  w.  Z,.  m.  ein  rint  gesl. 
H.  93.  94.  umgestellt  L:  obnan  —  dortan.  94.  [E.  r.] 
H.  Min  —  hett  erw.  L.  95.  claines  kelbalin  L.  300. 
Das  cz  kompt  ze  tfädinge  L.  2.  er  ze  L.  3.  [wol]  L. 
4.  Des  hofm.  L.  5.  Der  münch  n.  —  [er]  L.  7.  kam: red 
verna/n  L.  9.  gie  :  willecMch  enphie  L.  12.  hörent  L. 
13.  [hiut]  H.  14.  hasfL.  15.  erw.  L.  16.  Ich  din  o.  ff. 
[o.  w.]  £.  17.  Solcher  slea  L.  18.  [Wan]  L.  19.  aift 
lebend  k.  trag  :  sag  L.  20.  ieman*  H.  21.  gar  w.  fteckant 
L.  wert  ff.  22.  [sä]  L.  (25.  in  Z,.  ist  wol  zu  lesen  so 
enmag).  27.  keMer  i>.  28.  ez  e.  freudig  L.  [meint  wvl 
vradig),  vreveJich8  ff.  30.  Ez  i-  ir  sicher  k.  L.  32.  /m/t 
i.  33.  34.  umgekehrt.  L:  triben.  35.  [aber]  L.  36. 
Her  —  ez  gern  L.  38.  Wie  d.  ml  w.  g.  L.  39.  [ir]  k. 
nit  L.  mü(u)gent  L.  H.  [40]  L.  42.  \a  die/*  n.  f,.  darauf, 
für  40:  Wann  ich  muz  sin  lagen  L.  43.  Vnd  sl.  m.  ser 
daz  L.      44.   Vnd  tenck  n.  L.      45.  Jnferl.  £.     46.  Waz 

—  fast  Z>.  48.  mark  L.  D.  w.  d.  w.  s.  L.  49.  ff  er  d. 
h.  d.  da  I.  L.  50.  koment  morn  n«c/i  prim  L.  51.  fe*£f 
ich  üch  L.  52.  ez  werd  L.  56.  iV?/  k.  o.  n.  L.  58.  M. 
ww  u.  L.  59.  knüttel  L.  ff.  61.  kvm  ff.  62.  Da  H. 
63.  vn  ff.  (63.  Er  sprach  in  L  ist  überzählig).  66.  dirs 
noch  L.  67.  Do  sp.  f>.  68.  schult  H.  sunt  üch  vz  der 
L.  69.  [v.]  schier  L.  70.  Maib  n.  wan  L.  72.  [und] 
wärent  L.  73.  lift  f>.  74.  Ez  w.  ir  «ins  nie  L.  81.  tors* 
s.  m'e  f>.  Dar  inne  aelorst  n.  lenger  ligen  ff.  82.  grozzen 
L.  83.  dritf  L.  knu(i)«el  ff.  L.  85.  \asz  din  L.  87. 
[O  we]  —  ge/*an  L.  88.  wolt  —  amman  L.  39.  si  mir 
ez  werte  L.  90.  has  gen  wald  jL.  94.  dir  diw/'y  L.  95.  ie 
mer  we  L.  96.  sogest  ain  f>.  97.  kurtzer  L.  98.  Läfesfa 
L.  09.  O.  werden  L.  400.  den  L.  1.  VFe/s^n  a.  H.  3. 
brütlewt  fy.  5.  gerichtet  f>.  6.  Gen  den  walf  wa*  d. 
/ta«en  L.  7.  mocAt  —  dolen  :  holen  L.  8.  [wider]  L.  9. 
tober  L.      10.  hertz  —  ze  st.  L.      11.  hen£  L.      12.  Daz 

—  doc/»  L.  13.  Vor  lai*  f>.  15.  [vo»j  vnwisscn^  d.  ge- 
ri^en  L.  16.  mainent  ir  da  mitten  L.  17.  waz  —  sehu/£ 
f..     18.  hanl  soiich  vngeduk  f..      20.  i.  h.  m.  k.  L.     21. 


i\'9örtcn     XXV.  667 

h.  s.  H ,  selb  ha«  L.  423.  geritten  —  zorw  L.  2i.  [wolj 
L.  25.  En  kain.m.  k.  tr.  L.  27.  samwunge  H.  28.  Da* 
ff.  20.  Vnd  enrü'cAt  L.  30.  türst  vnd  d.  L.  35.  sint  L.  36. 
schendentL.  37.  all  du  in  de//*  ordenl/.  39.  zeaiwemiy.  40. 
Ich  nicht  —  [noch]  m.  6esch.  h.  41.  42.  umgekehrt  ff.  Von 
wunder  sp.  d.  alt :  walt  L.  43.  weiten  £,.  44.  in  ff.  [sere]  £,. 
45.  henrf  —  dieb  L.  sam  ff.  46.  syrf  —  lieft  L.  i8.  sond 
w.  en/>hinden  L.  49.  i.  d.  xmb  ze  mu^L.  50.  Wie  1.  er 
gerüwt  L.  51.  kül/en  :  gross  hüllen  L.  53.  alt  g.  ie  £. 
54.  netten  ff.  D.  münch  im  ate  «in  n.  gie  Z/.  55. 
aim  stricft  :  dicÄ  L.      57.  So  er  s.  kint  L.      58.  £  er  L. 

59.  miincA  s.  alt  nament  L.  60.  m.  ain  ander  L.  61. 
Da  —  sach  L.  62.  taugen/cl.  ff.  Denmütichch  der  münch 
sp.  £.      63.    [an   1.]  —  &esche/*en  L.      64.  ich   für  ir  L. 

60.  müss  Z/.  66.  me  L.  68.  wölt  ez  haizzen  L.  70. 
prio*  //.  71.  Dar  —  keller  L.  72.  Die  münch  d.  mär 
L.  75.  sieg  L  76.  Allü  L.  77.  war  £.  78.  dez  b. 
gaistes  L.  79.  da  L.  80.  besweren  ff.  82.  Als  sin  gebot 
wart  gelaisl  L  84.  grossen  L.  85.  apt  —  [do]  L.  86. 
Si  ü.  d.  m.  6atten  L.  87.  Ir  guten  s.  jsi  do]  L.  88. 
begunrf  oassen  L.  91.  er  //.  enp/mn  it.  92.  *  lies  so.  wölt 
ich  nimer  clagen  1.  L.  95.  sin  ff.  [so]  JL.  96.  Ez  timcftet 
*'n  so  sm.  L.  im  rnmere  ff.  97.  gwug  1/.  499.  500.  w/«- 
gekehrt  IL  Vnd  fo  besp.  ff.  1.  Waz  si  n«  t.  L.  2. 
tröten  t/.  5.  zwöllV  L.  6.  frört  /,.  8.  d.  a.  ff,  o*a  för 
UH>1  />.  9.  n\t  sinnig  war  :  kerker  />,  karchere  ff.  14. 
ze  ezze/i  wie  L.  15.  unri  L.  16.  Er  b.  o7c/t  durch  g. 
L,.  17.  18.  daz  k.  da  hin  sant  :  erkant  Da  ez  cristan 
aamen  erkan!  L.  19.  20.  de«  funfzechw  lagen  Uegund  d. 
m.  d.  ;i.  clagen  //.  21.  22.  l>i<  lit  recht  —  minn  u.  d.  knecht 
L.  23.  da  ty.  25.  ir  IL  2ö.  riiinw  jL.  27.  sait  wie 
er  im  t,.  29.  90.  bfil  bieofa  e.  Ihm  Du  daref  n.  um  Lr<"//rni  t,. 
31.  NO«  fön  t>.  prior  :  kor  L.  33.  ü.  8.]  it.  [u.]  /,.  3*. 
Vnd  t/.  L.  soll  /,.  35.  '  diu  /v/r  dd  t/.  (bejürj.  36. 
«lim  //.  37.  sümJ  t>.  3S.  Ewii  t„.    3!>.  mir:  zwingewer £. 

\\\.     M  NachHjtM. 

,    ;  i  Sammlung   *  // 

Mi  ^/  etM  hübUch  tprttch   von  liebe.       I.   Was.       10. 

tan  ( uniiirr ).     11.  fretn    \i>sntz.     14.  embor.     1h.  1!>.  \ n 

iiiinnr       nnlit      Hilde,     h«  / 1  <•     (mrisl).     kiiu/.  2i{.     gegent. 

27.  ricA :  weidelicÄ.  :;!.  schön.  33.  oemen.  10.  junp. 
iH.  gwnde.  19.  raubte.  ö'<.  u  <».  55.  magt.  58.  menscA 
kowmen.  <>(>.  Rweyger.  61.  garte»,  öl.  Do.  69.  het. 
70.  wuiiv..  77.  hi/.  K2.  'in  ist  Druckfehler  für  im.  des 
ist  überzählig.  88  fcHn  Abtat',  magr.  96.  knappe. 
III.  u//  16  beide.  is.  wfi.  31.  D//s.  J2.  D««Mwen. 
31.  Wlle.      '.'•     ireren       VI    ichfer.      \\    >\<>.     i8.  gcf»g- 


668  fesarten.     XXVI. 

150.  schrecke*:  erwecke.  5t.  Un  ez.  55.  sie.  61.  schier. 
64.  wo.  67.  fnge.  73.  liplich.  75.  do.  76.  kurU.  78. 
duh!.  81.  gesmncket :  ge!n<cket.  86.  Hmaht  noch  ninem. 
90.  da.  95.  sulent.  97.  \ett.  98.  *  befser  und.  202.  üt. 
10.  geslicAen.  14.  rage!  v.  a.  in.  20.  stnnd.  *  befser  und. 
22.  *UesSi.  29.  moh!.  36.  plagen.  41.  erwache*.  51.  sinnen. 
54.  were.    57.  ir  sin!.    58.  wartent.  61.  bede.  63.  beiagen. 

XXVI.     Frauenlist. 

Heidelberger    Sammlung  (H.)  42;    Coloczaer  Abschrift  (C.)  41.    w.  I. 

Der  vil  mancher  wise  ist.  C.  16.  wurde  C.  19.  Swo 
H.  C.  21.  redet  C.  25.  snlche  H,  solich  C.  28.  lip  /f. 
33.  spricht  ff.  38.  siner  C.  41.  din  e.  H,  die  e.  C.  52. 
do  ff.  C.  53.  Sinen  C.  *  (wo!  s!eig  —  stolzer  zu  lesen). 
60.  siner  herzen  C.  61.  Äem  Absatz  H.  C.  62.  di!x  C. 
69.  hertzens  C.  70.  tor/U  C.  72.  torft  C.  75.  munt  C. 
83.  wortern  H.  C.  91.  Absatz  ff.  C.  92.  begonde  —  w. 
hebe  ff.  94.  mir  si  sei  ff.  96.  scAullens  C.  99.  sie 
(immer)  lieht  C.  105.  sis  C  14.  19.  umbe  C  26.  nflvcke 
H.  C.  28.  W&z  H.  C.  31.  ver!urbc  H.  C.  33.  verürbet 
i/.  C.  35.  sie  (7.  38.  Sim  C  (ist  Sih  im,  vgl,  hinter  348J. 
42.  Fnr  war  C.  47.  50.  64.  sie  ff.  C.  scheuen  :  gel!en  C. 
52.  Sonen  w.  H.  C.  54.  wolde  C.  56.  traf  C.  57.  Ertliche 
C.  65.  schire  C.  vernnmen  :  knmen  H.  C.  68.  michs 
H.  genietet  C.  (wol  nur  Druckfehler).  72.  Solde  C.  75. 
kein  Absatz  C.  grevz  ev  ff,  grnz  ucA  —  vrowen  C.  77. 
disen  C.  79.  war  C.  antwort  HC.  82.  *sie  H.  C.  (befser). 
83.  houöt  H.  C.  86  Sie  mes!c  C.  87.  dri  unde  C.  89. 
antwort  #.  C.      92.  gruze  C.       94.  knmen  H,   kome/i  C. 

97.  Absatz.  C.  200.  Unde  —  dirne  C.  4.  Rede  C.  6.  si  H. 
(nnhe>nsam?).  7.  grv(u)ssam  ff.  C.  14.  in  /f.  15.  Legen 
daz  C.  19.  Äein  Absatz  ff.  C.  22.  Gienge  H  C.  24. 
iren  vi.  mit  s.  C  26.  do  ff.  C.  38.  kome  C  42.  genaden 
C.  gero/tt  H.  47.  vrowen  C.  49.  spra/tt  H.  50.  [ha]  C. 
52.  bescheinet  C.  58.  Swo  Jf.  C.  61.  stricke  C.  62. 
behabe  C.  63.  o.  a»  s.  C.  64.  1.  ie  gescheen  C.  65. 
spielt  C.  66.  liebe  C.  68.  geboren  H.  71.  sage:  trage  C 
73.  h.  gedenken  C.  74.  Menslich  H.  80.  Sulch(e)  antwort 
C.  ff.      83.  daz  w;*s  ff.      87.  gonde  U.  C.      97.  kindes  C. 

98.  *  sel/*e  für  selöe  is!  Druckfehler.  303.  m.  dew  d.  C. 
5.  sie  H.  6.  *  befser  ich  ie  mere.  9.  Swo  H.  C.  gevalle» 
C.  12.  iren  H.  14.  nimen  H,  niem«n  C.  17.  vernnmen 
ff.  C.  18.  da  C.  21.  si  H.  25.  46sa!z.  H.  C.  26.  ich 
sj  sm.  C.  27.  liden  C  28.  umb  C.  31.  mute  ich  sterben 
C.  39.  Sterbe  is!  Conjunctiv,  nach  swen,  wie  320.  40. 
dienst  C.  43.  46s«!?;.  H.  C.  44.  ser  C.  45.  Do  H.  C. 
hinten  C.      48.  smiren  H.  C.       Das  hierauf  allein  in  C. 


feoartrn.     XXVI.  669 

Folgende  lautet  buchstäblich:  Und  allez  daz  ir  an  get  Mir 
für  nichte  enstet  Da  von  lazet  under  wegen  Und  machet 
zu  mir  iwer  Stegen  Nicht  mer  daz  ist  niht  not  Daz  uch 
iht  beswere  der  tot  Von  sunderlichen  schänden  Und  von 
grozen  banden  Die  uf  uch  wirt  gebunden  In  vil  kurtzen 
stunden  Sie  dacht  aber  her  wider  Und  sprach  ouch  sider 
Sim  vgl.  138  was  tzihest  du  den  man  Der  dich  mit 
triwen  kan  Lieplichen  truten  doch  Dem  sollt  du  sin  Ionen 
noch  Mit  sunderlichen  dingen  Und  nach  siner  minne  ringen 
Und  im  damit  vergelten  Daz  du  in  dicke  schelten  Gedachst 
umb  sin  kose  Dar  an  wer  du  böse  Und  unversunnen  ge- 
nuc  Wan  er  dir  doch  triwe  truc  Nu  wil  ich  umbe  keren 
Sin  selde  und  gelucke  meren  Und  in  bringen  inne  Daz 
ich  in  von  herzen  minne  Daz  geschach  sie  wolde  Im 
Ionen  nach  ir  holde  Und  im  ertzeigen  gunst  Daz  lerte 
sie  der  minne  kunst  Daz  sie  im  bewiste  Ir  liebe  und  im 
geleisle  In  ir  herzen  wol  Als  ein  vreunt  dem  andern 
sol  Des  wart  er  ouch  inne  In  sines  herzen  sinne  Unde 
quam  dar  nach  dnr  Und  antwort  ir  zwar  Unde  sprach 
(349).  55.  en werde  C.  57.  lip  H.  C.  60.  eija  steht 
öfter  ausserhalb  der  Reimzeile,  wie  andere  Ausrufe,  und 
nie  Er,  Si  sprach.  62.  *  lies  mich.  63.  gibe  —  ber  : 
ser  C.  65.  bevilAt  H.  C.  68.  kr/gen  H.  C.  70.  mues 
C.  ~i\.  Unde  C.  'lies  besehe  [befser  besihe).  83.  Absatz. 
II.  C.  8*.  «aller  C.  89.  Swar  ir  C.  91.  daz  für  des 
//.  C.  400.  *  befser  minne.  %.  wollet  C.  5.  Iwer  C, 
Eiwern  //.  (ist  durch  das  unrichtig  hinzugemalte  E  ent- 
standen, nie  418).  7.  Wilf  du  11.  C  wirde  C.  8.  r.  roter 
rarwer  //.  V.  10.  stunl  //.  C.  13.  Absatz  11.  C.  Xrow 
|  15.  wolf  C.       16.   erkngen  H.       17.  zeiner  C.       18. 

Bfwern  //•  (wie  105).  ^0.  geschehen  C.  27.  vmbe  C. 
:\i).  solche«  V.  3*.  wolde  C.  35.  kein  Absatz.  H  C.  39. 
Unde  C.  13.  Sie  —  Irom  :  körn  //.  \~.  c/wcr  II.  (vgl. 
406).  /wem  gen  a  den  sozzer  frp  c.  is.  daz  schone  klare 
W.  ('.  52.  mi-'  Bin  //.  (  .  ')»>.  da  C.  57.  kein  Absatz 
ir  (  .  56.  Beide  //  c.  \>\).  wnd  R.  64.  vor  bewareafe/M 
behebe  durchstrichen  u  65.  antwort(et)  —  schire  H.  C. 
65.  mH  du  ii.  C.  69.  solt  t\  II.  70.  Wo  n.  c.  verdient 
C  11  Do  f.  78.  sitint  H,  stunl  C.  7!).  Mochtet?.  S3. 
und  für  ffooi  r  ss.  denne  c.  9.*i.  antworl  //  c.  96. 
dl«  r  :,(K).  Sind  n  3.  gibe  C.  s.  umbe  C.  9.  vor 
Mi-/  tiehi  /.it  durchstrichen  n.  10  mancAen  //.  C.  11. 
ist  ////•  ich  C,  13.  were  gescheAen  f.  14.  hefe  C.  22. 
umbe  c.  93.  ilreel  //.  (kann  bestehen),  empfanden  C. 
31.  Bf  gen  //.  f.  getan!  C.  33.  wirsl  </u  //.  f.  io. 
liebe  ß  M.  hn  //.  C.  ide  C.  18.  Im  //.  0.  47.  neme 
G\  '*9.  feain  Ab$e4te*  //.  f.  •>'«.  jade«  -  sa«  r.  56. 
/an./  //       m.  ledocb  r.      64    So  //.  9fcN  f.  f«f|(  13s>. 


670  juartrit.     XXVJil. 

567.  *unk(e)t  H.  C.  schribe  C.  68.  schände  C.  73.  heim- 
liche C.  75.  swenne  C.  76.  sulche  H.  C.  78.  Unde  C. 
79.  begond(e)  ff.  C.  *81.  Absatz  H.  C.  (befser).  Um  H. 
88.  fremde  C.  89.  svlt  H.  91.  sott  C.  94.  [allenj  C. 
andern  ist  übergeschrieben  H.  99.  ougew  rechte  C.  601. 
vrow;  H.  gonde  H.  C.  5.  da  C.  7.  siAe  C.  9.  dar  für 
da«  6'.  10.  v\em  für  nein  C.  14.  sihest  C.  20.  scheid  u. 
Jesu*  C.  ihü  J/. 

XXVII.     Frauenbeständigkeit. 

Heidelberger  Sammlung  [H.~)  195.      Fehlt  in  der  Colonaer  Abschrift. 

Veberschrift  reiner,  mufs  bleiben ,  i/;ie  46'8.  Die 
gröfseren  Anfangsbuchstaben  der  Absätze  sind  nur  in  der 
kleinen  Vorschrift  da,  vom  Schriftmaler  nicht  ausgeführt. 
Ebenso  in  den  folgenden  Stücken  der  Handschrift,  1. 
fremeden.  12.  Des.  23.  vruZ.  26.  begondc.  29.  *  selben 
(selber  ist  Druckfehler).  32.  33.  sie  (immer).  50.  Vnde. 
60.  lehe.  71.  gihl.  100.  scbade».  2.  wolt.  13.  tag  ze.  15. 
scÄolt.  20.  enpor.  32.  antwort.  36.  gonde.  39.  gem.  43. 
Vielleicht  AI  die  zit.  55.  antwort.  56.  valsch.  65.  vnde. 
70.  hetze.  72.  zw  ein.  77.  Absatz.  80.  i/iht.  82.  nunew 
rucÄ.  95.  Sc/mlt.  207.  antwort.  20.  kond.  26.  viher 
(das  h  über geschrieben J.  28.  gewerf.  36.  han  für  stan. 
39.  kein  Absatz.  48.  Sonera  lazzeraf.  50.  53.  vn.  55. 
Nunen  weiz.  *Die  Redehäkchen  sind  im  Drucke  vergefsen. 
66.  in  £wank  scheint  t  eher  f.  68.  krmen.  76.  *  hinter  r wie 
fehlt  ein  Komma.  82.  d'itz.  85.  t\.  hant  i's£  afs  ungültig 
tinterpunktirt ,  wrad  art  übergeschrieben.  87.  Absatz.  92. 
*6e/ser  lä[ze]n.  97.  *«<?«  sei«'.  99.  irx.  303.  nach.  8. 
Urade.  13.  kernen.  25.  Do.  27.  schult.  31.  spis.  35. 
Do.  37.  *lies  sterkestf  (ohne  Kürzungshäkchen}.  41.  *lies 
dem  selben  (getrennt).  45.  *  befser  linde,  sieben  mit  über- 
geschriebenem a.  47.  ölen.  49.  vnde  ze  ritzen  (tz  in  z 
gebefsert:  *  lies  ^eri^en).  62.  *lies  und  owcA  diu.  88.  befser 
wol  hove.  93.  ichz  mit  übergeschriebenem  e.  97.  do  wol. 
401.  sweren  :  erneren.  7.  *Hes  ouch.  14.  begonde.  der  ist 
überzählig.  20.  hmt.  22.  23.  erklärt  in  den  Nibelungen 
3672  vürwise,  urwise.  Vgl.  Minnesinger  I,  354"  und  Wör- 
terbuch zu  Tristan  verwisen  und  weise.  26.  dese.  27. 
*  befser  iu.  33.  vn.  38.  rise  bette.  39.  ste£  :  ivet.  42. 
*brfser  [der].  55.  nv  für  im.  57.  kein  Absatz.  *lies  da?. 
für  dar.     64.  kein  Absatz.    66.  vn. 

XXVIII.     Die   Teufelsacht. 

Heidelberg  er  Sammlung  (H.J  38;   Colocstaer  Abschrift  (C.)  56. 

Veberschrift  [des]   t.   eeht  :  knecAf  C.     Folgende  Les- 
arten gehören  H.      3.  gäbe.      5.  vh.      6.  hetten  (meist). 


i'esorten.     XXIX.  671 

16.  wolfe.  27.  do.  29.  schone.  35.  scAolt.  36.  mag. 
37.  *  Nu  für  Vn  ( lies  UndJ  ist  Druckfehler.  38.  verwizze 
•{lies  terwtae).  39.  kein  Absatz.  42.  do.  46  da.  51. 
pflegen.  68.  evch  (immer).  69.  echte.  72.  hin*.  73. 
*  Sieh  für  Sich  ist  Druckfehler,  was  77.  minnewclich.  *lies 
bewak  für  bewak.  85.  86.  Vn.  109.  echte  :  bedechte. 
16.  Do.  17.  Vn.  29.  Bringen.  29.  30.  echte  :  gedechte.  45. 
do.  60.  hör.  71.  echte.  80.  vmme.  81.  went'nc.  85. 
wacket.  230.  begond.  31.  *wes  (mvfs  bleiben).  32.  echte. 
67.  sweick  Übe.  72  ist  Wiederholung  von  70,  weil  ver- 
muthdch  die  auf  69  reimende  Zeile  ausgefallen.  73.  hvbe. 
76.  groz.  84.  vor  erste  steht  herzen  durchstrichen.  *Si  v. 
etslöch  für  So  v.  etslich  ist  Druckfehler.  varew.  300. 
Von  —  ban  ist  als  dritte  Reimzeile  abgesetzt.  1.  echte. 
16.  scÄolten.     17.  antwort.    20.  Wollen. 

XXIX.      Der  wahrsagende  Baum. 

Heidelberger    Sammlung    (H)    199,     Coloczaer    Abschrift    (C.)   122. 
Gothaer  Handschrift   C@-) 

Ueberschrift:  von  dem  a.  —  w.  betrowg  t/san  C.  Von 
der  minne  eins  albern  G.  1.  al&er  G.  3.  dem  G.  4. 
Wo  o.  von  waw  G.  wo  er  trottenden  w.  C.  5.  vasn. 
e.  ui[»  G.  6.  1.  als  der  lip  G.  7.  [ir]  G.  engonde  ;  konde 
H.  G.  9.  iemnn*  H.  12.  kurzw.  sie  pf.  G.  13.  14.  ver- 
kehrt II.  [noch]  —  Do  s.  d  natur  G.  15.  [sie]  b.  waren 
G.  S?Sl  w.  s.  b.  i/.  16.  [zwar]  H.  17.  ßed.  G.  18. 
wol  ir  ///r  div.     Ich  wil  es  lazzen  es  ist  g.  G.     19.  Ateus 

I.  er  es  diefc  fiP.  20.  er*  H.  [d.  w.]  G.  22.  er  rfis  G? 
erz  dfcAre  //.  2:*.  viu/  //.  [alze]  G.  24.  dem  wibe  vil 
ODge  O.  2  >.  W.  /Yrtx  s.  e  G.  26.  Und  in  inn«n  G.  27. 
Und  mit  wie  getanen  ginnen  G.  28.  Daz  er  d.  sp.  be- 
ginn* G.  29.  bat  G.  30.  tag«  //.  31.  um*  G.  32.  [vil] 
G.  33.  also  G.  34.  enm.  recht  nimmer  me  G.  35*. 
lurchte  </«z  i.  G.  mdzze  :  brzze  //.      36.  10.  Kondesf  du 

II.  G.  kein  G.  'M.  o  G.  38.  39.  K.s  enw.  n.  m.  w.  me 
so  l.  aU  G.  10.  selber  G.  I&  m.  g.  G.  43.  entruwen 
G.  U.  //////  /'.  ich  G.  15.  vw  :  bie  G.  f7.  ane  H.  (farnn 
bleiben ).  18.  soll  <fi  //  i7.  18.  Dar  soll  du  gen  uf  der 
ital  Wen  mich  groi  nol  betwtwgen  bat  G.  49.  do  //. 
50.  da  Uberge$chrieben  ii  '«9.  50.  Wa«  dir  widervar  das 
merke   Daz   dich  Go(    müzze    Sterke  g.      51.  dineM  g. 

rinne  :  iniw   G.        .'12.    l)o   //.        £3.    er  /»orrn    //.   Anrcn/ 

letii  0       -i    /■""    IAmJ      //.  G.   /><^  v  d.  in.  teleO,     >•>. 

g.    56.  \  ode  //.  c/i  w.  ni  0.     >7.  Und  b.  s.  »i  v. 

G.    5&  Hm  Me/  er  zu  G.    61.  b.  Arocb  elf.    63.  horel  n 

[den]   rn.    hetrorh    G.     tül.    Ar///     \hs,il:..    G.     64.    [•€>]   n.ihc 

6      05.  f,  tfifer  ul  i.  knie  g      66.  Unde  //.     67.  mane 


672  jfoarttn.     XXXI. 

G.  69.  wollen  G.  70.  Umbe  H.  liebe*  G.  71.  sulte  //. 
72.  das  w*p  uz  der  hülle  G.  [73  —  88]  G.  89.  ünde  ff. 
Minne  v.  G.  91.  kein  Absatz.  H.  G.  m.  der  w.  G.  92. 
Und  geglaubt  vil  w.  G.  92.  93.  befser  Und.  93.  uf  für 
dö  G.  95.  1.  bald  u.  G.  umme  :  krumme  ff.  96.  u.  auch 
d.  G.  97.  kamen  :  hatte  vernwmen  H.  97  — 101.  Daz  sie 
heim  was  kumen  vor  Do  der  man  gie  zu  dem  tor  Sie 
sp.  bist  du  kumen  Was  hast  du  vernumen  G.  100.  S* 
H.  3.  Em  ding  d.  i.  dir  ungern  s.  G.  4.  [Daz]  G.  5. 
fwrcht(e)  H.  G.  6.  was  dann  w.  G.  7.  Daz  G.  helen: 
:  qve/en  H.  8.  So££  ich  langer  also  q.  G.  9.  Immer  mere 
von  diser  n.  G.  10.  So  w.  weger  m.  d.  G.  [11 — 14]  G. 
Absatz.  H.  14.  bovme  ff.  17.  Do  wand  i.  d.  we  tun  mit 
G.  18  Sie  sprach  hört  a.  d.  z.  it  G.  20.  Und  m.  m.  g. 
G.  21.  Dar  d.  G.  m£zze  :  b&zze  ff.  22.  Hälfe  G.  d. 
seJoew  b.  H.  23-  gewese  ff.  G.  24.  Es  dann  d.  G.  26. 
St.  m.  guter  m.  G.  27.  Do  w.  ff.  28.  [Und]  —  w.  im 
selber  k.  G.    29.  minnew  G.     30.  begonde  ff.  [32]  G. 

XXX.     Der  entlaufene   Hasenbraten.      Von  dem 
Vriolsheimer . 

Heidelberger  Sammlung  (HJ    200;     Coloc%aer  Abschrift  (C.)  123.  — 
(Seite  147  lies  Tischlachen  für  Fischlache.).  — 

Ueberschrift :  Ditz  ist  ein  mere  von  zwen  hasen  Daz 
muget  ir  losen  one  nisen.  C.  Die  folgenden  Lesarten  ge- 
hören ff.  10.  Gezze.  15.  kamen  :  genamen.  17.  In 
haim.  18.  wer.  28.  vodern.  40.  Waz.  39.  kein  Absatz. 
50.  begonde.  51.  Absatz.  54.  beiien.  55.  Satz*.  61.  74. 
begond.  66.  \nd  wist.  68.  Sie  sp.  ist  überzählig.  70. 
xnd.  78.  verholw.  83.  Orabet.  *(befser  Danfnen]  tr.)  85. 
kamerer.  88.  Wo.  ("is£  Wa  zu  lesen,  oder  min  gevater 
auszumerzen).  89.  bekamen  :  genvmen.  99.  Absatz. 
100.  l&te.  3.  ab.  5.  *lies  Es  6.  scAolt.  8.  wo.  9.  Eya 
(ist  wieder  außerhalb  der  Reimzeile  zu  nehmen).  13. 
der  vr.  [kann  bestehen,  als  Genitiv  zu  kirche).  16.  be- 
dach*.   20.  do.    22.  vfi.    24.  Vnd. 

XXXI.     Der  Reiher. 

Heidelberger  Sammlung  (_H.^)  44>;  Colovzaer  Abschrift  (_C~)  4-3. 

Ueberschrift:  mer  :  swer  ff.  Ditz  mere  ist  wie  ein 
man  mit  einem  hanen  einen  reiger  vieng  C.  1.  vw  ff. 
4.  Do  ff.  C.  5.  vor  ff.  C.  11.  Do  ff.  C.  Der  bekannte 
Spruch  Freidank.  5.  Vgl.LWM,  285.  13.  sie  si  C.  14.  alrerst 
C.  15.  vrevlichen  C.  [Wortspiel  mit  vro,  vröulich).  20. 
fruret  C.  sie  ff.  C.       22.  Gutes  für  sie  bitten,   ihr  wün- 


jTeoorten.     XXXI.  673 

sehen.  24.  evh  H,  uch  C  (immer')-  26.  het  C.  32. 
manerten  H.  C.  34.  begond  ff.  C.  36.  [daz]  er  C.  37. 
Wenwe  —  ze/mal  C.  38.  rter  ///r  er  ff.  da  C.  39.  vlock 
ff.  C.  41.  wor  in  drehte  H.  42.  [ndW]  C.  43.  Zeinen  C. 
45.  t.  das  w.  C  [meint  dar).  46.  Do  H.  C.  48.  er  wische(n) 
H.  C.  49.  fgew;ar]  C.  50.  habschs  H,  habertes  C.  51. 
begonde  H.  C.  52.  Gescherte  C.  54.  ttohte  H,  duchlc — 
tetrer  C.  56.  dem  haw  C.  57.  58.  umgestellt  C.  61. 
betröge  ff.  C.  63.  ff/e  /V/r  £r  H.  C.  67.  viene  C.  *  Hinter 
han  /ert//  em  Punkt.  69.  habe  C.  76.  \w<rtzen  i*.  C. 
81.  trag»  H.  82.  behage«  C.  85.  wey  :  phle</  //.  C.  86. 
halde  C.  90.  herren  /f.  C  (Y«s£  immer).  97.  «innenkl. 
C.  98.  antwort  ff.  C.  99.  kein  Absatz.  H.  C.  100. 
enda^te  H.  1.  bereiten  C.  2.  schir  //.  3.  hern  C.  6. 
*  //es  Vnd  hrere.  9.  Heiz  C.  10.  muge  C.  14.  Do  ff.  C. 
geraten  C.  18.  ichs  C  (bejserj.  20.  er  b.  zovwe  H. 
21.  die  für  (\'\n  C.  23.  icannen  —  bekvmen  :  vernvmen 
H.  C.  24.  habe  C.  26.  Sin  C  28.  genieze  ff.  29.  bringe 
C.  30.  [ouch]  C.  31.  schire  het  C.  32.  Witt  *v  ff.  33. 
3*.  39.  sie  ff.  Do  IL  C.  35.  an  «ach  C  36.  g«/tl.  ff.  C\ 
39.  gescherten  Ü.  42.  konde  H.  C.  gescherten  C.  43.  bc- 
gonde  H.  C.  45.  vn  H.  C.  46.  Siw»  mait  H.  Sim  d?*  m. 
gen£  C.  51.  *L'nsre  /'fir  Unser  ist  Druckfehler.  54.  und 
C.  56.  *wil*  0  (befser).  57.  do  hatten  //  (7.  60.  64. 
wilfprete  C\  66.  gevater  C.  68.  ritten  C.  73.  Absatz,  ff.  C. 
haften.  //.  C.  70.  vc  o  rsinne  C.  H.  77.  wil/preles  en/peiz 
C.  79.  Absatz.  IL  ( .  Gevater  C.  vn  ff.  80.  Gebet  — 
wilfpretes  C  85.  gevater  Sünder  vlater  C.  (  Flickreim, 
m/1  den  Streckvers  zu  heilen,  wie  191,  217,  241,  287, 
529,  :»,:{.>.  367,  365.  Kr\).  Vvm  IL  C.  88.  man:.  C.  89. 
mich  C.  91.  gevater  Sunder  vlater  C  {wie  185>.  woltif. 
f.  \)\.  Ab  n.  C.  wer  //.  Buwer  c.  200.  uhd«  //.  2. 
lutzdem  r.    6.   Wallfahrt  zu  St.  Jakob  nach  Compostella. 

9.    Do   C.       1!.     alfl     f.      |5.    Absatt.       17.   Avm   Absatz.   IL 

C  15.  ipr.  u  Im  Kffii  //•<// r  tfej  ////«  c.  {ähnliche  Zu- 
thal .  ,//,<  is.i>.     Ki.   goll  /'•    «in    //.  t       18.  *««i  kvarn 

i.  20.  ki/men  £T.  C.  ±~  ' tefter  Heizt.  2U.  Abtatz. 
ii.  c.  34.  :{•').  n  li  uili  bal  /.<•  Imsc  r.  //////  auch  den 
Vert  be/hern).  M\.  Ich  lw///  r.  m.  e.  b.  ist  überzählig, 
jedoch  ii  240  erforderlich),  37.  scAulle  C.  38.  /<;///;• 
Ei  C  '."'■  trfwen  pcscheAen  c.  10.  bao  (  M.  /»//- 
//.  r.  ii  ij.  rrow€  Mtfa  Also  Inj»  ich  uch  si  und 
der  berre  «im  So  bringe  u.  d.  r.    Der  \<>t\  dem  han  wart 

i  C.  (vgl.  18$).  \>.  ii  ///  habl  le  h.  C  (befter). 
16  De«  /'.  )-  iiii-lr  r.  böse  gekose  //  (7.  i ■»•  sie  //. 
»'».  4*#<rt  //  (  .Mit.,-  c.  <•<>  Send  C.  87.  beiten  //. 
C    71.  /,  f«   |6  roumete:  soumele  B.C.    75.  gfnch 

//•  (      .  ml  nde       gatern  r.    so.  m,,„  c 

ii  <  ; 


074  harten.     XXXII. 

281.  heli  (für  lief}  —  gevater»  :  gatern  C.  85.  gevater« 
C.  87.  gevater  Jensit  des  guter  C  (ebenso  293,  297,  317. 
Vgl.  185J.  geschehen  C.  88.  nie  für  me  C.  91.  den  C. 
93.  gevater  über  den  gater  C  (wie  287J.  94.  sott  C. 
ha\en  ff.  95.  übe«  ff.  97.  gevater  Bi  dem  gater  C  (wie 
287.).  98.  kernen  ff.  C.  300.  Und  ff.  C.  regen  C.  1. 
Und  C.  5.  kein«  C.  8.  were  C.  11.  wolt  ff.  C.  genesen 
C.  14.  zw«  ff.  C.  ES  H.  15.  Und«  C.  17.  gevater  Zu 
zir  über  den  guter  C.  (wie  287).  20.  besser  werdcnt.  21. 
gefrumt :  kumt  C.  23.  Absatz.  ff.  C.  26.  Do  ff.  C.  29. 
gevater  Bi  dem  gater  C.  (wie  287>  30.  *  [gerne]  C.  (befser). 
31.  die  schoz  C.  32.  sie  «cA  oesloz  C.  33.  Sie  ff,  34. 
hinter  w.  s*e/j£  e*n  durchstrichenes  g.  J/.  35.  gevater  U&er 
den  gater  C.  (wie  287).  36.  rissen  C.  38.  [nü]  C.  tv 
ff.  C.  O'n  ff  ist  ein  n  hinten  ausgewischt).  42.  Do  ff.  C. 
43.  Und  fru  tr.  C  [44.]  ff  (eine  Zeile  ist  dafür  leer 
gelafsen).  45.  kein  Absutz.  C.  er  beizte  C.  47.  Ob  er 
sich  C.  48.  [Da]  —  h«^en  C.  49.  stebe  ff.  C.  50.  wolde 
er  die  </eoe  <7.  habe  ff.  ("ein  Querstrich  über  dem  e  /«£ 
verwischt).  57.  gevater  Z«  «r  «6er  *Ze«  gater  C  (wie 
287>  62.  immer  suchen  C.  64.  sa/n  C.  65.  gevater  ffi 
dem  gater  C.  (cnie  287>  68.  gut«  C.  70.  leg*  C.  76. 
Anspielung  auf  den  grimmigen  Wolfhart  der  Heldenlieder, 
Biterolf  und  Bietleib ,  Rosengarten ,  Nibelungen.  77.  rrzen 
:  l^zen  ff.  80.  Gefruden  C  (die  man  um  gute  Nachther- 
berge anrief.  XL1I,  20.  vgl.  XXXV,  290).  81.  gegeben  C.  85. 
do  ff.  C.  87.  ichz  C.  88.  [da]  d.  r.  v.  C.  90.  knwtte!  ff.  C. 
91.  zog  C.  92.  ab  C.  zopfe  ff.  C.  93.  worz.  ff,  von.  ha» 
C.  95.  zopfe  ff.  6*.  erfcreifte  C.  98.  dis  s.  C.  99.  keme- 
nate  C.  400.  trurens  C  2.  [beide]  C.  3.  minne  Von  ir 
sinne  C.  (nie  185>  5.  kein  Absatz,  ff.  C.  10.  so!  C. 
13.  hben  ff.  14.  knwt(t)el  ff.  C.  an  «cä  ze  «1.  C.  16.  m. 
dem  ha«  C.  17.  zowhe  ff.  C.  19.  bring*  C.  21.  vor  ff.  C. 
22.  [als]  C.  25.  hao  ff.  C.  n.  g«fer  s.  C.  28.  verhex  ff.  C*. 
29.  ha/;t  her  C.  33.  maze  C.  34.  Do  ff.  C  35.  maze  ff.  C. 
36.geIoubetC.  37.38.  umgesetzt. C.  nameff.C.  40-srchcff. 
42.  Und  ff.  C.  43.  ir  der  /ätzet  ff.  C.  47.  *iu  /'«r  iue/t  ist 
Bruckfehler.    48.  be*ouben  C.    49.  Sehet  also  Aefte  C. 


XX XII.     Ehestand,   Tod  und  Hochzeit. 

Hi'  id  e Iberyer    Sammlung    (H.)    126;     Coloczaer    Abschrift    (C.)    127. 
Wür%b  u rger  Sammlung  (W.   —  hier    als  Münchner  Handschrift  iV/2   be- 
zeichnet) 52.      W *  *" n  ? »'  Sammlung  (  W2)  33.      Wiener  Pergamenthandschrift 
(W*)  154.      I««*r«cA«jr  Sammlung  (1.)  31. 

Veberschrift:  Hie  riet  ein  gerater  der  andern  wie  sie 
Ein  bloch  begrup  zehant.  C.  Vo  eine  gebure  M2.  Baz 
mer  von   dem    ploke    W2,    plockAe  1.     Fehlt  W1.     1.   W2 


feaartcn.     XXXII.  675 

pawr  :sawr).  4.  M2  W2  ninder  bi  ir  genesen.  5.  Nuf 
CH.  haben  weder.  8.  CH.  mir  en  nam:  W2  Der  ir  daz 
leben  nam.  10.  W2  gaistleich.  11.  W2  Er  m.  ir  n.  zv 
sprechen.  12.  M2  wolt  sin.  13.  Wx  M2  So;  Wl  oder. 
14.  Alle  oder,  sprach,  nur  CH.  vnd  swaz  sie  spr.  16.  W2 
yp  lose.  17.  Jl2  So.  20.  M2  donder,  IV2  tonder.  23.  *P! 
die  statt  sie). M2  oder.  24.  Wi  en  duchte.  25.  M2  si  ligen  1. 
32.  Alle  Alle  die  1.  34.  Nur  CH.  si,  die  andern  die.  35. 
CH.  wol  erslagen,  PF1  vol  slagen,  M2  volle  slagen  *Cgewiss 
befserj.  36.  i¥t*r  Ci/.  ern,  die  andern  Und  künde  doch 
i).  ges.  37.  M2  gebrestes.  39.  Absatz.  Daz  \v.  diu  w.  s. 
\-2.  M2  si  sl.,  W2  so  sl.  44.  W2  niht  me.  45.  W2  niht 
holt  was.  46.  M2  W2  Do.  47.  CH.  W2  M2  So.  (Do?) 
50.  Wl  D.  ir  1.  waere  gewesen  (der  tot  von  späterer  Hand 
zugefügt),  W2  D.  ir  1.  wer  der  tot.  53.  M2  W2  wolt. 
55.'  W2  fehlt  ein.  56.  IT2  w.  irs  1.  gewar.  57.  Ml  W2 
Si  spr.  60.  W2  fehlt  so.  61.  312  fehlt  iueh.  64.  FT2  >J2 
Er  w.  69.  W2  Enpholhen;  alle  als.  SH.  ->I2  dem  lauwe; 
II'2  den  lip.  73.  >I2  H2  Ich  k. ,  U2  I.  k.  v  ez.  1\.  M2 
Wes;  \V2  Wie  ser  er  mich  hat  gesl.  78.  CH.  wen,  W2 
Er  I.  newr  s.  z  Hiernach  haben  Ws'  2  M2  Jch  begerte 
niht  für  baz,  wan  möhtet  ir  gefüegen  daz,  daz  er  sin 
»laben  wolde  län.  des  hat  er  mir  so  vil  getan,  tuot  er 
mir  mer  deheinen  slalv.  dai  ich  niht  langer  {M2  W2  für 
bai  leben  mak.  79.  W2  div  glatter.  80.  W2  M2  m.  tr. 
-i  de»  i.  pb.  89.  Nur  CH.  haben  Em.  83.  M2  Under; 
W*  iij  all  h.,  M  in  also  h.  85.  \l2  Des.  86.  M2  keinem. 
87.  Wua  fehlt  en.  88.  Wu  2  fehlt  ich.  91.  W2  D.  irs 
br.  94.  \ur  CH.  lehn.  96.  CH.  lieben,  W2  Erz.  d.  I. 
kr.  Ä  W  Mu  Ir  8.  99.  \\2  M2  heize  tuon  d.  t.  100. 
II  •/  i\s.  »•  »/  It^  /e///£  ouch;  M2  besprechen.  8. 
>/  II ■'  Und.  M  Und  seht  <J.iz  ir  werbet,  H'  Und  s.  d. 
nt.  9.  >/!  Yil  rehte  ;iK  ich  iu  li.ni  gesagt j  W2 
\il  rcbteaU  ich  \m  säst.  10=9)  13.  C//.  Daz.  16.  JT' 
/«•/»//  je.  17.  m  n  .Mm  (hü  gevater.  18.  m  \\u  den 
lip.  23.  »/  ir^  danne  mI  sere.  25.  >/2  lebendic,  27. 
»/■  u  Die  wold  ich.  28.  »/  W*  Sold  icb.  29.  w  vr» 
leii.  :;<».  u  in  ;nn  g.  da  I..  br.  31.  ir*  >/:  Swie  mir. 
vastene?  32.  >/3  deil  §;  n  i  hin  b.  n.  37.  >r  setzet 
in  e.  pf.  II.  w  i» '  fr6lich  b.  f.  12.  n  "  feAtt  e.  16. 
H  n    fehitb»\de.    M.   u2  i\  •'  Sweune.     18.   »/ 

n  ftfi/l  Dii.-h.  fo,  »/  der  gruoben.  52.  tfaH^woldich 
wenic  klagen.  54.  >/  W3  sedabte.  55.  >/'  gcvelride. 
56,  m  n  Loste.  57.  n  "< Mii  ist  l.nf  meiiis  gefalt'n 
vngeraach  (und  58:  :;7>.  56.  n  feMI  do.  61.  M  her- 
zehafiez.  62.  n *  all  i.  I..  >/  Bisam  der  1.  53.  >/'  W1 
I  nd  mochi  ii  i  hei  Iüj  zeh.  <>'«  W  peitei  leja  g.  65. 
n      w  67    »/    n     Silbei  cleider  pf.    68. 


676  harten.     XXXII. 

W2  Zwar.  171.  M2  W2  gar  br.  72.  M2  W2  gedahte.  73. 
M2  stiez.  76.  W2  was;  M2  W2  vil  schiere.  78.  W2  M2 
U.  brahten  d.  g.  mit  in  [M2  ir)  gar.  79.  M2  Daz.  80.  M2 
W2  behielt.  85.  M2  ouch  vil  w,  W2  ouch  w.  86.  Wl 
geloubt  man.  87.  W2  M2  fehlt  beide.  88.  W2  M2  Si 
warb;  W2  fehlt  ouch.  90.  W2  M2  von  g.  1.  93.  M2  W2 
merke (n)t.  96.  M2  W2  Als  ez.  97.  M2  W2  Ez  w.  98. 
M2  W2  Vil  balde  si  d.  h.  besl.  99.  M2  Den  bl.  200.  M2 
W2  Als  si  des.  1.  M2  Es.  2.  M2  dm  bl.  3.  M2  «f.  5. 
iW2  W2  het  ez.  6.  VT2  muose.  7.  JF2  M2  Sus;  W2  vn- 
geschaften.        10.    VT1  Wie    ir.       II.  Wv  Naschten   spat. 

13.  W"  M2  Von.  14.  Wl  hienet  (also  h'mte),  M2  W2 
hiute,  CH.  heute.  16.  W2  gelten.  18.  PF2  fehlt  sa.  20. 
M2  TF2  Man.  25.  W2  M2  Do  27.  W2  fehlt  nu.  29.  VT2 
M2  niht  an  ir  beh.  31.  W2  M2  waz.  34.  W2  M2  ee 
[statt  an).  36.  M2  W2  Dicke  u.  oft  v.  37.  W2  M2  Und 
ist  so.  42.  M2  Ir  ist  d.  s.  w.  g.,  W2  Vnd  ist  ir  die.  49. 
W2  M2  dar  in  siz,  Wl  da  in;  M2  sie  ez.  50.  W2  M' 
Und  daz.  52.  W2  M2  vil  umbetrogen.  59.  M2  W2  Die 
vier  o.  und  den  pfluc.  60.  M2  W2  Ob  iu  des  dunket 
niht  genuoc.  62.  W{  gaebe  iu;  W2  w«z,  M2  sw«z.  65. 
M2  W2  fehlt  leide.  66.  W2  Ml  saelderc.  69.  W2  wenn. 
70.  M2  Sin  si  w.  71.  alle  ze  Hefa?.  72.  M2  W2  von  got  j. 
78.  VT2  M2  leiste(n)t.  79.  M2  W2  ze  frouwen.  80.  W2 
M2  ze  rechter  e.  83.  W2  Zwar  des;  sonst  daz.  86.  Wl 
Ez  en  w.  89.  W2  M2  fehlt  wol.  93.  \V2  M2  CH  Beide; 
JF2  und  noch  t.  94.  W2  M2  gibe  ich  eu.  98.  W2  M2 
Beide  sp.  99.  CH  leider.  300.  M2  W2  do  vil  gar.  1. 
Cfl  Do  er.  2.  VT2  M2  Hinz.  8.  W2  M2  grozen  vernunst. 
12.  CHW2  M2  immer.     13.   IF2iW2Vurbaz  mer  betw.  m. 

14.  W2  M2  nie  deheinen  t.  16.  Wl  So  enmage.  17. 
W2  M2  g.  wesent  fro.  19.  W2  M2  zeige  e.  w.  23.  W2 
M2  prüefen.  21  W2  M2  Und  ist  aller  t.  vol.  28.  W2 
M2  an  e.  w.  31.  M2  nimmer.  32.  W2  M2  si  tuo.  33. 
VF2M2diew.  34.  W2  M2  Hintz  han  i.  s.  g.  35.  W2  M2 
Ich  sol  i.  d.  siben  t.  36.  W2  M2  Gefüeclichen  an  tragen. 
38.  IF2M2irhalp;  W2  beschehen.  39.  W2 M2  Von  miner 
grozen  arb.  42.  M2  Si  m.;  PT2Wan  si  ist  ain  minnkleichs 
wip.  43.  W2  M2  also.  45.  W2  M2  fehlt  alzehant.  46. 
W2  M2  swie  i.  w.  als(o).  49,  M2  fehlt  nach.  50.  M2  W2 
Wan  ich;  W2  fehlt  bin.  51.  W2  M2  e.  fr.  richer  m.  52. 
M2  W2  von  dan.  53.  W2  auch  wol.  56.  W2  M2  drumb. 
57.  W2  M2  Si  lie  si.  58.  W2  E.  trinken  sl.  p.  59.  W2 
ir  I.  61.  M2  vil  senfte^  W2  vil  linde.  62.  M2  W2  Dar 
uf:  M2  snelliü^  W2  fehlt  sneller.  63.  W2  M2  Sprüngen; 
M~  nit  gelangen.  66.  W2  M2  Schoenez  kr.  gr.  u.  grüenez 
I.  68.  M2  Dille.  69.  M2  M».  schoenen  bl.  bed.,  W2  Da- 
mit schon  bed.     70.  M2  Die  warn,  W2  Vn  was.     78.  M2 


jffWrtm,     XXXII.  677 

W7  Wan  si  den  b.  vol  tr.  81.  CH  fehlt  vil.  383.  W2  M2 
einen  lip.  84.  W2  ein  schöns  w.  85.  M2  gegen.  87. 
yp  keines  geborn,  W2  kein  pawrn.  89.  W2  M2  Gesniten 
wol  ze  nach  W2)  vlize.  90.  iU2  E.  niwe,  W2  schon. 
91.  W2  M2  Die  (Sie  M2)  under  dem  mantel  tr.  93.  W2 
hawptuch.  94.  W2  M2  wol  gestalten.  96.  W2  M2  wol  was. 
97.  M2  W2  was.  98.  M2  W2  rockelin.  401.  W2  M2  An  die. 
2.  ze  mazen.  3.  W2  3P  Daz;  W2  fehlt  wol.  5.  M2  guten 
b.  w.,  W2  päwtl  guter  würtze.  10.  W2  M2  z.  e.  werden  w. 
11.  W2  M2  ein  ende  n.  14.  CH  W2  M2  waz  ichs.  15. 
W2  M2  Spr.  d.  m.  18.  W2  M2  fehlt  iuwer.  19.  W2  M2 
vil  vaste.  23:24  kehren  W2  M2  um.  27.  W2  M2  u{  mich 
gen.  30.  W2  M2  fehlt  so.  32.  M2  empizzen  hie  m.  m., 
W2  Ich  vnd  si  vnd  ir.  33.  Wl  Und  sult  o.  hie  e.  35. 
W2  3P  fehlt  die.  37.  W2  M2  wa  ir  sit.  38.  M2  hintz 
an  die  z. ,  XV2  piz.  39.  W2  M2  besehen.  41.  W2  M2  ze 
k.  g.  42.  W2  lieber  lan.  44.  W2  M2  Biz  die  m.  ges. 
48.  W2  in  d.  seh.  g.  h.  50.  N.  1.  und  grücnez  gr.  52. 
W2  yP  Nu  h.  ouch  s.  d.  st.  54.  M2  fehlt  ouch;  W2  heten 
al  d.  n.  57.  Wi  hin  in.  60.  Wu2  M2  zuo  ir.  62.  Wl 
viJ  fr.  63.  WL  Si  d.  in  e.  schons  w.,  Wl  Do  icas  s.  e. 
so  seh.  w.;  W2  M2  fehlt  so.  65.  W2  ebickleich.  70.  W2 
fehlt  e.  71.  W2  fehlt  nu;  W2  .U2\ilunbek.  73.  W2  M2 
Sin.  ~\.  W2  M2  im  (nie  M2).  75.  Wl  vollecliche.  78. 
yp  W2  irs  l.  81.  W2  M2  noch  unvro.  85.  W2  mit  gr. 
iL  88.  yp  Sinen.  91.  Vi2  SP  Besuoder  v.  d.  w.  93. 
W2  M  Und  mit.  94.  M2  swaz.  97.  W2  M2  Do  spr.  si. 
99.  VF  yP  ie  m.  d.  501.  W2  M2  T.  ir  disem  w.  alsam. 
i.  Dax  wiit  ein  houbethaltiu  schäm  (M2) ,  VT2  D.  w.  mir 
;.iu  groi  ich,  •).  W2  yP  diu.  9.  W2  erdenkt.  10.  M2 
zehant.  \1.  W  M  Morgen  deone.  17.  W2  M2  Daz  ist. 
\H.  M  versagt  1\.  \\  M2  tugent.  23.  W2  JM2  Lat  s. 
25.  W  M  '.l.-ii'-h.  26.  n  >/  also  vil.  :>7.  VT2  u2  wesen. 
2«.  IT*  So  kund.  i/  Si  künde;  n  lesen.  29.  W2  iW2 
Die  manicvaltige  e.  31.  w  hinnan,  W2  hinnen.  33.  \\ 
Ar  bant.  35.  n  /Witt  danne.  39.  n  '  Wurde  dem  toren 
_'.  i.  10.  n  niolit.  U.  >/  enwerl,  H  niht  wert.  \i. 
u     n    Dem  ist  n.     13.  n     w    wider  d.  m.    41.  \v2  yi2 

hin    v>.    SC  n.       16,    Dd?      16.    11       »/'  Als    diu   u.    w .   erg. 

>/    /  ii.      VI.    n      M    l><>  wart   im  gar    harte    w 

iwaere.     51.   n     lud  ipr,     58.  W?  Und  l.   W     H    feail 
nu.     59.  n     >/    micli  fr  Ns-.i  gen.    60    n     w    ist.     <>l. 

U     .Mi!  «lern         «lern.      62.    w      >/  .  Sui   lag   er.     (*)■').    M  ' 
Des  «-ml..   M      M    Des  d.;   M      H    fehU  alles     c>7.   n     w 
dar  uuihe  stille.    <>8.  n     zuo  im.    <»!>.   n     w    alle  unde. 
70    r//    11      >/     So,       ~l±    yp    >/    |  .   |,.   ,,   ,,,   NS.      74,    m 

Ei  jach.     7&   n     >/    feJUl  nu.     83.    »/    gegen.     S4.  sica 

■Ir     ml. I   «.uili;.!.     SC)     II'     »/    ul  <•       S7      »/      \Kus.     91.    W2 


678  fr  »arten.     XXXIII. 

M2  Gar  vor.  594.  W2  M2  daz  1.  97.  W2  M2  fehlt  wol. 
601.  W2  M2  m.  d.  I.  niht  erw.  3.  W2  fehlt  nu.  7.  PF2 
M2  slahen.  8.  W2  M2  ich  da  lac.  9.  Also  bin  ich  sil 
gel.  11.  M2  Er  spr.,  W2  fehlt  mir.  15.  W2  M2  fehlt  vii. 
16.  W2  M2  übel  o.  g.  i.  21.  M2  W2  Vernement.  23.  W2 
Wie.  24.  M2  U.  n.  en.  s.  25.  W2  M2  doch  m.  27.  W2 
M2  durch  d.  1.  28.  W2  M2  ervant.  37.  Wl  Dien.  38. 
W2  M2  nam.  39.  wart.  40.  W2  M2  fehlt  was.  44.  W2 
M2  Der  im  so.  W2  setzt  zu:  An  all  missewcnd  Hie  hat 
ditz  mer  ain  end. 


XXXIII.     Ehe  im  Leben  und  im   Tode. 

Heidelberger    Sammlung    C^O     127,"      Coloczaer    Abschrift    C^.)    128. 

Wiener  Sammtunsi  fW'-J  40;    Jnsbrucker   Abschrift  (1.)  36.      Wiener 

Pergamenthandschrift    CWl)    151.       Würzburger  Sammlung  (_W;  hier  als 

Münchner  Handschrift  M2  bezeichnet')  49- 

lieber schrift'.    Hie   bat  ein   man  sin  wip  daz  si  nach 

sinem  tode  one  man  beliben  solde.  C.    Daz  mer  von  dem 

weib  an  man  W2  1.    Von  eine  (man)  vn  von  sine  wibe  M2. 

Fehlt  WK      2.  M2   bis.      4.   CH  M2  dinges,    W2   nutzes. 

6.  W2  verdienst.    10.  W^tusentvalt.    13.   W2  Sit  ir.  14.  W2 

Daz  ir.     15.  M2  libe.     16.  Wl  lebenden.     17.  Wl  ir  fehlt; 

W2  got  von  himel  s.     18.   Wl  Vmbe  mich  b.  niht  m.    21. 

W2  ver  guot.    24.   W2  gar  t.,  M2  gar  ein  t.     25  t  26.  fehlt 

M2.      27.  M2  Und   ir  iuch  selbe  des  niht  schämt  (W2  ew 

des  n.  seh.).     28.  M2  W2  Des;  W2  der  toren,    Wl  eis  t. 

30.  M2  fehlt  dich.     31.   W2  W*  M2  von  dir  niht.     32.   W2 

M2  Vnd  wil;  W2  fehlt   vil  gern.      37.  W2  M2  Setzen  nu 

al  h.  ze  h.,  Wl  Setzen  hie  zeh.,  M2  S.  al  hie  zv  h.      39. 

M2  Daz   du  ob.     40.   Wu  2  Daz  du   die  w.  uf  g.    42.  M2 

aber  fehlt.    43.   W2  Wie.     44.  JF1  Du  ne  gespr.,  W2  Du 

spr.;  WU2  M2n.  w.  m.    45.  M2  wene.    46.  fT2  din  — din. 

49.  M2  W2  Hintz  wil.     50.  M2  W2  du  ouch.     51.  W2  Des 

ph.  53.  M2  W2  Daz  wil  ich  tuon  spr.  er.  55.  M2  Min; 
Wu  2  M2  ouch  fehUm  59   py2  ^/^  ein    ^4   *e?n  is^  örwc/l._ 

fehler  für  ein.  TF1  mvte  (statt  nunne).  67.  W2  M2  fehlt 
Rente.  69.  H^2  M2  Ob  ir  ez  m.  u.  70.  W2  M2  halbez. 
74.  M2  Daz,  W2  Und  daz.  78.  M2  MT2  /e/e/f  Und.  79. 
M2  lere,  JF2  lern;  W2  M2  fehlt  daz.  86.  W2  M2  des  si 
w.  90.  W2  fehlt  manik.  91.  ^T1  chom  *{iies  körnen).  92. 
W2  M2  fehlt  ouch.  96.  M2  W2  an  alle  m.  b.  98.  M2 
tuot.  99.  W2  fehlt  minc.  101.  W2  M2  von  r.  1.  4.  M2 
rehte  also.  5.  *  lies  ich«,  W2  blofs  ich;  W2  M2  liebe.  7. 
W2  immer  n.  m.  me,  M2  nimmer  genaemest  man  me. 
10.  W2  erwirbst  du.  11.  M2  Vermide  du.  12.  M2  W2  mide 
ich.  13.  M2  W2  des  ich  da  beger.  16.W2  Daz  ich  g.  17. 
W2  M2  N.  mer  dch.  m.   (nie  meint  wol  me).    21.  W2  M2 


^Matten.     XXXIV.  679 

pfandes  des  du  gersL  M2  begerst).  122.  W2  M2  D.  du 
mich  ouch.  23.  Wx  3P  So  bin  ich  pf.  dir  b.  24.  Dar- 
nach folgt  in  TU2  M2:  Ob  du  braechest  die  warheit,  daz  du 
des  pt'andes  sist  bereit  (Grund  des  Ausfalls?)  Und  daz 
[daz  du  M2}  minen  vriunden  gebest,  und  da  wider  niht 
enstrebest.  25.  W2  M2  Des  sw.  er  da  sa  zest.  26.  W2 
setz  mir  xxx  ph.  32.  W2  M2  also  gar.  35.  M2  W2  Ich 
w,  36.  M*  seh.  uns.  38.  W2  M2  vil  g.  m.  39.  W2  M2 
in  ein  kl.  40.  Wl  wir  enm.;  W2  niht  b.  bew.  41.  W2 
So  lern;  W2  M2  biz.  42.  W2  M2  D.  i.  dar  nach  an  all 
n.  44.  W2  ouch  du  der  wibe.  45.  W2  M2  Hintz  an. 
46.  VT1  gwislich.  W*  JP  wol  ane.  48.  W2D.  must  du  mich 
gewern,  M2  wem.  49.  VF2  vr.  nain.  50.  W2  M2  Sold 
ich;  M2  danne  lebender  an  dich  s.,  W2  dann  leben  an 
dich  s.  Xach  50  Aöfai  M2  Wu  2:  Do  (Und  M2,  Des  *F2, 
W1  Da)  ich  da3  niht  erliden  tan,  Da3  du  nach  mir 
naemest  einen  M2)  man.  52.  W2  M2  fehlt  dir.  54.  W2 
M2  Die  bete  ich  a.  v.  55.  W2  fehlt  sa.  59.  M2  W2  D. 
eil.  65.  IV2  brechent  dauuoch,  BP  br.  ir  dennoch.  67. 
>/  >us.  68.  iwaeretr;  M*  dannoch.  W2  darzu.  69.  W2 
M*  fehlt  Aller.  71.  IT1  aetef  um  172:  171.  75.  W2  M2 
J).  a;.  alle  erl.  78.  W2  Die  der  gothait  wonen  pei.  80. 
nlliezen.  FF*  liezen.  81.  IT*  Ä2  #Ä**n  »an  182:181; 
U  '  laxe«.  82.  \\  M  fehlt  gar.  85.  IV1  fehlt  das  erste 
ir.  86.  M2  ir  s. ;  VF2  Durch  ewr  sil  süze.  87:88  W2 
waere  :  schöpf  aere.  89.  W2  fehlt  varn.  90.  W2  fehlt  in. 
«  w  rrewnden.  93.  W*  frewnden.  H.  W2  M2  U.  si. 
•'■).  M'  durch  den  r.  t..  IFa  d.  sein  t.  96.  Äa  W*  auz 
der  n.  98.  M'  W*  Etlicher.  9!).  W2  M2  Etlicher  iSvin- 
leicher  u  ez  balde  tet.  800.  if'2M2Do.  *  [lies  körnen). 
I.  U  im.  M  m  iiml»  li.  2.  W*  M2  din  seh.  5.  W2  M* 
frhit  aber.  8.  n  >/  des.  12.  »/  ein  vmazze.  17.  m2 
nun.  M  newr.  19.  w2  M1  dunke.  20.  W^  Dieben. 
21.  1W*  hilf  in  23.  U  M1  dankt.  24.  rPa  4  Br  spr. 
mir  i.  ie?.  2>.  \i  s(!c  //.  seil.  c.  selde.  [«*?  27. 
n  bohzeit.  :;<».  r//  Do;  n  selber  jach.  36.  \\2  le- 
bendig, ir'  lebendicb.  38.  iv  Nu  begert,  \\  niht. 
{">.  W  mit  wollenen  sit.  10.  W^deb.  «riderstrit  41.  w2 
■  /*</,//  all.-/:  H  araz.  12.  Fl/*  M-2  als  si  s.  '<{.  »r  »/ 
/<•/,//  beid«;   MF"  an  ander  feie,    i'i.   n     »/'  DaerUe.     'Mi. 

W2  Hm  -    //     i 

\\.\IV.       SrheiilniKf    und   Snlnit'. 
II r  i  •< .  ihr  *  i .  i    Itmmtvmg  <  h.  >  12*    '  »/••»##!   Ah$ekrif*  i<    )  129 

UtktncMfifti    manre         a/ibeai  l»i<    w.  /;/.  e.  a,  r. 
/><<   fol0*nden  Lesmrten  <i>i><>i<<i  II      15.  iwel/en.     16.  sr- 
//»-/*.     23    ajlfwn  riti       S8    *6</ier  werden*.     36.  ttv/el. 


680  fttarten.     XXXV. 

39.  40.  41.  vn.  59.  Do.  60.  myze.  63.  Hies  entsann.  66. 
.aihest.  68.  zw?/.  70.  do.  86  mit.  87.  fvnf  zehendew. 
93.  da  zv.  102.  tev/'el.  6.  kein  Absatz.  29.  Die  warne. 
31.  inderf  chonde.    36.  mochte*  *  (befser  möhtest).   42.  si. 

XXXV.     Ehefrau    und    Bulerin.      Von   Hermann 

Fressant. 

D i  esdner    Sammlung    (D.)    li.         Wiener    Sammlung     (IV.)    ->       i«*- 

br  ucker   Abschrift  (I.)  2. — Lafsbergs  Liedersaal  QL.)  LXXVl.    hat  eine 

ganz,  andere  kürzere  Darstellung. 

Leberschrift:  Hie  heb(e)t  (sich)  an  diu  helbertwitz. 
W.  1.  —  Die  folgenden  Lesarten  gehören  D ,  wo  nur  519 
ein  Absatz  ist.  2.  vn  (immer).  3.  *  (befser  dar),  niemand 
(immer).  4.  rücfl'et.  8.  herpffi.  11.  Wen  —  set  (meint 
seit).  13.  Wen  —  red.  14.  betagn.  16.  alz.  17.  korfi. 
18.  nein.  21.  kurtasyen.  22.  Wie  23.  nit  Cmeist).  24. 
red.  32.  jüng/ing.  38.  gewichtig.  40.  mer.  43.  gesetzt. 
44.  19.  Wen  er  \\o\t.  50.  so.  52  *  lies  vertrzben.  55. 
lieb«.  56.  Wen  —  land.  57.  Nu  (immer).  58.  59.  wolt 
steht  hinter  er.  60.  Vrä  —  wurd.  63.  da.  68.  lieba 
traw.  69.  beha#  :  sag.  71.  land  :  and.  75.  Müssend  i. 
new;.  79.  sülln.  82.  raanfel.  83.  de*.  84.  *lies  v/iL  87. 
beW  :  weit.  88.  Da.  89.  such*.  101.  gü£.  4.  ser  :  er. 
5.  Gerüc/t  —  gü£:hü£.  7.  Ser.  8.  Hü*.  19.*  hinten  fehlt 
ein  Komma.  20.  Da.  23.  sag  für  vragte  meint  vielleicht 
sae/t.  wer  :  Gelauo  —  mer.  25.  vsiss.  27.  würd.  34. 
schier.  38.  on.  41.  fürt.  45.  fraw;.  50.  Was.  52. 
Wainent  —  £il_ln.  60.  *  lies  Alle.  63.  gelus*  ;  kus*.  67. 
geo.  73.  zvjivnt  a.  tür  :  gehür.  75.  geril.  77.  Den.  78. 
]iebs.  79.  erwisch  :  frisch.  85.  wurd.  89.  Haissewd  wen. 
90.  wissent.  *  Das  Komma  vor  daz  gehört  dahinter.  92. 
\eut.  200.  Red«.  3.  mer  :  wer.  9.  schier  25.  traw  : 
getravv.  27.  dieft  ser  :  1er.  29.  hinter  Leben  scheint  noch 
baz  zu  stehen.  35.  witz  :  ditz.  45.  körnest.  47.  witz. 
49.  vmdes*  du.  52.  erwirbesfw.  53.  huld.  54.  well.  57. 
enlasz  :  Wa  —  strass.  65.  \rui.  70.  dan.  71.  i'rag.  76. 
Mang.  79.  red  süsz  :  rnusz.  81.  hüt :  müt.  86.  Da.  90. 
St.  Tobias  wird  zur  glücklichen  Reise  angerufen:  nie  St- 
Gertrud  um  Nachtherberge.  Vgl.  XXXII,  380.  92.  mä'ngen. 
95. gehür  :  tür.  96.  *  sollte  ein  Absatz  sein.  97.  land  :  erkand. 
303.  ebund  :  stund.  6.  wissewt  sicherleicA  :  gedeic/e.  8. 
wa.  12.  geb  (meint  gaeb').  17.  enrficht  wz.  19.  tag: 
sag.  25.  Wan.  35.  kert  :  lert.  40.  //intz  —  begund. 
43.  erfreschen.  47.  geblüwn.  54.  seyew.  55.  witz.  56. 
aiw.  58.  hörent.  59.  60  da.  60.  an  an.  61.  clagf.  67. 
riefln.  71.  mar  :  war.  73.  hat*  :  tä*.  78.  nu  meint  niwan. 
nie  500.  604.     80.  Da    85.  witz  :  sliU.     91.  port  :  cihor*. 


jfcscutcn.     XXXVI.  681 

98.  helblings.  399.  sag  :  behag.  Nach  400  fehlt  uol  eine 
Reimzeile  zu  der  als  überzählig  bezeichneten,  etwa:  Ich 
wil  dich  wol  beraten.  3.  land  :  gewann.  6.  drey.  8. 
ietlich?/.  9.  swer.  10.  a\z.  13.  erd  :  werd.  17.  gewu7^d: 
fimd.  19.  müt_:  gut.  23.  genatf.  24.  aM.  25.  merc/c.  26. 
den.  29.  Wen.  30.  Iründ  nimpt.  31.  not:  genöt.  39. 
\ert :  Da  —  kert.  41.  land  :  gewand.  50.  51.  Da.  51. 
mer  :  wer.  57.  du/rf.  58.  gedenck.  59.  hott.  60.  dick. 
61.  gab  ward:  entlos  —  bürd.  63.  früntlicß.  66.  68. 
Da.  69.  rett.  70.  hetf.  73.  t'rid.  84.  */>e/s£?r  unde.  85. 
sprecht.  86.  D«.  89.  xnd.  92.  wurrf.  95.  Nackend.  96. 
sag.  98.  geläugwen.  500.  nun  ist  niwan,  wie  372.  1. 
mochf.  3.  tremrf.  4.  o«.  5.  schaff  was.  7.  bar«.  8. 
Hättest  du.  9.  weres£  du  v.  gehür  :  tür.  20.  rech£  lieft. 
28.  Da  sät  —  mer.  31.  komers.  40.  pctf  a6.  47.  siill: 
will.  53.  daucÄt.  55.  frissel.  6i  gedacht  wer.  66.  sliess 
in.  67.  wer.  68.  gedacht.  70.  hauss.  71.  begnnd.  72. 
witz.  75.  zierlic/*.  76.  aine»  zier.  81.  *  lies  noch  für  ouch. 
83.  vnma'r  :  vier.  85.  kürnual.  86.  porfc'ual.  87.  süng. 
b.  wen.  89.  künnenf.  91.  mint?  —  dew.  92.  gafrin. 
93.  mü£  :  frü/.  95.  gamieriet.  96.  küntf.  98.  \wd.  601. 
VTaz.     3.  wena".      4.  begwnnent.      (nü  tofe  373).     7.  ll^ic 

—  war:  deuche  —  swär.  9.  stincA: :  hinc/r.  14.  erden. 
16.  Hat.  17.  laffUen.  19.  ho/er.  21.  \\u\d.  25.  alz. 
31.  Alz  ich  d.  m.  die  ich.  32.  alle.  31.  künnenf.  35.  wo\ 
Preisen.  37.  ge  nichtig.  40.  wer  g.  44.  nam.  46.  n/iez 
////•  i  ilit.  SO.  53.  mengen.  51.  weift :  leib.  51.  bewert. 
56.  vnraiw  :  maiw.  57.  58  Da.  59.  wer.  65.  Hit  :  sie/. 
71.    Wie.     77.  volo  —  raut  :  spauf.     80.  gelr«i.     82.  näen. 

_<!(/>/.  87«  tr?/?.  95.  mer.  96.  besagt.  97.  ermä'rf : 
erfarf.  70<>.  !)•/.  3.  maint :  beschämt.  6.  recht.  7.  ge- 
selbchaft.  9.  'lies  [Dax].  11.  recht.  16.  Den.  21.  trui : 
mii.  27.  Da  30.  Wie.  36.  Um.  :V7.  weg«.  41.  lanrf. 
')').  >/'/"i.  14.  reich«.  16.  wend  17.  rerf.  50.  haissf. 
Wol  Preaianl  Frejszohn.  51.  genennt  :  erkent.  55.  Leb 
lenif.  6J  BÖ/ltfcbfi.  63.  i;i'"  frawn.  </<-.  gie"«.  65.  mefl 
o.  mer    er.  98.  rai*.  69.  uDgemtft:gür.  72.  ir/7*.  76.  entf. 

XXXVI.       Dtflfl   warme    Almosen. 

II .  ,  il  .  lh.  ,  ,, ,  i     8anim/iJ„i/    (II   )     l'.iT        (,,/,,,,,,,     .\i,-il,,i\i     ((    )     |2|, 
H  ..  „.-,  Sa,,,,,,),,,,.,  (  \\  Inabruektr  Abschrift  <l.i  :.i:. 

Ueberschrift i    Hie  fuhr/  si<i<  an  daz   wattae  almusen 
i  on  ihm  armen  mini  c.     Van  der  frawn  alnws{e)n.   W.  /. 

—  Hu-  foiaenden  Leearten  gehören  il  '■>.  hatte.  7.  phlipt. 
9.  Wo.  \i.  kowde.  17.  Eines.  24.  Matt.  95.  enhette. 
96.  Mm  10.  ScAold.  31.  konde.  3&  ernte,  14.  fori 
in  do.    is.  werft      l&  de    wo.    64    selch*.    72.  Do.    78. 


682  harten.     XXXV11. 

Wennera  liest.  84.  begonde.  92.  Wen.  95.  do.  *lies  der 
karge  man.  96.  \mb.  105.  schöltest  7.  schvlt.  9.  Ab- 
satz. 12.  Und*?  gibe.  13.  linde.  15.  19.  kein  Absatz. 
23.  Sprech. 

XXXV1L     Die  drei    Wünsche. 

Heidelberger     Sammlung    (H.)    129;      Coloczaer    Abschrift    £C.)    130. 
Würzburger    Sammlung   (W :    hier    als    Münchner    Handschrift    JW2    be- 
zeichnet) 40.      Wiener  Sammlung  (  W$)  38;  /VA/*  rn  der  Insbr  ucker  Ab- 
schrift (IS)      Wiener  Pergamenthandschrift  (W^)  3o. 

Heber schrif't:  Ditz  ist  ein  raere  von  drin  wünsch  ge- 
walten  zu  einer  lere.  C.  Ain  mer  von  drein  wünschen. 
W3.  Von  eim  man  vn  vö  sine  wibe.  M2.  2.  W3  M2 
paider.  3.  Wl  grozer  ungenaden.  4.  Wl  D.  er  uns  lat 
so  armen  s.  6.  W3  M2  groze.  7.  M2  selben,  W3  selb. 
8.  W3  diu  armuot  (M2  din).  11.  Wu  3  M2  Ich  k.  13.  M2 
ode.  17.  W3  vmb  dein  schuld.  18.  W3  M2  Wider  bring 
ze.  20.  W3M2  D.  han  ich  gar  (alz  W3)  m.  d.  g.  21.  W{ 
son.  22.  W3  Äabe  g,  g.  23.  W3  M2  Grozer  e.  u.  g.  24. 
M2  gerechtes.  25.  W3  CH  Gert,  Wl  Gerten;  W3  Wir 
sein,  W{  M2  wirs.  26.  W3  geh;  W3  M2  swaz.  W^3  M2 
fügt  nach:  Wir  sullen  die  gir  nu  keren  Mit  alle  nach 
gotes  eren.  27.  W3  M2  Vnd  s-  30.  Wl  Er  siht  an,  W3 
M2  S.  er  u.  st.  m.  32.  Wl  Daz  wir  sp.  u.  fr. ;  W". 3  M2 
fehlt  beide.  34.  W3  M2  si  u.;  W2  fehlt  si(n).  36.  M2  S. 
ich  v.  minen  1.,  W3  S.  i.  v.  mei  1.,  Wl  S.  ichs  v.  danne 
den  1.  37.  W3  M2  fehlt  baz.  38.  W3  M2  Baz  danne  i. 
1.  n.  II.  W3  M2  Do  s.  sis  n.  m.  42.  W3  M2  raanten. 
45.  M2  Von  w.  u.  v.  gebet  ( Reim  von  47 J,  W3  M.  w.  u. 
von  gepet  (46  :  47  fehlt  M2  W3).  46.  Wl  L.  si  ir  1.  n. 
r.  50.  W3  M2  Und  b.  sin  so  I.  phl.  57.  M2  gehebt.  58. 
Wl  daz  r.  59.  IV1  allen  tuot.  60.  M2  fehlt  michel.  62. 
M2  din  t.  64.  Wl  Mir  ist  i.  daz  1.  65.  W3  M2  gutes. 
66.  Wl  Da  tuot  mir  g.  gew.  an.  67.  M2  bin.  W3  Als  w. 
pin  ich  g.  w.  68.  W\  3  M2  Als;  Wh  M2  Als  die  er.  69. 
Wl  mirs;  PF3  iW2  mir  ez  ich  sold;  Wl  so  soldichz  h. 
70.  Wl  Er  muoz.  71.  W^1  in  {statt  dich).  72.  W3  M2 
Hinz  er.  75.  M2  W3  wilt.  79.  M2  W3  arm  m.  81.  W3 
Nu  h.  dir.  82.  M2  sin.  83.  W3  M2  Die  w.  alle  dri  w. 
84.  W3  M2  hundert.  85.  M2  So  h.  du.  86.  Wl  Ob  guol; 
W3  Ob  g.  bei  d.  beleiben  w.;  M2  mit  d.  bei.  87.  W3 
M2  nu  (statt  so\.  88.  W3  gahte,  M2  gahet.  90.  Wl 
M2  fehlt  Er  sprach.  91.  M2  die  n.?  W3  div.  n.  92.  Wl 
312  erwendet.  93.  W3  M2  Noh  m.  d.  w.  geb.  h.  94.  Wl 
wol  in.  Darnach  W3  M2  Und  biten  in  niht  mer  umbe 
guot  er  hat  erfüllet  unsern  muot.  95.  W3  M2  wir  m.  mit 
fr.  (M2  imner)  1.    99.  W3  M2  bewant.    101.  W3  M2  Von 


feearten.     XXXVII.  683 

golde.  105.  Wl  Des  —  zeinem  male,  W3  ains  Wunsches. 
8.  W3  ewikleich.  9.  Wl- 3  nemen.  10.  W3  M2  Oder;  M2 
feätf  ze.  12.  VF5  Äa  Daz  w.  spr.  13.  JF3  M2  nu  mer  d. ; 
M2  ze  vil.  14.  W*  fditt  Na.  Darnach  W3  M2:  Durch  die 
triawe,  die  du  mir  Leisten  soll  und  ich  dir.  16.  W3 
BP  niht  da  w.  str.  19.  W3  M2  fehlt  So.  20.  Wl. 3  als. 
21.  W*  M2  als  d.  d.  d.  25.  M2  Nu  s.  d.  du  den  best, 
so,  W3  wol  (:).  26.  M2  Daz  sin  al  diu,  W3  D.  wir  sein 
werden  frawden  vol.  27.  IV1  Nu,  W3  M2  Daz.  29.  W3 
Alls,  M2  allez.  30.  W3  M2  frawen  oder  an  w.  31.  W3 
M2  In  der  w.  w.  ges.  35.  Wl  3  itf2  uns.  w.  36.  Cfl  wol 
a.  w.;  W3  frowen.  37.  W3  M2  mit  dir.  38.  W3  U.  h. 
wol  b.  g.,  M2  U.  h.  verre  b.  g.  39.  W3  M2  niemen  holt. 
43.  W3  so  I.  44.  W3  D.  ez  in  deim  b.  w.  48.  M2  in 
ierm  I.  49.  M2  gerizzen.  W3  Vn  het  si  gerizzen  nah 
enzwei.  50.  Wl  3  do  W3  M2  Wie  iaemerleich  si.  53.  W3 
M2  Do  si  gehorten  den  seh.  54.  Wl  burgern,  W3  lawt, 
M2  liute;  W3  hat  154  :  153.  55.  W3  in.  56.  M2  im  seit. 
57.  M2  Wie  ez;  W3  M2  dem  [statt  ir).  59.  CH  ir.  W3 
Jf2Die  drangen  zu  m.  seh.  60.  W3  M2  U.  spr.  zorniklichen 
a.  61.  W  Erlosent.  62.  M2  iezunt.  63.  ir  — ir  fehlt;  W3 
M2  M.  u.  sw.  si  zueten  Auf  in  si  do  rukten  (M2  Dar  nach 
Im  i  sje  do  ruckten).  65.  W3  M2  Als  er  do.  66.  W3  M2 
sines  w.  u.  67.  W3  M2  U.  dar  zuo  [=  irn  M2)  freunde 
dro.  68.  W*  M2  si.  69.  \V<  M2  Und  spr.;  W3  M2  D.  w. 
uns  er  M  aller  tr.  70.  W^ "  wurde.  71.  VF3  Vn  daz. 
7:2.  \\n  Do  oe  teuer ,  W  TM  wttre;  W[- ■  M2  ir  laides  n. 
LW2  nihs  nit  mc.  T.\.  W*  M2  Si  w.  der  u.  tri.  76.  W3 
H  Nu:  W*  fehlt  sie.  77.  M2  feAtt  niht;  W3  gut.  78. 
it  >/  Der  w.  ir  seit.  rerj.  80.  vasler;  VT3  M2  In  wer 
beiden  m.  81.  W3  M2  dem  manne.  <S2.  HA)  M2  gar  besch. 
83.  U  M  fehlt  wart.  S7.  VT1  >/  was.  88/  H3  sein. 
90.  M  '/  Die  f.;  HC  »ölten;  IV  allen  den  in  I.,  iW2 
allem  den  in  I.  91.  w  Uler  laute  ir  o.,  >/  T.  u.  n. 
die  o.  92.  u-  ff1  Er  wer  über  ander  t.  93.  iy3  jtf2 
Mit  \v  bedonet.  94.  iv  »/  gehoenet.  96.  n  lud 
ron  groazem  lakJ  st.  97.  n  '  »wer  noch.  98.  Hri  M2 
gr.  laid;  is'  •  - 1  dan  kür,  */  darumbe  erkör,  Cfl  drumbe 
rerebor.  99.  f//  doch  fehlt]  \\  dar  mW.  300.  H'1 
-it  vergibt       1.    »/    klagen.      :i    >/    Vnrehte  red  mrechts 

ii.    {.  n    I).  i. wand.t.a.    8.  n    ggi  enwiht    12.  \\ 
w  fe  uro!  e.  in  allen,    H"  im  alle/.    1  '<    ii'1  fremde,    w 
t.unij.-     M    /#•////  vil.      16.    W     >/    iriaer.      17.    \\      w 
friundc.     18    n     dei  \ 1 1  h.  Kr.-    n      II    hl    unser  herre 
Jesu  Ci      19.   w    aleine.    20.   m     m  gar  kl. .    >/   hart  Kl. 
27:28.    >/'  /'-/'/'.     ii  ■  /»(/  rfafflr:   Hie   hat  daz  mer  am 
ende  Gol   \  na  alle  int  li.ni  wende, 


684  fesarten.     XXXIX. 

XXXVIII.  Weiberlist. 

Straf  sburger  Sammlung  CSt0  17.  ohne  Absatz,  außer  239. 

1.  Eine  —  i\ch  (meist).  2.  *  hinter  list  fehlt  im  Drucke 
ist.  3.  wie.  9.  nettes  mit  (meist).  10.  Do  m.  men. 
11.  einew.  24.  lie.  27.  sin*.  34.  men  — men.  37.  werden. 
42.  do.  43.  torn  :  vorn.  47.  sü  (immer).  63.  tü/'el.  78. 
Der.  79.  D«  —  fridera  :  gelidere.  85.  Zwischen*.  90,  ta- 
tent.  92.  zuo  eiw.  94.  wüste  o.  soh'che.  96.  lone.  106. 
Mine.  7.  gein.  8.  do.  14.  rot.  23.  dohter  (immer). 
24.  Azewt.  34.  *  gehelfen  für  helfen  ist  Druckfehler.  36. 
do.  37.  wo  w«r.  39.  kirche.  43.  werat.  44.  mache.  49. 
waren*.  50.  51.  do.  61.  Do  mitte.  62.  ducke.  66. 
hoererct.  79.  Vn  entrat  e.  eine  h.  80.  hoerewt.  84.  het 
dins.  88.  ersehn.  209.  Do.  10.  vereine.  13.  dirce.  14. 
*diu  für  die  ist  Druckfehler.  17.  Eis.  34.  voerhte.  36. 
alsu.  38.  gelou&es.  ir.  45.  gettate.  51.  solte.  52.  het 
{lies  hat).    63.  soltw  dwz.    74.  kunnen*.    79.  erbeit. 

XXXIX.  Der  Ritter  und  die  Nüfse. 

D resdner  Sammlung  QD.)  4-      Wiener  Sammlung  (W.)  2\ ;  lnsbrucker 

Abschrift  (7.)  21- 

Ueber schrift:  vnd  für  mit  D.  nuzzra  W.  Die  fol- 
genden Lesarten  gehören  D,  ohne  Absatz.  3.  kündn.  4. 
merckerct.  7.  Da.  9.  fäld.  12.  nie"  (meist).  13.  kam : 
näm.  15.  17.  18.  Da.  15.  vnd.  18.  bet*.  25.  gedacht. 
32.  netten.  33.  püserc.  35.  Da  —  nuss.  38.  weif  40. 
Da.  41.  wind.  42.  ain  cratzot.  44.  pet.  46.  Da.  47. 
gähn.  48.  bedürftest  k.  angst  ha&rä.  49.  ligercd.  50. 
*(wille)  für  will(e)  ist  Druckfehler.  51.  vm.  55.  VTas  — 
sweigewd.  56.  glaubet.  60.  Da.  62.  Dort.  63.  hang: 
lang.  65.  ein.  67.  do:zo.  70.  begund.  74.  Rittest. 
76.  pfle^es*  du.  80.  Sü.  81.  kurtzweil.  82.  gleich.  85. 
nwss.  86.  angst.  88.  *  dir  für  ir  ist  Druckfehler,  bedürf- 
test. 89.  her'.  90.  on.  91.  käwwatn.  92.  sind.  94.  Ich 
für  iu.  96.  Helfierad  —  nusx.  97.  niema*.  98.  Da  — 
nuss.  99.  vm.  101.  begund.  3.  wem.  5.  bett.  10. 
tal«g.  11.  sünd.  15.  schier.  20.  pessere.  21.  dem.  23. 
wer.  25.  mei  —  gieng  :  erslieg  o.  vieng.  27.  bedenc/c. 
29.  Da.  29.  30.  hrri  fraw  :  schaw.  31.  vnbesiw*.  32.  wita. 
*  lies  guoter  wizze.  35.  Was  du  talest  talast  g.  37.  kern. 
38.  niemä*  da  vernem.  43.  getrüwn.  44.  Sü  sp.  du  red. 
51.  rech*  :  knech*.  53.  Wie.  54.  Dennoch*.  55.  pett 
miwet :  getrauet.  62.  gesait.  65.  mer  :  wer.  69.  hauss. 
70.  kam  schand.  72.  sag.  73.  Da.  75.  begind.  76.  vas*. 
79.  kerercl.  8t.  räumet.  82.  verdecÄt.  83.  Da  —  gesät. 
85.  verholw  :  püm.    88.  Da.    91.  Vnd.    93.  gü*  :  hüt. 


iesörtcn.     XL.  685 


XL.      Die  Mairin  mit  der  Gaifs. 

Dr  e  s  dner  Sammlung  QD.)  O-      Wiener  Sammlung  fW.^  13  '■>  In  sb  rucker 

Abschrift  (7.)    ü. 

Veber sehr ift  :  Von  der  schön  mairin  W.  1.  —  Die 
folgenden  unbezeichneten  Lesarten  gehören  D;  ohne  Ab- 
satz. 3.  wai//.  6.  nit  (meist)  7.  hut  :  müt.  9.  *  lies 
spähen.  10.  lachen^.  15.  ow.  16.  seyd.  17.  kinw  ir 
prawü.  19.  weng/in.  21.  vnd.  22.  sinwe\.  23.  arm 
sefrollen  vno\  24.  vnö*.  25.  hendlein.  26.  grafin.  27. 
still.  .  30.  hoher.  31.  getagn.  32.  mair.  35.  hüt.  36. 
haim.  39.  pfarr  —  püra.  40.  vnd.  45  \et.  46.  on  maus«. 
47.  selo.  50.  möch*.  51.  müt:  gut.  54.  *befser  si  (des) 
niht.  56.  freu*.  57.  clüg.  59.  Jkuw  ritterlicA.  61.  gauo. 
62.  nett  nald.  65.  Recht  gern.  69.  susz  s.  wa.  70.  Da 
—  hüpscÄ.  72.  ir  d.  u.  g.  73.  giena  :  verfiena.  79.  stund: 
tund.  81.  Da — clua.  82.  gern.  83.  Wa  ich  nun  (immer) 
hin.  8i  weil.  85.  geswe//.  86.  o.  ir  br.  89.  hot.  93. 
Besechcnd.  97.  *iu  für  ir  ist  Druckfehler.  98.  ciain  weil. 
99.  Da.  100.  da.  *( lies ■  si  Aö).  am  geng  gaisz.  3.  nacht» 
(1.  \\o\ff.  4.  Sprechewt.  8.  ma?r.  10.  heltlenf.  13.  altt. 
wend  steht  hier  öfter  für  weint,  wellet,  wollt,  tind 
lautet  Schira bisch  noch  so).  16.  mair  ein.  17.  da  d. 
hxxst.  19.  wond  si  möch£.  21.  Da  —  slolts.  24.  mair. 
■26.  nU.  26,  27.  da.  28.  29.  niemät.  29.  Da  da.  30. 
pal*  32.  idt.  35.  Dennoch*.  36.  lug*.  37.  dings.  38. 
finstr«.  '.VK  Da.  It.  I<ir.  42.  44.  Da.  rieft  d.  m.  /*ay 
\\ft\  I.  (also  schrei  im  Reim).  45.  mair  D.  I.  hab£  ir  1. 
M.  gedacht  :  prechl  D.  Piz  vns  si  jm  gedacht  1.  48. 
mayer  aufl  praehJ  /.  19.  Da.  52.  alt.  53.  irausz  D. 
tu///  du  nana  /.  61.  56.  Da.  55.  ganz  prcaw  I.  56.  her 
dan  /  abfitttr  '>.    me  den!  /.    59.  rorig  /.    60.  rerlewil 

/.  verinrt  D.  vi\  B.  /.  51.  nier  :  s\\;'n  />.  Hie  endet  sich 
dei  m.  /.    6&  n   allesw.  I.  [63.  64]  i.  alle«  m.  wen//.cnä\ 

\U.      Der    Ritter    unterm    Zuber.       Von  Jakob 

Appef. 

Si  i  n  j  >  h  u  >  ij  ,■  i    Siitiniiluiiij  (  Si  )  \S      Meyers  8tvnmhsftg  (  M  )  .'{. 

Uebersckrift:   DU  tti  von  der  wibe  UH  st.  ohne  Ah- 
oi      1.  rof  für  wo\,    lf.    -.  Dai  onroste  I.  u.  lt.  .»/.    3. 
etteMtht   »/     i.  Do  mitte  8t.   H.  [▼«]   >/.    5.  yren    >'.    6. 

vil      <l.    perl.     M         7.    si'i    ,S7.     »/.    (  nintirf  ).        S.    iicmi'/t/    ,S7. 

>/.  der  m.  8f.  ni'-i'-//  St,  9,  ei«  offen  Iure  >/.  10.  i  //// 
s.  ,S7.  11.  nii/-  tu.  >/.  12.  Ktnri  teite  /u  «n,r,  >/.  13. 
u/zum  si .  w.  13.  1 I.  Wie  ei  einer  w.  Diente  mit  bertien 
rfl  mit  nn  »/  15«  liefen/  8t.  >/.  bWde  rtn  a.  >/.  16. 
beidei   \i.   möhti  ffrein   M.      17.   fm   b.j  M.      18.  (;r  M. 


686  foarten.     XLI. 

mohte  St.  M.  verholen  ( :  verstoI«nj  M.  19.  körnend  sü 
beide  zu  M.  20.  So  w.  St.  22.  [zw.]  by  ein  a.  M.  23. 
wer«te  manigen  M.  24.  War  ist  az  ich  üch  sag  M.  25. 
he(a)tte  M.  St.     drig«:ds  sige  JT.     27.  sü  rfo  b.  M.     30. 

31.  g.  neme  d.  e.  Du  rchter  M.  32.  Vfi  spr.  ztt  iwie  weysfu 
M.  33.  Was  &f.  dilti«  M.  34.  grosz«  vnse/ikeit  M.  39. 
wart  (immer)  —  do  St.  Jf.  40.  41.  lr  süllent  sin  keinen 
glouben  han  Sü  hat  nieman  liep  denne  M.  werlichi&l. 
42.  Dz  wolt«  ich  swer«n  M.  43.  vn  ouch  so  3f.  44.  nit 
also  t.  itf.  46.  /?«£  es  g«tribew  me  denne  e.  M.  47.  öffenl. 
♦Stf.  -lichew  M.  48.  «//er  menglich  in  der  M.  all«  »Stf.  49. 
vfi  ouch  m.  M.  50.  Dz  lastet*  M.  52.  [nu]  M.  53.  Do 
sprochen£  (öfter)  sü  —  ittt  jtf.  54.  [nu]  wissen  M.  55. 
kürnen  M,  komen  Stf.  56.  mornett  St.  57.  etwar  M, 
e«ew«r  :  her  St.  58.  n.  kume  M.  59.  ja.]  M.  60.  So 
went  wir  für«  dt«  tür«  M.  62.  *Sö  für  Du  ts£  Druckfeh- 
ler. Vn  hör«  m  al  M.  63.  kein  Absatz,  schier  St.  64. 
Moro«tt.  do  M.  66.  Vn  o.  d.  vr.  wart  M.  69.  W«nn«  ich  zd 
M.  71.  ein  solicÄ  g«oot  M.  72.  nüt  >Stf  (meist).  Des  ich 
n.  m.  g«lan  M.  73.  IcA  k.  i*T.  75.  Absatz,  wie  was  seist« 
M.  77.  [do]  St.  mitte  St.  M.  79.  Sü  sp.  [grose  Ätf]  itf.  80. 
also  alleine  M.  81.  bli;t  M.  82.  w«nne  i.  d.  vnsanflt  e.  M. 
83.  itt  lr.  so  riet  sü  ime  St.  85.  W«ttne  sü  bj.  M  86. 
vmb  M.  87.  irett  St.  an  sinen  mimt:  hertzen  grunf  M. 
89.  m.  vil  1.  w.  M.  90.  m.  hertze  d.  M.  91.  g«dohte  sü 
da;  haim«l.  M.  -lieh«  St.  92.  [wen]  weresfu  M.  wersl  St. 
93.  jzar  wenig  M.  94.  iYu  müsze  din  d«r  iW.  95.  So  wotte 
ich  han  hie  gtft  31.  96.  dem«  —  ges.  M.  100.  wart  Stf. 
[vil]  M.  noch  Jf.  Stf.  (öfter  o  —  ausgesprochen  a  —  für  aj. 
M  fdükrt  /'ort:  vfi  bald  schosz  im  in.  1.  w.  bl.  M.  2.  er- 
weitert M.  3.  Hin  brt/der  h.  d.  b.  Jf.  4.  [Wan]  M.  5.  Er 
sp.  geha/tiH.  6.  denne  M.  7.  W«nne  —  hin.  Jf.  din«Stf.  8. 
Sü  St.  9.  kein  Absatz.  Also  do  d.  M.  10.  [w.  do]  St. 
14.  15.  Der  r.  sp.  wol  dz  m.  g.  ie  ges.  Vn  wart  der  meren 
harte  fro  M.  17.  Vit  k.  d.  n.  balde  d.  Jf.  18.  würten 
M.  schone  M.  St.  19.  in  u-ilkumme  M.  20.  Sü  sprach 
vr.  u.  [1.]  M.  21.  sülte  St.  Wir  süllent  wunnettelic/*  M. 
22.  g.  u.  h«t  dz  gilt  g.  M.  23.  het  g.  M.  24.  süllent 
St.  M.  [g.]  Jf.  25.  [er]  0*.  26.  h«t  M.  27.  28.  tr.  im  d. 
vil  gute  sp.  Vn  pflag  sü  mit  gute  flifze  M.  [29]  M,  wo  da- 
für nach  30  Was  ir  gebielent  dzsol  sin.     31.  suMent  St. 

32.  sin*  St.  [31.  32]  M.  33.  Vn  w.  M.  went  St.  M.  sol 
M.  34.  Do  St.  Ich  wil  mich  in  truwen  laszen  sehen  M. 
[35.  36]  M.  37.  38.  Duncket  es  üch  wol  g.  So  s.  w.  bede 
sl.  g.  M.  Wwr  süf/«nt  St.  M  fährt  fort  Sit  man  es  als 
gedencken  sol  So  ist  die  naht  kürtz  dz  wissent  ir  wol 
(aus  135J.  39.  gerttt  St.  Was  ir  gebietent  dz  sol  stn:do 
hin  M.      42.  Ein«s  —  [da]  M.  do  St.      43.  Als«   m«n  St. 


Lesarten.     XLI.  687 

gyuesit  2tf.  [145  —  54]  iW.  48.  one.  51.  scheidendes  (meint 
scheidenwesj.  53.  selbe.  54.  dahte.  55.  Des  was  d.  w. 
her  w.  M.  56  —  58.  h.  sine  bruder  mit  ime  gen  Die  st.  i. 
do  n.  bv  Mittenander  trv  M.  brwder  drige:bige  St.  58.  ime 
do.  St.  M.  59.  horestuili.  do  :  yo  M.  St.  60.  Enrfruwent  St. 
61.  sü  öei'tfe  do  inne  M.  62.  triegen*  S£.  M.  63.  Ich  höre 
den  m.  vrä.  d<f.v  w.  M.  64.  Zwore  es  itf.  65.  brnder  >Stf. 
[so]  es  i.  M.  67.  a/so  s.  M.  68.  Owc  miner  ere  M.  69. 
wor  St.  70.  Do  St.  Dz  i.  verbärge  M.  71.  [vil]  M.  72. 
Do  St  31.  ussen  M.  74.  Do  slieten  S£.  Dar  u.  sl.  JH.  75. 
do  n.  tr.  ilf.  77.  Nackent  verb.  M.  78.  h.  wie  1.  were 
M.  80.  Also  —  Sicher  M.  83.  gesach  M.  84.  Doert  St. 
Der  w.  do  m.  M.  86.  [vil]  St.  87.  zucket  d.  ture  vil 
seh.  JE.  88.  frungen*  St.  M.  91.  do  inne  M.  92.  Sü  v. 
die  ii  inckel  alle  ler  M.  94.  Ds  wart  d.  w.  g.  -wol  z.  itf. 
95.  [dinne]  v.  M.  *erv.  für  env.  *'s£  Druckfehler.  96.  Zünde 
—  der  trafst  31.  97.  Los  —  dis  g.  M.  98.  99.  dem  nie 
d.  m.  den  seh.  Tut  an  güf  M.  200.  vmbe  M.  1.  wwrttin 
M  3.  *  erb.  für  enb.  ist  Druckfehler.  5.  6.  falle«  Ich 
höre  gehöret  i.  knllen  M.  7.  tribent  St.  Das  ir  mitten 
,\nder  hant  M.  8.  w:«s  usseivendiy  an  M.  9.  •namen^Nt. 
.»/.  kl.  n.  .>/.  10.  horte  —  Mafien  M.  11.  Jtortte.  Die 
frone  sp.  !o  Jlf.  12.  go£  v.  h.  rieh  M.  13.  hant  Si.  M. 
14  ;i.  >/.  15.  Vsz  demme  tröwe  —  inne  I.  M.  16. 
<iro/e  ,S7.  sorgen  M.  17.  Fn  wone  iW.  he£e  St.  19.  Do 
»/.  rerfe  st.  (.'»('nv.ms  St.  üf,  20.  21.  Wemie  —  gütz  M. 
22.  Vit  k.  M.  94.  So  kunt-  zw  M.  26.  engeltc  St.  27. 
Wesen  M.  28.  [o.j  M.  29.  Wanne  —  keiner  M.  cinre 
stund«'  St.  30.  an  m.  u  nie  M.  Nie  u.  an  m.  beyunde 
st.  31.  Finden  liez  z.  St,  Was  z  M.  32.  i.  dir  m.  M. 
33.  bei  ->/.  hatte  ein  St.  34.  so  ich  >/.  36.  £r  b.  mit- 
lem  al  /•  M  M.  dine«<  .}/.  18,  imc  st.  44.  ang.  St, 
rngerfingenl  .)/.  15.  /ü  r.  br.  .>/  46.  rma  .»/.  18.  Der 
«  ,/,;-  ip,  |9.  Ins  mI  .)/.  .)(.  i/i  oticA  pft  h.  iW.  52. 
brooderu  st.  \\\.  bfoes  ^.  .)/.  55.  /'>'«  w.  irtl  1.  M.  56. 
Ermordete  d.  m.  sr//,rs  I.  >/.  57,  Do  St.  M.  58.  gofte 
SL  M.  59.  6eer  kr.  .sv.  60.  Bige*cAaflt  .»/.  61.  kein  Ab- 
mix.  -1/-NS  »/.  63.  64.  rfl  o.  den  brüdern  s.  MiiecAgatell 
rnd  ander  w.  .>/.  65.  r.  sei  8.  >/.  66.  Sil  ir.  .»/.  67. 
schalle  v^-  ->/•  68.  es  für  doch  >/.  <ü».  tu.  [do]  kleiner 
>/.  71.  l.mrr  st.  Wmme  <-.  >/.  751  De  St.  M.  73.  i. 
w  7i.  Dl  Ii  c  bar  vn  ooeh  ümmt  >/.  <-.  "//'s  /t.  ,S7. 
T'>.  Weawa  "■  deiaaie  >/.     ~r>.  Der  j*f.  ao  inoebei  m.    77. 

l//s|c  ,sv.    ei    dar   i  ff  M.      7K.   (1//  A*ft   für  d.isi    Jf.     79.   M 

für  dea  »/.  so.  \„  ,,,  der  d.  i.  at  81.  NN'-nin-  -  dar 
ii.  >/.  m.  [cht]  >/.  ni.  hu  tindeat  in  niergen  a.  ^/.  do 
9f,  85  \v  inne-  der  u.  fliehen  >/.  ^c>.  dti  fdr  m.  0.  M. 
■S7.  Soocheai  du  [in]  St.  \>\^\n  >/     90.  Er  sp.  ar,  m.  ahn- 


688  iuarttn.     XLJI. 

m.  M.  *  lies  \\i\tu.  291.  einem  t.  %löbe  M.  '92.  Noch  s.  St. 
sint  —  bet.  M.  94.  [d.  w.]  er  hat  geh.  M.  95.  Alles  dz 
w.  h.  M.  hanf  St.  M.  96.  Zwor  i.  i.  lange«  M.  97. 
Wenne  —  vr.  Jensen  t.  M.  98.  99.  Doc/t  müsz  der  vil 
gehüre  mit  glückheit  w.  v.  uch  M.  300.  Wie  —  hawt  ££. 
M.  vil  ir  t>/"  ÜT.  1.  Do  sp.  d.  w.  1.  fröwe  min  M.  3.  Vn 
hette  M.  4.  wer«  sicher  diner  M.  5.  sur*w.  sammer  M. 
6.  Do  M.  [so]  St.  vsz  dinem  sp.  M.  10.  verstandener  iW. 
12.  werdewt  St.  M.  noch  b.  bei.  M.  13.  offenl.  Sf,  -liehen 
M.  14.  AI«  begunde  es  ietzen  t.  M.  15.  kein  Absatz. 
Do  n.  g.  nohe  do  6*/  itf.  neben£  St.  16.  Ein  gar  »i7  kl. 
br.  M.  19.  20.  Waste  .Stf.  M.  oweft  w.  M.  sü  fär  bede  ££. 
21.  gehört  M.  22.  [gar]  M.  2i.  Do  Stf.  M.  27.  ATu  wo«e 
M.  28.  gawa  hin  an  M.  29.  miner  M.  30.  Vn  br.  vns 
d.  z.  h.  ^«rfer  vsz  M.  31.  nehtm  »Stf.  leich  :  verzeich  M. 
32.  m  ir  nit  g.  A7.  34.  garat  St.  35.  Gent  Stf.  36.  War 
{öfter J  muesera£  St.  37.  wurtin  M.  39.  Saa  diner  — 
si^ehaft  M.  40.  41.  Vn  sag  in  das  es  sige  sache  schaft 
Vn  das  sü  m.  M.  42.  So  getet  sü  m.  M.  48  Wewt  St. 
56.  men  fär  ich  St.  57.  gelouberct  Stf.  64.  hawt  St.  M. 
65.  muezeat  St.  M.  66.  [mit]  M.  67.  Wenne  M.  68. 
Do  sjr.  M.  69.  Würt  [meint  wirret)  miner  M.  73.  Wie 
St.  74.  seh.  woAe  M.  do  St.  M.  75.  76.  Do  ging  die  b.  b. 
hin  Vn  stiesz  ein  für  dar  in  M.  77.  so  St.  77  —  80.  Do 
man  des  füres  do  befant  Do  schrei  man  fürio  all  z.  h.  M. 
80.  *befser  der.  81.  82.  Do  k.  d.  w.  g.  dar  Vn  sine  brueder 
alle  gar  M.  83.  \h  lieflewl  M.  84.  d.  vü  g.  M.  86.  Zu 
der  hindern  turew  M.  87.  ime  M.  88.  Vn  bat  g.  dz  er 
in  solte  b.  M.  89.  an  den  m.  M.  90.  Hie  M.  do  St.  M. 
91.  frem  Absatz,  [so]  M.  92.  Dise  St.  [m.]  M.  93.  kün- 
nen£  S*.  M.  Hie  hat  der  ritter  vnder  den  zubber  ein  ende 
got  vns  allen  kummer  wende  amen  M. 

XLI1.     Die  treue  Magd. 

Esche nburgs  Handschrift.  Ohne  Absatz.  Die  unmittelbar  voranstehenden, 
und  bei  Esphenburg  als  Eingang  der  Erzählung  gedruckten  38  Reimzeilen  sind 
ein  gar  nicht  dazu  gehöriges  Gleichnis  von  zwei  Rosen  auf  einem  Aste,  deren 
eine  sich  mit  der  Sonne  schliefst  und  erhält,  die  andre  offen  bleibt  und  vom 
Nachlthau  verdirbt :  schwerlich  auf  202  zu  beziehen. 

7.  und.  10.  kbjeh.  14.  han  für  dan  wol  Druckfehler. 
19.  der  eyn.  20.  vgl.  XXXII,  380.  25.  *lies  skriver.  28. 
yarra.  30.  *  lies  dem.  57.  yewehman  [meint  wol  einich 
man).  67.  dustern  ist  Hochdeutsch  tschostieren.  69. 
steten.  71.  73.  und.  74.  mit  den  in  zwei  Zeilen 
abgesetzt:  vielleicht  fehlen  zwei  Reime.  78.  helbw.  81. 
85.  ritter.  98.  tzartsen.  Richtiger  267.  111.  kerw :  le?*n. 
14.  15.  und.  16.  holt  17.  per£:wer£.  18.  hete.  19. 
mwder.      24.   des  tobet.      29.  *  or  ist  befser  zu  streichen. 


paarten.     XLII1.  689 

134.  growen  für  groten?  auch  175.  36.  rüge.  42.  und. 
65.  *  ist  das  Komma  hinter  verne  zu  versetzen.  68.  die 
Sonne  hat  ein  goldenes  Bette:  wie  der  Lindwurm 
auf  Gold  liegt  und  dadurch  sich  nährt ,  wächst  und 
gleifst.  69.  euer.  85.  megefin.  86.  92.  und.  94.  perf 
—  sporw.  98.  sinnt.  202.  deme  des  morgen  sint  up.  4. 
hanf.  6.  myf  fogentl.  9.  10.  *groete  —  dot  für  grwte — 
dwt  sind  Druckfehler.  13.  ntz.  15.  noflick.  18.  gy.  21. 
ju  für  wu?  27.  mac/ien.  33.  hertze.  44.  46.  was.  48. 
aventlang  entspricht  dem  tagelang  >  tälang :  noch  Nieder- 
sächsisch aveling  abends,  gegen  Abend.  49.  nnd.  53. 
'rermiden  für  vormiden  ist  Druckfehler.  54.  61.  murf. 
63.  myf.  69.  ge.  71.  raufe.  73.  myf.  75.  sege.  79.  yd. 
80.  per*.  87.  g\.  89.  perf.  91.  molmezie — drang:lan#. 
93.  frage.  96.  blavnder.  99.  hanf.  302.  gy.  8.  \nd.  9. 
sali.  11.  dar  to/tant  :  vanf.  19.  warf.  21.  ysf.  22.  #y. 
39.  wand.  43.  se^en :  le^en.  44.  mnd.  52.  safz.  53. 
mufe  :  gufe.  55.  hufe.  57.  hant.  58.  dar  toftanf.  61. 
scriu erere.  62.  juwre.  63.  mnd.  64.  dof.  68.  73.  gy. 
75.  vrunfl.  79.  vorfriuen.  80-  mnd.  81.  hand.  91.  er- 
were.  92.  wen/.  95.  gy.  96.  hanf.  97.  dar  fobanf:hanf. 
401.  vangen.  7.  sege.  9.  enlsc/tlapen.  12.  sats.  20. 
werf.  21.  ejyn.  21.  segcn.  26.  lege.  32.  werd.  38.  lanf. 
41.  ore  für  cme.  42.  hant.  43.  scgc  *  (mm  für  min  ist 
Druckfehler  .  14.  sehest u.  45.  mochst  —  se#e.  47.  sege. 
50.  und.  53  häuf  :  hanf.  55.  scgeslu  —  hanf.  59.  und. 
62.  werf.  68.  hanf.  70.  fo.  76.  hir.  77.  daU.  81.  gluf: 
guf.  82.  mud.  89.  wert.  92.  ouer.  93.  want :  hanf. 
§5.  werwe.  503.  baf  :  raf.  8.  mud.  10.  vnste.  11.  15. 
h  m/  \ani.  19.  hufe.  21.  want  :  hanf.  23.  guf  :  gluf. 
26.  yd.  28.  magef.  30.  saU.  31.  hanf.  34.  49.  53.  werf. 
M.  g\.  f6.  dyee».  51.  etwa  fune  fgr  schune  zu  lesen? 
97.  Nf.  öS.  reyf.  65.  fter  de  sere.  74.  fogenlick.  79. 
'mif  /»r  mid  ist  Druckfehler.  S2.  *  <1<  r  ftfr  de  desgleichen. 
raunt.  84.  SO.  ,/\.  S!>.  Wal  was.  91.  mniii'ii.  95.  want: 
vanf.  !)7.  vl\.s.  600.  Ic/iun.  3.  *Godf0r  gud  ist  Druck- 
fehier.  s.  und  -  magef.  9.  rruchteden.  19.  magef. 
11.  uA.  Am  Schlujee  lieht:  scriptum  in  liaonia  per  ma- 
\w\->  Johannii  post  creationem  mundi  7231,  dai  ist  1431, 
//  "  unter  //r/u  fugenden  Gedichte  derselben  Handschrift 
ri, u  ihm  dieeem  Schreiber  eteht, 

XIJII.      Der   verkehrte     Wirth.       Von    Herr  and  von 

WÜdonie. 

.1  ■  i,  i  u  i  <■  i  9mmmbtn§  Bi   2  IT1'-     oi,,i<  Ahiai%. 

i.  Abentewr.      >.  So  deichte.      10.  rcdter«     97.  ly 
Chnmer)      vi.  cmphie  (immer).    35.  sdwen.    38.  entgalt. 

».  d.   //«;•»  ,    C.iiaaLk.Qttatr.      11  •   ' 


690  Lesarten.     XLIII. 

40.  gab  im.  45.  euch  (fast  immer).  46.  empoten.  48. 
vnd.  56.  kümbt.  62.  ward  (immer).  64.  *wang.  69. 
Wo.  71.  rntz.  72.  73.  82.  Da.  83.  Höret.  84.  Derwische* 
*  (das  Häkchen  vorn  ist  Druckfehler J.  90.  one —  on.  93. 
rweff.  102.  bedarfft  du.  3.  wisset.  4.  der  mein  her.  6. 
wirs£  du.  13.  vnd.  31.  rentier.  36,  küsse«.  59.  69.  Da 
—  vnd.  74.  teuft.  76.  *bejser  fällt  beeser  weg,  und  bleibt 
«ntriuwen.  80.  swnst.  85.  Redt.  86.  kumo.  96.  werdn 
* (befser  werden?).  201.  yemand.  2.  erwachs.  7.  vnd. 
20.  kumb.  21.  wo  :  rigl  do.  30.  zug/cet.  31.  schöew. 
33.  an#st.  38.  da.  43.  solt.  46.  *  lies  gen.  48.  pwesse 
e/wphan.  54.  em  bekannter  Sprach.  63.  zwang  ir  w<lngc. 
6i.  Da.  65.  erwache*.  67.  rüe.  73.  ewr.  schnüre.  75. 
ewr.  80.  from&den.  83.  84.  Da.  89.  ewrn.  91.  ew;. 
92.  wohin.  97.  *  vor  ze  ist  zuo  im  Drucke  ausgefallen. 
301.  solt.  5.  ewr.  20.  gestrelt.  21.  ewpern.  25.  verloren. 
29.  seger.  31.  erschracke.  47.  swechet.  51.  man«.  52. 
cwr/*:    5fc.  solts.     62.  mare. 

XLIV.     Die  Beichte. 

L  afsbvrgs  Liedersaal  XXXlll.      Ohne  Ueberschrift. 

5.  folgt  -lag  :  klag.  6.  gan#  (wol  Druckfehler).  9. 
Dez.  11.  Absatz.  12.  ki/chen.  15.  vmft.  18.  gern.  21. 
Absatz,  hern.  28.  örüü.  31.  Absatz.  37.  müh'  solU. 
40.  nütz.  49.  bück  —  schösalin.  50.  drü  stösalin.  52. 
hao  ich.  55.  kondiger.  56.  hestu.  57.  Absatz.  58.  hübst. 
61.  klencs.  62.  sch«n.  (61  ist  etwa  umzustellen:  Si  het 
an  ein  hemde  klein).  63.  ir  irem.  70  vielleicht  ungebär. 
74.  kein  Absatz.    75.  Wo.    78.  wiben.    83.  wewd  zwingen. 

XLV.     Der  begrabene  Ehemann. 

Heidelberger    Sammlung  (H.)  266;     Coloctaer    Abschrift  (C.~)  131. 

Ueberschrift :  Ditz  ist  wie  ein  man  sin  wip  begrup 
lebendic  ysan.  C.  ysan  H.  Die  folgenden  Lesarten  gehö- 
ren H;  ohne  Absatz.  6.  Dunerc  m.  16.  wirbesfv  49.  Da. 
52.  mitten.  54.  gemacht.  57.  mitte.  65.  v/7.  66.  Hetes* 
dv  —  gemacht.  83.  dar  mit  er  f'vr.  84.  h'be.  85.  Gewinne. 
Das  n  von  nimmer  ist  übergeschrieben.  88.  so  desgleichen. 
91.  vn.  112.  Getvs£  dvz.  16.  *  verkam  fand  sich  auch  bei 
nachmaliger  Vergleichuny  der  Abschrift  mit  der  Urschrift. 
17.  noch.  18.  bego/ide.  19.  umb.  21.  Sie.  23.  vn.  25. 
gmch.  30.  [er].  33.  Wart  inherze.  34.  *im  zwir  als  wol 
(ist  aus  der  Hds.  zu  berichtigen).  35.  sie.  40.  * die  Wie- 
derholung von  ouch  wol  ist  Druckfehler.  46.  sie.  56.  dar. 
66.  Soldes/  dv.  *  lies  tüsen£.      68.  Da.     70.  bezzert.      79. 


jCVsartcn.     XLVI.  691 

ev/t.  180.  Einez.  82.  gesehen.  84.  meinestv.  85.  bis?  dv. 
90.  Gmch.  94.  Da  brochte.  200.  sie.  3.  sie  sine.  4. 
lichnamen.  7.  sin.  8.  schön.  12.  leider  m<ere?  (denn 
daraus  ist  leider  abgekürzt).  13.  Dvne»  solt.  14.  be- 
gowde  *("/*e.s  begundej.  15.  20.  sie.  20.  vn.  24.  *wile  für 
werte  ist  Druckfehler.  29.  41.  Sie.  38.  begonde.  42. 
Vn.     45.  lichnamen.    47.  vn.     51.  Die.     55.  sateet. 

XLVI.     Das  heifse  Eisen. 

Heidelberger    Sammlung    (H.)    131,      Coloczaer    Abschrift    (C.)    132. 

Wiener  Sammlung  C^O  13»   in  sbr  ticke  r  Abschrift  C^O  16-      Dresdner 

Sammlung  QTt.)  6. 

Ueberschrift:  hais  C.  Ion  dem  haizzen  eisen  W.  1. 
D.  Die  beiden  Zeilen  in  D  gehören  auch  hieher :  Nvn 
sechnt  mit  welchm  lüge  Die  zwey  dz  haiss  eysn  trüge.— 
Die  folgenden  unbezeichneten  Lesarten  gehören  D.  1.  fraw 
—  im».  2.  chrndc  H,  chind.  5.  schön*  —  irümfcait. 
7.  H'z  e.  schöne  man  z.  8.  Da  H.  sorg  —  [be].  10.  m. 
also.  11.  mir  fdesj.  12.  du  in  mir  andrti  w.  n.  13.  14. 
wölt  i.  also  scr  Vrn  dich  vord.  i.  mer.  15.  [des]  seift. 
16.  wereflr,  19.  liebu  iraw.  20.  Ich  fteger  kainer  dann. 
21.  lieb  ob  «lle  1.  22.  vngemer  //.  Oder  i.  müsz  sein  e. 
offner  d.  23.  dcheine»  H.  Hab  i.  kain  den.  24.  g.  Ion 
D.  zeicA.  25.  sv/chcz  ff.  sölh'chez  wit  entü.  26.  bis?  dx 
H.  D.  lieft.  27.  d*/j  H.  v:i\  d.  sein  b.  29.  begerst :  be- 
wirft 31.  zartn.  33.  vn  t\st  dv  //.  \nd.  34.  kaim  m. 
ii.  [35.  36].  37.  Gehandlot  vnd  i.  wesen.  38.  gerich?. 
:\\).  Das.  40.  Bai«  //.  D.  A.  recht  1.  —  fze  vr.].  42.  [r.] 
S3.  U'az  liebi.  \\.  0»  schule/.  45.  n.  v.  d.  46. 
w.  aber  <l\  //.  wiliu  m.  tfez.  17.  Daz  ist  ein  ewiger  h. 
//.  18.  Das  lostu  ii.  wenn  vin.  %%.  andru.  50.  hast  kain 
acht.  51.  red  i.  "".  53.  Den  das  i.  erwirb.  54.  wil  t.  a. 
55.  i.  gerfeat*.  56.  Nil  lenger  ich  das  vertrag.  57.  Ich 
wil  dira  n.  58.  jeez.  59.  I>;>/  u.  damit  beschäm.  60. 
h  h  i.  aisi.  61.  nunc  deinen.  <>2.  ander  «an  //.  Vnd  zu 
dir  Itain  ander.  63  Nor//  n.  g.  andern  m.  64.  |^r<-|.  65. 
Zweite  //.  italn  wurdn.  (»7.  Do  //.  Das  —  seine  rechln. 
66.  he*.  <>•'•  <lw<  //.  deiner  trui  werd  gewar.  70.  naigt. 
71  I>"  //.  />.  72.  [Vor].  73.  iie  //.  7'i.  sei»  —  enpfand. 
76.  '"-\\.  77.  [dir]  ra.  I.  vnd  m.  I).  danok  //.  78.  gewo*. 
70.  ie  ir.  trifte*.  86.  c/  dane  /"'<•  s.  //.  VI  sehr.  D. 
~i\).  ho.  \  n  alz  d;i/  da  der  man  Volbracht  Int  \n  getan. 
81.  i//  l.  rie  //.  Da  lies«  <-»■•  bi.  Hi.  »//  rotba  ich  j.  K.'i. 
KebaltA.  86.  laUch*  an.  87.  dir  schön.  88.  ums/.  8!). 
km*-  90i  N«  t  immn)  —  gepet.  M.  »In  o.  |m.|  93.  statte. 
Ich  gestaM     "»:.  [hie]       geschechfi.     94.  dem  iran.    96. 


692  $e*axUn.    XLV1I. 

solt.  97.  [ez]  wimer  kern.  98.  [dir]  ie  getät.  99.  [doch] 
w.  [wie].  100.  du  ze  t.  ma\h.  1.  mir  1.  den.  2.  nw  las» 
dem  claffh.  3.  Dm  wollest.  4  [zwar]  a.  wirt  o.  dar.  5. 
Dvnew  H,  Du  —  [sin]  D.  6.  Bvnen  m\gst  H.  [iezv]  D. 
7.  er  ez  —  fwir.      8.  Vn  H.  D.  glvtez   H.  ser  D.      9.  let 

—  im  o.  10.  heb.  11.  weil  ez  d.  hitz.  12.  Wann  ez  i. 
D.  \z  H.  13.  wärlich.  14.  heosf  —  lichn.  15.  Du. 
16.  geseU.  17.  [v.]  c\ainer.  18.  tun  i.  die  weil  i.  19. 
20.  Du  last  ez  durch  mein  gepat  Was  i.  ye  lieos  d.  getät. 
20.  gewers£  dv  H.  21.  tanck  m.  damit  D.  [mir]  H.  22. 
[nv]  —  hit.  23.  [sich].  24.  Menger  ding  sich  enthaltn. 
25.  st.  m.  u.  starken  1.  H.  26.  seyera  w.  plödu.  27 \  29. 
30.  im/geno"  —  enthaltn  w.  28.  kraft.  29.  sie  t.  vn  H. 
vnd  D.  30.  den  dingrä.  31.  kreft.  33.  niman  H.  34. 
e^ew.  H.  33.  34.  ettwen  w.  Vn  vns  in  sünd  sencken. 
35.  Da  vor  H.  gib  —  aiw  D.  36.  Vn  n.  kain.  37.  Den 
d.  das  —  verj.  38.  gerichf.  39.  Vn  d.  40.  heb.  41. 
trvt  geselle  H.  42.  Dax  —  bitt.  43.  gediew  ich  H,  wil 
i.  verdienen  D.  44.  w.  i.  45.  du  ez  yc  getä£ :  stät.  47. 
hertz  Heb.  48.  trüwer  mineclicher.  49.  Vnde  H.  Hebt. 
50.  Wan  du  h.  w.  an.  51.  Ob  —  rfry.  52.  [so]  H.  [zv] 
m.  tan  1>.  53.  So  tu  noch  w.  [v.].  54.  verdien  —  vrä. 
56.  balde  H.  57.  man  —  swi :  pfund  drui  D.  sie:  drie  H. 
59.  pfenig  n.  w.  60.  Du  ez.  61.  Von  m.  1.  sey  geschec/m. 
62.  [h.]  sechn.  63.  A.  recht  1.  ich  d.  66.  gib  m.  vor. 
67.  vor  lan.  68.  red  D.  grcvc  H.  D.  69.  Spr.  [t.]  70. 
[en].  71.  Ich  t.  d.  sicherlich.  72.  müst  —  von.  73. 
nam  si  in.  74.  übel.  75.  [l.j  seh.  m.  grozer  u.  H.  vn- 
gehao  :  ab  D.  79.  wol*  H.  80.  81.  sie  H.  85.  Do  D. 
hört  H.  D.  vn  H,  vnd  D.  86.  Mit  —  da.  87.  deiner. 
88.  s.  du  ez  dez.  89.  furpas.  90.  Vnmerer  i.  dan.  91. 
das  dz  dir.     92.  zu  aller.    93.  Nv  hast  n\  H.    94.  vn  H. 

—  In  H.  folgt  unmittelbar  hierauf,  ohne  Ueberschrift, 
nur  durch  einen  gemalten  Anfangsbuchstaben  bezeichnet, 
eins  der  „Beispiele"  aus  Strickers  „Welt"  (das  Bei- 
spiel von  der  BurgstalQ;  vermuthlich  auch  in  C. 

XL VII.     Das  Schneekind.      Vom  Stricker. 

Wiener  Sammlung  (WJ  37;  Insbrucker  Abschrift  (1.)  3-  Lafsbergs 
Liedersaal  (X.^  CCXLIl  ist  eine  völlige  Umschmehung  mit  einigen  Ueber- 
bleibseln  von  Stricheis  Rede  und  Reimen.  —  Mafsmann  hat  seine  mir  %um 
Abdrucke  mitgetheilte  Abschrift  aus  zwei  Wiener  und  einer  Münchner 
Handschrift  entnommen-     Vgl.   L. 

Ueberschrift :  Daz  mer  von  ainem  (dem)  sne  palln 
W.  I.  L.  beginnt  mit  Sprüchen  und  vermehrt  die  zum 
Schlufse,  die  Erzählung  kürzend.  1.  2.  Ain  man  hett 
ain  schon  w.  Du  im  w.   1.  sam  sin  lib  L.  (5.  6).      12.  n. 


ftiatttn.     XLVIII.  693 

vi\  manger  tuot  h.  (10  .  21.  22.  er  si  d.  m.  Wer  de3 
kindez  vatter  w.  Z>.  (15.  16).  25.  26.  Dez  lait  ich  in  d. 
m.  Do  wart  ich  s^anger  ze  stunt  L  [25,  26].  Der  Schnee- 
sohn wird  im  Heidenlande  verkauft,  und  der  Kaufmann 
sagt,  er  sei  in  Aegypten  von  der  Hitze  zerschmolzen.  L 
schliefst  Cmit  Wiederholung  von  3.  4)  Der  ist  gar  ain 
wiser  man  Der  lug  mit  lug  gelten  kan. 

XLVIII.      Die  halbe  Decke. 

Heidelberger  Sammlung  (_H.)  48»  Colocz  aer  Abschrift  C^)  4i.  Wiener 
Sammlung  (W.)  b;  Intbrncker  Abschrift  Ql.~)  5.  —  Dresdner  Sammlung 
CD.)  11  15/  eine  gan%  verschiedene  Darstellung ,  von  dem  Huf  f  er  er.  Lafs- 
bergs  Liedei  saal  QL.~)  LXXVlll  ist  abermals  eine  ganz  verschiedene  Dar- 
stellung. 

L'eberschrift:  ist  —  buzeC.  Daz  mer  von  dem  chotz[e)n 
W*  /.  —  Po  dem  rittet  mit  dem  koczen  D.  —  5.  unver- 
zagt ;  unversaot  C.  14.  [manic]  H.  15.  bei  williclichen 
ist  cli  als  Berichtigung  übergeschrieben  H.  16.  [vn.  o.]  C. 
19.  'bejser  sali* :  gezalt.  25.  Ynd  —  gante  C.  27.  *  lies 
So.  28.  einem  H.  C.  29.  Vriwclichen  C.  30.  trüge  C. 
32.  Do  setzte  C  33.  w;az  C.  36.  kan  machen  C.  39. 
menschAeit  C.  42.  sie  H.  C.  45.  Vnde  C.  46.  Absatz  C. 
47.  s'ch)migen  H.  C.  49.  gestriwet:gelriwet  H,  gestrewet: 
gevrewet  C.  50.  seiden  C.  51.  handlunge  C.  56.  Dem 
f.  57.  libe  //.  61.  vn  H.  62.  Swa  ez  C.  68.  vn  H. 
70.  anders-  C.  ~i\.  wurde:  bürde  C.  79.  blozes  C.  82. 
breit  C.  83.  wunne  haft  H.  C.  patriarcAen  H.  C.  85. 
sollen  C.  86.  dienst  C.  vmb  H.  C.  93.  vrisen  H.  94. 
agen  //.  ('.  kalten  C.  98.  Gelorst  /f.  C.  105  truwe  C. 
7.  Aem  4A#ate.  //.  C.  14.  solf  <v  (dv,  f/.  C.  15.  rvchcn 
//.  23.  Ynd  neme  C.  37.  gnvc  //.  4i.  bcgonde  C.  49. 
er  nennet  (?.  52.  enen  C  54.  do  //.  C.  58.  gedenket 
//.  r.  vgl.  285.  60.  wer  f.  64.  rfranea  //.  C.  68.  dv\m 
H.  C.  09.  rrog  //.  72.  die*  P.  73.  minem  C.  74.  nie- 
mnri  C.  79.  Will  ff  //.  82.  kvn,/  //.  89.  Ar/n  Absatz 
II  (  .  201.  triften  //.  2.  gescheAen  0  8.  ver  gib  C. 
11.  fach  C.  16.  reibe  //.  unr/e  C\  vn  //.  17.  Beifre  C 
firoi  nvr  Druckfehler).  24.  rad  //.  C.  26.  war  c.  27. 
l'nde  t*.  31.  er  für  der  C.  34.  Er  pelzet  C  35.  kleMen: 
[i/'/cii  //,  37.  Dtf  honig«  c  40.  kein  Absatz.  //.  (7. 
'*:{.  geschehen  C.  \>.  getarfet  C.  16.  getafel  u.  C.  53. 
den  0.  00.  endei  //.  C.  62.  wil«  C.  68.  trade  //.  r. 
Ti»     /  TT.  So.  s<  ii.  //.  c.      7«.  Und*,      Bf.  sie  C. 

85.  gedenkel  ntifof  icoJ  gedenft1  '/;  u  fa  l'is.   90.  blinlC 
'»'>.  Rnez  C.     101.  ei   k  igel  er  C.    2.  er  pal  r. 


694  feearten.     XL1X. 


XLIX.     Der  Schlägel.     Von  Rüdiger  dem  Himthover. 

H  ei  d  eiber  ger  Sammlung  (H.J  iß;  Co  loczaer  Abschrift  (C.^)  4o-  Dresdner 
Sammlung  (D.)  lö.  Wiener  Sammlung  C^'O  32;  lnsb rucker  Abschrift 
(!•)  30.  —  Die  erheblichsten  Lesarten  der  drei  ersten  Handschriften  stehen 
schon  unter  der  Ausgabe  dieser  Erzählung ,  uo  die  mit  H.  bezeichneten  Lesarten 
auch  für  C.  gelten.     Die    folgenden    unbezeichneten    Lesarten  gehören  Di    ohne 

Absatz. 

Ueberschrift :  [mere]  C.  Von  dem  schlegel  D.  Hie 
hebt  (sich)  ein  das  mer  von  dem  schlegl  (s/egel)  VF.  1. 
1.  hört.  2.  ding.  3.  nü  (immer)  Aergand  D.  gesehen  C. 
4.  ains  *(lies  eines).  5.  Ru(ü)dtger  C.  D.  6.  £z  i.  e. 
tugenthaftes.  7.  8.  Unde  C.  Jungen  u.  a.  z.  h.  g.  So 
werdn  ir  tailhaft  sä'liges  mut.  10.  \nd  ra.  du  e.  11.  d. 
daz  a.  se.v  beh//t :  }ngent  vngnt.  13.  Wenn  —  kindlein. 
14.  die  tr.  C  trui  D.  16.  vrelt  vil  ser.  17.  Vn  das  si 
tägliches.  18.  tugend.  19.  D.  si  w.  w.  gehuir  :  tuir.  20. 
Nemet  D.  Tester  t.  C.  21.  mag  m.  iitg.  22.  verneinet. 
24.  Er  —  keuf  C  27.  wert  (immer).  29.  vn  pr.  C,  v»pr. 
H.  30.  lobes.  31.  umbe  C,  vm  vnd  vm  D.  32.  VTa. 
33.  -Amcä  h.  34.  Zwu  H.  C.  Zwü  töchlem  D.  und  tf.  C*. 
D.  fune  C.  35._Igfich  H.  C,  Ietlichs  D.  bestattet  H.  C. 
36.  gut.  37.  V/7  das  —  in.  38.  Vn  tfas  in  nich^z.  39. 
kam.    42.  dacht  C.    43.  all  gemain.    44.  m.  in  1.  allain. 

45.  Bes.  on.  46.  Vn  m.  47.  b.  norden  a.  48.  Und  C 
vfi  /f.  B.  49.  ran  C  50.  Meine.  55.  sei.  59.  [des]. 
61.  er  in  n.  62.  geo  C,  gab  J).  64.  Land  (meist).  65. 
[dem]  1>.  grafc  :  stao  C.  D.  66.  g«n.  67.  m.  h.  C.  68. 
evh(ch)  H.  D.  C.  (meist),  geben  C.  D.  69.  mir  nu  C. 
70.  [en]zäm.  71.  [o.J  D.  lichte  C.  72.  auch  für  nu.  73. 
meiw  gros*.  76.  he&t  C.  77.  nach.  80.  Daz.  81.  erzaig. 
83.  hend  ennf.  84.  wiste  C,  wiset  D.  85.  vnd  H.  D. 
86.  sine«  H.  87.  stunde  C.  88.  Ob.  89.  alle.  90.  Die 
iceil  vn  ims.  91.  [w.J.  92.  Hintz.  95.  Vn  H.  D,  Und 
C.  merck  recht  meine.     96.  vor  //.  C.     98.  wi/.     99.  haft 

C.  D.     103.  sey.     5.  want  H.  C.     Ich  furcht  daz  ez  in  1. 

D.  6.  [nam].  7.  [da].  D.  klopfet  C.  8.  schnell.  9.  snur 
und  sun  für  C.  11.  Unde  C.  12.  matra*  C.  13.  [vil]. 
14.  Ynd  H.  C.  16.  ?/;a  {immer  ohne  s).  18.  schickte.  24. 
mrge  H.  25.  [und]  —  ettlich.  27.  [DazJ.  28.  sprach 
—  6ew.  29.  30.  jungen  ist  anstatt  üben  versetzt.  C.  31. 
seh.  er  o.  32.  kam.  C.  D.  fun  er  da  k.  D.  33.  Unde 
rurte  C.  ring  D.  34.  kamen.  36.  der  für  ze.  37.  Unde 
lie/'C.  d.  vatlerD.  38.  schön  töppich.  39.  und  edeln  C. 
24.  er  auch  des.    43.  ain  e.     44.  sprach.    45.  geswi/ten  C. 

46.  Unde  C.  do  /f.  C.  49,  *t?or  Du  isf  Solt,  ausgefallen, 
durch  Druckfehler:  D  allein  hat  es.  51.  sprach  —  [mir]. 
52.  [ein]  o.  s.  t.  53.  tohter  C,  töchlern  D.  55.  gebn. 
57.  mit.     59.  da.     60.  er  da  kam.     61.  Unde  C.  klophet 


iwarttn.     XL1X.  695 

C.  D.  162.  liez  ff.  [ouch]  C.  ff.  al  ze  C,  ze  D.  64.  do  C.  im 
da  gütez.  66.  Sie  C  (immer)-  68-  Wie  C*.  69.  Sw.  u. 
attdl  r.  70.  Ion  C.  D.  71.  m.  schon  D.  v/1  ff  ff.  73. 
kein  Absatz,  er  von.  74.  er  do  kam.  75.  in  vollem.  77. 
Und  C.  79.  Töppich.  82.  Unde  /f.  84.  Getempert  C. 
[wolj  ff.  C.  88.  wolde  C.  90.  vor  rfrungen  C.  91.  da. 
93.  iioaate.  ff.  C.  lieb  ff,  /V?/iff  C.    95.  %.  alten  br.  Mi». 

C.  97.  Vasz.  200.  Bis  im  by  e.  w.  d.  1.  Er  —  tund. 
3.  kam  C.  ff.  [al]  ff.  7.  die  w.  11.  Er  kam  zu  d.  älter«. 
12.  schön«.  13.  da  n.  15.  Unde  C.  19.  kamen.  20.  sein 
v.  21.  fein  liest  nur  C ,  in  ff.  22.  kamen  C.  23.  ez 
Wunen  fürwar.  24.  vermißt.  25.  Absatz  ff.  C.  26.  sprach 
s.  v.  w.  27.  bistu  ff.  [so]  C.  28.  rede.  30.  Er  «eiget 
ff.  C,  Erzaig*  ff.  31.  sprach.  32.  kmd  ich  han.  .  33. 
Sun  ain  ding  dz.  37.  hält.  38.  Susz.  39.  wirt  gwt  r. 
II.  gienc  C.  43.  s.  vil  w.  41.  r<7  ser.  47.  Oder.  48. 
erlic  ff.  C.  49.  Dez  er  vor  was  gewent.  50.  hantfl.-C 
I).  wart  er  entwent.  51.  vor  ff.  C  Dies  vov  (zwar  öfter 
anstatt  \in  aad  dto  Punkt  hinter  Wartj  ia  ff,  deutet 
auch  die  Lesart  von  D  an.  52.  buse«  C\  53.  Absatz. 
II.  C-  [n.]  C.  51.  Niat  w.  C.  55.  Du.  57.  nit  nie.  58. 
si.  59.  Baidu  h.  GO.  llo/t  ff.  65.  gedachte  C.  66.  kind 
mein.  67.  Uaz  gedenckt  —  trüwe.  68.  geit  m.  leicht  w. 
69.  vnder  weilri  ata  tccisz  br.  71.  gen  —  hollart  ff.  mich 
(  .  72.  WC  mir  ff  geboren  C.  74.  [Gar].  75.  Ynd  ich. 
7^  inr  ;il».  7!).  Und  bin  /<//  C  80.  wölt.  86.  dacz  der 
b.  87.  eile»  Cj  el«i  />.  88.  Suas  gieag  —  rersm.  92. 
Um  ff.  a  93.  [So].  94.  sin  C.  lide  IL  glider  ff.  !)7. 
und  £7.  98.  ez  gevoit.  99.  do  #/.  C.  301.  do  ff.  C.  da 
e,   \\.   />.      6.   Bald«.     7.  ruchet  C     8.  kaume  C.      9.  «/< 

10.  da  für  so.  11  [aen].  12.  l'nde  (7.  /•///.  331. 
399).  13.  g.  im  aber  ach  \n  we.  14.  ge.  15.  Die  l). 
%uü  ll.  <  .  16.  i«'  ////•  in  [gar]  ('.  IS.  20.  kam.  19.  \)a. 
20.  fedoeb.  23.  bis  wil.  25.  [wilj.  29.  lainet.  30.  Dar 
man.  31.  under  //.  r.  /■///.  :J12 ).  32.  berait.  34.  im 
geirewet  w.  dz.  :>•>.  Alrersl  C,  Aller  erst  />.  begoade  //. 
(  .  begund  />.  37.  gedacht«  c.  39.  selber.  40.  II.  mina 
koU  n/v  caban  Doch  alz  r.  13.  [k.J  16.  vom  c.  17. 
Iiini/.  i).  -ischea  C  Ich  enw.  r.  Ich  w.  alt  —  [a.J 

ernei  />.  >2.  [der].  53.  kein  Absatz.  ('.  säumet: räumet. 
55.  I  nda  //.  C  •-!!'/'.'/  />.     >7.  ew.    58.  sia  //.  Ct  %Ü     me 

D.  )'».  fraget  [in  .  65.  Ei  .  uil  a/ol  l»\  i«.  70.  bin 
u  li  //.  ('.  n.  ~±.  Wan  ez.  74.  In  b.  d.  i.  />.  75, 
Bi  den  //.  C.  ofen  C.  0.  '7.  mvei  //.  80.  \n  u.  D,  si. 
sia  H.  (öfter ,  in  C?.  tetmerj,  84.  die  /'ör  so  C.  85.  schire 
r.  89.  debeiner  (  .  d^jrp  li^///i.  />.  90.  vojgel  C.  />. 
!>i.  Iran  lual  .  96.  vam  C.  i>  '»-.  Ward  i.  ra  \ü 
h.  dick.    96.  dea       dca.    99.  vgl    \\2.     S00.  I  od«  r.  Si 


696  fttütUn.    XLIX. 

sprach  D.  b\stu  C.  D.  401.  dins.  2.  sprach.  3.  wol  für 
gar.  6.  zunge  C.  D.  7.  kese  C.  8.  i.  d.  9.  hinnew  C. 
D.  11.  vor.  13.  So  H.  14.  kese  C.  15.  bewainet.  17. 
Salin.  20.  6ew.  21.  mü.  nu  s.  22.  in  dem  Zusätze  liest  D: 
gawt :  lawt;  wie  häufig  au  für  ä.  Ebd.  kann  dz  «wc/*  des 
sem.  23.  hete  C.  getrui  D.  28.  U.  e.  j.  da  g.  29.  cham 
her  w_.  D.  gewesen  für  wider  C.  32.  33.  unde  C.  35. 
kirchw.  36.  Do  C.  gien#  —  7*er  v.  D.  37.  Vnde  i/.  geh.: 
ges.  D.  39.  <m  plicket :  ser  erschrickt.  41.  pilgrim(n) 
H.  C.  D.  42.  man*  tv  H.  [ge]  D.  46.  kume.  47.  6«s  Z>. 
er  her  ist  in  H.  umgesetzt ,  «6er  zuerst  gewiesen;  daher 
fehlt  er  I«  C.  gieng  :  geviem/  D.  48.  bt'fdicl.  50.  ich  uch 
verhafdel  C.  51.  pilgrim  H.  C.  55.  so  H.  C,  /Wttf  D. 
56.  Den  #.  C.  D.  pilgriw  fl.  C.  59.  Bin  C.  D.  61.  /fem 
Absatz.  C.  61.  gesehen  #.  62.  diser.  63.  [Nu].  64. 
ew  ez.  65.  daz  C,  sein  D.  pilgrim  i/.  C  geseU  D.  67. 
hai«.  68.  i.  nit  v.  69.  zw;ar  C.  wil  fflr  w.  Z>.  70.  man- 
gen  C,  mam*#  D.  73.  lenger.  75. .* lobt'  für  \abV  ist  Druck- 
fehler, labef  D.  76.  Der  g.  m.  im  da  s.  78.  allez.  80. 
Aiezen  C.  83.  bürgere  :  unde  gewere.  85.  vnsere.  87. 
unde  C.  88.  u.  auch  d.  gebn.  89.  Damit  D.  verdiene 
H.  C.  90.  vn  H,  vnd  C.  D.  91.  U.  i.  m.  erb.  92.  schier 
u.  96.  vil  w.  99.  *[man]  für  [an]  ist  Druckfehler.  501. 
JJn  1.  2.  Unde  C.  d.  o.  1).  3.  Dieser  Absatz  beginnt 
schon  1.  H.  C.  6.  obfi.  10.  *  liest  D  auch  selb,  nicht  halbe. 
11.  were  C.  wern  geg.  D.  15.  inneren.  16.  ward.  17. 
umbe  C.  18.  h.  sin  ze  C.  21.  Do  C,  Da  hin  —  [also]  D. 
22.  Alz.  23.  Do  C.  25.  der.  27.  halben.  28.  ersäch. 
31.  sag  H.  Cy  gab  im  auch  den  D.  32.  vn  H.  33.  Hie  C. 
gieng  P.  35.  Hie  C.  36.  Vn"  77.  D,  Und  C.  37.  fraget. 
38.  arme  C.  39.  Unde  C,  7c/*  —  mels.  42.  al  vn  az. 
43.  gien#.  44.  sait.  45.  wött  :  sö/t.  47.  antwort  H.  C. 
48.  m.  s.     49.  Vn  —  prüder.     50.  i.  nü  d.     52.  gink  H. 

C.  laze  C.    56.  ain.    57.  Für  ain  w.    58.  gelan.    59.  gieng 

D.  do  C.  60.  An  ain  stat  zu.  61.  Unde  —  denken.  63. 
Dacx  dem  ein  D.  Do  —  eile  C.  65.  Absatz.  77.  C.  gewart. 
66.  Wa»  weif.  67.  mentel  in  C.  Die  da  d.  den  m^ntef 
gieng  :  hieng.  68  ze  bilde  C.  71.  hett.entlett.  73.  stuf. 
75.  gien#.  76.  arm.  77.  hieng  :  gcfien#.  80.  Der  sater 
tet  alz.  83.  wott  in  han.  84.  Dvnen  s.  77.  C  86.  hast 
tv  (du)  77.  C.  95.  in  den.  97.  lasz.  600.  Vn  der  k.  nit. 
1.  v.  min  me  C.  um  C.  2.  [Sun]  D.  du  C.  D.  6.  7.  8. 
Unde  C.  doch  für  ouch  D.  11.  12.  ich  noch  han  Ez  h. 
7).  hülfe  C.  14.  ie  «w/f  #esl.  16.  inn.  17.  her  für  noch. 
21.  22.  Yeczo  gesf.  1.  vr.  Zu  m.  g.  --  [nu].  22.  gerne. 
23.  J.  ist  er  h.  24.  sie  für  sin  C.  25.  h.  i.  e.  C.  D.  26. 
gelie.  27.  swe«  —  w.  ich  d.  C.  28.  muzen  C,  müssent 
si  U.      32.  Yeti.  D,  Ieclichera  C.      34.  dar  für  im.      37. 


jfraarten.     XL1X.  697 

lege  C.  639.  Unde  C.  ginck.  J7.  C.  40.  Tnd  i.  —  selber 
C  gan  D.  43.  Hinnan.  51.  Ez  w.  57.  [er]  C.  58.  r. 
u.  m.  59.  u.  mich.  61.  Vn.  63.  do  H.  C.  68.  geben. 
69.  Absatz.  H.  C.  72.  groze  C.  79.  Alz.  80.  herren  if. 
C,  hrn  D.  81.  /fem  4&s«£z.  H.  C.  [en]  D.  83.  dankte 
C.  lanckef  im  da  s.  D.  84.  sweig  es.  85.  Die  C.  86. 
Ez  se'y  rfew  0.  sin  C.  87.  So  du.  88.  wz  si.  89.  kein 
Absatz.  H.  C.  tagez  D.  91.  sün.  92.  Da.  93.  werkmem 
C.  94.  juna  D.  kume  C.  96.  sprach.  97.  wo  H.  C.  700. 
cfwas  C.  1.  tage  C.  By  seinen  tage?i  b.  D.  2.  Sihestu  C. 
6.  trat  meins.  11.  Dez  s.  u.  n.  12.  sülln  —  [in].  15. 
Absatz  H.  C.  [sa]  D.  16.  17.  v.  an  seine  g.  St.  20. 
danket  —  geneig.  21.  in.  22.  Hincz  —  hat  gebn  24. 
Da.  25.  hain.  28.  ha  n.  29.  hain  *{befser  nein).  30. 
31.  sol*  u.  d.  a.  s.  Doch  n.  J)  [alten]  H.  C.  32.  Du  k. 
vns  so  D.  kumest  C.  35.  wizse  H,  wische  C.  38.  Dem 
H,  Der  C.  42.  hein.  43.  krieg.  44.  \and  mir.  46.  ha- 
sen  C  \~i.  inbiz^ens  H.  48.  Vn  mit  dem  a.  mor/7  g.  49. 
vor  henget  H.  C.  öl.  lobt  er  zwar  C.  Vn  1.  d.  a.  auch 
zwar  f).  52.  kom  J/.  C.  54.  die  man.  55.  edeln  C.  58. 
ew.  60.  Der  a.  w.  64.  blicke  C.  D  66.  Das  er  im.  68. 
Atz  ob  er.  69.  So  C.  70.  Er  also  C.  73.  Sonerc  m.  C. 
ich  dich  des  I>.  74.  kistilin  H,  kistew  D.  Auf  78  folgt 
80:  gan.  81.  Vn  in.  82.  Das  i.  n.  d.  getrtri.  84.  seinu 
sibnu  D.  sine  C.  86.  gegeben  C.  88.  er  vr.  90.  k.  d.  k. 
/;.  kflfllien  ('.  91.  Darinn  waiazf  —  ?/;ürczling.  96.  u.  o. 
801.  die.  3.  sein.  7.  genennet.  9.  [vil].  12.  Inoch]. 
13.  Maines.  15.  [do]  —  dwi  st.  18.  Der  —  daran  D. 
l/t  C.  20.  [ob].  21.  Daz  er  m.  22.  iet(s)l.  C.  D.  26. 
Bit  —  [den].  27. *80  ist  vor  wil  ausgefallen.  Druckfehler. 
33.  der.  36.  umb  0.  39.  aieren  :  besweren  c\  P.  40. 
So  ensol  <•/  v.  d.  13.  im  friden  C.  44.  Tnde  C.  46. 
aeweebt.  51.  kn  I.  •>:{.  Recht.  54.  in  groaz  g.  66.  h. 
menge^  gebii.  68.  Unde  banchfe— sine  C  71.  köre  c  74. 
wer  an  Im  aeaebechfl  />.  geschehen  c.  7(>.  II.  Im  g. 
[wol  77.  lezl  //-  leUet  C.  78.  mer  naca  n.  7!>.  Er  />. 
und  C.  n.  80.  b.  d.  d.  83.  D«  //.  C.  bell  :  gel  i).  85. 
mir  /"////.  87.  Hain  in  W  D.  iv  hüte  ('.  90.  mit  im  gan 
d.  91.  [in  .  95.  »atzte  //.  96.  1)//.  97.  Ue  B.  C.  sü  n 
98.  fragil  n  leiste  //.  900.  Und  //.  r.  i.  dauchf.  3. 
ich  ez.  .').  il/( /.  7.  alte  C  11.  f<e*l  />  silbrfo.  '(silber 
M  Druckfehler).  12.  getan.  17.  edelem  f.  is.  UndeC. 
1!>.  \/i  //.  />.  iinj  r.  23.  Äwic  //.  ('.  schone  gcriletC. 
j'<.  D«J>.  [en]  geilet  C.  27.  ko?meC.  -,(».  D/e weisse». 
:;i).  vio.'i  //.  rraugen  ei  begund  31.  UmbeC.  34.  sprach. 
:{'i.  noen  /"/•  il  :i»».  Dein«  wons.  'M.  da  ////•  m'i.  38. 
h.isin  \s  v  '<<>.  diu.  II,  12.  i  teinen  i.  mir  baut. 
'•7.  soj  iiw/n.     18.  drfti  r.     51    geacbeaen  r.  //.     52, 


698  garten.     L. 

955.  v.  seine  ander»  D.  andren  C.  57.  [0.]  59.  zihen  H. 
61.  ab.  62.  für  si  liest  H.  si  sei.  63.  suckln.  65.  tragen. 
66.  iemä*.  [67  —  72].  73.  mage*  C.  D.  75.  unde  manfel 
C.  78.  wit  liest  auch  C  80.  gerne  C.  81.  Je»es  er  aber. 
84.  Unde  w.  kome  C.  kam  2).  2«  dem  Folgenden  liest  D: 
h.  öw  beweiset.  85.  kein  Absatz  H.  C.  [kom]  D.  86. 
selben  C.  87.  tö'chter».  88.  \n  auch.  89.  eine  kiste»  C. 
90.  Fi7  u.  C.  on  maüsse  D.  91.  vaters  C.  D.  96.  unde 
C.  97.  ain  2).  andre»  H.  98.  SuMe'C.  Sülln  w.  s.  d.  k. 
1001.  An  disen  m.  i.  wol  sp.  2.  3.  In  h.  —  \iii  d.  5. 
i»j  C.  6.  vn  2/.  2).  7.  sol  engan  so  n.  9.  Dez  tagez. 
10.  Den  kirchfig.  si  n.  11  leiten  an  irn  12.  Baid  D. 
[lieh]  C.     13.  pfebein  H,  pfebme  C,  pfawfi  C.     14.  2lecfc£ 

a.  19.  Unde  C.  ze  si»er  s.  2).  20.  gebiten  C.  D.  22. 
5««  wz  haften.  25.  liehe»  H.  sippe  C.  D.  26.  tüs£u.  28. 
du  d.  D.  umbe  C.  29.  versmach».  30.  Und  H.  C.  31. 
sparst  du  H.  C.  33.  dir  ez.  34.  sein.  36.  dein*.  40. 
Itliche  C.  41.  bi  im  *tbejser).  42.  [ge].  43.  nie  /feinen. 
45.  Ir  pt'r.  si  ze  s.  46.  lvr(t)zten  H.  C.  60.  mache»  H. 
C.    66.  vn  H.    70.  leiste  H.  C.     73.  Unde  C.    74.  Nie  v. 

b.  76.  kein  Absatz  H.  C.  w.  si  D.  So.  Baid»  in  er.  86. 
kein  Absatz:  leisten  22.  C.  90.  Sine  C.  91.  min»  k.  94. 
Biderft.  97.  zu  der.  99.  gezem.  1105.  dis»  forchf.  6. 
Wurd  si  ieezo.  7.  lichte  C.  9.  Uü  H,  Und  C,  Ir  liessend 
2).  11.  er  ze  b.  12.  cham.  13.  beuiVAt.  17.  im  seh. 
19.  kein  Absatz.  H.  C.  geb.  D.  20.  [si].  21.  Baidw.  23. 
lieh.  24.  a»ff  gesp.  25.  koume  C.  erweget:  reget.  26. 
Obnan.  30.  der  slüsset.  31.  red  sol  euch  nit  lan.  36. 
Do  H.  C.  42.  leisten  H.  C.  50.  da  22.  51.  er  pfatert  H.  C. 
56.  Da.  58.  rerhilt.  59.  r.  m.  in  gevarn  :  warn  H.  waren 
C  63.  danne.  64.  in.  68.  an  C.  69.  hcUe  C.  70. 
maniger  t.  71.  v»  H.  D.  72.  gebn.  73.  Ge».  79.  getrüti. 
80.  [Die].  81.  kein  Absatz.  H.  C.  sie  C.  82.  ew.  83. 
gehaissn.  84.  well.  85.  gan.  88.  setzet  C.  eltwen  D.  89. 
maniger  C.  91.  Wend.  93.  Unde  C.  ew.  D.  94.  Gant 
—  af//tait.    95.  Unde  C.    98.  den  narre*. 

L.     Martinsfest.      Von  dem  Stricker. 

Heidelberger    Sammlung  (  H.)    17-i;     Col oczaer    Abschrift     QC.y    172. 

Wiener  Sammlung  (Wl)  ü;   lnshr  ucker  Abschrift  (I.)  40.      Lafsbergs 

Liedersaal  (L.)   CLX1X.      Wiener  Pergamenthandschrift  2885  (W3). 

Veberschrift :  geboutter  H.  Hie  tranc  ein  gebovr  über 
macht  An  sanle  Martines  nacht  C.  Ain  mer  von  sant 
Marteins  dieb  W,  2.  Wollen  jr  ain  wil  gedagen  So  wölt 
ich  vch  kurtzwile  sagen  1.  Von  ainem  riehen  bur  mann  L. 
5.  Wl  Also;  L.  Sam  tett  och.  7.  Wl  fehlt  so.  9.  W3 
fehlt  karge.      10.   Wl  Und.      11.  W*  gep erden.     12.  Wl 


faaxttn.     LI.  699 

D.  si  wol  getrunchen  h.,  W3  D.  si  vnsinnikleich  tetii.  13. 
TT1  So  w.  14.  (brachen?)  TT3  Nu  vorchtens  (meint 
worhtens}.  17.  Wf  hie  vor,  W3  L.  hie  auz.  18.  Ws  hin 
ein.  19.  FT3  ain5  vnds.  23.  L.  ze  dem  ersten,  Wl  3  des 
ersten.  24.  PF1  Des.  25.  TP  benomen.  26.  CL.  gunden, 
U  hund.  2S.  W3  Do  erhört  d.  w.  den  seh.  33.  W3  L.  Er 
gwan.  36.  W3  L.  fehlt  im.  38.  Wl  yegleichs  sein,  L. 
Vber  allii  sind  r.  39.  L.  wol  '(st.  rae);  Wl  zehen,  L. 
hundert,  W3  tawsent.  42.  W3  Geizig,  L.  fehlt.  43.  W3 
L.  ersach.  44.  Wl  gestünde;  W3  L.  fehlt  en.  45.  Wi 
er;  W3  L.  ot.  47.  FT1  hin'n.  b.?  PF3  hin  zo  paz;  L. 
fehlt  hin.  51.  Wl  L.  f.  b.  ex  s.  m.  56.  vil  fehlt.  57. 
VF13  Ez  w. ,  L.  Da  w.  58.  Wl  L.  Und  w.;  gerne  fehlt. 
59.  IV  Ander  diu,  W3  vnd  din.  66.  PF1 3  fehlt  nu;  />. 
nu  1.  71.  Wi3  L.  ich  ouch.  75.  VF1  ez.  84.  Wl  3  er- 
laschle,  Z,.  löscht.  85.  Wl  Er  w.  87.  CH.  Der.  88.  TF1 
wart;  CH.  iip  [st.  diep).  90.  1F1  ^A/f  so.  94.  W3  niht. 
06.  H'1  L.  /<?/</£  ie;  W3  fehlt  ic- so.  101.  W3  er  seynt. 
|.  ir1  hi  naht,  L.  hie  nu.  10.  W3  schenka.  12.  C.  be- 
svndern,  Wl  vernomen.  14.  L.  Daz  er  sin  glücke  meret. 
15.  W3  Ir  sult.  16.  TP3  fehlt  ser.  18.  L.  1F3  Vnd  sult. 
19.  />.  /W</£  sin;  \\3  fehlt  iemer.  23.  Wl  getrinke;  C. 
i'vrbaz  hin,  W3  nu  hin.  28.  VF3  h.  v.  i.  29.  CH.  W3  L. 
trinken«,  Wl  trink«.  3i.  Wl  Des.  37.  PF1  Si  br. ;  vor 
ir  spr.  38.  JF1  Swaz;  Alle  do.  39.  Alle  ohne  nu.  40. 
WK  fehlt  diu.  42  ,4//e  sinne.  13.  /,.  al,  VT1  aller,  IF3 
/W</£.  IS.  IF1  liebiu.  48.  VF3  svlhs.  L.  svlich;  Wl  3  £. 
Hinken.  19.  IF1 3  L.  Daz;  W3  mag.  54.  IT3  liebn.  55. 
/,.  allen.  56.  L.  moz  sin.,  IF3  Sein  müz/..  57.  L.  hinacht. 
58.  H1  P.  sin  die  s.  61.  IF'  />.  als.  62.  VF3  /,.  ir.  63. 
iL.  binaht;  allen  fehlt  Alien.  64.  IF' 3  L.  Daz  wände  i. 
n.  67.  W{  lobe.  71.  U  '  Da  g.  72.  VF1  vil  1.,  W*  gar, 
/,.  maniff.  ~'\.  \\  Die;  L.  grozzen.  75.  />.  fehlt  guot. 
so.  n  Nu.  81.  \v  Er.  83.  n  '  /,.  fehlt  elliq;  /,  bah. 
84.  /,.  /r/,/^  niht;  ir!  war  diu  rindet-.  91.  />•  Sana.  93. 
u  alden,  L  allen.  94.  95.  fehlen  C.  96,  u  '  ;  /,.  Des. 
97.  w  michls.  201.  if1  gehekze.  :i.  nr1  '  /,.  in.  F 
!uum-  .  it  /,  ribteu  ape.  •>.  IF1  witzen.  6.  />.  Ez; 
ii  iver;  fF*  *&.  halben  t.  9.  W*Hil  wew.  11.  L.  enhan. 
1 1.  r //.  in ;  n     gekouwen. 

LI.     Der    Wiener  Meerfahrt 

ii    ,  -    9smmkm§  tu  )  :i7.  '  •!•  i  ?  "  ■  '     14*  htifi  f  <    )  .'W. 

Ueberschrifti  C.  UndeH.      Folgende  unbezelch- 

nett  Lesarten  gehören  C.     1.  eUwenne.    4.  \n  //,  Unde  C 
>    |  //.  <  mr^t ).  Loftderj    begondenii  (meist,  auch  in  C). 


700  harten.     LI. 

7.  tugen thaft:  verker*  ir  geschaft.  9.  sin  für  hin  H.  C. 
11.  Absatz.  13.  iezun*.  17.  alle  die  H.  C.  22.  manchen 
H.  C  (öfter).  26.  hoverlicher.  32.  Dewen.  38  unde. 
40.  und.  41.  g.  «rl  v.  //.  C.  44.  sag£.  45.  vreuden  lere. 
46.  «z  fl.  C  (häufig).  47.  winnen.  52.  vn  ff.  57.  Do. 
67.  Wierme  H,  Wienne»  C.  68.  vn  ff.  71.  winne.  75. 
pfennich  :  dlnich.  78.  manch  H.  C.  81.  do  /f.  Wiene»  C. 
83.  seltzene  C,  seltsame  C  85.  zeinen.  87.  Zeinem.  88. 
trurigen.  90.  Unde.  98.  da.  99.  vrolicÄ.  102.  genuc. 
6.  selten.  8.  erwärmte  :  erbarmte.  16.  sauer  :  gebur.  17. 
siner.  18.  jagest.  19.  liht  H.  23.  fiezen.  25.  Die  H. 
26.  kvmerliche  H.  27.  nachtern  H.  C.  31.  geben  es. 
32.  klagte.  33.  rcitte  H.  C.  ^  36.  vn  H,  und  orage  C. 
42.  dem.  44.  sagte.  47.  pr&szen  H,  pruzen  C.  64. 
sage  C.  evch  (uch)  H.  C.  (immer).  70.  Unde  Vermögens. 
72.  suln.      73.  Danen  wil.     76.  nacA  gebur.      83.  mitalle. 

85.  krefticlu/en  H  (feli  ist  oben  hinein  gebefsert) ,  krefti</en 
C.  92.  Syst.  93.  geloM.  95.  alters.  96.  kom  H.  C.  99. 
samen.  201.  vil.  2.  sagten.  10.  als.  12.  einwart.  15. 
wienen  genuc.  29.  nelikin  (die  eigentlich  Niederdeutsche 
Verkleinerung,  negelikin,  welche  in  diesem  Worte  allein 
noch  Hochdeutsch  ist:  Nelke,  neben  dem  Oberdeutschen 
Nägele  in.  Vgl.  im  LXV1.  Helmbrecht  727.  744  die  be- 
deutsame Unterscheidung  dieser  Mundart).  33.  alten.  38. 
vn  Hj  und  C.  41.  mit.  46.  gestalt  kart.  55.  war.  60. 
w.  s.  68.  kam.  78.  tene.  80.  Iren.  84.  vn  H,  und  C. 
96.  enweix.  97.  geschiht.  302.  haten.  6.  unter.  12. 
Strauch?  C.  v/7  H.  14.  wankende».  19.  Für  H.  C.  28. 
hohster.  31.  VPaz.  35.  na cä  aeburen.  39.  läge  H.  C. 
42.  unde.  47.  ie^ichem.  57.  gienge  H.  C.  59.  Unde. 
66.  Dunen  g.  C.  vn  H.  67.  verterben  //.  C.  68.  U»o*er 
des.    69.  läge.    78.  l«t  H.     82.  mier  H.    85.  Der  werfe  H. 

86.  kiele.  93.  Unde  waren.  96.  groze«.  98.  na/c(ch)gebur 
H.C.  406.  Un^.  9.  [doch].  12.  [gejbat.  18.  steine :beine 
H.  C.  19.  die  b.  20.  zv  brache  H.  22.  sulche  (solch) 
g.  H.  C.  27.  Vn  H.  30.  kriegen.  34.  gescheAen  *{lies 
gesehen).  46.  zecher.  49.  entzwei.  70.  wiennere  H.  C. 
71.  wiennen.  72.  Dax.  77.  darteen  :  ganzen  H.  C.  79. 
unde.  87.  mag  für  was.  90.  danne  e.  98.  nüchtern  H. 
C.  501.  gewacht  H.  C.  3.  über  für  mere.  5.  trunken- 
Aolde.  17.  viel  H.  29.  solche.  30.  Der  der  H.  32. 
nachtern  H.  C.  39.  umbezalt  H.  C.  55.  do  H.  C.  60. 
ubeJich  H.  C.  65.  verterbet  vreve/iche  H.  C.  75.  wire 
H ,  wir  :  hir  C.  78.  Sc/rulle  H.  C.  verzen  H.  79.  misse- 
bienten  H.  90.  wir  go£  alle  go£.  97.  darzu  drän- 
ge» und  traten.  99.  Uno"  siz  H.  C.  605.  trwnken  H.  C. 
9.  /enveh  H.  Die  H.  C.  bürgere  C.  11.  hoc/*.  13.  do  H.  C. 
14. 17.  Uno:.    20.  den.    21.  Alrerst.    24.  vgl.  XLII,  70.    25. 


jfosarten.     1.  701 

harten  saure  :  nachfgebaure.  629.  meint  der  Nibelungen 
Xoth  durch  Kriemhilden.  31.  gesah(e)n  H.  C.  37.  koume. 
39.  gaben.  40.  name  für  manne.  42.  sau(w)er  C.  H. 
51.  Jr  für  Ez  H.  C.  56.  57.  sind  hinter  671  versetzt.  62. 
semmeken  mac.  72.  Der  \erievsl  sqI  gut  uh.  74.  solcher. 
81.  nah.  83.  [des].  84.  dan  den.  90.  ist  für  er  H.  C. 
96.  nwchtern  H.  C.  701.  Absatz,  anstatt  702.  ff.  C.  6. 
gern. 

Jlws  Jansen  Enenkels    Weltbuche. 
1.     Äd)ilUs  unfc  jDri&rtmui. 

Heidelberger  Handschrift  (H.)  Bl.  75  jWüncAner  Handschrift  (M) 
Bl  81.  G  (einher  Handschrift  (QJ,  Gottscheds  Abschrift  S.  VI.  —  Die 
folgenden  unbuteichneten  Lesarten  gehören  H.     Die  Vergleichung  von  M.  reicht 

von  Z.  59  bis  412- 

3.  ligend.  4.  Do —  i'esa  G.  5.  Des.  6.  Daz  G.  mut 
ff.  7.  za#el.  8.  an  m.  G.  [9.-26.]  ff.  12.  *««  beide*/. 
13.  /*es  ta*7  :  un/tail.  26.  hinten  fehlt  ein  Punkt.  27.  Da. 
28.  Troy  G.  29.  ligend  do.  30.  ir  da  vil.  32.  kirchen. 
35.  Troy  G.  36.  witz  vnd  s.  G.  38.  glouben  ff.  mier  G. 
43.  Achtes  (immer).  45.  wo  ff.  Gr.  46.  ob  des  m.  ich 
r.  ff.  marines  w.  ger.  G.  47.  i.  gar  v.  48.  vr  chlait  G. 
19.  der  0.  d.  eren  kl.  ff.  50.  Vnd  gev.  i.  im  recht  ff. 
51.  53.  Da.  51.  daz  G.  54.  nojcAsten  G.  56.  Achtem. 
59.  Ia?.z  iW.  red  G.  60.  dffz  M.  G.  raaer/  M?  maer  G. 
61.  kam  ;  nam.  64.  sein*  G.  hübschikait  ff.  65.  66.  Wie 
er  —  Gieng  a.  M.  68.  chom  M.  71.  pider  M.  71—86. 
verkürzt  G :  Do  nü  Achilles,  als  ich  e  las,  Zuo  seinem 
rater  Peleaj  Haim  kom,  er  wuochs  n.  v.  72.  Polens.  [77. 
78.)  M.  77.  lies  genauen.  79.  hal/>  r.  hal/>  M.  81.  ziro 
//.  zoueh  M.  H2.  ei  >/.  er  vii  m-mde  w.  vmt  //.  83. 
im  ril  betrogen.  8i>.  gefÜg  —  [erj.  88.  Da  wart  ez  ein 
>/.  rromei  //.  80.  IM).  Vnd  do  er  uard  w.  —  Do  w.  im 
G.  [Und]  //.  Ol.  w*r:  erbcr  >/.  O.  03.  tenh.  de«  iw. 
M.  hrnt  m.  >/.  Meint  biet  .  96,  biet  der  M.  07.  [er]  //. 
niemanl  ^>\t  .•  woll  //.  (*'.  96.  6*.  de*  der  li  nlnnonJ  //. 
99.  Dm  //.  kchiWem  >/.  O.  KM),  mer  >/.  G.  da  >/.  <l<»| 
//.  1.  Scbiron  <io  6.  Schirone  >/.  i.  mir  ienran  w.  3. 
leltiein  i  >/.  a .  lelexei  //.  I.  miner  geink.  '■>.  \n.  der 
b.  G.  7.  Du  Af.  8.  ///i.iiu  >/.  f;  io.  glouben.  \2.  bar! 
.>/.  G.  13.  wa(e)chjj  fcein  //  G.  rf/kain  .>/•  li.  togen. 
16.  leinem  G.  leineinein  >/.  17.  liebee  ehkU  >/.  ftincnnerr 
0.  19.  Diieti  >/.  90.  baa  >/.  0.  cAeineo  fv,  fcfaeo  #/. 
21.  rfaaio  >/.  barefin  //.  22.  Wacbief  anl  dem  pari  dein 
iW.  gewacbten  //  2:;.  Da.  25.  D«  legi  ei  IT.  lorl  f;.  26. 
«n  n.  m    0.    27.  bafcftnne   >/,  baidninn  O.    28.  1.  n.  v. 


702  ftntttn.     1. 

h.  minne  M.  min«  G.  29.  Dyadamia  M.  ff.  30.  Dl  M. 
31.  sei.  32.  So  w.  G.  33.  [von]  JET.  G.  34.  chom  M.  G. 
35.  [hin]  G.  36.  vrouw.  37.  Da  ff.  er  gein  (gen)  de?* 
stat  ff.  G.  38.  Sein  rainew  z.  G.  M.  z.  er  in  ff.  *ttes 
zucht.  39.  Äi  G.  41.  [Her]  M.  flm  gen  dem  G.  bwrgfl. 
G.  b.  dar  gie  ff.  [do]  6?.  42.  chuniginwe  M.  43.  vr.  t» 
M.  maer  :  waer  itf.  G.  44.  [von]  M.  G.  er  M.  [komen]  G. 
45.  frömdes  G.  47.  lieft  M.  fraw  M.  G.  48.  sagentff.  G. 
51.  [boesen]  G.  57.  er  mit  unsaelde«  m.  ff.  G.  59.  do 
M.  G.  60.  n.  heln  -wil  ff.  G.  61.  getraw  M.  62.  prest 
G.  63.  Und  ich.  64.  m.  türr  gel.  M.  65.  fTer.  67.  *lies 
beschaidenleich  ohne  Komma.  68.  Wa  ein  kunig  rieh 
waer  ein  küniginn  ff.  Pey  ainer  chüniginn  G.  69.  [ich]. 
70.  verzer  G.  71.  gar  k.  M.  [vil]  G.  kom  verspr.  ff.  72. 
Seit  M.  G,  Sei»t  ff.  die  unseligen  G.  74.  ich  bin  von 
dem  G.  Und  ff.  G.  75.  mach?  ff.  G.  an  den  s.  G.  76. 
eins  G.  78.  iuwer.  79.  mit  m.  M.  80.  ir  (hie)  bi  ir  m. 
ff.  G.  gestan  G.  81.  heint  itf.  G.  82.  iaren.  84.  iu 
gutleichen  t.  G.  85.  red  ff.  G.  86.  weschm  ff.  G.  87. 
wesc/t  ff.  dez  do  ff.  G.  88.  Achille/w  ff.  M.  90.  f'raw; 
M.  G,  vro  ff.  91.  92.  meine»  sinne«:  maisterinne«.  92. 
leren  m.  M.  maisfri«.  G  94.  möcht  M.  G.  97.  Si  i.  so  g. 
ff.  geler*  ff.  G.  98.  A.  k.  i.  s.  v.  99.  Dem  ein.  202. 
dienste«  sich  si  u.  5-  Diu  schoß«  t.  diu  M.  scheenew;  G. 
6.  wesen  M.  G.  7.  Km'chen.  9.  ger«  M.  G.  11.  chleinat 
i*f.  12.  Ein  pa^g  v.  g.  %roz  \nd  weit  M.  14.  herr  M.G. 
15.  Ione«.  17.  Und  s.  G.  19.  ai«s  chünigs  G.  ^/inniges 
ff.  20.  er»  G.  wert  ff.  21.  Jieplich.  25.  saelde  M.  28. 
sich  ff  G.  29.  VTie  M.  rfhainen  M.  G.  30.  disem.  32. 
Sein  M.  [nu]  ff.  G.  33.  vrou.  35.  Der  Kr.  G.  36.  ir 
wölt.  37.  volg?  ff.  [im]  G.  38.  40.  Achill  ei»  ff.  M.  rA\ 
g.  M.  41.  m.  schon.  42.  b.  sagt  M.  43.  wiz£.  45. 
Verhieng  M,  verhengt  ff.  sem  m.  G.  46.  l«t  ff,  laet  G 
(meint  leit).  47.  wont  M.  48.  w.  sem  1.  G.  49.  begunde 
M.  52.  [eu]  G.  von  han  M.  53.  geschach  mit  w.  ff.  ir 
g.  m.  w.  gar  G.  seine  M.  niemant  G.  war?  ff,  w«rd  G. 
56.  ir»  G,  sinen  ff.  60.  den  ewm  M.  G.  61.  So  viil 
ich  G.  */i"es  «ain  für  main.  66.  siechen  vuruar.  67.  H#ot 
a.  ff.  ein  M.  seltzsein  M.  G.  68.  so  ir  er  M.G.  behalte/t 
ff.  69.  niendert.  71.  nicht  M.  73.  wöllent  —  im  ein  ff. 
[sein]  M.  inain  G.  74.  versüßen  ist  u.  M.  75.  Waz  ir 
frahtunge  itf.  Pachtung  G.  76.  Die  M.  mengen  ff,  ma- 
nagen M.  77.  sag  ff.  scheene  G.  80.  [icht]  ff.  M.  gern 
itf.  G.  81.  trew  G.  82.  Mit  ich  ff.  r.  sein  31.  G.  [85. 
86.]  ff.  Zahai  M.  ffey  sol*  ich  sem  G.  [89.  90.]  iff.  [er'] 
ff.  90.  verderben  G.  92.  fraw«  ff.  94.  iuwer.  96.  An 
ew  »immer  itf.  98.  mir  alrerst  M.  erchant  G.  99.  [da] 
ff.  G.      300.  alles  ff.  all  schäm  G.  slacht  c/ioj»  itf.      1. 


fesortre.     1.  703 

maisterinwe:  deine  sinne  31.  307.  ra^gedein  M.  10.  hand 
ff.  G.  12.  Und  in  z.  gen  G.  gen  ir  iach  M.  13.  wolt. 
15.  [ich].  17.  Do  mag  G.  mag  einem  w.  ff.  18.  Wirt  M, 
wird  G.  19.  apfgot  31.  G.  21.  bet  ff.  G.  22.  wert  (wirt) 
ir  o.  ich  G.  ff.  23.  Er  —  s/cAer  G.  24.  pjMerm  3f.  25. 
apfgot  rufen  31.  G,  26.  aincn  3/.  27.  Wem  fl.  Swem 
dann  ditz  sol  M.  28.  den  a.  G.  30.  apfgot  M.  G.  32. 
uns  G.  34.  gnaden.  35.  maisterinwe  31.  36.  l^Taz  — 
wii  ich  ff.  G.~  37.  [junk]  ff.  G.  38.  ha&  —  in  dinem 
ff.  G.  [39  -  74.]  ff.  39.  pe£  G.  40.  und  G.  41.  ver- 
porgnen  ncw  31.  G.  42.  so/t  da  n.  G.  43.  ap/got  M 
(immer).  44.  solt  du  G.  weren  itf.  [meint  in  eren).  45. 
rueft"  —  still  G.  46.  daz  ez  i.  s.  will  G.  47.  sprec/<£  G. 
48.  Hi/fG.  19.  dic/iG.  50.  dein  G.  51.  dir  G.  53.  *  lies 
huid  e  nischem.  54.  wirst  <?«  w.  geerf  G.  55.  Daz  G. 
56.  gewinl  G.  57.  hulrf  G.  60.  /c/t  w.  G.  62.  genaedigs 
G.     63.  w.  w*tf  seh.  G.     65.  flehen  «iE  h.  G.      66.  er  G. 

09.  Vi!  gn.  an  G.  70.  ffey  —  [nü~  G.  71.  [daz;  G.  *("« 
~.u  streichen ).     73.  .S'waz  G.     75.  daz  geÄet  g.  ff.     76.  gen 

—  iach  31.  zu  G.  mag/  ff.  G.  77.  die  Anrede  steht  hier, 
nie  öfter,  aufserhulb  der  Reimzeile.  £an  M.  78.  >//  sülle(n) 

—  beti  //.  G.  SO.  h«£  ff.  gedien/  ff.  G.  81.  [gar]  M. 
82.  w,r  //.  G.  83.  tan.  81.  begund  M.  385  —  410.  sind 
in  Gottscheds  Abschrift  r<>n  G  nur  durch  zwei  leere  Zei- 
len angedeutet.  86.  an  31.  87.  an.  90.  gratriten  31.  92. 
IV\  dem  31.  94.  also  ->/.  96.  frawd  ->/•  97.  Du  er  n. 
WD  w.   M.    96.     wol     17.    100.  r./v/.    2.  verhört.    3.   [daz] 

nz  der  Kr.  //.  4.  mir  norden  ist  ff.  Für  5.  6 
wiederholt  II  399.  foo.  *ff/7.s  st*  5  fehlende  Reimwort  ist 
ohne  Zweifel  greif.     7.  r  He*  .sprach),  rfir  w.    >/.     8.  [hie] 

10.  i-i  mir  also  \.  31.    11.  12.    //.  paidenth.       vtotud  0. 

_.  14.  däi  G.  15.  dennoebf.  16.  cheamaten 
8  19.  Da  er  der  liecA  G.  21-  26.]  //.  27.  Der  sprach 
ich  m.  iuwere  brenn.  28.  rechte  .  B0.  tfeu.  31.  tn- 
tenlicfa.    32.  arUI  O.    33.    tochterj  G.  t.  fadenk  ü,    34. 

allen  .      35.  Das  //    lim  G.      30.  ich  Ie  bau  lieft  aeAupt. 

;7     t.2    //.     i.    niemand  6.  ichlG.    84.  der  fflr 

ir.     I  07.  [da]  G.     66.    im.     66.  roissfan.     70. 

Zwar  Di.     73.  if  /'"'  die  0.     7'«.  rerewan.     7.'>.  dac/.i 

/"/«;i/i/ilndi    G.       JSO.    w.r/-   G.      Nl     botinf    G.      S7.    (w/n    G. 

81  //.  v».  iaain  G.  96.  Stiften  siechttiOM  i«-  O.  92. 
,ii  g.  •>.).  ;ii i//  g.  06.  [von]  iuwer.  99.  /<;/•  ipr, 
900.  es  sein  g.  2.  /  i  I  G.  7.  /  „<i  $i  da  faV  g.  s. 
chtealeicfl  6.  *ffet  enpfie.  9.  101.  11.  wolUI  nicht  Ö. 
12.  w.  da*.  13.  woltzl  G.  li.  ii  le  Ich  w«r  G.  II. 
chinilein  G.  16.  6a  m.  da  an  g.  [17  32.  //.  19.  flieUl 
g.     ;'<    ,s/    /(/w.  i  a    |m||  //.'    .,  h  .    36.  <li«' 

w.  kund.  [39—44    //.    16.  '»»>.  Den  brennen  rie  man  /<• 


704  ftmtttn.     2. 

h.  Der  w.  dem  meister  do.  549.  mir  darumbe  g.  65.  lai£ 
G.  FürlX — 82.  hat  ff  nur:  Do  deu  tochter  des  ward  gewar 
[vgl.  563.  571),  Daz  sie  ain  kind  in  irem  leib  gebar,  Do 
ward  sie  alles  laides  vol  (565);  Doch  tröst'  sie  Achilles 
wol  (577).  [85.  86]  H. 

2.     IDer  tauberer  UHrgilii». 

Handschriften:    zu  München   zwei  QM,  Mm)  Bl.   144 >  236",   zu  Augs- 

burg  (A.)  Bl.  202;  zu  Xeresheim  (N) ,  Z.  237Ui  zu   Heidelberg  (H) 

Bl.  225;  zu  Wolfenbüttel  zwei  (W,   Ww)  Bl.  141,  46- 

1.  Pei  der  zeit  ein  man  was  alsus  W.  R.  gesessen  a. 
Mm.  2.  V'gilius  ff  O^eist  so).  3.  wart  ff.  4.  zau6snns 
ff.  Nach  4:  Da  von  in  Augustus  lieb  het  Vil  ern  vnd 
wirden  er  im  tet  W.  5.  ew  da  w.  M.  A.  N.  7.  rehterc 
gel.  M.  A.  N.  8.  Da  von  ist  er  der  A.  hellen  ff.  10.  *ties 
selbe  für  Aelbe.  11.  kund  ff.  12.  neman  ff.  16.  Von 
im  ist  mir  daz  ff.  17.  hut  ff,  hauet  M.  A.  N.  19.  erde 
ff.  *lies  slwok.  20.  daz  der  houwew  kamen  gnuok  ff.  *lies 
vertrwok.  21.  sinew  ff.  slagew  M.  N.  [s.  sl.]  Mm.  22. 
chom  M.  23.  [was]  W.  25.  [erde]  ff.  26.  wunra  ff.  30. 
VTa  —  lande  M.  A.  N.  [hin]  ff.  32.  inwe  M.  A.  N.  v.  gar 
w.  ff.  33.  wns  M.  34.  [wellen]  d.  i.  mer  b.  ff.  36.  uns 
M.  37.  wollen  ff.  lern  M.  A.  N.  38.  vröud  ff.  41.  uns 
ff.  42.  [dir]  M.  A.  N.  44.  \u  ff.  45.  Leret  M.  A.  N. 
ganz  M.  46.  [des]  ff.  47.  brechen  ff.  50.  [noch]  ff. 
52.  zerbrec/ten  ff.  M.  Mm.  [so]  M.  A.  N.  53.  aU  ff.  54. 
m.  grozem  schale  ff.  58.  zouber«  ff.  59.  emptie  ff.  60. 
Zu  ff.  siein  M.  A.  N.  61.  lies  ff  62.  alJ  ff.  63.  64. 
erweitert  ff:  Ze  hand  do  Vsgilius  Daht  im  alsus  Ich  muoz 
ir  kunst  versuochen  An  lesen  mit  den  buochen.  65.  Seint 
ff.  66.  Gevarn  ich  trouw  wol  ze  g.  ff.  68.  Vil  wol  ff. 
[69.  70.]  A.  gewinne  M.  N.  72.  ßeguno"  ff.  73.  *lies  sein 
74.  Ob  war  wer  W.  Als  er  wa?r  der  ff.  75.  steinen  M. 
A.  N,  stein«  ff.  76.  k.  het  st  ff.  77.  Wanne  M.  A.  N.  78. 
Wol*  M.  N.  A.  einen  ff.  79.  gieng  zuo  M.  N.  A.  80. 
Der  bi  der  ff.  81.  steins  ff.  82.  alz  si  w.  von  art  ein 
M.  .4.  N.  84.  aU  ff.  90.  [iu]  ff.  91.  Dar  M.  91.  92. 
minne  :  purgerinne  M.  A.  N.  94.  si  vil  dick  ff.  96.  vrouw 
ff.  97.  n.  moht  noch  w.  ff.  98.  Daz  M.  N.  W.  *e£  be- 
gern  A.  si  moht  und  wo?t  g.  A.  99.  lie  ff.  101.  laz  ff. 
2.  Iuwer  mm  —  raax  ff.  3.  ewr  M.  A.  N.  4.  ez  niemant 
ws£  ff.  5.  waeret  M.  A.  N.  6.  minn  —  versag*  schon  Ir 
sült  an  ein  ander  geren  Diu  iu  mug  iuwer  bet  gewern  ff. 
[7.  8]  Mm.  8.  m.  e  br.  M.  A.  N.  brecÄen  all  ff.  9. 
[waerlich]  M.  A.  N.  geweren  ff.  10.  Das  ff.  wolt  M.  A. 
N.  ff.  gern  M,  begeren  ff.  9.  10.  Ir  sult  an  ain  andrw 
gern  Die  ew  mug  ewer  pet  gebern  Mm.    11.  m.  ewnot 


jfosarUn.     2.  705 

M.     114.  ewr  M.  A.  ZV.  [15  — 18.]  Mm.     16.   Wann  s.  vnd 
S.  IT.  Gold  vnd  s.  A.  [17.  18]  it.      19.  Da  —  vrouww  H. 
21.  Da  3f.  4.  jv.    [22]   A\   wis   ir   birt  H,    weiser  baz  ir 
birt  Mm,  weiser  uivt  M.  weiser  ich  pit  dich  W.     23.  Su 
s.  Ä  sait  H.  N.  s.  im  vi]  pald  N*    24.  Ah£  ff.     21  —  24. 
Si  gie  zuo  irm  man  palt  Vnd  sprach  ir  wirt   aht  wie  ich 
behalt  A.     25.  wiplich  H.  M.  N.  ere  M.     27.  han  ich  ge- 
halten H.      29.  ewr  M.  A.  N.  will  ff.      30.  rat  ff.      34. 
niemp* —  sinn  H.    35.  36.  min  er   uol  beste  Wies.  k.  u.  ge 
H.      40.   künsfheit  ff.  [42-45]  M.  A.  N.      43.  volg*  H. 
44.   Send  H.    46.   wo/lest  H.    48.  habs*  du    dich  vil  wol 
f/.  51.  [und]  H.  52.  habest  u.  s.  m.  h.  M.  A.  N.  53.  mag  ff. 
54.  ehernen  M.  A.  N.  55  arff  st.  ff.  56.  dun&<  i/.  57. 1.  in  e  ff. 
58.  inwe  so  M.  A.N.  sceztiranH.    59.  iu  ff.  ewpirt  W.  [59. 
60]  Mm.    61.  luwern  ff.    62.  [ich]  in  H   freilich  W.    64. 
Ewrw  M.  A.  N.  ich  attf  iu  b.  i/.     65.  sieht  H.    67.  PTaz 
ff.     68.  frair  M.  A.  X.     70.  ir  seit  M.  A.  N.     71.  [ir]  H. 
heat  3f.  A.  N.      72.   iu  Aem*  v.  H.      73.  dirr  M.  A.  N. 
11.  «erdaht  ff.     76.  [das]  M.  X.  Ar.     77.  ehoeme*  M.A.N. 
78.  Das  ff.  ich  mich  M.  A.  N.  ba?t  d.  ta?t  H.    79.  Enden 
heint  M.  it.  iV.  Endtent  [heint]  ff.    80.  dew  \and  H.    81. 
82.  leide*  M.  A.  N.  gar  w.  ff.     83.  Da  M.  it.  N.  H.    herre 
i/.     84.  trort  H.     88.  diu  H.     89.  e?r  M.  it.  A\  in  wiinew 
H.      90.  91.  ziechen  zuo   mir  Sicherleich  M.  A.  N.      92. 
[vrouwe]  M.  A.  N.     94.   s.  t.  also  v.  ff.     95.  da  M.  A.  N 
er  spat  H.       96.  V.  der  g.  H.      98.  staind  lin  M.  it.  JV. 
200.  De  M.  it.  A\  an  mit  s.  H.     3.  er  ab  ff.     4.  herreff. 
7.  8.  ein  :  sin  M.  A.  N.  H.      9.  konb  W.  ( immer J.      10. 
I)  herre  V.  h.  ff.     11.  saz  er  s.  in  it.  ein  H.  N.     12.  Daz 
traf  von  im  nicht  ein  guoter  sin   W.     13.  sinnen  H.     15. 
lea  II.     18.  ergangen  II.     20.  [und]  H.     21.  Den  — 
t  Igt  H.     22.  Romarn  —  sagt  H.  [ezj  M.  A.  N.     23.  [her] 
>/.  .1.  .V.     Sit.  gehangen  A.     25.  Da  M.  it.  A7.    26.  gelaub 
es  —  sech  3f.  gelavbi  HF.  sechs  eVie*  an  it.  N.  ez  de/*» 
an   //.     27.  zwar  M.  A.  i\.     2K    dann  m.  oder  w.  H.     30. 
wtser  f/.      31.  33.  De   >/    A.    \       33.   ra?mer  AT.  it.  N. 
Romere    dar    f/.    35.  feglicfa  //.    36.  [achön]  ff.    io.  ieg- 
licher  eno  f/.    It.  K.    her    V.  //.     \i.  tr  aangenl  aus  /f. 
'*{.  U.   /;<  stii/:  «rill  n    mit  w.  3f.      16,   t.  ean  ff.      47. 
hanget   >/.    i.   \.    50.  baM  erleiten  u.    51.  Ze  h.  d.  wirl 
ff.  '52.    in    ff.    .).{.  De  //.     "i'^.  h.  erUten  g.  ff.    57.  De 
>/.    i     \.  //.  m.  hrr  V.  her  ;ii»  fiel  if.    58.  hoa  wirU  B. 
50.    Da     >f.    ,1.    A.    ff.      s.-rc     ff.       6t.    tttt    /f.      (').'{.  (ii. 

wiinu:  kann  u.  66    If.  we?f  //<  //"/"  n'     69.  iei  //.    70. 

k'Ii  >///<.  iruifiii  ii ,    71     oiht]  bachen  ii.    73.  e^pclwen  Jf. 

i.   \.  paweo  ff.    7i.  dej  //.     76.  grosa    »/.    i.  .v.     77. 

7!).  l)./  m    i    v    7S.  \ittu  ii  Alm  I         i     83.  84.  kund 

Hund  II.      S8.   ritzig    //     5U«     »/      1     N       89.  (H>.   hrrr     lins 


706  ge*avttn.     2. 

wen-  M.  A.  N.  291.  wnser  M.  A.  N,  diser  ff.  92. 
Romar  ff.  94.  reht  M.  A.  N.  95.  Da  M.  A.  N.  96. 
all  ff.  97.  hcrr  ewr  M.  A.  N.  99.  uns  allz  M.  A.  N. 
301.  2.  mzjgen  —  Dachen  ff.  4.  sterben  M.  A.  N.  5. 
wir  deinen  M.  A.  N.  6.  uns  ist  M.  A.  N.  V.  tet  in  do 
Sagen  A.  8.  mwgt —  stiU  ff.  9.  sag  ff.  10.  in  wwmazcn 
ff.  11.  leidet  M.  A.  JV,  terf  te'fff.  12.  Also  V.  zuo  in  ff. 
13.  Da  M.  4.  N.  Doc/t  ff.  15.  ist  so  vil  niht  A.  16.  herr 
M.  A.  N.  17.  18.  sinne :  gewinne  M.  A.  N.  v.  gntrok  g. 
ff.  20.  ze  R.  h.  ff.  21.  mach?  ff.  tuot  u.  we  und  ivind 
W.  22.  Und  st.  Mm.  stiert  ff.  sterbet  JV.  Dar  zuo  stirbt 
uns  W.  24.  swert  ff.  [des]  M.  A.  N.  25.  [iuch]  M.  A. 
N.  26.  niht  s.  ff.  27.  28.  huld  :  [selben]  schuld  ff.  [29. 
30]  A.  [daz]  Mm.  W.  W.  v.  h.  v.  ff.  31.  D«s  ff,  Da  M. 
A.  N.  34.  38.  wollen  ff.  [35  —  38]  Mm.  36.  icman*  ff, 
37.  versum/rt,  H  versäumet  M.  N.  lazze  v.  M.  38.  w.  g. 
d.  uns  M.  *  Hinten  fehlen  die  Häkchen  der  Rede.  36 — 38. 
Wan  ez  vnz  an  die  not  gat  Vnd  waz  wir  wider  dich 
haben  getan  Dez  well  wir  gen  dir  ze  puozz  stan  A.  39. 
sweret  M.  A.  N.  40.  Also  H.  [gen  in]  M.  A.  N.  redt  ff. 
41.  Si  sw.  im  N,  Die  sw.  im  M,  Do  swuorens  im  A. 
swuorrc  —  leid  H.  42.  IeglicA  z.  eid  H.  44.  niemand  ff. 
[43 — 46]  A.  46.  *  lies  me*[ne]m.  47.  Er  sprach  die  A.  fraw 
A.  ff.  49.  50.  Die  mag  daz  wol  vnder  stan  Daz  ir  mügt 
daz  fewr  han  A.  51.  mag  N.  A,  magew  ff.  VT,  manne 
M.  ze  hant  die  da  ir  A.  52.  nach  in  H.  *  Das  Punkt  ist 
zu  löschen.  53.  Ich  main  m.  vi.  M.  N.  [mit]  vi.  N.  siegen 
ff.  55.  ir  ff.  günne  M.  N,  gunnen  ff.  53  —  55.  Der  man 
der  muost  ir  auch  dez  günn  A.  56.  alle  M.  N.  alle*  ir 
chünn  A.  künde«  ff.  55.  56.  sind  irol  umzustellen.  57. 
3.  her  V.  [gie]  ff.  58.  si  vil  s.  empfie  ff.  60.  Wölt  ff. 
62.  volgf  m.  sin»  ff.  63.  tuonl  ff.  64.  gc/rinnet  M.  A. 
N.  65.  muezzet  M.  A.  N.  66.  samöt  ff.  69.  iu  ff.  71. 
liezzet  M.  A.  N.  72.  leid*  H.  73.  da*  ff.  W.  sin  M.  A. 
W.  75.  Ir  m.  e  ertrinken  in  dem  R.  ff.  Daz  sag  ich  auf 
die  trew  mein  A.  76.  niemand  ff.  78.  Waz  —  sülJ  H. 
82.  Da  s.  ir  auf  M.  N.  A.  85.  denn  ein  H.  86.  sem  A. 
[87.  88].  Mm.  87.  mäder  W.  88.  legen  M,  buchen  A. 
W.  H.  Cvon  liechen,  luchen,  louch,  ziehen,  schlief sen't ) 
91.  für  Zünden  lesen  alle  Handschriften  Niden.  92.  Wer 
d.  gewi/^  ff.  danwe  M.  A.  N.  93.  von  dem  A.  N.  W.  zünden 
ff.  95.  paidk'  M.  A.  X.  d.  few;r  ff.  96.  man  ez  riimer 
M.  A.  N.  97.  Wellen«  M.  A.  N.  *  Hinten  fehlt  ein  Komma. 
Wollen  si  a.  dan  v.  ff.  98.  hin  der  w.  ff.  [99.  400]  A. 
99.  zünden  ff,  zunten  Mm.  W,  zünden  iV.  400.  begund 
—  7/;nten  H,  bunden  (=  wunden)  ZV,  Iuonnten  W.  C.  weiset 
auf  Lunte).  Wan  wilich  ew  künden  IV.  2.  4.  wölt  ff. 
3.  söttch  M.  A.  N.       4.  r.  daz  I.  ff.      8.  Wollt  —   wiinw. 


fesarten.     3.  707 

H.  Wellent  M.  A.  X.     411.  erhör*  ir  mag  H.     12.  Da  — 
manig  M.  A.  X.  wag  H.     15.  Da  M.  A.  N.  vi.  und  m.  H. 
16.  vrouw  H.     17.  scham6t  s.  ser  H.     18.  Icids — mer  H. 
20.  an  m.  a.  H.  £  daz  daz  an  A.  derge  M.  W.    22.  hoert 
H.  ret  M.  A.  X.     26.    e/«pfl.   H.     29.  Do  H.     33.  k.  lieht 
d.  JT.  iV.  kerx  JJ.     34.  ?*nslit  itf.  A.  (in  Schlesien  Ins eltj. 
35.   [truokj   H.      36.  ain  pöss  1.  W.  [37.  38]  A.  VT.      37. 
[truog]  M.  X.  puochein  M ,  pu/cAe/t  Jüf»i.  einen  pikkelt  H. 
ein...  her  N.     39.  40.  samot  :  amot  H.      41.  muosten  H. 
16.  pazref  M.  A.  X.     48.  napo/cz  H.  Napels  ist  si  g.  Mm. 
49.  ez  an  H.     50.  sine«  w.  ergie  ff.     51.  52.  wolt  :  solt  H. 
53.  54.   ergienge  :  hienge  M.   A.   X.   ergie  H.       55.   Da  si 
n.  h.  v.  im  M.  A.  X.      56.  von  im  die  m.  H.      57.  Swer 
ez  z.  M.  A.  N.     59.  bewahrt  Mm,  wert  M.  N.    60.  ei  H. 
61.  62.  st.  ane  xa\:  h.  über  al  A.  W.  st.  aMe  samt:  h.  über 
al  genant  M.  AT.     62.  h.  mit  schal  H.     63.  64.  herre:mere 
M.  A.  N.  Wst  H.      65.  66.  67.   bild  H.  {immer),   muoste 
M.  A.  X.  gold  if.      67.  /n  M.  A.  N.     68.  guldeiw  JW.  A. 
X.     69.  da  ist  A.  Mm.  X.   W.     70.  das  ist  M.  Mi«,  sei» 
o.  W.  begraid'et  M.  A.  X.     73.  74.  umgestellt  in  H.  [der] 
H.     75.  76.  in  —  würd  :  in  bürd  H.     77.  gering«  ff.     78. 
ganz  M.  A.  X.  vröud  ff.     79.  80.  bild:  wild  ff.     79.  einen 
>/.  A.  X.      80.  an  den  ff.     81.  gerac/tt  VT.     82.  Daz  ff. 
dick   >/.  A.  X.      BS.  [der]  ff.      86.  zaiget  JW.  vi.  2V.     89. 
gtuob  ff.     90.  wis  ff.     91.  gerecht  TU.  A.  N.    92.  Gen  iW. 
i4.  Jf.  [ez]  ff.     94.  hart  ff.     Vor  94  not/t  Mit  siner  hand 
wol  getan  ff.      95.  niemant  M.  A.  X.  ff.      96.  vuorn  ff. 
ffnger  dar  M.  A.   X.     97.  in  dem  ff.     99.  500.  si  vünden 
dort  In  (1.  b.  (I.  rollen  b.  //.  einen  h.   W.    501.  niemand 
>/.  .1.   V.  ff.     2.  tnmkner  s.  A.  iach  W.     3.  uns  M.  A.  X. 
\.  allen  in  d.  wild  //.    d.  peria  w.   VF.  (gevilde,  oder  der 
Wilde?     i).  [genirloh]  M.  A.  X.    7.  ort  gevie  ff.    8.  trun- 
kener er  X.  trunk/M-r  er  Mm,    truncfc  er  M.    9.  fda|  ff. 
ftei*    M.     i.  X.  |10.  12]  A.  [11.  12.]  ff.     13.  Auch  ez  A. 
15.  aesehea  //.    16.  eroi  //.    18.  gg  //.    19   man  //.    20. 
brach  M.  A.  x     21.  trildt  >/.   i   N.  [nieftant]  //.  eilende 
M.  «Heut   >////.  //.  W.     11.  dai  goü  iw.  A.  Ar.     23.  daz 

%UOi  II  l.\.  11.  sind  in  II.  umpet teilt,  21.  rieh  M.  il.  ZV. 
25.  _in?.  #/.  \'nd  u'<v,;ui  IUCD  <i  vnd  guot  /1.  36.  samft 
//  Dai  Mlll  noch  rn.  s.  t.  A.  11.  gewiftl  //.  |27.  28|. 
n.     [87—80]  .1.     9B.   fiM  »och  dea  e.   >/.  A'.     30.  wir 

dl\   vr.   //. 

:i.      «Crukline. 

//  ,1  /,./..    /•  >    I  /  I  ■    .,  W.uu/infl    ,     »».■-    f     "  Mm  )     11/      1  2 1  ,      2il'{  ,      v4   1/  |  .  I,  u  t  - 

;■  ,    I    I  )  III     |fl  \     ,.,/,.,,„,  r(  A  )  Hl.    V.)\  ,    H.  ,,!,//,,  ,  ,,, ||   m/>  «/    m. 

j.  i         //    >/.  \oe.is  ,v.    :{.  do  %euie  begie  //.    4.  5. 
I  i   dai         •   arano  ei  <  h.rm    nanu    >    W    v.     |('»|  //.     7. 


708  festtrten.     3. 

e.  ich  von  im  vernam  H.  aines  A.  M.  JV.  H.    9.  b.  seiner 

z.  A.  M.  JV.     11.  ein  H.  chnappen  A.  M.  JV.  Corner).    12. 

Dez  namen  hiezz  E.  A.  M.  JV.      jfferaclius  JV.      14.  west 

er  H.     15.  waer  A.  M.  JV.'    16.  Daz  M.     18.  chom  A.  M. 

JV.     20.  getrew  A.  M.  JV.     22.  chert  M.     23.  dem  künic 

H.     27.  [ge&en]  A.  M.  JV.     27.  28.  sott  :  wott  H.     31.  Da 

A.  M.  JV.    33.  welif  A.  JV.  gunne  4.  M.  JV.    34.  hoere  w. 

er  künde  4.  M.  JV.     35.  Da  A.  M.  JV.     36.  [tuon]  H.    37. 

[geben]  M.  A.  JV.      38.  mir  ez  M.  A.  JV.     40.  Aan  einen 

ieslichen  stein  H.    41 .  Gesehen  —  krefft  M.  A.  JV.   er  JFT. 

42.  wie  leb  tatt  JJ.      43.  iechant  M,  jachant  JV.      46.  Als 

edel*  H.     47.  iegleicher  M.  A.  N,  ieglichs  H.     50.  rfhein 

M.  A.  JV.       51.  0.  sei  a.  M.  A.  JV.  a.   genant  oder  g.  Jf. 

52.  Wenn  H.      53.  sich  IT.     54.  Oder  ob  H.     55.  [Oder] 

H.     56.  her  M.  A.  JV.     57.  an  ein  ieslich  H.     60.  st«?t  M. 

A.  JV.     62.  mir  1.  bes.  H.    64.  Äein  H.     65.  kund  an  im 

6es.  H.    66.  VFaz  M.  A.  JV.     67.  ist  tugendhaft  H.  untu- 

genAaft  M.  A.  JV.      69.  CAauttet  M.  A.  JV.      70.  ch«n  ich 

[wol]  M.  il.  JV.      71.    Vil  reht  JH.  JL.  JV.     73.  all  H.     74. 

swnt  H.  [gar]  JU.  4.  JV.    76.  pey  den  h.    78.  lert  M.  N.  A. 

80.  herren  H.      81.  l«?t  M.  A.  JV.      82.  heiz*  H.     84.  Icft 

kouf  in   ich  H.    uim  M.  A.  JV.      85.    Focas  H.  M.  A.  JV. 

90.  [herre]  H.      92.  \un  H.    93.  [im]  —  grcuok  H.      96. 

nutz  M.  A.  JV.    99.  War  M.  A.  JV.     104.  vleizzick  M.  A. 

JV.  [in]  H.     12.  mein8  H.  eren  wol  gezem  M.  it.  JV.     16. 

ellew  JW.  4.  JV.     17.  Heizzes*  du  M.  A.  JV,  Heizt  du  Jff. 

*lies  Hrtislu.     18.  #ezimt  M.  A.  JV.    22.  voln  A.  JV,   tolen 

M.    24.  het  H.    25.  votten  #,  vota  M.  A.  JV.    29.  [vil]  H. 

30.  Iran  h.  —  gezeig*  H.    33.  Chan  M.  A.  JV.    39.  ewrm 

JH.  A.  JV.     40.  lazt  #.    41.  geschieh  H.    42.  liest  H.    43. 

44.  sant :  div  lant   M.  A.  JV.  H.      46.  PFer  #.  w«  kl.  M. 

A.  JV.      47.  chü?m  M.  A.  JV.      48.   den  landerc  jtf.  4.  JV. 

lan*  H.     50.  chomen  M.  A.  JV,  liutew  JFJ.      51.  gra/en  JBT. 

54.  Die  h.  ge^r.  M.  A.  JV.  gepris*  H.    56.  chomen  M.  it. 

60.  vrouwrt  H.      61.  62.   fürstinne  :  purgerinwe  M.  Ä.  JV. 

66.  d.  volk  w.  ff.  ,67.  68.  m.  o.  wip  Zuo  diser  h.    z.  vil 

wit  H.      69.  Do  A,  Die  M.     70.  hen*  H,  haut  M.  A.  JV. 

den  w.  H.     71.  *  hinten  fehlt  ein  Komma.     73.  laz  [seh  inen] 

H.    75.  IFie  #.    76  mich  hie  und  fl.    78.  als  sam  tf,  alz 

m.  A.  JV,  1.  sam  m.  M.    80.  l'won  ich  ir  n.  entzweien  JH. 

A.  entsweich  JV.     82.  soltu  H.     83.  m.  tu  H.     86.  hand 

gevic  H.      87.  88.   Die  vürstinra  W.  g.   inra  H.      89.  sich 

dhe'men  M.  A.  JV.    93.  [Da]  H.  ritters  M.  A.  JV.    95.  ver 

vol  31.  JV.      96.  ieman*  H.      97.  hin?j  JMT.  4.  N.     97.  98. 

staet :  pset  M.  A.  N.  etlichs  H.     99.  ir  s^A*  M.  JV.     201. 

dienen  H.    3.  etslichia  H,    4.  inw  JW.  A.  JV.    5.  6.  paet: 

tae*  M.  A.  JV.      7.  palaz  M.  A.  JV.      10.  Ist  ist  j.  vrouwn 

H.  [12—15]  H.     16.  hand  gevie  H.     17.  weiset  M.  A.  JV. 


tfeoarten.     3.  709 

[219— 22.  J  H.  20.  ninderL  ehaiti  hie  inne  M.  A.  hinnen  N. 
25.  26.  einew  :  reinew  H,  ein  :  rein  M.  A.  N.  27.  w. 
auch  w.  A.  r.  und  w.  H.  28.  in  e.  .4,  ern  M.  N.  31. 
behaltet  M.  A.  iV.  33.  Wil  m.  tf/e  vrottwen  an  ff.  huot 
.}/.  .4.  JY.  35.  behaltet  ir  ka'usch?'c//ait  M.  A.  \[.  38.  auf 
ir  ff.  Mm.  /an  JH.  41.  mag*  ff.  42.  IFie  ff.  holt  M.  A. 
N.  43.  h^r  ac/ius  JT.  ii.  iV.  44.  des  seinein  h.  ff.  h.  ze 
pf.  31.  .4.  X  45.  Wil  M.  A.  X.  48.  begffnd  ff.  49. 
(7*4  m.  —  torren  ff.  50.  iemant  h.  in  rorhtcn  ff.  51. 
ich  ff.  52.  var  ff.  53.  trouwen  ff.  55.  frawnM.it.  N. 
56.  jrwuok  ff.      57.  ffaz  e.  küniginn  ff.      58.  si  an  si  ff. 

59.  ha  M.  A.  X.  60.  von  in  M.  62  \ert  ff.  63.  [man] 
ff.  M.  Man  w.  si  .V.  Si  weisen  si  anch  vil  d.  it.  64. 
kcmnat  M.  A.  N.  65.  si  [sich]  inn  an  ff.  81.  Merckt  d. 
donkf  ff.  [83  — 90J  i/.  [94J  ff.  95.  Un/i  aaft  ir  s.  sw. 
z.  wuudzegn  ff.  [96  —  98]  ff.  300.  selber  ff,  sel6  ilf.  A 
A".  [301.  2]  ff.  3.  Äft'dk  hat  m.  /f.  4.  st.  waz  b.  M.  A. 
X.  |5.  6J  //.  7.  mir  dfcz  n.  tr.  ff.  8.  V7r  gar  M.  A.  N. 
min.s  //.  10.  fn/men  M.  A.  X.  11.  Eine*  abents  si  ander 
ein  ff.  12.  Alles  irs  /ifte«  si  gar  v.  ff.  leidens  M.  A.  N. 
13.  Da  itf.  J.  xV.  14.  ane  M.  it.  JV.  15.  Da  si  saz  in  ir 
M.  A.  X.  16.  irr  mildem  .)/.  i4.  iV.  17.  gruezzet  si 
// ///michleich  M.  A.  X.  20.  minn  ff.  22.  venster  und 
vür  //.  23.  tugentleichen  >/.  A.  X.  21.  gruezzet  in  min- 
nichleich  M.  A.  X.  25.  [doj  w.  erkand  ff.  26.  von  so 
tw.  si  //.  min//  ff  X.  [2J— -46]  //.  .)///*.  30.  er  von  minne 
ii.  >/.  31.  32.  herz  und  sin  Und  irn  m.  säst  si  nach  im 
A.  M.  [trade  sin]  X.  BS,  [im  .V.  39.  zwar  ach  N.  [40. 
ii]  -V.  .>/.  VI.  \e  ain.s  A.  M.  43.  w;irn  si  n.  ein  ander 
t.  .>/.  A.  14.  p*d4ic  M.  A.  47.  Dez  w.  di  fraw  m.  M. 
rninn  Y  18.  Do  ir  d.  s.  I.  w.  AI.  X.  47.  48.  Auch  ward 
ir  im  lin  herz  gen  im  '/ein  ir)  b(wuint  Da  von  ward 
tler  franfejn   <-in   siech  tum  b    kunl  //.   Hm.    [49  —  52]  H. 

mm  10.  50]  \.  10.  \)u  wool  u.  ,1.  52.  siechlay  >/. 
,1.  53.  Da  M.  \.  \.  kam  iL  Mut.  kündiaz  M.  küudii-3 
\.  kundig  Mm.  54.  Die  lach  »/.  irn  I.  \.  55.  Die  [fraw] 
sprach  sam  mit  mein  leff*  .»////.  '/.  [55.  56  Ww.  //.  57. 
Ich  greif!  <•/.  au  tv,  u.iw  bai  ?ür  war  Hm.  //.  58.  minn  e) 
üU  ;ai  >////.  //.  [59  54  W».  //.  )!>.  We«l  »/.  .1.  \. 
63b  minn  \.  54.  ttehe\  x.  55.  Romphia  //.  66.  chuni- 
_iii//  »////.  Wer  bat  dir  -  i  Daz  ich  nach  minne  fewt 

w.  \.  i  hu  .  n7.  <i.i  Hui.  iwuer  a.  vw//i  >////  sewr 
M.  Prion  als  rngebewi  A.  r.7— 70j  A.  68.  Äwer  all/'/* 
den  kr.  erfoei   »/.  >////.  \.    Nieman  so  weil  erchtlr  >/•  S. 

60.  In  ////////  Romischen  //•  reich  :  geleich  »/.  Um.  \. 
[7i— 74]  »////.  //.  71.  Ich  w.  <\.  ;mi  dein  geuad  »/.  \. 
72.  [oucfa     >/.   %.    7i.  sr.n  ihi    \.    75.  Ipr.  ea  I'«.    »/.  \. 

i»i    ira//   H     i    Rompbtfa  //      75.  an  ingsl  iln  //.     7s 


710  jfoearUn.     4. 

ez  immer  ff.  380.  Und  min  heimlich  vor  ff.  [81]  H.  82. 
gevallen  in  ff.  83.  jung8  ff.  [84  —  88]  H.  89.  fcein  ff. 
90.  gere*  M.  J.  JV.  92.  ewr  M.  4.  JV.  93.  ew  e?*;rer  s. 
M.  A.  N.  94.  Wrie  H.  cwr  M.  A.  JV.  99.  Haizset  euch 
der  mischen  M.  A.  JV.  biz  ff.  Mm.  miüich  enzit  H.  400. 
in  den  march  JW,  marcfr*  JV.  4.  2.  Haizzet  ewch  M.  yt. 
jV.  3.  4.  inn  :  spinn  ff.  5.  ein  gazz  d.  Mm.  vor  mir  A. 
die  ni*  i?J.  Mm.  ff.  9.  nur  ff,  nnr  Mm,  dann  M.  11.  12. 
küniginn  :  sinn  H.  13.  reite*  aller  naechtichleich  M.  A. 
N.  15.  m.  gar  vr.  ff.  [15-30]  Mm.  ff.  18.  steht  vor  17. 
25.  jung(k)m«w  JV.  M.  31.  in  wol  ane  ^4.  in  ateo  ersach 
Mm.  H.  32.  habent  M,  ha6*  JV.  £f.  gu*  JV.  33.  34.  kü- 
niginn :  sinn  ff.  edlew  M.  A.  JV.  34.  mit  m.  ff.  35.  ge- 
winn ff  36.  in  vil  wol  gesehen  ff.  [37.  38]  H.  39.  Nn 
merk*  vil  ff.  rech*:chnech*  M.  A.  JV.  40.  So  iu  /f.  42. 
ir  in  s.  H.  43.  Reiten  vor  in  M.  A,  JV.  44.  Daz  pf.  k. 
M.  A.  JV.  45.  ewrn  M.  A.  JV.  45.  Walt  von  /f.  48.  hilf* 
ff.  49.  wert  ir  A.  50.  haizae*  M.  .4.  JV.  51.  sendet  M. 
A.  JV,  send*  ff.  52.  [ich]  M.  A.  JV.  53.  höbschen  M.  JV. 
54.  vindet  M.  A.  JV.  kemnaten  ff.  55.  56.  iu  s«  leit  Si  H. 
Ey  Jtt.  b.  weii  M.  N.  57.  leg*  enchan  ff.  58.  vahe*  JW. 
A.  JV.  60.  sag  IST.  61.  62  küniginn  :  sinn  ff.  63.  64.  65. 
Alz  ez  erget  mit  sichcrhait  M.  A.  JV.  65.  minen  H.  67- 
mitticA  ff.  68.  beraite*  M.  A.  JV.  71.  vrown  ff.  72. 
waren  ff.  73.  Die  M.  JV.  Si  zanten  z.  rit*8  gwo*  H .  ritter 
erber  Mm.  73.  74.  ritter  :  swaer  M.  A.  JV.  75.  Da  M.  A. 
N.  H.  76.  guoten  M.  A.  JV.  78.  naz*  ff.  79.  Da  M.  A. 
N.  81.  hö'bsch  M.  A.  N.  in  :  künigin  ff.  83.  kuniginne 
M.  A.  JV.  84.  höbschait  M.  A.  N.  85.  minn  ff.  enpft. 
M.  A.  JV.  89.  ha  inieich  JV.  [in]  gnuok  ff.  90.  warn  M. 
Mm.  JV.  A.  Wan  si  w.  beAend  u.  kl.  JV.  w.  paide  nnkl. 
Mm.  w.  peidenthalben  unkl.  A.  ff.  92.  D«  M.  A.  JV.  H. 
93.  la#  A.  JV.  93.  94.  hg  :  sa#  H.  97.  im  M.  4.  iV.  500. 
ftesiget  M.  A.  N,  gesig*  H.  1.  gesag*  ff.  4.  [sag  an]  M. 
A.  JV.  7.  iaecht  M.  A.  JV,  iahst  ff.  11.  verholt  ff.  12. 
[en]  M.  A.  13.  Daz  A.  g.  dir  ü.  M.  A.  JV.  14.  nieman* 
huet  H,  iemant  huet*e*  M.  A.  JV.  17.  Schein  H.  *(lies 
dhain).  22.  li*  M.  A.  N.  23.  Da  M.  A.  JV.  25.  hei  H. 
dhainem  M,  deinen  JV.  26.  Gevolget  M.  A.  JV.  [27  —  28] 
ff.  28.  alle  M,  noch  A.  [29]  ff.  30.  Geroßt  so  w.  H. 
[29.  30]  M.  Vnd  hiet  ich  g...  acht  Zeilen  leer  JV.  Si  wrcr 
auch  zwar  an  missetat  Hi£t  ich  geuolget  deinem  rat  A. 

4.     Der  tafel0-$)apß. 

Heidelberger  Handschrift  Bl.  203 

15.  wöll.      19.  iar  (a  ans  e  gebejsert).    23.  in  seinem 
sun«.     37.  Er  sprach  ist  wieder  avfserhalb  der  Reimzeile. 


jfosarten.     5.  711 

39.  mue^est.  40.  nackend,  'vi.  uns^mlte.  46.  *  lies  [all]. 
50.  paust.  51.  52.  leben  :  sehen.  55.  56.  alt  :  swar.  58. 
weis.  84.  siest.  90.  valantz.  94.  zu.  98.  niemand  — 
empfie.  "(lies  da).  100.  niemanls.  9.  paltiklich.  12.  zu. 
13.  schrib-.  16.  iemanl.  17.  zu.  19.  29.  nackend.  25. 
versüra/n.  27.  Der  botschaft  gl.  31.  guots.  31.  \raiv. 
36.  warlich.  47.  wäll.  48.  wi\.  52.  Da.  53.  einer.  54. 
iemanrf.  58.  bischo/*e.  63.  Zw.  61.  die  niemanl.  68.  wolt. 
bejser  solle.  73.  Da.  90.  "daz  ist  überzählig.  207.  ;?abst  der 
tiu/'el.  16.  17.  D«.  18.  einen.  19.  /«Vir  Wan  ist  wol  Daz 
s«  lese«.  1\.  i/m.  27.  Da.  31.  gieng  er  e.  32.  sprachn 
sin  kneht  mit.  *Das  Komma  ist  zu  tilgen.  33.  iCin  kappe! 
gemein.  54.  57.  pabst.  6i.  "lies  här.  67.  garM.  70. 
sl/eircn.  11.  vor  vol.  76.  Hie  am  Rande,  ivor.  11.  heizew. 
82.  seit  89.  pabsl.  90.  De».  91.  stol.  93.  sfrihel.  94. 
m.  n.  seh.  96.  nöme/i.  302.  dise/i.  13.  barm  sich.  15. 
sagt  im.  20.  zu  d.  tiu/'el.  37.  Snil.  39.  redt.  46.  n.  I. 
17.  paUZ.     4S.  kleineit.     49.  allew.     54.  56.  niemanl. 

5.     Äntfer  Dagobert. 

H  a  ndschr  iften:    twei    .Münchner  (M,  .">///»),•    Augtburger    (A)  ;  N  e- 
resheimer  (.\);   Heidelberger  (H)  Bl.   216. 

1.  merciie/it  M.  A.  iV.  ?/az  A.     2.  Rom  ff.     3.  Car- 
dinal M.  A.  X.     4.  und  /ral  4,  ///id  dfe  ge/ier«l  Mm      6 
zesaen  ff.  in  de«  M.  A.  p.  //eil  M.     7.  lobten  ff.    8.  [da 
rfhein  .>/.  .4.  A.       9.  chcines  M.  A.  N.   *((ies  dchainfejs 
exzen  ff.      9.   10.  pflog  :  \ag  ff.  danncnl  AT,    dannant  M, 
dann   A.  d an nach    Mm.  \»a  A.      11.   Der  hat  ff.      12.  ge- 
tourbten  die  herren  ff.      13.   treiben  ff.      H.  Daz  ei  an 
dem    /il   lack  .4.      15.  16)  it.  M//i.      15.  an  ff.     16.  chan 
II.     17.   Die    >/.   \.      18.   [wo!]  .>/.  .4.  Bf.      19.   Da/Brecht 
>/.  oYocApreeht  A.  .V.  .>////.  Datjtfecbl  IT,    221  niederholt 
il  dn^  erstemal  am  Immer  man.      23.  Da  M.  A.  x.  ff. 
herren  ff.      23     28]  -4.     24.  all  u.  veraatnen   >/.  IV.  ff. 
n  »war  ff.    25.  26]  Mm.    26.  starte*  ff.    28.  igkio/»  w. 

\  an  //.  29.  Di  >l.  .V.  A.  II.  si  «tt  /.  II.  rhonicn :  \vr- 
Qomefl  •»/.  \  1  ff.  [31.  86  Mm.  laet  /W  Y.  A  'Hn'fser 
\aiV  .  icsh  k  hti  \  .  eugsHeither  M.  gidel  »/.  !U.  Da  — 
weit  il  36.  beeren  I  [im  w.  i  \  all  1/.  [37.  96]  4.  37. 
i//  ewca  ///'•///  »/.  all  ff.  39.  ch&itten  »/.  \  39.  10. 
Daz  hui  «in  man  in  disef  rrist  Eieinl  le  aügen  chomen 
i.  ||.  Tackptecht  M.  \  \  M.  tu  Men  d.  i/.  [43. 
M      I     >///'    a</Jer  woi  sein  für  am.     15.  'i7.  Da   u.  /v. 

.1      //.    ftOfl    II.    Im-;-//    W.     t.    \         'ü.    dir    .1///.    ;ill/'     >/      . utrh 

\     al    \.  io   >/.   kfn.    .><).  bitten  -i.  'las  /-/•  j<im  n.    51. 
7.H  I./mc  iii    \ .    Pr<  hl     1.    »////        >!    m    //////AI  die 

in.    1/     1,  riioiii     I.    I.ni///    //  dI    \         >>       \Ch  II       •)<">     iiiai)//rn 


712  fttaxUn.     5. 

JV.  frum  M.      58.  chunst  M.  A.  N.      61.  [samf]  ff.      63. 

Cha?men  M  .4.  iV.      D#z  M.  Mm.  JV,   Zwar  ez  A.      67. 

«inser  h.  [hie]    M.  N.  A.      68.   magn  ff.      70.  fragen  ff. 

72.  irew  zeit  JH.  ,4.  iV.    76.  Völliklic/*  ff.    77.  ane  M.  A 

JV.  swar  ff.       78.  ayer&r  M,   ayar  ff.      79.  einen  M.  N, 

ainw  A.    80.  [er]  ff.  manigera  ff.    81.  man#esJV?  manige« 

ff.     82.  ze  gelten  Mm.  ze  v.  h.  er  A.     83.  u.  huener  M. 

JV.   ff.   Mm.       84.   nemen  ff.      85.   86.  Da  M.  A.  JV.  ff. 

ayerer  M.  A.  JV.     87.  [Sie  spr.]  ff.  Die  M.     88.  niemand 

M,  raeme«  ff.  [nennen]  M.     89.  s.  h.  ff.     90.  7*ns  M.  A. 

JV.     91.  92.  ew  ff.    93.  [vil]  ff.     94.  Meinerc—  wennen  ff. 

95.  m'At  schcen  A.      96.  [mag]  ff.    w.  wesen  A.  han  Mm. 

100.  Alz  —  lande  M.  A.  2V.     1.  herm  M.  A.  JV.  sprachen 

ff.    2.  Ewer  ff.  uns  M.  A.  JV.     3.  Du  entrins*  A.  «ns  M. 

A.  JV.      Ir  antwurt  u.  den  von  dan  von  stat  ff.      7.  [iu] 

ff.      8.  rm/at  ff.      9.  swar  ff.       10.  Tag(k)precM   Jtf.  JV, 

Drackprecht  A.     13.  alJ  ff.     14.  [all]  M.  4.  JV.  ew  e.  hawd 

fl.       15.  Zu  dem  chaisterstum  ff.  gJimpf  M.  A.  N.      16. 

Takprecht  —  den  seh.     17.  siat  M.  A.  JV.     19.  Da  M.  A. 

JV.  Jahn  ff.      20.  werdew*  ff.      [21.  22]  A.   gehört :  st<ert 

M.   ir  vor  ha 6*  —  ir  von  Mm.  JV.  ff.      23.  im  auf  Mm. 

frawden   ff.     [24]    ff.      25.   Daz    ersach   ein   A.    vischar: 

swar  ff.  da  daz  Mm.  es  ff.    [27.  28]  A.    27.  im  da  s.  M. 

29.  D«r  amo  si  A.    31—33.  Dragprehten  fuorten  si  in  die 

stat  A.      31.  Tackprechten  M.  JV.  leeten  M.      34.  Hernes 

ze  ff,  Hincz  JV,  Uncz  M.  Mm,  Gen  A.    37.  Da  M.  4.JV. 

auch  sy  ff.      38.  in  daz  ff.      39.  Ob  under  in  jemand  ff. 

40.  Der  M.  Ob  by  jn  icht  ain  ff.     41.  Tag(k)precht  M.  N. 

A.  ff.  war  ff.     42.  im.     43.  deinen  M.  A.  JV.     44.  ffar 

t?mo  so  m.  ff.    46.  Werent  M,  wurden  A,  werdent  JV.ff, 

werden  Mm.    47.  [Si]  —  all  ff.     48.  muot  4.    m.  chlain 

ff.    49.  ew  ff.     51.  Tagpr.  ff.  Mm,  TaeÄpr.  JV,  Ta/>r.  M, 

Drackpr.  A.    52.  Dez  Im.  vergeben   Mm.  ff.    Lat  durch 

den   reichen  g.  A.  [53—68]  Da  wolten  si  in  niht  erlan  Si 

wolten  in  ze  herren  han  A.    53.  Yesl.  ff.     56.  1.  fürst  H. 

58.  unge  essen  ff.     59.  Nicht  ez  bes.  ff.    60.  [en]  —  süss 

ff.    61.  muss£  —  geweren  ff.    62.  T,  ir  ez  JV.    63.  So  ir 

ziechewd  ff.      67.  Da  M.  JV.  ff,   Do  nu  A.  Tagpr.  M.  JV. 

ff.     68.  herrra  M.  A.  JV.     69.  warw  M.  A.  JV.     70.  wollt 

[ir]  ff.    71.  musz  ff.    72.  So  wert  jr  aller*  d.  w.  [min]  ff. 

75.  76.  alJ:  schal*  ff.      77.  Seinen  ff.  pot  JW.  A.  JV.      78. 

das  1.  ff.    79.  Do  k.  ir  dar  e.  H.     80.  ans  M.  A.  JV.    81. 

Dax  ff.    85.  Wer  ff.    86.  Der  ff.     87.  [in]  erzürnt  ff.    88. 

benam  ff.      89.  90.  Da  M.  A.  JV.  ff.      91.  swar  ff.      92. 

[mir]  d.  ayrar  ff.      93.  drawS  ff,  frowen  M.  A.  JV.     95. 

[an  mir]  ff.    96.  [so]  ff.     98.  herr  ff.     [99.  200]  A.  Mm. 

3.  gesaat  ff.      5.  Stillend  ff.      6.  ich  niemand  m'Al  g.  M. 

A.  N.  niemand  ff.      7.  gepo?t;t  M.  4.  JV.      9.  ho/  M.  4. 


fcsorUn.     6.  713 

_V.  tt.  210  [da]  M.  .4.  N.  [11.  12]  A.  XU  H.  [beidiu]  H. 
13.  waren  H.  14.  aolten  H.  A.  N.  15.  Da  Jf.  A.  N.  H. 
16.  vernamen  und  H.  17.  19.  Da  M.  .4.  A\  18.  ritter  /f. 
19.  all  H  warn  Jf.  4.  N.  20.  [daz]  //.  23.  [het]  H.  25. 
herrai  fl.  27.  von  ew  h.  H.  29.  müssend  H.  30.  £?/>• 
M.  4,  AT.  32.  al/  H.  33.  lie  da  n.  d.  flecA  rnd  b.  H. 
flea  AT.  A.  A\  34.  herrn  Jf.  .4.  A.  36.  w.  da  n.  chain 
H.  39.  40.  ser  :  raer  M.  A.  N.  chainer  H.  42.  sei*  H. 
43.  von  \nn  H.  v.  im  w.  A.  N.  45.  herrn  Tagprechl  M. 
A.  N.  h.  her  Ta/?recht  H.  46.  m.  a?/c/t  all  chrum  H.  48. 
Mit  vr.  all  pey  im  g.  H. 

6.     (Conftnntin. 

Handschriften:  zwei  Münc kner  (M,  Mm)  Bl.  154-,  204;  .Äu^  sftwrp  e» 
r.4>   ß/.  207;    Neretheimer  (i\)  Bl.   277;    Heidelberger  QH)  El.  250. 

1.  Dannoch*  fl.  [vrid]  Jf.  iV,  2.  vrum  H.  6.  [vil]  Jf. 
8.  Waen  z.  fräwd  vnn  H.  9.  in  a.  M.  A.  N.  10.  «o/  ein 
g.  H.  11  steAf  hinter  12.  Die  tr.  .4.  12.  seift  M.  A.  N. 
f'rewntein  H.  13.  der  H.  15.  fGlena  M.  A.  N.  16.  u. 
waz  d.  M.  A.  N.  17.  Costantinus  H.  18.  in  niht  umb  sus 
H.  22.  Rom  itf.  it.  IV.  [25  —  28]  Mm.  26.  m  AT.  27. 
unrechtikeit  M.  A.  N.  28.  im  waz  N.  30.  neiden  «.  [31. 
321  Jf.  A.A.  kfiniginnen  H.  35.  wan  er  M.  N.  H.  [37. 
38]  Mm.  38.  gnuok  //.  40.  Man  m.  —  [die  sint  min]  H. 
h.  ein  müzz  die  ist  m.  A.  41.  rat  an  I.  Jlf.  ,4.AT.  42.  swar  H. 
4'f.  [ir]  U.  [45-48]  H.  [47.  48]  A.  49.  Do  A?  Da  M.  50. 
swar  //.  51.  l'nd  w.  it.  52.  Er  w.  Jf.  A7.  Ein  m.  d.  w.  v.  H. 
[vil]  M.  A.  N.  53.  eines  klein  H.  54.  muoetJf.  A.N.  inw 
//.  55.  eiw //.  56.  \uczen  H.  fuvzz  M.  A.  N.  58.  krumbl 
//,  krum//  AJ.  A*.  w.  er  dennoch  t.  ^4.  59.  Dann«  M.  A. 
Y.  60.  küniga  //.  63.  schamler  //.  t>i.  Das  /f.  gegert 
»/.  .Y.  65.  Die  weiset  >/.  A.  N.  einen  ketct  //.  <>7.  Do 
//.  r»8.  icfa  wter  i.  1.  69.  treiben  fl.  70.  \n.  ged/fentwl 
_i    eracb.   \*;irt    >/.    \.  //.  erschel/J  //.      71.  traut  w.  Ä 

72.   im     iirnl»     //.   da  mit  u.     1.      78.   UDMlig   //.     79.  Ge- 

teilet  -  stieben  .»/.  .1.  A.  80.  enget  newr  (nur  .•«.  m\ 
\.  ii.     81.  Sichl  ü.   >/,  .svlit  ;i.  /Y.  '  83.  unsalig  //.     84. 

In.-    I.   rv,m    >/.     \     \      86.   Du/  E110  dem   niKkcii  //.    88. 

M  den  //.  89.  I  r.  -g«r  kr.  >/.  t.  \.  91.  ih  w.  \ 
petretten  n  93.  an/  e.  >/.  -4.  94.  slniu  //.  »5.  Zertrett 
\.  Itfirtiea  m  A.  96.  geUub  .>/  t.  \  ^>7.  !>s  i. 
Kamel  Jf.  \.  HH).  ?.//o  d.  >/.  N,  den  erabajr  i  I.  />/> 
die  eiten  beten  gegr.  ►/.  \.  e#sen  //  -l.  getefl  m.  [niht] 
//.  i.  berren  ir.  /'/<  ••/  //.  peruol  M  •>•  Grab)  //.  <>. 
M  ein  //.  7.  8.  Ein  scharflei  ^\.  it.  D. 
i,  vs .  u.  i,  i.  >/  i  a.  Vor  8  /'"'  //  ""«//•  Und  lieh 
mit  zornikch  räch.     10.  NN"  //.     11.  pradh  f/.     1^.  heri 

W       I      \  1  |     I  ♦       I     . 'Iiiiid/rii.     w      V.    III.  III. Hl/    >/.  y.  //. 


714  iTesarten.     6. 

gicht  M.  JV,  spricht  ff.  115.  Do  da  daz  A.  16.  [Und]  M. 
A.  JV.  prech  H  17.  Und  den  pf'enning  ff.  M.  A.  JV.  18. 
Do  M.  A.  JV.  19.  schan*  ff.  20.  er  räumen  daz  I.  M.  JV. 
ff.  lande  M.  N,  \*nt  A.  ff.  [21.  22]  4.  21.  Dannocht  ff. 
23.  s.  g.  in  einem.  24.  w.  1.  M.  A.  JV.  25.  26.  in  einer 
Reimzeüe:  ausseezik  M.  A.  JV,  Aussikeh  ff.  27.  das  M. 
JV.  ff.  im  in  w.  ff.  im  w.  gewar  A.  [28]  4.  [niht]  JV. 
lenger  ff.  gespart:  An  der  selben  vart  JV.  29.  wr«rd  s.  ges. 
drat  M.  30.  Pofera  nach  A.  zehant:  Chsemen  pald  in  daz 
lant  M.  31.  Und  do  A.  32.  gein  R.  ff.  34.  chlagen*  M. 
36.  rm/gt  ff.  41.  küni#  M.  ,4.  JV.  42.  jähen  ff.  43.  44. 
raf  :  dra*  M.  il.  JV.  dem  k.  M.  JV.  ff.  46.  vrumen  ff.  47. 
Doch  M.  A.  JV.  57.  Die  kunst  1.  ÜT.  ZV.  ff.  \a>ten  M.  JV. 
herm  Jtf.  JV.  .4.  59.  hetf  ff.  60.  wol  ir  M.  N.  amen  JV. 
ir  gewinn  ein  michel  t.  ff.  61.  [ze]  A.  62.  «ns  M.  A. 
JV.  maermel  M.  A.  JV,  marftel  ff  (immer  J.  66.  welhem  M. 
68.  ffo  ff.  73.  74.  sauf  :  <tas  lan£  M.  N.  A.  ff.  nach  den 
m.  M.  JV.  ff.  [75.  76]  4.  75.  murrc  ff.  77.  dar  «wo  e.  ff. 
78.  w.  zw;«r  d.  M.  JV.  81.  82.  san£  :  die  lant  M.  A.  JV. 
Weiten  auz  X.  dew  !.  ff.  83.  br#ht  ff.  chindlein  M.  A. 
xV  86.  [vor]  ff.  87.  kinderc  ff.  88.  fruok  ff.  87.  88. 
genuogen  :  truogew  A.  89.  w.  not  e.  ff.  91.  sprach  ff. 
her  M.  A.  JV.  93.  D«  —  im  daz  ze  maem :  wa?rw  M.  A. 
JV.  95.  ir«  M.  A,  ir  JV.  v«tern  ff.  [den]  JH.  96.  Alle* 
M.  4.  JV.  97.  herr  M.  A.  JV.  98.  Wan  der  j.  mocht  n. 
groezzer  sin  M.  A.  JV.  201.  disen  j.  M.  A.  N.  3.  barm- 
Aersichait  A.  ff.  4.  v«?ter  A.  [3.  4]  JMj».  7.  m.  /ieoes 
libes  ff.  8.  aengstl.  M.  A.  JV.  9.  den  üf.  A.  JV.  ff.  10. 
m.  über  si  e.  ff.  11.  swr^eren  ff.  12.  siniw  ff.  13.  herr 
M.  A.  JV.  14.  e  nu  mit  ff.  15.  maniges  A.  M,  marages 
JV.  19.  ieslich  ff.  20.  Wt  M.  A.  JV.  21.  Da  M.  A.  N. 
23.  watest  ff.  25.  Vor«  ff.  26.  ha&  Mm.  28.  haft  einen 
b.  M.  A.  N.  30.  [zuo  dir]  ff.  31.  erbarmung  ff.  32. 
gr«?zzer  m.  sein  M.  A.  JV.  34.  gewiesen  M.  JV.  ff.  40. 
gewatfs  ich  ff.  gewanfes  M.  A.  JV.  [43.  44]  A.  44.  smiu 
H.  Dia  kl.  Jlfm.  waz  M.  45.  kasaui  M,  gasau(w)l  A.  N. 
Mm,  5«wl  H.  46.  krumper  Jtf.  ^1.  JV.  [47  —  50]  Mm. 
[47.  48]  A.  [49.  50]  i/.  [52-56]  A.  52.  ewÄan  fl.  54. 
Sin  gewant  w.  r.  gwwok  H.  55.  sprechen  M.  ^4.  JV.  56. 
wenn  JJ.  57.  tu  M.  JV.  jEr  sprach  morgen  solt  A.  [58] 
H.  seira  M.  Der  als  ich  sei  g.  A.  59.  Der  s.  A.  60. 
[reht]  i/.  alz  ich  M.  61.  selo  M.  A.  JV.  63.  s.  gesunt  z. 
ff.  64.  wollest  H.  w.  im  h.  M.  JV.  (wo?  haut  /V/r  haubt). 
im  daz  houbl  zwar  A.  65.  d.  haubt  s.  JWm.  JV.  ff.  66. 
Daz  hab  auf  die  trew  mein  A.  68.  dir  den  ze  H.  69. 
den  ges.  M.  70.  [ist]  m.  [waerlich]  H.  69.  70.  So  tuon 
ich  dir  daz  sicher  chunt  Daz  er  dir  geit  d.  g.  A.  [71—74] 
A.      71.  prest  Mm.  [aller]  Mm.  H.      72.  g.  von  im  b.  fl. 


ffsartcn     7.  715 


274.  Hast  gegen  M.  Alm.  dein  H.  76.  Da  —  langer  M.  A. 
X.  78.  [Daz  geschachl  Da  vi!  J/.  dra^  A.  Alm.  X.  [79. 
80J  4.  81.  Drt  Jff.  J.  ~AT.  82.  [im]  H.  83.  Da  M.  A.  N. 
[83.  84]  A.  Do  .17.  A.  84.  tn/ahait  AI.  A.  86.  waa  g. 
Jf.  .4.  A.  [87  —  90]  A.  87  Da  M.  N.  88.  von  itf.  X. 
90.  an  juezzen  u.  BS,  X.  93.  [sin]  JM.  A.  X.  ges/Vnd  //. 
95.  [an]  JFf.  96.  Dhainen  itf.  JV.  Dez  selben  er  niht  enlie 
A.  [97-302]  .4.  97.  Er  H.  99.  niemand  H.  niemt  — 
darinrte  AI.  X.  300.  kam  H.  ungewinni  M.  X.  1.  man 
er  H.  tet  er  in  M.  tat  H.  2.  muosten  H.  dulden  M.  N. 
*.  [her]  M.  A.  X.  6.  vor  im  saeh  AI.  A.  X.  7.  8.  Da 
_>/.  A.  X.  H.  gevröuwH  H.  10.  Ring  AI.  A.  H.  [gr.J  Afat, 
grozzetc  2K,  groz  #.  .4.  [11—18]  4.  [lt  — 14]  Mm.  H. 
14.  erlösten  A\  15.  gaerb  M ,  gaerbe  (A.)  oder  gaerbd  X, 
grab  Mm.  H.  16.  enpfie  jW.  19.  Ze  hau*  weiset  M.  N. 
A.  w.  er  it.  20.  [mich]  H.  werd  M.  A,  pin  Mm.  21. 
Da  spr.  M.  herr  JH.  4.  X.  '22.  [Er  spr.]  itf.  Er  i'ach  Ü. 
ZV.  ich  mag  Mm.  Aan  n.  </ra^  s.  H.  24.  du  /iden  gr.  H. 
25.  L.  v.  m.  hie  H.  28.  [wol]  H.  30.  also  H.  31.  leio 
M.  A.  X.  32.  Das  H.  34.  schier  JH.  A.  X.  36.  [hie] 
W.  A.  X.  [rehtl  i/.  38.  iehen  H.  42.  w.  v.  im  A.  M. 
43.  Da  M.  A.  X.  14,  din  //,  deine**;  TW.  46.  und  er  g. 
//.  19.  die  .)/.  A.  X.  50.  in  nach  A.  Das  zweite  nach 
fehlt  H.  A.  53.  Da  AI.  A.  X.  54.  De«  t.  [im]  H.  teyfer 
.>/.  A.  X,  tei/fer  //.  55.  Und  —  ma>rme!  M.  A.  X.  59—62. 
Ynt  lautltin  /.sinnt  Vnd  mäht  in  auch  an  dem  leib  gesunt 
A.  61.  Dfl  AI.  A.  Y.  6't.  alle  die  h.  H.  65.  66.  wollen  : 
sollen,  68.  w.  kam  geauok  //.  72.  Lnbeiit  in  gros  il. 
7i  pawr  oder  pawen  M.  X.  75  Gab  //.  Geil  uns  (unser) 
)/.  76.  waer  //.  77.  b.  v.ehen  t.  M.  A.  X.  78.  in  so  gr. 
79.  leichnamen.  AI.  A.  X.  80.  Bestatten  so  gar  //.  81. 
er«  //.  82.  Pride  r.  >/.  1.  AT.  85.  Petent  //.  88.  Gab 
i  i   den  viantei  mit  /übten  /.  yl      Hom  an  alle  swar  //. 

7.     Urs  tUufunkönigfl  £nct)tcr. 

//  andtchri  [(■  H  ■>  (  M'„  )   Jii    ±~\      Au<nl,  u,  ,,  ,  <  (  A)   III     >\  J, 

ri    r.V)  /</    i|g|   Hll,t,ib,,,j,r(U)  III    27.i 

1.   s//ll«-n   //.  an<     I.    ttl».   .\         •_>.  /.niesen    // ,  raiissco 
»////      ri    ,//  ii     l.     \  u.iIIkA    A.    Mm.    gewtllicll* 

leicA  A  6.  goldes  a  YLm.  \.  .■.  tübert  //•  \.  8.  f.  snu 
!>////.  9  Dar  zu  .4  )i»>  \.  10  ward  U.  13.  [mocht]  #/.  14. 
mjrtei  A.  16.  heim  fernen  //.  I!).  ;m  //.  2i.  her«  I. 
tfipi  \  25.  daz  //.  26.  [also]  .1.  27.  Also  daz.  I.  29. 
K«ntzleich  \  >////.  \.  Kl  süll  I  »/>//.  \.  31.  kumbi 
//  wi  \  >////  \  :».  erb  //.  36.  dann  i-  ü».  I 
.'>H   'in      pr«ch      »<i   '/"      "    die  \      13,  M//^r //.     16«  a 

ii.    rn.    //       Mi    [boten]     1.  IU   <■<"'    >///'•    \       '<!>    ;nill//l/    I 


716  harten.     7. 

Mm.  N.    50.  sagt  A.  Mm.  N.    51.  irn  ff.    52.  an  ff.    55. 

rat  .4.  Mm.  N.     57.  tt'olten  A.  Mm.  pabst  A.  ff.  Mm.  N. 

57.  58.  keren  :  eren  ff.      58.  [in]  ra.  g.  mit  s.  ff,   in  mit 

gnt  e.  Mm.  il.     60.  an  ff.     63.  [si]  ff.     65.  pabst  A.  ff. 

Mm.  N.  (immer).    66.  ward  M.  [vil]  ff.  Mm.  N.     67.  u. 

%ut  ff.     68   was  er  N.     [67.    68.]  J.     [71-74]  A.    7*2.  k. 

wnd  die  Mm.  N.  rawssen  ff.  Mm,    rseuzzen  N.    73.  ze  r. 

Mm.     78.  b.  ez  a.  M?  b.  es  m  a.  N.     80.  t.  se  nemen  a. 

.4.   an   ff.    [81  —  86]   A.        82.    ern  M»*.   N.    kern   Mm. 

84.   Jan  Mm.      85.   Wegun#  —  da  A.      86.   daz   sol   ff. 

[87  —  90]  A.  Mm.  ff.       Seit  mir  ez   na  der  pabst  A.  Mm. 

N.  erloub*  ff.     92.  so  ist  ez  noJ  an  A.  Mm.    93.  b.  alle 

j.  y|.  Mm.    94.  mag  A.  Mm.     [95  — 98J  A.    95.  pabst  er- 
laube Mm.  ff.  hilt  Mm,  hat  ff.     96.  [Got]  ff.     97.  Die  N. 

Mm.    99.  Do  ff.    100.  mangen  [vr.]  A.  Mm.   2.  daz  N.  4. 
t/nd  den  AT.  [al]  A.  Mm.    7.  pfell  ff.     9.  [ie]  A.  Mm.  d/tain 

iV.  trat«;  A.  Mm.  N.     11.  lYoch  N.  wown  ff.     13.  14.  do: 
so  A.  ff.  Mm.  N.     14.  wan£  A.  Mm.  N.     15.  gezamen  ff. 

20.  chemnaf  A.  Mm.  N.     23.  Ein  A.  ff.  Mm.     24.  werden 
ff.    26.  was  Mm.  N.    27.  ab  von  irm  4.  Mm.  N.    29.  l«?t 
A.  Mm.  N.  *Cbefser  laiV.  So  immer J.     30.  w«?rleieh  nu  w. 
A.  Mm.  N.     31.  [ain]  ff.    32.  erkr.  ir  antlite  ff.    antlätz  .4. 
Mm.  N.    35.  an  ff.    36.  si  si  ff.    37.  38.  Do  si  do  s.  gem. 
Beidiu  arm  und  rieh,  Gemeinlich  si  da  jähen,  Alsbald  si 
erst  an  sahen  ff.    38.  gemainefcleich  A.  Mm.  M.    42.  selber 
A.  Mm.  N.      43.  Herre  A.  Mm.  N.    ditz  A.  Mm.    sin  ff. 
44.  wirret  N,  wirket  ff.      46.  antlits  ff,   antlnfz  A.  Mm. 
N.    48.  hinter  ff.     50.  Do  —  kom  ff.     52.  [diu]  ff.     53. 
gel«?t  A.  Mm.     57.  hiez  er  ff.      58.  gen  A.  Mm.  N.     60. 
\egt  A.  Mm.  N.      62.  het  e.  verstanden  ff.      63.  dem  m. 
ff.      64.  dotun  die  kreiz  Mm.  daei^en  A,  daewn  N.      65. 
het  A.  Mm.  ZV.      68.  kü/*#es  A.  Mm.  N.      70.  m.  zwar  v. 
A.  Mm.  ZV.      71.  herr  A.  Mm.  N.    72.  geschah  ff.       78. 
den  vatter  Mm.    79.  dfcain  A.  Mm.  N.    81.  man  in  t.  N. 
83.  Iset  4.  Mm.     84.  Herr  A.  Mm.  N.     87.  dan  ff.     89. 
Si  it.  Mm.  IV.      90.  [da]  A.  Mm.  N.  schier  b.  Mm.      94. 
95.  vischo?r  A.  Mm.  N.     97-  sieben*  A.  N,  sweben  Mm. 
sweJen  ff.     98.  zoc/t  A.  Mm.     20t.  Sehent  A.  Mm.  N.    2. 
mug  ff.     3.  sl.  zwar  ff.     4.  in  daz  A.  Mm.  N.     5.  Do  A. 
ff.  Mm.  N.  schoene«;  A.  Mm,  schoen  N,  reine  ff.     9.  pald 
A.  Mm.  ZV.      11.  w.  sicÄ  ff.      12.  tnot  ff.       13.  14.  s.  in 
daz  lant  Her  zuo    mir  gesant  ff.     19.  [ir]  ZV.     18.  [wart] 
ff.    25.  [mer]  A.  Mm.  N.    29.  Sah*  —  [iu]  ff.    32.  gru- 
ben ff.     33.  [ez]  ff.  kinchait  ZV,  chinefrehait  ff.    37.  ewrn 
A.  Mm.  N.    kleider  ff.    [39.  40]  A.      40.  fraw  Mm.      42. 
einspielt  ZV,  spielt  4.  Mm.      44.  volliklichen  ff.      45.  nie 
getet  A.  Mm.  ZV.     47.  einem  ff.    48.  G.  w.  ff.    50.  Aines 
4.  Mm.  ZV,  Einen  ff.     51.  52.  wol*  :  sol*  ff.    54.  Des  was 


ÜVsarten.     7.  717 


si  b.  H.  255.  seint  H.  56.  Die  m.  a.  w.  i/.  Si  w.  an  den 
augcn  bl.  A.  [57  —  60]  .4.  Mm.  57.  wollend  H.  58.  sol* 
H.  60.  ich  7«ir  JV.  62.  Des  was  tftei  //.  ^rchant  A.  Mm. 
N.    64.  [da]  A-  Mm.  W     66.  sogest  i/.     67.  die  b.  A.N. 

68.  Und  dich  ertrenchen  in  dem  i4.  Mi«.     [69.  70]  A.  Mm. 

69.  [dich]  darinn  N.  70.  [ze]  toi  H.  71.  bo3s  H.  75.  t. 
rfir  H.  ir  zwar  hie  [vil]  A.  Mm.  77.  [daz]  N.  H.  79. 
empi.  H.  80.  F?/er  wir  die  A.  Mm.  N.  81.  [U.  v.  si]  —  ecto 
d  .4.  Mm.  xV.  83.  frawn  A.  Mm.  N.  84.  von  uns  A. 
Mm.  N.  85.  hasrn  mng  n.  sehen  ^4.  Mm.  iV.  86.  k.  ze 
dem  marschalk  j.  H.  [87.  88]  4.  88.  künigs  Mm.  H.  [sin] 
/f.  89.  Zehant  v.  A.  bald  #.  iV.  91.  der  k.  Mm.  92. 
fgrözem]  A.  Mm.  N.  94.  [da]  H.  mannen  ,4.  Mm.  N.  [95. 
96  A.  der  not  N.  96.  grozze*?  Ufa».  JV,  groz  H.  97. 
[daz]  A.  Mm.  H.  99.  Rnefl'en  ,4.  Mm.  N.  heren  v.  //. 
300.  D«  f/.  1.  [wol]  A.  Mm.  2.  \cfft  A.  Mm.  6.  Da  H. 
10.  irr  vrümkeit  A.'Mm.  N.  11.  da  A.  Mm.  N.  13.  da 
von  z.  H.  16.  schwn  N.  18.  wnrfe  k.  AT.  22.  frawn  A. 
Mm.  N.  23.  künigs  H.  2i.  warlich  H.  26.  briete  ff. 
27.  fraw  A.  Mm.  N.  29.  ewr  A.  Mm.  N.  30.  irr  A.  Mm. 
Y.    31.  schren  A.  Mw.  HT.    32.  Wo  H.  [35  — 38J  A.     37. 

mit  von  eirir  Mm.  38.  riehen  f/?  reich  ZV.  40.  Wann 
Nj  Zwar  it.  Mm.  41.  Des  w.  ich  h.  dir  uz  n.  A.  Mm. 
42.  jwil  A.  M.  13.  ko/nst  //.  4*.  s.  gar  v.  //.  50.  [daz 
wasl'.l.  Mm.  \  52.  daz]  an  //.  [ane]  N.  53.  Da  A.  Mm. 
A.  //.  55.  dann  A.  Mm.  Y.  56.  Do  A»  Mm.  N.  H.  57.  an 
H.  [57.  58  Mm  W).  enpeutt  A.  60.  im  —  im  A.  Mm. 
A  63.  do  //.  64.  vn/mkeit  //.  65.  [do]  .4.  Mm.  N.  66. 
von  der  booren  //.  67.  68.  epeutet  ew  herr :  werr  A. 
Mm.  Y.  groz  //.  69.  iuwerm  H.  70.  Das  f/.  73.  ist  ein 
g.  //.    7i.    schier]  //.    75.  miieaat  A.  Mm.  N.    78.  Haizzet 

\  Mm.  Y.  SO.  sei  //.  82.  al/er  erst  //.  killt  sich  »////. 
83.  y«licb  //.  84.  lar  //.  Nieman  g.  ez  s.  ,1.  [85.  86]  A. 
herr:  um    //.   war    X.   borl    //■     87.   D«  i4.  Mm.  2V.     um?. 

//.  89.  Sebriber  //.  w.  Schrib  Mm,  //.  91.  secA  Mm. 
92.  ei   fi  Mim.    i     93   fratc  it.  Mi».  A\    5Mi.  gen*  .1.  >////. 


\.    si     yim    daz  //.    !)7.  bakf  //     98.  |und|  d.  k.  I.  Mm. 

\.    99.  ist  cisi. //     101.  daz  innt  tool  /<■//.    2.  mtioz  fl. 

:i.  4.  riod  :  erwiod  //.     c>.  Dn       den  trtwen    \.  Mm,  at. 

7.  8    Mm.      9.  eilei  .4.   >/m.  a.      11.  dem  n.  d.  br.  n 

12.    da     i.   »////.   \.     14.    recht]  //.     15.  kao    \    flm.   \ 

nj    Diemanl  //.      l<>.  brgund    •!<»     i.    Mm.  \.      17.  Doa 

kfinigi  //.     i!>.    im     i.  Hm,  n.    21.  Deut  r.    »////.    22. 

\r(.uu//  er  «reinol  t»  //.    31.  freici  //•  '  lies  d  e  Hain  .    25. 

ol  //.      28.  tragea    \    Hm    ¥.      ->(».  in  «w  //.      80. 

De«     v.  .    ii    Qi|   \.     |.     }lm.     \      weinen/    //.        3'(.    wniilir     I. 
Mm.     \  ')     ihi..    u.it.    //.        :i(i.    <W/s    w.    e.    AVe///    //.       .'{7. 

tu'/l    //     .«l.el    in   ein    !.     I      lfm.    V       5'».    nililiv    /|.    »//n.    \ 


718  jfrsarteit.     7. 

442.  geschehen  ff,  wo  hierauf,  im  Uebergang  zu  Blatt  283, 
wiederholt  wird  Der  mir  das  wölt  ein  klein  verjehen.  43. 
chindlain  A.  Mm.  N.  44.  ir»  M,  ir  A.  JV,  den  Mm.  45. 
m.  schon  z.  Mm.  50.  [Schoene]  iraw  Mm.  N.  A.  51. 
teiffer  G,  teyber  Mm.  A.  JV.  52.  Da  ran  diu  vrouw  o. 
an  dem  mere  zwar  H.  54.  gols  will  H.  56.  ane  sw. 
Mm.  A.  N.  57.  tiefer  ff,  Teytier  Mm.  A.  JV.  59.  pulsick 
A.  JV,  nulsich  Mm,  Vulsiech  ff  fiber  ff.  61.  7aio  der 
teifer  ff.  lieber  Mm.  A.  JV.  65.  * befser  daz  oder  der 
stat.  66.  ewr  M.  A.  JV.  68.  *  befser  daz  oder  den 
stat.  74.  hafc  /f.  75.  klei»  Mm.  A.  JV.  76.  ich  ez  wil 
ff.  77.  wider  die  iWm.  4.  JV.  79.  vrouw  ff.  81.  82. 
Römerin»  :  künigin»  ff.  86.  grä'uffen  Mm.  A.  N.  88. 
dAeiner  fräwd  Mm.  4.  N.  89.  gesigel  Mwi.  4.  JV.  91.  vuert 
Mm.  4.  N.  94.  im  Mm.  A.  JV.  98.  was  ff.  sein  m.  Mm. 
A.  JV.  99.  Da  Mm.  A.  JV.  den  br.  ff.  500.  rech*  JWwi.JV. 
4.  2.  W^V  m.  h.  ?md  m.  ff.  3.  [von  ir]  ff.  4.  ergan 
/f.  5.  Da  Mm.  A.  N.  5.  6.  Dax  ez  —  ft?«w  gevar  :  swar 
ff.  6.  Da  Mm.  A.  JV.  9.  *  befser  brieve.  10.  Da  Mm.  A. 
N.  12.  Da*  w.  n.  ff.  13.  [dhein]  ff.  15.  ward  Mm.  A. 
X.  16.  [sich]  ff.  19.  20.  ansprach  :sach  ff.  22.  du  v. 
ff.  23.  "befser  briete.  24.  jehen  H.  25  —  30.  verkürzt 
ff:  Do  antwurl'  der  bot'  zehant  Und  sprach:  daz  tuon 
ich  iu  bekant.  28.  wizzen*.  29.  brief.  31.  Da  Mm.  A. 
JV.  32.  ewr  Mm.  A.  JV.  33.  Do  ff.  34.  [mir]  ff.  35. 
Gen  mir  daz  ff.  36.  hao  ff.  39.  Vor  grozem  z.  ff.  40. 
[Und]  Mm.  A.  N.  42.  die  s.  A.  Mm.  JV.  42.  43.  si  ewik- 
lich  sicherlich  lr  sünd  b.  [unz]  ff.  irn  Mm.  A.  JV.  46. 
die  alt  sp.  Mm.  A.  47.  We  H.  48.  erparm  Mm.  A.  N. 
49.  Dem  Mm.  Die  a.  aothait  JV.  51.  [lieben]  vrouw»  ff. 
52.  Des  m.  ff.  53.  54.  gen  :  sten  Mm.  A.  JV.  [da  in]  ff. 
55.  Und  m.  ff.  aengtleich  getat  Mm.  A.  JV.  56.  Der  die 
H.  58.  do  M»*.  N.l'A.  H.  61.  chindlein  M»*.  4.  JV.  62. 
nim»*er  M/».  A.  JV.  63.  Zuo  einander  Mm.  A.  N.  65. 
gerungen  H.  66.  het  ff.  73.  vrouw«  H.  76.  er»  Mw*. 
A.  JV.  77.  der  k.  Mm.  JV.  78.  raawen  s.  s.  dar  nach 
geswind  H.  rawen  Mm.  A.  JV.  79.  Von  Reussen  ff.  80. 
do  H.  81.  U.  pabst  ze  Rom  z.  M»*.  A.  JV.  82.  sünd  Mm. 
A.  iV.  83.  an  der  t.  ff.  tohler  {für  vrouwen)  Mm.  A.  JV. 
H.  88.  Fand  ff.  89.  raüssen  Mm.  A.  JV,  lawssen  ff. 
93.  Daz  Ä.  94.  Regen  Mm.  A.  JV.  96.  Aoln  Mm.  A.  N. 
H.  97.  ir»  Mm.  A.  JV.  600.  groz  H.  1.  [selbe]  ff.  2. 
m  ff.  3.  Da  Mm.  A.  JV.  5.  Da  Mm.  A.  N.  ff.  9.  Da 
Mm.  A.  JV.  [si]  N.  sünd  ff.  10.  ir»  Mm.  A.  JV.  presten 
Mm.  [11]  JV.  babsl  an  gots  ff.  12.  [beide]  H.  15.  Da- 
une Mm.  A.  N.  17.  [sin]  ff.  18.  kindlein  A.  Mm.  JV.  19. 
vrou ?rn  ff.  21.  Da  —  purger  Mm.  A.  JV.  22.  vrou?r» 
an  H.     23.  an  ir  r.  A.  Mm.  JV.     25.  Da  si  da  g.  A.  Mm 


itsatten.    8,  I.  719 

xV.  627.  Da  Mm.  A.  N.  28.  rceuzzen  Mm.  A.  N,  ranzen 
H.  29.  [ihtl  H.  tu*  Mm.  A.  X.  30.  wöll  H.  32.  im 
Mm.  A.  X.  34.  imrer  H.  35.  WöJfeirt  H.  Wolf  iWm.  A. 
X.  ftam  H.  36.  [sprach  er]  Mm.  A.  X.  37.  [si]  X.  39. 
wölt  H.  40.  lazz  üfw.  .4.  X.  42.  bechant  A7.  43.  züh- 
tenlich  H.  44.  ende  hr.b  ewr  31m.  ^4.  iV.  45.  ewr  Mm. 
A.  X.  46.  b.  vr  Mm.  A.  X.  48.  vroiiT/:  H.  49.  chind- 
lein  Mm.  A.  X.  50.  gr^zzer  sein  Mm.  A.  X.  51.  framren 
JKm.  ^4.  X  51.  52  53.  Da  Mm.  A.  X.  [beide]  H.  53. 
(in]  Mm.  53.  54.  sein  Der  b.  spr.  das  ist  ein  gnot  sein 
Nif  m'mpt  die  H.  54.  n.  ewr.  Mm.  A.  X.  56.  Da  Mm. 
A.  X.  57.  Gen  Mm.  .4.  IV.  61.  \rm  Mm.  A.  X.  63.  Da 
Mm  A.  X.  64.  vrouw-n  H.  65.  si  heim  in  gleich  H. 
paidew  Mm.  A.  X.  66.  Zuo  irem  werden  r.  H.  [künik]  Mn. 
67.  si  al3  ein  k.  A.  68.  ring  A.  X.  H.  69.  n.  und  t.  H. 
70.  Dax  iV,  Dan  H.  vr.  «nrf  ir  xV.  H.  Mm.  74.  AI  iJ.  wunn 
A.  Mm.  X.  76.  (htz  M.  78.  ungemütlich  H,  ungezwgleich 
Mm.  80.  uns  oll  vr.  Mm.  X.  79.  80.  Der  geb  vnz  allen 
seinen  segen  Vnz  wiuez  vnser  cwicklcichen  pflegen. 

8.     üavl  tier  ©ro&e. 

I.     Liebeszauber. 

Hart  dschriften:  zwei  Münchner  (M,  Mm)  Bl  158,  267;  Augt- 
burger  (A)  Bl    200;    S  >- » >i  -s  h  ei m  er  (  S  )    Bl.   ±',i\  ;    Heide/berger    ("H) 

Bl.  25! I 

1.  2.  Der  f'uor  in  vnger  ze  ainer  zeit  In  daz  grozz  lant 
weit  A.  2.  Lncz  u.  M.  3.  b.  d«  kr.  A.  4.  [in]  M.  u. 
sl  tf<>  \\.  Mm.  Anlachen  Mm.  A.  X,  palachen  M.  H.  5. 
laet  M.  X.  A.  6.  nahe*  //.  7.  gelabt  H.  7.  8.  sein: 
von  heim  47.  X.  A.  [Und]  M.  X.  A.  10.  den  wist  77.  11. 
[grözer  //.  18.  So  77.  law  wolt  auz  m.  A7.  ,4.  19. 
tmd  >/.  X.  A.  21.  gelaicht  der  vroutctf  //.  22.  sant  ir 
//.  [23  —  26]  Mm.  23.  Daz  si  ?/oJ  erkanl  //.  V.  2i.  ge- 
saut //.  25.  hiei  II.  2S.  *ad  47.  X.  A.  29.  D</?.  //.  '30. 
firan  47.  x.  2!).  30.  Daz  so!  t  n  gelauben  sicherte  ich  Edlen 
küniginne  reich  ,4.  33.  Der  du  —  Unger  1.  //.  34.  tcl 
wm  //.  35.  Und  er  A.  36.  lese*  >/.  A'.  //.  37.  \)a  M. 
Y      I.     38.   al   i/i   seine///   >/.   \.  .4.      10.    D;i/.  sollen  *///■?.  die 

berren  //.  II,  länd  //.  13.  künigin  //.  44.  Si  jähen  z. 
M.  X.  A.  Zoo  in  s.  a  kein  sin  //.  15  Seinl  //.  45.  '<6 
fjer /•//  w er /•//  \i.  v  \  '<•>.  Nemenl  //.  '>1  Dein  h.  47. 
\.    i.  betea  //.    52.  bette,    »/.   v  A.  solh  //.    53.  h«l  //. 

54.    Sei«    b.    s//./  >/.    A.    yl.       57.    H'eiili    k.    I\;u7    //. 

:>s.  die  9tat  //.    61.    nichl    //.    64.  docl  auch  A7.    gol  sin 

//.      65    DlAi  //.      6<>.   niM  h    sl.   «//   ////    minier  //.     67.    Iieir// 

//e//^//  ii  »/  .v.  .4.  68.  in  '/«  v.  //.  70.  Süllen  h.  //. 
heim  »/  I  v  Tl.  ftnt  »/  \.  .1.  T2.  die  aus  haben? 
>/.  iu,„    1       73    ffnsei    >/    \     i       7  >    IFo  /.    >/.  So  rW<n 


720  iTrsarten.   8,  I. 

d.  A.  herrw  M.  A.  Mm.  mit  s.  A,  an  sinne  M.  76.  Re- 
dent  Mm.  ff,  Reten  M.  JV.  [Redeten]  A.  kuniginw?  M.  78. 
küniginwe  M.  A.  JV.  79.  l.  raw.  80.  kumo*  ff ,  chumpt 
M.  [ir]  A.  M.  Mm.  [81  —86]  A.  8t.  geziueh  ff.  82. 
trewen  rnd  den  guoten  M  85.  Deschiht  M.  86.  selö  ff. 
87.  Des  h.  ff.  88.  werden*  H,  Verden  31«.  90.  Jamer 
M.  92.  änser  M.  94.  Wie  g.  [nü]  ff.  96.  g.  im  si  ff. 
97.  micks  n.  M.  98.  ewr«  M.  N.  A.  [99.  100]  Mm.  99. 
JEr  JIT.  ff.  oege  M.  100.  iuwern  ff.  1.  Da  st.  M.  JV.  A. 
2.  sicA  M.  3.  Deruoften  M,  Äuolten  A.  8.  [vor  mir]  A. 
gehör*  ff.  10.  der  U.  ff.  13.  Da  —  do  M.  JV.  A.  14. 
[wo!]  M.  xV.  A.  15.  d  si  1.  o.  ff.  16.  k.  so  si  A.  Mm. 
17.  kumöst  ff.  küniginne  M.  18.  erlaitent  ff.  Mm  sinne 
M.  So  wirst  du  laider  maer  inn  A.  20.  lanö"  ff.  22.  mir 
daz  ist  war  M.  JV.  A.  25.  In  M.  JV.  A.  29.  dri  ff.  32. 
Dannocht  [so]  ff.  33.  34.  umgesetzt  ff.  33.  Paide  M.  N. 
A.  34.  vtfnf  z.  ras*  M.  iV.  36.  dar  zwo  k.  ff.  Chömen*  M. 
N.  31— 36.  Daz  hundert  razzt  ist  von  hinn  Vnd  fünfzehen 
in  meinem  sinn  A.  [37.  38]  Mm.  dar  zuo  r.  ff,  die  r. 
A.  38.  So  snell  ditz  ich  niht  wol  getrahten  chan  A.  41. 
waz  ff.  42.  Syd  seint  er  ff,  Wan  er  .4.  43.  m.  noch  w. 
M.  44.  horr  üf.  JV.  .4.  46.  belv.  M.  JV,  drehten  Mm.  47 
gewere  i/.  48.  gewg  M,  gmg  iV.  50.  kout*  er  u.  ff.  pf. 
oder  m.  A.  Mm.  [51.  52]  A.  51.  im  mutfst  Mm,  im  ez 
muost  ff.  im  in  gewinnest  M  54.  völliklichen  ff.  55.  ich 
dir  v.  ff.  [55.  56]  4.  sölhen  M.  X.  57.  und  M.  JV.  A. 
trat  ff.  58.  ze  raben  M.  57.  58.  Ze  r.  in  d.  st.  Snell  u. 
drat  A.  59.  Daz  sey  dir  sicher  gesait  A.  60.  v.  m.  u.  h. 
N.  A.  62.  dich  b.  ff.  berait  sein  dar  ff.  63.  sp.  er  zuo 
dem  kiinig  r.  ff.  65.  kwmosl  ff.  ze  p.  M.  JV.  70.  Der  ff. 
[vil]  M.  JV.  A.  wol  erb.  ff.  71.  k.  gar  biz  ff.  72.  Ldu] 
ff.  [vil]  M.  JV.  4.  73.  [ist]  -4.  Mm.  ff.  74.  Der  ff.  A. 
[Er]  Mm.  [schoenen]  A.  Mm.  76.  Der  ff.  und  M.  JV.  4- 
77.  dannoch*  ff.  83.  ffinz  ff.  Rabew  M.  JV.  A.  96. 
hiemit  endet  M.  97.  guot  .4.  Mm.  200.  traht  in  ff.  1. 
abends  —  ein  A.  N.  Mm.  3.  Bi  dem  volen  u.  b.  dem 
manew  ff.  [3.  4]  Jftf»».  X.  4.  das  [voln]  ff.  5  herre.  6. 
Ich  wil  ez  r.  A.  7.  herr  4.  Mm.  JV.  [en]mag  A.  N.  Mm. 
11.  Gebt  —  \o\n  also  g.  A.  JV.  Mm.  13.  herr  A.  N.  Mm. 
14.  Ez  Mm.  *{befser  mues').  ewr  JV.  Mm.  [15-  20]  A.  15.  es 
ff.  gezawmpt  Mm.  ff.  16.  ew  Mm.  JV.  18.  volin  Mm. 
19.  vreist  ff.  20.  seint  ff.  [so]  Mm.  N.  22.  [mit]  ff.  21. 
22.  Do  k.  er  in  m.  st.  Den  voln  er  im  n.  v.  A.  [23-  30] 
A.  24.  in  —  but  ff.  leitkauf*  JV.  25.  Da  er  h.  da  ff.  26. 
Purgern  ff.  der  nurg  m.  guoten  Mm.  JV.  30.  [Daz]  Mm. 
[33]  Mm.  36.  [da]  vor  4.  JV.  Mm.  37.  [in]  ff.  41.  vleiten 
ff.  47.  in  vtir  war  h.  ff.  herr  A.  JV.  Mm.  48.  z.  die  k. 
n.  gr&zzer  >1.  N.  Mm.     49.  scAol  ff.    51.  Gesamet  A.  JV. 


feierten.  8,  J.  721 

Mm.  254.  sagen  A.  N*  Mm.  [55.  56]  A.  [61-64]  A.  61. 
gnuok  ff.  62.  da  v.  ff.  66.  ich  Äaw  g.  ff.  68.  enfruochen. 
69.  von  A.  N.  Mm.  hof  A.  X.  Mm.  ff.  [71.  72]  A.N,Mm. 
77.  Im  geben  ff.  77.  78.  ern  :  mern  A.  N  Mm.  luirer  k. 
[die]  ff.  79.  sol  ich  M.  Mm.  80.  [Mern]  nu  heizest  ff. 
haizzet  xV.  b.  mir  Mm.  81.  etcr  d.  A.  Mm.  ,  N.  iuwer  k.  ff. 
82.  geniezenrf  ff.  83.  schaflent  ff,  chauft  Mm.  [83:  84  i 
.4.  86.  selb  fl.  87.  herr  A.  iV.  Mm.  88.  nie  geu-au  ff. 
A.  Mm.  [89.  90]  A.  90.  ir  kund  o.  m.  sein  Mi».  JV.  91. 
[Do]  A,  Da  xY.  92.  tisch*  A.  Bf.  Mm.  93.  Von  kost  u. 
ff.  '  94.  Het  er  ein  p.  ff.  95.  [des]  ff.  97.  w.  er  g. 
timer  ff.  98.  [er]  ff.  300.  Da  —  petf  A.  N.  Mm.  1. 
fcant  Mm.  [2.  3]  J/w*.  2.  er  in  t.  N.  Mm.  trew.  Mm.  3. 
Wenn  Mm.  4.  sagos  Mm.  [Er  sp.]  —  s.  sazehant  A.  5. 
in  dem  ff.  6.  [du]  A.  9.  vinger*  4.  iV.  Mm.  10.  l/nrf 
la  dir  daz  e.  A.  e.  I.  Mm.  [11  —  14]  A.  [13.  14]  2V.  18 
Ste  ff.  19.  singez  M/n.  20.  des  do  ff.  21.  [sich]  A.  iV. 
Mm.  24.  [daz]  —  niht  ff.  25.  doc/t  ff.  26.  [den]  v.  ff. 
27.  g.  beid  ze  ff.  pwrg  A.  28.  war«  A.  Mm.  N.  29. 
rieften  A,  raffen  N.  Mm.  32.  narbig  ewr  A.  Mm.  N. 
harwig  ff.  34.  gar  wirt  A.  Mm.  eo*w.  ff.  [35.  36J  A.  N. 
37.  st?/f  A.  iV,  slief  ff.  38.  herr  A.  N.  39.  40  umgestellt 
in  //.     39.  er  umb  gen  ff.  [41.  42]  A.  (er]  ff.     42.  mache* 

\  13.  Zehand  er  n.  A.  44.  den  [45.  46]  A.  45.  m.  er 
^.  k.  Mm,  muz  er  s.  ein  k.  xV.  s£.  er  ze  h.  Saz  so  was  er 
künig  genant  ff.      47.  tuht  ff.   [dö]   A.  Mm.  iV.      48.  Me 

\  Mm.  N.  49.  [die  scheide]  ff.  51.  legt  daz  A.  Mm.S. 
52.  mesn&r  A.  Mm  \.  53.  buocher  her  ff.  56.  sw.  und 
n.  X  Mm.  >7.  do  .1.  .>////.  JV.  58.  Er  sp.  m.  i.  das  ivol 
I).  //.  59.  iraizzames  N.  60.  So  sprach  der  mesna3r  ff. 
01.  ein  lies  lis  //.  ainer  1.  A.  Mm.  62.  rf«s  ff.  greis  A. 
Mm.  \.    63.  i' ii  \    gesegitoten  //,  gesellen  Mm. 

64  >////  /;.  //.  bloz  //.  plozz  i  aar  //.  65.  diu  k.  ff. 
66.  ilt'/i  v  66.  »Her]  //.  72.  w.  wil  ich  sehen  an  //. 
73.  7'*.  mesnsr:    \il    gw»i     i     Mm.    \       75.    Glaubt  ^4. 

>////     \.  m«m  in.  //.      76.  G.  ii.  s.  selb  d.  ganzen  w.  //. 

77     so     >/»/.     77    in.  se/fl  der  t.  //.  herr  /l.  Mm.  Y.    78. 

I.    ff,/    m,t    „.      \       I      .',/    -       \  80,    1)0    .1.    .V.       Kl.    s<    IUI   //. 

s;    /////  im  //     sr>.  i.o/n    i.    Um.  .v     «7.  sw.  Uns  berren 

Zoo  *).  i.  d<u  astioa  "A  feben  //.      88.  begunde«  ti 

im   Mm.   v  jenen   >/»<.      90.  berm    I.   V.  Mm.       91.  92. 

drai  .  kemnal    t     v    Um.      \'\.  /.wen   gr.   Innen  //.    \i< 

\     um     d<3     \      95,  «ii,     »/.     ir../    »///,    rehl  .1.   \    Mi». 

'»7.  / ////  inj},,,  bin    i-      ''S.  Zoo  'i-  ^t-  '/"  ei  4a  iaz  .1. 

W    /  »,/  bei  .1.     109   Chomen    i     V.   >/»<•   st.  gon  //.    3. 

erp/lichl  ff.    '»•  Voi  sorjpen  Kf*t.    r.  motu  >/»'    Daz süM  um 

//  //.   w.in     >///<    \    1.    •)   10    i    V.  >////     II.  iwerZV 

i//    i    //.   >////     \i.  insi  /.»     15   (Km  //     13      16.  r.  wer 

ii  16 


722  <ffStttUn.   8,  II. 

ir  seit  Daz  ist  zwar  an  der  zeit  (zwar  d.  i.  z.  Mm.)  A  JV. 
Mm.  418.  w.  iu  w.  oek.  ff.  19.  Da  A.  N.  Mm.  [derj 
A.  Mm.  21.  der  küniy  ff.  gen  A.  N.  Mm.  23.  Ivnren  ff. 
gen  A.  JV.  Mm.  24.  an  ff.  25.  So  s.  w.  herr  A.  Mm. 
willik.  1.  herr  JV.  27.  lieplicÄ  ff.  32.  o~ax  was  ff.  33. 
Dannoch*  ff.  nieman*  A.  IV.  Mm.  ff.  36.  dm  seh.  ff. 
[43]  ff.  44.  (befser  vielleicht  vlohen).  45.  PFer  ff.  47.  vie 
ff.  49.  Daz  -  in  der  ff.  51.  ein  Mm.  g.  daz  se  s.  .4. 
52.  wurde  A.  55.  [bischoi]  ff.  56.  [al]  Mm.  an  der  st. 
M.  ste*  A.  JV.  M?w.  59.  stürbe»  ff.  61.  sin  lin  A.  N.  Mm. 
63.  [er]  ff.  Waschen  Mm.  (wo  häufig  b  f«r  w  steht),  Bal- 
samen 4.  iV.  ff.  65.  den  ff.  66.  der  itfm.  ordenung  A. 
N.  83.  niemand  A.  N.  Mm.  74.  Den  ff.  76.  t.  vr.  Mm. 
IV.  fraitm  IV.  I.  gar  ff.       77.  Bringen  dar  gereite  Beid  ze 

a.  z.  ff.  79.  in  ff.  do  A.  N.  Mm.  ff.  er  do  I.  ff.  81.  Daz 
—  [vor]  ff.  86.  Vnd  ff.  sei  sterben  A.  N.  Mm.  87.  het 
A.  JV.  Mm.  88.  Das  ff.  se*  A.  JV.  Mm.  90.  VFa  ff.  91. 
ranen  ff.  rawen  M.  N.  Mm.  93.  die  Mm.  94.  gesei*  ff. 
97.  t.  san*  Egidius  d.  w.  g.  ff,  t.  Egidius  d.  g.  Mm.  98. 
Da  ff.  501.  ergra6en  ff.  2.  m.  gn/din  schoßn  ff.  3.  Do 
A.  N.  Mm.  ff.  4.  Die  ff.  6.  [We]  g.  irer  s.  in»  ff.  trr 
s.  vnd  1.  Mi»,  leib  :  weib  A.  JV.  Hfwi.  7.  San*  Egidius  ff. 
M/».  an  dem  ff.  11.  herr  4.  JV.  Mm.  12.  ewrr  A.  JV. 
Mm.  16.  sp.  San*  Egidius  1.  ff.  17.  s.  die  h.  ff.  18. 
[noch]  Mm.  m.  die  n.  ff.  21.  vrouw  hiet  ff.  hett  A,  he* 
Mm.  22.  23.  ewr  A.  N.  Mm.  25.  herr  A.  N.  Mm.  26. 
s.  diu  k.  ff.  s.  miigen  n.  Mm.  sein  A.  JV.  Mm.  [27.  28] 
A.  27.  irx  I.  Mm.  28.  [mir]  ff.  29.  [sich]  ff.  31.  Eai- 
di</s  sp.  ff.  Mm.  b.  begund  in  flehen  A.  32.  seift  A.  Mm. 
ff.  [33.  34]  -4.  36.  sin  k.  ff.  37.  pet*  A.  JV.  jflj».  38. 
tüht  Sa?i*  Egidius  ein  pewin  ff.  [ein]  g.  sein  A.  JV.  Mm. 
39.  [daz]  ff.  Mm.  40.  [ob]  A.  JV.  ff.  42.  [ir]  ff.  43.  Sp. 
Sant  Egidius  der  h.  ff.  herr  A.  AT.  Mm.  44.  scÄol  .4. 
45.  muezes*  ff.  46.  [künig]  A.  47.  San*  Egidius  te*  uf 
ir  ff.  50.  In  das  gras  s.  ff.  samn  ein  /fiel  fc.  51.  [also] 
A.  Mm  ff.  52.  San*  Egidius  u.  ff.  53  [der]  Mm.  par 
ff.  57.  k.  w.  stuont  ff.  58.  [waz]  ff.  60.  Ez  h.  ff.  s.  n. 
1.  M.  JV.      61.  Si  s\  siinkt  A.  N.  Mm.  alz  A.  JV.      65.  ze 

b.  m.  er  gen  .4.  66.  An  d.  k.  swaz  er  s.  h.  ff.  [D.  k.] 
w.  er  s.  h.  M.     70.  an  s.  ff. 

II.     Naturrecht. 

Handschriften:     eine    Münchner   (Mm)  Bl.    270;      Augsburger    (A) 
Bl.  212;  JXeresheimer  (N)  Bl.   331;   Heidelberger  (H)  Bl.  27t 

1.  [der]  Mm.  er  an  gevwr  A.      4    muoz  JV.  Mm.    m. 
ic/t  ?"on  im  Mm.  [dö]  Mm.  IV.   ff.     5.  So  er  saz  ff.   J^o  >4. 


tfesarten.    8,  II.  723 

N.  Mm.  6.  niemand  A.  N.  Mm.  ff.  8.  gros  ff.  vazzt 
erkl.  A.  AT.  Mm.  9.  wa  ff ,  wo  X.  iV.  Mm.  10.  Dar  umb 
ff.  sei  A.  N.  Mm.  11.  der  armen  ff.  13.  er  die  ylocken 
h.  ff.  15.  gota  —  [an]  ff.  17.  Eines  ff.  tags  do  A.  N. 
Mm.  18.  do  er  az  vi.  AT.  Mm.  huenr  ff.  20.  er  erkl.  ff. 
23.  [schon]  —  der  1.  vi.  A'.  Mm.  26.  ane  vi.  A.  Mm.  27. 
arme«  N,  ff.  28.  der  die  grozen  glocken  ff.  29.  geklenckt 
A.  Mm.  ff.  30.  s.  in  an  weder  ff.  31.  irm  A.  N.  Mm. 
32.  klencto  sich  an  der  st.  A.  N.  Mm.  33.  [si]  ff.  35. 
i.  1.  u.  n.  A.  37.  küni$res  ff.  39.  40.  vernomen  :  komen 
,4.  N.  Mm.  43.  44.  klenckt  :  senckt  Mm.  ie^leicher  A.  N. 
Mm.  [45.  461  A.  iemanf  Mm.  47.  49.  niemand  A.  N.  Mm. 
[49.  50]  A.  50.  m.  da  ff.  51.  Si  g.  v.  ff.  52.  Si  saiten 
N,  Lud  saiten  vi.  Mm.  [53  —  56]  4.  53.  hao  A7.  Mm. 
Alenckt  N.  55.  wir  im  ie  ff.  niemand  AT.  Mm.  57.  An 
der  selben  st.  A.  sech  wir  Mm.  58.  [im]  ff.  in  A.  [aber] 
Mm.  [59.  60]  A.  59.  [dem]  ff.  da  AT.  Mm.  ff.  60.  ma- 
nigen  dra  ff.  mewigiv  Mm.  A7.  61.  Sp.  aber  br.  vi.  62. 
die  gl.  A.  N.  6i.  [viere]  ff.  [65.  66]  vi.  Mm.  JV.  65.  D« 
ff.  67.  Do  tet  in  A.  Mm.  A7.  68.  sprachen  A.  Mm.  N. 
69.  grozz  A.  Mm.  N.  71.  Alsus£  der  ein  under  den  ff. 
7i.  an  <lcii  JV.  ff.  klachel  Jf»,  kchenkchel  H,  swenckel  A. 

71.  751  A.  70.  ,S7  giengen  vür  vi.  [wider]  Mm.  78.  ie- 
manrf  //.  79.  heiz  ff.  80.  (if*i  ichts  wil  ich  im  vi.  [niht] 
//.  »tanJHitt.  A.  ff.  81.  reriahen  vi.  Mm.  N.  82.  glo^ken 
[ist]  ff.  85.  swinge*  ff.  swenkel  ff,  swencfci  Mm.  86. 
manigen  st.  ff.  91.  Wer  ir  leid  si  gar  g.  ff.  92.  üil  ff. 
94.  [muoz]  b.  wir  si  sin  ff.  b.  ber  si  sein  Mm.  b.  das 
wunder  ain  A.  95.  beschaffe  ff,  schallen  vi.  A7.  Mm.  w. 
seh.  Mm.  96.  gesehen  vi.  [97.  98]  vi.  98.  sull  Mm.  99. 
//.     100.  gl.  gie  an  //.     1.  6.  gen  A.  N.  Mm.     2.  het 

<\  Mm.  ein  A.  V  >7m.  3.  fluot]  ff.  4.  yeslichen  ff.  7. 
Da  vi.  A.  >///<.  II  -  16]  M.  15.  Wa  //.  diu  n.  ff.  iMm. 
tool  //  17.  Die  oater  la»l  sich  für  seinen  v.  M.  18. 
sagen  A.  N.  Mm.  SO.  gauden  //.  22.  [ir]  irn  A.  A7.  Mm. 
i\.  /  i     \     >////.    i~.  leidj  //.    28.  berr  vi.  A.  Mm. 

30.    Dach    //.     :i2.   />.r/  //.     35.  itandecfa  N.    36.  niemand 

i  \  >/;//.  //.  38.  Die  da  //.  3fc  si  daz  I,  vi.  A7.  Mm. 
sollen   Hai.  //.  toltcn  4.     10.    berren]  //.  polten  //.  vi. 

13.   ob   irm  arm  I.   //.       H.    m;nw/rn   4.   A.   Mm.       46.   der 

natem  gewin  Ä.  A  17.  ii  Ir  M  //.  is.  sj>/Vs  .i.  A'.  Mm. 
\\).  D;.^  der  kania  gul  Dai  ich.  d.  k.  K.  g.  //.  (der]  vi. 
.v  ,n  u;.s  //.  M.  der  s*la  lf.  //.  :>.>  D«a  ich  ff.  57 
•Hl    //      60.   D.   4c  n.  vi.   N.  Mm. 


724  tfewten.     9. 

9.     $alatin. 

Heidelberger  Handschrift  Dl    273. 

9.  10.  spilt  :  behilt.  10.  mir  für  niur.  13.  niemand. 
17.  eilen.  32.  niemand.  41.  rote*  goU.  50.  Das.  52. 
was.  53.  Da.  57.  58.  möhl  genesen.  59.  Doch.  67.  Da. 
78.  steht  zweimal,  zuerst:  So  ich  si  mach  met.  79.  Em- 
pfahen.  92.  jamerlich.  106.  Da  w.  n.  I.*  19.  daz  Got. 
21.  u.  zwar  ger.     27.  Dter. 


CO 
C\3 


WW: 


LÜi 


C/)' 


O   CM 


jfc  © 

=  C/) 

lO  © 

-Q.    t- 


|X  in 


'■^.    CM 
;CQ   CM 

•UJ 

lo 

=  <  in 

=  0C    -r- 

=  -~  °> 
O  co